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Alexander von Humboldt: „Auszug aus einem Briefe des Hrn. v. Humboldt an Hrn. Fourcroy“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1801-Extrait_d_une_lettre_de_M_Humboldt_au_C-08> [abgerufen am 30.11.2022].

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https://humboldt.unibe.ch/text/1801-Extrait_d_une_lettre_de_M_Humboldt_au_C-08
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Titel Auszug aus einem Briefe des Hrn. v. Humboldt an Hrn. Fourcroy
Jahr 1802
Ort Weimar
Nachweis
in: Magazin für den neuesten Zustand der Naturkunde mit Rücksicht auf die dazu gehörigen Hülfswissenschaften 4:2 (1802), S. 188–195.
Sprache Deutsch
Schriftart Fraktur
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: II.10
Dateiname: 1801-Extrait_d_une_lettre_de_M_Humboldt_au_C-08
Statistiken
Seitenanzahl: 8
Zeichenanzahl: 8666
Bilddigitalisate

Weitere Fassungen
Extrait d’une lettre de M. Humboldt, au C. Fourcroy (Paris, 1801, Französisch)
Copie d’une lettre écrite de Cumana, le 16 octobre 1800 (24 vendemiaire an 9). Humboldt au citoyen Fourcroy, membre de l’institut national (Paris, 1801, Französisch)
Letter from C. Humboldt to C. Fourcroy, Member of the French National Institute (London, 1801, Englisch)
Copie van een Brief, geschreven van Cumana, den 16den October 1800 (24 Vendem. an 9.) (Haarlem, 1801, Niederländisch)
Copie d’une lettre écrite de Cumana, le 16 Octobre 1800 (24 Vendémiaire an 9) (Brüssel, 1801, Französisch)
Copia de una carta de Cumaná del 24 Vendimiario, año 8º̣ (16 de Octubre de 1800), inserta en el Monitor ó Gazeta nacional de Francia del 7 Prairial, año 9º̣ (27 de Mayo de 1801); traducida en el Real Estudio de Mineralogía por D. Vicente Gonzalez del Reguero. Humboldt al ciud. Fourcroy, miembro del Instituto nacional (Madrid, 1801, Spanisch)
Extrait d’une lettre de M. Humboldt, au C. Fourcroy (Paris, 1801, Französisch)
Auszug aus einem Briefe des Hrn. v. Humboldt an Hrn. Fourcroy (Weimar, 1802, Deutsch)
Выписка изъ письма Гумбольда къ Г-ну Фуркруа. Изъ Куманы отъ 16 го Октября 1800 го года [Vypiska iz pisʹma Gumbolʹda k G-nu Furkrua. Iz Kumany ot 16 go Oktjabra 1800 go goda] (Sankt Petersburg, 1803, Russisch)
Выписка изъ письма Гумбольда къ Г-ну Фуркруа. Изъ Куманы отъ 16 Октября 1800 года [Vypiska iz pisʹma Gumbolʹda k G-nu Furkrua. Iz Kumany ot 16 Oktjabra 1800 goda] (Sankt Petersburg, 1806, Russisch)
|188|

Auszug aus einem Briefe desHrn. v. Humboldt an Hrn. Four-croy. A. d. Schriften des Na-tionalinſtituts.

Waͤhrend der 16 Monate die wir mit Berei-ſung des großen Landſtrichs zwiſchen der Kuͤſte,dem Oronoco, dem ſchwarzen- und Amazonenfluſſe zubrachten, hat der B. Bonpland mit den Dou-bletten uͤber 6000 Pflanzen getrocknet. Ich habemit ihm an Ort und Stelle auf 1200 Species be-ſchrieben worunter eine große Menge zu ſeynſcheint die noch nicht von Aublet, Jacquin, Mutis und Dombey beſchrieben ſind. Wirhaben Inſecten, Schalthiere und Faͤrbehoͤlzer ge-ſammlet; Crocodile, Seekuͤhe (Lamantins) Af-fen, Zitteraale (Gymnotus elect.) wo die Fluͤſ-ſigkeit lediglich galvaniſch, und nicht elektriſchiſt — zergliedert. Wir haben viele Schlangen,Eidexen, einige Fiſche u. ſ. w. beſchrieben. Ich habe eigentlich zwey Reiſen unternommen:eine nach den Miſſionen der Chaymas-Indianerzu Paria und die andere in das unermeßliche |189| Land nordwaͤrts des Amazonenfluſſes zwiſchen Po-payan und die Gebirge des franzoͤſiſchen Guyana.Wir ſind zweymal vor den großen Waſſerfaͤllendes Oronoco, unterm 5° 12′ ſuͤdl. Breite u. 4 St.43 Min. weſtl. Laͤnge von Paris, — und denenvon Atures und Maypures im 5° 39′ Br. und4 St. 41. M. 40 S. Laͤnge, vorbeygekommen;von der Muͤndung des Guaviare und der Fluͤſſe Atabaya, Temi und Tuamini. Ich ließ meinePirogue zu Lande, nach dem ſchwarzen Fluſſeſchaffen. Wir gingen zu Fuß durch die Waͤlderder Hevea (die das elaſtiſche Harz liefert) der Cin-chona (wo die Chinarinde herkommt) und der Winterana-Canella. Ich ſtieg vom Rio-Ne-gro bis San-Carlos um die Laͤnge durch den Zeit-halter von Berthoud zu beſtimmen, mit welchemich noch immer ſehr zufrieden bin. Ich beſuchtealsdann die Gegend von Caſiguiare welche vonden Ydapaminaren bewohnt wird welche blos vongeraͤucherten Ameiſen leben. Ich drang bis zuden Quellen des Oronoco, bis jenſeits dem Vul-can von Duida vor, ſo weit als es die Wildheitder Guaicas- und Guakaribos-Indianer verſtat-tete; ich fuhr den ganzen Oronoco hinab bis zurHauptſtadt von Guyana wo ich 500 Lieues in 26Tagen machte ohne die Raſttage zu rechnen. |190| Wir haben Ihnen den Milchſaft eines Bau-mes geſchickt welchen die Indianer die Kuh nennen, weil ſie die Milch davon trinken die nichtſchaͤdlich ſondern vielmehr ſehr naͤhrend iſt. MitHuͤlfe der Salpeterſaͤure habe ich Caoutchouc oderFederharz daraus bereitet. Unter das fuͤr Siebeſtimmte miſchte ich etwas Soda und zwar ganznach den Grundſaͤtzen die Sie ſelbſt davon aufge-ſtellt haben. *) Ich habe auch verſucht Ihnen das Curare oder das beruͤchtigte Gift der Indianer vom ſchwar-zen Fluß, in ſeiner ganzen Reinigkeit, zu verſchaf-fen. Ich machte ausdruͤcklich deshalb eine Reiſenach Esmaralda um die Pflanze zu ſehen welchedieſen Saft liefert. Ungluͤcklicherweiſe aber ſtandſie nicht in der Bluͤthe. Ich werde Ihnen einandermal die genaue Bereitungsart dieſes Giftesmittheilen, wie ſie bey den Catarapeici- undMagnixitaſes-Indianern gewoͤhnlich iſt. Hiernur einiges: Die Pflanze die das Gift enthaͤltheißt Maracury, ich ſende Ihnen hier die Zweigedieſer Liana; ſie waͤchſet ſparſam zwiſchen den
*) Fourcroy hatte vorgeſchlagen den Saft der Hevea den man in Flaſchen verſenden wollte, mitaͤtzendem Laugenſalze zu verbinden um den Nieder-ſchlag des Caoutchouc zu verhuͤten.
|191| Granitgebirgen von Guanaja und Yumari-quin, im Schatten der Theobroma-Cacao und der Caryocas. Nachdem man das Ober-haͤutchen aufgehoben hat, uͤbergießt man ſie mit kal-tem Waſſer, man druͤckt alsdann den Saft aus, laͤßtetwas Waſſer uͤber dem ſchon halb ausgedruͤcktenOberhaͤutchen ſtehen und filtrit den Aufguß. Diedurchgegangene Fluͤſſigkeit iſt gelblich. Hieraufkocht man ſie und laͤßt ſie bis zur Conſiſtenz desSyrupzuckers abdampfen. Dieſer Syrup ent-haͤlt ſchon das Gift ſelbſt, iſt aber noch nicht dickgenug um die Pfeile damit zu uͤberziehen. Manvermiſcht ihn deshalb mit dem glutinoͤſen Saft ei-nes andern Baums welchen die Indianer Kira-caguera nennen. Dieſe Miſchung wird wie-der ſo lange gekocht bis ſie ſich zu einer braͤunli-chen Maſſe verdickt. Sie wiſſen daß der Curareinnerlich als ein Magenmittel gebraucht wirdund er iſt auch in der That nicht eher ſchaͤdlichals wenn er mit dem Blute gemiſcht wird wel-ches er desoxidirt. Ich habe nur erſt ſeit etli-chen Tagen Verſuche damit angeſtellt, aber be-reits bemerkt daß er die atmoſphaͤriſche Luft zer-ſetzt.
Ich fuͤge dieſer Subſtanz noch 3 andre bey;das Dapiche, le Dapiche (ausgeſprochen: Da-pitſche) das Pendarenharz (le leche de Pen- |192| dare) und die Otomaken-Erde (la terre des Oto-maques). Das Dapiche iſt eine Art von elaſtiſchemGummi das Ihnen wahrſcheinlich nicht bekanntiſt. Wir haben es an einem Ort entdeckt wo ſichkeine Hevea findet in den Moraͤſten des Javitage-birgs in einer Breite von 2° 5′. Dieſe Suͤmpfeſind durch die fuͤrchterlichen Boa-Schlangen diedarinn leben, beruͤchtigt. Wir fanden bey den Poimaſanos- und Paragini-Indianernmuſicaliſche Inſtrumente die aus Caoutchouc verfer-tigt waren und die Einwohner ſagten, daß ſich dieſeSubſtanz in der Erde faͤnde. Das Dapiche oderZapis iſt eine weiße ſchwammige Maſſe die man un-ter den Wurzeln der beyden Baͤume Jacia und Cur-vara findet; dieſe Baͤume ſcheinen uns neue Gat-tungen zu ſeyn und wir werden zu ſeiner Zeit dieBeſchreibung davon geben. Der Saft dieſer Baͤu-me iſt eine ſehr waͤßrige Milch; indeſſen ſcheintes eine Krankheit fuͤr ſie zu ſeyn wenn ſie dieſenSaft durch die Wurzeln verlieren und wirklichſtirbt der Baum durch dieſe Art von Haͤmorrhagieab und der Saft gerinnt in der feuchten Erde ohnedie freye Luft zu beruͤhren. Ich ſende Ihnen hierſowohl das Dapiche ſelbſt als auch eine Art vonCaoutchouc welches daraus bereitet iſt indem manes blos dem Feuer ausſetzt und es darinn ſchmelzt. |193| Das Pendarenharz iſt eine getrocknete Milchdes Baums Pendare und ſtellt einen weißennatuͤrlichen Firniß vor. Man uͤberzieht mit die-ſer Milch wenn ſie noch friſch iſt, die Gefaͤße derTutuma’s. Sie trocknet ſchnell und iſt ein ſehrſchoͤner Firniß; ungluͤcklicherweiſe aber wird ſiegelblich wenn man ſie in großer Maſſe trock-net. Die Erde der Otomaguen iſt 3 Monate lang faſtdie einzige Nahrung dieſer durch ihre bemahltenKoͤrper ſcheußlichen Nation. Dieſe Leute eſſen dieerwaͤhnte Erde ſo lange als der Oronoco ſehr hochiſt und man viele Schildkroͤten daſelbſt findet. Esiſt eine Art von lettiger Erde und es giebt Leutedie 1 bis 1\( \frac{1}{2} \) Pfund des Tages davon verzehren.Einige Moͤnche haben behauptet daß ſie das Fettaus den Crocodillſchwaͤnzen damit vermiſchten;aber dieß iſt falſch. Wir haben bey den Otoma-guen Vorraͤthe von ganz reiner Erde gefunden,die ſie aßen, und ſie geben ihr keine andere Zu-bereitung als daß ſie ſelbige ein wenig roͤſten undanfeuchten. Mir ſcheint es ſehr wunderbar wieman rubuſt ſeyn und taͤglich 1\( \frac{1}{2} \) Pf. Erde eſſenkann, da es doch bekant iſt was fuͤr traurige Wir-kungen die Erde bey Kindern hat. Indeſſen ha-ben mich meine eignen Erfahrungen uͤber die Er-de und ihre Eigenſchaft, im feuchten Zuſtande |194| die Luft zu zerſetzen, gelehrt, daß ſie wirklichnaͤhren, das heißt, durch chemiſche Verwandtſchaf-ten wirken koͤnne. Ich fuͤge fuͤr das Muſeum eine Tabaksdoſeeben dieſer Otomaken und das Hemd einer Na-tion aus der Nachbarſchaft der Piroas bey.Dieſe Doſe iſt ſehr groß, eigentlich eine Schuͤſſelauf welche man eine Miſchung von einer geriebe-nen und verweſeten Mimoſenfrucht nebſt etwasSalz und gebrannten Kalk ſchuͤttet. Der Otomakhaͤlt die Schuͤſſel in der einen Hand, und in derandern eine Roͤhre wovon 2 Oeffnungen in ſeineNaſenloͤcher paſſen um dieſen ſtimulirenden Tabackdadurch einzuziehen. Dieſes Werkzeug hat einhiſtoriſches Intereſſe: es iſt blos bey den Oto-maken und Omeguas im Gebrauch wo es Con-damine geſehen hat; folglich bey zwey Nationendie jetzt auf 300 Lieues von einander entfernt woh-nen; es beweißt daß die Omekas die nach eineralten Tradition von Guaviare gekommen ſind,vielleicht von den Otomaken abſtammen und daßdie Stadt Menoa von Philipp von Urre zwi-ſchen Meta und Guaviare geſehen worden iſt.Dieſe Thatſachen koͤnnen Aufſchluß uͤber die Fabeldes Dorada geben. |195| Das Hemd der Nation in der Nachbarſchaftder Piroas iſt von der Rinde des Baums Marisna der man weiter keine Zubereitung giebt, hier wach-ſen alſo die Hemden auf den Baͤumen! Eben ſoiſt es auch in der Naͤhe des Dorada, wo ich keinemineraliſche Merkwuͤrdigkeit als Talk und etwasTitaneum geſehen habe. Es wird bemerkt daß Fourcroy noch keinsvon allen den hier erwaͤhnten Dingen erhaltenhatte.