Digitale Ausgabe

Download
TEI-XML (Ansicht)
Text (Ansicht)
Text normalisiert (Ansicht)
Ansicht
Textgröße
Zeichen original/normiert
URL und Versionierung
Permalink:
https://humboldt.unibe.ch/text/1827-Bericht_ueber_die-6
Die Versionsgeschichte zu diesem Text finden Sie auf github.
Titel Bericht über die Naturhistorischen Reisen der Herren Ehrenberg und Hemprich
Jahr 1829
Ort Berlin
Nachweis
in: Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Aus dem Jahre 1826, Berlin: Königliche Akademie der Wissenschaften 1829, S. [111]–134.
Sprache Deutsch
Schriftart Antiqua
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: IV.77
Dateiname: 1827-Bericht_ueber_die-6
Statistiken
Seitenanzahl: 24
Zeichenanzahl: 55514
Bilddigitalisate

Weitere Fassungen
Bericht über die naturhistorischen Reisen der Herren Ehrenberg und Hemprich durch Aegypten, Dongola, Syrien, Arabien und den östlichen Abfall des habessinischen Hochlandes, in den Jahren 1820–1825. Gelesen in der königlichen preußischen Akademie der Wissenschaften (Stuttgart; Tübingen, 1827, Deutsch)
Extrait du Rapport der M. le baron de Humboldt, sur les Voyages entrepris pour l’Histoire naturelle par MM. Ehrenberg et Hemprich, en Égypte, à Dongola, en Syrie, en Arabie, et le long de la pente orientale du haut pays de l’Abyssinie, dans les années 1820 à 1825 (Paris, 1827, Französisch)
Rapport sur le voyage fait par MM. Ehrenberg et Hemprich en Égypte, Dongola, Syrie, Arabie, et à la pente orientale du plateau de l’ Abyssinie, de 1820 à 1824; lu à l’Académie des sciences de Berlin (Paris, 1827, Französisch)
Bericht über die Naturhistorischen Reisen der Herren Ehrenberg und Hemprich, durch Aegypten, Dongola, Syrien, Arabien, und den östlichen Abfall des Habessinian Hochlandes, in den Jahren 1820–1825. Gelesen in der Königlichen Akademie der Wissenschaften. Berlin. Gedruckt in der Druckerei der Königlichen Acadmie der Wissenschaften. 1826 [...] (Boston, Massachusetts, 1828, Englisch)
Auszug aus dem ‚Bericht über die Naturhistorischen Reisen der Herren Ehrenberg und Hemprich durch Aegypten, Dongola, etc. etc. in den Jahren 1820–1825.‘ Gelesen in der Königl. Akademie der Wissenschaften (Berlin, 1828, Deutsch)
Bericht über die Naturhistorischen Reisen der Herren Ehrenberg und Hemprich (Berlin, 1829, Deutsch)
A Scientific Harvest (London, 1830, Englisch)
A Scientific Harvest (London, 1830, Englisch)
A Scientific Harvest (Edinburgh, 1830, Englisch)
|111|

Berichtüber dieNaturhistorischen Reisender HerrenEHRENBERG und HEMPRICH.DargestelltvonAlexander von Humboldt.

Die Akademie der Wissenschaften hat uns aufgetragen, Herrn Link,Lichtenstein, Rudolphi, Weiß, und mir, einen Bericht über dieReisen zu erstatten, welche auf Kosten des Staats, von Herren Ehrenbergund Hemprich durch die lybische Wüste, Ägypten, Sennaar, Dongala, denLibanon, Cölesyrien, das westliche Arabien und den östlichen Abfall desHabessinischen Hochlandes in den Jahren 1820 bis 1825 unternommen wor-den sind, und alle Theile der Naturkunde, wie die der physikalischen Erd-beschreibung auf die denkwürdigste Weise bereichert haben.Wenn es bei dem belebenden Einflusse, den jede Vermehrung wissen-schaftlicher Sammlungen auf die Erweiterung menschlichen Wissens ausübt,schon an sich ein nicht zu verkennendes Verdienst ist, in der langen Dauergefahrvoller Reisen, eine große Zahl neuer Naturkörper zu entdecken, auf-zubewahren, und wohlerhalten nach Europa zurückzubringen, so wird diesesVerdienst auf das vielfachste erhöht, wenn die vom Staate ausgesandten Männermit trefflichen Vorkenntnissen ausgerüstet, und von dem Gefühl eines höhe-ren wissenschaftlichen Berufs durchdrungen, nicht blos als rastlose Sammler,sondern zugleich auch als beobachtende Naturforscher auftreten.Alles was sich bezieht auf die geographische Vertheilung der Thier-und Pflanzen-Formen, auf den Einfluß, welchen Beschaffenheit des Bodens,Höhe des Standorts, und mannigfaltige klimatische Verhältnisse auf das orga-nische Leben ausüben, kann nur durch unmittelbare Anschauung von den|112| Reisenden selbst ergründet werden. Die Sitten der Thiere sind nicht minderwichtig, als die Kenntniß ihres Baues, welcher jene Sitten bestimmt. Einegroße Zahl der feinsten, anatomischen und physiologischen Beobachtungenkann nur an Ort und Stelle gesammelt werden. Die geognostische Kenntnißdes Erdkörpers wird nicht durch Einsenden von Mineralien gefördert, dieohne ein leitendes Princip, ohne Hinsicht auf ihre Gruppirungen in Gebirgs-arten, auf ihr relatives Vorwalten, auf ihren Übergang in einander und ihreAltersfolge, an isolirten Felsklippen gebrochen worden sind. Der beobach-tende Geognost allein kann den Fortschritten der Geognosie nützlich werdenund eine Wissenschaft, deren wesentlicher Charakter Darstellung des Zu-sammenhangs in den Erscheinungen, Ergründung der Verhältnisse hetero-gener Gebirgsmassen ist, wird aus den thätigen Bemühungen unwissenschaft-licher Sammler nie den Zuwachs erhalten, welchen dieselben Bemühungendem beschreibenden Theile der Thier- und Pflanzenkunde gewähren.Ehrenberg und Hemprich, auf welche die Wahl der Akademiedurch mehrere ausgezeichnete Arbeiten geleitet worden war, haben allen denAnforderungen, welche man, im gegenwärtigen Zustande der Wissenschaftenan gelehrte Reisende machen kann, auf das glücklichste entsprochen. Dieeinfache Aufzählung dessen, was beide geleistet, ist der unwiderleglichsteBeweis davon. Sie haben gesammelt, als wäre Sammeln allein ihr Zweck ge-wesen; für Präparation, Aufbewahrung, specifische Benennung der Gegen-stände gearbeitet, wie vielleicht, unter ähnlichen Umständen, nie von Reisen-den geschehen ist. Die an das Königliche Museum übersandten Gegenständefüllten 114 Kisten (zu 20 bis 30 Kubikfuß) aus. Die Gesammtzahl der auf-bewahrten Individuen von Pflanzen übersteigt 46,000, worunter 2900 Arten.Die Gesammtzahl der Thiere begreift 34,000 Individuen, worunter 135 ver-schiedene Species von Säugethieren, 430 Arten von Vögeln, 546 Fischartenund Amphibien, 600 Species von Anneliden und Crustaceen und 2000 In-secten-Arten. Die Königliche Mineralien-Sammlung ist mit 300 Stückenvon Gebirgsarten bereichert worden, die nach ihrer Auf- und Anlagerunggeordnet, über den innern Bau des Erdkörpers in fernen, geognostisch-unentdeckten Ländern ein hohes Licht verbreiten. Aber alle diese Samm-lungen von Mineralien, von phanerogamischen und cryptogamischen Gewäch-sen (unter denen die erstern allein wahrscheinlich 5 bis 600 unbekannte Artenenthalten), von thierischen Bildungen aller Klassen, besonders der unteren,|113| gewöhnlich von reisenden Zoologen ganz vernachlässigten, sind (so wich-tig auch an sich ihr materieller Besitz für die Königlichen Sammlungen undihre freie Benutzung für die Erweiterung naturhistorischer Kenntnisse wird)doch nur als ein secundärer Gewinn zu betrachten, als ein Gewinn, welcherdemjenigen nachsteht, der aus einer öffentlichen Bekanntmachung der vonHerren Ehrenberg und Hemprich angestellten Beobachtungen ent-springen wird.Erforschung der Natur in der Mannigfaltigkeit ihrer Erzeugnisse unddem Zusammenwirken ihrer Kräfte ist der wesentliche Zweck einer Expedi-tion, wie die über deren Früchte wir der Akademie Bericht abstatten. Geo-graphische Entdeckungsreisen eines Mungo-Park, Burkard, Caillaudund Clapperton haben einen anderen Charakter und sollen andere An-sprüche erfüllen. Durch sorgfältige Scheidung der heterogenen Zwecke,welche beide Arten von Reisen zu erfüllen haben, werden die Bericht-Er-statter in den Gesichtspunkt gestellt, aus dem sie hoffen dürfen, ein gerechtesUrtheil über das Geleistete zu fällen. Eindringen in das Innere eines noch un-eröffneten Continents, Erforschung neuer Flußverbindungen oder trennenderWasserscheiden, Auffinden Volk- und Gewerbe-reicher Städte, als unerwar-teter Zeugen der geheimen Fortschritte menschlicher Bildung, verheißen mitRecht dem Entdecker einen Ruhm, welcher kaum einem anderen nachsteht,der dem Muthe gebührt. Geographische Expeditionen, freilich nicht solche,welche langsam und fast unbemerkt durch astronomische Ortsbestimmungendie Länderkunde erweitern und das schon bekannte berichtigen, sondern die,welche alte, die Erwartung spannende Probleme plötzlich lösen, erregen fastallein ein großes, sich schnell verbreitendes Interesse; ja die Volksspracheschränkt das Wort „Entdeckungen“ auf die Resultate rein geographischerUnternehmungen ein.Diese einseitige Ansicht des Ergründeten geziemt denen nicht, welchenes obliegt, in der lebendigen Anerkennung des gegenseitigen Einwirkensmenschlicher Kenntnisse, Natur- und Länderkunde in allen ihren Theilenunter einen Gesichtspunkt zu fassen. Tieferes Eindringen in das innere Le-ben der Pflanzen und Thiere, Auffinden organischer Formen, welche ent-fernte, sonst isolirt scheinende Gruppen als Mittelglieder verbinden, erwei-terte Einsicht in den Zusammenhang meteorologischer Erscheinungen oder indas Spiel der ewig regsamen, magnetisch-electrischen Naturkräfte ehren ge-|114| wiß nicht minder den menschlichen Geist in seinen mühevollen Bestrebungen,als geographische Entdeckungen, als die Bestimmung räumlicher Verhältnisse,mit denen sich die beschreibende Erdkunde beschäftigt. So wenig man ingerechter Würdigung des Erforschten den kühn und schnell voreilendenMungo-Park tadeln kann, wenn seine erste Reise nicht botanische oderzoologische Resultate gewährte, so wenig ist von einer eigentlichen natur-historischen Expedition zu fordern, daß sie durch geographische Entdeckun-gen glänze. Jede Klasse von Reisen hat einen eigenthümlichen Charakterund Lob gebührt den Reisenden, wenn sie das Ziel erreichen, das ihnen vor-gesetzt war.Wir haben geglaubt, diese allgemeinen Betrachtungen dem Berichteüber Ehrenberg’s und Hemprich’s Reisen voran schicken zu müssen,um auf das hinzudeuten, was ein so wichtiges, von der Königlichen Akade-mie der Wissenschaften veranlaßtes Unternehmen von anderen afrikanischenReisen unterscheidet. Die Mannigfaltigkeit der Gegenstände, welche von denobengenannten Naturforschern behandelt worden sind, machte es nöthig, inbesonderen Abschnitten von dem Gewinn zu reden, den Botanik, Zoologie,vergleichende Anatomie und Geognosie aus ihren Bemühungen gezogen ha-ben. Welcher ausdauernde Fleiß und welche Kraftäußerungen nöthig wa-ren, um solche Resultate zu liefern, ergiebt sich aus der historischen Schil-derung der Reise selbst und aus Betrachtung der vielfältigen Hindernisse,mit denen die Reisenden fast ununterbrochen und leider! oft unterliegendgekämpft haben.

Historische Uebersicht der Reise.

Als im Jahre 1820 der Herr General Menu von Minutoli sich ent-schlossen hatte, eine Reise in den Orient, deren Hauptzweck antiquarischeUntersuchungen waren, zu unternehmen, trug er bei der Akademie daraufan, daß ihm einige junge wissenschaftliche Männer auf Kosten des Staatsbeigesellt würden. Das Königliche Ministerium erlaubte dem Professor derArchitectur Herrn Liman sich der Unternehmung anzuschließen, und dieAkademie der Wissenschaften bewilligte den Doctoren der Medicin HerrenEhrenberg und Hemprich, zwei Naturforschern, die sich schon durcheigene Arbeiten ausgezeichnet hatten, die Geldmittel, welche zur Erreichung|115| des beabsichtigten Zweckes für die ersten Jahre hinlänglich schienen. In Romvermehrte sich durch die Liberalität Sr. K. H. des Prinzen Heinrich vonPreussen die Gesellschaft der Reisenden durch den Orientalisten und Doctorder Philosophie, Herrn Scholtz. Der Plan des Generals Freiherrn vonMinutoli war, Ägypten mit seinen Oasen, die Cyrenaika, Dongola, dieHalbinsel des Sinai, Palästina, Syrien und einen Theil von Kleinasien zu be-reisen, und über Griechenland nach Deutschland zurückzukehren. Die Na-turforscher erhielten von der Akademie der Wissenschaften eine kurze schrift-liche Instruction, wie auch einzelne Fragen über Gegenstände, die in jenenfernen Ländern vorzüglich zu berücksichtigen wären. In dem Anfange desMonats August traf die ganze Gesellschaft, mit Ausnahme des ProfessorsLiman in Triest zusammen, und wurde auf zwei Schiffe vertheilt, die imSeptember in den Hafen von Alexandrien einliefen. Erkundigungen über dieMöglichkeit einer Reise nach der Cyrenaika wurden von denen, die derGegend kundig waren, so beantwortet, daß das Unternehmen ohne störendeGefahr möglich schien. Herr Drovetti, der als französischer Konsul vieleJahre in Ägypten gelebt, und der selbst die Oase von Siwa besucht hatte, lei-tete mit zuvorkommender Gefälligkeit die Ausrüstung der Caravane, welcheaus sechs und funfzig Kameelen und fünf und zwanzig bewaffneten Beduinenbestand, worunter ein Araberfürst und seine Verwandten. Ein großherr-licher Firman und spezielle Empfehlungsbriefe des Pascha von Ägypten anHalil Bey von Derna, welche der General von Minutoli sich verschaffthatte, ließen die Entfernung aller politischen Hindernisse erwarten. DerProfessor Liman war nach Abreise der Caravane in Alexandrien angekom-men, und erreichte sie erst bei Abusir. Übergroße Eile hatten ihn die Sorgefür zweckmäßige Kleidung versäumen lassen, und ohnerachtet seine Reise-begleiter alles aufboten, um diesem Mangel abzuhelfen, so hat derselbe dochwahrscheinlich viel zu der traurigen Zerrüttung seiner Gesundheit beigetra-gen. Die Bösartigkeit der freien Beduinen erregte täglich ernsthaften Zwistin der Caravane. Sie gehörten zu verschiedenen Stämmen, und als manschon weit in der lybischen Wüste vorgedrungen war, erklärte der Bedui-nenfürst Hadji Endaui selbst, daß er über diese verschiedenen Stämmekeine Gewalt ausüben könne. Seine Ungeduld war eben so groß, als die derReisenden. Unter diesen ungünstigen Umständen, welche Nachtwachen aus-zustellen nöthig machten, gelangte die Caravane bis an einen Punkt, der nur|116| eine Tagereise von der Grenze des Tripolitanischen Gebiets entfernt ist. DerBeduinenfürst erklärte, daß er ohne die ausdrückliche Erlaubniß von HalilBey in Derna die Grenzen nicht überschreiten könne. Boten wurden deshalbmit den Empfehlungsschreiben vorausgesandt. Da die Uneinigkeit unter denBeduinen täglich zunahm, so wurde die Caravane dergestalt getheilt, daßder General von Minutoli mit dem Beduinenfürsten und dem Hauptdoll-metscher über das Ammonium nach Kahira zurückkehrte, der andere Theilder Caravane aber, zu dem die Naturforscher und Künstler gehörten, sich ent-schloß, die Rückkehr der ausgesandten Boten abzuwarten. Diese Trennungder Reisenden geschah bei Bir el Kor. Siebzehn Tage harrte man vergebensin der Wüste. Die Boten erschienen nicht und Reisende, auf die man stieß,erzählten, daß Halil Bey von Derna über die Ankunft einer Caravane, inder sich ein General befand, sehr bestürzt wäre. Bei längerer Zögerungwürde der Zeitraum, für welchen die Kameele gemiethet waren, abgelaufensein. Man beschloß daher, sich nach der Oase von Siwa zu begeben, woman vor den eigenen Beduinen Schutz erwartete. Ein ansehnliches Geschenkwurde einem Führer, der in einem Beduinenlager zurückblieb, verheißen,wenn er eine günstige Antwort des Bey von Derna nach Siwa bringen könnte.In allen diesen Hoffnungen sah man sich abermals getäuscht. Die Caravanezog fast ununterbrochen fünf Tage und fünf Nächte lang durch die Wüste.In Siwa erklärten die Häupter, welche in der Oase die Obergewalt ausübten,die Reisenden für Spione und droheten, auf sie schießen zu lassen, wenn siedie Grenzen eines ihnen angewiesenen Raumes übertreten würden. Auf derRückreise nach Alexandrien erkrankten, als Folge der eingetretenen kühlenWitterung und der ermüdenden Märsche, Professor Liman und WilhelmSöllner, der Gehülfe der Naturforscher. Beide gelangten zwar noch bisAlexandrien, erlagen aber dort im Anfange des Monat December, als Opferihrer mühseligen Anstrengungen. Der Orientalist Herr Scholtz trenntesich in Kahira von den Naturforschern und nahm seinen Weg nach Palästina.Ehrenberg und Hemprich verfolgten von nun an allein den ihnen vorge-schriebenen Reiseplan. Eine im Monat März unternommene Excursion nachder Provinz Fajum wurde durch ein dreimonatliches Nervenfieber des DoctorEhrenberg, unter einem Zelte am Fuß der großen Pyramide von Sakharaunterbrochen. Nur die sorgfältigste Pflege seines Freundes konnte ihn retten.Erst am Ende des Julius 1821 war es möglich, die Reise durch Fajum fort-|117| zusetzen. Sie wurde für die Entomologie von größerer Ausbeute, als irgendeine andere. Durch Erkältung im See Moeris bei einer Wasserjagd starb derGehülfe Franz Kreysel, ein Schlesier aus Auras, der Söllners Stellevertreten sollte, an der Ruhr.Die Geldsummen, welche die Akademie der Wissenschaften aus ihreneigenen Mitteln gewährt hatte, waren nun erschöpft, und die Reise hätteschon ihr Ende erreicht, wenn nicht die Wünsche der Akademie durch denKönigl. Staatsminister Freiherrn von Altenstein auf das Thätigste begün-stigt worden wären. Die Reisenden entschlossen sich, in der gerechten Hoff-nung, neue Formen von Naturkörpern in den südlichen Ländern zu ent-decken, der siegreichen Armee Mehemed Ali’s zu folgen. Sie zogen nunvon August 1821 bis Februar 1823 durch Nubien nach Dongola. Alle Er-wartungen, welche diese von Naturforschern nie betretenen Länder erregenkonnten, wurden auf das glücklichste erfüllt. Ehrenberg und Hemprichgelangten durch Nubien bis in die Wüste bei Embukol und Corti, welche Sen-naar, Cordofan und Dongola trennt. Verminderung der Geldmittel und derWunsch, die schon gesammelten Naturalien in Sicherheit zu bringen, be-wogen die Reisenden, sich hier zu trennen. Doctor Hemprich führte dieSammlungen nach Alexandrien, wo er, statt des gehofften Geldes, Befehlzur Rückkehr fand. Doctor Ehrenberg, der in Dongola geblieben war,verließ dies Land, welches durch eine Revolution und die Ermordung vonIsmael Pascha in große Verwirrung gerathen war. Seine Gesundheit hat-ten tropische Wechselfieber geschwächt. Auf dieser Reise ertrank der Ita-liäner Vincenzo im Nil und der Dollmetscher Ibrahim starb an der Pest.Ehrenberg und Hemprich waren nun gezwungen, in Ägypten ihreKameele und Effecten zu verkaufen. Indem sie sich schon zu der befohlenenRückreise rüsteten, kam die freudige Nachricht, daß die Regierung ihnenneue beträchtliche Vorschüsse zur Fortsetzung ihrer Unternehmung bewil-ligen werde. Um die Zeit nützlich anzuwenden, welche bis zum Empfangderselben verlaufen könnte, beschlossen sie den Meerbusen von Suez, dasSinai-Gebirge und die Inseln längs der Küste von Akaba bis Moile zu be-suchen. Diese Ausflucht dauerte über neun Monate, vom Mai 1823 bisMärz 1824. Hemprich kehrte zuerst mit den auf der Halbinsel gemachtenSammlungen nach Alexandrien zurück, fand aber nur die Hälfte der Summewelche er erwartete. Ehrenberg blieb fünf Monate lang in Tor und leider|118| in so großer Verlegenheit, daß er an den ersten Lebensbedürfnissen Mangellitt. Der früher entworfene Plan, nach welchem beide Reisende sich in Tornach Habessinien einschiffen sollten, mußte nun aufgegeben werden, und erstbei Ehrenberg’s Rückkehr nach Alexandrien klärte sich das Dunkel auf,das über der Ankunft der neuen, vom Staate bewilligten Gelder schwebte.Es lief die traurige Nachricht ein, daß der preußische Consul in Triest, beiwelchem die Summen niedergelegt waren, fallirt und sich entleibt hätte.Nun blieb den Naturforschern nichts übrig, als neue Befehle und Vorschüsseabzuwarten. Die Pest wüthete in Ägypten, und es schien ersprießlicher, stattabgeschieden in Unthätigkeit zu leben, in der günstigsten Jahreszeit den zurSee nur zwölf Tagereisen entfernten Libanon zu besuchen. Ein Aufenthaltvon drei Monaten war hinlänglich, um den Schneebedeckten Rücken diesesGebirges zweimal zu übersteigen, einmal über Sanin durch Cölesyrien nachden Ruinen von Balbeck und das zweite mal von Balbeck über Bischerra undden libanotischen Cedernwald nach der Küste von Tripolis. Im Anfang desMonats August 1824 erreichten die Reisenden wieder Damiatte und Alexan-drien, doch erlitt die Gesellschaft einen neuen Verlust. Auf der Rückkehr ausSyrien starb ein Europäischer Gehülfe am Wechselfieber. Glücklicherweisewaren indeß in Ägypten die neuen Geldmittel und neue Befehle zur Fort-setzung der Reise angekommen. Mit wiederbelebtem Muthe beschlossenEhrenberg und Hemprich sogleich die längst gewünschte Reise nach Ha-bessinien anzutreten. Das rothe Meer versprach ihnen einen großen Reich-thum von Corallenthieren, Anneliden und Mollusken: die fragmentarischenBemerkungen, welche aus Forskal’s Papieren gerettet worden sind, mach-ten neue Untersuchungen über die Ichthyologie jener warmen Gewässerwünschenswerth. Am 27. November 1824 konnte die Reise nach Habessinienangetreten werden. Sie ging zuerst zur See von Suez nach Djedda, wo eineExcursion gegen Mecca gemacht wurde, um die berühmte Balsampflanze zubestimmen. Weiter gegen Süden in Gumfude, im wüsten Arabien, zeigtesich ein türkischer Gouverneur dankbar für die ärztliche Hülfe, die er vonden Reisenden empfing. Er gab ihnen ein militärisches Geleite, mit dem siedas nahe gelegene Gebirge Derban sicher untersuchen konnten. Bei Fort-setzung der Seefahrt waren wichtige Gegenstände der Beobachtung: die vul-kanische Felseninsel Ketumbul und eine andere, in der Gazellen umherstrei-fen, und die von den Einwohnern Farsan genannt wird. Letztere fehlt in der|119| Karte, die Lord Valenzia’s Reise begleitet. Von Gisan aus, einem Grenz-orte zwischen dem glücklichen und wüsten Arabien, zogen die Naturforschernach Loheia, in dessen Nähe der unglückliche Forskal sich rühmt, dengrößten Schatz arabischer Pflanzen gesammelt zu haben. Südlicher wurdenKameran, Hauakel und Dalac besucht, und erst am 24. April 1825 wurdeder Hafen Massaua erreicht. Hier erhebt sich gegen Süd-Westen das Ha-bessinische Hochland, welches das eigentliche Ziel der Reise sein sollte.Hemprich machte eine Excursion nach dem Gedamgebirge. Ehrenberggelangte im Tarantagebirge bis an die heißen Quellen von Eilet. An demAbhange des Hochlandes von Habessinien wurden Naturprodukte gesammelt,die schon ihrem Standorte nach, zu den seltensten gehören, welche einEuropäisches Museum besitzen kann. Leider wurden so vielversprechendeAussichten bald durch neue Unglücksfälle getrübt. Eine epidemische Krank-heit herrschte in Massaua. Sie kostete dem Gehülfen der Naturforscher,(Niemeyer, aus Braunschweig gebürtig) das Leben; alle übrigen Reisenden,den Italiäner Finzi ausgenommen, der als Maler besoldet war, erkranktenund schwebten lange in großer Gefahr. Doctor Hemprich von der be-schwerlichen Bergreise ermüdet, unterlag am 30. Junius, nachdem er fünfJahre lang Beweise eines ausgezeichneten Talents, einer rastlosen Thätigkeitund des persönlichen Muthes gegeben hatte, ohne den kein Unternehmenim Orient ausgeführt werden kann. Doctor Ehrenberg durch den Verlustseines Freundes tief niedergeschlagen, dachte nun auf seine Rückkehr undnach zehnmonatlicher Abwesenheit reiste er über Djedda, Cosir und Kahiranach Alexandrien, wo er sich am Anfang des Novembers 1825 nach Triesteinschiffte.Dies ist die allgemeine Übersicht der Länderstriche, in denen dieBeobachtungen gesammelt worden sind. In der nun folgenden Aufzählungdessen, was die Reisenden für Botanik und Geographie der Pflanzen, fürZoologie und vergleichende Anatomie, für Geognosie und Mineralogie, fürLänder- und Völkerkunde geleistet haben, werden die Berichterstatter nieEhrenberg’s und Hemprich’s Arbeiten von einander trennen, da beideNaturforscher, durch die engsten Bande der Freundschaft verbunden, vorder Reise und während derselben den Wunsch ausgesprochen haben, daßalles Beobachtete als ihnen gemeinsam angesehen werde.

|120|

Resultate für Botanik.

Für die Pflanzenkunde war außer dem nicht Unbeträchtlichen, wasDelile geleistet hatte, in neuern Zeiten nichts in Ägypten geschehen, aberDelile drang nicht weit nach Süden vor, und die Streifereien nach Nubienhatten wohl Ausbeute für die Kunst, aber nicht für die Naturkunde geliefert.Wir erhalten aus jenen Gegenden viele und sehr wirksame, häufig gebrauchteArzneiwaaren, deren Ursprung wir entweder gar nicht, oder doch nur mitgroßer Unsicherheit kennen, und deren Ächtheit und Güte wir also nichthinlänglich zu beurtheilen vermögen. Die meisten Pflanzenkenner außerhalbEuropa achteten die Anfänge der Vegetation nicht, welche wir mit dem Na-men der Pilze und Algen bezeichnen, so wichtig sie auch für die Geschichteder Natur sind. Herr Ehrenberg hatte sich schon vor der Reise als ein soscharfsichtiger Kenner dieser verborgenen Vegetation gezeigt, daß sich indieser Rücksicht viel von ihm erwarten ließ. Arabien war seit Forskal,welcher die Reise mit Niebuhr machte, von keinem Pflanzenkenner betre-ten worden, aber Forskal starb auf der Reise, und was von seiner Samm-lung gerettet wurde, ist in einem solchen Zustande, daß es mehr zu Mißver-ständnissen Veranlassung gegeben, als solche aufgeklärt hat. Der unglück-liche Tod des Herrn Hemprich verhinderte das Eindringen nach Habes-sinien, aber auch ein geringer Beitrag zur Kenntniß dieses Landes ist vonWichtigkeit, da Bruce und Salt sehr wenig für die Pflanzenkunde die-ses Landes geleistet haben. Ungeachtet die Pflanzen des Libanon vonLa Billardiere mit großem Fleiß untersucht wurden, so hat doch diesesGebirge einen so üppigen Pflanzenwuchs, daß sich dort eine große Nachleseerwarten ließ. Allen Erwartungen haben die Reisenden durch ihre Bemü-hungen in einem hohen Grade entsprochen. Die Zahl der gesammelten Pflan-zenarten beträgt 2875, nehmlich in Ägypten und Dongola wurden gesammelt1035, in Arabien und Habessinien 700, auf dem Libanon 1140; ein merk-würdiges Übergewicht für den Libanon, zu dessen Untersuchung die Reisen-den nur zwei Monate, folglich nur eine Jahrszeit verwenden konnten. Einegroße Menge dieser Arten ist in vielen Exemplaren vorhanden, so daß sichdie Zahl derselben auf 46750 beläuft. Von 699 Arten sind die Samen ge-sammelt, und dem Königl. Botanischen Garten geschickt worden; über 300Arten haben dort geblühet, mitunter viele noch nicht beschriebene und aus-|121| gezeichnete Arten. Die Zahl der noch nicht beschriebenen Arten kann manüberhaupt auf 600 rechnen. Holzproben sind 44 und Arzneiwaaren aus demPflanzenreiche 40 mitgebracht. Es ist sehr zu bedauern, daß 48 Stämmchenlebender Bäume bis auf eine Weidenart (Salix subserrata) abgestorben an-kamen. Die Pflanzenuntersuchungen nach dem Leben auf der Stelle ent-worfen, betreffen mehr als 1000 Arten. Blüthen und Früchte sind in Mengezergliedert und sogleich gezeichnet, Saftpflanzen vollständig abgebildet. Dasgroße Talent des Herrn Ehrenberg im Zeichnen ist ihm gar sehr zu Stattengekommen, mit vielem Geschick hat er den Baumschlag fremder Bäume auf-zufassen gewußt. Die meisten von Forskal beschriebenen Arten sind wiedergefunden worden. Myrrhe haben die Reisenden von Amyris Kataf selbst ge-sammelt, die verschiedenen Bäume, von welchen das arabische Gummi unddie Sennesblätter kommen, genau bestimmt, auch über die Gewinnung derAloë Aufschlüsse gegeben. Die Manna am Sinai kommt von einer vorhernoch unbekannten Tamarisken-Art. Drei neue Brodtpflanzen wurden beob-achtet, Zygophyllum album, Panicum turgidum und Cucumis farinosa. DieFarbe des rothen Meeres hat schon seit langer Zeit zu vielen UntersuchungenVeranlassung gegeben, Herr Ehrenberg sah zuerst, daß sie von einer klei-nen Oscillatoria herrühre, einem von jenen kleinen Gewächsen, welche zwi-schen dem Thierreiche und Pflanzenreiche in der Mitte stehen. Wir wissennun durch Herrn Ehrenberg, daß die Schimmelarten, kleine Pflanzen, welchesich auf verdorbenen Sachen erzeugen, unter verschiedenen Himmelsstrichenvöllig dieselben sind, überhaupt, daß die niedern Vegetationen unter allenKlimaten dieselben bleiben. Die Anfänge der Vegetation auf den flachenInseln im rothen Meere sind genau beobachtet worden. Überall sind dieReisenden auf die Verbreitung der Pflanzen, sowohl der gebaueten alswilden sehr aufmerksam gewesen, und die Pflanzengeographie erwartet dahereine große Erweiterung.

Resultate für Zoologie.

Was im Fache der Zoologie von den Reisenden geleistet worden, stehtnicht nur mit ihren übrigen Arbeiten in gleicher Höhe, sondern ist in Reich-thum, Mannigfaltigkeit und sorgsamer Behandlung des Gesammelten, so wiein Gründlichkeit der darüber angestellten und niedergeschriebenen Beobach-|122| tungen und Erfahrungen von so großer Bedeutung, daß man sich schonfür befriedigt erklären könnte, wenn dies auch der einzige Gewinn von ihrerUnternehmung gewesen wäre. Denn derselbe ist von einem Umfang, beiwelchem es fast unbegreiflich wird, wie sie noch für die übrigen Zweigeder Naturgeschichte so Vieles zu leisten im Stande waren.Die Wahrheit dieser Behauptung wird sich aus den folgenden Angabennäher und unwiderleglich ergeben.An Säugethieren sandten sie in Allem nicht weniger als 590 Indivi-duen, die zu 135 unterschiedenen Arten gehörten. Die wenigsten derselbenwaren bisher überhaupt oder in genauen Beschreibungen bekannt. Überalllieferten die Exemplare oder die darüber angestellten Beobachtungen diewichtigsten Aufschlüsse über Angaben alter Schriftsteller, über Zweifel derNeueren, über die Bedeutung alterthümlicher bildlicher Darstellungen. DieMenge und Auswahl der Exemplare gab zugleich Rechenschaft über Ver-änderungen nach Geschlecht, Alter und Jahrszeit, gleichzeitige anatomischeUntersuchung vollendete das Bild, das man sich von ihrem Wesen zu ent-werfen habe und ließ späteren Forschungen kaum etwas zu thun übrig. Diewenigen bekannteren Formen waren belangreich für die Kenntniß ihrer geo-graphischen Verbreitung und für die Betrachtung etwaniger Umgestaltungeinzelner Gebilde als Folge der so sehr unterschiedenen klimatischen Ein-flüsse, unter welchen sie angetroffen wurden.Alles Erhebliche zu nennen verbietet die Beschränkung, die diesemBericht gegeben werden muß. Nur Einzelnes sei Beispielsweise genannt.In der Ordnung der Nager lernten wir durch diese Unternehmungnicht nur den lybischen Hasen zuerst genauer kennen, sondern zwei merk-würdige Abänderungen seiner Form, vielleicht eigene Arten, wurden dieeine in Nubien, die andere am Sinai entdeckt. Die sonderbare Familie derSpringmäuse sowohl in der Form der dreizehigen (Dipus) als der fünfzehi-gen (Meriones) erlangte durch die Entdeckung vieler neuen Arten einenReichthum, der vorher nicht geahnet werden konnte. Seltsam klingendeAngaben von Bruce, Meyer, selbst von Pallas wurden durch sie zur Klar-heit gebracht oder auf das Befriedigendste berichtigt. Überraschend warüberhaupt die Mannigfaltigkeit und Eigenthümlichkeit der Bildung so vielerkleiner unterirdisch lebender mäuseartiger Nagethiere, die das Nilthal, Ara-bien und Syrien hervorbringen, und wichtig die Vergleichung aller dieser|123| mit den von Pallas so trefflich beschriebenen asiatischen Nagern, vonwelchen ein glückliches Zusammentreffen uns eben in dieser Zeit so vieledurch die Herren Eversmann und Gebler aus Siberien zuführte. Interes-sante neue Arten von Eichhörnchen lieferten der Libanon und der östlicheAbhang der habessinischen Küste. Letztere auch den bis jetzt so häufig miß-verstandenen arabischen Pavian S. Hamadryas, der die Höhen an beidenKüsten des rothen Meeres in seinem tropischen Theile bewohnt. Der be-rühmte rothe Affe S. Patas ward aus Sennaar mitgebracht in einem leben-den Exemplar von einer Größe und Kraft, die die ganze Ansicht über dieseArt und ihre systematische Stellung verändert.Unter den Raubthiergattungen wurden besonders die der Hunde, Katzen,Zibetthiere, Ichneumonen, Stinkthiere, Wiesel und Spitzmäuse theils mitneuen Arten bereichert, theils durch die Vollständigkeit vorliegender That-sachen und die Gültigkeit der übersandten Beweisstücke aufgeklärt. Derberühmte Cerdo der Alten, Bruce’s langöhriger Fennek kam durch unsreReisenden zuerst nach Europa und stellte sich nebst zwei nahe verwandtenArten, dem Canis riparius und pygmaeus als die Zwergform der Füchse dar,die von dieser großen Sippschaft generisch nicht zu sondern sein wird.Die Fragen nach dem Unterschiede des ächten Schakals von den andernHundearten des Orients, so wie nach der Ausartung, die unser Fuchs inheißen und trockenen Ländern erleidet, werden sich in unseren fernerenBerichten ziemlich genügend beantworten lassen. Eben so sind die wildenKatzen jener Gegenden, die unter dem Namen F. lybica, F. ocreata, F. ma-nul u. s. w. in den systematischen Handbüchern stehen, fast nur als Ausar-tungen der gemeinen wilden Katze anzusehn und die stetigen Reihen, dieunsere Exemplare hier bilden, nehmen in dieser Beziehung ohne Zweifel dieAufmerksamkeit der neueren zoologischen Methode gar sehr in Anspruch.Unter den übrigen Raubthieren sei hier nur noch ein kleines Wieselgenannt, unserm Hermelin im Sommerkleide nicht unähnlich, aber schonmit deutlichen Schwimmhäuten und die ohnehin schon so nahe Verwandt-schaft zwischen Mustelen und Ottern noch näher knüpfend.Auch eine Bärenart lieferte die Reise, die am Libanon gefunden wurde,deren geringe Größe und lichte Haarfarbe, bis zur nähern Untersuchungdes Schädels, es sehr bedenklich macht, sie für bloße Ausartung des euro-päischen Landbären zu halten.|124| Am Sinai und allen mittleren Gebirgshöhen Nubiens und Ara-biens lebt die mit dem capischen Klippdachs generisch verwandte Artvon Hyrax (H. syriacus). Ihre Unterschiede von diesen waren zur Zeitnicht bekannt, man zweifelte ob dergleichen sich finden ließen. Wir be-merkten aber auffallende Verschiedenheit in den Verhältnissen der Tarsen-länge zur Leibeslänge und dürfen nun nicht zweifeln, daß Schreber undShaw richtig auf sie gemuthmaßt.Vor allem aber sind die Entdeckungen glänzend in der Ordnung derWiederkäuer, wo sie zur Erklärung der Angaben der Alten reichen Stoffbieten. Der Akademie liegt ein ausführlicher Bericht über das, was die Un-tersuchung der nubischen Antilopen ergeben hat, bereits vor. Noch eineneue Art wurde später in Arabien entdeckt, die wahrscheinlich bis jetzt im-mer mit der Dorcas verwechselt worden ist. Sie fand sich auch auf der bis-her unbekannten Insel Farsan. Nächstdem ist die bisher nur aus einemFragment im brittischen Museum bekannte Modoqua-Antilope (A. SaltianaBlainville, leicht die zierlichste von allen) in vielen Exemplaren aus allenLebenszuständen gesammelt worden und ihre wahre Diagnose jetzt erst gege-ben. — Auch den Tragelaphus des Plinius fanden unsre Reisenden in Nubienwieder und in Ägypten erhielten sie Ziegen, die in Gestalt der ägyptischenplattnasigen gleichen, aber an Reichthum und Feinheit des Wollhaars denKirgisischen, namentlich denen, die von Herrn Ternaus Heerde aus St. Ouenhieher gebracht wurden, wenig nachgeben. Ein von ihnen mitgebrachterApis-Schädel samt Gehörn aus den Pyramiden von Sakhara giebt völligeSicherheit über die Art und Form des alten heiligen Stiers.Eine große Menge von Fledermäusen wurden in den Pyramiden undKrypten des Nilthals gefunden, alle nemlich, die in dem großen französi-schen Werk Herr Geoffroi aufzählt, und mehrere neue, unter andern einemit auffallend großen Abdominal-Zitzen, die man bis jetzt überhaupt anFledermäusen nicht fand.Die Sirene des rothen Meers ist den angestellten Erkundigungen zu-folge eine Art der Gattung Halicore, von den Arabern Naga und Lothum ge-nannt, und ein von den Reisenden selbst auf einer wüsten Insel aufgefunde-ner und mitgebrachter Schädel giebt darüber völlige Gewißheit. Nur ist die-ser wegen etwaniger Identität mit der bekannten indischen Art noch näherzu vergleichen. Ferner enthalten die übersandten und jetzt noch in Doctor|125| Ehrenberg’s Händen befindlichen Manuscripte des Doctor Hemprich un-gemein reiche Materialien für Zoologie und vergleichende Anatomie in denhöhern Thierklassen. Es ist nicht mit Stillschweigen zu übergehn, daß sichdarin auch höchst interressante Beiträge zur Naturgeschichte der africanischenHausthiere finden.Eine Nilpferdhaut samt Skelet und eine Giraffenhaut erhielt DoctorHemprich zum Geschenk von Abdim Bey, dem Gouverneur von Dongola.Von Vögeln ist die Zahl aller gesammelten und theils in abgebalgtenHäuten, theils in Weingeist, theils skeletirt übersandten Individuen 4671,und diese sind begriffen unter 429 Arten.Schon die ersten Sendungen enthielten alles, was die vortrefflichen nurleider nicht zahlreichen ornithologischen Blätter der Description de l’Egyptedarstellen, und was die folgenden brachten, steigerte in immer gleichemMaaß die Bewunderung des unerschöpflichen Reichthums jener Gegenden,wie des unermüdlichen Fleißes unserer Sammler. Indessen das Nilthal nochviele europäische Vögel lieferte, deren jeder aber für die eben jetzt so raschvorschreitende Ausbildung der heimischen Ornithologie von großem Werthwar, wurden die Besuche in Dongola, Arabien, Syrien, endlich in HabessinienUrsach eines immer größeren Reichthums der Sammlung an tropischen Vö-gelformen. Die Steppen lieferten Trappen, Ganga’s, Lerchen, Steinschmätzervon nie gesehenen Arten, ja durchaus neue Bildungsstufen innerhalb dieserGattungen; die feuchten Ufer eine Schaar von Sängern, Drosseln, Bienen-fressern, Honigsaugern, Eisvögeln; der Meeresstrand Regenpfeifer, Wasser-läufer, Löffelreiher, Möwen und Seeschwalben; fast in allen diesen Gattun-gen mehr Neues und Seltsames, als Bekanntes und Gewöhnliches. Einigederselben namentlich Alauda, Saxicola, Charadrius, Larus und Sterna bedür-fen nunmehr einer gänzlichen Revision, ja einer neuen Feststellung ihrer ein-fachsten Merkmale; andre wie Nectarinia, Merops, Lanius, Hirundo, sind soausnehmend bereichert, daß eine monographische Behandlung derselben fürjetzt nur hier möglich sein wird.Als ausgezeichnete Einzelnheiten verdienen nicht bloß die ungemeinschönen Exemplare des Straußes aus Cordofan, sondern der prachtvollePurpurstorch (C. Abdimii), der langgeschopfte Ibis (I. comata), der großeägyptische Mönchsgeier, der weißköpfige Edelfalk (wahrscheinlich das Ur-bild des in Verbindung mit dem Sonnengott Phre so oft vorgestellten heiligen|126| Falken), die grau- und schwarzköpfigen Möwen und die vor zwanzig Jahrennur nach einem einzigen Exemplar aus unbekanntem Fundort von Paykullbeschriebne, dann aber nie wieder gefundne Dromas Ardeola genannt zuwerden.Nur die Gattungen Anas, Totanus und Tringa, so reich sie an Artenim Orient gefunden werden, liefern nichts als das Europäische. In den übri-gen überwiegt das Fremdartige bei Weitem, selbst in Gattungen, wo man inBetracht der Nähe viel Europäisches erwarten sollte, wie Falco, Strix, Co-lumba, Turdus, Fringilla, Emberiza, Charadrius u. s. w. Höchst auffallendist die völlige Identität einiger Wasservögel des rothen Meeres mit denen derbrasilischen Küste. Beispiele sind Sterna cayennensis, Larus macrorynchos,Dysporus Sula und andre, die bis jetzt nur an diesen beiden Standorten ge-funden wurden.Die Zahl der Amphibien beträgt 437 Stück, von denen 27 in Bälgen,6 als Skelet und 404 in Weingeist angekommen. Die Zahl der Arten be-läuft sich auf 120. Doctor Hemprich hatte vor seiner Abreise eineallgemeine systematische Arbeit dieser Klasse vollendet, welche er HerrnFitzinger in Wien zu gemeinschaftlicher Herausgabe überließ und wardeshalb wohl im Stande, unterwegs die Formen genau zu unterscheiden.Eine große Zahl derselben ist von Doctor Ehrenberg sogleich nach demLeben gemalt worden, und da die ähnlichen Thiere bisher fast allein nachWeingeist-Exemplaren beschrieben und abgebildet wurden, so legten sieauf diesen Theil ihrer Beschäftigung einigen Werth.Von Fischen wurden 2414 Stück gesammelt, davon Bälge 174, inWeingeist 2156, Skelete 84. Die Gesammtzahl der Arten beträgt 426, wo-von 310 dem rothen Meere angehören, welche mit wenig Ausnahmen alleArten des Forskalschen Verzeichnisses umfassen, dessen Zahl sie um mehrals das Doppelte übersteigen. Doctor Ehrenberg und im letzten Jahre einbesonders und allein dazu von ihm angelernter Maler, der Italiäner Finzi,haben fast alle Formen ausgemessen und in Umrissen festgehalten und 110Arten sind nach dem Leben colorirt. Der fliegende Fisch des rothen Meeres,vielleicht das geflügelte Thier ולש Salwa aus der Geschichte der Israeliten amSinai, wenn man überhaupt es nicht durch Heuschrecken erklären will, bis-her nur als eine Erscheinung im hohen Meere durch Forskal bekannt, istvon ihnen oft gesehen und einmal durch besonders günstigen Zufall unweit|127| Rhalim (Elim), gerade da, von wo die Israeliten nicht fern waren, am Strandetodt aber unbeschädigt gefunden worden. Bei starkem Sturme fliegt ermanchmal schaarenweis auf die Schiffe. Mit Angeln und dort üblichenNetzen ist er ihren Erfahrungen nach nicht zu fangen, weil er nie an dieKüste geht und keine Lockspeise nimmt. Sie haben ihn vorläufig als Tri-gla (?) Israelitarum bezeichnet.Süßwasserfische haben sie (außer denen des Nils, worunter mehrereneue, besonders ein großer, dem Sudis vom Senegal verwandter dongolani-scher Panzerfisch, der eine neue Gattung bildet und von ihnen Heterotisnilotica genannt wird), aus dem Hundsflusse (Nahhr el kelb) und dem Abra-hamsflusse (Nahhr Ibrahim) in Syrien, aus dem Abflusse des warmen QuellsRhalim bei Tor am Sinai, aus den bisher noch unbekannten Flüssen WadiKanune und Wadi Djara im wüsten Arabien und aus dem Abfluß des Son-nenquells in der Ammons-Oase durch den Magen eines dort geschossenenReihers.Von Mollusken sammelten sie 3508, nehmlich 2657 Conchylien-schaalen, Thiere in Weingeist 851. Arten zählen sie 310. So wenig, leichtbegreiflicherweise, unter der großen Zahl von Conchylien Neues ist im Ver-hältniß zu andern Abtheilungen, um so mehr Neues und Schönes liefertendie Abtheilungen der nakten Mollusken und Ascidien. Eine Vergleichungder Bewohner des rothen Meeres mit denen des so nahe liegenden Mittel-meeres wird aus diesen Materialien ein ziemlich festes Resultat geben. Dieletzte Aufzählung der Conchylien des rothen Meeres durch Herrn ProfessorBrocchi in der Bibliotheca italiana 1822 enthält nur 91 Arten. Fast alleArten der nakten Mollusken sind von Doctor Ehrenberg nach dem Lebengemalt, oft mit vielen Details. Unter ihnen sind einige systematisch beson-ders wichtige Formen. Beschreibungen fehlen bei keiner Art.Von Anneliden sind 261 Gläschen gefüllt, sie enthalten 67 Arten,meist sehr auffallend abweichende Formen und Doctor Ehrenberg glaubt,daß diese mit unter die wichtigern Resultate der Reise gehören. Alle sindmicroscopisch untersucht, beschrieben und die Charaktere der neuen Gattun-gen abgebildet. Die Reisenden verdanken die Möglichkeit genauer Unter-suchungen dieser Art, der zuvorkommenden Gefälligkeit des Herrn Savignyin Paris, welcher seine classische Arbeit über diesen Gegenstand ihnen zuzu-senden die Güte hatte.|128| Von Crustaceen sind 675 gesammelt, trocken 203, in Weingeist 472.Arten zählten sie 103. Eine Zahl der schönern Formen sind colorirt nachdem Leben festgehalten, zu allen Bemerkungen gemacht.Von Arachnoiden sammelten sie 275 aus 120 Arten, die Mehrzahlin Spiritus. Sämmtliche Arten sind sogleich von Doctor Ehrenberg gemaltworden und keine Art ist ohne detaillirte Beschreibung geblieben. Diese Ab-theilung, bisher so wenig berücksichtigt, dürfte für die Naturgeschichte be-sonderes Interesse haben.Von Insekten sind, dem Verzeichnisse nach, über 20000 Exemplareeingesandt, viele aber leider unterwegs zu Grunde gegangen, doch scheinenwenige Arten verloren zu sein, deren Zahl sich auf 1500 bis 2000 beläuft.Es sind von den Reisenden nicht bloß die Käfer und Schmetterlinge, son-dern vorzugsweise die Hymenopteren, Dipteren und bisher weniger berück-sichtigten Abtheilungen im Auge gehalten worden. Von diesem Ertrage anArten scheinen über zwei Drittheile neu zu sein. Jedem Kistchen war im-mer ein ganz detaillirtes Verzeichniß mit Bemerkungen über Vorkommen,Lebensart und Verwandlung, wo sie beobachtet, beigelegt. Viele Arten habensie in ihrer ganzen Verwandlung beobachtet. Von einer Anzahl vergänglicherArten sind colorirte Abbildungen gemacht worden. Erfreulich ist, daß esihnen gelang in einem kleinen Coccus auf der Tamarix mannifera (einemder Tamarix gallica nahe verwandten Strauch des Sinai), den lange umsonstgesuchten Mannageber zu entdecken. Sie haben ihn deßhalb Coccus manni-fer genannt, beschrieben, abgebildet und gesammelt. Heuschrecken-Wolkenhaben sie ebenfalls beobachtet und das Thier eingesandt.Von Epizoen haben sie 102 Gläschen gefüllt, die sie auf eben so vielThierarten sammelten. Oft waren mehrere Species auf einem Thiere.Von Echinodermen sammelten sie 365 Arten, theils trocken, theilsin Weingeist und besonders reichhaltig sind ihre Sammlungen an Formen derGattung Holothuria, die Dr. Ehrenberg alle nach dem Leben gemalt hat.Von Entozoen füllten sie über 600 Gläschen aus 198 Thierarten.Oft fanden sich viele, selbst bis 7 und 9 verschiedene Species gleichzeitig.Fast alle sind nach dem Leben microscopisch untersucht und sehr viele,über 100, gezeichnet worden.Acalephen sammelten sie 88 aus 20 Arten, welche sämmtlich vonDoctor Ehrenberg beschrieben und gemalt sind.|129| Von Polypen und Corallenthieren sind 62 Arten in 376 Exem-plaren gesammelt. Fast alle sind frisch zergliedert und beschrieben, vielein ihrem ausgedehnten Zustande sogleich gemalt worden. Sie halten dieseBeobachtungen für besonders interessant. 138 sind in Weingeist, die übri-gen trocken eingesandt.Beobachtungen über Infusorien sind außer in Ägypten und Dongolabesonders in der Oase des Jupiter Ammon und am Sinai angestellt wordenund die Zahl der beobachteten und aufgezeichneten Formen beträgt 50.Beobachtungen von Infusorien im frisch gefallenen Thau sind von ihnen wie-derholt versucht worden, aber nie gelungen.Endlich haben die Reisenden durch sorgfältige Bemerkung der Locali-täten und Verhältnisse einen Beitrag zur zoologischen Geographie beabsich-tigt, der sich bis auf die niedrigsten Formen erstreckt, ohne einer oder derandern Abtheilung einen Vorzug einzuräumen.

Resultate für Zootomie und Physiologie.

Die Reisenden haben dieselbe, ja eine noch größere Sorgfalt auf dieUntersuchung der einfacheren und kleineren, als auf die der größern Thieregewandt, welches um so erwünschter war, als bei jenen eine genaue Unter-suchung häufig nur im frischen Zustande möglich ist, und es wird daherdurch sie nicht blos die Menge der Gattungen und Arten sehr vermehrt, son-dern häufig der Bau sehr befriedigend dargelegt und es erregt eine großeFreude, wenn man neben den Thieren die Menge der sehr gelungenen Ab-bildungen von Polypen, Entozoen, Strahlthieren, Mollusken u. s. w. durch-geht, und überall auf interessante Beobachtungen stößt: so wollen sie z.B.bei der Ascaris spiculigera ein Häuten wahrgenommen haben; bei einer Asca-ris des Hyrax syriacus haben sie Blinddärme sowohl am Darm als am Samen-strang entdeckt u. s. w.Die Anatomie der Insecten im Linnéischen Sinn ist sehr bereichert,z. B. durch eine Reihe Beobachtungen über die Pupille des Insectenauges,mit colorirten Abbildungen; über die Bildung des Pigments in demselbenwährend der Metamorphose; über diese selbst; unter andern, daß bei demAuskriechen der Dipteren aus den Larvenhäuten eine aus dem Kopf will-kührlich hervortretende Blase dessen Gestaltung wesentlich bedingt; bei|130| einer Mantis haben sie die Bewegung der Säfte in den Flügeln deutlich wie-derholt beobachtet; und eine Menge in Weingeist aufbewahrter Insectenund deren Larven gewährt noch viele Untersuchungen.Die übersandten Fische und deren Skelette, zum Theil von sehr auf-fallenden Gestalten, von zahlreichen Beobachtungen und anatomischen Ab-bildungen begleitet, bilden einen der reichsten Theile der Sammlung, so daßallein über die Lage der Eingeweide bei 102 Arten von Fischen Zeichnun-gen vorhanden sind, die noch zahlreicheren übrigen ungerechnet. Bei einemFische (Heterotis nilotica) haben unsere Reisenden ein räthselhaftes, faust-großes Organ an den Kiemen und dem Wasser zugänglich gefunden, dasacht ein halb Schneckenwindungen und einen drei Linien dicken Nervenenthält, und das Doctor Ehrenberg als ein accessorisches Gehörorgan be-trachtet. Einige schöne Exemplare des Zitterwelses, Malacopterurus (Silurus)electricus, haben eine vollständige Anatomie des electrischen Organs (in demjetzt erscheinenden Bande der Schriften der Akademie) gestattet, da es sonstnur sehr obenhin beschrieben war.Unter den vielen Beobachtungen über die Amphibien zeichnen sichbesonders die zahlreichen Untersuchungen über das Auge aus. Den Kammhaben sie, die Schildkröten ausgenommen, in allen von ihnen untersuchtenGattungen gefunden; hinter der Netzhaut des Krokodilauges eine dem Ta-petum ähnliche lösbare Haut u. s. w.Von Vögeln hatten sie 173 Eier und mehrere Nester gesammelt. VieleVögel sind anatomirt. Von 52 Arten sind die Zungen, von 15 Arten ist derGaumen gezeichnet. Bei Ardea Virgo ist, wie sich erwarten ließ, der vonPerrault dem Auge dieses Vogels abgesprochene Kamm gefunden. Bei demeingesandten Skelett des Buceros melanoleucos ist eine sonst noch bei keinemVogel beobachtete Beschaffenheit der Luftknochen gefunden; die Hals- undSteißwirbelbeine enthalten Luft, die übrigen nicht, auch nicht das Brust-bein und die Schlüsselbeine; was aber vorzüglich merkwürdig ist, nichtbloß die Oberarmbeine und Oberschenkelknochen, sondern auch die desVorderarms und der Hand, so wie die des Unterschenkels und Mittelfußesund der Zehen (das letzte Glied ausgenommen) sind Luftknochen, und miteigenen Öffnungen versehen.Wie von Fischen, Amphibien und Vögeln, sind auch von vielen Säug-thieren Fötus gesammelt. Von 24 Thieren ist die Krystallinse gezeichnet und|131| gemessen, das Tapetum ist bei vielen Thieren genau untersucht und colorirtdargestellt. Die eingesandten Skelette und Schädel, unter jenen vom Nil-pferde, vom Hyrax syriacus, mehreren Gazellen u. s. w., unter diesen von derGiraffe, vom Apis, vom Dugong aus dem rothen Meere u. s. w. sind sehr großeBereicherungen des anatomischen Museums. Am Schädel des Dugongs sind,was bisher von den Beobachtern übersehen worden, deutliche knöcherne Mu-scheln vorhanden, wodurch sich dieses Thier von den Wallfischen, wohin esPallas und Cuvier sonst mit Recht gebracht haben, sehr unterscheidet.Noch Jahre lang werden die, natürlich nur erst noch völlig zu bear-beitenden und aufzustellenden Präparate die interessantesten Bereicherungender Wissenschaft liefern, so daß erst späterhin der ganze Zuwachs beurtheiltwerden kann.

Resultate für Geognosie und Oryktognosie.

In den großen Länderstrichen, die die Reisenden durchzogen haben,ist von ihnen überall das anstehende Gestein auf das sorgfältigste nach sei-nen Lagerungsverhältnissen beobachtet worden. Die gesammelten Gebirgs-arten lassen sich in fünf Gruppen vertheilen, unter denen sich besondersauszeichnen: 1) die neuen Flöz- und Tertian-Formationen von Ägypten undder nahen Wüste, 2) das Ur- und Übergangs-Gebirge der Katarracten, dieOnyx-Geschiebe von Assuan, der Granit-Gneis mit körnigem Kalk undhornblendigem Gestein von Nubien nebst Steinsalz aus Dongola; 3) diePorphyr- und Syenit-Formationen vom Sinai und der anliegenden Halb-Insel; 4) der Jurakalk des Libanon mit Fischversteinerungen 3000 Fuß überdem Meere, bei Djebbehl, mit Seemuscheln bei Sanin nahe an der Schnee-grenze, und mit Braunkohle im Sandstein und Schieferthon bei Bischerra,so wie mit Basalt bei Haddet, etwa 6000 Fuß über dem Meere; 5) die Kü-stenländer des rothen Meeres mit der vulkanischen Insel Ketumbul und demsüdöstlichen Abfall des Habessinischen Gebirges. In allen diesen Gegendenhaben Herr Ehrenberg und Hemprich nur auffallende Ähnlichkeit geo-gnostischer Verhältnisse besonders in der Association der Gebirgsmassen er-kannt. Mehrere Skizzen mineralogischer Karten, welche die Berichterstatteruntersucht haben, zeugen von der unbegrenzten Thätigkeit welche die Rei-senden auch in diesem Theile der Arbeiten gezeigt haben.

|132|

Resultate für Länder- und Völkerkunde.

Bei dem Zweck der Reise, den wir in dem Eingange zu diesem Be-richte ausgesprochen haben, sind Beobachtungen über Völker- und Länder-kunde, so wie graphische Versuche dieser Art nur als Nebenarbeiten zu be-trachten; doch wird die kurzgefaßte Erwähnung dessen, was auch in diesemFache geschehen ist, lehren, daß die Reisenden, ohne Hülfe astronomischerOrtsbestimmungen, durch häufige Messung der Winkel, welche die wich-tigsten Punkte mit dem magnetischen Meridian machen, durch Schätzen derAbstände und durch sorgfältig geführte Itinerarien doch viele wichtige topo-graphische Materialien zusammengetragen haben. Am Eingange des Meer-busens von Akaba und bei Gisan hat Herr Ehrenberg die Umrisse mehre-rer Inseln gezeichnet, welche in Valenzia’s Karten gänzlich fehlen. DieInsel Farsan von drei Tagereisen im Umfange mit drei Dörfern und mehre-ren Häfen für kleine Schiffe, ist als eine neue geographische Entdeckung zubetrachten. Eine besondere Aufmerksamkeit verdienen ferner die Reise-routen von Tor nach dem Sinai und Suez; über Bir Beda nach dem Schilf-sumpfe ohnweit dem Berge ; von Suez bis zur Insel Cameran längsder Ostküste des rothen Meeres, wo eine Menge Ankerplätze den Geogra-phen unbekannt waren; von Gumfude in das Land der Wechabiten bis zumBerge Derban; von Massaua in Habessinien bis zu dem Taranta-Gebirgeund den warmen Quellen bei Eilet; von den beiden Schneespitzen des Li-banon durch Cölesyrien nach Balbek und von da nach der Küste von Tri-polis; von Alexandrien nach Bir el Kor und von da nach der Oase von Siwa.In den nördlichen Küstenländern des rothen Meeres wurden geographischeBeobachtungen gesammelt, welche für die ältesten und ehrwürdigsten Tra-ditionen des Menschengeschlechts aufklärend sind. So sahen die ReisendenBir Beda, wahrscheinlich das bisher noch unbestimmt gebliebene Bedea derheiligen Schrift und das Schilfmeer Jam suf. Das alte Midian, MosesAufenthaltsort, wird noch durch die Lage von Magne, wo Häuser vonGärten umgeben liegen, bezeichnet. Bei Tor erkannten Ehrenberg undHemprich in dem warmen Quell Rhalin die Station der Israeliten Elim.Brunnen sind in diesen Ländern bleibendere Denkmähler der Natur, alsWälder und Sandhügel. Außer diesen geographischen Notizen haben dieReisenden noch nach Europa gesandt:|133|
  • 1) ein Verzeichniß sämmtlicher Ortschaften der Maroniten im nördlichenTheile des Libanon in arabischer und lateinischer Orthographie, 616 anZahl, geschrieben von einem Secretair des Emir Bschir, Prinzen desLibanon.
  • 2) ein Namenverzeichniß sämmtlicher Ankerplätze, Inseln, Corallenriffeund Ortschaften an der Ostküste des rothen Meeres zwischen Suez undCameran 287 an Zahl, großentheils in arabischer Sprache.
  • 3) ein ähnliches Namenverzeichniß (86 an Zahl), für die Westküste desrothen Meeres.
  • 4) die von einem Araber, in der Armee des Pascha von Ägypten aufge-nommene Karte des Landes der Wechabiten von Taife (bei Mekka) bisAssir und Gumfude.
  • 5) Profile der gebirgigten Ostküste des rothen Meeres, des Sinai, des Li-banon und der Insel Cypern, von Doctor Ehrenberg gezeichnet.
Wir erwähnen nicht der Bemerkungen über Menschenraçen, Sittenund Sprache, welche die Tagebücher der Naturforscher enthalten. Sie ha-ben überall den Einfluß der Climate auf den Organismus beobachtet, undgegen 800 Thermometer-Beobachtungen in Gegenden angestellt, über derenmittlere Temperatur, innerhalb der Tropen oder an der südlichen Grenzeder temperirten Zonen (wo noch eine beträchtliche Winterkälte eintritt),man bisher so wenig bestimmte Erfahrungen hat. Für die Königl. Samm-lungen sind viele Menschen- und Thier-Mumien, zwei griechische Papyrus-Rollen in Ägypten gefunden, sieben arabische Manuscripte und eine habes-sinische Bibel (die Psalmen in der Amhara-Sprache) wichtige Bereicherungengeworden.
Dies ist die gedrängte Übersicht der wissenschaftlichen Resultate,welche Ehrenberg’s und Hemprich’s Reisen durch Ägypten, Nubien,Syrien und beide Küstenländer des rothen Meeres geliefert haben. DerHauptzweck eines so wichtigen Unternehmens würde unerfüllt bleiben, wennBeobachtungen, die zur Erweiterung aller Theile der Naturkunde und derphysikalischen Erdbeschreibung so wesentlich beitragen und die als ein ge-meinsames Eigenthum aller gebildeten Nationen zu betrachten sind, nichtdurch Unterstützung des Staats zur öffentlichen Bekanntmachung gefördertwürden. Bei dem wohlthätigen Schutze, den die Regierung allen Bestre-|134| bungen schenkt, die den Wissenschaften und Künsten ersprießlich, denRuhm des Vaterlandes erhöhen, können wir jene Besorgniß mit Zuversichtvon uns entfernen. Es liegt aber den Berichterstattern ob, den Wunsch derAkademie für eine Art der Bekanntmachung auszudrücken, die den gegen-wärtigen Bedürfnissen der Wissenschaften auf das Vollkommenste entspricht,ohne durch übermäßige Pracht die herauszugebenden Werke einem großenTheil der Naturforscher unzugänglich zu machen. Abbildungen organischerKörper in Farben können nicht sorgfältig genug sein, wenn sie neue For-men, gleichsam den Typus einer neuen Familie, oder einer neuen Gat-tung darstellen. Dagegen sind Linear-Umrisse hinlänglich, so oft aus be-kannten Gattungen eine große Zahl neuer Arten beschrieben wird. HerrnEhrenberg’s treffliche Zeichnungen auf der Reise selbst in Ansicht derNaturgegenstände entworfen, können für das zum Muster dienen, was nochzu leisten übrig ist. Ein Reisewerk, dessen Charakter Mannigfaltigkeit undGründlichkeit des Beobachteten ist, muß seine Hauptzierde in der einfachenTreue und in der zweckmäßigen Auswahl des Abzubildenden finden. Aufdiese Weise wird die Herausgabe schneller und für den Staat minder kostbarsein. Die Akademie der Wissenschaften, welche die Reise veranlaßt, undaus ihren eigenen Mitteln beträchtlich unterstützt hat, würde ihren Beruf,für lebendige und freie Verbreitung des Wissens zu sorgen, unerfüllt lassen,wenn sie nicht die Arbeiten Ehrenberg’s und Hemprich’s zu baldigerBekanntmachung auf das Dringendste empföhle.

A. v. Humboldt. Lichtenstein. Link. Rudolphi. Weiß.