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Alexander von Humboldt: „Neue Untersuchungen über die Gesetze, welche man in der Vertheilung der Pflanzenformen bemerkt“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1821-Nouvelles_recherches_sur-02> [abgerufen am 25.09.2022].

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Titel Neue Untersuchungen über die Gesetze, welche man in der Vertheilung der Pflanzenformen bemerkt
Jahr 1821
Ort Jena; Leipzig
Nachweis
in: Isis 11 (1821), Sp. 1033–1047.
Sprache Deutsch
Schriftart Fraktur
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: IV.13
Dateiname: 1821-Nouvelles_recherches_sur-02
Statistiken
Seitenanzahl: 8
Spaltenanzahl: 15
Zeichenanzahl: 42922
Bilddigitalisate

Weitere Fassungen
Nouvelles Recherches sur les lois que l’on observe dans la distribution des formes végétales (Paris, 1821, Französisch)
Neue Untersuchungen über die Gesetze, welche man in der Vertheilung der Pflanzenformen bemerkt (Jena; Leipzig, 1821, Deutsch)
Natural history (Liverpool, 1822, Englisch)
Natural History (London, 1822, Englisch)
Natural History (Paris, 1822, Englisch)
Natural History (London, 1822, Englisch)
Natural History (London, 1822, Englisch)
New Inquiries into the Laws which are observed in the Dirstribution of Vegetable Forms (Edinburgh, 1822, Englisch)
Natural History (London, 1822, Englisch)
Natural History I / Histoire naturelle I (Moskau, 1823, Englisch; Französisch)
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Neue Unterſuchungen uͤber die Geſetze, welcheman in der Vertheilung der Pflanzenformenbemerkt. Von Alex von Humboldt.

Schon in einer fruͤheren Abhandlung habe ich dieBotaniker auf die numeriſchen Verhaͤltniſſe der Pflanzen-formen aufmerkſam gemacht und in meinem gleichzeitigenWerk, Prolegomena de distributione geographica plan-tarum, secundum coeli temperiem et altitudinemmontium, die Materialien, deren ich bey jener Arbeit michbediente, angegeben. Mit der Vertheilung der organiſchenWeſen verhaͤlt es ſich wie mit jedem anderen Phaͤnomender phyſiſchen Welt. Mitten in der Regelloſigkeit, welche |1034| durch den Einfluß einer Menge von Localumſtaͤnden erzeugtzu werden ſcheint, erblickt man doch die unwandelbarenGeſetze der Natur, ſobald man eine ganze Strecke Landesbetrachtet oder eine ganze Maſſe von Thatſachen nimmt,wo die theilweiſen Stoͤrungen ſich wechſelſeitig aufheben.Ich habe das Vergnuͤgen gehabt, dieſe Arbeit in Deutſch-land, England, Italien und neulich auch in Daͤnemarkeiner genauen Pruͤfung unterworfen zu ſehen. Einer dergroͤßten Botaniker unſerer Zeit und aller Jahrhunderte, Hr.Brown, hat jedes numeriſche Reſultat mit denen vergli-chen, welche die reichſten Herbarien, aus denen er ſich Rathserholen konnte, ihm darboten. Viele Zahlen ſind berichti-get worden, bey anderen fand ſich eine faſt unerwartete Ue-bereinſtimmung. Die Maſſe der Thatſachen wird gerade da-durch vermehrt, daß man die Reſultate, auf welche ich michbezogen hatte, entkraͤften oder unterſtuͤtzen wollte. Sozwingen in den phyſikaliſchen Wiſſenſchaften allgemeineIdeen, die anfangs nur von wenigen Thatſachen abgeleitetwaren, den Beobachter zu Vervielfaͤltigung der Thatſachen.Bereichert mit dieſen Materialien und immer dasjenige be-nutzend, was die ſtrengſte Critik meiner Werke wahres undbrauchbares enthaͤlt, habe ich den numeriſchen Reſultaten,woraus das Tableau der Pflanzenformen beſteht, einenGrad von Genauigkeit geben koͤnnen, den ich bis daherkaum erwarten konnte. Es liegt in der Natur dieſer Artvon Unterſuchungen, daß die Coefficienten nur nach undnach berichtiget werden koͤnnen, ſo wie die Beobachtungenſich vermehren. Ich werde hier nur im Allgemeinen dieGrundſaͤtze entwickeln. Da bey dieſer botaniſchen Arith-metik die Verhaͤltniſſe jeder Pflanzenfamilie zur ganzenMaſſe der Phanerogamen ganz genau unterſucht werdenmuͤſſen, ſo habe ich dieſe Unterſuchungen in beſondereNoten gebracht, die (Dictionnaire des sciences natu-relles, redig. par les Profess. du Jardin des Plantestom. XVIII, p. 432—436) bekannt gemacht ſind. Es iſt vorauszuſehen, daß meine Arbeit uͤber diePflanzenfamilien dereinſt mit Nutzen auf mehrere Claſſenvon Wirbelthieren angewandt werden wird. Aus den unge-heuren Sammlungen im naturhiſtor. Muſeum zu Parisergibt es ſich daß auf der ganzen Erde bereits bekanntſind, 56000 Gattungen (Species) Cryptogamen und Phanerogamen, 44000 Inſecten, 2500 Fiſche, 700Lurche, 4000 Voͤgel, und 500 Gattungen Saͤugethiere. Nach den Unterſuchungen, die ich mit Hrn. Valenciennesangeſtellt habe, ſind allein in Europa ungefaͤhr 80 Gattun-gen Saͤugthiere, 400 Voͤgel und 30 Lurche; es gibt alſounter dieſer gemaͤßigten noͤrdlichen Zone, 5 mal ſo vieleGattungen Voͤgel als Saͤugethiere, ſo wie es auch hier(in Europa) 5 mal ſo viele compositae, als amenta-ceae und coniferae, 5 mal ſo viel Leguminoſen als Or-chiden und Euphorbiaceen gibt. Hr. Delalande’s neulichvom Cap mitgebrachten ſchoͤnen Sammlungen beweiſen(wenn man ſie mit Herr Temmink und Levaillants Wer-ke vergleicht), daß auch in jenem Theil der gemaͤßigtenſuͤdlichen Zone die Saͤugethiere zu den Voͤgeln ſichverhalten wie = 1 : 4, 3. Eine ſolche Uebereinſtim-mung zwiſchen zwey entgegengeſetzten Zonen iſt ſehr auffal-lend. Die Voͤgel und beſonders die Lurche nehmen gegendie aͤquatorial Zone ungleich mehr zu als die Saͤugethiere. |Seitenumbruch| |1035| Nach den Entdeckungen von Cuvier uͤber die foſſilen Kno-chen moͤchte man glauben, daß dieſe Verhaͤltniſſe nicht zu allenZeiten dieſelben geweſen ſind und daß bey den alten Revo-lutionen unſeres Planeten weit mehr Saͤugethiere als Voͤ-gel untergegangen ſind. Latreille hat in einer vortrefflichenAbhandlung uͤber die geograph. Vertheilung der Inſecten,nicht die Zahl der gegliederten Thiere mit der der Pflanzenund mit der Zahl der verſchiedenen Claſſen von Wirbelthie-ren, welche dieſelben Climate bewohnen, verglichen;allein er hat auf eine ſehr intereſſante Art gezeigt, welcheGruppen von Inſecten ſich vermehren oder geringer werden,ſo wie man vom Pol zum Aequator hin geht. Ich uͤber-gehe hier die muͤhſamen Unterſuchungen von H. Illiger uͤber die Geographie der Voͤgel (Abh. der berliner Academiefuͤr 1812 und 1813). Er unterſucht den Aufenthalt vonmehr als 3800 Gattungen, allein er betrachtet ſie nur nachihrer Vertheilung auf den 5 Erdtheilen; was eine ganzunphiloſophiſche Methode iſt und nicht zur Kenntniß desEinfluſſes des Climas auf die Entwickelung der organiſchenWeſen fuͤhrt. Alles veſte Land, mit Ausnahme Europa’s,breitet ſich aus von der gemaͤßigten Zone zur Aequatorial-Zone hin; die Geſetze der Natur koͤnnen ſich alſo nichtdeutlich zeigen, wenn man die Phaͤnomene nach will-kuͤhrlichen Abtheilungen gruppirt, und die, ſo zu ſagen, nurallein von der Verſchiedenheit der Meridiane abhaͤngen. Esgehoͤrt nicht zu meinem Zweck dieſe Betrachtungen uͤber dienumeriſchen Verhaͤltniſſe zwiſchen den Thieren verſchiedenerClaſſen weiter fortzuſetzen, ich habe nur die Aufmerkſam-keit der Gelehrten auf einen Zweig der Naturphiloſophiehinlenken wollen, der mir naͤherer Unterſuchung werth zuſeyn ſcheint. Es iſt begreiflich wie auf einem angegebenenLandſtriche, die Individuen verſchiedener Pflanzen- undThier-Zuͤnfte numeriſch begraͤnzt werden koͤnnen; wie aushartnaͤckigem Kampfe und langem Schwanken ein Zuſtandvon Gleichgewicht hervorgeht, erzeugt von dem Beduͤrfnißder Nahrung und der Lebensgewohnheiten; die Urſachenaber, welche dieſe Formen beſchraͤnkt haben, ſind ver-borgen hinter jenem Schleyer, der unſeren Augen den ei-gentlichen Urſprung aller Dinge, die erſte Entwickelung desLebens verhuͤllt. Die numeriſchen Verhaͤltniſſe der Pflanzenformen laſ-ſen ſich auf zwey ſehr unterſchiedene Arten betrachten.Wenn man die Pflanzen nach natuͤrlichen Familien grup-pirt ſtudiert, ohne auf ihre geographiſche Vertheilung Ruͤck-ſicht zu nehmen, ſo wird man die Frage aufwerfen: Wel-ches ſind die Typen der Organiſation, nach welchen die mei-ſten Gattungen gebildet worden ſind? Sind auf der Erdemehr Glumaceen als Compoſitae: Machen dieſe beydenZuͤnfte von Pflanzen den vierten Theil der Phanerogamenaus, was iſt fuͤr ein Verhaͤltniß zwiſchen den Monocoty-ledonen und den Dicotyledonen? Dieſe Fragen wirft dieallgemeine Phytologie auf, eine Wiſſenſchaft, welche dieOrganiſation der Pflanzen und ihre gegenſeitige Verkettungunterſucht. Betrachtet man die Gattungen, welche nach der Analogie ihrer Formen zuſammengeſtellt ſind, nicht ab-ſtract, ſondern nach ihren climatiſchen Verhaͤltniſſen oderihrer Vertheilung uͤber die Erdflaͤche, ſo entſtehen noch weitintereſſantere Fragen. Welche Pflanzen-Familien herrſchenuͤber die anderen Phanerogamen mehr vor in der heißen |1036| Zone, als unter dem Polarkreiß? Sind die compositae haͤufiger, ſey es in derſelben geographiſchen Breite, indemſelben Iſothermenſtrich, im neuen oder im alten Conti-nent? Folgen die Typen, welche weniger vorherrſchen vomAequator zum Pol, demſelben Abnahms-Geſetze je hoͤherman zum Gipfel der Aequatorial-Berge hinaufgeht? Wech-ſeln die Verhaͤltniſſe der Familien unter einander nicht un-ter gleichbenannten Iſothermenlinien, in den gemaͤßigtenZonen noͤrdlich und ſuͤdlich vom Aequator? Dieſe Fragengehoͤren zur eigentlichen Pflanzen-Geographie und ſie ſchlie-ßen ſich an die wichtigſten Probleme der Metereologie undPhysik des Erdballs im allgemeinen. Von dem Ueberg-wicht gewiſſer Pflanzenfamilien haͤngt auch der Charactereiner Landſchaft, der Anblick einer freundlichen und maje-ſtaͤtiſchen Natur ab. Die Menge der Gramineen, wodurchdie ungeheuren Savannen gebildet werden, die Menge derPalmbaͤume und Nadelhoͤlzer haben einen maͤchtigen Ein-fluß auf den geſellſchaftlichen Zuſtand der Voͤlker, auf ih-re Sitten und auf die ſchnellere oder langſamere Entwicke- lung der Kuͤnſte der Induſtrie gehabt. Wenn man die geographiſche Vertheilung der For-men ſtudiert, ſo kann man bey den natuͤrlichen Gattun-gen, Sippen und Familien ſtehen bleiben (Humboldt Pro- leg. in Nov. gen. tom. 1. pag. 13, 51 und 33). Oftdeckt eine einzige Pflanzengattung, beſonders von denen,die ich sociales genannt habe, einen weitlaͤuftigen StrichLandes. Dergleichen ſind im Norden, die Haiden- undFichtenwaͤlder; in den Aequinoctial-Gegenden von Ameri-ca, die Cactus, Croton, Bambusa und Brathys derſel-ben Gattung. Es iſt merkwuͤrdig dieſe Verhaͤltniſſe vonVermehrung und organiſcher Entwickelung zu unterſuchen:man kann hier fragen, welche Gattung, in einer angege-benen Zone, die meiſten Pflanzen liefert; man kann aufdie Familien hinweiſen, zu welchen unter verſchiedenenClimaten die Gattungen gehoͤren, welche unter den anderenvorherrſchend ſind. Beſonders faͤllt das Uebergewicht ge-wiſſer Pflanzen auf, welche man wegen ihrer leichten Fort-pflanzung und wegen der großen Menge von Individuen,die dieſelben Charactere haben, fuͤr die gemeinſten Pflanzendieſer oder jener Zone haͤlt. In einer noͤrdlichen Region,wo die Compoſitae und die Farrenkraͤuter zu den Pha-nerogamen ſich verhalten wie 1 : 13 oder 1 : 25 (d. h. woman dieß Verhaͤltniß findet, wenn man die Totalzahl derPhanerogamen mit der der Gattung der Compoſitae undFarrenkraͤuter dividirt), kann eine einzige Gattung vonFarrenkraͤutern zehn mal ſo viel Land einnehmen als alleGattungen von Compoſitae zuſammen. In dieſem Fallſind die Farrenkraͤuter vorherrſchend vor den Compoſiten in Anſehung der Maſſe, durch die Zahl der Individuen,die zu denſelben Gattungen von Pteris oder Polypodium gehoͤren; allein ſie ſind nicht vorherrſchend, wenn man mitder Totalſumme der Gattungen der Phanerogamen dieverſchiedenen Formen vergleicht, welche die beyden Grup-pen von Farrenkraͤuter und Compoſiten darbieten. Danicht alle Gewaͤchſe bey ihrer Vermehrung denſelben Geſe-tzen folgen und da nicht alle gleich viele Individuen erzeu-gen, ſo haͤngt auch nicht von den durch Diviſion der To-talſumme der Phanerogamen mit der Zahl der Gattungender verſchiedenen Familien erhaltenen Quotienten allein das |Seitenumbruch| |1037| aͤußere Anſehen, ich moͤgte ſagen, die Art von Monotonieder Natur in den verſchiedenen Regionen des Erdkreiſesab. Wenn auf der anderen Seite die Reiſenden die oͤftereWiederholung derſelben Gattungen, der Anblick derer, dieuͤber die anderen durch die Maſſe vorherrſchen, uͤberraſcht,ſo verwundert er ſich nicht weniger uͤber die Seltenheit derIndividuen einiger anderen, der menſchlichen Geſellſchaftnuͤtzlichen Gattungen. In den Regionen, wo die Rubia-ceen, die Leguminoſen und die Therebinthaceen ganze Waͤl-der bilden, faͤllt die Seltenheit der Staͤmme aus gewiſſenZuͤnften der Cinchona, Haematoxylum und Balſambaͤu-me auf. Bleibt man bey den Gattungen ſtehen, ſo kann man,ohne auf ihre Vermehrung und auf die groͤßere oder ge-ringere Anzahl ihrer Individuen zu ſehen, unter jeder Zo-ne abſolut die zu verſchiedenen Familien gehoͤrigen Gat-tungen vergleichen. Dieſe intereſſante Vergleichung hatCandolle angeſtellt in ſeinem großen Werke (Regni ve-getabilis systema naturae, t. 1. p. 128, 396, 439,464, 510). Kunth hat ſie verſucht bey mehr als 3300bis jetzt bekannter Compoſiten (Nov. gen. T. IV. p. 238). Dieſe Vergleichung gibt nicht an, welche Familieunter demſelben Grade uͤber die anderen einheimiſchen Pha-nerogamen vorherrſcht, ſowohl in Anſehung der Maſſevon Individuen als der Anzahl der Gattungen; ſondernſie zeigt die numeriſchen Verhaͤltniſſe zwiſchen den Gattun-gen einer und derſelben, verſchiedenen Laͤndern angehoͤrigenFamilie. Nach dieſer Methode fallen die Reſultate ge-woͤhnlich genauer aus, weil man ſie erhaͤlt ohne die To-tal-Maſſe der Phanerogamen auszurechnen, wenn mannur vorher genau einige einzelne Familien ſtudiert hat.Die abwechſelndſten Formen, z. B. der Farrenkraͤuter, fin-den ſich unter den Wendezirkeln, in den bergigen, gemaͤ-ßigten, feuchten und ſchattigen Regionen der Aequatorial-Zone finden ſich die meiſten Gattungen von Farrenkraͤutern.Unter der gemaͤßigten Zone gibt es deren weniger als unterder tropiſchen, und je weiter man zum Pole koͤmmt jegeringer wird ihre abſolute Zahl. Da aber die kalte Re-gion, z. B. Lappland, Farrenkraͤutergattungen erzeugt, diemehr der Kaͤlte widerſtehen als die große Maſſe von Pha-nerogamen, ſo herrſchen auch die Farrenkraͤuter, in Anſe-hung ihrer Gattungen in Lappland mehr uͤber die anderenPflanzen vor als in Frankreich und in Deutſchland. Die numeriſchen Verhaͤltniſſe, in der Tabelle, welche ichin meinen Prolegomena de distributione geographicaplantarum gegeben habe und die hier, durch Herrn R.Browns große Arbeiten verbeſſert, wieder erſcheint, wei-chen gaͤnzlich von den Verhaͤltniſſen ab, welche die abſo-lute Vergleichung der unter verſchiedenen Zonen wach-ſenden Pflanzen, gibt. Die Abwechſelung, welche man vomAequator zum Pole hin bemerkt, iſt alſo in den Reſulta-ten beyder Methoden nicht dieſelbe. Bey der Methode derBruͤche, welche H. Brown und ich anwenden, ſind zweyveraͤnderliche Groͤßen, weil, bey Veraͤnderung der Breite,oder vielmehr der Iſothermen-Zone, man nicht bemerkt,daß die Totalzahl der Phanerogamen in demſelben Verhaͤlt-niſſe abwechſelt, als die Zahl der Gattungen, welche die-ſelbe Familie bilden. Geht man nun von den Gattungen oder von den Individuen von gleicher Form, die nach feſtſtehenden Ge- |1038| ſetzen ſich erzeugen, zu den Abtheilungen der natuͤrlichenMethode uͤber, die nichts als verſchiedene graduirteAbſtractionen ſind, ſo kann man bey den Sippen, Fa-milien oder noch allgemeineren Sectionen ſtehen bleiben.Es gibt einige Sippen und Familien, die gewiſſen Zonen,einem beſonderen Zuſammentreffen climatiſcher Bedingun-gen, ausſchließlich angehoͤren; allein es gibt eine weit groͤ-ßere Anzahl von Sippen und Familien, die unter allen Zo-nen und auf allen Hoͤhen ihre Repraͤſentanten haben. Dieerſten Unterſuchungen, welche uͤber die geographiſche Ver-theilung der Formen gemacht worden ſind, die von Trevi-ranus naͤmlich, in ſeiner Biologie (t. II. p. 47, 63, 83 und 128), hatten den Zweck, die Sippen uͤber die Erde zurepartiren. Dieſe Methode iſt weniger geeignet zu allge-meinen Reſultaten als jene, welche die Zahl der Gattungenjeder Familie, oder die Hauptgruppen derſelben Familie mitder Totalmaſſe der Phanerogamen vergleicht. In der Eis-zone vermindert ſich die Verſchiedenheit der ſippiſchen For-men nicht in demſelben Grade, als die der Gattungen;man findet da mehrere Sippen bey einer geringeren Anzahlvon Gattungen (de Candolle Theorie élément. p. 190,Humboldt Nov. gen. t. I. p. 17 und 50). Faſt eben ſoverhaͤlt es ſich auf den Gipfeln der hohen Berge, wo ein-zelne Pflanzen aus einer Menge Sippen vorkommen, dienach unſerer Meynung ausſchließlich der Vegetation derEbenen angehoͤren. Ich glaubte die verſchiedenen Geſichtspuncte angebenzu muͤſſen, aus denen man die Geſetze der Pflanzenverthei-lung betrachten kann. Nur die Verwechſelung dieſer Ge-ſichtspuncte macht, daß man Widerſpruͤche zu finden glaubt,die doch nur anſcheinend ſind und mit Unrecht auf Unſicher-heit der Beobachtungen geſchoben werden (Berliner Jahrbuͤ-cher der Gewaͤchskunde, d. t. I. p. 18, 21, 30). Bedientman ſich folgender Ausdruͤcke, „dieſe Form oder dieſe Fa-milie verliert ſich gegen die Eiszone; ihr wahres Vaterlandiſt unter dieſer oder jener Parallele; dieß iſt eine ſuͤdlicheForm, ſie iſt haͤufig in der gemaͤßigten Zone;“ ſo mußman beſtimmt ausdruͤcken, ob man auf die abſolute Zahlder Gattungen, ihre abſolute, mit den Breiten ſteigendeoder fallende Haͤufigkeit ſieht, oder ob man von den Fami-lien ſpricht, welche unter einem beſtimmten Grade uͤber dieuͤbrigen Phanerogamen vorherrſchen. Solche Ausdruͤcke ſindrichtig, und ſie geben einen beſtimmten Sinn, wenn mandie verſchiedenen Methoden unterſcheidet, nach welchen mandie Verſchiedenheit der Formen ſtudieren kann. Die InſelCuba (um ein analoges und aus der politiſchen Oeconomiegezogenes Beyſpiel anzufuͤhren) hat weit mehr Individuenvon africaniſcher Raçe als die Inſel Martinique, und den-noch herrſcht die Maſſe dieſer Individuen auf dieſer letztenInſel weit mehr uͤber die Zahl der Weiſſen vor als aufCuba. Die ſchnellen Fortſchritte, welche die Geographie derPflanzen ſeit 12 Jahren durch die Arbeiten von Brown,Wahlenberg, v. Candolle, Leopold v. Buch, Par-rot, Ramond, Schouw und Hornemann gemachthat, verdanken wir groͤßtentheils den Vorzuͤgen der natuͤrli-chen Methode des Herrn Juſſieu. Folgt man, wenn auchnicht gerade den kuͤnſtlichen Claſſificationen des Sexualſyſtems,ſondern den nach ſchwankenden und irrigen Grundſaͤtzen auf- |Seitenumbruch| |1039| geſtellten Familien (Dumoſae, Corydales, Oleraceae);ſo findet man nicht mehr die großen phyſiſchen Geſetze inder Vertheilung der Pflanzen uͤber den Erdball. HerrBrown hat in einer vorzuͤglichen Abhandlung uͤber die Ve-getation von Neuholland die erſten aͤchten Verhaͤltniſſe zwi-ſchen den großen Vertheilungen des Pflanzenreichs, der Aco-tyledonen, Monocotyledonen und Dicotyledonen angegeben(Brown in Flinder’s Voyage to Terra auſtralis. Tom.II. p. 538 und Obſerv. Syſt. and geographical on theherbal of the Congo p. 3). Ich habe 1815 verſucht,dieſe Art von Unterſuchungen fortzuſetzen und ſie auf unter-ſchiedene Ordnungen und natuͤrliche Familien auszudehnen.Die Phyſik des Erdballs hat ihre numeriſchen Elemente, wie das Weltſyſtem, und nur durch die vereinten Arbeitenreiſender Botaniker kann es gelingen, die wahren Geſetzeder Pflanzenvertheilung zu entdecken. Es kommt nicht bloßauf Zuſammenhaͤufung von Thatſachen an; ſondern manmuß, um beſtimmtere Approximationen zu erlangen (wirverlangen nur Approximationen), die verſchiedenen Umſtaͤndeerwaͤgen, unter welchen die Beobachtungen angeſtellt wur-den. Ich denke wie Brown, man muͤſſe die von betraͤcht-lich ausgebreiteten Laͤndern, deren Floren man genau kennt,z. B. von Frankreich, England, Deutſchland und Lapplandhergenommene Beyſpiele, denen Berechnungen vorziehen,die nach unvollkommenen Verzeichniſſen aller bekannt ge-machten Pflanzen gemacht ſind. Es waͤre zu wuͤnſchen,man haͤtte ſchon eine vollſtaͤndige Flora von den beydenErdſtrichen von 20,000 Quadrat Meilen (franzoͤſ.), die,ohne Berge und Bergebenen, zwiſchen den Wendezirkelnder alten und neuen Welt liegen. So lange bis dieſerWunſch erreicht iſt, muß man ſich mit den großen Herba-rien der Reiſenden, die in jenen Gegenden ſich aufgehaltenhaben, begnuͤgen. Die Standorte der Pflanzen ſind inden weitlaͤuftigen Compilationen, die unter dem Namen Syſtema vegetabilium und Species plantarum bekanntſind, ſo unbeſtimmt und unrichtig angegeben, daß esſehr gefaͤhrlich waͤre, ſich derſelben ausſchließlich zu bedie-nen. Ich habe dergleichen Verzeichniſſe mich nur zur Aus-huͤlfe bedient, um die aus einzelnen Floren und Herbarienerhaltenen Reſultate etwas zu vergleichen und zu aͤndern.Die Anzahl der Aequinoctial-Pflanzen, welche Bomplandund ich nach Europa gebracht und die unſer gelehrter Mit-arbeiter, Hr. Kunth, bald vollends wird herausgegeben ha-ben, iſt wahrſcheinlich an Zahl groͤßer als irgend ein zwi-ſchen den Wendekreiſen gemachtes Herbarium; allein es ſindlauter Pflanzen aus den Ebenen und den Bergflaͤchen derAnden. Die Alpenpflanzen ſind dort ſogar betraͤchtlicher alsin den Floren von Frankreich, England und den bey-den Indien, wo ſich auch die Erzeugniſſe verſchiedener zuderſelben Breite gehoͤriger Climate vereinigen. In Frank-reich ſcheinen die Gattungen, welche ausſchließlich uͤber 500Toiſen Hoͤhe wachſen, nur ⅑ der ganzen Maſſe von Pha-nerogamen zu betragen (de Candolle in Mémoires dela Societé d’Arcueil Tom. III. p. 295). Es waͤre vortheilhaft, wenn man einſt die Vegetationder Wendekreiſe und die der gemaͤßigten Zone, zwiſchen denParallelen von 40° und 50° nach zwey verſchiedenen Me-thoden betrachtete, indem man entweder die numeriſchenVerhaͤltniſſe in dem Ganzen der Ebenen und der Berge, |1040| welche die Natur in einem großen Strich Landes zeigt, auf-ſuchte, oder ausſchließlich nur dieſe Verhaͤltniſſe in der tem-perirten und in der heißen Zone beſtimmte. Da unſereHerbarien die Einzigen ſind, welche, nach einer barometri-ſchen Nivellirung, fuͤr mehr als 4000 Aequinoctialpflanzendie Hoͤhe jeder Station uͤber dem Meer angeben, ſo kannman, wenn unſer Werk, Nova genera, fertig iſt, die nu-meriſchen Verhaͤltniſſe in der von mir hier angegebenen Ta-belle dadurch berichtigen, daß man von den 4000 Phanero-gamen, die Kunth bey dieſer Arbeit benutzt hat (Proleg.p. 16) diejenigen Pflanzen abzieht, welche uͤber 1000 Toi-ſen wachſen, und die Totalſumme der Nicht Alpen-Pflan-zen durch die Zahl der Gattungen jeder Familie dividirt,welche, zwiſchen den Wendekreiſen, unter 1000 Toiſenwachſen. Dieſe Verfahrungsart muß, wie ich es zeige, aufdiejenigen Familien beſonders angewandt werden, in denenviele Alpengattungen vorkommen, z. B. die Gramineenund Compoſiten. Auf einer Hoͤhe von 1000 Toiſen iſt dieTemperatur auf dem Ruͤcken der Ardennen 17° Centim,wie ſie im Julius zu Paris iſt. Obgleich man auf denBergebenen der Cordillieren die naͤmliche jaͤhrliche Tempera-tur findet, wie auf den hohen Breiten (weil die Iſother-men-Linie von 17°, z. B. auch die in den Breiten durchDurchſchneidung der Iſothermenflaͤche von 17° mit der Ober-flaͤche der Sphaͤroide der Erde bezeichnete Linie iſt); ſomuß man doch nicht zu ſehr dieſe Analogieen der temperir-ten Climaten auf den aͤquinoctial Bergen und in den niede-ren Regionen der Zone um den Pol allgemein machen.Dieſe Analogien ſind nicht ſo groß wie man glaubt; ſiewerden modificirt durch den Einfluß der partiellen Verthei-lung der Waͤrme in die verſchiedenen Abtheilungen des Jah- res ( Proleg. p. 54; meine Abhandl. uͤber die Iſother-menlinien p. 137). Die Quotienten veraͤndern ſich, wennman von den Ebenen zu den unfruchtbaren Berggipfeln hin-aufgeht, nicht immer eben auf die Art, als wenn man zumPole hingeht; ſo verhaͤlt es ſich bey den Monocotyledonenim Allgemeinen, ſo bey den Farrenkraͤutern und den Com-poſiten (Prol. p. 51—52. Brown on Congo p. 5). Man ſieht außerdem, daß die Entwickelung der Pflan-zen verſchiedener Familien und die Vertheilung der Formenweder von den geographiſchen noch von den Iſothermen-Breiten allein abhaͤngt, ſondern daß die Quotienten ſich inderſelben Iſothermenlinie der gemaͤßigten Zone in den Ebe-nen von America und in den der alten Welt nicht immergleich ſind. Unter den Wendekreiſen findet ſich in America,Indien und den Weſtkuͤſten von Africa eine merkwuͤrdigeVerſchiedenheit. Die Vertheilung der organiſchen Weſenuͤber unſere Erde haͤngt nicht allein von ſehr verwickeltenclimatiſchen Umſtaͤnden ab, ſondern auch von geologiſchenUrſachen, die uns ganz unbekannt ſind, weil ſie ſich aufden erſten Zuſtand unſeres Planeten beziehen. Die großenPachydermen fehlen jetzt in der neuen Welt, da wir ſiedoch noch haͤufig im analogen Clima in Africa und in Aſienfinden. In der Aequinoctialzone von Africa gibt es wenigePalmenarten in Vergleich mit der Menge derſelben im ſuͤd-lichen America. Dieſe Verſchiedenheiten muͤſſen uns nichtvon der Unterſuchung der Geſetze der Natur abwenden, ſon-dern vielmehr anreizen, dieſe Geſetze in allen ihren Verwi-ckelungen zu ſtudieren. Die Linien von gleicher Waͤrme |Seitenumbruch| |1041| bleiben nicht parallel mit dem Aequator: ſie haben, wie ichdieß ſchon anderwaͤrts zu beweiſen geſucht habe, convexe und concave Gipfel, welche ſehr regelmaͤßig uͤber denErdball vertheilt ſind und verſchiedene Syſteme laͤngs denoͤſtlichen und weſtlichen Kuͤſten der alten und neuen Weltim Mittelpunct der Continente und in der Naͤhe der gro-ßen Meerbecken bilden. Wahrſcheinlich wird man, wennerſt phyſicaliſche Botaniker eine weitere Strecke durchreiſthaben, finden, daß oft die Linien der maxima der Zu-ſammengruppirungen (Linien, die durch die Puncte ge-zogen ſind, wo die Bruͤche auf die kleinſten Nenner redu-cirt worden) Iſothermen-Linie werden. Theilt man denErdball nach zwiſchen zwey Meridianen liegenden Streifen,und vergleicht die numeriſchen Verhaͤltniſſe unter denſelbenIſothermenbreiten, ſo findet man, daß verſchiedene Zuſam-mengruppirungs-Syſteme da ſind. Schon bey dem, waswir jetzt wiſſen, koͤnnen wir 4 Pflanzenſyſteme unterſchei-den, das des neuen Continents, das von Weſt-Africa,von Indien und das von Neuholland. So wie ungeachtetdes regelmaͤßigen Steigens der Waͤrme vom Pole zumAequator doch das maximum der Waͤrme nicht identiſchiſt in den verſchiedenen Regionen nach verſchiedenen Laͤnge-Graden, ſo gibt es auch Oerter, wo gewiſſe Familien ſichmehr entwickeln, wie an allen anderen Orten. So iſt esbey der Familie der Compoſiten in der gemaͤßigten Regionvon Nordamerica. Dieſe theilweiſen Zuſammenhaͤufungenbeſtimmen die Phyſiognomie der Vegetation; ſie ſind das,was man im Allgemeinen characteriſtiſche Zuͤge einerLandſchaft nennt. Aus meinen Unterſuchungen geht hervor, daß in derganzen gemaͤßigten Zone die Glumaceen und die Compoſitenzuſammen mehr als ¼ der Phanerogamen ausmachen, unddaß die Formen der organiſirten Weſen wechſelſeitig voneinander abhaͤngen. In der Natur herrſcht eine ſolche Ein-heit, daß die Formen nach feſtſtehenden, unwandelbarenGeſetzen ſich unter einander begraͤnzen. Wenn von irgendeinem Punct des Erdballs die Zahl der Gattungen einergroßen Familie bekannt iſt (z. B. von den Glumaceen, denCompoſiten oder den Leguminoſen), ſo laͤßt ſich ſowohl dieTotalzahl der Phanerogamen als auch die Gattungszahl deranderen Pflanzenfamilien mit vieler Wahrſcheinlichkeit be-rechnen. Auf die Art kann man, wenn unter der gemaͤ-ßigten Zone die Zahl der Cyperaceen oder der Compoſitenbekannt iſt, die der Gramineen oder der Leguminoſen erra-then. Dieſe Berechnungen zeigen auch in Anſehung welcherPflanzenzunft die Floren eines Landes noch unvollkommenſind, und ſie werden um ſo ſicherer, jemehr man die Ver-wechſelung der zu verſchiedenen Pflanzenſyſtemen gehoͤri-gen Quotienten vermeidet. Die Pflanzengeographie kann als ein Theil der Phy-ſik des Erdballs betrachtet werden. Waͤren auch die Ge-ſetze, nach welchen die Natur die Pflanzenformen vertheilthat, noch verwickelter, als ſie beym erſten Anblick es ſchei-nen, ſo muͤßten ſie doch nichts deſto weniger genauenForſchungen unterworfen werden. So oft man Einbuch-tungen der Fluͤſſe oder Unregelmaͤßigkeiten der Kuͤſten be-merkte, wurden die Charten benutzt. Die Geſetze desMagnetismus haben ſich dem Menſchen geoffenbart gleichals man anfieng Linien gleicher Abweichung und gleicher |1042| Neigung zu zeichnen, und eine große Menge Beobachtun-gen, die anfangs widerſprechend ſchienen, verglich. Manwuͤrde vergeſſen, auf welchem Wege die phyſicaliſchen Wiſ-ſenſchaften ſich ſtufenweiſe bis zu ſicheren Reſultaten erho-ben haben, wenn man glauben wollte, es ſey noch nichtZeit die numeriſchen Elemente der Pflanzen-Geographie zuſuchen. Bey dem Studium eines verwickelten Phaͤnomens,faͤngt man immer mit einer allgemeinem Ueberſicht der Be-dingungen an, welche dieſes Phaͤnomen beſtimmen odermodificiren. Hat man eine gewiſſe Anzahl Verhaͤltniſſe ent-deckt, ſo ſieht man, daß die erſten Reſultate, bey denenman ſtehen blieb, nicht genug von Orts-Einfluͤſſen freyſind. Nun verbeſſert man die numeriſchen Elemente, und bemerkt nun Regelmaͤßigkeit ſelbſt in den Wirkungender partiellen Stoͤrungen. Die Critik erſtreckt ſich auf al-les, was vorlaͤufig als ein allgemeines Reſultat angegebenworden, und der Geiſt der Critik, wenn er einmal ge-weckt iſt, beguͤnſtiget die Forſchung nach Wahrheit und be-ſchleuniget die Fortſchritte der phyſical. Wiſſenſchaften.
Anmerkungen. 1. Bey Vergleichung der beyden Zuſammengrup-pirungs-Syſteme in den beyden Welten, findet mangewoͤhnlich in der neuen Welt unter der Aequatorialzoneweniger Cyperaceen und Rubiaceen und mehr Compoſiten;unter der gemaͤßigten Zone, weniger Juncaceen, Labiaten,Umbelliferen und Cruciferen und mehr Compoſiten, Eri-cineen und Amentaceen als in den entſprechenden Zonen deralten Welt. Die Familien der Glumaceen, Ericineen undAmentaceen werden vom Aequator nach dem Pole hin ſtaͤr-ker (nach der Bruch-Methode), und vom Pole zum Ae-quator hin werden die Familien der Leguminoſen, Rubia-ceen, Euphorbiaceen und die Malvaceen ſchwaͤcher; dasMaximum unter der gemaͤßigten Zone ſcheinen zu erreichendie Compoſiten, die Labiaten, die Umbelliferen und dieCruciferen. 2. Obgleich ich die Hauptreſultate meiner Arbeit ineiner Tabelle zuſammengeſtellt habe, ſo muͤſſen die Phy-ſiker doch jedesmal wenn die partiellen Zahlen ihnen zwei-felhaft ſcheinen zu den Erklaͤrungen uͤber die verſchiedenenFamilien ihre Zuflucht nehmen. Die Quotienten der Wen-dezirkel ſind ſo modificirt, daß ſie auf die Regionen ſich be-ziehen, welche eine mittlere Temperatur von 28° bis 20°haben (von 0 bis 750 Toiſen Hoͤhe). Die Quotientender gemaͤßigten Zone ſind dem centralen Theile dieſer Zoneangefuͤgt zwiſchen 13° und 10° mittlerer Temperatur. Inder Eiszone iſt die mittlere Temperatur 0° oder 1°. Die-ſer Tabelle der Quotienten oder der Bruͤche koͤnnte noch ei-ne andere Tabelle angehaͤngt werden, in welcher die abſolu-ten Zahlen der Gattungen unter einander verglichenwuͤrden. Ich gebe hier eine Probe davon, ſie umfaßt nurdie temperirte und die Eiszone. |Seitenumbruch| |1043|
Frankreich Nord-Amerika Lappland
Glumaceen 460 365 124
Compoſiten 490 454 38
Leguminoſen 230 148 14
Cruciferen 190 46 22
Umbelliferen 170 50 9
Cariophylleen 165 40 29
Labiaten 149 78 7
Rhinantheen 147 79 17
Amentaceen 69 113 23
Dieſe abſoluten Zahlen ſind aus den Floren der Hrn. de Candolle, Pursh und Wahlenberg gezogen. Die Maſ-ſe der beſchriebenen Phanerogamen in Frankreich verhaͤltſich zu der von Nordamerica wie 1⅓ zu 1, zu der vonLappland wie 7 zu 1. 3. Wenn man einzeln alles unterſucht, was wir ſchonwiſſen uͤber das Verhaͤltniß der Monocotyledonen zu denDicotyledonen, ſo findet man, daß der Nenner progreſſions-weiſe (und mit der groͤßten Regelmaͤßigkeit) kleiner wirdvom Aequator bis zum 62° noͤrdl. Breite; vielleicht wirder wieder groͤßer in den weiter noͤrdlichen Regionen, aufder Kuͤſte von Groͤnland, wo die Gramineen ſehr ſeltenſcheinen (Congo p. 4). Das Verhaͤltniß veraͤndert ſichvon ⅕ zu ⅙ in den verſchiedenen Theilen der Wendekrei-ſe. Von 3880 Phanerogamen, welche Herr Bonplandund ich im aͤquator. America bluͤhend und in Frucht gefun-den haben, ſind 654 Monocotyledonen und 3226 Dicoty-ledonen: es wuͤrde alſo die große Abtheilung der Monoco-tyledonen ⅙ der Phanerogamen ausmachen. Nach Hrn. Brown iſt dieß Verhaͤltniß in der alten Welt (in Indien,dem aͤquator. Africa und in Neuholland) ⅕. Unter der gemaͤßigten Zone findet man (nach meinen Prolegom. p. XII und in den vom Hrn. de Candolle im Dict. des sciences nat. t. XVIII. p. 594—597 be-kannt gemachten einzelnen Angaben) das Verhaͤltniß derMonocotyledonen zu den Dycotyledonen.
  • In der Barbarei= 1 : 4 , 8
  • In Aegypten *= 1 : 5 , 0
  • Auf Caucaſus und in der Crimm *= 1 : 6, 0
  • Im Koͤnigreich Neapel= 1 : 4 , 7
  • In dem venetianiſchen Staate= 1 : 4 , 0
  • In Frankreich= 1 : 4 , 7
  • In Deutſchland= 1 : 4 , 0
  • In der Schweitz= 1 : 4 , 3
  • Auf den brittanniſchen Inſeln *= 1 : 3 , 6
  • Im noͤrdlichen America= 1 : 4 , 6
In der Eiszone iſt folgendes Verhaͤltniß;
  • In Lappland= 1 : 2 , 8
  • In Island= 1 : 2 , 8
Von den Wendezirkeln zum Pole hin iſt alſo, wieman ſieht, die regelmaͤßige Zugabe der Monocotyledonenſehr regelmaͤßig. Da die Monocotyledonen die Feuchtigkeitlieben, ſo ſind ſie haͤufiger auf den brittanniſchen Inſeln,und ſeltener in Aegypten und den duͤrren Gebirgen desCaucaſus. Ich habe ſchon bemerkt daß auf den ſchweizerAlpen, uͤber der Region der Rhododendra ſich die Mo-nocotyledonen verhalten zu den Phanerogamen wie = 1:7,1 |1044| da ſie in den Ebenen wie = 1 : 4 , 3 ſind, (Prolegom.p. 52.). 4. In dem fruchtbarſten Theile von Europa, imMittelpunct der gemaͤßigten Zone, wachſen in einem Rau-me von 30 000 (franz.) Quadrat-Meilen an 6000 Gat-tungen Pflanzen, unter denen 2200 Acotyledonen oderCryptogamen und 3800 Phanerogamen ſind. Unter denletzteren ſind faſt 500 Compoſiten, 300 Gramineen (mitAusſchluß der Cyperoiden und Juncaceaͤ); 250 Legumi-noſen und 200 Cruciferen? allein nur 70 Amentaceen, 50Euphorbiaceen und 25 Malvaceen. Die großen Familienbilden ⅐ bis 1/20, die kleinen unter 1/50 der Totalmaſſeder Phanerogamen: dieß iſt, ſo zu ſagen, der mittlereStand der Vegetation in Europa, in den fruchtbaren Ge-genden zwiſchen 42° und 50° noͤrdl. Breite. Um auch dieUnglaͤubigſten von der Wahrheit der feſten Verhaͤltniſſe oder der Regelmaͤßigkeit zu uͤberzeugen, die man in Euro-pa in der Vertheilung der Formen, unter derſelben Zonefindet; will ich hier die Verhaͤltniſſe zwiſchen zwey aneinan-der graͤnzenden Laͤndern, Frankreich und Deutſchland, an-geben. Man kann die in folgender Tabelle angegebenenZahlen als Coefficienten jeder Familie anſehen; denn,wenn man die Zahl der Phanerogamen der gemaͤßigten eu-ropaͤiſchen Zone multiplicirt mit 0,076 oder 0,053, ſo fin-det man die Zahl der Gattungen, welche die Familien derGramineen oder der Cruciferen ausmachen.
  • Compoſiten
    • in Frankreich — ⅐ , 4 = 0 , 135
    • Deutſchland. — ⅛ = 0 , 125 ↙
  • Glumaceen
    • Fr. — — ⅐ , 9 = 0 , 127
    • D. — — ⅐ , 1 = 0 , 141 ↗
  • Gramineenallein,
    • Fr. — — 1/13 = 0 , 077
    • D. — — 1/13 = 0 , 077 ↗
  • Leguminoſen
    • Fr. — — 1/16 = 0 , 063
    • D. — — 1/18 = 0 , 056 ↙
  • Cruciferen
    • Fr. — — 1/19 = 0 , 052
    • D. — — 1/18 = 0 , 056 ↙
  • Umbelliferen
    • Fr. — — 1/21 = 0 , 048
    • D. — — 1/22 = 0 , 046 ↙
  • Labiaten
    • Fr. — — 1/24 = 0 , 042
    • D. — — 1/26 = 0 , 038 ↙
  • Cyperaceen *allein,
    • Fr. — — 1/27 = 0 , 037
    • D. — — 1/18 = 0 , 056 ↗
  • Amentaceen
    • Fr. — — 1/50 = 0 , 020
    • D. — — 1/40 = 0 , 025 ↗
  • Orchideen *
    • Fr. — — 1/67 = 0 , 015
    • D. — — 1/43 = 0 , 023 ↙
  • Boragineen
    • Fr. — — 1/74 = 0 , 014
    • D. — — 1/72 = 0 , 014 ↗
  • Rubiaceen
    • Fr. — — 1/73 = 0 , 014
    • D. — — 1/70 = 0 , 014 ↙
  • Euphorbiaccen*
    • Fr. — — 1/70 = 0 , 014
    • D. — — 1/100 = 0 , 010 ↙
  • Juncaceen
    • Fr. — — 1/85 = 0 , 012
    • D. — — 1/94 = 0 , 011 ↗
  • Ericineen
    • Fr. — — 1/125 = 0 , 008
    • D. — — 1/90 = 0 , 011 ↙
  • Malvaceen *
    • Fr. — — 1/140 = 0 , 007
    • D. — — 1/230 = 0 , 004 ↙
  • Coniferen
    • Fr. — — 1/192 = 0 , 005
    • D. — — 1/269 = 0 , 004 ↗
|Seitenumbruch| |1045| Dieſe Uebereinſtimmung in den meiſten Reſultaten iſtum ſo auffallender, da die Coefficienten von ganz ungleichenPflanzenmaſſen erhalten worden ſind. In Frankreich nahmman 3645, in Deutſchland nur 1884 Phanerogamen, umdie einzelnen Verhaͤltniſſe der Familien zu beſtimmen. Ob-gleich beyde Laͤnder aneinander graͤnzen, ſo ſind doch beyweiten nicht die Gattungen einerley. Die Uebereinſtimmungder Reſultate in ſo engen Graͤnzen (oͤfters unter ⅛ Unter-ſchied) beweißt zwey gleich merkwuͤrdige Thatſachen:
  • 1) daß die 17 bis 1800 Phanerogamen, um welcheder franzoͤſ. Pflanzencatalog reicher iſt, als der treff-liche von Hrn. Schrader fuͤr Deutſchland entworfe-ne, unter die verſchiedenen Familien ungefaͤhr indemſelben Verhaͤltniß vertheilt ſind, welches manzwiſchen den, beyden Laͤndern gemeinſchaftlichen Pflan-zen findet;
  • 2) daß die Gattungen vou Leguminoſen, Cruciferenund Umbelliferen, welche Deutſchland ausſchließlich zuhaben ſcheint, in Frankreich durch eine faſt gleicheAnzahl Gattungen derſelben Familie erſetzt werden.Allenthalben wo man ſehr merkliche Abweichungen fin-det, kann man ſie dem Umſtande zuſchreiben, daßDeutſchland noͤrdlicher liegt als Frankreich.
Bekanntlich ſteigt die Anzahl der Cyperaceen undEricineen gegen Norden ſo ſchnell, daß unter der gemaͤ-ßigten Zone 1/20 Cyperaceen und 1/100 Ericineen ſind, daman unter der Eiszone ⅑ Cyperaceen und 1/25 Ericineenzaͤhlt. Auf der anderen Seite ſteigt das Verhaͤltniß derOrchiden, Malvaceen und Euphorbiaceen gegen Suͤden mitgleicher Schnelligkeit. Vergleicht man vorſtehende Tabellemit der Tabelle der 3 Zonen (heißen, gemaͤßigten, Eiſ-Zone), ſo finden ſich dieſelben Geſetze. In der vergleichen-den Tabelle von Frankreich und Deutſchland ſind Pfeile beygeſetzt worden, welche, in der allgemeinen Tabelle, die Richtungen des Steigens vom Pole zum Aequatorund vom Aequator zum Pole anzeigen. Merkwuͤrdig iſtauch, daß die Coefficienten der Familien ſich nicht viel ver-aͤndern, wenn man anſtatt weitlaͤuftige Striche, die 2600bis 3800 Phanerogamen haben, zu unterſuchen, ſeineNachforſchungen auf eine Strecke von einigen QuadratMeilen (franz.) beſchraͤnkt; z. B. auf die Flora vonBerlin, die, nach Kunths Werke nicht mehr als 900 Gat-tungen enthaͤlt. Auf dieſer kleinen Erdſtrecke betragen dieLeguminoſen 1/19 (auf ganz Frankreich 1/16, auf ganzDeutſchland 1/18), die Glumaceen ⅙ (Frankreich 1/79;Deutſchland ⅐) von der Total-Maſſe der Phanerogamen. 5. So wie das climatiſche Syſtem des neuen Con-tinents weſentlich von dem des alten unterſchieden iſt, we-gen der ungleichen Waͤrme-Vertheilung unter den verſchie-denen Jahrestheilen; eben ſo zeigt auch das Zuſammen-gruppirungs-Syſtem der americaniſchen Pflanzen ſeineEigenthuͤmlichkeiten. Den neuen Unterſuchungen der bo-tan. Arithmetik verdanken wir die Kenntniß dieſer Con-traſte zwiſchen der temperirten Zone beyder Welttheile.In der folgenden Tabelle habe ich die Reſultate der america-niſchen Flore von Pursh und der franzoͤſ. von Candolle zuſammengeſtellt. Auch habe ich einige Coefficienten dereuropaͤiſchen Eiszone beygefuͤgt, um zu beweiſen, wie weit |1046| das gemaͤßigte America in den 5 Familien der Ericineen(und der Rhododendra), der Coniferen, Amentaceen, Um-belliferen und Labiaten einen noͤrdl. Character hat.
  • Compoſiten im gemaͤß. America ⅙ Frkr. ⅐
  • Glumaceen — — — ⅛ — ⅐ 9
  • Gramineen allein — ⅒ — 1/13
  • Juncaceen allein — 1/1521/85
  • Cyperaceen allein — 1/401/27
  • Cruciferen — — — 1/621/19
  • Leguminoſen — — 1/191/16
  • Malvaceen — — — 1/1251/140
  • Labiaten — — — 1/401/24 Lappl. 1/70
  • Ericineen und Rhododendra 1/361/1251/25
  • Umbelliferen — — 1/571/201/55
  • Amentaceen — — — 1/251/501/21
  • Coniferen — — — 1/1031/2001/160
Die aus diefer Tabelle ſich ergebenden Unterſchiede be-ziehen ſich nicht allein auf die 5 letzten Familien, die man nordliche Formen nennen koͤnnte, ſondern auch auf dieCruciferen, Juncaceen und Cyperaceen, welche unter derheißen Zone wie unter der gemaͤßigten des neuen Continentsgleich ſelten ſind. 6. Unterſuchungen uͤber die numeriſchen Verhaͤltniſſeder Pflanzenfamilien werden, wie man leicht einſieht, weitintereſſantere Reſultate liefern, wenn die Floren der ver-ſchiedenen Laͤnder auf beſtimmtere geographiſche Graͤnzenwerden beſchraͤnkt ſeyn und die Botaniker ſich beſſer uͤberdie Principe vereinigt haben, nach welchen die Verſchieden-heiten und die Gattungen unterſchieden werden muͤſſen.Die Verzeichniſſe, welche man unter dem vagen Namen Flora der vereinigten Staaten von America findet, begreifen Laͤnder, die unter ſehr verſchiedenen Climaten,von 18° bis 9° mittlerer Temperatur, liegen. Dieſes iſtein climatiſcher Unterſchied wie er in Europa zwiſchen Ca-labrien und Oeſterreich ſtatt findet. Wenn dereinſt mitgleicher Genauigkeit und einzeln die Vegetationen vom ſuͤd-lichen Carolina, von Penſylvanien und von Neu-Englandwerden beſchrieben ſeyn, dann wird man ein regelmaͤßigesSteigen und Fallen in den numeriſchen Verhaͤltniſſen derFamilien von Suͤden nach Norden bemerken. Jetzt kennenwir nur das allgemeine Mittel dieſer einzelnen Verhaͤlt-niſſe. Mehrere Gegenden ſcheinen uns reicher an Pflanzen,weil die Botaniker dort ohne genauere Pruͤfung Varietaͤtenzu Gattungen machen. Auch vernachlaͤſſigen die Botanikeroͤfters die Pflanzen, welche ſie mit denen ihres Landes fuͤreinerley halten. Wenn man aber bey großen Abtheilungenſtehen bleibt und eine ziemliche Anzahl von Gattungen ver-gleicht, ſo werden ſolche Unterſuchungen durch Compenſa-tionen erleichtert. So ſind nach den neueren, ungleichvollkommneren, von Purſh und Wahlenberg herausge-gebenen Floren von America und Lappland, die numeri-ſchen Verhaͤltniſſe der alten Floren von Michaux und Linnenicht ſehr veraͤndert (Berl. Jahrb. d. Gewaͤchſe. B. I. S.24). Welche Berichtigungen man auch an meiner Arbeit ma-chen wird, ſo bin ich doch uͤberzeugt daß jemehr genaueBeobachtungen man zuſammenſtellen wird, deſto mehr wirdes ſich zeigen, daß in derſelben Hemisphaͤre, in demſelben Zuſammengruppirungs-Syſtem, die einzelnen Ver- |Seitenumbruch| |1047| aͤnderungen der Coefficienten nicht ploͤtzlich, ſondern nachunveraͤnderlichen Geſetzen geſchehen. Es kann das tropi-ſche Verhaͤltniß der Malvaceen 1/32 oder 1/33 ſeyn, ſtatt 1/35; es iſt aber nicht weniger gewiß, daß die Leguminoſen,Malvaceen gegen den Aequator, ſo wie die Juncaceen undEricineen gegen den Pol hin ſteigen. Die Quantitaͤt derVeraͤnderungen, die Raſchheit des Steigens kann in Zwei-fel gezogen werden, aber nicht deſſen Richtung. 7. Bey Vergleichung der Coefficienten, die zu denſel-ben Familien unter verſchiedenen Zonen gehoͤren, lerntman in der Raſchheit des Steigens ſehr bezeichnende Con-traſte kennen. Im alten Continent veraͤndern ſich die Ver-haͤltniße der Gramineen, der Leguminoſen und der Eu-phorbiaceen von der gemaͤßigten Zone zum Aequator hinweniger als von der gemaͤßigten Zone zum Pole hin. 8. Die Gelehrten, welche jede Erſcheinung gerne ſoviel wie moͤglich abſolut iſolirt betrachten, die die mittlerenTemperaturen der Oerter, die Geſetze, welche man in denVeraͤnderungen des Erdmagnetismus bemerkt, die Verhaͤlt-niſſe zwiſchen Gebornen und Geſtorbenen, fuͤr gewagte Hy-potheſen, fuͤr ſchwankende theoretiſche Speculationen hal-ten, werden vielleicht die in dieſer Abhandlung angeſtell-ten Unterſuchungen fuͤr gering achten; hingegen diejenigen,welche gerne die wechſelſeitige Verkettung der organiſiertenWeſen anſchauen, welche wiſſen, daß die numeriſchen Re-ſultate durch Accumulation und ſorgfaͤltiges Studium dereinzelnen Thatſachen ſich berichtigen laſſen, werden gewißeine Unterſuchungs-Art guͤnſtig aufnehmen, welche Lichtbringt in die Oeconomie der Natur, uͤber die zwiſchen denClimaten und der Form der Geſchoͤpfe bemerkte Verbin-dung, uͤber die Vertheilung der Pflanzen und der Thierein die verſchiedenen Regionen unſeres Planeten. Nur durchnumeriſche Unterſuchung und durch Vergleichung der Gat-tungen kann man ſich eine richtige Idee bilden von dem Zuſtand der Vegetation in einem gegebenen Lande;von dem allgemeinen Einfluß der Temperatur auf das Haͤu-figſeyn gewiſſer Formen am Aequator, unter der mittle-ren Parallele und gegen den Polarkreiß; von den chara-cteriſtiſchen Zuͤgen, welche unter den Iſothermen-Zonendie beyden Zuſammenhaͤufungsſyſteme des alten und desneuen Continents haben.