Digitale Ausgabe

Download
TEI-XML (Ansicht)
Text (Ansicht)
Text normalisiert (Ansicht)
Ansicht
Textgröße
Originalzeilenfall ein/aus
Zeichen original/normiert
Zitierempfehlung

Alexander von Humboldt: „[Cavern of Guacharo]“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1818-Cavern_of_Guacharo-03> [abgerufen am 18.05.2024].

URL und Versionierung
Permalink:
https://humboldt.unibe.ch/text/1818-Cavern_of_Guacharo-03
Die Versionsgeschichte zu diesem Text finden Sie auf github.
Titel [Cavern of Guacharo]
Jahr 1821
Ort Frankfurt am Main
Nachweis
in: Mineralogisches Taschenbuch für das Jahr 1821 15:1 (1821), S. 238–261.
Sprache Deutsch
Typografischer Befund Antiqua (mit lang-s); Auszeichnung: Kursivierung, Kapitälchen; Fußnoten mit Asterisken.
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: III.46
Dateiname: 1818-Cavern_of_Guacharo-03
Statistiken
Seitenanzahl: 24
Zeichenanzahl: 30939

Weitere Fassungen
Cavern of Guacharo (New York City, New York, 1818, Englisch)
Account of the Great Cavern of the Guacharo (Edinburgh, 1820, Englisch)
[Cavern of Guacharo] (Frankfurt am Main, 1821, Deutsch)
The great cavern of Guacharo, in South America (Hartford, Connecticut, 1822, Englisch)
Cavern of the Guacharo (Edinburgh, 1824, Englisch)
The Great Cavern of Guacharo, in South America (New York City, New York, 1826, Englisch)
The great cavern of Guacharo, in South America (London, 1826, Englisch)
Die Felshöhle von Guacharo (Bamberg; Aschaffenburg, 1827, Deutsch)
The great cavern of Guacharo, in South America (Exeter, 1836, Englisch)
The great cavern of Guacharo in South America (London, 1845, Englisch)
Die Felshöhle von Guacharo (Leipzig, 1843, Deutsch)
Die Grotte von Caripe oder die Felshöhle von Guacharo (Berlin, 1851, Deutsch)
Der Guacharo (Bad Langensalza, 1852, Deutsch)
Die Höhle von Guacharo (Mainz, 1854, Deutsch)
Die Höhle von Guacharo (Stuttgart, 1856, Deutsch)
Die Höhle von Guacharo (Leipzig, 1858, Deutsch)
|238|

Ueber die große Cueva, oder die Felshöhle vonGuacharo in Cumana *) gibt A. v. Humbold im II.


*) In einem Lande, wo man das Wunderbare liebt, ist eineFelshöhle, aus der ein Fluß entspringt, und die von vielen
|239| Theile seiner Reise in die Aequinoktial-Gegenden desneuen Kontinents S. 102 ff. Nachrichten. Wir thei-len unsern Lesern folgenden Auszug mit. „Die Höhle, welche die Eingebornen eine Fett-mine nennen, befindet sich nicht im Thale von Caripe selbst, sondern in drei Meilen Entfernung vom Klo-ster, west-süd-westlich. Sie öffnet sich in einSeitenthal, das nach der Sierra del Guacharo aus-läuft. Am 18. Herbstmonat machten wir uns aufden Weg nach der Sierra. Ein schmaler Fußpfadführte anfangs anderthalb Stunden in südlicher Rich-tung durch eine liebliche, mit schönem Rasen beklei-dete Ebene; nachher lenkten wir westlich ein längseines Baches, welcher aus der Oeffnung der Höhle hervor kommt. Während \( \frac{3}{4} \) Stunden des Emporstei-gens ungefähr, folgt man, bald im untiefen Wasser,bald zwischen dem Waldstrome und einer Felswand,einem sehr schlüpferigen und kothigen Pfade. Das Ein-
tausend Nachtvögeln bewohnt wird, ein unerschöpfli-cher Gegenstand für Unterhaltung und Gespräche. Auchsind die ersten Dinge, von denen ein in Cumana einge-troffener Fremder sprechen hört, der Augenstein von Araya, der Landbauer von Arenas, welcher sein Kindsäugte, und die Felsenhöhle von Guacharo, deren Län-ge man auf mehrere Meilen angibt. Ein lebhaftes In-teresse an Naturerscheinungen erhält sich allenthalben,wo keine gesellschaftliche Verhältnisse vorhanden sind,und wo eine traurige Einförmigkeit des Lebens nursehr einfache und die Neugier wenig beschäftigendeGegenstände bietet.
|240| sinken des Erdreichs, die vereinzelten Baumstämme,über welche die Maulthiere wegzuschreiten Mühe ha-ben, die Ranken-Pflanzen von denen der Boden über-deckt ist, machen diesen Theil des Weges sehr er-müdend. Wo man sich am Fuße des hohen Guacha-ro-Berges, nur noch 400 Schritte von der Höhleentfernt befindet, erblickt man jedoch ihre Oeffnungnoch nicht. Der Waldstrom fließt in einer vom Ge-wässer ausgehöhlten Schlucht, und der Pfad führt un-ter einem Felsgesims hin, dessen vorstehender Theildie Aussicht in die Höhe raubt. Wie der Bach, soschlängelt sich auch der Fußsteig; bei der leztenKrümmung steht man plözlich vor dem sehr geräumi-gen Eingange der Grotte. Dieser Anblick hat etwasErhabenes, selbst für den, welcher an die mahlerischenBilder der Hochalpen gewöhnt ist. Ich war damalsmit den Berghöhlen des Pic von Derbyshire bekannt,wo man, in einem Boote liegend, unter der zweiFuß hohen Wölbung über einen unterirdischen Flußsezt. Ich hatte die schöne Grotte von Treshemienshiz in den Karpathen, und die Berghöhlen auf dem Harze besucht, auch die Höhlen in Franken, diese weitenGrabstätten *) für Knochengerippe von Tiegern, Hyä-
*) Das Erdreich, welches seit Jahrtausenden den Grund derFelsenhöhlen von Gaylenreuth und von Muggendorf in
|241| nen und Bären, die an Größe unsern Pferden gleichen.Die Natur befolgt unter allen Zonen unwandelbareGesezze, in Anordnung der Felsschichten, in der äu-ßern Gestaltung der Berge, und selbst auch in denstürmischen Aenderungen, die der Rinde unsers Planetenzu Theil wurden. Eine so allgemeine Uebereinstim-mung ließ vermuthen, es werde das Aussehen der Höhle von Caripe nur wenig von dem verschiedenseyn, was ich auf meinen früheren Reisen zu sehen denAnlaß hatte: ich fand meine Erwartung weit übertrof-fen. Wenn einerseits die Gestaltung der Grotten, derGlanz der Stalaktiten, und alle Erscheinungen der un-organischen Natur auffallende Aehnlichkeit darbieten, soertheilt andererseits der majestätische Pflanzenwuchsder Tropenländer, dem Eingange der Höhle einen ei-genthümlichen Charakter. Die Cueva del Guacharo öffnet sich im senkrechten Durchschnitte eines Felsens.Der Eingang steht südwärts; ihr Gewölbe ist 80 Fuß
Franken deckt, dünstet jezt noch in gewissen Jahres-zeiten, Mofetten oder gasartige Mischungen von Was-serstoff und Stickstoff aus, die zur Wölbung der Höh-len ansteigen. Diese Thatsache ist allen, welche jeneHöhlen den Reisenden zeigen, wohl bekannt. Laugier fand im Erdreiche von Muggendorf, außer phosphorsauernKalk, ein Zehntheil thierischen Stoff. Der stinkende undamoniakalische Geruch, welcher sich aus dieser Erdeentwickelt, wenn sie auf glühendes Eisen gestreut wird,ist auffallend.
|242|breit, auf 72 Fuß Höhe *). Wir maßen den Wegvermittelst eines Seils, und hatten 430 Fuß zurückgelegt, ehe Fackeln anzuzünden erforderlich waren **).Hier, wo das Licht zu erlöschen anfängt, hört mannoch entfernt das widrige Geschrei der Nachtvögel,von denen die Eingebornen glauben, sie werden aus-schließlich in diesen unterirdischen Wohnungen ange-troffen. Wir folgten, im Fortgange der Höhle, denUfern des kleinen Flusses, der in ihr entspringt;seine Breite beträgt 28 bis 30 Fuß. Man wandertdem Ufer entlang, so weit die kalkigten Inkrusti-rungen es gestatten; öfters, wenn der Waldstrom zwi-schen hohen Stalaktiten-Massen sich durchschlingt,muß man in sein Bett hinabsteigen, das nur 2 FußTiefe hat. Dieser unterirdische Fluß ist der Ursprungdes Rio Caripe, welcher, in Entfernung etlicher Mei-
*) Der Fels, der über der Grotte steht, ist mit Bäumenvon gigantischem Wuchse besezt. Dieser üppige Pflan-zenwuchs verschönert jedoch nicht nur die äußereWölbung, er ist auch noch im Vordertheile der Grotte sichtbar und dehnt sich in die Höhle von Caripe aus,wie in jene tiefen Schichten der Anden, die nur einemhalben Tageslichte zugänglich sind, und er hört im In-nern der Grotte eher nicht als in der Entfernung von30 bis 40 Fuß vom Eingange auf.**) Das Tageslicht dringt so weit vor, weil die Grotteeinen einzigen Kanal bildet, der sich in unveränderterRichtung von SO. nach NW. ausdehnt.
|243|len, nachdem er sich mit dem kleinen Rio de SantaMaria vereinigt hat, für Piroguen schiffbar ist. Erergießt sich unter dem Namen Canno de Terezen inden Strom von Areo *). Die Grotte von Caripe be-hält in der genau gemessenen Entfernung von 1458Fuß, vom Eingange, noch ihre ursprüngliche Rich-tung, die nämliche Weite und die gleiche Höhe von60 bis 70 Fuß. Mir ist auf beiden Festlanden keineBerghöhle von so einförmiger und regelmäßiger Bil-dung bekannt. — — Weiter gelangt man zu derStelle, wo der Boden plözlich unter einem Winkelvon 60° in die Höhe steigt, und wo der Waldstromeinen kleinen unterirdischen Wasserfall bildet **). Andieser Stelle bietet die der Grottenöffnung gegenüberliegende, reich bewachsene Landschaft, eine sehr mah-lerische Ansicht. Man erblickt sie am Ausgange einesgeradlinigten, 240 Toisen langen Kanals. Die vomGewölbe herabhängenden und, in der Luft schweben-
*) Am Ufer des unterirdischen Flusses, findet sich eine gro-ße Menge Palmbaumholz, Ueberbleibsel der Stämme,welche die Indianer erklettern, um die an der Deckedes Gewölbes hängenden Vogelnester zu ersteigen. Dievon den Resten alter Blattstiele gebildeten Ringe, ver-sehen gleichsam die Stufen einer senkrecht stehenden Leiter.**) Diese Erscheinung eines unterirdischen Wasserfallestrifft man in ungleich größerem Maßstabe auch in derBrittischen Grafschaft York, in der Nähe von Kings-dale, in Yordas-Cave.
|244|den Säulen gleichenden, Stalaktiten, stellen sich aufder grünen Fläche wundersam dar. Die Oeffnungder Grotte scheint um die Mitte des Tages sehr ver-engt, und wir sahen sie in jener hellen Beleuchtung,die das gleichzeitige Zurückwerfen des Lichts vomHimmel, von Pflanzen und Felsen hervor bringt. Dieferne Tageshelle stand in gewaltigem Abstiche mit deruns in diesen unterirdischen Räumen umzingelnden Fin-sterniß. Wir erstiegen mit einiger Mühe den kleinenHügel, von welchem der unterirdische Bach herabfließt. Wir sahen die Grotte sich merklich verengern,indem sie nur noch 40 Fuß Höhe hat und sich nord-wärts verlängert, ohne von ihrer ursprünglichen Rich-tung abzuweichen, die mit dem großen Thale vonCaripe parallel lauft. In diesem Theile der Höhle seztdas Wasser des Flusses eine schwärzlichte Erde ab,derjenigen ähnlich, die man in der Höhle von Mug-gendorf in Franken, Opfererde der Grotte des hohlen Berges nennt. Wir konnten nicht entscheiden, obdiese feine und lockere Erdart durch Spalten, die mitder Oberfläche des Bodens zusammen hängen, herabfällt, oder ob sie von dem in die Höhle dringendenRegenwasser angeschlemmt wird. Es war eine Mi-schung von Kiesel-, Thon- und Dammerde. — —
Sind die großen Weitungen, welche man aus-schließlich Höhlen nennt, durch die nämlichen Ursa-chen entstanden, welche die Drusen der Gänge und |245|Erzlager, oder die außerordentliche Erscheinung derPorosität der Felsen hervor brachten? Gehören dieGrotten allen Formazionen an, oder nur dem Zeit-punkte, wo organische Geschöpfe die Oberfläche desErdballs zu bewohnen anfingen? — diese geologischenFragen sind nur in so weit einer Beantwortung fähig,als sie den gegenwärtigen Zustand der Dinge, d. h.solche Thatsachen betreffen, die durch Beobachtungausgemittelt werden können. Betrachtet man die Fels-arten ihrer Zeitfolge nach, so zeigt es sich, daß inden Ur-Formazionen nur sehr wenige Höhlen vor-kommen. Die großen Weitungen, welche man imältesten Granite wahrnimmt, und die man Keller oderGewölbe nennt, wenn ihre Wände mit Bergkrystallenbesezt sind, entstehen meist aus der Vereinigung meh-rerer gleichzeitiger Trümmer von Quarz, Feldspathoder kleinkörnigem Granit. Der Gneiß bietet, ob-wohl seltener, die nämliche Erscheinung, und in derNähe von Wunsiedel im Fichtelgebirge findet man sol-che Klüfte von 2 bis 3 Fuß Durchmesser in einemvon kleinen Gängen durchzogenen Theile des Felsens.— — Die Ausdehnung der Höhlungen, welche unter-irdisches Feuer und vulkanische Ausbrüche, im Innernder Erde, in jenen Primitiv-Felsen hervor bringenkonnten, welche viele Hornblende, Glimmer, Grana-ten, halbverkalktes Eisen und Titan enthalten, dieein höheres Alter als der Granit zu haben scheinen |246| und deren Bruchstücke unter den vulkanischen Aus-würfen angetroffen werden, ist unbekannt. Es kön-nen diese Höhlungen nur als einzelne und örtliche Er-scheinungen angesehen werden, und ihr Daseyn stehtin keinerlei Widerspruch mit den aus Maskelyne’s und Cavendisch’ens schönen Versuchen über die mitt-lere Dichtheit der Erde sich ergebenden Säzzen. Inden Ur-Gebirgen, welche wir untersuchen können,kommen eigentliche Grotten von einiger Ausdehnungnur in den Kalk-Formazionen, im kohlensauren undschwefelgesäuerten Kalksteine vor. Die Auflösbarkeitdieser Substanzen scheint seit Jahrhunderten die Wir-kung der unterirdischen Wasser begünstigt zu haben.Im Ur-Kalksteine werden eben so geräumige Höhlenangetroffen wie im Uebergangs-Kalksteine *), und indemjenigen, welchen man eigentlich Sekundär-Kalknennt. Wenn diese Höhlen im ersteren seltener vor-kommen, so liegt der Grund darin, daß dieß Gesteinüberhaupt nur dem Glimmerschiefer **) untergeordnete
*) Im Urkalk-Gebirge finden sich das Küzzel-Loch bei Kaufungen in Schlesien, und wahrscheinlich mehrereHöhlen der Inseln des Archipels. Im Uebergangs-Kalk-steine kommen vor: die Höhlen von Elbingerode, Rü-beland und Scharzfeld auf dem Harz, jene von Salzflüh in Graubündten, und nach Greenough die von Torby in Devonshire.**) Bisweilen auch dem Gneiß, wie dies auf dem Simplonzwischen Dovredo und Crevola der Fall ist.
|247|Lager, und kein besonderes System eigener Berge bil-det, in die das Wasser eindringen und in weiten Räu-men umlaufen könnte. Die Zerstörungen, welchedieses Element verursacht, sind gleichzeitige Wirkun-gen, theils seiner Menge, theils seines längeren oderkürzeren Verweilens, theils der, durch die Fällungbestimmten, Schnelligkeit seiner Bewegung, theils end-lich der Auflösbarkeit des Gesteines. Im Allgemeinenwird das kohlensaure und schwefelgesäuerte Kalkge-stein der Sekundär-Gebirge vom Wasser leichter an-gegriffen als der mit Kieselerde und Kohlenstoff starkgemengte Uebergangskalk. Untersucht man den inne-ren Bau, der die Wände der Höhlen bekleidenden Sta-laktiten, so trifft man in denselben alle Merkmaleeines chemischen Niederschlags. Der kohlensaure Kalkist nicht blos mitgeführt in der Masse enthalten, erist eigentlich darin aufgelöst *). Wie man den Zei-ten näher rückt, wo das organische Leben sich inmannichfacheren Gestalten entwickelt, kommt die Er-
*) Zwar zeigt sich bei den Versuchen in unsern chemischenWerkstätten diese Substanz nur in einem stark kohlen-gesäuerten Wasser auflöslich; aber die Naturerscheinun-gen, welche wir täglich in Höhlen und Quellen wahr-nehmen, thun hinlänglich dar, daß eine kleine MengeKohlensäure hinreicht, um das Wasser, nach langerBerührung, zur Auflösung einiger Theilchen des kohlen-sauren Kalkes fähig zu machen.
|248| scheinung der Höhlen häufiger vor. Mehrere dersel-ben, die unter dem Namen Balmen *) (baumes) be-kannt sind, befinden sich nicht im alten Sandsteine,zu welchem die große Steinkohlen-Formazion gehört,sondern im Alpen- und im Jurakalke, welcher öftersnur der Obertheil der Alpen-Formazion ist. Der Ju-rakalk zeigt sich im alten und im neuen Festlandedermaßen höhlenreich **), daß mehrere Geognostenaus der Schule von Freiberg, ihm den Namen Höh-len-Kalkstein (calcaire à cavernes) ertheilt haben.Diese Felsart ist es, die den Lauf der Flüsse so oftunterbricht ***) und sie gleichsam verschlingt, oder inihr Inneres aufnimmt. Sie ist es auch, in der die Cuevadel Guacharo und die übrigen Grotten des Caripethalsvorkommen. Der salzführende Gyps ****) sey es, daß
*) Das Wort Balmen gehört dem Schweizer-Dialektean, und die Balmen von Sentis, vom Mole und von Bratenberg am Ufer des Thuner Sees kommen im Alpen-kalke vor.**) Hierher die Grotten vom Boudry, von Motiers-Travers und von Valorbe, im Jura, die Grotte vom Balme bei Genf, die Höhlen zwischen Muggendorf und Gailen-reuth in Franken, Sowia Jama, Ogrodzimiec und Wlodowice, in Polen.***) Diese geologische Erscheinung hatte die Aufmerksamkeitder Alten vielfältig beschäftigt. Strabo , Geogr. lib. 6(ed. Oxon, 1817, Tom I. p. 397).****) Gyps von Bottendorf (Schlottengyps).
|249|er schichtenweise im Jura, oder im Alpenkalke vor-kommt, oder daß er beide Formazionen trennt, oderdaß er endlich zwischen dem Alpenkalke und demthonigen Sandsteine gelagert ist, liefert gleichfalls,um seiner leichten Auflöslichkeit im Wasser willen,große Höhlungen. Sie hängen oft in der Entfernungmehrerer Meilen mit einander zusammen. Wenn dieunterirdischen Becken *) mit Wasser angefüllt sind,so wird ihre Nähe den Bergleuten gefährlich, indemdie Arbeiten derselben dadurch unvorhergesehenen Ue-berschwemmungen ausgesezt werden; sind die Höhlenhingegen trocken und geräumig, so begünstigen siedas Austrocknen des Bergwerkes. In Geschoße ein-getheilt, können sie das Wasser in ihren Obertheilaufnehmen, und zur Unterstüzzung der Kunstanlagenals durch die Natur ausgegrabene Abflußstellen ge-braucht werden. Nach den Kalk- und Gyps-For-mazionen wäre unter den Sekundär-Steinarten nocheine dritte Formazion, jene des thonichten Sandstei-nes **), zu untersuchen, die jünger ist, als das Erd-reich der Salzquellen; allein diese aus kleinen Quarz-körnern und thonichtem Bindungsmittel bestehende
*) Kalkschlotten, in Thüringen.**) Sandstein von Weißenfels und von Nebra; Oolithen-Sandstein; bunter Sandstein.
|250|Felsart enthält selten Höhlen, und wo solche vor-kommen, sind sie nur klein. Sie verengen sich all-mählich gegen ihren Grund hin *), und die Wän-de sind mit braunem Ocker überzogen.
Aus dem bisher Gesagten erhellt, daß die Ge-stalt der Höhle zum Theil von der Natur der Stein-art abhängt, worin sie vorkommen, doch ist auchöfters der Fall, daß diese Gestalt in einer und dernämlichen Formazion durch äußere Einwirkungen sichverändert. Es verhält sich mit der Gestaltung der Höhlenwie mit den Umrissen der Berge, mit den Krümmungender Thäler und mit vielen andern Erscheinungen, welchebeim ersten Anblicke nur Regellosigkeit und Verwirrungzeigen. Die geordnete Gestalt wird offenbar, sobald maneine ausgedehnte Landschaft, die gewaltsame, aber gleich-förmige und periodische Umwälzungen erlitten hat, beob-achtend ins Auge fassen kann. Nach demjenigen, wasich in den Europäischen Gebirgen und in den Amerika-nischen Kordilleren zu beobachten Gelegenheit hatte,lassen sich die Höhlen, ihrer inneren Beschaffenheitnach, in drei Klassen theilen. Die Gestaltung dereinen zeigt weite Risse oder Spalten, den leeren Erz-adern ähnlich, wie dieß bei der Rosenmüllerschen Grot-te in Franken, bei derjenigen von Elderhole im Pic
*) Dahin gehören die Heuscheune in Schlesien, der Diebs-keller und der Kuhstall in Sachsen.
|251|von Derbyshire und in den Sumideros von Chamara-sapa *) in Mexiko der Fall ist. Andere Höhlen gehenzu beiden Endungen zu Tage aus; es sind dieß ei-gentliche durchbrochene Felsen, natürliche Stollen,die einen einzelnen Berg durchschneiden **). Es isteine schwere Aufgabe, die Entstehungsart dieser Kanäle zuerklären, die bisweilen unterirdischen Wassern zum Fluß-bett dienen. Sind die durchbrochenen Felsen durch dieKraft einer Strömung ausgehöhlt worden, oder soll maneher annehmen, es sey die eine der Höhlenöffnungendurch einen späteren Einsturz, durch eine Veränderungin der äußeren Gestaltung der Berge, wie z. B. durchein neues in ihren Flanken eröffnetes Thal, entstan-den? — — Eine dritte Grottenbildung, die am öftestenvorkommt, zeigt eine Reihenfolge von Höhlungen, unge-fähr in gleicher Erhöhung und Richtung, und unterein-ander durch mehr und weniger schmale Gänge zusam-menhängend. — — Zu diesen Verschiedenheiten allge-meiner Gestaltung gesellen sich noch andere, nichtweniger bemerkenswerthe Umstände. Es ist öftersder Fall, daß kleine Höhlen sehr weite Oeffnungen
*) Nahe bei Tusco und Tehuilotepec.**) Dahin gehören der hohle Berg von Muggendorf unddie von den Otomiten-Indianern Dantoe genannte be-rühmte Höhle, der die Spanischen Amerikaner den Na-men der Gottesmutterbrücke gaben.
|252|haben, während man durch sehr niedrige Wölbungenin die weitesten und tiefsten Höhlen kriechen muß.Die Gänge, welche einzelne Höhlen miteinander ver-binden, sind meist wagerecht, jedoch sah ich auchsolche, welche Trichtern oder Schächten glichen, undderen Entstehung man einer, sich durch die weicheMasse entwickelnden, elastischen Flüssigkeit zuschrei-ben könnte. Wenn Flüsse aus Höhlen hervorgehen,so bilden sie einen einzigen, wagerechten und zusam-menhängenden Kanal, dessen Erweiterungen beinaheunmerklich sind. So zeigt sich die Cueva del Gua-charo , welche oben beschrieben ward, und in den Mexikanischen Westkordilleren die Höhle San Felipe ,bei Tehuilotepec. Betrachtet man diese Verschiedenheitder Höhlen-Gestaltung in beiden Welttheilen, so siehtman sich genöthigt, mehrere sehr verschiedene Ursa-chen ihrer Bildung anzunehmen. Wenn von Entste-hung der Höhlen die Rede ist, so muß man zwischenzwei Systemen wählen, von denen das eine gewaltsa-me und plözliche Erschütterungen in Anspruch nimmt,wie z. B. die elastische Kraft der Dämpfe und vulka-nische Ausbrüche, während das andere seine Zufluchtzu kleinen, beinahe unmerklich, durch allmähliche Ent-wickelung wirkenden Kräften nimmt. Bei diesen Hy-pothesen darf man jedoch die horizontale Richtungnicht außer Auge lassen, welche man so häufig aufgroßen Ausdehnungen der Gyps- und Kalkgebirge in |253| Stellung der durch Zwischengänge mit einander ver-bundenen Höhlen wahrnimmt. Diese beinahe vollkom-men wagerechte Richtung, diese sanfte und gleichför-mige Senkung, scheinen Wirkung eines langen Aufent-halts von Wasser zu seyn, welche schon bestehendeRisse, mittelst Durchfressung erweitern, und die fein-sten Theilchen um so leichter entführen, als der Thonoder das salzsaure Natron (Steinsalz) mit dem Gyps oderdem Stinkstein *), vermischt sind. Diese Wirkungensind die nämlichen, da wo die Höhlungen eine langezusammenhängende Reihenfolge bilden, oder wo meh-rere solche Reihenfolgen übereinander liegen, wie dießfast ausschließlich in den Gypsgebirgen der Fall ist.Was in den schalthierhaltigen oder neptunischen Ge-steinen die Wirkung des Wassers ist, scheint hinwie-der in den vulkanischen Steinarten zuweilen Wirkunggasartiger Ausdünstungen **) zu seyn, welche in der
*) Calcaire fétide. Werner hat die Hypothese gewagt, derzufolge, im alten Gyps von Thüringen, die Höhlendurch Wegführung sehr großer Massen salzsaures Natronsentstanden seyn sollten.**) Auf dem Vesuv sah man im J. 1805, an Strömen fri-scher Lava, in der Strömungsrichtung ausgedehnte Höh-len, von sechs bis sieben Fuß Länge auf drei Fuß Hö-he. Diese kleinen vulkanischen Höhlen waren mit Ei-senglanz überzogen, welcher, zufolge der neuesten Ar-beiten Gay-Lussac’s über die Eisenoxyde den Namenfer oligiste nicht mehr behalten kann.
|254| Richtung wirken, worin sie den mindesten Widerstandfinden. Wenn eine geschmolzene Masse sich auf einemsehr sanften Abhange fort bewegt, so sind die Axender durch die Entwickelung der elastischen Flüssigkei-ten gebildeten Höhlen, mit der Fläche, worauf diefortgehende Bewegung statt findet, ungefähr horizon-tal oder parallel. Eine ähnliche Entwickelung vonDämpfen, verbunden mit der elastischen Kraft derGase, welche die erweichten und aufgehobenen Schich-ten durchdringen, scheint bisweilen die große Erwei-terung der Höhlen zu bestimmen, die man in denTrachiten oder trappartigen Porphyrfelsen antrifft. Die-se Porphyrhöhlen werden in den Kordilleren von Quito und Peru mit dem Indischen Namen der Machays be-zeichnet. Sie sind überhaupt nicht tief, inwendig mitSchwefel überzogen, und unterscheiden sich durch ih-ren ungemein weiten Eingang, von denen der vulka-nischen Tuffsteine *) in Italien, auf Teneriffa und inden Anden. Reihet man auf diese Weise in Gedanken
*) Das Feuer wirkt oft dem Wasser gleich, indem es Mas-sen wegführt. Die Höhlungen können die Wirkung ei-ner feurigen Auflösung seyn, wie sie viel öfterer dieWirkung wässeriger Durchfressung oder Auflösung sind.Der Kapitän Flinders bringt eine Höhle auf Isle deFrance, in der Nähe der Pflanzung Menil, auf Rech-nung einer, in Folge eines vulkanischen Ausbruchs ge-schmolzenen und weggeführten, Lage von Eisenglanz(fer spéculaire).
|255|die primitiven, sekundären und vulkanischen Stein-arten aneinander, und unterscheidet man die oxydir-te Kruste des Erdballs vom inwendigen Kern, dervielleicht aus metallischen und entzündbaren Stof-fen besteht, so trifft man überall Höhlen. Sie verse-hen im Haushalt der Natur die Stelle großer Behältervon Wasser und elastischen Flüssigkeiten. Die Gyps-höhlen zeichnen sich durch den Glanz des krystallisir-ten Selenits aus. Glasartige, braun und gelbgefärbteBlätter lösen sich von einem gestreiften, aus Alabaster-und Stinkstein-Lagen bestehenden Grund ab. DieKalkgrotten haben eine einförmigere Färbung. Sie sindum so schöner und reicher an Stalaktiten, als sie engersind, und die Luft darin weniger freien Umlauf hat.Weil sie zu groß ist, und der Luft all zu offen steht,kommen in der Höhle von Caripe jene Inkrustazionenbeinahe gar nicht vor, deren Bilderformen in andernLändern die Neugier des Volks so sehr anregen. Auchsucht man darin vergeblich unterirdische Pflanzen undKryptogamisten aus der Familie der Usneen, die zu-weilen den Stalaktiten, wie der Epheu unsern Mauernanklebend, gefunden werden. Die Höhlen der Gyps-berge enthalten öfters Bergschwaden und schädlicheGasarten. Es ist nicht der schwefelgesäuerte Kalk,welcher auf die atmosphärische Luft wirkt, sondernder einigermaßen kohlenstoffhaltige Thon und derStinkstein, welche dem Gypse so oft beigemischt sind. |256|Es läßt sich noch nicht entscheiden, ob der stinkendekohlenhaltige Kalk als Wasserschwefel oder vermögeeines bituminösen Grundstoffes wirkt *). Sein Vermö-gen, den Sauerstoff zu absorbiren, ist ziemlich allge-mein bekannt; es trifft solches zusammen mit der Wir-kung des kohlenstoffhaltigen Thons der Gypsgrottenund der Sinkwerke, die man in den, durch eingelei-tetes Süßwasser bearbeiteten Steinsalzminen anlegt.Die Höhlen der Kalkgebirge sind diesen Zersezzungender atmosphärischen Luft nicht ausgesezt, insofern sienicht etwa Knochengerippe vierfüßiger Thiere enthal-ten, oder das mit Bindestoff (Gluten) und phosphor-sauerm Kalk vermischte Erdreich, aus welchem sichentzündbare und stinkende Gasarten entwickeln. AllesNachforschens bei den Einwohnern von Caripe, von Cumanaroa und von Cariaro unerachtet, war keineAnzeige zu erhalten, daß in der Grotte von Guacharo jemals Ueberreste fleischfressender Thiere oder jeneKnochen-Brekzien grasfressender Thiere angetroffen
*) Der Stinkstein zeigt beständig eine braunschwärzlicheFärbung; weiß wird er nur durch Zersezzung, undnachdem er auf die ihn berührende Luft eingewirkt hat.Mit dem Stinkstein, welcher zu den Sekundär-Forma-zionen gehört, muß ein körnigter, sehr weißer Urkalk-stein, von der Insel Thasos, nicht verwechselt werden,welcher geschabt einen Geruch von geschwefeltem Was-serstoff zeigt. Dieser Marmor ist grobkörnigter als derKararische.
|257| wurden, die in den Deutschen und Ungarischen Höhlen,oder in den Spalten der Kalkfelsen von Gibraltar vor-kommen. Die fossilen Knochen des Megatheriums, derElephanten und Mastodonten, die durch Reisende ausSüdamerika gebracht wurden, gehören alle dem lockernBoden der Thäler oder Bergebenen an. Mit Ausnahmedes Megalonix *), einer Art Faulthier, das die Größedes Ochsen hat, und von Jefferson beschrieben ward,kennt man bis dahin kein Beispiel eines, in einer Ame-rikanischen Berghöhle wahrgenommenen, Thiergeripps **).Die Grotte von Caripe ist eine der geräumigsten, dieman im Kalkgebirge kennt. Ihre Länge beträgt we-nigstens 2800 Fuß. Ueberhaupt sind es, dem un-gleichen Verhältniß der Auflösbarkeit des Gesteins zu-folge, nicht die Kalkgebirge, sondern die Gypsforma-zionen, welche die ausgedehntesten Reihenfolgen vonHöhlen bilden. In Sachsen kommen bekanntlich derenin Gyps vor, die mehrere Meilen lang sind, zum Bei-spiel jene von Womelburg, die mit der Cresfelder
*) Der Megalonix ward in den Höhlen von Green-Briar,in Virginien, 1500 Meilen vom Megatherium entferntangetroffen, das nur wenig von ihm verschieden ist,und die Größe des Rhinozeros hat.**) Die überaus große Seltenheit dieser geologischen Erschei-nung wird um so weniger auffallend seyn, wenn manbedenkt, daß Frankreich, England und Italien ebenfallszahlreiche Felsgrotten besizzen, in denen niemals Spu-ren fossiler Knochen angetroffen wurden.
|258|Höhle zusammenhängt. Unter den Beobachtungen, zudenen die Grotten Anlaß geben, ist die genaue Be-stimmung ihrer Temperatur für den Naturforscheram merkwürdigsten. Die Höhle von Caripe, die un-gefähr unter dem 10° 10′ der Breite, also im Mittel-punkt des heißen Erdstrichs liegt, ist 506 Toisen überder Wasserfläche im Golf von Cariaro erhöhet. DieReisenden fanden in derselben, im Herbstmonat, dieTemperatur der inneren Luft überall zwischen 18°,4und 18°,9 des hundertgradigen Wärmemessers. Dieäußere Atmosphäre zeigte 16°,2. Beim Eingang derHöhle erhielt sich das Thermometer in der Luft auf71°,6; aber ins Wasser des kleinen unterirdischenFlusses getaucht, zeigte es bis in den tiefen Grund derHöhle 10°, 8. Diese Versuche sind besonders wichtig,wenn man über das Gleichgewicht der Wärme nachdenkt,das sich zwischen Wasser, Luft und Erde zu bildenstrebt *).
Die Steinlager, welche die Rinde unsers Planeten bil-den, sind allein nur unsern Forschungen zugänglich, und
*) Zur Zeit, wo Hr. v. H. Europa verließ, bedauerten dieNaturforscher, noch nicht hinlängliche Thatsachen überdas, was man Etwas hochtönend die Temperatur vomInnern des Erdballs nannte, zu besizzen, undseit Kurzem erst ward mit einigem Erfolg an der Lö-sung dieser großen Aufgabe der unterirdischen Meteo-rologie gearbeitet.
|259|man weiß jezt, daß die mittlere Temperatur dieser Lagernicht blos nach Breiten und Höhen verschieden ist, son-dern daß sie, nach der Lage der Orte, während eines Jah-res auch regelmäßige Schwingungen um die mittlereWärme der Atmosphäre macht. Wir sind schon weitvon dem Zeitpunkte entfernt, wo man verwundert war,in andern Erdstrichen die Wärme der Höhlen undSchächte von der, in den Kellern der Sternwarte zu Paris beobachteten, abweichend zu finden. Das gleicheInstrument, welches in diesen Kellern 12° zeigt, steigtin den unterirdischen Räumen der Insel Madera, nahebei Funchal auf 16°,2; in den Brunnen von St. Jo-seph in Cairo auf 21°,2, in den Grotten der Insel Cuba auf 22° oder 23°. Dieses Wachsthum steht un-gefähr im Verhältniß zu demjenigen der mittlerenTemperaturen der Atmosphäre vom 48sten Breitegradbis zum Wendekreis. Wir haben oben gesehen, daßin der Grotte von Guacharo das Wasser ihres kleinenFlusses beinahe um 2° kälter als die umgebende Luftder Höhle ist. Das Wasser, es mag sich zwischenFelsen durchziehen, oder über Steinbette hinfließen,nimmt ohne Zweifel die Temperatur dieser Lezterenan. Die in den Grotten verschlossene Luft hingegen istnicht stillstehend, sondern mit der äußeren Luft inVerbindung. Obgleich unter der heißen Zone die Ver-änderungen der äußeren Temperatur nur klein sind, sobilden sich dennoch Strömungen, welche die Wärme |260| der innern Luft periodisch ändern. Demnach ist es dieTemperatur des Wassers von 16°,8, welche man alsdie Temperatur der Erde in diesen Bergen betrachtenkönnte, wenn man Gewißheit hätte, daß die Gewäs-ser nicht etwa von den benachbarten höheren Bergenschnell herunter fließen. Aus diesen Zusammenstellun-gen ergibt es sich, daß, wenn auch ganz genaue Re-sultate nicht zu erhalten sind, doch wenigstens in jedemErdstrich Grenzzahlen gefunden werden. Zu Caripe,in der Aequinoktialzone, auf 500 Toisen Erhöhung,beträgt die mittlere Temperatur der Erde nicht unter16°,8; dies ergibt sich aus dem am Wasser des unter-irdischen Flusses angestellten Versuche. Hinwiederkann dargethan werden, daß diese Temperatur der Er-de nicht über 19°,7 beträgt, weil die Luft der Höhle imHerbstmonate 18°,7 zeigte. Da die mittlere Tempe-ratur der Atmosphäre, im wärmsten Monat 19°,5nicht übersteigt, so würde wahrscheinlich der Wärme-messer, in der Luft der Grotte aufgestellt, zu keinerJahreszeit, über 19° ansteigen. Diese Resultate er-scheinen unrichtig, wenn sie einzeln betrachtet wer-den; vergleicht man sie hingegen mit den neuerlichunter dem Polarkreis angestellten Beobachtungen derHerren v. Buch und Wahlenberg, so könnensie, theils auf den Natur-Haushalt überhaupt,theils auf das Gleichgewicht der Temperatur, nachwelchem Luft und Erde immerfort hinstreben, einiges |261|Licht werfen. Es liegt außer Zweifel, daß in Lapp-land die Steinrinde des Erdballs um 3 bis 4 Gradüber der mittleren Temperatur der Atmosphäre steht.Verursacht die in den Tiefen des Aequinoktial-Ozeansbeständig herrschende Kälte, welche eine Wirkung derPolarströmungen ist, in den Tropenländern eine fühl-bare Verminderung der Temperatur der Erde? Stehtdie Temperatur daselbst unter derjenigen der Atmo-sphäre?