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Alexander von Humboldt: „Der Guacharo“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1818-Cavern_of_Guacharo-13-neu> [abgerufen am 18.05.2024].

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https://humboldt.unibe.ch/text/1818-Cavern_of_Guacharo-13-neu
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Titel Der Guacharo
Jahr 1852
Ort Bad Langensalza
Nachweis
in: Friedrich Gustav Ludwig Greßler, Naturgeschichte für Kinder. Zweiter Theil. Die merkwürdigsten fremden Thiere, 2. Auflage, Langensalza: Schulbuchhandlung des Thüringer Lehrervereins 1852, S. 172–175.
Sprache Deutsch
Typografischer Befund Fraktur; Antiqua für Fremdsprachiges.
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: III.46
Dateiname: 1818-Cavern_of_Guacharo-13-neu
Statistiken
Seitenanzahl: 4
Zeichenanzahl: 3895

Weitere Fassungen
Cavern of Guacharo (New York City, New York, 1818, Englisch)
Account of the Great Cavern of the Guacharo (Edinburgh, 1820, Englisch)
[Cavern of Guacharo] (Frankfurt am Main, 1821, Deutsch)
The great cavern of Guacharo, in South America (Hartford, Connecticut, 1822, Englisch)
Cavern of the Guacharo (Edinburgh, 1824, Englisch)
The Great Cavern of Guacharo, in South America (New York City, New York, 1826, Englisch)
The great cavern of Guacharo, in South America (London, 1826, Englisch)
Die Felshöhle von Guacharo (Bamberg; Aschaffenburg, 1827, Deutsch)
The great cavern of Guacharo, in South America (Exeter, 1836, Englisch)
The great cavern of Guacharo in South America (London, 1845, Englisch)
Die Felshöhle von Guacharo (Leipzig, 1843, Deutsch)
Die Grotte von Caripe oder die Felshöhle von Guacharo (Berlin, 1851, Deutsch)
Der Guacharo (Bad Langensalza, 1852, Deutsch)
Die Höhle von Guacharo (Mainz, 1854, Deutsch)
Die Höhle von Guacharo (Stuttgart, 1856, Deutsch)
Die Höhle von Guacharo (Leipzig, 1858, Deutsch)
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Der Guacharo

lebt in Höhlen der ſüdamerikaniſchen Provinz Vene-zuela. Von ihm giebt A. v. Humboldt folgendeBeſchreibung: Der Guacharo hat die Größe unſerer Hühner, denRachen der Nachtſchwalbe (des Ziegenmelkers), denWuchs der Geier, deren krummer Schnabel von |173|ſteifen Seidenpinſeln umgeben iſt. Wenn wir ihnnicht zu den Spechten rechnen wollen, ſo muß dieſeraußerordentliche Vogel ins Geſchlecht der Sperlinge (Tasseres) gebracht werden, deren Gattungen durchbeinahe unmerkliche Uebergänge mit einander ver-bunden ſind. Durch ſeine Lebensart iſt er ſowohl den Nacht-ſchwalben als den Alpendohlen (Corous Pyrrhocorax) verwandt. Das Gefieder des Guacharo iſt vondunkler blaugrauer Farbe, mit kleinen ſchwarzenStreifen und Punkten vermengt. Große weiße herz-förmige, ſchwarz geränderte Flecken kommen am Kopf,auf den Flügeln und am Schwanze vor. Die Augendes Vogels können das Tageslicht nicht ertragen;ſie ſind blau und kleiner als die des Ziegenmelkersoder der Nachtſchwalbe. Die Weite der ausgebreiteten Flügel, die aus17 bis 18 Ruderfedern (remiges) beſtehen, beträgtvierthalb Fuß. Der Guacharo verläßt ſeine Höhlebei Anbruch der Nacht, vorzüglich zur Zeit desMondſcheins; er iſt faſt der einzige, bis dahin be-kannt gewordene Nachtvogel, der ſich von Körnernnährt; die Bildung ſeiner Füße thut ſattſam dar,daß er nicht, gleich unſern Eulen, Jäger iſt. Ernährt ſich mit ſehr harten Kernfrüchten, gleich demNußheher und dem Pyrrhocorax. Der letztere niſtetgleichfalls in Felsſpalten, und iſt unter dem NamenNachtrabe bekannt. Es hält ſchwer, ſich eine richtige Vorſtellung vondem furchtbaren Lärm zu machen, welchen viele Tau-ſende dieſer Vögel in dem finſtern Theil der Höhleverurſachen. Er läßt ſich nur mit dem Gelärm |174|unſerer Krähen vergleichen, die in den nordiſchen Tan-nenwäldern in Geſellſchaft leben, und ihre Neſter aufBäume bauen, deren Gipfel ſich einander berühren.Die ſcharfe und durchdringende Stimme des Gua-charos wird in den Wölbungen der Felshöhle zurück-geworfen, und das Echo wiederhallt im Grunde derGrotte. Die Indianer banden Fackeln an das Endeeiner langen Stange, um uns die Neſter dieſer Vö-gel zu zeigen. Sie befanden ſich funfzig bis ſechzigFuß über unſern Häuptern in trichterförmigen Löchern,welche in Menge an der Decke der Grotte befindlichwaren. Das Geräuſch wird ſtärker, ſo wie man tie-fer hinein kommt, und die Vögel vor dem Lichteſcheu werden, das die Copal-Fackeln verbreiten.Ward es etliche Minuten um uns her ſtille, dannließen ſich die entfernteren Klagetöne der in denSeitengängen der Grotte niſtenden Vögel hören.Es war, als ob ihre Schwärme ſich einander wech-ſelnd antworteten. Die Indianer begeben ſich jährlich einmal um dasSt. Johannisfeſt, mit Stangen bewaffnet, in dieGrotte, um den größten Theil der Neſter zu zer-ſtören. Es werden alsdann viele tauſend Vögel ge-tödtet, und die Alten, gleichſam um ihre Brut zubeſchützen, ſchweben unter fürchterlichem Geſchrei überden Häuptern der Indianer. Die Jungen, welche zuBoden fallen, werden ſogleich ausgeweidet. Ihr Bauch-fell iſt reich mit Fett beladen, und eine Schichte vonFett verlängert ſich vom Unterleib bis zur Oeffnung desHintern, und bildet eine Art Knäuel zwiſchen den Schen-keln des Vogels. Dieſer Ueberfluß von Fett bei pflan-zenfreſſenden Thieren, die im Finſtern leben und ſich |175|nur wenig Bewegung geben, erinnert an längſt ge-machte Beobachtungen über die Mäſtung von Gänſenund Ochſen. Man weiß, wie ſehr dieſes Geſchäftdurch Finſterniß und Ruhe befördert wird. Das Fett des Guacharo iſt unter dem Namen desOels vom Guacharo bekannt. Seine Reinheit iſt ſogroß, daß es über ein Jahr aufbewahrt wird, ohneranzig zu werden. Im Kloſter zu Laripe ward inder Küche der Mönche kein anderes Oel gebrauchtals das der Grotte, und nie haben wir einen daherrührenden widrigen Geſchmack oder Geruch an denSpeiſen wahrgenommen.