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Alexander von Humboldt: „[Worte zur Säcularfeier der Thronbesteigung Friedrichs des Großen]“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1840-xxx_Worte_zur_Saecularfeier-2> [abgerufen am 17.04.2024].

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https://humboldt.unibe.ch/text/1840-xxx_Worte_zur_Saecularfeier-2
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Titel [Worte zur Säcularfeier der Thronbesteigung Friedrichs des Großen]
Jahr 1840
Ort Augsburg
Nachweis
in: Anonym, „Die Jubelfeier Friedrichs des Großen“, in: Allgemeine Zeitung 161 (9. Juni 1840), Beilage, S. [1281]–1282, hier S. [1281].
Sprache Deutsch
Typografischer Befund Fraktur; Spaltensatz; Auszeichnung: Sperrung.
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: VI.12
Dateiname: 1840-xxx_Worte_zur_Saecularfeier-2
Statistiken
Seitenanzahl: 2
Spaltenanzahl: 4
Zeichenanzahl: 8292

Weitere Fassungen
[Worte zur Säcularfeier der Thronbesteigung Friedrichs des Großen] (Berlin, 1840, Deutsch)
[Worte zur Säcularfeier der Thronbesteigung Friedrichs des Großen] (Augsburg, 1840, Deutsch)
[Worte zur Säcularfeier der Thronbesteigung Friedrichs des Großen] (Berlin, 1840, Deutsch)
[Worte zur Säcularfeier der Thronbesteigung Friedrichs des Großen] (Berlin, 1840, Deutsch)
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Die Jubelfeier Friedrichs des Großen.

Berlin. Bei der feierlichen Grundſteinlegung zu dem Denk-mal Friedrich des Großen verkündete der Miniſter v. Rochowdie wegen des Monuments von Sr. Majeſtät erlaſſenen Be-fehle in nachſtehender Weiſe: „Der Wille Sr. Maj. des Königs,unſeres Herrn, hat uns verſammelt, um den Beginn der glor-reichen Regierung Königs Friedrich II feſtlich zu feiern durch dieGrundſteinlegung zu dem Denkmal, welches Se. Majeſtät ſei-nem ruhmgekrönten Ahnherrn zu errichten beſchloſſen hat. Ichbin berufen, dieſen, eines jeden Preußen Bruſt erhebenden Be-ſchluß an hieſiger Stelle zu verkünden. Die Worte der deßhalban den Staatsminiſter Grafen v. Alvensleben und mich erlaſ-ſeren Ordre lauten alſo: „„Der Zeitpunkt, an welchem Friedrichder Zweite vor 100 Jahren den preußiſchen Thron beſtieg, for-dert das dankbare Andenken der Mitwelt und ein Denkmalfür künftige Zeiten. Für letzteres habe Ich inſofern geſorgt,als Ich die Anfertigung einer Reiterſtatue befohlen, und denPlatz am Anfange der Linden als denjenigen beſtimmt habe, wodieß Denkmal errichtet werden ſoll. Der künftige Grundſteinwird die gewählte Stelle bezeichnen, und an derſelben ſoll am1 Jun. c. eine öffentliche Feier ſtatt finden, bei welcher dieſeOrdre zu verkünden, und die ſtellvertretende Grundſteinlegungzu veranlaſſen iſt. Berlin, den 26 Mai 1840. (gez.) FriedrichWilhelm. An die Staatsminiſter v. Rochow und Grafenv. Alvensleben.““ So laſſen Sie uns denn dieſes Feſt beginnenmit begeiſterter Erinnerung an das, was Preußen ſeinem Friedrichdankt, und mit dankerfülltem Herzen für den Ruhm und denreichen Segen unter Friedrich Wilhelms väterlichem Scepter,zugleich aber auch mit dem ernſten Willen, alle Zeit zu ſtrebenund zu wirken in dem Geiſte, mit der Liebe und der Treuewelche beide große Könige in unſeren und unſerer Väter Herzengeweckt und genährt haben.“ Hierauf ſprach der General derInfanterie, Frhr. v. Müffling: „Wenn der Beſchluß unſereserhabenen Monarchen alle, die ſich hier verſammelt finden, ineine freudige Bewegung verſetzt, und im ganzen Reich die leb-hafteſte Theilnahme erregen wird, ſo iſt dieſer allgemeine An-klang die Frucht der tiefbegründeten Dankbarkeit für die vielenWohlthaten, welche aus der glorreichen Regierung des großenKönigs auf uns übergegangen ſind. Die Geſchichte des abge-laufenen Jahrhunderts hat lehrreich überliefert: für uns, meineWaffengefährten, daß, wie auch bedrängt von übermächtigenFeinden, es für tapfere Soldaten keine Lage gebe, in welcherTreue, Gehorſam und muthige Ausdauer nicht zu einem ehren-vollen Ausgang führen; ſie hat lehrreich überliefert den Die-nern des Staats, welche nach den Geſetzen Recht zu ſprechen,als auch denen, welche für das öffentliche und allgemeine Wohlzu ſorgen haben: daß mit der Zunahme der Bildung aller Volks-claſſen die Veredlung unſerer Sitten Hand in Hand geht, unddaß dieß die tragenden Säulen eines wohlgeordneten Staats-gebäudes ſind. Wie die Künſte und Wiſſenſchaften bei uns zurBlüthe gekommen, wie die Gewerbthätigkeit erweckt, beſchütztund erweitert, wie der Pflug in fleißiger Hand ſelbſt für denHüttenbewohner zum lohnenden Geſchäft geworden iſt, das Allesweist unſere Geſchichte, von der Thronbeſteigung Friedrich desGroßen bis zum heutigen Tage, nach. Waren dieſe Vorſchrittebedeutend, Größeres noch hat ſich aus den Folgen entwickelt.Vereinigt unter den Waffen in einer verhängnißvollen Zeithaben die verſchiedenen Stände und Claſſen des preußiſchenVolkes ſich kennen, ſich achten lernen, und mit gereiftem Ver-trauen ſtehen ſie in Eintracht und Liebe geſchaart um den Thronihres angeſtammten Herrſchers. In dieſer würdigen Stellung|Spaltenumbruch| weiß das preußiſche Volk die Segnungen des Friedens gebührendzu ſchätzen, und die Rechte anderer Völker zu ehren. Aber ebenſo gut kennt es auch ſeine heiligſten Pflichten, wenn es daraufankommen ſollte, die eigenen Rechte mit dem Schwert in derHand zu vertheidigen. Wer die Waffen zu tragen fähig iſt,würde es als ein Ehrenrecht verlangen, dieſen Fahnen zu folgen,und denen, die es unternähmen, uns zu unterjochen, Tod undVerderben zu bringen. Der große König legte zu unſerembeſſeren Zuſtand vor hundert Jahren den Grundſtein, und ſowerde heute der Grundſtein gelegt zu einer, an ſein Andenkengeknüpften, ſich allmählich immer ſchöner entwickelnden Zeit. Dasiſt die Bedeutung dieſes Feſtes.“Zu dieſer Säcularfeier hatte ſich die königliche Akademieder Wiſſenſchaften zu einem Feſtmahle vereinigt. Alexanderv. Humboldt brachte den Toaſt für Se. Maj. den Königaus, welchen er mit folgenden Worten einleitete: „Die ſtille,einfache Feier, zu der wir uns hier verſammelt haben, würdeihren eigenthümlichen Charakter verlieren, wenn ich es wagte,durch den Schmuck der Rede Gefühle zu beleben, die an dieſemweltgeſchichtlichen Tage ſich dem Innern des Gemüths von ſelbſtaufdrängen. Mir iſt die Ehre zu Theil geworden, einige Wortean dieſe Verſammlung zu richten. Dieſen Vorzug verdankeich der Zufälligkeit allein, dem alten Geſchlechte anzugehören,welchem noch aus eigener jugendlicher Anſchauung das Bilddes großen Monarchen vor die Seele tritt. Seiner geiſtigenKraft und aller Kraft kühn vertrauend, hat er gleich mächtig,ſo weit Geſittung und Weltverkehr die Menſchheit empfänglichmachten, auf die Herrſcher, wie auf die Völker gewirkt. Erhat (um mich eines Ausdrucks des römiſchen Geſchichtſchreiberszu bedienen, der mit tief verhaltener Wehmuth alle Regungendes Staats- und Völkerlebens durchſpähte), er hat die ſchroffenGegenſätze, „die widerſtrebenden Elemente der Herrſchaft undFreiheit“ mit einander zu verſöhnen gewußt. Den köſtlichſtenSchatz dieſer Freiheit, das ungehinderte Streben nach Wahr-heit und Licht, hat er früh und vorzugsweiſe dem wiſſenſchaft-lichen Vereine anvertraut, deſſen Glanz er, ein Weiſer auf demThrone, durch eigene Arbeiten und ſchützende Theilnahme er-höhte. Die Akademie, von Leibnitz geſtiftet, von Friedrich demGroßen erneuert, blickt mit gleicher Rührung auf jene ſchonvom milderen Lichte der Ferne umfloſſene Zeit, wie auf das19te Jahrhundert, wo die Huld eines theuren Monarchen, inallen Theilen des vergrößerten Reiches, für Begründung wiſ-ſenſchaftlicher Anſtalten und die edlen Blüthen des Kunſtlebensgroßartigſt geſorgt hat. Daher iſt es uns eine ſüße Pflicht, einBedürfniß des Gefühls, nicht der Sitte — an dieſem feſtlichenTage, zweien erhabenen Wohlthätern den Ausdruck der Bewun-derung und des ehrfurchtsvollſten Dankes darzubringen.“ —Den Toaſt für Se. königl. Hoh. den Kronprinzen leitete Hr.Böckh, als beſtändiger Secretär der Akademie ein. Hr. Encke,beſtändiger Secretär der Akademie, brachte einen Toaſt auf dasWohl der Akademie aus. Die Feier blieb dem Charakter treu,welchen der erſte Sprecher gleich mit ſeinen erſten Worten be-zeichnet hat. (Pr. St. Z.)Unter den andern Feſtlichkeiten ragte das von den ſtädtiſchenBehörden gegebene Diner im Jagor’ſchen Saale durch ſeinenGlanz hervor. Eine intereſſante Feſtgabe für die Geſellſchaftwar das lithographirte Facſimile der erſten CabinetsordreFriedrichs II, wovon Exemplare unter die Anweſenden vertheiltwurden. Dieſes Document, welches an den Propſt Reimbeckgerichtet iſt und die Zurückberufung des für ſeine Zeit ſo ver-|1282| |Spaltenumbruch| dienſtvollen Philoſophen Chriſtian Wolf betrifft, läßt uns einenBlick in die hohe Sinnesart des großen Königs thun. DieCabinetsordre, deren Original ſich in der Berliner königlichenBibliothek befindet, iſt aus Charlottenburg vom 6 Jun. 1740datirt und lautet folgendermaßen: „Würdiger, beſonders Lieber,Getreuer. Ihr habet nochmals an den Regierungsrath Wolfzu ſchreiben, ob er ſich nunmehro nicht entſchließen könne inmeine Dienſte zu gehen, und würde ich ihm alle raiſonableConditiones accordiren. Ich bin u. ſ. w.“ Höchſt merkwürdigaber iſt der bekannte Nachſatz von Friedrichs eigener Hand: „Ichbitte Ihn, Sich um des Wolfen Mühe zu geben; ein Menſch, derdie Wahrheit ſucht, und ſie liebt, muß unter aller menſchlichenGeſellſchaft werth gehalten werden, und glaube ich, daß Er eineConquete im Lande der Wahrheit gemacht hat, wenn er denWolf hierher perſuadirt. Wenn der Wolf hier kommen wird,ſo hat es keine Schwierigkeit, denn Unſere Akademie muß nichtzur Parade, ſondern zur Inſtruction ſeyn. Friedrich.
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