Die Jubelfeier Friedrichs des Großen. Berlin. Bei der feierlichen Grundſteinlegung zu dem Denkmal Friedrich des Großen verkündete der Miniſter v. Rochow die wegen des Monuments von Sr. Majeſtät erlaſſenen Befehle in nachſtehender Weiſe: „Der Wille Sr. Maj. des Königs, unſeres Herrn, hat uns verſammelt, um den Beginn der glorreichen Regierung Königs Friedrich II feſtlich zu feiern durch die Grundſteinlegung zu dem Denkmal, welches Se. Majeſtät ſeinem ruhmgekrönten Ahnherrn zu errichten beſchloſſen hat. Ich bin berufen, dieſen, eines jeden Preußen Bruſt erhebenden Beſchluß an hieſiger Stelle zu verkünden. Die Worte der deßhalb an den Staatsminiſter Grafen v. Alvensleben und mich erlaſſeren Ordre lauten alſo: „„Der Zeitpunkt, an welchem Friedrich der Zweite vor 100 Jahren den preußiſchen Thron beſtieg, fordert das dankbare Andenken der Mitwelt und ein Denkmal für künftige Zeiten. Für letzteres habe Ich inſofern geſorgt, als Ich die Anfertigung einer Reiterſtatue befohlen, und den Platz am Anfange der Linden als denjenigen beſtimmt habe, wo dieß Denkmal errichtet werden ſoll. Der künftige Grundſtein wird die gewählte Stelle bezeichnen, und an derſelben ſoll am 1 Jun. c. eine öffentliche Feier ſtatt finden, bei welcher dieſe Ordre zu verkünden, und die ſtellvertretende Grundſteinlegung zu veranlaſſen iſt. Berlin, den 26 Mai 1840. (gez.) Friedrich Wilhelm. An die Staatsminiſter v. Rochow und Grafen v. Alvensleben.““ So laſſen Sie uns denn dieſes Feſt beginnen mit begeiſterter Erinnerung an das, was Preußen ſeinem Friedrich dankt, und mit dankerfülltem Herzen für den Ruhm und den reichen Segen unter Friedrich Wilhelms väterlichem Scepter, zugleich aber auch mit dem ernſten Willen, alle Zeit zu ſtreben und zu wirken in dem Geiſte, mit der Liebe und der Treue welche beide große Könige in unſeren und unſerer Väter Herzen geweckt und genährt haben.“ Hierauf ſprach der General der Infanterie, Frhr. v. Müffling: „Wenn der Beſchluß unſeres erhabenen Monarchen alle, die ſich hier verſammelt finden, in eine freudige Bewegung verſetzt, und im ganzen Reich die lebhafteſte Theilnahme erregen wird, ſo iſt dieſer allgemeine Anklang die Frucht der tiefbegründeten Dankbarkeit für die vielen Wohlthaten, welche aus der glorreichen Regierung des großen Königs auf uns übergegangen ſind. Die Geſchichte des abgelaufenen Jahrhunderts hat lehrreich überliefert: für uns, meine Waffengefährten, daß, wie auch bedrängt von übermächtigen Feinden, es für tapfere Soldaten keine Lage gebe, in welcher Treue, Gehorſam und muthige Ausdauer nicht zu einem ehrenvollen Ausgang führen; ſie hat lehrreich überliefert den Dienern des Staats, welche nach den Geſetzen Recht zu ſprechen, als auch denen, welche für das öffentliche und allgemeine Wohl zu ſorgen haben: daß mit der Zunahme der Bildung aller Volksclaſſen die Veredlung unſerer Sitten Hand in Hand geht, und daß dieß die tragenden Säulen eines wohlgeordneten Staatsgebäudes ſind. Wie die Künſte und Wiſſenſchaften bei uns zur Blüthe gekommen, wie die Gewerbthätigkeit erweckt, beſchützt und erweitert, wie der Pflug in fleißiger Hand ſelbſt für den Hüttenbewohner zum lohnenden Geſchäft geworden iſt, das Alles weist unſere Geſchichte, von der Thronbeſteigung Friedrich des Großen bis zum heutigen Tage, nach. Waren dieſe Vorſchritte bedeutend, Größeres noch hat ſich aus den Folgen entwickelt. Vereinigt unter den Waffen in einer verhängnißvollen Zeit haben die verſchiedenen Stände und Claſſen des preußiſchen Volkes ſich kennen, ſich achten lernen, und mit gereiftem Vertrauen ſtehen ſie in Eintracht und Liebe geſchaart um den Thron ihres angeſtammten Herrſchers. In dieſer würdigen Stellung weiß das preußiſche Volk die Segnungen des Friedens gebührend zu ſchätzen, und die Rechte anderer Völker zu ehren. Aber eben ſo gut kennt es auch ſeine heiligſten Pflichten, wenn es darauf ankommen ſollte, die eigenen Rechte mit dem Schwert in der Hand zu vertheidigen. Wer die Waffen zu tragen fähig iſt, würde es als ein Ehrenrecht verlangen, dieſen Fahnen zu folgen, und denen, die es unternähmen, uns zu unterjochen, Tod und Verderben zu bringen. Der große König legte zu unſerem beſſeren Zuſtand vor hundert Jahren den Grundſtein, und ſo werde heute der Grundſtein gelegt zu einer, an ſein Andenken geknüpften, ſich allmählich immer ſchöner entwickelnden Zeit. Das iſt die Bedeutung dieſes Feſtes.“ Zu dieſer Säcularfeier hatte ſich die königliche Akademie der Wiſſenſchaften zu einem Feſtmahle vereinigt. Alexander v. Humboldt brachte den Toaſt für Se. Maj. den König aus, welchen er mit folgenden Worten einleitete: „Die ſtille, einfache Feier, zu der wir uns hier verſammelt haben, würde ihren eigenthümlichen Charakter verlieren, wenn ich es wagte, durch den Schmuck der Rede Gefühle zu beleben, die an dieſem weltgeſchichtlichen Tage ſich dem Innern des Gemüths von ſelbſt aufdrängen. Mir iſt die Ehre zu Theil geworden, einige Worte an dieſe Verſammlung zu richten. Dieſen Vorzug verdanke ich der Zufälligkeit allein, dem alten Geſchlechte anzugehören, welchem noch aus eigener jugendlicher Anſchauung das Bild des großen Monarchen vor die Seele tritt. Seiner geiſtigen Kraft und aller Kraft kühn vertrauend, hat er gleich mächtig, ſo weit Geſittung und Weltverkehr die Menſchheit empfänglich machten, auf die Herrſcher, wie auf die Völker gewirkt. Er hat (um mich eines Ausdrucks des römiſchen Geſchichtſchreibers zu bedienen, der mit tief verhaltener Wehmuth alle Regungen des Staats- und Völkerlebens durchſpähte), er hat die ſchroffen Gegenſätze, „die widerſtrebenden Elemente der Herrſchaft und Freiheit“ mit einander zu verſöhnen gewußt. Den köſtlichſten Schatz dieſer Freiheit, das ungehinderte Streben nach Wahrheit und Licht, hat er früh und vorzugsweiſe dem wiſſenſchaftlichen Vereine anvertraut, deſſen Glanz er, ein Weiſer auf dem Throne, durch eigene Arbeiten und ſchützende Theilnahme erhöhte. Die Akademie, von Leibnitz geſtiftet, von Friedrich dem Großen erneuert, blickt mit gleicher Rührung auf jene ſchon vom milderen Lichte der Ferne umfloſſene Zeit, wie auf das 19te Jahrhundert, wo die Huld eines theuren Monarchen, in allen Theilen des vergrößerten Reiches, für Begründung wiſſenſchaftlicher Anſtalten und die edlen Blüthen des Kunſtlebens großartigſt geſorgt hat. Daher iſt es uns eine ſüße Pflicht, ein Bedürfniß des Gefühls, nicht der Sitte — an dieſem feſtlichen Tage, zweien erhabenen Wohlthätern den Ausdruck der Bewunderung und des ehrfurchtsvollſten Dankes darzubringen.“ — Den Toaſt für Se. königl. Hoh. den Kronprinzen leitete Hr. Böckh, als beſtändiger Secretär der Akademie ein. Hr. Encke, beſtändiger Secretär der Akademie, brachte einen Toaſt auf das Wohl der Akademie aus. Die Feier blieb dem Charakter treu, welchen der erſte Sprecher gleich mit ſeinen erſten Worten bezeichnet hat. (Pr. St. Z.) Unter den andern Feſtlichkeiten ragte das von den ſtädtiſchen Behörden gegebene Diner im Jagor’ſchen Saale durch ſeinen Glanz hervor. Eine intereſſante Feſtgabe für die Geſellſchaft war das lithographirte Facſimile der erſten Cabinetsordre Friedrichs II, wovon Exemplare unter die Anweſenden vertheilt wurden. Dieſes Document, welches an den Propſt Reimbeck gerichtet iſt und die Zurückberufung des für ſeine Zeit ſo verdienſtvollen Philoſophen Chriſtian Wolf betrifft, läßt uns einen Blick in die hohe Sinnesart des großen Königs thun. Die Cabinetsordre, deren Original ſich in der Berliner königlichen Bibliothek befindet, iſt aus Charlottenburg vom 6 Jun. 1740 datirt und lautet folgendermaßen: „Würdiger, beſonders Lieber, Getreuer. Ihr habet nochmals an den Regierungsrath Wolf zu ſchreiben, ob er ſich nunmehro nicht entſchließen könne in meine Dienſte zu gehen, und würde ich ihm alle raiſonable Conditiones accordiren. Ich bin u. ſ. w.“ Höchſt merkwürdig aber iſt der bekannte Nachſatz von Friedrichs eigener Hand: „Ich bitte Ihn, Sich um des Wolfen Mühe zu geben; ein Menſch, der die Wahrheit ſucht, und ſie liebt, muß unter aller menſchlichen Geſellſchaft werth gehalten werden, und glaube ich, daß Er eine Conquete im Lande der Wahrheit gemacht hat, wenn er den Wolf hierher perſuadirt. Wenn der Wolf hier kommen wird, ſo hat es keine Schwierigkeit, denn Unſere Akademie muß nicht zur Parade, ſondern zur Inſtruction ſeyn. Friedrich.“