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Alexander von Humboldt: „Von der in verschiedenen Theilen der heißen Zone am Spiegel des Meeres Statt findenden Temperatur. (Mitgetheilt von dem Hrn. Verfasser)“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1826-De_la_Temperature-3> [abgerufen am 25.09.2022].

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Titel Von der in verschiedenen Theilen der heißen Zone am Spiegel des Meeres Statt findenden Temperatur. (Mitgetheilt von dem Hrn. Verfasser)
Jahr 1826
Ort Leipzig
Nachweis
in: Annalen der Physik und Chemie 8:2 (1826), S. 165–175.
Sprache Deutsch
Schriftart Antiqua
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: IV.61
Dateiname: 1826-De_la_Temperature-3
Statistiken
Seitenanzahl: 11
Zeichenanzahl: 17028
Bilddigitalisate

Weitere Fassungen
De la Température des différentes parties de la zone torride au niveau des mers (Paris, 1826, Französisch)
De la température des différentes parties de la zone torride au niveau de la mer (Genf, 1826, Französisch)
Von der in verschiedenen Theilen der heißen Zone am Spiegel des Meeres Statt findenden Temperatur. (Mitgetheilt von dem Hrn. Verfasser) (Leipzig, 1826, Deutsch)
Observations on the Mean Temperature of the Equatorial Regions (Edinburgh; London, 1827, Englisch)
Ueber die Temperatur der verschiedenen Theile der heißen Zone am Meeresspiegel (Erfurt; Weimar; Leipzig, 1827, Deutsch)
O temperaturze w róźnych ezęściach strefy gorącey, na morzu (Vilnius, 1827, Polnisch)
Ueber die Temperatur der verschiedenen Theile der heißen Zone am Meeresspiegel (Weimar, 1827, Deutsch)
|165|

Von der in verſchiedenen Theilen der heißen Zoneam Spiegel des Meeres Statt findenden Temperatur; von Hrn. Alexander von Humboldt. (Mitgetheilt von dem Hrn. Verfaſſer.)


Welche Temperatur darf man für den Aequatorannehmen? Dieſe Frage iſt neuerlich in einer Ab-handlung aufgeworfen worden, die Hr. Atkinson im zweiten Bande der Transactions of the Astro-nomical Society of London (p. 137—183) bekanntgemacht hat und die ſehr ſcharfſinnige Betrachtungenüber mehrere wichtige Punkte der Meteorologie enthält.Der gelehrte Verfaſſer ſucht durch Anwendung derKunſtgriffe des ſtrengſten Calculs aus meinen Beobach-tungen herzuleiten, daß die mittlere Temperatur desAequators zum wenigſten 29°,2 des hunderttheiligenThermometers (84°,5 F.) betrage, und nicht 27°,5 C.(81°,5 F.), wie ich dieſelbe in meinem Essai sur leslignes isothermes angenommen habe. Kirwan bliebbei 28°,8 ſtehen; Hr. Brewster, in ſeinen clima-tologiſchen Formeln, bei 28°,2 (Edinb. Journ. ofScience 1826. No. 7. p. 180.). Handelte es ſich bei dieſer Erörterung um diemittlere Temperatur einer Aequatorialzone, die denganzen Erdball umſchlöſſe und durch die Parallel-kreiſe von 3° N. und 3° S. begränzt wäre, ſo müßteman vor Allem die Temperatur des Meeres am Ae- |166| quator unterſuchen; denn in dieſer Zone gehört nurein Sechstel des Umfangs der Erdkugel dem feſtenLande an. Die mittlere Temperatur des Meeres zwi-ſchen den eben genannten Gränzen ſchwankt nun imAllgemeinen zwiſchen 26°,8 und 28° C. Ich ſage imAllgemeinen, denn hie und da findet man zwiſcheneben dieſen Gränzen Maxima, die ſich auf Zonen vonkaum einen Grad in Breite beſchränken, und derenTemperatur ſich unter verſchiedenen Längen auf28°,7 bis 29°,3 erhebt. Die letztere Temperatur, wel-che man im ſtillen Weltmeere als außerordentlichhoch betrachten kann, habe ich im Oſten der Gallo-pagos Inſeln beobachtet und neuerlich iſt von Hrn.Baron Dirckinck von Holmfeldt, einem ſehrunterrichteten Officier in der Däniſchen Marine, derauf meine Bitte eine große Anzahl von Thermometer-beobachtungen unter 2° 5′ N. Br. und 81°54′ öſtl. L.,faſt unter dem Parallelkreiſe von Punta Guascama , ge-macht hat, die Oberfläche des Waſſers zu 30°,6 gefun-den worden. Dieſe Maxima gehören dem Aequatorſelbſt nicht an; man beobachtet ſie bald im Norden,bald im Süden des Aequators, oft zwiſchen 2°\( \frac{1}{2} \) und6° Breite. Der große Kreis, der durch die Punktegeht, an denen das Waſſer des Meeres am wärmſteniſt, ſchneidet den Aequator unter einem Winkel, derſich mit der Abweichung der Sonne zu ändern ſcheint.Im atlantiſchen Oceane iſt man ſelbſt mehrmals vonder nördlichen gemäßigten Zone in die ſüdliche über-gegangen, ohne in der Zone des wärmſten Waſſers geſehen zu haben, daß das Centeſimalthermometerüber 28° geſtiegen ſey. Die Maxima ſind daſelbſt nach Perrins 28°,2, nach Churruca 28°,7, nach Que- |167| vedo 28°,6, nach Rodman 28°,8, nach J. Davy 28°,1. Die Luft über dieſen Aequatorialgewäſſern iſt1° bis 1°\( \frac{1}{2} \) kälter, als das Meer. Es folgt alſo aus die-ſen Thatſachen, daß, auf fünf Sechstel des Umfangsder Erdkugel, die Aequatorialzone des Meeres wahr-ſcheinlich nicht einmal eine mittlere Temperatur von28°,5 beſitzt, geſchweige denn, daß ſie die von 29°,2 C.(84°,5 F.) zeigte. Hr. Atkinson ſelbſt giebt zu(a. a. O. p. 171), daß die Abwechslung von oceani-ſchen und continentalen Theilen die mittlere Tempe-ratur des Aequators zu vermindern ſtrebe. Aber indemer ſich bloß auf die Flächen des Continents von Süd-amerika beſchränkt, nimmt dieſer Gelehrte, je nachden verſchiedenen theoretiſchen Vorausſetzungen,29°,2 oder 31° für die Aequatorialzone (von 1° N. bis1° S.) an. Er gründet dieſen Schluß auf die Thatſa-che, daß ſchon unter 10° 27′ Breite zu Cumana diemittlere Temperatur 27°,6 beträgt, und daß, nachdem Geſetz der Zunahme der Wärme vom Pol zumAequator (einer vom Quadrate des Coſinus der Breiteabhangenden Zunahme) die mittlere Temperatur un-ter dem Aequator zum wenigſten größer als 29°,2 C.ſeyn müſſe. Hr. Atkinson findet dieſes Reſultat be-ſtätigt, indem er mehrere Temperaturen, die ich amAbhange der Cordilleren bis zu einer Höhe von 500Toiſen beobachtet habe, auf das Niveau des Meeresam Aequator reducirt. Aber eben bei Anwendungder Correctionen, die er wegen der Breite und wegender fortſchreitenden Abnahme der Temperatur in ei-ner Vertikalebene für nöthig hält, verhehlt er ſichnicht, wie ſehr die Lage der Orte, auf einer mächti-gen Hochebene oder in einem engen Thale, einen |168| Theil dieſer Correctionen unſicher mache. (Trans. ofthe Astr. Soc. Tom. II. p. 149. 158. 171. 172. 182. 183.) Wenn man das Problem der Vertheilung derWärme an der Oberfläche der Erde in ſeiner ganzenAllgemeinheit ſtudirt und man daſſelbe von den Hülfs-betrachtungen der Localitäten (wie z. B. der Einflüſſeder Geſtalt, Farbe und geognoſtiſchen Natur des Bo-dens, der des Vorherrſchens gewiſſer Winde, der Nä-he des Meeres, der Häufigkeit von Wolken und Ne-bel, der nächtlichen Ausſtrahlung gegen den mehroder weniger reinen Himmel u. ſ. w.) befreit, ſo findetman, daß die mittlere Temperatur eines Ortes vonden verſchiedenen Arten, wie ſich der Einfluß derMittagshöhe der Sonne äußert, abhängig iſt. DieſeHöhe beſtimmt zugleich: die Dauer der halben Tages-bögen; die Länge und Durchſichtigkeit des Theils derAtmoſphäre, der von den Strahlen durchdrungen wird,ehe ſie den Horizont erreichen; die Menge der abſor-birten oder erwärmenden Strahlen (eine Größe, wel-che mit dem, von der Ebene der Oberfläche gerechne-ten, Einfallswinkel raſch zunimmt); endlich die Zahlder Sonnenſtrahlen, welche ein gegebener Horizontauffängt. Das Geſetz von Mayer, mit all den Ab-änderungen, die man ſeit 30 Jahren daran angebrachthat, iſt ein empiriſches Geſetz, welches die Erſchei-nungen im Allgemeinen durch Approximation und oftauf eine genügende Weiſe darſtellt, welches man abernicht gebrauchen darf, um die Zeugniſſe der unmit-telbaren Beobachtung damit anzugreifen. Wenn dieOberfläche der Erde, vom Aequator bis zum Parallel-kreiſe von Cumana, eine Wüſte wäre, wie die Sahara,oder eine gleichförmig mit Gräſern bedeckte Savanne, |169| wie die Llanos von Calabozo und Apure, ſo würdeohne Zweifel eine Zunahme der mittleren Tempe-ratur von 10°\( \frac{1}{2} \) Breite bis zum Aequator Statt finden;aber es iſt wahrſcheinlich, daß dieſe Zunahme nie-mals drei Viertel eines Grades des Centeſimalthermo-meters betragen würde. Hr. Arago, deſſen wichtigeund geiſtvolle Unterſuchungen ſich auf alle Zweigeder Meteorologie erſtrecken, hat durch zahlreiche Ver-ſuche gefunden, daß von der ſenkrechten Incidenz biszu einem Zenithabſtand von 20° die Menge des re-flectirten Lichtes nahe die nämliche iſt. Er hat eben-falls gefunden, daß die photometriſche Wirkung desLichtes zu Paris im Auguſtmonat vom Mittage bis3 Uhr Nachmittags außerordentlich wenig variirte,ungeachtet der Aenderungen in der Länge des Weges,den die Strahlen beim Durchgange durch die Atmo-ſphäre zurücklegten. Daß ich die mittlere Temperatur am Aequatorin runden Zahlen auf 27°\( \frac{1}{2} \) feſtſetzte, geſchah, um dereigentlichen Aequatorialzone (von 3° N. bis 3° S.) diemittlere Temperatur von Cumana (27°,7) beizulegen.Dieſe Stadt, umgeben von dürrem Sand, unter einemHimmel liegend, der ſtets heiter iſt und deſſen leichteDünſte ſich faſt niemals in Regen auflöſen, bietet einheißeres Climat dar, als alle Orte, die ſie umgebenund in gleicher Höhe über der Meeresfläche liegen.Schreitet man in Südamerika auf dem Oronoco und Rio Negro gegen den Aequator vor, ſo nimmt dieWärme ab, nicht wegen der Erhebung des Bodens,welche von der Schanze San Carlos an ſehr unbe-trächtlich iſt, ſondern wegen der Wälder, der Häu-figkeit des Regens und der fehlenden Klarheit der |170| Luft. Es iſt zu bedauern, daß die Reiſenden, ſelbſtdie thätigſten, ſo wenig im Stande ſind, durch Erwei-terung unſerer Kenntniſſe über die mittleren Tempe-raturen, die Fortſchritte der Meteorologie zu beſchleu-nigen. Sie verweilen nicht lange genug in den Län-dern, deren Clima man zu kennen wünſcht; ſie kön-nen für das jährliche Mittel nur Beobachtungen ſam-meln, die von Anderen gemacht ſind und meiſtens anStunden und mittelſt Inſtrumente, die weit entferntſind, genaue Reſultate zu geben. Wegen der Unver-änderlichkeit der meteorologiſchen Erſcheinungen inder dem Aequator zunächſt liegenden Zone iſt ohneZweifel daſelbſt ein kurzer Zeitraum hinlänglich, umdie mittlere Temperatur in verſchiedenen Höhen überder Meeresfläche zu erhalten. Ich habe mich überallmit dieſen Unterſuchungen beſchäftigt; aber das ein-zige recht genaue Reſultat, welches ich habe erhaltenkönnen und aus zwei Mal am Tage gemachten Beob-achtungen abgeleitet worden, iſt das über Cumana *).Die wahren numeriſchen Elemente der Climatologiekönnen nur von unterrichteten Perſonen beſtimmtwerden, die auf eine große Anzahl von Jahren anverſchiedenen Orten der Erde anſäſſig ſind. In die-ſer Hinſicht wird die geiſtige Wiedergeburt, welcheſich in dem freien mittleren Amerika, von dem Kü-ſtenlande bis zu einer Höhe von zwei tauſend Toiſenauf dem Rücken und am Abhange der Cordilleren,von dem Parallelkreiſe der Inſel Chiloe bis zu dem von
*) Hinſichtlich des Grades von Vertrauen, den dieſe mittlerenTemperaturen verdienen, vergleiche man Relat. histor. Tom. I.p. 411, 547, 631—637, 584; Tom. II. p. 73, 418, 463; Tom.III. p. 314—320, 371—382.
|171| San Francisco in Neu-Californien vorbereitet, denglücklichſten Einfluß auf die phyſikaliſchen Wiſſen-ſchaften ausüben.
Vergleicht man das, was man vor vierzig Jahren überdie mittlere Temperatur der Aequatorialzone wußte, mitdem, was wir gegenwärtig wiſſen, ſo erſtaunt manüber die Langſamkeit in den Fortſchritten der poſiti-ven Climatologie. Ich kenne bis heute nur eine ein-zige mittlere Temperatur zwiſchen 3° N. und 3° S., diemit Genauigkeit beobachtet zu ſeyn ſcheint; es iſt dievon Saint-Louis de Maranham (2° 29′,5 ſüdl. Br.) in Braſilien, welche der Oberſt Antonio Pereira Lago, nach den im Jahre 1821 drei Mal am Tage (um 20h,um 4h und um 11h) gemachten Beobachtungen, zu27°,4 C. gefunden hat (Annaes das Sciencias, das Artese das Letras 1822. T. XVI. pl. 2. p. 55—80). Dieß iſtnoch 0°,3 weniger, als die mittlere Temperatur von Cumana. Unter 10° \( \frac{1}{2} \) Breite kennen wir nur noch diemittleren Temperaturen von
  • Batavia (6° 12′ S. Br.) .. 26°,9 C.
  • Cumana (10° 27′ N. Br.) .. 27°,7
Zwiſchen der Breite von 10° \( \frac{1}{2} \) und der Gränze der hei-ßen Zone, folgende:
  • Pondichery (11° 55′ N. Br.) . 29°,6
  • Madras (13° 4′ N. Br.) .. 26°,9
  • Manilla (14° 36′ N. Br.) .. 25°,6
  • Senegal (15° 53′ N. Br.) .. 26°,5
  • Bombay (18° 56′ N. Br.) .. 26°,7
  • Macao (22° 12′ N. Br.) .. 23°,3
  • Rio Janeiro (22° 54′ S. Br.) . 23°,5
  • Havanna (23° 9′ N. Br.) .. 25°,7
und, nach den Beobachtungen des Oberſten Pereira:
  • Maranham (2° 29′ S. Br.) . 27°,4
|172| Es ſcheint aus dieſen Angaben zu folgen, daß dereinzige Ort, deſſen mittlere Temperatur über 27°,7hinausgeht, unter dem 12° der Breite liege. Dieß iſt Pondichery, durch deſſen Clima aber eben ſo wenigdie ganze Aequatorialzone charakteriſirt zu werdenvermag, wie das Clima der gemäßigten Zone in Nord-afrika durch die Oasis von Murzuk, wo der unglück-liche Ritchie und der Kapitain Lyon verſichern, das Reaumurſche Thermometer ganze Monate hindurchzwiſchen 38° und 43° geſehen zu haben (wegen desin der Luft verbreiteten Sandes?). Die größte Maſſeder tropiſchen Länder liegt zwiſchen dem 18° und 28°nördl. Breite, und dieſe Zone iſt es auch, aus welcherwir, Dank ſey es den vielen reichen und Handel trei-benden Städten daſelbſt, die meiſten meteorologiſchenKenntniſſe beſitzen. Die drei oder vier dem Aequatorzunächſt liegenden Grade ſind eine Terra incognita für die Climatologie. Noch kennen wir nicht die mitt-leren Temperaturen von Grand-Para, von Guayaquil und ſelbſt nicht einmal von Cayenne! Wenn man nur die Wärme betrachtet, welcheein gewiſſer Theil des Jahres erreicht, ſo findet manin der nördlichen Halbkugel die heißeſten Climate un-ter den Wendekreiſen ſelbſt und ein wenig außerhalbderſelben. Zu Abusheer (28°\( \frac{1}{2} \) Br.) z. B. iſt die mittlereTemperatur des Julimonats 34°. Im rothen Meere ſieht man das Centeſimalthermometer am Mittage auf44° und um Mitternacht auf 34°\( \frac{1}{2} \) ſtehen. Zu Bena-res (25° 20′ Br.) erreicht die Hitze im Sommer 44°,während ſie im Winter bis zu 7°,2 herabſinkt.Dieſe Beobachtungen in Oſtindien ſind mit ei-nem vortrefflichen Six’ſchen Thermometrographen |173| gemacht; die mittlere Temperatur von Benares iſt25°,2. Die außerordentlichen Temperaturen, welcheman in dem mittägigen Theile der gemäßigten Zone,zwiſchen Aegypten, Arabien und dem perſiſchen Meer-buſen beobachtet, ſind gleichzeitige Wirkungen derConfiguration der umgebenden Länder, der Beſchaf-fenheit ihrer Oberfläche, der ſteten Klarheit der vonWaſſerdämpfen ganz befreiten Luft und der Dauerder Tage, die mit der Breite zunimmt. Zwiſchen denWendekreiſen ſelbſt ſind die hohen Temperaturenſelten und gehen im Allgemeinen zu Cumana und Bombay nicht über 32°,8, zu Vera Cruz nicht über35°,1. Es iſt faſt unnöthig, zu erinnern, daß in die-ſer Notiz nur ſolche Beobachtungen aufgezeichnet ſind,die im Schatten und fern von aller Zurückſtrahlungdes Bodens gemacht worden. Am Aequator, wo diebeiden Solſtitial-Höhen 66° 32′ erreichen, ſind dieDurchgänge der Sonne durch das Zenith um 186 Ta-ge von einander entfernt; zu Cumana iſt die Höhebeim Sommer-Solſtitium 76° 59′, die beim Winter-Solſtitium 56°,5, und die Durchgänge durch das Ze-nith (17. April und 26. Auguſt) liegen um 131 Tagevon einander. Weiter nach Norden, zu Havanna, fin-det man die Höhe beim Sommer-Solſtitium zu 89°41′, die beim Winter-Solſt. zu 43° 23′, den Zeitraumzwiſchen den Zenith-Durchgängen (12. Juni und 1.Juli) 19 Tage. Wenn dieſe Durchgänge ſich nichtmit gleicher Deutlichkeit in der Wärmecurve derMonate erkennen laſſen, ſo liegt es daran, daß ihrEinfluß an einigen Orten durch das Eintreten der Re-genzeit und anderer elektriſcher Phänomene verſteckt |174| wird. Zu Cumana ſteht die Sonne 109 Tage, odergenauer 1275 Stunden lang (vom 28. Oct. bis zum 14.Febr. des folgenden Jahres) niedriger als der Aequator;aber in dieſem Zeitraume geht das Maximum ihresZenithabſtandes nicht über 33° 55′. Die Verlangſa-mung des Ganges der Sonne bei ihrer Annäherungzu den Tropen erhöht die Wärme der Orte, die ent-fernter vom Aequator liegen, vor allem der an derGränze der gemäßigten und heißen Zone. Nahe anden Wendekreiſen, z. B. zu Havannah (23° 9′ Br.), ge-braucht die Sonne 24 Tage, um einen Grad auf jederSeite des Zeniths zu durchlaufen; unter dem Aequa-tor gebraucht ſie dazu nur fünf Tage. Zu Paris (48°50′ Br.), wo die Sonne im Winter-Solſtitium biszu 17° 42′ hinabſinkt, iſt die Höhe derſelben im Som-mer-Solſtitium 64° 38′. Das wärmende Geſtirn ſtehtfolglich zu Paris, vom 1. Mai bis zum 22. Auguſt,während eines Zeitraums von 103 Tagen oder 1422Stunden, eben ſo hoch, wie zu Cumana in einer an-dern Jahreszeit. Vergleicht man Paris mit Havannah,ſo findet man, daß am erſtern Orte, vom 26. März biszum 17. September, 175 Tage oder 2407 Stunden lang,die Sonne eben ſo hoch ſteht, wie zu einer andernJahreszeit unter dem Wendekreiſe des Krebſes. Nunhat, in dieſem Zeitraume von 175 Tagen, der wärm-ſte Monat (Juli), zufolge der Regiſter im K. Obſerva-torio zu Paris von 1806 bis 1820, eine mittlere Tem-peratur von 18°,6, während zu Cumana und zu Ha-vannah, wenn die Sonne ſich am erſten Orte bis zu56° 5′ und am zweiten bis zu 43° 23′ geſenkt hat, derkälteſte Monat, ungeachtet der längeren Nächte,zu Cumana noch 26°,2 und zu Havannah noch 21°,2 |175| als mittlere Temperatur zeigt. In allen Zonen wirddie Temperatur von einem Theile des Jahres durchdie Temperatur der vorhergehenden Jahreszeiten mo-dificirt. Unter den Tropen ſind die Erniederungender Temperaturen wenig beträchtlich, weil die Erdein den vorhergehenden Monaten eine Maſſe an mitt-lerer Wärme empfangen hat, die zu Cumana 27°, zu Havannah 25°,5 des hunderttheiligen Thermometersentſpricht. Nach ſämmtlichen Betrachtungen, die ich hier aus-einandergeſetzt habe, ſcheint es mir keineswegs wahr-ſcheinlich, daß die Temperatur unter dem Aequator29°,2 erreichen könne, wie es der gelehrte und acht-bare Verfaſſer der Abhandlung über die aſtronomiſcheStrahlenbrechung angenommen hat. Schon der Pater de Bèze, der erſte Reiſende, welcher rieth, an denkälteſten und wärmſten Stunden des Tages zu beob-achten, glaubte in den Jahren 1686 und 1699, als er Siam, Malacca und Batavia verglich, zu finden, „daßdie Wärme nicht größer unter dem Aequator ſey, alsunter 14° Breite“. Ich glaube, daß ein Unterſchiedda iſt, aber daß er ſehr klein iſt und daß er durchden Einfluß ſehr vieler Urſachen, die gleichzeitig aufdie mittlere Temperatur eines Ortes wirken, verſtecktwird. Die bis heut zu Tage geſammelten Beobach-tungen geben uns nicht das Maß einer fortſchreiten-den Temperaturzunahme zwiſchen dem Aequator undder Breite von Cumana.