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Alexander von Humboldt: „Aus einem Schreiben des Ober-Bergraths A. von Humboldt“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1799-Aus_einem_Schreiben_des-1> [abgerufen am 05.02.2023].

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Titel Aus einem Schreiben des Ober-Bergraths A. von Humboldt
Jahr 1799
Ort Weimar
Nachweis
in: Allgemeine Geographische Ephemeriden 4:2 (August 1799), S. 146–161.
Postumer Nachdruck
Die Jugendbriefe Alexander von Humboldts 1787–1799, herausgegeben von Ilse Jahn und Fritz G. Lange, Berlin: Akademie 1973, S. 667–676.

Bruhns, Karl [Hrsg.]: Alexander von Humboldt. Eine wissenschaftliche Biographie. Bd. 1. Leipzig 1872, S. 268-269 und S. 270.

in: Lettres américaines d’Alexandre de Humboldt (1798–1807), précédées d’une Notice de J.–C. Delamétherie et suivies d’un choix de documents en partie inédits, publiés avec une introduction et des notes par le E.T. Hamy, Paris [1905], S. 17.
Sprache Deutsch
Schriftart Antiqua
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: I.85
Dateiname: 1799-Aus_einem_Schreiben_des-1
Statistiken
Seitenanzahl: 16
Zeichenanzahl: 30053

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Aus einem Schreiben des Ober-Bergraths A. von Humboldt.

..... Ich fange mit meinen Beobachtungen über Inclina-tion der Magnet-Nadel an. Das Inſtrument, deſſen ich michbediene, iſt der Inclinations-Compaß, den Borda angegebenund Le Noir für das Bureau des Longitudes in Paris ausgeführthat. Das Bureau hat die Gefälligkeit gehabt, es mir bey meinerAbreiſe von Paris abzutreten. Der Azimuthal-Zirkel hat0,5 Métre im Durchmeſſer, die Nadel 0,3 Métre Länge. Borda |147| betrachtete dieß Inſtrument als das erſte, das uns ſichere Incli-nationen angeben würde, da alle übrige, die uns ſo viele irrigeZahlen geliefert haben, nie in die wahre Ebene des magneti-ſchen Meridians geſtellt werden konnten. Ich weiß nicht, ob Nouet, der auch Bordas Inclinations-Compaß beſitzt, mir zuvorgekommen iſt, und ſeine magneti-ſchen Beobachtungen aus Aegypten eingeſendet hat. Hättendie Begebenheiten in der Barbarey, der Schiffbruch einerSchwediſchen Fregatte, des Jeremias, die ich in Marſeille zweyMonate lang erwartete, und die vom Dey in Tripolis unter-ſagte Abreiſe der Karavane, mit der ich nach Cairo zu gehengedachte, mich nicht genöthiget, meinen Vorſatz, eine Reiſedurch Afrika zu machen, aufzugeben, ſo würden wir in we-niger als acht Monaten die Stärke der magnetiſchen Kraft vonder Meer-Enge von Gibraltar bis zur Land-Enge von Suez kennen gelernt haben. Ich würde die weſtlichen Inclinatio-nen beobachtet haben, während die Aſtronomen in Aegypten die öſtlichen beſtimmten: Beobachtungen, die mit Inſtrumen-ten wären angeſtellt worden, die derſelbe Künſtler nach einer-ley Grundſätzen verfertiget hat. Dieſe Hoffnungen, mit de-nen ich lange mich wiegte, waren zu ſchön, als daß ſie hät-ten in Erfüllung gehen ſollen. Meinem Vorhaben treu, die heiße Zone zu beſuchen,habe ich mich nach Spanien gewandt, und eben erhalte ichvon der hieſigen Regierung die Erlaubniſ, Mexiko, Peru, Chili und die Philippinen durchreiſen zu dürfen. Ehe ich Ih-nen daher aus der andern Halbkugel Beobachtungen ſendenkann, erlauben Sie mir, Ihnen diejenigen zu ſchicken, welcheich im mittäglichen Frankreich und im öſtlichen Spanien an-geſtellt habe. Es gibt verſchiedene Methoden, den ſenkrechten Zirkeldes Borda’iſchen Compaſſes in die Ebene des magnetiſchenMeridians zu ſtellen. 1) Indem man durch Hülfe einer mitzwey Dioptern verſehenen Magnetnadel zwey genau in derAxe des magnetiſchen Meridians liegende Gegenſtände aufſucht.Andere Dioptern auf dem Kaſten, welcher den verticalen Zir- |148| kel enthält, dienen, dieſen in die magnetiſche Meridian-Ebenezu bringen. Iſt der Meridian ſchon gezogen und die magne-tiſche Abweichung bekannt, ſo kann man ſich die nöthigenSignale mit Hülfe des Sextanten aufſtellen. Oder 2) da dieCotangante der Inclination wächſt, wie der Coſinus des Win-kels, den eine vertical durch die Nadel gehende Ebene mitder magnetiſchen Meridian-Ebene macht, ſo kann der, an dem Borda’iſchen Compaß angebrachte Azimuthal-Zirkel dazu die-nen, correſpondirende Inclinations-Höhen zu nehmen. Manfindet die Abweichungs-Ebene, indem man mehrere, ſich gleicheInclinationen gegen Oſten und Weſten des Magnet-Meridiansbeobachtet. Oder 3) man ſucht die kleinſte Inclination, indemman nach und nach das Inſtrument um den Azimuthal-Zirkeldreht. Oder 4) man ſucht den Punct, in welchem die Nadel genauvertical ſteht. Wenn man zu dieſem auf dem Azimuthal-Zirkel 100 Grad addirt, ſo ergibt ſich daraus der Magnet-Me-ridian. Gibt dieſe letzte Methode nicht denſelben Magnet-Me-ridian, als die erſte oder die dritte, ſo kann man überzeugtſeyn, daß entweder der Compaß nicht genau horizontal ge-ſtellt iſt, oder daß beyde Enden der Nadel von ungleicherSchwere ſind. Ich habe bey meinen Beobachtungen mehreredieſer Methoden zu verbinden geſucht, und mit Vergnügengeſehen, daß meine Nadel ſo genau centrirt iſt, daß ich im-mer einerley Reſultate erhalte, ich mag die dritte oder dievierte der angegebenen Methoden wählen. Die Theilung desZirkels gibt, mit Hülfe der Loupe, eine Gewißheit vonfünf Decimal-Minuten. Zu Paris fand ich mit Borda am Anfang des Vendemiairedie Inclination 77° 15′. Le Noir glaubte ſie am 25 Vendem.77° 20′ gefunden zu haben. Mit dem ſehr mittelmäßigen In-clinations-Compaß auf der National-Sternwarte fand Bouvard die Inclination am 26 Vendem. 70° 10′ der alten Eintheilung(77° 96′). Zu Marſeille 72° 14′. Die Inclination veränderteſich durchaus nicht vom 10 Brumaire bis zum 7 Frimaire,obgleich das Inſtrument ſehr oft auf der Sternwarte der Marinevon Thulis und Blancplain beobachtet wurde. Zu Nismes |149| 72° 65′ den 1 Nivoſe. Zu Montpellier den 4 Nivoſe 73° 20’. Zu Perpignan den 15 Nivoſe 72° 55’. Trägt etwa die Näheder Pyrenäen dazu bey, daß hier die Inclination ſtärker iſt,als ſie nach der ſüdlichen und weſtlichen Lage des Ortes er-wartet werden könnte? Zu Gironne in den Pyrenäen von Catalonien am 18 Nivoſe nur 71° 75′. Der Ort ſcheint nachBarometer-Beobachtungen 132 Toiſen über der Fläche des Mittell. Meeres zu liegen. Zu Barcelona am 7 Pluvioſe 71° 80’. Zu Cambrils den 11 Pluvioſe 71° 75′. Zu Valenzia den 20 Plu-vioſe 70° 70′. Zu Madrid 75° 20′ nach einer großen ZahlBeobachtungen gemeinſchaftlich mit Megnié. Die Bergevon Guadarama enthalten viel magnetiſches Eiſen. Um die Stärke der magnetiſchen Kraft, das heißt, ihreIntenſität zu meſſen, bediente ich mich ehedem des Sausſure’-ſchen Magnetometers, eines in Hinſicht des Transports äu-ßerſt zarten Inſtruments. Borda hatte mir gerathen, mich derOscillationen der Neigungs-Nadel als eines Magnetometers zubedienen. Er war ſehr neugierig, die Geſchwindigkeiten die-ſer Oscillationen in verſchiedenen Breiten zu wiſſen, für dieBeobachtungen, die er während der Entrecasteau’iſchen See-Reiſe zu machen gerathen hatte, die ihm nie zu Geſicht gekom-men waren. Ich habe mit großer Sorgfalt die Oscillationender in den Magnet-Meridian geſtellten Nadel mit dem Gangeeines Berthoud ’iſchen Chronometers verglichen. Dieſe Oscil-lations-Geſchwindigkeiten ſind ſo gleichförmig, daß, wennbeyde Perſonen, deren eine die Nadel, die andere den Chro-nometer beobachtet, genau ſind, ſie nicht um 0,2 von einan-der abweichen. Die Zahl dieſer Oscillationen war in 10 Mi-nuten zu Paris 245, zu Marſeille 240, zu Nismes 240, zu Montpellier 245, zu Perpignan 248, zu Gironne 232 (!) (eineſehr oft wiederholte Beobachtung), zu Barcelona 245, zu Cambrils 241, zu Valenzia 235. Wie viel werde ich wol un-ter dem Aequator finden? Eben beobachte ich auch, daß eineſehr horizontal geſtellte Nadel von 0,3 Métre Länge zu Madrid in der Minute regelmäßig acht Oscillationen macht. Ichwäre neugierig zu wiſſen, wie viel ſie zu Paris macht. Ich |150| habe mir vorgenommen, hierüber durch Hülfe der Colomb ’i-ſchen Aufhängung-Methode genaue Verſuche zu Quito und in Mexiko anzuſtellen; verſteht ſich mit einer Nadel von gleicherLänge und Schwere.
Ort der Beob-achtung Vend.Germ. VII Breite. Länge. Inclinationder Magnet-nadel (nachder neuenEinth.) MagnetiſcheKraft durchdie Oscilla-tionsmengein 10 Minutenausgedrückt.
Paris 48° 50′ 15″ 0° 0′ 0″ 77° 15′ 245
Nismes 43 50 12 7 55 O. 72 65 240
Montpellier 43 36 29 6 10 73 20 245
Marſeille 43 17 49 12 14 72 40 240
Perpignan 42 41 53 2 14 72 55 248
Gironne 71 75 232
Barcelona 41 23 8 0 33 W. 71 80
Cambrils 71 75 241
Madrid 40 25 18 24 8 75 20 240
Valenzia 39 28 55 10 4 70 70 235
Wären die magnetiſchen und die Erdpole dieſelben, ſo wirdwahrſcheinlich die Inclination dieſelbe unter einerley Breite,und ſie würde nur mit der Breite ſich verändern, ohne Rück-ſicht auf die Länge. Wenn die Inclinationen J und ι den Brei-ten L und λ zukommen, ſo wäre auf dem ganzen Erdball \( \frac{J}{L}=\frac{\iota}{\lambda} \), und die Kenntniß einer Inclination in bekannter Breitezöge unmittelbar die Kenntniß aller nach ſich. Da aber dieMagnet-Axe von der Erd-Axe verſchieden iſt, ſo hat dieLänge auf die magnetiſche Inclination beträchtlichen Einfluß.Wenn A und B zwey, unter der nämlichen geographiſchenBreite liegende Orte ſind, davon B in Oſten von A liegt, ſokann die Inclination in B nicht ſo groß ſeyn, als die in A,da jener Ort, ſenkrecht auf den magnetiſchen Meridian bezo-gen, in eine magnetiſche Breite zu liegen kommt, die ſüdli-cher, als die magnetiſche Breite des Orts A ſeyn wird. Auch ſehen wir in der vorſtehenden Tafel, in welcherdie Orte nach ihrer Breite geordnet ſind, daß einige von Paris gegen Weſten liegende Orte, bey gleicher Breite, größereInclinationen gegeben haben, als Orte, die oſtwärts von Paris liegen. Marſeille liegt 35′ 36″ nordwärts von Perpignan, und doch iſt die Inclination dort 0° 15′ geringer, und ſo in |151| Nismes und Montpellier. Dieſelbe Tafel zeigt aber doch auch,daß die magnetiſchen Anziehungs-Kräfte ſonderbar durch Ur-ſachen verändert ſind, die wahrſcheinlich nur local ſind. Ich habe den Werth \( \frac{J}{L} \) berechnet, um zu ſehen, ob derQuotient größer wird für die Orte, welche mehr gegenWeſten liegen, oder ob ſie langſamer zunehmen, je mehr ſiegegen Norden rücken. Dieſe Zahlen zeigen bis jetzt keineSpur von Regelmäßigkeit. Denn, wenn man die Orte nachihrer abnehmenden Breite ordnet, ſo erhält man für \( \frac{J}{L} \) für Paris 2,63, für Nismes 2,76, Montpellier 2,79, Marſeille 2,78, Perpignan 2,84, Barcelona 2,49, Valenzia 2,98. Wenn manſie ordnet, wie ſie von Oſt nach Weſt folgen, ſo wird dieReihe Marſeille 2,78, Nismes 2,76, Montpellier 2,79, Perpig-nan 2,84, Paris 2,63, Barcelona 2,49, Valenzia 2,98. Es iſtder Klugheit gemäß, ſich bis jetzt alles Calculs zu enthaltenund eine größere Beobachtungs-Zahl abzuwarten. Doch ver-dient das Problem, durch Inclinations-Beobachtungen denWinkel der Magnet-Axe mit der Erd-Axe zu ſinden, immerbearbeitet zu werden. Folgende Betrachtungen bieten ſichhierüber bey dem erſten Anblicke dar. Wenn man auf demMeere (da auf dem ſeſten Lande Berge und andere Local-Um-ſtände Irrungen hervorbringen) mehrere Orte fände, die ge-nau gleiche Inclination zeigten, ſo könnte man leicht einenmagnetiſchen Parallel-Kreis verzeichnen, und hätte eben da-durch die Magnet-Axe beſtimmt. Je größer dieſer geſuch-te Winkel iſt, um ſo größer wird die Inclinations-Differenzunter einerley Breite ſeyn. Durch Hülfe vieler Beobachtun-gen wäre dieſer Winkel zu finden, und durch mehrere Suppo-ſitionen, beynahe auf dieſelbe Art, deren man ſich bedient,um die Länge eines Orts aus Monds-Höhen zu beſtimmen. Die durch Zahl der Oſcillationen beſtimmte magnetiſcheKraft ſcheint abzunehmen gegen Süden hin. Iſt es etwa dieNähe der Pyrenäen, die ſie in Perpignan ſo verſtärkt? DieHöhe von Gironne über der Meeresfläche iſt ſo wenig beträcht- |152| lich und doch die magnetiſche Kraft dort ſo klein. Wie vieleintereſſante Beobachtungen hätte ich nicht anſtellen können,hätte ich das Magnetometer vor zwey Jahren gekannt, alsich den gewaltigen aus magnetiſchen Serpentin beſtehenden Heidberg auffand, deſſen magnetiſche Atmoſphäre acht Métresdavon noch wirkſam iſt, und die Polarität ohne Spur vonAnziehung zeigt. Ich habe bey meiner Ankunft zu Madrid den Borda ’iſchenCompaß durch Megnié unterſuchen laſſen. Er hat gefunden,daß er ſich gar nicht verändert hatte. Er iſt eben beſchäf-tigt, kleine Veränderungen daran zu machen, um ſeine Trag-barkeit dadurch zu vermehren. Denn die Schwierigkeit desAuspackens hat mich bis jetzt verhindert, es noch öfter zugebrauchen. Die Abweichung der Magnet-Nadel war am 20 Brumairsin Marſeille 20° 55′ 30″ der alten Eintheilung. Thulis fandmit ſeinem Inſtrument 20° 55′; eine Uebereinſtimmung, wel-che dieſer Beobachtung einen hohen Grad von Gewißheit gibt.Zu Paris war zur Zeit meiner Abreiſe die Abweichung um12′ zweifelhaft. Man hatte ſie nämlich im Vendemiaire VIIzwiſchen 22° 8′ und 22° 20′ geſunden. Bouvard, der ſichviele Mühe gab, dieſe Zweifel zu heben, hielt 22° 15′ fürdie wahrſcheinlichſte Angabe. Obgleich die Gegenden, die ich bis jetzt durchreiſte, füraſtronomiſche Geographie nicht viel Merkwürdigkeiten dar-bieten, ſo glaube ich doch, Ihnen einen kleinen Auszug mei-ner Arbeiten liefern zu können. Ich habe die Sonne und dieSterne erſter Größe ſo oft beobachtet, als die Umſtände mires haben erlauben wollen, mehr als 28mahl von meiner Ab-reiſe von Barcelona vom 20 Nivoſe bis zum 21 Pluvioſe, alsich Valenzia verließ. Im Königreiche Valenzia habe ich vielvom Ausziſchen des Pöbels leiden müſſen, da ich dazumalnoch die Erlaubniß der Regierung nicht in Händen hatte, dieman mir jetzt in ſehr großer Ausdehnung ausgefertiget hat. Ofthabe ich den Schmerz gehabt, die Sonne culminiren zu ſe-hen, ohne meine Inſtrumente auspacken zu dürfen. Ich war |153| genöthigt, die Stille der Nacht zu erwarten, um mich miteinem Sterne zweyter Größe zu begnügen, der ſich traurig ineinem künſtlichen Horizonte darſtellt. Meine Hülfsmittel zudieſen Beobachtungen ſind zwey Chronometer, einer von Louis Berthoud, der andere von Seyffert in Dresden, ein acht-zolliger Theodolit von Hurter et Haas, ein Reflections-Zirkelvon Borda, zwey Sextanten von Ramsden und Troughton, ein Quadrant von Bird, ein Dollond ’iſches 94 bis 114mahl ver-größerndes Fernrohr, und ein anderes von Carroché. Der Berthoud ’iſche Zeithalter iſt äußerſt genau. Er iſt, als er mitden Sternen im Paſſagen-Inſtrumente von Marſeille verglichenward, vorgeeilt:
vom 13 bis 14 Brumaire 1,″5
14 15 1, 5
15 16 2
16 20 1, 4
20 23 1, 8
23 24 2
24 25 1, 5
25 26 2
26 27 2, 2
27 4 Frimaire 1, 2
4 7 0, 7
7 10 0, 7
10 19 1, 3
Seit dem Ende Nivoſe, oder ſeit der Hitze von Valenzia hat er angefangen, zurückzubleiben, aber nicht weniger re-gelmäßig. Die mittlere Vorrückung über die mittlere Zeitiſt daher 1,″5. Der Chronometer iſt während dieſer Zeit ge-tragen worden, und die Temperatur hat 15° R. variirt.Ohnerachtet der Stöße der Diligence habe ich die Länge von Marſeille 12′ 25,″4 beſtimmt, da Mechain ſie 12′ 14″ gefun-den hat. Derſelbe Chronometer hat mir den Längen-Unter-ſchied von Barcelona und Perpignan zu 2′ 34″ angegeben. Mechain gibt Perpignan 2′ 14″ O. Barcelona 0′ 33″ W. an;der Unterſchied iſt daher 2′ 47″. Aber zu Barcelona war ichauch um 2 oder 3″ in der Zeit ungewiß. Ich führe Ihnendieſe Beobachtungen nicht an, um durch meine kleinen Be-mühungen Mechain ’s Arbeiten beſtätigen zu wollen, ſondernnur um Ihnen etwas Vertrauen gegen meine Inſtrumente ein-zuflößen. Mein Seyffert ’ſcher Chronometer, der nur zur Hälf-te auf Diamanten geht, iſt bis auf 4 bis 5″ täglich genau. |154| Er kann mir daher freylich nicht zu Längen-Beſtimmungendienen; aber doch um die Zeit vom Mittag bis zur nächſtenNacht überzutragen. Wenn man ihn nicht bewegt, ſo va-riirt er oft um keine 2″ in drey bis vier Tagen. Von meinen Reflexions-Inſtrumenten iſt der zehnzollige Ramsden ’ſche Sextant das ſchönſte. Er hat einen ſilbernenLimbus, deſſen Nonius unmittelbar 15″ gibt. Man erreichtnoch vollkommen 5″, die wegen des künſtlichen Horizontsnoch auf die Hälfte 2,″5 gebracht werden. Ich habe für die-ſes ſchöne Inſtrument und für den Borda ’iſchen Reflexions-Zir-kel, deſſen ich mich zu ſeiner Controllirung bediene, ein16mahl vergrößerndes Fernrohr von Carroché. Mein künſt-licher Horizont iſt auch von Carroché verfertiget. Tralles hatihn ſehr genau unterſucht und das Maximum ſeiner Irrungam Rande 6″ gefunden. Das Niveau, mit dem ich den Ho-rizont ſtelle, zeigt 2,″5 Erhebung. Durch ein Jahr lange Er-fahrung habe ich gefunden, daß, wenn ich mich nicht des Bird’iſchen Quadranten bediene, den ich wegen der großenSonnenhöhe in den Tropen-Ländern gekauft habe, ich unterſonſt günſtigen Umſtänden die Breite bis 12″ genau beſtimmenkann; die wahre Zeit durch etwa 15 correſpondirende Son-nenhöhen bis 2″, und durch correſpondirende Sirius- oder Rigel-Höhen bis 5″. Ich habe geglaubt, dieſe Gränzen mei-ner Irrthümer an Orten beſtimmen zu müſſen, deren Breiteund Zeit genau bekannt war, um ſodann unterſcheiden zukönnen, was man dem Zuſalle oder der Sorgfalt bey derBeobachtung ſchuldig iſt. Der Hurter ’ſche Theodolit, derwegen der vielen Correctionen, die er täglich erfordert, un-bequem iſt, gibt nur bis auf 35″ Gewißheit. Aber er hatden Vortheil einer 30 bis 40mahligen Vergrößerung, und ichhabe mit Thulis geſehen, daß er uns durch β des Wallfiſchesund oft durch noch kleinere Sterne die Breite von Marſeille zwiſchen 43° 17′ 23″ und 52″ das iſt ohngefähr zu 26″ an-gab. Zu Paris hat er nur durch eine große Beobachtungs-Zahl die Breite meiner Wohnung (maiſon Boſton, rue duColombier) zu 48° 51′ 20″ gegeben, das ſcheint ziemlich |155| richtig; die Breite der Marſeiller Sternwarte iſt nicht, wiein Connoiſſ. des temps VII S. 461 ſteht 43° 17′ 43″, ſondern49″. Zwey Beobachtungen des erſten und zweyten Jupiters-Trabanten haben mir die Länge 12′ 39″, ſelbſt 13′ 22″ ge-geben; aber ich war damahls in dieſer Art Beobachtungenviel zu wenig geübt. Ich kam am 19 Nivoſe zu Barcelona an, und durfte ſchonam ſolgenden Tage Beobachtungen anſtellen; auf derſelbenTerraſſe des goldenen Brunnen, wo Méchain ſo lange gear-beitet hat. Ich fand mit der kleinen 8mahligen Vergrö-ßerung die Breite 41° 23′ 28″, ein andermahl 41° 22′ 59″.Am 22 Nivoſe nahm ich correſpondirende Sonnen-Höhenund fand Länge 0′ 20″. Unglücklicher Weiſe ließ ich am23 Nivoſe den Chronom. ſtehen. Ich hoffte, die Bedeckungdes ♃ durch den Mond am 26 Niv. zu ſehen, und es warnothwendig, am 25 durch Aufſuchung der wahren Zeit ſichdarauf vorzubereiten. Die Morgen-Beobachtungen warenſehr gut, aber am Nachmittage war die Sonne ſo blaß, daßman den Zeitpunct der Berührung der Ränder errathen mußte.Die Bedeckung Jupiters durch den Mond war unglücklicherWeiſe zu Barcelona nicht ſichtbar. Ich verfolgte den Planeten,bis er auf vier Minuten (im Bogen) vom Monde entferntwar, als auf einmahl die Berge des h. Hieronymus mir den An-blick des Mondes entzogen. Während meines Aufenthalts zu Barcelona verglich ichoft den Horizont des Meeres mit einem Thurme, der davor-ſtand. Ich war erflaunt, daß der Depreſſionswinkel ſich wäh-rend zwey gleich heiteren Tagen veränderte, da doch ein Re-gentag auf ihn gar nicht wirkte. Das Maximum dieſer Verän-derung war 35″. Sollte Ihnen das Journal de Phyſique in dieHände fallen, ſo bitte ich Sie, einen Blick auf den Auszugaus meinen Arbeiten über die Zuſammenſetzung der Atmo-ſphäre zu werfen, den ich Delametherie mitgetheilt habe. Siewerden Thatſachen finden, die Sie durch ihren Einfluß aufdie Phänomene der Strahlen-Brechung intereſſiren werden.Es fehlt viel daran, daß die Atmoſphäre ſtets 0,27 – 0,28 |156| Theile Oxygen enthalten ſolle, wie man es bis itzt immer be-hauptet hat. Ich habe von 0,236 bis 0,284 gefunden, durcheine Methode, die eine Gewißheit von 0,003 Oxygen gibt.Mit meinem Anthrakometer (einem Inſtrumente, den Gehaltan Kohlenſäure zu meſſen, einem Stoffe, der ſo viel Einflußauf Refraction bey dem Scirocco hat) durch Vereinigung vonThermometer, Hygrometer, Barometer, Elektrometer, Cya-nometer könnte man eine ſchöne Arbeit über die Wege desLichts in die Atmoſphäre unternehmen. Könnte ich dochAſtronomen in Quito ankommen ſehen, um mit ihnen ver-eint dieſe zugleich aſtronomiſche und chymiſche Arbeit zu un-ternehmen. Der Grad in Südamerika verdiente wol aufsneue gemeſſen zu werden, und wie viel Zwecke könnte mandann nicht zugleich während dem Laufe einer Unternehmungerreichen, die ungleich weniger koſtbar und doch weit nütz-licher iſt, als eine Reiſe um die Welt. Ich habe vom 29 Niv. bis 6 Pluv. eine kleine Reiſe nach Monſerrat gemacht. Ich beobachtete Sonne, Mond und Sirius zu Mattorel, Colbaton und im Kloſter. Auch habe ich überdie Atmoſphäre dort Beobachtungen angeſtellt. Aber ich theileIhnen nur diejenigen mit, die Einfluß auf Aſtronomie haben.Oft habe ich nur abſolute Stern-Höhen genommen, wennich nicht Zeit hatte, die Culmination zu erwarten. Einſtwerden dieſe Beobachtungen dienen können, die Länge des Or-tes zu finden, indem ich die Zeit ſehr genau von einem Orte zumandern übertrage, wenn andere Beobachter die Breite werdenbeſtimmt haben. Und ſo glaube ich die geographiſche Kennt-niß eines Ortes vorzubereiten. Zu Mattorel beobachtete ichauf freyer Straße von etwa 30 Zuſchauern umgeben, die ſichzuſchrien, daß ich den Mond anbetete. Doch war man ſonſtruhig. Ich nahm Sonnen-Höhen nahe am Mittage zwiſchen Colbaton und der Südſeite des Berges von Monſerrat bey demerſten Weingarten, Breite 41° 34′ 30″. Im Kloſter ſelbſtkonnte ich nur eine einzige Nacht, den 4 Pluv. arbeiten. Anden übrigen hörten Regen und Schnee nicht auf. Ich theiltemeine Beobachtungen Chaix mit, der mit Méchain an dem |157| Meridian durch Catalonien gearbeitet hat. Gewiß konntenmir damahls Méchain ’s Beſtimmungen der Breite und Längedes Kloſters nicht bekannt ſeyn. Wie groß war daher meineFreude, als ich ſeine Beobachtungen von Chaix erhielt, dievon den meinigen in Breite und Länge nur 10–12″ abwei-chen. Und doch hatte ich nur Sterne in einem wenig hellen,künſtlichen Horizonte beobachtet. Da mein Chron. am 26Niv. unter der mittleren Zeit von Barcelona 5′ 42,″5 zurück-blieb, daher am 1 Pluv. 5′ 52″, ſo fand ich durch correſpon-dirende Höhen die Culmination des Sirius 1′ 45″ die Längedes Kloſters. Méchain hat mir durch Pommard die Länge 2′ 45″geſchickt; dieſe Beobachtung aber iſt in der kleinen KapelleU. I. F. angeſtellt worden. Ich habe die Breite des Kloſtersgefunden: 41° 35′ 4″; 49″; 51″; im Mittel 41° 35′ 34″. Chaix hat mir für das Kloſter mitgetheilt: 41° 35′ 30″; Pommard die Kapelle U. I. F. 41° 36′ 15″. Mir ſcheint dieſe Genauig-keit groß genug, da Méchain mit einem großen Kreiſe arbei-tete; ich aber mit einem dreyzolligen Ramsden ’ſchen Sextantenbeobachte. Ich habe am Monſerrat in verſchiedenen Höhen Waſſerkochen laſſen, um Deluc ’s Formel zu berichtigen. Noch habeich nicht Zeit geſunden, alle Beobachtungen zu berechnen;aber diejenigen, die ich mit dem Ebulloir in der Einfiedeleydes hl. Hieronymus gemacht habe, ſtimmen gut mit den634,4 Toiſen zuſammen, die Méchain für die Kapelle ſindet.Derſelbe Gelehrte gibt durch Nivellement die Höhe des Mon-jouy auf 104 Toiſen an. Ich finde barometriſch den Gipfel des Monjouy über dem Barceloner Stadtpflaſter bey dem goldnenBrunnen 96 Toiſen. Auch rechnet Méchain die Zinne um den Thurm des Forts. Indem ich von Barcelona nach Valenzia reiſte, habe ich Sonne, Jupiter, Procyon, Sirius und Rigel beobachtet; den9 zu la Venta de Lionet, den 10 zu los Munjos, den 11 zu Figueretta und Cabrils, den 12 auf dem Col de Balaguet (während der Commandant des Forts mich einzuſperrendrohte) den 14 zu la Venta della Sienita. Da die Ventas ein- |158| zelne Häuſer find, in Wüſten von 30 bis 40 Quadrat-MeilenGröße, die Piſtazien und Palmettenbäume bedecken, ſo iſt ihre aſtronomiſche Beſtimmung für die Spaniſche Geographie un-gemein wichtig. Es ſind eben ſo viele feſte Puncte in unge-heuren Ebenen, in denen man wie auf dem Ocean reiſt. Zu los Munjos fand ich die Breite, indem ich in einemWalde beobachtete, 41° 13′ 13″; Länge von Paris 2′ 23″,wenn man annimmt, daß Barcelona 33″ w. liegt. Da dieSonnen-Höhen 20″ vom Mittage genommen wurden, ſo iſt20″ Ungewißheit in der Länge. Da ich immer am Meerufer fortreiſte, ſo beſtimmte ichjeden Morgen genau den Zeitpunct, wenn die Sonne ſich vomMeer-Horizont ablöſete. Zu Figueretta drey Meilen vor Tar-ragona ſahe ich am 10 Pluv. zwiſchen 7 und 8 Uhr des Abendsein weißliches, pyramidales Licht gegen Südweſt. Es ſtieggegen 25″ bis zum Orion in die Höhe. Sein Glanz fiel ſelbſtden Mauleſeltreibern auf. Es verſchwand plötzlich um 8U50′, und obgleich die folgenden Nächte ſehr hell waren, ſoſahe ich es doch nur erſt am 14 Ventôſe zu Madrid wieder,wo ſeine Pyramidal-Form viel auffallender war. Ich zweiflekeinesweges, daß es das Zodiacal-Licht geweſen ſey, das nurbey außerordentlicher, wahrſcheinlich von chemiſchen Zu-ſammenſetzungen abhängender Durchſichtigkeit der Atmo-ſphäre ſichtbar iſt. Doch ſcheint es immer merkwürdig, daßſchon im Anfange Pluv. das Zodiacal-Licht ſo ſchön erſcheint. De la Flauzeres ſahe es auch ſchon ſeit dem Januar: La Lande’sAſtronomie §. 846. Col de Balaguet am Fuß, \( \frac{1}{8} \) Meile Nordnordoſt vom Fort S. Philipp, Breite 40° 59′ 21″, Länge 5′ 15″. Tofino gibt dieBreite an zu 40° 59′ 30″, Länge 5′ 24″. Eine ſehr genug-thuende Uebereinſtimmung. Venta della Sienita, fünf Meilen nordwärts von Alcaladella Serba in der Mitte der großen Wüſte, die Valenzia von Catalonien ſcheidet, Breite durch Rigel 40° 8′ 34″, durch Sirius 40° 8′ 37″. Länge von Paris ohngefähr 7′ 50″. |159| Wenn einige dieſer Beobachtungen Ihnen nicht genau ge-nug ſcheinen, ſo bitte ich Sie, nicht zu vergeſſen, daß ſie inſehr übler Lage, und in ſteter Furcht, entdeckt zu werden,gemacht ſind. Die Ermüdung durch eine ununterbrocheneReiſe ſchwächt überdieß das Geſicht. Die Beobachtungen, welche mir das größte Vergnügengemacht haben, ſind die, welche ich mit äußerſter Sorgfaltvom 17 bis 21 Pluvioſe über die Lage von Valenzia und vomalten Sagunt angeſtellt habe. Würden Sie wol glauben, daßeine Stadt von mehr als 80000 Einwohnern noch um 2′ inden Spaniſchen Karten umherirrt? Valenzia: der Jeſuit Caſſans in ſeiner ſchönen Karte desKönigreichs Valenzia gibt ihre Breite 39° 29′. Toſca, ſeinNachfolger, dem Villanova in dem Werke gefolgt iſt: Curſodel nuevo planeta Herſel, das 1785 unter dem angenommenenNamen Manuel Munnoz de Vigaſtro herauskam, 39° 34′. Manglaubt in Valenzia, daß Caſſans und Toſca gerathen haben.ohne ſelbſt zu beobachten. Tofino in ſeinem See-Atlas, inder Karte de la Coſta desde Cabo de Gata haſta Cabo de Oro-peſa, beſtimmt dieſe Breite auf 39° 26′ 45″. Auf einmahl ſiehtman daher dieſe Stadt 7′ 15″ weiter ſüdlich verſetzt! Ichhabe meine Beobachtungen mit der größten Sorgfalt berech-net; unter 20 geben 15 die Breite für die Mitte der Stadt bey Santa Tecla, wo ich beobachtete, zwiſchen 39° 28′ 40″ und39° 29′ 5″. Die ſchlechteſten beſtimmen ſie immer noch zu39° 28′ 30″ und 15″. Der P. Caſſans hat am beſten gera-then. Es ſcheint ſehr außerordentlich, wie ein ſo geſchickterAſtronom, als Tofino, ſich um zwey Minuten hat irren kön-nen, da er doch mit großen Quadranten arbeitete. Doch ha-be ich einen ähnlichen Fall in Salzburg geſehen, wo ein Qua-drant ſeit langer Zeit die durch die Karten beſtimmte Breite47° 46′ angab, da ich ſie doch mit dem Sextanten ſtets zu47° 48′ 2″ fand, eine Angabe, die ſeitdem völlig beſtä-tigt worden iſt. Die Uebereinſtimmung zwiſchen den Si-rius- und Sonnen-Beobachtungen läßt mich nicht fürchten, |160| daß der Irrthum auf meiner Seite ſeyn möge. Hätte ich denkünſtlichen Horizont nicht gut geſtellt, und ein Irrthum von4′ bey einem Niveau, das 2,″5 Veränderung anzeigt, iſt hierfaſt unmöglich, ſo würde doch auch keine Uebereinſtimmungin den Beobachtungen mehrerer Tage Statt finden. Hätteſich die Fläche des Spiegels verändert, warum fand ich zu Barcelona, zu Monſerrat, zu Balaguet und ſeitdem am 14Ventoſe zu Madrid die Breite genau, wie ſie die berühmte-ſten Aſtronomen beſtimmt haben? Ein Inſtrument kann inUnordnung gerathen, aber vermag es, ſich von ſelbſt wiederzu verbeſſern? Auch war der Collimations-Fehler zu Valen-cia + 10″, zu Barcelona + 2″, zu Madrid + 8″; ein Beweis,daß der Sextant nicht einmahl durch die Stöße des Wagensgelitten hatte. Espinoſa, der mit Tofino gearbeitet hat, und dem manſehr ſchätzbare Beobachtungen während ſeiner Reiſe um die Welt ſchuldig iſt, verſicherte mich, daß Tofino in Valenzia ſelbſt nicht beobachtete, ſondern ſeine Lage nur aus einigen,im Innern des Landes geworfenen Triangeln geſchloſſen habe.Mein Chronometer hat mir die Länge von Valenzia zu 11′ 12″durch die Sonne gegeben, und 11′ 7″ durch Sirius. Tofino beſtimmt die Länge 10′ 42″. Das erſtemahl, als ich die Ruinen des alten Sagunt, dasSchloß von Murviedro, beſuchte, verhinderten mich Wolken,Beob. anzuſtellen. Ich kehrte am 12 Pluv. dahin zurück, undſetzte meinen Horizont ungefähr 200 Métres ſüdwärts vomAmphitheater auf die Ruinen des Dianen-Tempels, und fanddie Breite von Murviedro oder Sagunt 39° 40′ 40″. Tofino hat ſie 39° 40′ 10″. Die Länge iſt 10′ 14″ weſtl. Am 14 Ventoſe fing ich meine Beob. zu Madrid an, in dem Pallaſt des Herzogs von Infantado, 200 Toiſen ſüdwärts von der Plaza major. Meine erſten Beob. gaben mir die Breite im Mittel40° 24′ 42″. Eine größere Zahl anderer Beob. läßt mich ver-muthen, daß die Breite von Madrid wol etwas unter 40° 25′18″ ſeyn möge. Chaix wird dieſe Ungewißheit bald heben,da ihm die Regierung den Auftrag gegeben hat, die Länge |161| und Breite der Hauptſtadt auf das ſchärfſte zu beſtimmen.Mein Chronometer hat mir die Länge gegeben 24′ 34″. Die Conn. d. temps hat 24′ 8″. Bey meinem letzten Auſenthalt in Aranjuez glaubte ichdie Länge dieſes Orts ſehr genau beſtimmen zu müſſen, dadie Karten ſie ſo unrichtig angeben, unerachtet der Nähe derHauptſtadt. Ich fand dort die Zeit auf 6 bis 8″ genau; Chaix gab mir die Madrider Zeit, die bis auf 0,″2 genau war, da-mit ergab ſich Mittags-Unterſchied zwiſchen Madrid und Aranjuez 23,″8. Da ferner Madrid und Paris = 24′ 8″, ſo iſtdie Länge von Aranjuez 23′ 44″ von Paris. Die Breite von Aranjuez iſt beynahe bis auf 45″ unſicher geblieben, da indieſen Gegenden die Sonne im Mittag zu hoch ſteht, um ſiemit dem Sextanten beobachten zu können. Einzelne abſoluteHöhen der Sonne, die ich mit Chaix berechnet habe, geben,daß die Breite von Aranjuez wahrſcheinlich 40° 0′ 0″ ſeynmöge. Durch Azimuthal-Beobachtungen habe ich die Abwei-chung der Magnet-Nadel im Floreal gefunden für Madrid 22,G 2, für Aranjuez 21,G 58. Das iſt das Wenige, was ich Ihnen in dieſem Augenblickeſchicken kann. Ich reiſe in drey Tagen für die Havana und Mexiko ab, und werde dort fleißig mit meinen Bird’iſchen Quadranten beobachten. Nehmen Sie das Wenige mit Nach-ſicht auf, und mit der Erinnerung, daß ich noch andereZwecke als Aſtronomie zu verfolgen habe....