Tagebuch einer Reiſe vom Miſſiſſippi nach den Küſten der Südſee. Von Balduin Möllhauſen. Eingeführt durch Alexander v. Humboldt. Mit Illuſtrationen in Oelfarben und Tondruck und einer Spezialkarte Leipzig, Herm Mendelsſohn 1858. „Die Schrift,“ heißt es im Vorwort Al. v. Humboldt’s — welche ich jetzt unaufgefordert, aus Achtung für die raſtloſe und ausdauernde Thätigkeit des Verfaſſers in einer großen Expedition, für die beſcheidene Einfachheit ſeines kräftigen überaus ehrenwerthen Charakters und für ein ausgezeichnetes, durch den Anblick der freien Natur faſt allein ausgebildetes Kunſttalent, mit einem empfehlenden Vorwort begleite, macht keine Anſprüche auf phyſikaliſche Wiſſenſchaftlichkeit, ob ſie gleich über die äußere Bodengeſtalt und die geographiſchen Verhältniſſe ſo wenig durchforſchter Gegenden viel Intereſſantes, Selbſtbeobachtetes oder bisweilen den mitreiſenden Fachgelehrten Entlehntes darbietet. Herr Möllhauſen, früher angeſtellt als Topograph und Zeichner bei der Sendung, welche unter dem Befehle des muthigen und einſichtsvollen Lieutenant Whipple zur Beſtimmung der ſüdlichen Eiſenbahnrichtung nach den Küſten des Stillen Ozeans von der Regierung der Vereinigten Staaten veranlaßt wurde, veröffentlicht ein Tagebuch, in dem er, gleichſam als Kommentar zu ſeinen landſchaftlichen Aufnahmen und hiſtoriſchen Skizzen, empfangene lebensfriſche Natureindrücke wiedergibt. Ueberall, wo die Darſtellung des Reiſenden das Reſultat einer ſichern und gewiſſenhaften Anſchauung der Gegenwart iſt, gewährt ſie eben dadurch ſchon und beſonders in dem, was die Zuſtände der Eingeborenen auf den verſchiedenen Stufen ihrer Unkultur betrifft, ein wichtiges, rein menſchliches Intereſſe.“ Dieſes rein menſchliche Intereſſe bieten in der Regel Reiſebeſchreibungen von Nichtgelehrten, denen nebſt hellem Blicke und geſundem Urtheil die Gabe der Rede verliehen iſt, in höherem Grade als Reiſeſchilderungen gelehrter Hiſtoriker, Geologen, Botaniker ꝛc., da letztere mit ihren Forſchungen und Unterſuchungen ſei es nach Einer Richtung oder mehreren zugleich ſo in Anſpruch genommen werden, daß ſie für jene naive naturfriſche unmittelbare Auffaſſung und Darſtellung ſelten die Gemüthsverfaſſung behalten. Es iſt ein Zeugniß mehr für die Allſeitigkeit des Humboldt’ſchen Geiſtes, daß er nicht nur mit ſcharfem Adlerblick alle Bewegungen und Fortſchritte auf dem Gebiete der Wiſſenſchaft verfolgt, ſondern auch den Gewinn, welcher der Naturforſchung von Exoterikern, wie Heyan (Reiſe nach Japan), Prinz Waldemar von Preußen (Reiſe nach Indien) und neuerdings Möllhauſen’s Reiſeſkizzen erwächst, zu ſchätzen und zu würdigen weiß. Wir erhalten in letztern höchſt lebendige und immer ſcharf begrenzte Bilder, ſei es von amerikaniſchen Flüſſen und Urwäldern, von Prairie- und Indianerleben oder von mexikaniſcher Kultur und Sitte und amerikaniſcher Geldmacherei. Die Illuſtrationen ſind ebenſo geſchmackvoll als charakteriſtiſch; das Ganze iſt ein Prachtwerk (Groß-Quart auf ſtarkem Velinpapier gedruckt), das auch der deutſchen Typographie alle Ehre macht. Nur Schade, daß dieſes Reiſewerk vorzugsweiſe die Bibliotheken der Vornehmen und Reichen zieren wird, obwohl es ſo geſchrieben iſt, daß es auch in größeren Kreiſen und insbeſondere von der reifern Jugend mit größtem Intereſſe geleſen werden möchte. Uebrigens iſt, wenn man die ſchöne Ausſtattung erwägt, der Preis von 18 Thlr. preußiſch nicht zu hoch.