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Alexander von Humboldt: „Tagebuch“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1857-Alexander_von_Humboldt_ueber_Moellhausen-4-neu> [abgerufen am 25.05.2024].

URL und Versionierung
Permalink:
https://humboldt.unibe.ch/text/1857-Alexander_von_Humboldt_ueber_Moellhausen-4-neu
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Titel Tagebuch
Jahr 1858
Ort Zürich
Nachweis
in: Neue Zürcher Zeitung 38:37 (6. Februar 1858), S. 147.
Sprache Deutsch
Typografischer Befund Fraktur (mit rund-r); Spaltensatz; Auszeichnung: Sperrung.
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: VII.126
Dateiname: 1857-Alexander_von_Humboldt_ueber_Moellhausen-4-neu
Statistiken
Seitenanzahl: 1
Spaltenanzahl: 3
Zeichenanzahl: 3446

Weitere Fassungen
Alexander v. Humboldt über Möllhausens Reise nach der Südsee (Stuttgart; Augsburg, 1857, Deutsch)
[Alexander v. Humboldt über Möllhausens Reise nach der Südsee] (Haarlem; Den Haag, 1857, Niederländisch)
Möllhausen’s Reise in den westlichen Theilen der Vereinigten Staaten (Berlin, 1857, Deutsch)
Tagebuch (Zürich, 1858, Deutsch)
Preface by Alexander von Humboldt (London, 1858, Englisch)
Vorwort (Leipzig, 1858, Deutsch)
Voorrede van Alexander von Humboldt (Zutphen, 1858, Niederländisch)
|147| |Spaltenumbruch|

Tagebuch einer Reiſe vom Miſſiſſippi nach den Küſten der Südſee. Von Balduin Möllhauſen. Eingeführt durch Alexanderv. Humboldt. Mit Illuſtrationen in Oelfarben und Tondruckund einer Spezialkarte Leipzig, Herm Mendelsſohn 1858.

„Die Schrift,“ heißt es im Vorwort Al. v. Humboldt’s —„welche ich jetzt unaufgefordert, aus Achtung für die raſtloſeund ausdauernde Thätigkeit des Verfaſſers in einer großen |Spaltenumbruch| Expedition, für die beſcheidene Einfachheit ſeines kräftigen über-aus ehrenwerthen Charakters und für ein ausgezeichnetes, durchden Anblick der freien Natur faſt allein ausgebildetes Kunſttalent,mit einem empfehlenden Vorwort begleite, macht keine Anſprücheauf phyſikaliſche Wiſſenſchaftlichkeit, ob ſie gleich über die äußereBodengeſtalt und die geographiſchen Verhältniſſe ſo wenig durch-forſchter Gegenden viel Intereſſantes, Selbſtbeobachtetes oderbisweilen den mitreiſenden Fachgelehrten Entlehntes darbietet.Herr Möllhauſen, früher angeſtellt als Topograph und Zeichnerbei der Sendung, welche unter dem Befehle des muthigen undeinſichtsvollen Lieutenant Whipple zur Beſtimmung der ſüd-lichen Eiſenbahnrichtung nach den Küſten des Stillen Ozeansvon der Regierung der Vereinigten Staaten veranlaßt wurde,veröffentlicht ein Tagebuch, in dem er, gleichſam als Kommentarzu ſeinen landſchaftlichen Aufnahmen und hiſtoriſchen Skizzen,empfangene lebensfriſche Natureindrücke wiedergibt. Ueberall,wo die Darſtellung des Reiſenden das Reſultat einer ſichernund gewiſſenhaften Anſchauung der Gegenwart iſt, gewährt ſieeben dadurch ſchon und beſonders in dem, was die Zuſtändeder Eingeborenen auf den verſchiedenen Stufen ihrer Unkulturbetrifft, ein wichtiges, rein menſchliches Intereſſe.“ Dieſes reinmenſchliche Intereſſe bieten in der Regel Reiſebeſchreibungenvon Nichtgelehrten, denen nebſt hellem Blicke und geſundemUrtheil die Gabe der Rede verliehen iſt, in höherem Grade alsReiſeſchilderungen gelehrter Hiſtoriker, Geologen, Botaniker ꝛc.,da letztere mit ihren Forſchungen und Unterſuchungen ſei es |Spaltenumbruch| nach Einer Richtung oder mehreren zugleich ſo in Anſpruchgenommen werden, daß ſie für jene naive naturfriſche unmittel-bare Auffaſſung und Darſtellung ſelten die Gemüthsverfaſſungbehalten. Es iſt ein Zeugniß mehr für die Allſeitigkeit desHumboldt’ſchen Geiſtes, daß er nicht nur mit ſcharfem Adler-blick alle Bewegungen und Fortſchritte auf dem Gebiete derWiſſenſchaft verfolgt, ſondern auch den Gewinn, welcher derNaturforſchung von Exoterikern, wie Heyan (Reiſe nach Japan),Prinz Waldemar von Preußen (Reiſe nach Indien) und neuer-dings Möllhauſen’s Reiſeſkizzen erwächst, zu ſchätzen und zuwürdigen weiß. Wir erhalten in letztern höchſt lebendige undimmer ſcharf begrenzte Bilder, ſei es von amerikaniſchen Flüſ-ſen und Urwäldern, von Prairie- und Indianerleben oder vonmexikaniſcher Kultur und Sitte und amerikaniſcher Geldmacherei.Die Illuſtrationen ſind ebenſo geſchmackvoll als charakteriſtiſch;das Ganze iſt ein Prachtwerk (Groß-Quart auf ſtarkem Velin-papier gedruckt), das auch der deutſchen Typographie alle Ehremacht. Nur Schade, daß dieſes Reiſewerk vorzugsweiſe dieBibliotheken der Vornehmen und Reichen zieren wird, obwohles ſo geſchrieben iſt, daß es auch in größeren Kreiſen und ins-beſondere von der reifern Jugend mit größtem Intereſſe ge-leſen werden möchte. Uebrigens iſt, wenn man die ſchöne Aus-ſtattung erwägt, der Preis von 18 Thlr. preußiſch nicht zu hoch.