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Titel Über die Höhe des mexikanischen Vulkans Popocatepetl
Jahr 1856
Ort Gotha
Nachweis
in: Mittheilungen aus Justus Perthes’ geographischer Anstalt über wichtige neue Erforschungen auf dem Gesammtgebiete der Geographie von Dr. A. Petermann 11–12 (1856), S. 479–481.
Entsprechungen in Buchwerken
Alexander von Humboldt, Recueil d’observations astronomiques, d’opérations trigonométriques, et de mesures barométriques, faites pendant le cours d’un voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent, depuis 1799 jusqu’en 1803, par Alexandre de Humboldt; Rédigées et calculées, d’après les Tables les plus exactes, par Jabbo Oltmanns. Ouvrage auquel on a joint des recherches historiques sur la position de plusieurs points importans pour les navigateurs et pour les géographes, 2 Bände, Paris: F. Schoell 1810 [1808–1811], [1809–] 1810, Band 1, S. 364, 366–367, 371.
Sprache Deutsch
Schriftart Antiqua
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: VII.114
Dateiname: 1856-Ueber_die_Hoehe-1
Statistiken
Seitenanzahl: 3
Spaltenanzahl: 7
Zeichenanzahl: 12294
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ÜBER DIE HÖHE DES MEXIKANISCHEN VULKANS POPOCATEPETL. Auszug aus einem Briefe von Alexander von Humboldt an A. Petermann (datirt: Berlin, im Dezember 1856 ).

|Spaltenumbruch| Indem ich so oft das Bedürfniss fühle, theuerster HerrDr. Petermann, Ihnen den Ausdruck meiner vieljährigenfreundschaftlichen Anhänglichkeit wie der Hochachtung,welche Ihren schönen geographischen Arbeiten gebührt, zuerneuern, will ich Sie bitten, um Missverständnisse beimehr als 500 theils barometrischen, theils trigonometri-schen Messungen, die ich in Süd-Amerika und Mexiko mitallem Detail bekannt gemacht, zu verhüten, dass Sie fol-gender kleinen Notiz in Ihren Mittheilungen einen Platzgewähren möchten. In dem Aufsatz des Herrn Craveri (Heft X. S. 359)wird wundersamerweise behauptet, die von mir demVulkan Popocatepetl zugeschriebene Höhe sei darum un-genügend, „weil Humboldt, wie er uns selbst benachrich-tigt, sich eines Barometers bediente, das nichts als eineTorricelli’sche Röhre war, deren Füllung er bei jederBeobachtung vornahm, wobei ein kleiner Theil Luft indie Röhre eindrang.....” Ich habe nie den Popocate-petl bestiegen, habe ihn daher nie mit schlecht gefülltenRöhren messen können. Meine Messung des Vulkans wareine trigonometrische, welche in dem zweiten Bande mei-nes „Recueil d’Observations astronomiques, d’opérations tri-gonométriques et de mésures barométriques” (Paris 1810) vomProf. Oltmanns beschrieben ist. Alle meine Barometer-Messungen sind mit gewöhnlichen Ramsden’schen Gefäss-Barometern à niveau constant gemacht, deren wir unsauch, Gay-Lussac und ich, 1805 auf einer Reise durchFrankreich, Italien und die Schweiz zu unserer beidersei-tigen Befriedigung bedient haben (Vol. I. p. 365). Dieeben erschienenen vortrefflichen Arbeiten des Olmützer |Spaltenumbruch| Astronomen Julius Schmidt an den Krater-Rändern des Ve-suvs (Beschreibung der Eruption im Mai 1855, S. 114 u.116) bieten in der Vergleichung mit ältern Beobachtungenneue Motive zu dieser Befriedigung dar. Zu der Mythevon der jedesmal neu gefüllten Torricelli’schen Röhre hatwahrscheinlich eine Stelle in meiner Abhandlung überBarometer-Messungen der Reisenden im Allgemeinen (Vol. I.p. 363—373) Anlass gegeben: „Comme il vaut mieux nepas observer du tout que de mal observer, on doit crain-dre beaucoup moins de briser le baromètre que de le voirdérangé. Depuis le mois de Juillet 1801 jusqu’au mois deJanvier 1804, au Mexique, dans la Nouvelle Grenade, àQuito et au Pérou, où nous avons, Mr. Bonpland et moi,traversé quatre fois la chaîne centrale des Andes, les mé-sures qui m’intéressoient le plus, ont été répétées à diffé-rentes reprises; on est retourné aux endroits qui parois-soient douteux: on s’est servi de tems en tems de l’ap-pareil de Mutis dans lequel on fait l’expérience primitivede Torricelli, en appliquant successivement trois à quatretubes fortement chauffés, remplis de mercure récemmentbouilli dans un creuset de grès. Lorsque l’on est sûr dene pas pouvoir remplacer les tubes, il est peut-être pru-dent de ne pas faire bouillir le mercure dans le tubemême. C’est ainsi que j’ai trouvé dans des expériencesfaites conjointement avec Mr. Lindner, professeur de chimieà l’école des mines, la hauteur de la colonne de mercureà Mexico dans six tubes de
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|480| |Spaltenumbruch| les deux derniers tubes seuls avoient été purgés d’air parle feu par Mr. Bellardoni, ingénieur d’instrumens à Mexico.Comme l’exactitude dépend en partie de la propreté inté-rieure des tubes vides, si faciles à transporter, il est utilede les fermer à la lampe. Voyageant dans des pays où,en m’éloignant des côtes, j’étois sûr de ne trouver des ba-romètres qui pourroient être comparés aux miens (ceux deRamsden), qu’à Bogota, à Popayan, à Quito et à Lima, ilm’étoit agréable de confirmer de tems en tems les résul-tats du baromètre dont je me servois dans le voyage, àl’appareil à plusieurs tubes.” Solche Confirmations-Ver-suche können ihrer Natur nach nicht in freier Luft, aufdem Gipfel oder am Abhange der Berge, sondern, undzwar nur in sehr seltenen Fällen, im Inneren von Häu-sern, in der Bequemlichkeit, welche Städte darbieten, ge-macht werden! Diese Rathschläge würde ich heute noch,ein halbes Jahrhundert später, nachdem ich mich der Ba-rometer von Gay-Lussac und im nördlichen Asien des vonFortin bedient habe, Reisenden als Beruhigungsmittel ingewissen Fällen mit eben dem Vertrauen empfehlen als inMexiko oder in den Cordilleren. Von einem wirklichenErsatz tragbarer Reise-Barometer durch primitive Expe-rimente in einem Apparate mit vielfachen Röhren konntewohl nicht in den Schriften eines Reisenden die Rede sein,der schon im vorigen Jahrhundert sich des mündlichen Ra-thes von Saussure, Pictet und Tralles erfreute. Die erste Höhenbestimmung des Popocatepetl ist, soviel ich weiss, die meinige vom 24. Januar 1804; sie wareine trigonometrische in dem Llano de Tetimba, an deröstlichen Seite des Vulkans. Diese Messung gab miteiner Standlinie von 2799 Fuss nach meiner eigenen er-sten Berechnung (Géographie des Plantes. 1807. p. 148)den Gipfel des Vulkans über dem Meere zu 5387 Meter.Die Berechnung meines Freundes und astronomischen Mit-arbeiters, Prof. Oltmanns (Humb., Observ. astron. 1810. Vol. II.p. 543), veranlasst durch die Prüfung des Meridian-Ab-standes der Städte Mexiko und Veracruz mittelst senkrech-ter Basen und vieler Azimuthe, ergab fast ebenso, durchzufällige Übereinstimmung, den Gipfel zu 1536 Toisen überder horizontalen Standlinie in dem Llano von Tetimbaund, da das Llano, barometrisch bestimmt, 1234 Toisenüber Veracruz liegt, 2770 Toisen (16,620 Par. Fuss =5399 M.) über dem Meere. Dieselbe trigonometrischeMessung des Popocatepetl, die einzige, welche, so vielich weiss, bisher gemacht ist, bestimmte damals1) diemittlere Schneegrenze zu 1973 Toisen über dem Meeresspie- |Spaltenumbruch| gel. In meinem Essai pol. sur le roy. de la Nouvelle-Espagne. T. I. p. 185, in meinem Nivellement barométri-que et géodésique (Observ. astron. Vol. I. p. 331) und inden Kleineren Schriften, Bd. I. S. 463, habe ich demnachdie Höhe des Popocatepetl zwischen 16,626 und 16,638Par. Fuss, meist in runder Zahl zu 5400 Meter angege-ben. Diese meine Höhe hat auch Arago in die Höhentafeldes Annuaire du Bureau des Longitudes aufgenommen. Seit meiner Abreise aus Mexiko ist die erste Baro-meter-Messung des Gipfels und lange die einzige, derenDetail umständlich mitgetheilt worden ist (s. die mexika-nische Zeitung el Sol, No. 1432), die von Hrn. WilliamGlennie gewesen, der, begleitet von seinem Bruder undDon Juan Tayleur, am 20. April 1827 in den Krater ge-langte. Das Resultat seiner Barometer-Messung des Gipfelswaren, wie die mexicanische Zeitung angiebt, 17,884 Engl.oder 16,780 Par. Fuss (2796 Toisen) über dem Meere:also noch 27 Toisen mehr, als meine trigonometrischeMessung ergeben hatte. Nach Mittheilungen, welche ichdem um die Hypsometrie von Mexiko so verdienten Ober-bergrath Burkart verdanke, würden Vergleichungen mit fastgleichzeitigen Barometer-Höhen in Veracruz für Glenniesogar 16,900 Par. Fuss geben, während die Barometer-Mes-sungen von Samuel Birbeck (nach Oltmanns’ Tafeln vonBurkart berechnet) 16,753 Par. Fuss (10. Nov. 1827), dievon Alexander Doignon, deren Herr Pieschel erwähnt,5403 Meter = 17,725 Engl. oder 16,632 Par. Fuss bestim-men. Birbeck’s Resultat ist wieder grösser, und zwar um volle132 Par. Fuss grösser als das meinige; das Herrn Doignon zu-geschriebene Resultat stimmt wundersam, fast zu höflich, mitdem meinigen trigonometrischen überein (vgl. den interessan-ten Aufsatz über die mexikanischen Vulkane des Preuss. Lega-tions-Secretärs Hrn. Pieschel, dem es selbst geglückt ist, am26. März 1853 [wie 19 Jahre früher unserm jetzigen sehrkenntnissvollen Gesandten in Washington, Hrn. von Gerolt,begleitet von dem Baron Louis Gros, am 29. April 1834]an den Krater zu gelangen: in Gumprecht’s Zeitschr. fürAllg. Erdkunde. Bd. IV. S. 390, und Bd. V. S. 124—147).Nach der sehr genauen Barometer-Messung des Hrn. vonGerolt (28. Mai 1833) hat der Pico del Fraile, unterhalbdes Kraters des Popocatepetl, 15,850 Par. Fuss Höhe überdem Meere. Die neueste, gewiss mit vieler Sorgfalt angestellte Mes-sung des Popocatepetl von den Herren Truqui und Craveri,welche Sie in Ihren lehrreichen und so geschmackvollausgestatteten Mittheilungen vom Jahre 1856 in Heft X.
1) Während unter dem Äquator selbst die mittlere Oscillation derewigen Schneegrenze nur 40—60 Toisen beträgt, erreicht diese Oscil-lation zwischen 16° und 19° Nördl. Breite im Mittel über 320 Toisen.Das Maximum der ewigen Schneegrenze habe ich gefunden am Vulkan |Spaltenumbruch| Popocatepetl 2340 T.; an dem Nevado Iztaccihuatl 2305 T.; am Vul-kan von Toluca 2295 T. (s. über die numerischen Fundamente dieserResultate meine Asie centrale. T. III. p. 251—270).
|481| |Spaltenumbruch| S. 358 bekannt gemacht haben, musste mich um so mehrinteressiren, als die bisherigen Barometer-Messungen eherhatten zu der Vermuthung Anlass geben können, als seidas Resultat meiner trigonometrischen Messung zu gross.Herr Craveri fand im Sept. 1855 die Höhe des höchsten,d. i. nordwestlichen, Randes des Kraters, mit dem vergli-chen, was man für die mittlere Höhe des Luftdrucks inVeracruz hielt, 5230 Meter = 16,099 Par. Fuss: also170 Meter = 522 Par. Fuss geringer als ich, 1/32 derganzen gemessenen Höhe. Auch die Stadt Mexiko fandHr. Craveri 2217 Meter hoch, während meine Beobachtun-gen und die des Oberbergraths Burkart übereinstimmend2277 Meter (1168 Toisen) gaben: also um 60 Meter(184 Par. Fuss) oder 1/37 der ganzen Höhe niedriger.
Da in Gebirgsgegenden alle trigonometrischen Messun-gen, welche wegen der Kleinheit der Höhenwinkel nichtvom Meeresufer aus unternommen werden können, gemisch-ter Natur und zu einem beträchtlichen Theile (oft zu ½oder ½,7) barometrisch sind, so ist die Höhen-Bestimmungder Hochebene, in welcher die Standlinie (base) gemessenworden, von grosser Wichtigkeit. Weil korrespondirendeBarometer-Beobachtungen am Meere selten oder meist inallzu grosser Entfernung erhalten werden, so sind die Rei-senden sehr geneigt, das, was sie aus Beobachtungen ge-schlossen, die zu verschiedenen Jahreszeiten von ihnenangestellt wurden, für die mittlere Höhe des Luftdrucksin der Hochebene und an dem Meeresufer zu halten! Ichkenne nur für Bogota vortreffliche Reihen Jahre lang täg-lich zu denselben Stunden angestellter Barometer-Beobach-tungen, von zweien meiner Freunde bekannt gemacht: demDr. José Caldas (1807 und 1808), der, wie mein Begleiter |Spaltenumbruch| Carlos Montufar, als ein Opfer des Parteigeistes im Spa-nischen Befreiungskriege fiel, und von dem geistreichenBoussingault (1823 und 1824). Von Mexiko und Vera-cruz sind mir keine sicheren mittleren Jahresbeobachtungenbekannt, obgleich der verdienstvolle Spanische Hafen-Ka-pitän Ortis, durch die Vorbedeutung der Nordstürme imLuftdruck veranlasst, vielmalige tägliche Beobachtungen,von 1791 bis 1803, über 28,000 an der Zahl, gesammelt,aber nicht reducirt hatte (s. mein Voyage aux Régions équi-noxiales du Nouveau Continent. 1825. T. X. p. 455 u. 447).Reisende, gleichzeitig mit naturhistorischen, astronomischenund magnetischen Beobachtungen beschäftigt, können nurannähernde Resultate liefern. „Il n’y a pas très longtemsque l’on n’auroit pas osé agiter la question de savoir, siune mésure faite au moyen du baromètre peut atteindrel’exactitude des opérations trigonométriques. Aujourd’huiil ne s’agit que d’examiner, si les deux genres de mésuresont été faites dans des circonstances également favorables,c’est-à-dire, en remplissant les conditions que la théorieet une longue expérience ont préscrites. Le géomètre re-doute le jeu des réfractions terrestres, le physicien doitcraindre la distribution si inégale et peu simultanée de latempérature dans la colonne d’air aux extrémités de la-quelle se trouvent placés les deux baromètres. Il est plusque probable que, près de la surface de la terre, le dé-croissement du calorique est plus lent qu’à de plus gran-des élévations; et pour connoître avec précision la densitémoyenne de toute la colonne d’air, il faudroit, en s’élé-vant dans un ballon, pouvoir examiner la température dechaque couche.” (Humb., Observ. astron. Vol. I. p. 138und 371).