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      <title type="main">Auszug aus einem Briefe Alexander’s von Humboldt an den Verfasser</title>
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          <surname>Humboldt</surname>
          <forename>Alexander</forename>
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      </author>
      <editor>
        <persName>Oliver Lubrich</persName>
        <persName>Thomas Nehrlich</persName>
        <note>Gesamtherausgeber</note>
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      <edition>Vollständige digitalisierte Ausgabe.</edition>
      <funder>Schweizerischer Nationalfonds</funder>
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        <persName>Yvonne Wübben</persName>
        <persName>Sarah Bärtschi</persName>
        <resp>Herausgeber Band 1, Texte 1789–1799</resp>
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        <persName>Rex Clark</persName>
        <persName>Sarah Bärtschi</persName>
        <resp>Herausgeber Band 2, Texte 1800–1809</resp>
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        <persName>Jobst Welge</persName>
        <persName>Michael Strobl</persName>
        <resp>Herausgeber Band 3, Texte 1810–1819</resp>
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      <respStmt>
        <persName>Norbert D. Wernicke</persName>
        <persName>Michael Strobl</persName>
        <resp>Herausgeber Band 4, Texte 1820–1829</resp>
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      <respStmt>
        <persName>Bernhard Metz</persName>
        <persName>Thomas Nehrlich</persName>
        <resp>Herausgeber Band 5, Texte 1830–1839</resp>
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        <persName>Jutta Müller-Tamm</persName>
        <persName>Michael Strobl</persName>
        <resp>Herausgeber Band 6, Texte 1840–1849</resp>
      </respStmt>
      <respStmt>
        <persName>Joachim Eibach</persName>
        <persName>Thomas Nehrlich</persName>
        <resp>Herausgeber Band 7, Texte 1850–1859</resp>
      </respStmt>
      <respStmt>
        <persName>Norbert D. Wernicke</persName>
        <resp>Redakteur Apparatband</resp>
      </respStmt>
      <respStmt>
        <persName>Johannes Görbert</persName>
        <resp>Redakteur Forschungsband</resp>
      </respStmt>
      <respStmt>
        <persName>Corinna Fiedler</persName>
        <resp>Redakteurin Übersetzungsband</resp>
      </respStmt>
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        <persName>Michael Hagner</persName>
        <persName>Eberhard Knobloch</persName>
        <persName>Alexander Košenina</persName>
        <persName>Hinrich C. Seeba</persName>
        <resp>Beirat</resp>
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        <persName>Thomas Nehrlich</persName>
        <persName>Luca Querciagrossa</persName>
        <persName>Norbert D. Wernicke</persName>
        <persName>Frank Wiegand</persName>
        <resp>XML-Kodierung</resp>
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        <persName>Frank Wiegand</persName>
        <resp>Programmierung</resp>
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        <orgName role="project">Alexander von Humboldt in Bern</orgName>
        <orgName role="edition">Alexander von Humboldt: Sämtliche Schriften (Aufsätze, Artikel, Essays). Berner Ausgabe digital</orgName>
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          <addrLine>Institut für Germanistik, Universität Bern, Länggassstrasse 49, 3012 Bern</addrLine>
          <country>Switzerland</country>
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      <pubPlace>Bern</pubPlace>
      <date type="publication">2021-08-25T18:09:18</date>
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          <p>Distributed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International license (CC BY-SA 4.0).</p>
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        <idno type="print">VII.71</idno>
        <idno type="basename">1854-Auszug_aus_einem-1</idno>
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          <title type="main">Auszug aus einem Briefe Alexander’s von Humboldt an den Verfasser</title>
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          <date type="publication">1854</date>
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          <title type="full">in: Albert Berg, &lt;i&gt;Physiognomie der tropischen Vegetation Süd-America’s; dargestellt durch eine Reihe von Ansichten aus den Urwäldern am Magdalenenstrome und der Anden von Neu-Granada&lt;/i&gt;, Düsseldorf: Julius Buddeus 1854, S. [I]–II.</title>
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            <p n="simple">Antiqua</p>
            <p n="full">Antiqua; Auszeichnung: Kursivierung; Schmuck: Kapitälchen.</p>
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                <head>AUSZUG AUS EINEM BRIEFE ALEXANDER&#x2019;S VON HUMBOLDT<lb break="yes"/>AN DEN VERFASSER.</head>
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                    <hi rendition="#g">
                        <hi rendition="#k">Wenn</hi>
                    </hi> aus den edeln Kunstwerken der Malerei unsere Einbildungskraft gern lebendige Bilder einer exotischen<lb break="yes"/>Natur schöpft, so beschränkt sich dieser Genuss nicht einzig auf das Majestätische, welches diese Bilder in den<lb break="yes"/>Formen, dem Reichthume und der wilden Ueppigkeit des Bodens darbieten; er wirkt gleichzeitig auf die<lb break="yes"/>Intelligenz zurück und erinnert uns an einen innigen Zusammenhang zwischen der Vertheilung der Pflanzen<lb break="yes"/>und den Einflüssen des Klimas; welche beide von der Höhe der Hochebenen und der geographischen Breite<lb break="yes"/>abhängig sind. Grade dieser Zusammenhang macht das uns anfänglich nur pittoresk Erscheinende durch die<lb break="yes"/>Wunder und charakteristischen Züge der Vegetation, die er uns darbietet, lehrreich und fruchtbar an Betrach-<lb break="no"/>tungen für das Gebiet der physischen Geographie.</p>
                <lb break="yes"/>
                <p>Bevor ich auf die Anmuth eingehe, welche über die reizenden Blätter verbreitet ist, die Sie aus den<lb break="yes"/>tropischen Gegenden Südamerika&#x2019;s mitgebracht haben, glaubte ich den Gesichtspunkt feststellen zu müssen,<lb break="yes"/>von welchem aus ich die Herausgabe Ihrer mir freundlichst mitgetheilten Zeichnungen als nützlich<lb break="yes"/>und wünschenswerth betrachte. Aufgefasst mit einen schönen Talente, getragen von einem tiefen Naturgefühle<lb break="yes"/>werden diese glücklichen Conceptionen ein um so lebhafteres Interesse erregen, als sie Gegenden betreffen,<lb break="yes" />welche noch gar nicht von ausgezeichneten Künstlern besucht worden waren. Im Allgemeinen hat man sich<lb break="yes"/>erst seit nur wenigen Jahren mit Vorliebe mit der Darstellung der grossen Naturformen der &#x00C6;quatorialzone<lb break="yes"/>und ihrer mannigfaltigen Gruppirung in Hinsicht auf den physiognomischen Charakter beschäftigt. Ihr<lb break="yes" />Werk ist durchaus würdig neben denen Ihrer berühmten Vorgänger zu erscheinen.</p>
                <lb break="yes"/>
                <p>Da ich mehrere Jahre mit meinem vortrefflichen Freunde Bonpland am Abhange der grossen Cordillera de<lb break="yes"/>los Andes und in denselben Gegenden, die Sie besucht, gelebt habe, so muss ich Ihnen das Zeugniss der<lb break="yes" />wunderbaren Naturwahrheit geben, womit Sie nicht nur das Innere der Urwälder der heissen Zone, sondern<lb break="yes"/>auch die einen ganz verschiedenen Charakter darbietende <hi rendition="#i">Alpenvegetation</hi> der Cordilleren glücklich dargestellt<lb break="yes"/>haben. Nicht damit zufrieden, die Typen der grösseren Gewächse aufzufassen und sie deshalb in den Vordergrund<lb break="yes"/>zu stellen, haben Sie auch die <hi rendition="#i" >Individualität</hi> und seltsame Verschlingung der Wurzeln oberhalb dem Boden, wovon<lb break="yes"/>die Wälder unserer gemässigten Zone kein Beispiel darbieten, anschaulich gemacht. Die Ansichten von dem<lb break="yes" />Cordillerenpasse <hi rendition="#i">auf dem Paramo von Quindiù</hi> werden Ihrem Werke ein grosses Interesse verleihen. Die Breite<lb break="yes"/>der von Thälern und Schluchten durchbrochenen Kette ist so bedeutend, dass ich, da ich keine Lust hatte, mich<lb break="yes"/>auf einem kleinen Bambusstuhle auf dem Rücken der Eingebornen tragen zu lassen, vier und zwanzig Tage<lb break="yes" />gebraucht habe, um zu Fuss von der kleinen Stadt Ibagué nach Carthago zu gelangen. Den höchsten Punkt des<lb break="yes"/>Weges, den Punkt der Wasserscheide, fand ich 1798 Toisen (10788 Par. Fuss) über dem Spiegel der Südsee<lb break="yes"/>erhaben. Es ist die <hi rendition="#i">Garita del Paramo,</hi> wo wir in einer tragbaren Hütte von grossen <hi rendition="#i" >Marantaceenblättern</hi> fast 600<lb break="yes"/>Fuss über dem Gipfel des &#x00C6;tna unser Lager aufschlugen. In einem viel südlicheren Cordillerenpasse, <hi rendition="#i">auf dem<lb break="yes"/>Paramo del Assuay</hi> (2°<formula notation="TeX">\frac{3}{4}</formula> südl. Br.) zwischen den Städten Alausì und Cuen&#x00E7;a fand ich den höchsten Punkt des<lb break="yes" />Weges in der <hi rendition="#i">Ladera de Cadlud</hi> 2428 Toisen (14568 Par. Fuss) hoch, also fast in gleicher Höhe mit dem Gipfel<lb break="yes"/>des Montblanc. <hi rendition="#i">Der Paramo de Quindiù</hi> bot mir das ausserordentliche Phänomen einer Palmengruppe dar,<lb break="yes"/>welche man unter die <hi rendition="#i">Alpenpflanzen</hi> rechnen kann. Zu dieser Gruppe gehören die <hi rendition="#i">Wachspalme</hi> (<hi rendition="#i">Ceroxylon<lb break="yes"/>Andicola</hi>), der <hi rendition="#i">Palmetto del Azufral</hi> (<hi rendition="#i">Oreodoxa frigida</hi>) und die <hi rendition="#i">Can&#x0303;a de la Vibora</hi> (<hi rendition="#i">Kunthia montana</hi>). Während die<lb break="yes"/>Familie der Palmen im Allgemeinen unter den Tropen nur bei einer mittlern Temperatur von 22° und 24° des<lb break="yes"/>hunderttheiligen Thermometers vegetirt und am Abhange der Cordilleren nur bis zu einer Höhe von 2000 bis<lb break="yes"/>2500 Fuss hinaufsteigt, beginnen dagegen die ebengenannten Alpen-Palmen im Quindiù bei einer nördlichen<lb break="yes"/>Breite von 4° 26&#x2032; bis 4° 34&#x2033; erst in einer Höhe von 6000 Fuss und steigen bis 9000 Fuss. Diese Region ist in<lb break="yes"/>dieser Breite noch um 5400 Fuss von der <hi rendition="#i" >untern</hi> Schneegrenze entfernt, und in ihr sinkt nach meinen Beobach-<lb break="no"/>tungen das Thermometer in der Nacht oft bis 4°, 8 und 6° über dem Gefrierpunkte herab. Sie haben das grosse<lb break="yes"/>Verdienst, zuerst die charakteristischen Züge der Wachspalme dargestellt zu haben, jener schlanken und<lb break="yes"/>majestätischen Palme, welche nach den Stämmen, die ich abhauen liess, eine Höhe von 160 bis 180 Fuss<lb break="yes"/>erreicht.</p>
                <lb break="yes"/>
                <p>Die Zusammengesellung der Wachspalme mit <hi rendition="#i">Coniferen</hi> (<hi rendition="#i">dem taxusblättrigen Podocarpus</hi>) und mit <hi rendition="#i">Eichen</hi>
                    <lb break="yes"/>(<hi rendition="#i">Quercus Granatensis</hi>), die unsern nordischen ähnlich sind, bildet einen ebenso merkwürdigen Contrast, als die<lb break="yes"/>Mischung der Palmen mit <hi rendition="#i">Tannen</hi> (Pinus occidentalis) und dem <hi rendition="#i">Mahagonibaum</hi> (<hi rendition="#i" >Swietenia Mahagoni</hi>) der<lb break="yes"/>
                    <pb n="ii" facs="#f0002"/> heissen Regionen der <hi rendition="#i">Isla de Pinos,</hi> südlich von Cuba, und in dem <hi rendition="#i">Pinal del Cayo de Moya</hi> nördlich von Cuba,<lb break="yes"/>wie schon Columbus in seinem Reisetagebuche vom Monat November 1492 &#x2018;mit Erstaunen&#x2019; bemerkt. Typen,<lb break="yes"/>welche wir <hi rendition="#i">nördliche</hi> nennen, indem wir sie ausschliesslich den kalten oder gemässigten Gegenden zuschreiben,<lb break="yes"/>wiederholen sich in den tropischen Gegenden Amerika&#x2019;s und des Indischen Archipels mit demselben <hi rendition="#i" >Habitus,</hi>
                    <lb break="yes"/>aber in ganz verschiedenen <hi rendition="#i">Arten.</hi> Grade dieser Umstand hat mich in einem meiner frühesten Werke zu dem<lb break="yes" />Ausspruche veranlasst, dass es dem unter dem &#x00C6;quator lebenden Menschen, wo Klimate und Hochebenen<lb break="yes"/>gleichsam schichtenweise über einander gelagert erscheinen, gegeben ist, alle am Himmelsgewölbe glänzenden<lb break="yes"/>Sterne und fast alle Formen der Pflanzenwelt mit <hi rendition="#i">einem</hi> Blicke zu umfassen.</p>
                <lb break="yes"/>
                <p>Die Ansicht des Vulcans von Tolima, welche man auf mehreren Punkten des östlichen Theiles des Quindiù<lb break="yes"/>geniesst, hat zu einem Ihrer pittoreskesten Bilder (auf Blatt III.) Veranlassung gegeben. Der sehr regelmässig<lb break="yes"/>geformte Vulcan, welcher sich wie der Cayambé unfern Quito in einem abgestumpften Kegel erhebt, bildet den<lb break="yes"/>Hintergrund der Landschaft, während man auf dem Vordergrunde den Boden mit einer unendlichen Fülle von<lb break="yes"/>baumartigen Farren, Heliconien und Passifloren, welche die Bäume bis zum Gipfel umranken, überwuchert<lb break="yes"/>sieht. Es ist ein grosser Vorzug Ihres Werkes, dass Sie durch die Sorgfalt eines ausgezeichneten Botanikers,<lb break="yes"/>meines Freundes und Collegen an der Berliner Academie, Dr. Klotzsch, im Stande gewesen sind, mit Genauigkeit<lb break="yes" />die botanischen Namen einer grossen Anzahl von Species Ihren mahlerischen Ansichten beizufügen. Als Director<lb break="yes"/>der grossen Sammlungen des Königlichen Herbariums hat dieser Gelehrte Bonpland&#x2019;s und meine Mittheilungen<lb break="yes"/>über die Angabe der Localitäten wie Kunth&#x2019;s Beschreibungen in unsern <hi rendition="#i">Nova Genera et Species Plantarum</hi> zu<lb break="yes"/>Rathe ziehen können. Durch eine Lichtung des Waldes wird in Ihrer schönen Zeichnung die grosse<lb break="yes" />Schneemasse des Tolima am Horizonte sichtbar; sie hebt sich vom Blau des Himmels in einer täuschenden<lb break="yes"/>Nähe ab. Der Vulcan Tolima hat durch einen furchtbaren Ausbruch vom 12 März 1595 die ganze Provinz<lb break="yes"/>Mariquita verwüstet. Seit dieser Zeit schien er erloschen. Der berühmte Chemiker Boussingault in Begleitung<lb break="yes"/>des Botanikers Goudot hat ihn bis zu einer Höhe von 13248 Fuss erstiegen, um die Zusammensetzung der<lb break="yes"/>aus den Spalten des <hi rendition="#i" >trachytischen</hi> Gesteins, welches aus einer Formation von Glimmer-und Hornblendeschiefer<lb break="yes"/>hervortritt, aufsteigenden Dämpfe zu erforschen. Vor wenigen Jahren ist der Vulcan von neuem in Thätigkeit<lb break="yes"/>gewesen. Er verdiente um so mehr eine Stelle in Ihrem Werke, und in meinen <hi rendition="#i">Vues des Cordillères,</hi> als er mir<lb break="yes"/>der höchste Gipfel der ganzen nördlichen Hemisphäre der neuen Welt zu sein scheint. Nach der von mir<lb break="yes"/>im Thale von Carvajal westlich von Ibagué angestellten trigonometrischen Messung ist der Tolima 17010<lb break="yes"/>Fuss hoch also 384 Fuss höher, als der grosse mexicanische Vulcan Popocatepetl.</p>
                <lb break="yes"/>
                <p>Indem ich mit Ihnen, von der Höhe der Cordilleren, in die Tiefländer des Magdalenenthales hinab-<lb break="no"/>steige, gereicht es mir zur grossen Freude, Ihnen dasselbe Zeugniss der Naturwahrheit und des Talentes, den<lb break="yes"/>landschaftlichen Character aufzufassen, geben zu können. Da meine lästige Fahrt auf diessem grossen Strome<lb break="yes"/>56 Tage währte, so habe ich Zeit gehabt die Vertheilung der Pflanzen an demselben kennen zu lernen.</p>
                <lb break="yes"/>
                <p>Das aufrichtige Interesse, welches ich für Sie hege, veranlasst mich Ihnen zu rathen, Ihren interessanten<lb break="yes"/>Zeichnungen, gleichviel in welcher Manier radirt oder lithographirt, jenen skizzenartigen Character zu lassen,<lb break="yes"/>der ihnen ursprünglich eigen ist. Alles, was man später zu Gegenständen hinzufügt, die man in einer<lb break="yes"/>glücklichen Stimmung aufgefasst hat, raubt der Zeichnung etwas von ihrer Lebendigkeit. Ich will nicht damit<lb break="yes"/>sagen, als ob nicht die technische Vollendung einer sorgfältigen Zeichnung an Ort und Stelle die Wirkung<lb break="yes"/>und Treue des landschaftlichen Characters vermehren könne; aber ein Reisender auf schneller Wanderung<lb break="yes"/>durch schwer zugängliche Gegenden ist selten in der Lage, mit Ruhe vollenden zu können. Reisen in einen<lb break="yes" />schönen Theil des Orients, die Sie vor Ihrer Fahrt nach Neu-Granada zu machen so glücklich gewesen sind,<lb break="yes"/>waren für Sie eine treffliche Vorbereitung, mit Talent in verschiedenen Erd-Zonen den Natur-Character der<lb break="yes"/>Formen aufzufassen, welche die wahren Elemente der Schönheit einer Landschaft sind.</p>
                <lb break="yes"/>
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                    <hi rendition="#i">Potsdam, Mai,</hi> 1853.</dateline>
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