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Titel [Über die Vulkane von Quito]
Jahr 1837
Ort Berlin
Nachweis
in: Bericht über die zur Bekanntmachung geeigneten Verhandlungen der Königl. Preuß. Akademie der Wissenschaften zu Berlin 2 (1837), S. 33–38; 3 (1838), S. 85–86; 4 (1839), S. 245–253.
Postumer Nachdruck
Briefwechsel Alexander von Humboldt’s mit Heinrich Berghaus aus den Jahren 1825 bis 1858, 3 Bände, Leipzig: Hermann Costenoble 1863, Band 2, S. 206–215.
Entsprechungen in Buchwerken
als „Zweite Abhandlung. (Vorgelesen in der Sitzung der Akademie der Wissenschaften zu Berlin am 10 Mai 1838“, in: Alexander von Humboldt, Kleinere Schriften. Geognostische und physikalische Erinnerungen, Stuttgart/Tübingen: Cotta 1853, Band 1, S. 39–71 [Überarbeitung].
Sprache Deutsch
Schriftart Antiqua
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: V.72
Dateiname: 1837-xxx_Ueber_die_Vulkane-1
Statistiken
Seitenanzahl: 17
Zeichenanzahl: 34144
Bilddigitalisate

Weitere Fassungen
[Über die Vulkane von Quito] (Berlin, 1837, Deutsch)
Über die Vulkane von Quito (Berlin, 1837, Deutsch)
Geognostische und physikalische Beobachtungen über die Vulkane des Hochlandes von Quito (Leipzig, 1837, Deutsch)
Geognostische und physikalische Beobachtungen über die Vulkane des Hochlandes von Quito (Stuttgart, 1837, Deutsch)
Description géognostique et physique des volcans du plateau de Quito (Paris, 1838, Französisch)
Extrait d’un mémoire de M. de Humboldt sur les Volcans du plateau de Quito (Paris, 1838, Französisch)
Une Description géognostique et physique des volcans du plateau de Quito (Paris, 1838, Französisch)
Sur les volcans du plateau de Quito (Paris, 1839, Französisch)
Observations géognostiques et physiques sur les volcans du plateau de Quito (Paris, 1839, Französisch)
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9. Februar. Gesammtsitzung der Akademie. Hr. v. Humboldt las eine erste Abhandlung über dieVulkane des Hochlandes von Quito.

Wenn Vulkanismus, im weitesten Sinne des Worts, alle Er-scheinungen bezeichnet, die von der Reaction des inneren flüssig-gebliebenen Theils eines Planeten gegen seine oxydirte, durchWärmestrahlung erhärtete Oberfläche abhängen, so können nurwenige Erdstriche das Schauspiel von dem mannichfaltigsten Zu-sammenwirken vulkanischer Kräfte in einem gleichgroßen Maß-stabe darbieten, als das Hochland von Quito. Die geognostischenBeobachtungen, welche Hr. v. Humboldt mittheilt, sind seinen |34| noch ungedruckten Tagebüchern entnommen. Zur Bestimmungdes relativen Werthes dieser Beobachtungen ist zu beachten, daßorographische Beschreibungen auf zwei ganz verschiedenartigenFundamenten beruhen, von denen die einen abhängig von derZeit, von dem jedesmaligen Zustande unseres mineralogischen undallgemein physikalischen Wissens, von dem sich höher entwickeln-den Geiste der Geognosie, die anderen durch Beziehung auf bloßräumliche Verhältnisse (auf Größe und Stellung) unveränderlichund, wenn etwa Natur-Revolutionen die Configuration der Erd-oberfläche umgestalten, um so wichtiger sind, als sie die Mög-lichkeit einer numerischen Vergleichung in dem Resultate derUmgestaltung gewähren. Wo strenge Unterscheidung der Forma-tionen nach zoologischen Characteren, das ist, nach dem epochen-weisen Zusammenleben vorweltlicher Organismen, oder nachoryktognostischen Characteren, das ist, nach der Natur der kry-stallinischen Gewebe einer Gebirgsart, erheischt werden, verliertdie aufgezeichnete Beobachtung, wenn sie der Zeit und den An-sichten entrückt wird, unter deren Einfluß sie angestellt wurde,von ihrer Bestimmtheit und ihrem wissenschaftlichen Werthe.Sie kann jedoch durch spätere Untersuchung mitgebrachter Samm-lungen einigermaaßen ergänzt und berichtigt werden. Ein ande-rer Theil der aufgezeichneten Beobachtungen, der topographische,räumlich beschreibende, ist dagegen unabhängig von der Epochedes Einsammelns. Er bezieht sich auf Bestimmung der mittlerenAxe und der ganzen Gestaltung eines Gebirges, auf astronomischePositionen, auf barometrische und trigonometrische Hypsometrie;er beruht auf den alten Grundfesten mathematischen Wissens. Die Abhandlung des Hrn. v. Humboldt zerfällt in zweiAbschnitte. Der erste enthält allgemeine Betrachtungen über dieStructur der Andeskette, ihre Absonderung in zwei oder dreineben einander hin laufende, durch Hochthäler getrennte, durchQuerjöcher im Bergknoten verbundene, gleichsam gegliederteReihen: er zeigt den Parallelismus der einzelnen Cordilleren un-ter sich, wobei das abscharende nordöstlich streichende Trummder Cordillere von Neu-Granada und Merida, welche die ältereGebirgsspalte am Littoral von Caracas mit der neueren von Quitound Popayan verbindet, eine denkwürdige Ausnahme macht; eruntersucht den Einfluß, den die Sinuositäten der Südsee-Küste, |35| besonders im Golf von Arica (einer Wiederholung der Einbie-gung welche der ebenfalls pyramidale Continent von Africa indem Busen von Biafra bei Fernando Po darbietet) auf das plötz-lich veränderte Streichen selbst der ferneren östlichen Cordillereausüben. Betrachtet man die lange mauerartig hingedehnte Andes-kette, nördlich vom Amazonen-Strome, als ein Ganzes, so siehtman sie regelmäßig und fast periodisch die Nähe thätiger Vul-kane durch das plötzliche Auftreten gewisser Gebirgsarten ver-kündigen, welche die vormals sogenannten uranfänglichen, wiedie schiefrigen und sandsteinartigen Übergangs- und Flöz-For-mationen trennen. Ein so leicht zu beobachtendes Phaenomenmußte früh die Überzeugung anregen, daß jene sporadischenGebirgsarten der eigentliche Sitz vulkanischer Erscheinungen wä-ren und die vulkanischen Ausbrüche auf irgend eine Weise be-dingten. Was damals (um unter einem eingeschränkteren Gesichts-punkte hier bloß an die mineralogische Zusammensetzung zu er-innern) in Süd-Amerika als eine eigene Art quarzloser Grünstein-und Syenit-Porphyre beschrieben ward, nahm später die Benen-nung Trachyt an, durch welche die ältere, vielleicht characteri-schere des Domits verdrängt ward. Die neueste Zeit, die sicheiner völligen Umwandlung der Geognosie erfreut, hat gelehrt,daß jene durchbrechenden Massen (bald als kraterlose Glockenemporgehoben, bald durch die vulkanischen Mächte dergestalt ge-öffnet, daß eine permanente Verbindung zwischen dem Innerender Erde und dem Luftkreise gebildet wird) unter verschiedenenZonen nicht immer dieselbe Zusammensetzung darbieten. Es sindbald eigentliche Trachyte, welche der Feldspath characterisirt,wie am Pic von Teneriffa und am Sieben-Gebirge (wo sich et-was Albit dem Feldspath beigesellt), Feldspath-Trachyte, die alsthätige Vulkane häufig Obsidian und Bimstein erzeugen; bald Melaphyre, doleritartige Gemenge von Labrador und Augit;der Basalt-Formation näher stehend, wie am Aetna und Strom-boli, am Chimborazo und Pichincha; bald ist Albit mit Horn-blende vorherrschend, wie in den neuerlichst sogenannten An-desiten der Vulkane von Chili, in den schönen Säulen von Pi-sojè am Fuß des Vulkans von Puracé oder am mexicanischenVulkan von Tolucca; bald endlich sind es Leucitophyre, Ge-menge von Leucit und Augit, wie in der Somma, der alten Wand |36| des vesuvianischen Erhebungs-Kraters. Die gegenseitigen Verhält-nisse dieser Gesteinarten und die Wirkungen ihrer Gruppirungsind ein wichtiges Problem der allgemeinen Geognosie. Der zweite Abschnitt der Abhandlung ist der geognostischenBeschreibung der nächsten Umgegend der Stadt Quito und desVulkans von Pichincha, an dessen Abhange die Stadt erbaut ist,gewidmet. Viele offene, mannichfaltig verzweigte, meist wasser-leere Spalten, von den Indianern Guaycos genannt, durchschnei-den die Stadt. Sie sind 30-40 Fuß breit, gleichen unausgefülltenGangklüften und haben 70-80 Fuß Tiefe. Sie laufen (was geo-gnostisch wichtig ist und mit der Erhebung des Vulkans, dernicht kegelförmig ist, sondern einen 8000 Toisen langen Rückenbildet, zusammenhängt), alle rechtwinklich auf den Kamm des Ge-birges. Der Volksglaube schreibt es ihnen besonders zu, daß diehohen Wohngebäude und prachtvoll gewölbte Kirchen von Quitowenig von so häufigen und mit nahem unterirdischem Getösebegleiteten Erdstößen leiden. Mannichfaltige Erfahrungen in denvon den Klüften nicht durchschnittenen Stadtvierteln zeugen abergegen die Richtigkeit eines Volksglaubens, dessen schon römischeSchriftsteller erwähnen. Zur Erläuterung der drei geognostischenExcursionen, welche Hr. v. Humboldt auf den Pichincha machte,wurden Plane, pittoreske Ansichten und Profile vorgelegt, diesich auf eine trigonometrische Operation gründen, welche in derEbene von Cochapamba bei Chillo vorgenommen wurde. Da dieeinzelnen weit sichtbaren Gipfel, welche thurmartig den Gebirgs-kamm krönen, mit Sorgfalt barometrisch gemessen waren, sokonnte die hypsometrische Methode der Höhenwinkel und senk-rechten Standlinien angewandt werden, eine Methode, deren re-lative Genauigkeit bei wohlbestimmten Azimuthen, sich dem Ver-fasser dieser Abhandlung später in Bestimmung der Meridian-differenz von Mexico und Veracruz (Entfernung volle drei Längen-graden) bewährt hat. Temperatur, Wassergehalt, electrische Span-nung und Bläue der Atmosphäre wurden bei sehr heiterem Him-mel auf dem Gebirgskamm geprüft. Der Südpunct des Schnee-wassers fand sich zu 187°, 2 Fahr. (ohngefähr 68°, 9 Reaum.) aufeinem mit Bimstein bedeckten schmalen Kamme von Dolerit-Gestein, der den Kegel von Tablahuma, in 2356 Toisen Höhe,mit dem Pico de los Ladrillos (dem Ziegelberge) verbindet. Von |37| dem Bergrücken des Vulkans von Pichincha genießt man, in Süd-west, einer herrlichen Aussicht auf die mit einem fast undurch-dringlichen, menschenleeren Urwald (los Yumbos in der Governa-cien de las Esmeraldas) bedeckte Ebene, wie auf die Küste derSüdsee. Durch eine genauer ausgemittelte Längen-Differenz vonCallao und Guayaquil wurde die, von Malaspina’s Expeditionaufgenommene Carte der Küste berichtigt und so die Entfernung(88 Bogenminuten) des Theils des Littorals gefunden, welcherauf dem genannten Standpuncte sichtbar wird. Die Höhe desPichincha, die im Vergleich mit anderen Vulkanen von Quitosehr unbeträchtlich ist, da sie die Höhe des Montblanc wenigübersteigt und die Landstraße von Quito nach Cuenca und Limaim Bergpaß vom Assuay fast dieselbe Höhe erreicht, gewährteinen Gesichtskreis, dessen Halbmesser (ohne Refraction) 2° 13′beträgt. Dickes Gewölk stand über der heißen vegetations-reichen Ebene der Yumbos, die eine ungeheure Masse von Wasser-dampf in den Luftkreis ergießt. Ein bestimmter Meerhorizont,die Scheidung von Luft und Wasser, war nicht zu erkennen; mansah gleichsam in das Leere, weil die Quantität des, vom Wasserreflectirten Lichts zu gering ist, um auf einem so langen Wegedurch die (Licht absorbirende) Atmosphäre zum Auge zu ge-langen. Die tiefen Schluchten oder offenen wasserleeren Spalten,welche in rechtem Winkel dem Kamme des Pichincha zulaufen,machen dies Gebirge sehr unzugänglich. Die Reisenden (Hr. v. Humboldt, Aimé Bonpland und Don Carlos Montufar)fanden hier mehr Hindernisse, als auf dem schneebedeckten Gipfeldes Antisana, den sie kurz vorher bis zu mehr als 17000 FußHöhe erstiegen hatten. Die einbrechende Nacht, völlige Unkundedes Weges und tiefe Abgründe hinderten sie, auf dieser erstenExcursion bis zu der, von den französischen Astronomen nichtgemessenen südwestlichsten vierten Kuppe zu gelangen, zu derKuppe Rucu-Pichincha (2490 Toisen), aus der in den Jahren 1539,1566, 1577 und 1660 Flammen ausgebrochen sind. Der Krater,von drei Felsen kastellartig umschlossen, wurde erst bei derzweiten Excursion erreicht. Auch Blöcke hat der Berg, vielleichtschon bei seiner ersten Erhebung auf einer langen Spalte (Rich-tung: N 56° O) ausgestoßen. Sie liegen reihenweise in der EbeneRumipamba und kamen aus dem nordöstlichsten Thale der Condor- |38| geyer (Cundurguachana). Diesem Thale entspricht in einer gegen-überliegenden Hügelreihe eine andere Kluft, die in das tiefe Beckenvon Guapulo führt. |85|

10. Mai. Gesammtsitzung der Akademie. Hr. von Humboldt las eine zweite Abhandlung, ent-haltend: geognostische und physikalische Beobach-tungen über die Vulkane des Hochlandes von Quito.

In der ersten Abhandlung (gelesen am 3. Febr. 1837) wurdeder Zusammenhang geschildert, in dem die Gestaltung des vul-kanischen Hochlandes von Quito mit der sich durch 60 Breiten-grade gleichmäßig wiederholenden Gliederung der Andesketteund ihrer Querjöcher (Bergknoten) steht. Wie in der organi-schen Welt jedes tiefere Eindringen in den Entwickelungsgangund den Bau einzelner Organe neues Licht über das Ganze derLebenserscheinungen verbreitet, so spiegelt sich auch das ganzevulkanische Erdenleben in dem treu-entworfenen Bilde einzelnerFeuerschlünde. Aus der Einsicht in das Besondere entspringt derÜberblick des Ganzen und je einfacher und unbefangener mandas Beobachtete wiedergiebt, desto stärker tritt durch die eigene,jeder Individualität inwohnende Kraft der Naturcharakter derLandschaft, das Bild der bald schlummernden, bald wieder er-wachten Thätigkeit der tiefgespaltenen Erdrinde hervor. Die äußersten Punkte der Gruppe von Vulkanen, zu der dasHochland von Quito gehört (und diese Gruppe ist die nördlichstedes ganzen südamerikanischen Continents), sind der Vulkan San-gay und der Paramo de Ruiz. Trachyt-, Melaphyr- und Andesit-Gestein ist zwar auch außerhalb dieser Begrenzung hier und dasporadisch ausgebrochen, aber eigentliche Eruptionen glühenderSchlacken, Rauchsäulen und heiße Dämpfe (Abstufungen des nochthätigen, innern Wirkens der Erde) haben sich in den uns zugäng-lichen historischen Zeiten nur zwischen 2° südlicher und 5° nörd-licher Breite offenbaret. Die berühmte vulkanische Zone vonQuito, Pasto, Popayan und Cundinamarca hat die Länge von Mes-sina bis Venedig. Von ihrer nördlichen Grenze, das heißt vondem seit 1829 wiederentzündeten Paramo de Ruiz (nahe bei demgroßen Kegelberge Tolima) bis zum Anfang der vulkanischenGruppe von Costa-Rica und Guatemala findet sich, auf einer Aus-dehnung von 4\( \frac{1}{2} \) Breitengraden, ein zwar von Erdstößen oft er- |86| schüttertes, aber von Ausbrüchen bisher freigebliebenes Land.Eine bogenförmige Krümmung der Andeskette giebt dieser Mittel-zone eine Länge von 140 geographischen Meilen. Anders ist esgegen Süden. Der vulkanfreie Zwischenraum, welcher die zweifurchtbar-thätigen Gruppen von Quito und Bolivia (Alto-Perù)trennt, ist zwei Mal länger, als der vulkanfreie Zwischenraum imNorden. Vom Tunguragua und Sangay bis zum Charcani (nord-östlich von Arequipa) kennt man keinen brennenden Vulkan ineinem Abstande, der größer ist, als der von Messina bis Berlin.So verschiedenartig muß in einer und derselben Gebirgskette dasZusammentreffen von Umständen gewesen sein, von denen dieBildung permanent-offener Spalten abhängt. Zwischen denGruppen von Trachyt-, Dolerit- und Andesit-Bergen, durchwelche die vulkanischen Kräfte thätig werden, liegen Streckenzwei Mal so lang als die Pyreneen, in welchen Granit, Syenit,Glimmer- und Thonschiefer, Conglomerate und Kalkstein (nachLeopold von Buch: alte Kreide und Juraschichten) herrschen.Allmäliges Häufigerwerden von Labrador-, Pyroxen- und Albit-haltigen Formationen verkündigen hier dem aufmerksamen Rei-senden jeglichen Übergang der gleichsam in sich abgeschlossenen,friedlicheren, metallreichen Zone, in die noch frei mit demInnern der Erde communicirende Region. Nach diesen allgemeinen Betrachtungen untersuchte Hr. v. H.die Frage über die progressive Wanderung der vulkanischenThätigkeit (in der Gruppe des Pichincha und Cotopaxi) von Nor-den gegen Süden; er zeigt die allmälige Erweiterung der Er-schütterungskreise und nennt die einzelnen Vulkane, welche, ob-gleich weit von einander entfernt, doch in unterirdischer Ver-bindung mit einander stehen, da die ganze Provinz Quito als einvulkanischer Heerd zu betrachten ist und nach Seneca’s treflichem,alten Ausspruche „jeglicher Feuerberg nur der Weg der tiefer-liegenden vulkanischen Kräfte ist.” In ipso monte ignis non ali-mentum habet, sed viam. Die Abhandlung schließt mit der Er-zählung einer zweiten und dritten Besteigung des Pichincha, Ex-peditionen, in denen der Verfasser mit vieler Anstrengung an densteil abgestürzten, wiederentzündeten Crater gelangte, der seit La Condamine’s Zeiten nicht wieder besucht worden war.

|245|

23. November. Gesammtsitzung der Akademie. Hr. v. Humboldt las eine dritte Abhandlung enthaltend: Geognostische und physikalische Beobachtungenüber die Vulkane der Hochebene von Quito.

Die ersten zwei Abhandlungen, vorgetragen am 9. Februar 1837und 10. Mai 1838, entwickelten die gegliederte Construction derAndeskette, ihre Verhältnisse zu der Form des ganzen Continentsund die geognostischen Resultate von drei Besteigungen des Vul-kans von Pichincha, dessen noch entzündeter Krater seit 60 Jah-ren nicht besucht worden war. Die dritte Abhandlung enthält dieBeschreibung von drei großen Naturphänomenen, vom Einsturzedes Vulkans Capac-Urcu oder Altar de los Collanes imJahre 1462, eines Berges, der wahrscheinlich ehemals den Chim-borazo an Höhe übertroffen hat; von dem Einsinken des Carguai-razo im Jahr 1698, wobei viele Quadratmeilen mit schlammigem,kleine Fische (Pimclodus Cyclopum) enthaltenden Letten bedecktwurden, und endlich von der Catastrophe von Riobamba, das ist von einem die ganze Provinz verheerenden Erdbeben (4. Fe-bruar 1797). Das erste dieser drei Naturphänomene war fast ganzunbekannt geblieben, obgleich es im genauesten Zusammenhangemit der politischen Geschichte des Landes, mit der Eroberung desHochlandes von Quito durch den Inca Tupac Yupanqui steht; Hr.v. H. gründet seine Beschreibung auf die Traditionen der Einge-bornen und auf ein Manuscript, welches, um die Mitte des 16tenJahrhunderts, über die Schicksale seines Hauses der erste Christ(Juan Seplay Curi, Urenkel des letzten einheimischen Königsder Puruguay von Quito) niederschrieb. Die jetzige Gestaltungdes eingesunkenen Vulkans Capac-Urcu und die geognostischenVerhältnisse der Umgegend wurden mit dem verglichen, was inden Sagen des Landvolks sich noch erhalten hat. Des Bergsturzes desCarguairazo haben die französischen Akademiker zwar Erwähnunggethan, aber bei dem damaligen Zustande der physikalischen Wis-senschaften nicht die analogen Erscheinungen der Schlamm-Aus-würfe des Cotopaxi und Imbaburu zu deuten gewußt. Die großeCatastrophe von Riobamba, in welcher über 30,000 Menschen denUntergang fanden, und deren zerstörende Wirkungen die des Erd-bebens von Calabrien (5. Februar 1785) weit übertrafen, ist von |246| niemand beschrieben worden, der den Schauplatz jener Verhee-rungen und Umwandlungen selbst besuchen konnte. Der sonst sogenaue Botaniker Cavanilles hat allein in den Icones plantarumrariorum eine eben so kurze als ungenaue Notiz des Erdbebensvon Riobamba gegeben. Der Name des brennbaren Schlammes(Moya) wird sogar, in dieser Notiz, als der Name eines Bergesaufgeführt. Die Darstellung des Zusammenhanges vulkanischer Erschei-nungen erheischt das sorgfältigste Aufsuchen einzelner Thatsachen,sie mögen die Gestaltung der Oberfläche, die wechselnde Richtungder vulkanischen Thätigkeit, die Erweiterung oder temporäre Un-terbrechung der Erschütterungskreise, die Erhebung oder das Her-vortreten endogener Gebirgsmassen betreffen. „Wie in der or-ganischen Welt jedes tiefere Eindringen in den Entwickelungsgangund den Bau der einzelnen Organe neues Licht über das Ganze derLebenserscheinungen (gleichsam der Lebensprozesse) ver-breitet, so spiegelt sich auch das gesammte Erdenleben in demtreuentworfenen Bilde einzelner Feuerschlünde und oft erschüt-terter Länderstriche.“ Was in den einzelnen Thatsachen noch inscheinbarem Widerspruche mit früheren Abstractionen steht, mußdarum nicht immer als ein Beweis der Unsicherheit von die-sen betrachtet werden. Der Widerspruch hat oft nur seinenGrund in der Unvollständigkeit der Beobachtung selbst. Wennman schon viele Jahre lang, wie am Ufer stehend, auf den Stromwechselnder Meinungen und bestrittener Thatsachen herabblickt, sobleibt man von dem Gefühle durchdrungen, daß die Fortschritteder Naturwissenschaften weniger durch gewagte Abstractionen alsdurch unvollständig beobachtete Thatsachen gehindert wordensind, ja daß man sich jener leichter, als dieser entledigen kann.Die Geognosie hat sich aber, seit den letzten Jahrzehenden, vor-zugsweise eines Zustandes zu erfreuen, in dem aus den entfernte-sten Weltgegenden die chronometrische Reihung von Flöz- undTertiär-Gebirgsarten, die Aufzählung der organischen Reste,welche dieselben enthalten, die Schilderung der Trennung derSedimentschichten durch körnige endogene (plutonische undvulkanische) Gebilde, des Einflusses dieser Eruptions-Gebilde aufdie Lage und das Gewebe der durchbrochenen Massen, des Zusam-menhanges der vulkanischen Erscheinungen (als Erhebungs-Cra- |247| tere, Auswurfs-Kegel, Schlamm- und Gas-Quellen, Ausdehnungder gleichzeitigen Erschütterungskreise) in einen befriedigendenEinklang treten. Dieser vervollkommnete Zustand der Wissen-schaft, zu dem das jetzt allgemein gefühlte Bedürfniß geo-gnostischer Profile und geognostischer Karten so kräftig beigetra-gen, kann denen nicht entgehen, die das Neuere mit dem nochnicht sehr Veralteten zu vergleichen bemüht sind. Die Schärfeder Beobachtungen, denen die messenden und experimentirendenDisciplinen längst ihre unbestrittenen Vorzüge verdanken, ist inanderen Bestrebungen endlich auch ein nothwendiges Erfordernißgeworden, und während daß frühere Reisende in der Schilderungtropischer Klimate, der Verheerungen der Vulkane und der Wir-kungen des Erdbebens vorzugsweise das Sonderbare hervor-hoben, sucht, wenigstens die größere Zahl der neueren Reisenden,nach der Vorschrift des amasischen Geographen „das Wahremehr als das Erstaunliche zu sammeln.“ Die Hochebene von Quito gehört, wie Japan, die Insel Javaund, in einem kleineren Maßstabe, San Miguel der Azoren und Lan-cerote unter den Canarischen Inseln, zu den Theilen der bekann-ten Erde, in denen die Menschen, seit den frühesten Zeiten, amhäufigsten daran gemahnt wurden, daß die sogenannten Festen verschiebbar sind, daß unter der alten Erdrinde, vielleicht in nichtsehr großer Tiefe, noch dieselben Mächte walten, welche, entfes-selt oder minder eingezwängt, in urweltlicher Zeit, den ganzenContinenten, wie einzelnen Bergzügen, Form und Richtung, demLuftmeere seinen periodisch-fluthenden Druck und seine Mischung,den Typen des organischen Lebens üppige Fülle, epochenweis-wech-selnde Gestalten und doch schon eine fixe geographische Begren-zung gaben. Hr. v. H. untersucht nach einander die Analogien,welche Vulkane ohne eigentliche Lavaströme darbieten, er schil-dert geographisch und hypsometrisch den Schauplatz der großenErschütterungskreise in den nördlichen Anden, wie die Lage und Umgebungen des Capac-Urcu, dessen Einsturz eine der wich-tigsten Begebenheiten der politischen Geschichte des Hochlandesvon Quito, die Epoche des Unterganges der Nationalität eines ein-gebornen Volksstammes (der Puruguay), die Zerstörung des Reichsdes Conchocando vor Lican Guayña-Abomatta durch dievon Cuzco aus eindringenden Incas bezeichnet. Durch synchronisti- |248| sche Anknüpfung mehrerer Begebenheiten, besonders der erstenLandung des Franzisco Pizarro an der Insel Punà und des Todes-jahres des Incas Huayna-Capac, wird die große Catastrophe an dasJahr 1462 geknüpft. Man erhält wenigstens mit Gewißheit eine Fehlergrenze, ein numerisches Maximum, über welches hin-aus die merkwürdige Naturbegebenheit nicht gesetzt werden kann.Der jetzige Gipfel des Capac-Urcu (Altar de los Collanes) erreicht kaum noch 16,200 Fuß Höhe, aber wenn man sich die ge-neigten Hörner, Reste des alten Kraterrandes, verlängert und con-vergirend denkt, so erhält man allerdings einen Berg-Coloß, derhöher als der Chimborazo (21,100 F.), wenn auch nicht höher, alsder, von Pentland in Bolivia gemessene Sorata (23,690 F.) war.Die vulkanische Bergkette des Andes bietet, in physiognomischerHinsicht, drei pittoreske, aber sehr verschiedene Typen dar. DieseTypen bilden den Zauber des wundervollen Landes. Die thäti-gen Vulkane mit einem Feuerschlunde im Gipfel sind Kegelberge,wie der Cotopaxi; eine zweite Form sind hochgewölbte Dome,Alpenkuppeln, wie der Chimborazo; eine dritte Form sind die zer-rissenen Gipfel, die zackigen Ränder eingestürzter Crater, fast ca-stellartige Ruinen darstellend, Denkmäler alter Verheerung; so derCarguairazo, die Zwillings-Pyramiden des Ilinissa und der Altar, welcher, nach des Verfassers Ausspruch, in dem Contour seineseingesunkenen Feuerschlundes den großartigsten Anblick darbie-tet, den er in beiden Welttheilen gesehen. Auf der Hochebene vonTapia, 9042 Fuß über dem Spiegel der Südsee, von der neuenStadt Riobamba aus, ruht der Blick in Osten auf dem noch bren-nenden Vulkan Tungurahua, wie auf dem Altar de los Collanes, inWesten auf dem Chimborazo und Carguairazo. Wenn die Son-nenscheibe sich schon hinter die westliche Cordillere gesenkt hat,so glimmen auf, wie in röthlichem Feuer, die Schneemassen destiefeingeschnittenen Gipfels des Altar. Zwei Hörner erheben sichsymmetrisch zu beiden Seiten, sanft gegen einander geneigt, wahr-scheinlich die Form des alten Kegels andeutend. Diese Hörnerverbindet, nach hinten zu, eine niedere und jäh abgestürzte Felswand,von Norden nach Süden sich hinziehend. In der Mitte der Wandsteht eine thronartige Erhebung, im Umrisse stumpf ausgeschweift,mit zwei nach außen gesenkten sehr kleinen Seitenflügeln. Diesethronartige Erhebung hat die spanische Benennung des Berges |249| veranlaßt. Hr. v. H. legte der Academie eine sehr charakteristi-sche Zeichnung des Berges vor, die er seinem vieljährigenFreunde, Hrn. Schinkel, verdankt. Sie ist nach einer Skizzeausgeführt, welche der Verfasser der Abhandlung in dem Llanode Tapia entworfen hatte. Die Vergleichung dieses Berg-gipfels mit denen von zehen anderen Berggipfeln der Andes-kette, welche früher gestochen wurden, leitet auf Betrachtungenüber die Ursachen, die nach Winkelmessungen aufgetrageneContoure dem Anblick, welchen Berge tief am Horizont gewäh-ren, ganz unähnlich machen. Pittoreske Darstellungen sind ihrerNatur nach von Profilen völlig verschieden: es müssen die erste-ren so entworfen werden, wie die mit Schnee bedeckten odernackten Theile sich dem Auge darstellen, unbefreit von den Täu-schungen, welche die Farben-Contraste und die verflächt schei-nende Gestalt der Himmelswölbung in den Verhältnissen der Höheund horizontalen Ausdehnung hervorbringen. Alle physischen Ur-sachen der Täuschung bei domartigen Schneebergen, schroffenAlpenhörnern oder mit Wald bekränzten Bergrücken, unter ver-schiedenartiger Beleuchtung, bei Sonnenschein oder Mondenlicht,trockner oder mehr durchscheinender, regenverkündender At-mosphäre, sind noch nicht hinlänglich ergründet und doch beruht,in jeglicher Zone, die Mannigfaltigkeit des Naturgenusses, derewige Zauber einer Gebirgs-Landschaft, auf diesem lieblichenWechsel, der, uns selbst fast unbewußt, die Sinne täuschtund unsere Gemüthsstimmung bedingt. Der Beschreibung des Einsturzes des Capac-Urcu und dervieljährigen Erdbeben, welche ihn begleiteten, folgt die Beschrei-bung des Versinkens der Kraterränder des Carguairazo am 20. Ju-nius 1698 und der dadurch veranlaßte Ausbruch von Schlamm undtodten unterirdischen Fischen, Pimelodus Cyclopum. Das letztereluftverpestende Phänomen, wird mit vielen ähnlichen, die derneuesten Zeit angehören, verglichen. Zugleich untersucht derVerfasser das Maximum der Höhe, auf denen Alpenbäche undAlpenseen in der Andeskette und in den Pyrenäen Fische nähren. Die dritte Catastrophe, das Erdbeben von Riobamba (4. Fe-bruar 1797), ist nicht wie die beiden vorigen (1462 und 1698) vondem Einsturz hoher Berggipfel begleitet gewesen. Man hat mitUnrecht das Erdbeben von Riobamba als die Reaction eines ein- |250| zigen Vulkans (z. B. des Tungurahua) geschildert. Die vulkani-schen Mächte, welche erschütternd wirken, hausen unter demganzen Gewölbe des Hochlandes von Quito. Was wir dort ein-zelne Vulkane nennen, sind Öffnungen, die zu einem und dem-selben Heerde führen. Ignis in aliqua interna valle conceptusexaestuat, sagt Seneca sehr treffend, in ipso monte non alimentumhabet, sed viam. Wenn man einen allgemeinen Blick auf die geognostischeConstitution des Hochlandes von Quito wirft, in so weit es sichzwischen zwei Cordilleren, vom Bergknoten der vulkanischen Pro-vinz de los Pastos bis zu dem Querjoch des Assuay, in einer Längevon 50 geographischen Meilen, von Norden nach Süden hinzieht, sosind, bis auf wenige, aber sehr wichtige Ausnahmen, deren gleichbesondere Erwähnung geschehen soll, alle bisher untersuchten Mas-sen der Vulkane (namentlich die Massen des langen Rückens von Pi-chincha, des Gebirgsstocks von Antisana, des Cotopaxi, des Chimbo-razo, des einst feuerspeienden Yana-Urcu, der Gegend von Penipe,wie der von Riobamba-nuevo in dem Llano de Tapia, einer Ebene,welche die alten Ausbrüche des Capac-Urcu überdeckt haben) aus ei-nem porphyrartigen Gemenge von Augit und Labrador-Krystallen zu-sammengesetzt. Dieses Resultat gründet sich auf die neuesten Unter-suchungen, denen Hr. Gustav Rose die oryktognostische Zu-sammensetzung der Felsarten in der Sammlung, des Hr. v. H., wiein der sehr zahlreichen Sammlung des Hrn. Boussingault aus derHochebene von Quito und der Provinz de los Pastos, unterworfen hat.Da beide Reisende (Hr. v. H. und Boussingault) zu sehr verschiede-nen Zeiten und meist auf ganz verschiedenen Wegen zu den Berg-gipfeln aufgestiegen sind, so gewähren die abgeschlagenen Stückeein vollständigeres Bild der vorherrschenden Gesteine. Selbst derVulkan von Purace bei Popayan, 2\( \frac{1}{2} \) Grad nördlich von Quito, ge-hört noch zu diesen doleritartigen Gesteinen, die von eigentlichemTrachyt oder Andesit völlig verschieden sind. So mannigfaltig auchdie Farbe und Dichtigkeit der Massen ist, compact oder porös (vollkleiner Höhlungen und Risse), pechsteinartig, graulichschwarz undfettglänzend, wie am Cotopaxi, oder schwarz und zugleich ebenund matt, wie am Antisana, der allgemeine Charakter ist über-all derselbe und wird bloß modificirt durch die relative Menge desLabrador und Augit. Nur in einem Fragmente des Vulkan Tungu- |251| rahua, das Hr. v. H. in einer Höhe von 12,480 Fuß vomFelskamme von Guandisava abgeschlagen, hat Herr GustavRose den Augit durch Uralit ersetzt gefunden. Es ist dies daserste Mal, daß dieses Fossil, welches eine so große Rolle in demlanggedehnten Rücken des Uralgebirges spielt, dem Altai fehlt,aber in Tyrol bei Predazzo und Claussen vorkommt, in demneuen Welttheile erkannt worden ist. Eine ähnliche Ge-steinsverschiedenheit als der Tungurahua, ein einzelner vulkani-scher Kegelberg, darbietet, zeigt die Umgegend des alten durchdas Erdbeben von 1797 ganz zerstörten Riobamba. Bei der Stadtselbst, am Cerro de la Cantera, steht ein Gestein an von grünlich-grauer matter Grundmasse mit unebenem Bruche, enthaltend, wieam gewöhnlichsten im Hochlande von Quito, viele sehr kleineKrystalle von Labrador neben großen sparsam eingesprengten Kry-stallen von schwärzlichgrauem Augit, also wieder ein Dolerit-Ge-stein. Von diesem sehr verschieden, und deshalb um so merkwürdiger,hat sich eine andere Felsart gezeigt, welche in der Ebene (Exido)östlich vom Flüßchen Quilluyacu, also ebenfalls in der unmittelbarenNähe des alten Riobamba, gesammelt wurde. Diese letztere Felsartbesteht, nach Hrn. Gustav Rose’s Untersuchung, aus Hornblendeund zwei bis drei Linien langen sehr glänzenden Albit-Krystallen.Eine noch nicht ganz vollendete chemische Analyse hat in den für Albitgehaltenen Krystallen mehr Kalkerde gezeigt, als man sonst demAlbit, wie zufällig, beigemengt findet. Auch ein Bimstein des Co-topaxi, an dem Abhange dieses Vulkans, im Alto de Suniguaicu, infast 13,600 Fuß Höhe gesammelt, enthält Hornblende, die aber inden großen Bimsteinbrüchen (Lomas de Guapulo y de Zum-balica) unfern des Städtchens Lactacunga, ohngefähr drei geogra-phische Meilen in Südwesten vom Fuß des Cotopaxi nicht be-merkt wurde. In diesen unterirdischen Brüchen findet man demBimstein beigemengt nur schwarze oder tombackbraune, vielleichtspät entstandene Glimmerblättchen, wie kleine weiße Krystalle,die man für Albit halten kann. Die eben bezeichneten Verhältnisse, das Vorkommen derHornblende in einigen Massen vom alten Riobamba und im Bim-stein des Cotopaxi, wie die Abwesenheit der Augitkrystalle in allenvon Hrn. v. H. gesammelten Bimsteinen können mit vielem Rechteauf die Anwesenheit von Andesit zwischen den sichtbar allgemeiner |252| verbreiteten doleritartigen Gesteinen von Quito leiten. Ande-site (Gemenge von Albit und Hornblende) kommen in prächtigenSäulen bei Pisoje, nicht sehr fern von dem doleritartigen Vulkanvon Purace vor. Andesite erscheinen in der Andeskette nördlichvom Isthmus von Panama in dem mexikanischen Vulkan von To-luca. Vielleicht ist die große Bimsteinmasse der Steinbrüche vonZumbalica bei Lactacunga dem Cotopaxi ganz fremd, vielleicht ge-hört seine Bildung älteren Erscheinungen an, Revolutionen, beidenen sich noch nicht die Kegelberge erhoben hatten. Hr. Bous-singault läugnet das Vorkommen des Obsidians am Cotopaxi selbstund glaubt, daß die Obsidianstücke, die Hr. v. H. bei Mulalo, alsoin noch 1\( \frac{1}{2} \) Meilen Entfernung vom Cotopaxi gesammelt hat, undwelche die Königl. Mineralien-Sammlung enthält, weder den Aus-brüchen des Vulkans, noch den Anschwemmungen seiner Schnee-wasser zuzuschreiben sind. Wie nach den jetzt herrschenden Ansich-ten ganze Gebirgsketten oft das Product verschiedenartiger partiel-ler Hebungen zu sein scheinen, so mögen auch wohl, in mächtigenGebirgsstöcken, Felsarten von verschiedener Zusammensetzungeinander genahet worden sein. Neue Untersuchungen an Ort undStelle können allein Probleme der Lagerung und des relativen Al-ters befriedigend lösen. Durch Zergliederung des Einzelnen wer-den, wie ein geistreicher Forscher, Herr v. Dechen, sich aus-drückt, Felsarten, aber nicht Gebirgsformationen be-stimmt. Der Schluß der Abhandlung ist der Natur der Moya gewid-met, einer brennbaren Masse, welche an mehreren Punkten,besonders aber bei Pelileo und Igualata, während des Erdbebensvon Riobamba, breiartig und kleine fortschreitende Kegel bildend,aus dem Innern der Erde hervorgequollen ist. Nach Hrn. Ehren-bergs genauen microscopischen Zergliederungen besteht die Moya,welche Jahre lang den Indianern zum Kochen der Speise gedienthat, beinahe zur Hälfte aus Trümmern verkohlter organischer Ge-bilde. Drei Tafeln wurden vorgezeigt, welche diese Trümmer dar-stellen. Reste von dicotyledonischen Pflanzen sind allerdings auchunter die Labradorkrystalle der Moya vertheilt, aber die Haupt-masse der Kohle bildenden Fragmente gehört zerstörten Gräsernzu. Diese Fragmente enthalten deutlich sichtbar lange Spalt-öffnungen, und sehr charakteristisch die wellenförmigen Zellrän- |253| der in der Epidermis der Stängel und Blätter der Gramineen.Auch Kieselschalen von Infusionsthierchen (Navicula und Fragila-ria) hat Hr. Ehrenberg in der Moya erkannt. Die Mengungder gekohlten Pflanzenreste mit den losen Labradorkrystallenist so gleichförmig und innig, daß die räthselhafte Moya vonPelileo eine Schicht zerstörten Labrador-Gesteins zu sein scheint,eine Schicht, die, in alten Erdrevolutionen, am Abhang der Vulkanemit den Trümmern von Pflanzentheilen und thierischen Kiesel-panzern geschwängert und, wie der Bimstein der Thalebene, durchWasser abgesetzt wurde. Das ganze weite Becken von Hambatobis Pelileo ist mit diesen Sedimentlagen angefüllt: tief vergrabenund überschüttet, wird die Moya durch die propulsive Kraft derErdstöße an die Oberfläche emporgedrängt, wo ihre fortschrei-tende Bewegung oft den Hütten der Eingebornen verderblichgeworden ist.