Wenn auch nicht durch unmittelbare Messungen erwiesen, so ist es doch durch die Untersuchungen A. von Humboldt's sehr wahrscheinlich geworden, daß in dem nordatlantischen Ocean, zwischen den Parallelen von 20° und 45°, ein weit gestrecktes Seehochland liege, dessen Meeresspiegel bei den Seefahrern seit Entdeckung der Neüen Welt unter dem Namen des "Mar de Sargasso" bekannt ist. "Es ist gegenwärtig" -- beginnt Hr. v. Humboldt die Untersuchung, welche ich mit seiner Erlaubniß hier wörtlich benutzen darf, -- "eine allgemein verbreitete Meinung unter den Seefahrern, daß im Normal- Zustande des Impulses, die mehr isolirten westlichen Azoren Corvo und Flores in dem Golfstrome , Pico und Fayal aber an dem östlichen Saume desselben liegen, da der Strom von Nantucket bis zum Long. 32° W. fast ununterbrochen von W. nach O. fließt, dann plötzlich, aus noch unergründeten Ursachen, gegen S. umsetzt und sich unter Lat. 35°, im Meridian von Pico, verliert. Dieser Strom warmen Wassers, der seinen frühesten Impuls einer Strömung in der südlichen Hemisphäre, den von Madagaskar aus über die Nadelbank und um das Vorgebirge der guten Hoffnung wirbelnden Wassern, und einem Stoß gegen die vorspringende brasilische Küste beim Kap St. Roque verdankt, nimmt erst von der Spitze von Florida bis zur Bank von Neüfundland eine nordöstliche, von da bis gegen die westlichsten Azoren eine östliche und zuletzt eine südliche Richtung an." Obwol bisher noch nicht von den Strömungen des Meeres die Rede gewesen ist, so kann eine allgemeine Kenntniß derselben füglicher Weise wol vorausgesetzt werden. -- B. "Betrachtet man diese Gegend, zwischen Long. 401/2° und 421/2° W. südlich vom 45sten Parallel, gleichsam als den Ausfluß, die Mündung, des Golfstroms, so wird dadurch scheinbar die Meinung begünstigt, als sei die dort befindliche Anhaüfung von See-Tang, eine lange und schmale Fucus-Zone, welche sich von N. gegen S., von dem Parallel von Corvo bis zu dem Parallel der Capverdischen Inseln hinzieht, ein Auswurf oder eine Anschwemmung des oceanischen Flusses warmen Wassers. Man glaubt nach dieser Ansicht, der Golf-Strom sammele erst (wirbelnd) in dem Mexikanischen Meerbusen, dann in der Bahama-Straße, den See- Tang während seines Laufs und deponire denselben da, wo er als Strom verschwinde. Es ist nach meiner eigenen Erfahrung keineswegs zu laügnen, daß besonders an seinen Rändern fast in seiner ganzen Länge das Flußbette des Golfstroms, so weit ich es auf vier Seefahrten (von der Küste von Caracas nach dem Kap S. Antonio der Insel Cuba, von Vera Cruz längs der Küsten von Louisiana nach der Havana, von diesem Hafen durch die Bahama-Straße nach Philadelphia, und von da über den südlichen Theil der Bank von Neüfundland bis in den Meridian der Outer- oder False-Bank) in mehr als 5600 Seemeilen Länge beschifft habe , mit zahllosen, der Richtung des Stroms parallelen Streifen von Fucus natans gefüllt ist; aber wenn auch jener Ansicht über das allmälige Zusammenschwemmen des See-Tangs und über die Entstehung der weit ausgedehnten Fucus-Bank westlich von den Azoren, der auch Rennell (bedingungsweise) beitritt, keine physiologisch-botanischen Gründe direkt entgegenstehen, so ist doch nicht einzusehen, warum nicht auch nahe Untiefen zu jener Anhaüfung mit beitragen sollten. Der größte Theil Tangs südwestlich von den Azoren ist frisch und in voller Vegetation, als wäre er eben erst den Felsen entrissen, und das Senkblei ist so selten in jenen Tangreichen Regionen ausgeworfen worden, daß man wohl vermuthen kann, die zwei Inselgruppen der Azoren seien nicht die einzigen vulkanischen Hebungen, welche dort der Meeresboden erfahren. Eine Gegend nördlich vom 40sten Parallel und N.W. von Corvo scheint mir besonders für den Zuwachs zu zeügen, den die Tangmenge auch aus nahen Untiefen erhält. In dieser Gegend befindet sich zwischen Lat. 40° und 46° W. das nördliche Ende der großen Azorischen Fucus-Bank. Die Richtung des Tang-Streifen ist dort von S.W. nach N.O. und er durchsetzt dammartig und bleibend die südostwärts fließenden stark bewegten Wasser des Golfstroms, wie man auf Rennell's Karten deütlich sehen kann." Nach der Temperatur des Meerwassers zu urtheilen, verließ ich den Golfstrom in der Nacht vom 15. zum 16. Juli 1804 zwischen Lat. 43° 24', Long. 48° 4': Meer 21°,0, Luft 22°,7, um 7 h Abends. Der nördlichste Rand des Golfstroms war durch Eismassen, die sich kurz vorher in diesen Gegenden gezeigt, und durch eine Strömung von N. her (von False-Bank) erkältet. Lat. 43° 21', Long. 46° 0': Meer 18°,8, Luft 22°,7, um 4 h Abends. Noch schwamm viel Fucus natans umher. Ht. "Ich habe ehemals selbst, nicht auf eigene Erfahrung, sondern auf die Zeügnisse von Turner und Lamouroux gestützt, die Meinung für die wahrscheinlichere gehalten, es können die Fucusarten keine neüen Zweige treiben, wenn sie von der Wurzel getrennt umherschwimmen. Aber die physiologische Betrachtung, daß alle Theile der Algen fast gleichmäßig leben, und daß der Fucus natans (Sargassum natans, Lamouroux) aus dem Gestein des Seebodens mittelst seiner wurzelartigen Wulst, die ihm nur als klauenartige Stielverlängerung zum Anheften zu dienen scheint, wol schwerlich irdische Nahrung ziehn, hat mich schon längst in meiner früheren Meinung wankend gemacht. Allerdings mögen die Sporen der Thalassiophyten, in Mucus gehüllt, von der Oberfläche des Meeres durch ihre Schwere herab zu Boden fallen, und sich dort, wie Martius und Candolle glauben, an Felsen anheften. Neben dieser Art der Fortpflanzung und Vermehrung ist aber eine andere wahrscheinlich und auf Analogie der Süßwasser-Algen gegründet. Meyen vermuthet, daß der See-Tang freischwimmend vegetirt und sich in neüe blattartige Lappen ausdehnt, eine Vermuthung, die schon Theüberg ausgesprochen, ohne sie physiologisch zu begründen. Bei den Baucherien und bei Polysperma glomerata hat der scharfsichtige Meyen gezeigt, daß zwei Fortpflanzungen Statt finden durch die Sporen der eigentlichen Früchte und durch die, welche im Innern der Schlaüche selbst vorhanden sind. Viele dieser Algen tragen nie Früchte, sondern die Entwickelung neüer Individuen beruht auf der Astbildung. "Bei keinem einzigen Exemplare der Tausende von Fucus natans (identisch mit Sargassum vulgare und S. bacciserum, Agardh), die ich im Sargasso-Meer sammelte, heißt es in dem Bericht der Reise um die Erde auf dem Preüßischen Schiffe Prinzessin Louise, habe ich Früchte gefunden, während die Pflanzen, welche ich an der Küste Brasiliens erlangte, immer mit Früchten bedeckt waren. Ich glaube, daß jener schwimmende Tang nie festgesessen hat. Frei im Wasser haben sich seine jungen Keime entwickelt, und Wurzeln und Blätter, aber beide von gleicher Beschaffenheit, nach allen Seiten ausgetrieben. Bei den Süßwasser-Algen bedingt sich gegenseitig die Bildung der Frucht und der Wurzel. Die Wurzel der Tangarten ist wie die der Conferven nur eine in Entwickelung gehemmte Frons."" "Es ist nicht uninteressant zu bemerken, daß die Meinung, frische blättertreibende Algen des Meeres müßten ihrem Geburtsort ganz nahe sein, dem großen Entdecker Christoph Colon eigenthümlich war. Wir sind jetzt glücklich genug, die Beobachtungen dieses geistreichen, die kleinsten Erscheinungen scharf auffassenden Seefahrers fast so zu lesen, wie er sie bei dem ersten Eindruck des Gesehenen gleich niederschrieb. Colon's Journal der ersten Entdeckungsreise ist für die so merkwürdige Permanenz der großen Fucuslagen westlich von Corvo, ich meine für die, seit viertehalbhundert Jahren unveränderte Örtlichkeit der großen Fucus- Wiese (die keine contourlose unbestimmte Fläche, wie man fälschlich sagt, sondern einen ziemlich scharf begränzten von N.N.O. gegen S.S.W. gedehnten Streifen bildet) sehr wichtig. Am 16. September 1492 zeigten sich dem kühnen Seefahrer (Lat. 28°, Long. 351/2° W.) die ersten Fucus- Massen in abgesonderten Massen. "Das Kraut," sagt Colon (er bedient sich nie der Portugiesischen Benennung Sargasso), "war so grün, daß man schließen konnte, es sei erst ganz vor kurzem von dem Boden losgerissen; auch glaubten alle (meine Seeleüte), daß wir nahe einer Insel wären, ich sage einer Insel, nicht dem Kontinente (von Asien) der tierra firme: denn," setzt der Admiral sonderbar apodiktisch hinzu: "das feste Land finde ich erst weiter vorwärts." Die Fucus-Art karakterisirt Colon specifisch durch kleine Früchte, die denen der Pistazie gleichen. So oft er des vielen See-Tangs im Schiffsjournale erwähnt, unterscheidet er, wie neüere Seefahrer, ob der Tang alt oder frisch ist, oder beides zugleich. " "Wenn man betrachtet eines Theils den geringen Abstand der durch Colon beschriebenen Tang-Wiese von den Inseln Corvo und Flores, andern Theils die Reisen, die man lange vor Colon von den Azoren gegen N.O. unternahm (Pedro de Velasco, ein unternehmender Seemann aus Palos, schiffte von Flores nach Irland, volle 40 Jahre vor 1492), so wird es mehr als wahrscheinlich, daß bei den haüfigen Stürmen des Azorischen Meeres, welche die Schiffe von ihrer beabsichtigten Fahrt abführten, das Phänomen einer lokalen Anhaüfung von See-Tang lange vor der ersten großen Entdeckungsreise der Spanier, diesen und den Portugiesen bekannt sein mußte......... Wie sollte von 1449 bis 1492, bei dem damals regen Unternehmungsgeiste, das Mar de Sargasso nicht befahren worden sein? Auch spricht Colon in seinem Reise-Journal, als er auf der Rückkehr von der ersten Entdeckungsfahrt sich den Azoren nahet (7. Febr. 1793), von einem See-Tang, der dieser Region eigenthümlich und von dem vorher gesehenen verschieden ist." "Die Benennung "Mar de Sargasso," womit die alten Portugiesischen und Spanischen Seefahrer seit dem 15ten Jahrhunderte die See- Tang-reiche Meer-Region zwischen den Azoren und den Bermuden belegen, ist sehr unbestimmt. Rennell ist in seinem großen Werke über die Atlantischen Meeresströmungen der in meiner Reise nach der Äquatorial- Region (1814) aufgestellten Meinung, daß es zwei Gruppen von zusammengedrängtem frischen See-Tang zwischen den Meridianen der Azoren und der Bahama-Inseln gebe, beigetreten. Die erste und größte dieser Gruppen ist der Längenstreifen von Flores und Corvo, dessen ich so eben erwähnt habe. Er schließt weder Corvo noch das um 51/2 Bogenminuten westlicher liegende Eiland Flores ein , wie es die bewegten warmen Wasser des Golfstroms thun. Der östliche Rand der Fucus-Bank bleibt im Mittelzustande vom Meridian von Corvo (Long. 33° 31' W.) entfernt bei Lat. 391/2° und 41° in Westen fast vier Längengrade, bei Lat. 30° und 20° dagegen 71/4° und 33/4°. Rennell hat eine große Menge von Beobachtungen gesammelt, dem zufolge ich die östlichen und westlichen Gränzen der Fucus-Bank von Flores und Corvo folgender Maßen finde: Trotz dieses Umstandes des Nicht-Einschließens halte ich die Benennung "Fucus-Bank von Flores und Corvo," insofern sie die Nähe dieser Inseln bezeichnet, für karakteristisch und empfehlenswerth. -- Ht. Ostgränze Westgränze im Parallel Long. 37° 25' 42° 15' W. Lat. 20° 40 10 44 28 " 25 40 50 44 50 " 30 42 20 44 50 " 35 37 15 42 20 " 40 31 40 32 15 " 45 "Die nordöstlichste Erstreckung des Tang-Streifens scheint im Meridian von Fayal selbst fast 21/4° östlich vom Meridian von Corvo, im Parallel von 46° zu liegen. Das südlichste Ende beobachtete Kapt. Birch im Februar 1818 in Lat. 19 2/3 ° bei Long. 391/4° W. Nach der Art, wie diese numerischen Verhältnisse, die von den Fehlern der Ortsbestimmung wol nicht ganz gereinigt werden konnten, erhalten sind, muß man die östlichsten und westlichsten Längen unter verschiedenen Breitengraden nicht als gleichzeitige Ränder der Fucus-Bank, sondern als die Gränzen betrachten, zwischen welchen die Beobachtungen bei verschiedenen Zuständen des Meeres schwanken. Im Mittelzustande scheint demnach die Achse des Streifens bei Lat. 20° in Long. 40° W. 30 " " 43 40 " "393/4 46 " "311/4 zu liegen. Die Richtung der Achse ist von dem Parallel von Corvo nördlich ungefähr N. 42° O. Südlich von diesem Parallel behält sie bis zu Lat. 35° fast dieselbe Richtung, doch mehr S.S.W. -- N.N.O.; südlicher als 35° weicht bis Lat. 25° die Richtung wenig vom Meridian ab und wendet sich sogar bis zum Parallel von 20° wieder allmälig gegen S.O., so daß in Lat. 20° und 40° die Fucus-Zone fast in denselben Längengraden liegt. Diese Schilderung ist ganz und allein nach den von Rennell gesammelten Thatsachen. Evans bemerkt, daß die größte Anhaüfung von Tang zwischen den Parallelkreisen von 30° und 36° ist. In südlichern Breiten gegen 20° sagt Rennell (und wir werden gleich sehen, wie richtig diese Bemerkung ist,) dehnt sich der Tang weit gegen O. aus und scheint mehrere parallele Lager zu bilden." "Ich werde jetzt einige noch unbenutzte Ersahrungen anführen, um zu beweisen, wie Strömungen und Winde jene Gränzen der Fucus-Bank von Corvo zu gewissen Jahreszeiten verändern. Labillardiere bemerkt, daß er von Lat. 25° und Long. 31° an (also fast im Meridian der Azorischen Insel Fayal) gegen N.N.W. steüernd, in einer Strecke von mehr als 140 Myriametern (750 geogr. Meilen) das Meer mit einer unbeschreiblich dicken Masse von Fucus natans bedeckt fand. Die angegebene Distanz würde das nördliche Ende dieser Fucusmenge für Labillardiere's Schiff ungefähr in Lat. 363/4° und Long. 35 1/8 ° setzen, in eine Gegend, wo Rennell eine abgesonderte Tang-Insel angiebt. Diese Beobachtung einer sonderbar östlichen Verbreitung des Fucus natans in niederen Breiten, zwischen den Parallelen von 25° -- 35° und 31° -- 35° westlicher Länge findet einige Bestätigung in dem handschriftlichen Schiffsjournale meines Freündes, Hrn. Lichtenstein. Auf seiner Rückreise vom Vorgebirge der guten Hoffnung fand er die ersten Massen Ende April 1806 unter Lat. 18° 55' und Long. 35° 37' W.; aber bei stiller See und gleichmäßig frischem Winde aus N.O. wurden die Massen immer dichter zwischen 191/2° -- 221/4° Breite und 353/4° -- 361/4° W. Länge, so daß drei Tage lang "der Ocean stellenweise wie eine Wiese mit Fucus, in dem der Lophius und Scylläen hausten, bedeckt war." Nördlicher als der Parallel von 223/4° und noch bei Long. 36° verschwand der See- Tang plötzlich, und das Meer blieb davon frei bis zur Insel Pico. Hr. Lichtenstein segelte also von Lat. 223/4° an diesseits des östlichen Randes der Bank von Flores und Corvo, um von 36° nach 30° 48' westliche Länge, unter welcher die Insel Pico liegt, zu gelangen. Auch Bory de St. Vincent sah fast ununterbrochen Streifen von Fucus natans seit Lat. 231/2° und Long. 35° bis Lat. 35°. Leider fehlt die Längenbestimmung für den letzten Punkt. Ich selbst habe am Ende des Monats Juni 1799, auf meiner Schifffahrt von der Corunda nach Cumana, bei frischem O.N.O. Winde zwischen Lat. 20° 24' -- 20° 8' N. und Long. 27° 45' -- 28° 50' W., also nordwestlich von den Capverdischen Inseln, und 8° östlich von dem Punkte, den Rennell für das südöstlichste Ende der großen Fucus- Bank hält, sehr viel schwimmende Tang-Gruppen beobachtet." Noch um einen drittel Grad südlicher, als Hr. Lichtenstein, sah man am Bord der Prinzeß Louise "ein wenig Seegras treiben," am 29. Juni 1829 in Lat. 18° 35' S., Long. 36° 16' W. Dies ist der südlichste Parallel, in welchem der Fucus natans wahrgenommen worden ist. Weitere Beobachtungen desselben Schiffs und anderer Preüßischen Seehandlungs-Schiffe habe ich im geographischen Almanach für das Jahr 1837 (Stuttgart, Hoffmann'sche Verlagsbuchhandlung) mitgetheilt. -- B. "Diese anomalen Thatsachen, welche dem Major Rennell unbekannt geblieben, sind mehrfacher Deütung fähig. Allerdings ist das südliche Ende des Fucus-Streifens von Corvo von den Capverdischen Inseln (in O.S.O.) noch über 600 Seemeilen entfernt, und die Richtung der Strömung um diese Inseln (gegen S.W. und W.S.W.) entgegnet der oft geaüßerten Vermuthung, als kämen die Tangmassen, die man oft, doch aber immer nur in mäßiger Menge, auf der großen Handelsstraße von Spanien nach Trinidad und Caracas zwischen Lat. 19°--22°, und schon Long. 28°--291/2° antrifft, vor den Inseln S. Antonio und Bonavista. Labillardiere's Beobachtung leitet auf die Frage, ob die große Fucus- Zone von Corvo, die im Mittelzustande in Long. 40° und 41° liegt, durch N.W. Stürme und Strömung getrieben, zuweilen 6° bis 7° östlicher vortritt, oder aber ob es nicht vielmehr in den Lat. von 24° und 34° gleichzeitig mehrere vorliegende Tang-Streifen giebt, deren einer, und zwar der östlichste, in der Richtung, in der Labillardiere steüerte, durchschnitten ward. Lichtenstein's Erfahrungen weichen weniger auffallend von dem Normalzustande ab. Otto von Kotzebue erwähnt in seiner Reisebeschreibung des Sargasso-Meeres nicht, aber der vortreffliche Naturforscher dieser Expedition, Adalbert von Chamisso, hat nur in seinem Tagebuche aufgefunden, daß der Rurick auf der Rückkehr nach Eüropa die ersten Tangmassen am 22. Mai in Lat. 20° und Long. 371/2° W. zu durchschneiden anfing; in Lat. 23° und Long. 381/4° (am 24. Mai 1818) wurden sie sehr haüfig und dick. Man verlor sie aus dem Gesicht, als man in Lat. 35° 42' und Long. 371/2° (S.W. von Flores) gelangte. Folgende Zahlen bestimmen genauer die Örtlichkeit der Beobachtungen nach Horner's Angaben: 22. Mai Lat. 19° 59' Long. 37° 30' W. 23. 21 40 38 35 24. 23 06 39 11 25. 25 23 39 20 26. 27 39 39 30 27. Mai Lat. 30° 04' Long. 39° 44' W. 28. 32 37 38 55 29. 34 34 38 15 30.... 35 42 .... 37 32 "Der Rurick fand also die große Tang-Zone von Corvo eben da, wo Birch, Alsager, Hamilton und Livingston sie 1818 -- 1820 gesehen hatten. Eben so Meyen auf der Rückreise von Canton im Jahre 1832. Die ersten bedeütenden Massen des Seegrases erschienen in Lat. 20° und Long. 36° 20': die Menge nahm zu im Parallel von 24° und Long. 391/2°. Das Maximum war Lat. 35° und 36° bei Long. 431/4° W. Diese Angaben stimmen vollkommen mit dem, was wir oben als den Normal- Zustand geschildert haben, überein. Um so befremdender ist es mir, daß Admiral Krusenstern, fast mitten durch diese Zone hinsteüernd (Juni 1806) Lat. 27° 25' Long. 40° 29' W. 3034 43 30 3732 41 06 und so nach überaus genauen Längenbestimmungen des See-Tangs gar nicht erwähnt . Allerdings bleibt das Phänomen einer grünenden Oberfläche ungesehen, wenn man auch nur wenige Meilen vom Rande des Streifens hinsegelt. Eine genaue Untersuchung des Gegenstandes lehrt, daß man genau unterscheiden muß zwischen dem eigentlichen großen Längenstreifen von Corvo, dessen Hauptachse die Meridiane von 40° und 43° durchschneidet, und dem mit Tangbündchen mehr oder weniger dicht erfüllten Meere, das östlich von jenem großen Längenstreifen zwischen den Parallelen von 20° und 35° sich bis zum 32sten Längengrade, ja bis zum Meridian von Fayal erstreckt. Die Existenz dieser sporadischen Massen und vorliegenden Streifen, auf welche die Schiffer treffen, die vom Vorgebirge der guten Hoffnung nach Eüropa heimkehren, beweisen die Beobachtungen von Krusenst. Reise, II. 422 -- 424. Aber aus Horners Tabelle des specifischen Gewichts des Meerwassers sieht man, daß die Nadeschda zwischen Lat. 25° und 26° und Long. 391/4° W. "von Seegras, mit dem das Meer weit umher bedeckt ist, umgeben war." (Bd. III., 151. 153.) Diese Angabe stimmt ziemlich mit dem überein, was wir für den Normal-Zustand halten. -- Ht. Lichtenstein .......... Lat. 191/2° Long. 353/4° -- Lat. 221/4° Long. 361/4° Bory de St. Vincent .... 231/2 35 Freycinet (Exped. der Urania) 28° 31' 35° 55' -- 36° 01' 35° 44' Duperrey (Exped. d. Coquille) 29 54 32 45 -- 31 35 31 07 D'Urville (Exp. de l'Astrolabe) 24 51 32 39 -- (26 2033 39 2905 30 53 Gaudichaud (Rückreise v. Chili) Lat. 273/4° Long. 373/4° -- Lat. 29° Long. 351/2° Labillardiere ......... 25 31 -- 361/2351/2 "Die zweite und kleinere Gruppe von See-Tang liegt in S.S.W. und S.W. der Bermuden. Wie mir nach neüern Untersuchungen scheint, kann man ihre Gränze im Mittelzustande also angeben: Lat. 25° -- 31°, Long. 68° -- 76°. Die Hauptachse ist ungefähr N. 60° O. gerichtet. Man durchschneidet sie, wenn man von den Bermuden nach dem Baxo de Plata (Caye d'Argent) im Norden der Halbinsel Samana von Haiti, segelt. Ein sehr erfahrner spanischer Seemann, der mich von der Havana im Mai 1804 bei sehr stürmischer See durch die Bahama-Straße nach Philadelphia führte, hat mich versichert, in der kleinen Fucus-Bank im Westen von den Lucayischen Inseln zusammenhangende Tangmassen von 3/4 bis 1 Seemeile Länge gesehen zu haben. Bei schwachem Winde hinderten sie sehr bemerkbar den Lauf des Schiffes." "Um sich ein vollständiges Bild von der Vertheilung dieser gesellschaftlich lebenden Thalassiophyten zu machen, muß man noch eine Meer- Zone betrachten, welche zwischen Lat. 25° und 311/2° N. die große Bank von Flores und Corvo, den schmalen von N. gegen S. gerichteten Streifen, mit der kleinern, mehr inselförmig abgerundeten, südwestlich von den Bermuden verbindet. Diese vermittelnde Zone ist zu jeder Jahrszeit in der ungeheüern Erstreckung von mehr als 1000 Seemeilen mit parallelen schwimmenden, aber freilich wenig angehaüften Lagen von Fucus natans in theils frischem, theils sehr veraltetem Zustande erfüllt, so daß ein Schiff nicht vom 44° bis zum 68° der Länge, von der großen Bank zur kleinern, gegen W. segeln kann, ohne nicht fast von Stunde zu Stunde Bündeln von zerstreütem See-Tang zu begegnen. Bisweilen erreicht in sehr westlichen Längen das scattered weed den Parallel von 341/2° und nähert sich dem östlichen Rande des Golfstroms." "Will man die Benennung "Mar de Sargasso" auf diese ganze Gegend von Corvo bis zu den Bermuden und dem Meridiane der Lucayischen Insel Eleüthera ausdehnen, so erhält man für einen Raum, der haüfig aber nicht gleichzeitig mit See-Tang gefüllt ist, über 65,000 deütsche Quadratmeilen, fast sechs Mal so groß als Deütschland." -- [A. von Humboldt Abhandlung über Meeresströme (Manuscript)]. Wir wenden uns zu den Strömungen des Großen Oceans. Das ungeheüre Becken, welches diese Wasserfläche füllt, ist bei weitem noch nicht in dem Maaße bekannt, wie das Atlantische Meer; indessen läßt eben diese Großartigkeit des Raumes es erwarten, daß, wie die Luftströme eine gewisse Regelmäßigkeit darbieten, so auch den Meeresströmen nicht die Manchfaltigkeit und Verschlingung eigen sein wird, welche in dem oceanischen Engthal zwischen den Westküsten der Alten und den Ostküsten der Neüen Welt nachgewiesen worden sind. Von den Strömungen des Stillen Meeres nimmt die längs der Küste von Südamerika fließende unsere Aufmerksamkeit zunächst in Anspruch. "Wie die Existenz und allgemeine Richtung des Golf-Stroms" -- heißt es in Hrn. v. Humboldt's oben schon mehrfach benütztem Manuscript -- "Jahrhunderte lang den eüropäischen Schiffern vor der Temperatur bekannt waren, so war auch in der Südsee, seit den frühesten Zeiten des beginnenden Verkehrs zwischen Chili, Lima und Guayaquil, das Dasein einer großen Meeresströmung von S. nach N. und N.N.W. beobachtet worden. Nur die niedrige Temperatur dieser Meeresströmung und der wichtige Einfluß derselben auf, die, fälschlich der Nähe der schneebedeckten Cordilleren zugeschriebene, Kühle der Peruanischen Küsten waren bei meiner Ankunft an dem Littoral der Südsee völlig unbekannt. Franklin hatte schon 1775 die Hoffnung geaüßert, "daß Physiker wol einst im Ocean Flüsse kalten Wassers entdecken würden, welche Wasser hoher Breiten den niedern zuführen, wie er gezeigt habe, daß die mexikanischen Golfwasser umgekehrt, aus niedern Breiten höheren zuströmend, einen Theil der empfangenen Tropen-Wärme dem Azorischen, ja selbst dem Cantabrischen Meere mittheilen." Fast dreißig Jahre vergingen, ehe diese Hoffnung des großen Mannes erfüllt wurde, da zwischen La Condamine's und meiner Expedition jene Weltgegenden nur in botanischer und astronomisch-geographischer Hinsicht durch Ruiz und Pavon, wie durch Alessandro Malaspina's Begleiter durchforscht worden waren." "Wir überstiegen zum vierten Male die hohe Andeskette im Septemder 1802, als wir, Hr. Bonpland und ich, aus dem obern Lauf des Amazonen-Stroms unfern der Catarakten von Tomependa in der Provinz Jaen de Bracameros über das Plateau von Caxamarca uns nach Lima begaben, um dort oder im Hafen Callao den ersten Merkurs-Durchgang dieses Jahrhunderts zu beobachten. Seit 18 Monaten von den Küsten des Atlantischen Oceans entfernt, hatte ich eine große Sehnsucht, das Stille Meer zu sehen und dort, in der südlichen Hemisphäre, die Beobachtungen über die Meerestemperatur fortzusetzen, welche mich in der nördlichen so lebhaft beschäftigt hatten. Auf dem majestätischen Paramo de Guamani, der von der Meeresküste noch 32 deütsche Meilen entfernt ist, und ungefähr 2300 t absolute Höhe hat, wurde die Südsee mehr geahnet als gesehen. Aber auf dem beschwerlichen Pfade von der alten Berg- und Inga-Stadt Caxamarca nach der neü-peruanischen Küstenstadt Truxillo erblickt man zum ersten Male deütlich das Südmeer von einer Höhe, die kaum 1700 t beträgt, westlich von dem Dorfe Guangamarca in einer räthselhaften, auch durch ihre ungeheüre Mächtigkeit berühmt gewordenen Flözquarz-Formation. Man steigt auf dem Rücken der Cordilleren auf- und abwärts, lange in der Hoffnung, endlich das Meer zu erblicken, getaüscht, bis man auf eine Felsmauer etwa 650 t über Guangamarca gelangt. Die horizontale Entfernung dieses Punktes von der Küste beträgt an 48 Bogenminuten oder 45600 t , wenn ich meine kronometrischen Längenbestimmungen zum Grunde lege. Das Littoral, die sandige, fast ganz vegetationslose, nie von Regen getränkte niedere Zone, das peruanische Cuntisuyu, erreicht man erst jenseits der Chorillos, bei dem Dörfchen Cascas, von Gebüschen der blattlosen Colletia umgeben, nahe den Ruinen von Chimaca, Bauwerke, die nicht den Ingas, sondern dem Gran Chimbo von Mansiche ihr altes Dasein verdanken." "Das erste Geschäft eines reisenden Physikers, wenn er nach langer Abwesenheit in Gebirgsgegenden an die Meeresküste gelangt, ist die Bestimmung der Barometerhöhe und der Temperatur des Wassers. Ich war mit letzterer beschäftigt in der Gegend zwischen Truxillo und Guaman, bei Callao de Lima und auf der Schifffahrt von Callao nach Guayaquil und Acapulco in einer Strecke des Stillen Meeres von mehr als hundert deütschen Meilen. Zu meinem größten Erstaunen fand ich das Meer an der Oberfläche unter Breiten, wo es außerhalb der Strömungen 26° bis 28°,5 ist, bei Truxillo, Ende Septembers, 16°,0; bei Callao, Anfang November, 15°,5. Die Luft-Temperatur war in der ersten Epoche 17°,8, in der zweiten 22°,7, also (was wichtig zu bemerken ist) 7° wärmer als der Ocean in der Strömung. Die Luft konnte also nicht das Meer erkältet haben, und ohne noch eine nähere Kenntniß von dem Klima von Lima oder der Epoche zu haben, in der die "Garua" herrscht, d. h. in der die Sonne von einer Nebelschicht verschleiert ist und Monate lang eine scharfbegränzte rothgelbe mondartige Scheibe darbietet, faßte ich schon in Truxillo, bei der ersten Annäherung an die Küste, die seitdem durch viele Seefahrer bestätigte Ansicht, daß die peruanische Strömung eine Polar- Strömung sei, welche, von hohen Breiten niedern zueilend, den Hauptsinuositäten der Küste und N.N.W. Richtung folgt, und daß die große Temperirtheit des peruanischen Küsten-Klima, ich kann sagen die empfindliche Kälte, welche man mitten in den Tropen und wenige Fuß über dem Meeresspiegel erhaben in der sogenannten Wüste des Baxo-Peru erleidet, ihren Grund in der geringen Meereswärme und der gehemmten Wirkung der Sonnenstrahlen während der Garua (drei- oder viermonatlicher Verschleierung der Himmelsdecke) hat." "So oft ich im Oktober und November die Meerestemperatur um Callao prüfen konnte, war sie zwischen 15°,5 und 16°,0, bei Nacht kaum 0°,4 kälter als bei Tage; nur einige Male sank sie auf wenige Stunden auf 15° und 143/4° herab, wenn (was in diesem sonst so friedfertigen Theile der Südsee karakteristisch ist und von vielen Küstenbewohnern als Folge submariner vulkanischer Regungen betrachtet wird) bei dem heitersten Himmel und völliger Windstille ein ungemein hoher und hohler Wellenschlag plötzlich an der Granitküste zu branden beginnt. Wahrscheinlich hatte diese letztere Temperatur-Erniedrigung von 143/4° dieselbe Ursache, welche nach meinen Vorstellungen die Wasser über einer Sandbank erkältet. Bei der tiefen, vielleicht vulkanischen Aufregung des Oceans mischen sich untere Wasserschichten mit den obern, wie sie durch Stoß ansteigend auf eine Sandbank, gleichsam auf das Plateau einer submarinischen Insel gelangen. Auf eine ähnliche Weise habe ich im mexikanischen Meerbusen bei Vera Cruz die Meereswärme sinken sehen, ehe noch der Nordsturm selbst an der unwirthbaren Küste gefühlt ward. Dies Sinken war, wie die Störung der regelmäßigen stündlichen Barometer- Veränderungen, ein Vorbote des Sturmes (de los Nortes), der hier nicht Wasser höherer Breiten herbeiführt (die Stärke der süd-nördlichen Strömung in der Bahama-Straße macht dies unmöglich), sondern das Meer aufwühlt und die kältern Wasser der Untiefen zwischen den Tortugas und den Mündungen des Rio del Norte und des Mississippi herbeiführt. Von der sogenannten Erhitzung des Meeres bei heftigem Wellenschlage, welche wahrscheinlich nach theoretischen Ansichten von Reibung und Leüchten die Alten annahmen, und die auch der sonst so verdienstvolle Peron vertheidigt, habe ich in Stürmen nie etwas beobachten können. "Vom Anfang des Monats November bis zum Ende des Decembers sah ich die Temperatur der Südsee allmälig zunehmen; sie wuchs bis 21°,0 und die Regelmäßigkeit dieser Zunahme wird vollkommen durch spätere, von meinem Freünde Duperrey im Jahre 1825 gemachte Temperatur-Versuche erwiesen. Den 25. December 1802 segelte ich vom Callao nach Guayaquil, um dort ein Schiff zu suchen, das mich an die westliche Küste von Mexiko bringen könnte. Auf dieser ganzen Schifffahrt hatte ich Gelegenheit, die Verbreitung der kalten Meeresströmung, gegen N.W., und den merkwürdigen Einfluß, den dieselbe von dem am meisten gegen Abend vorspringenden Theile von Südamerika zwischen Punta Tarinna und Cabo Blanco erleidet, zu beobachten. Die Konfiguration der Peruanischen Küste bietet zwei Mal, erst unter dem 18° und dann unter dem 5° der Breite, in dem konkavesten und dem konvexesten Theile ihrer Kurve, Punkte dar, welche in der westlichen afrikanischen Küste der Konvexität des Grünen Vorgebirges und der Konkavität des Golfs von Biafra korrespondiren. Diese Wendepunkte des Littorals, und zwar Wendepunkte westlicher Küsten, deren eine, die amerikanische, in der südlichen, die andere, die afrikanische, in der nördlichen Hemisphäre liegt, modificiren durch ihre Erdstellung gegen den Ocean und die herrschenden Winde gleichzeitig die Meeresströmungen, das Klima und den Karakter der Vegetation. In dem Neüen Welttheile ist diese Einwirkung der westlichen Küstenrichtung und Kontinental-Form um so mächtiger, als sie hier (und nur hier allein) einer nahen hohen Bergkette, der der Andes, genau parallel laüft. Folgendes enthält Thatsachen und Meinungen, die sich mir zuerst darboten und wie ich sie auf dem Meere niederschrieb: -- ""Die Strömung begünstigt dermaßen an diesen Küsten jede Fahrt von Süden nach Norden, daß man leicht in 4 bis 5 Tagen vom Callao nach Guayaquil, in 8 bis 9 Tagen von Valparaiso nach dem Callao (Entfernung über 400 deütsche Meilen) schifft, wenn man zu dem Rückwege, gleichsam stromaufwärts, mehrere Wochen, ja in einzelnen Fällen Monate braucht. Auf meiner Fahrt war die Temperatur-Erhöhung der kalten Strömung, wie ich mich dem Äquator näherte, bis 41/2° S. Breite, nicht sehr bedeütend, kaum von 1°,2. Das Meer zeigte, so lange wir in der Strömung waren, zwischen 21°,0 und 22°,5. Die Besorgniß, daß trotz der großen Tiefe des Meeres an der peruanischen Küste die Nähe der Küste selbst die Temperatur des Oceans könne modificirt haben, wurde bald entfernt, da ich auf offenem Meere, 25 bis 30 deütsche Meilen von dem festen Lande entfernt, die Wasser auch noch 21°,0 wie zwischen dem Callao und der Insel San Lorenzo fand. Die Strömung wendete sich plötzlich bei dem Vorgebirge Cabo Blanco gegen Westen, und wir geriethen nun in wenigen Stunden von Wassern zu 20°,4 und 20°,6 in Wasser von 27°, ein Unterschied von zwölf Fahrenheit'schen Graden. ""Völliger Mangel von Regen und völlige Abwesenheit elektrischer Explosionen, oder wie die Küstenbewohner, trotz der Garua oder nebeligen Umhüllung der Himmelsdecke, rühmend sagen, la serenidad perpetua del Peru (die ewige Heiterkeit von Peru), längs des von Erdbeben so oft und so schrecklich heimgesuchten Littoral in der langen Strecke von 25 Breitengraden von Coquimbo bis zur Höhe von Amotape oder Cerritos de la Brea. Dieser sonst unbedeütende, aber als klimatische Gränze so wichtige Hügel liegt nördlich von Chira zwischen Punta Parinna und Cabo Blanco, ein Vorgebirge, welches spanische Küstenfahrer spöttisch el Cabo de Hornos de los Cholos nennen, weil das Meer in seiner Nähe gewöhnlich sehr hohen Wellenschlag hat und die von Guayaquil kommenden jenseits dieses Vorgebirges zuerst einen starken und kühlen S.W. Wind zu fühlen anfangen. Auch wir haben seit dem 30. December, wo wir das Cabo Blanco umschifften, aber von S. nach N., trotz der sonst so gleichförmigen Temperatur der Seeluft, eine ausfallende klimatische Veränderung gespürt. Das Fahrenheit'sche Thermometer, dessen ich mich bediene, stand in den höhern südlichen Breiten den 30. Decbr. noch um Mittag beim heitersten Himmel nur zwischen 70° und 74° (21°,0 und 23°,3), während, daß am 31. Decbr. südlich von der Felseninsel Mortajado es schon um 9 h Morgens, und dazu bei dunstigem Himmel und verschleierter Sonne, auf 80° (26°,7) stieg. Der Boden nördlich von dem Hügel von Amotape ist kaum 100 bis 130 t höher als die südliche Ebene: nichts läßt sich unmittelbar aus den Lokalverhältnissen dieses klimatischen Gränzpunktes erklären; seine Wichtigkeit scheint allein durch die allgemeine Richtung der Cordilleren und ihr Verhältniß zu den Winden bestimmt zu sein. Nur der mehrjährige Aufenthalt eines Physikers an diesem Gränzpunkte, einer wahren Wetterscheide, würde uns befriedigen können über die Fragen, warum man nördlich Regengüsse, Gewitter und eine üppige Vegetation in der Ebene (gegen Guayaquil hin) zu finden anfängt, wenn südlich Regen- und Vegetationslosigkeit, Mangel elektrischer Explosionen und der sonderbare Anblick des Himmels während der Garua-Monate zwischen der Küste und den Cordilleren herrschen. Jetzt, da der Boden einmal südlich vom Cerro de Amotape von aller Pflanzendecke wüstenartig entblößt ist, während daß nördlich, bei Guayaquil, in der feüchten Provinz de las Esmeraldas und im Choco das Littoral mit Urwäldern dicht bedeckt ist, begreift man, wie die so verschiedene Beschaffenheit der wärmestrahlenden Erdoberfläche auf Bildung, Zug und Entladung der Wolken zwischen der Andeskette und dem Ufer der Südsee fortwährend wirken können. Aber eine solche Betrachtung erklärt eher das Fortbestehen der gegenwärtigen Verhältnisse der Atmosphäre, als das Beginnen eines solchen Zustandes des Himmels in Hinsicht auf Temperatur, Dürre, elektrische Spannung, periodische Verdunkelung der Himmelsdecke und gehinderte Verbreitung (Wanderung) der Pflanzen. Der Bewohner des Baxo-Peru, südlich von der Anhöhe Amotape, sieht Wetterleüchten an dem fernen Abhange der Cordilleren, aber kennt das Rollen des Donners so wenig als der Grönländer. Wegen der lockern Bauart seiner Haüser würde ihn der Regen mehr als das Erdbeben schrecken, wenn ein solches, dem Littoral so fremdes, bisweilen kaum zwei oder drei Mal in einem ganzen Jahrhundert sich zeigendes Phänomen überhaupt den sorglosen Tropenländer beängstigen könnte. Unter allen Zonen richtet der Mensch seine Bauart immer mit dem Minimum physischen Kraftaufwandes nach dem gewöhnlichen mittlern Zustande der über- und unterirdischen Meteorologie seiner Gegend, nach dem Maaße seiner unentbehrlichsten Lebensbedürfnisse ein. Den Erdbeben trotzen die leichtgeflochtenen, mit Lehm und Gyps beworfenen, wenige Zoll dicken Wände in den Wohnungen des Baxo-Peru; ein Regenguß von einigen Stunden zerstört aber die flachen, durch Hunde vertheidigten Dächer und das Fachwerk der Seitenwände. Große Zerstörungen richteten Regengüsse im Baxo-Peru in den Jahren 1701, 1720 (Januar) und vorzüglich 1728 (Februar und März) an, wo es 40 Tage lang fast ununterbrochen in der Ebene am Fuß der Cordilleren und selbst an der Küste regnete. Der Regen war mit nahem Donner begleitet und veranlaßte Epidemien unter dem Landvolke. Auch im Jahre 1790 in dem Städtchen Lambayeque in dem nördlichen Theile der peruanischen Wüste fielen mehrere Haüser ein (freilich leicht wie Kartenhaüser gebaut) bei einem Regengusse von wenigen Stunden. Solche Anomalien, die auch im ägyptischen Delta und in Cairo bemerkt werden, konnten einen Beobachter hauptsächlich über die wundersame Meteorologie des Niedern Peru aufklären. Contraste der Winde, welche Luftschichten von verschiedener Temperatur und von verschiedenem Dunstgehalt herbeiführen, spielen gewiß die Hauptrolle dabei. Wenigstens ist mir allgemein in Lima versichert worden, daß, wenn vom April bis Mai lange Nordwinde geweht haben und der Wind plötzlich sich in Süden umsetzt, nicht selten einige Regentropfen an der Küste fallen, und in den anomalen Jahren 1701, 1720 und 1728, wo starke Regengüsse fielen, waren solche schnellen Wechsel sehr gemein. Wie weit das dem peruanischen Tieflande eigenthümliche Klima auf dem nahen Ocean herrsche, darüber habe ich bisher nur widersprechende Nachrichten einsammeln können; gewiß ist es indeß, daß zwischen denselben Parallelkreisen in der Südsee dasselbe Klima wie im Atlantischen Meere, periodische Regengüsse, Blitz und Donner und nebelfreier Himmel, gefunden werden. Die früher entwickelten Anomalien beschränken sich also recht eigentlich auf das Littoral und das nahe Gebiet der kalten Meeresströmung. Wie in den Tropen, z. B. in den Antillen, selbst in Caracas, das Fallen von Hagelkörnern Wunder erregt, wie bei uns das Fallen von Aerolithen, so hat sich auch in Lima die Erinnerung an die Tage erhalten, in denen man einen Donnerschlag hörte, wie 13. Juli 1552 acht Uhr Abends, andere 1720 und 1747 und 19. April 1803. -- H--t. ""Ist der Ursprung der letztern in der Endspitze von Südamerika am Ausgange der Magalhaens-Straße am Kap Pilar, wo im November die Meeres-Temperatur kaum 5° bis 6° ist, zu suchen? Ein erfahrener spanischer Seeoffizier, Don Josef de Moraleda, der das Schiff kommandirte, auf dem ich die Überfahrt vom Callao nach Guayaquil machte, versichert, daß er in dem Archipelagus der Inseln Chonos und Huaytecas, deren Küsten er aufgenommen, die Schnelligkeit des längs des Littorals gegen N. fließenden Wassers nur gering, auf der Oberfläche drei bis fünf Zehntheile einer englischen Seemeile in der Stunde wie in einem Drift-Current gefunden habe: aber sorgfältige Versuche bei dem Lothen hatten erwiesen, daß in einer Tiefe von 12 bis 15 Faden die Strömung in derselben Richtung weit stärker sei. Die bewegten Theile des Wassers bewahren, zwischen wärmeren Schichten hinfließend, lange die Kälte hoher Breiten und bleiben, ihrer specifischen Schwere nach, in der Tiefe. Von Valparaiso und Coquimbo, besonders aber von Arica nördlich bis Lima ist die Strömung am schnellsten (12 bis 14, bisweilen selbst 18 englische Seemeilen in 24 Stunden). Es geschieht hier, was man überall bei Meeresströmungen bemerkt, die an eine sich plötzlich wendende Küste stoßen; das Hinderniß beschleünigt ihren Lauf und längs der Küste findet sich das Maximum der Geschwindigkeit. Diese Gewalt des Stroms ist Ursache, daß Schiffe, welche zur Zeit der Garua von Quilca nach dem Callao de Lima segeln, mehrere Tage keine Breiten-Beobachtung erhalten, und sich nicht nach der Gestalt der flachen, in Nebel verhüllten Küste orientiren können, oft zu ihrem größten Nachtheil den Hafen Callao vorbei bis Huaura und Guarmey segeln, wenn sie sich der Log-Rechnung nach noch südlich vom Callao glauben. Die Nebel und Verhüllungen sind am dicksten zwischen Pisco und Lima. Die Fahrt gegen den Strom von N. nach S. ist so mühevoll, daß, von Paita oder Callao nach Valparaiso oder San Carlos de Chiloe segelnd, die Schiffe, um die Strömung zu vermeiden, sich mehr als 8° westlich vom Meridian der Insel Juan Fernandez halten. Ja einst verirrte sich eine spanische Fregatte, Santa- Rosalia, auf der Überfahrt von Paita nach Valparaiso dergestalt, daß sie, wahrscheinlich vom Äquinoctial-Strom gegen Westen fortgerissen, die Oster-Insel (Isla de Pascua oder de San Carlos der Spanier) berührte. Nachdem die peruanische kalte Küstenströmung ihr Maximum zwischen Arica, Quilca und Lima erreicht hat, nimmt sie nordwestlich wieder ab. Zwischen Lima und dem Cabo Blanco, wo sie plötzlich die Küste verläßt, sich gegen W. wendet und sich der allgemeinen Rotation oder Äquinoctial- Strömung beimischt, war nach meinen Beobachtungen die mittlere Geschwindigkeit kaum 7 bis 8 englische Seemeilen in 24 Stunden. ""Die Lokalbeschaffenheit der Küste an diesem Wendepunkt und das östliche Zurücktreten derselben jenseits der Punta Parinna und dem Cabo Blanco sind unstreitig Verhältnisse, welche, außer der Entfernung einer bis zu 20°,6 erkalteten Meeresströmung, die größere Wärme des Littorals von Guayaquil und die ganz verschiedene Luft-Konstitution nördlich von dem Cerro de Amotape bestimmen. Bei Punta de la Aguja, der darauf folgenden Punta de Nonura und in der ganzen Bucht von Sechura bis zu dem Rio Chira und den Zwillings-Hügeln der Negritos ist die Küste ganz niedrig. Hoch ist das Land um Punta Parinna und Cabo Blanco, bis es sich wieder gegen N.O. in dem Golfete de Guayaquil erniedrigt. Die mehrmals genannte Anhöhe von Amotape oder Cerritos de la Brea (Erdpech) liegt 15 englische Seemeilen von der Küste entfernt, und von da an schließt sich ein Rücken (Querjoch) unter dem Parallelkreis von 6° östlich gegen die vortretende Andeskette von Ayavaca. Durch diese Gestaltung wird alles nördlich Gelegene vor den kalten S. und S.W. Winden geschützt. Dieser Schutz nimmt noch beträchtlich zu nördlich von Guayaquil, wo im Choco die Küste volle 4° östlich vom Meridian der Punta Parinna zurücktritt und dazu das Hochland von Quito sich so mächtig westlich vordrängt. Längs der ganzen Ebene von Chili und Peru kann die südliche Polarluft ungehindert strömen."" Folgende Beobachtungen der Meeres- und Luft-Wärme entlehnt Hr. von Humboldt aus dem ungedruckten Theil seines Schiffs-Journals, mit Weglassung der Angaben des Deluc'schen Hygrometers, des Kyanometers und der specifischen Schwere des Seewassers. Die Fahrenheit'schen Grade des Originals sind hier auf die Celsius'sche Skale reducirt worden. Meeres- und Luftwärme vom Callao de Lima nach Guayaquil. 1802. Decbr. Südliche Latitudo. Westlich vom Callao. Temperatur der Erlaüterungen. See. Luft. 24. 12° 3' 0 21°,0 22°,9 Im Hafen von Callao vor der Abfahrt. 25. 11 19 0° 42' 21,7 23,3 Nordwestlich vom Pelado, einer der Farallons de Huaura. Frischer S.W. 26. 9 55 1 47 20,5 22,3 Im offenen Meere, ohne Ansicht der Cordilleren. Meeresstille. Man hört das Plätschern einzelner Arme der Meeresströmung. " 9 50 1 50 22,2 23,0 Fast Meeresstille. 27. 8 48 2 40 22,2 23,7 Eben so. 28. 7 49 3 20 22,0 24,5 Frischer S.W. " 7 24 3 27 22,5 22,5 Wind stärker. 29. 6 26 4 09 22,2 23,0 Immer noch ohne Ansicht des Landes. 30. 4 42 4 13 20,4 22,2 Zwölf engl. Seemeilen westlich v. Punta Parinna. Meeresgrund in 90 Faden. " 4 32 4 14 20,6 21,0 Eilf englische Seemeilen im W. von Cabo Blanco. Dieselbe Tiefe. 31. 3 35 4 05 25,4 26,8 Fast Meeresstille. " 3 29 .... 26,6 26,0 Vierzehn engl. Seemeilen im S.W. von Punta de Malpasso. " 3 16 .... 27,5 21,1 Vier engl. Seemeilen im S. von der Insel el Muerto. Meeresgrund 90 b. 100 Fad. Lange bevor Hr. von Humboldt von den Versuchen des Kapt. Duperrey Nachricht haben konnte, hatte er Gelegenheit, dem Baron Dirckinck (welcher eine Campagne der königl. französischen Golette l'Aigrette als Volontair mitmachte) aufzutragen, eine lange Reihe von Beobachtungen über die Temperatur des Meeres anzustellen, und insbesondere die kalte Temperatur der Meeresströmung an den peruanischen Küsten zum Gegenstand seiner Untersuchung zu machen. Baron Dirckinck, ein junger, talentvoller Offizier, hat diesen Auftrag trefflich erfüllt, da er von Valparaiso nach Arica und Quilca (16. December 1824 bis 2. Januar 1825); von Quilca nach dem Callao de Lima (3. bis 12. Januar 1825); von Chorillos bei Lima nach Quilca (6. bis 20. Febr. 1825); von Chorillos nach Panama (30. März bis 15. April); von Panama nach Guayaquil (22. April bis 11. Mai); von Chorillos nach San Carlos de Chiloe (20. Juni bis 6. Juli) und von Chorillos nach Valparaiso (31. Juli bis 9. August 1825) segelte, ohne einen einzigen Tag die Beobachtungen auszusetzen. Er fand bei Callao und Chorillos die Temperatur des Meeres und der Luft folgender Maßen: Zeitpunkt. Meereswärme. Luftwärme. Januar 12 22°,3 23°,3 März 30 20,2 21,0 Juni 20 18,7 18,2 August 9 17,1 16,5 "Da Hr. von Dirckinck -- bemerkt Hr. von Humboldt in seiner Denkschrift -- drei und zwanzig Jahre später auf seinem Kurse von Callao nach Panama einen Theil desselben Weges fast unter denselben Breiten- und Längengraden als ich beobachtet hat, so schalte ich diesen Theil seiner Beobachtungen bis nördlich von dem Parallel des Cabo Blanco ein, um die geringen Unterschiede der Jahreszeit (Ende December 1802 und April 1825) bemerklich zu machen: Meereswärme vom Callao de Lima bis zum Äquator. 1825. Südliche Breite. Länge W. vom Callao. Temperatur der Erlaüterungen. (Meereswärme nach F.) Tag. Stunde. Südsee. Luft. 30 März 11/2 6 18 .... .... .... .... .... .... 21°,6 19,5 19,6 21°,3 21,3 20,0 S. Wind; heiter. 66°,9 F. S.S.W. 31, -- 0 61/4 20 11° 40' .... .... 0° 55' .... .... 20,6 21,5 21,0 22,2 21,7 22,7 69°,1 F. S. 69°,7 1 April 0 11/2 61/4 12 12 .... .... .... .... .... .... .... .... .... .... ... 21,6 22,2 21,2 22,2 ... 22,6 22,7 22,2 25,0 S.S.O. S. 1/4 S.O. 70°,2 F. Meeresstille. 2 -- 0 6 12 16 213/4 8° 33' .... .... .... .... 2° 42' .... .... .... .... 23,0 24,1 23,1 22,1 22,5 24,0 24,7 22,9 22,3 25,6 73°,4 F. S. heiter. S.O. 1/4 S. 71°,7 F. 72,5 F. 3 -- 0 6 16 20 6° 58' .... .... .... 3° 57' .... .... .... 21,6 21,8 22,0 22,6 23,5 22,6 21,8 22,8 70°,8 F. S.O. 1/4 S. 71°,5 F. O. 1/4 N.O. 4 -- 0 6 20 5° 5' .... .... 4° 16' .... .... 22,6 22,8 24,7 24,6 23,7 24,0 72°,7 F. S.S.W.; heiter. Etwas N. vom Cabo Blanco. 5 -- 0 6 12 22 2° 34' .... .... .... 4° 14' .... .... .... 26,2 26,6 25,0 26,1 26,2 25,0 25,2 26,3 79°,2 F. 79,8 F. S. wolkig. Bedeckt. 6 -- 0 6 12 16 1° 2' .... .... .... 4° 9' .... .... .... 26,8 27,2 27,2 27,5 27,6 26,5 26,6 26,2 80°,3 F. 81,0 F. Bedeckt. 81°,5 F. Regen! 7 -- 0 6 191/2 0° 50' N. .... .... .... .... .... 27,7 28,1 28,5 26,2 27,3 27,5 S.W. Regen! 83°,3 F. "Der Übergang aus der kalten Meeresströmung in die stromfreie See zwischen dem 4. und 5. April, von 71° und 72°,7 F. zu 80° und 83° etwas nördlich vom Parallel des Cabo Blanco ist in dieser Tabelle sehr bemerklich. Ich kam ungefähr in derselben Gegend von 70° zu 80° F." -- (A. von Humboldt's Handschrift.) Auf seiner Fahrt von Valparaiso nach Lima in der zweiten Hälfte des Monats December 1824 fand Baron Dirckinck die Meereswärme Von Lat. 35° S. (Long. 791/2°) bis Lat. 30° S. (Long. 751/2°) meist 13°,7 bis 17°,2 Von Lat. 30° S. bis zum Wendekreis des Steinb. (Long. 75°) meist 16,2 " 20,0 Vom Wendekreis bis Lat. 17° S. (Long. 741/2°) .... meist 21,1 " 23,7 Von Lat. 17° S. bis Lat. 13° S. (Long. 79°) .... wieder 20,6 " 22,5 Die letzte Bestätigung der Ansichten des Hrn. von Humboldt rührt von Hrn. Meyen her, der zu Anfang des Monats Mai 1831 im Hafen von Callao folgende Temperaturen beobachtete: Meereswärme. Luftwärme. 71/2 h Morgens 18°,0 18°,0 12 Mittags 18,7 21,0 5 Nachmittags 18,3 20,6 In seiner Denkschrift hat Hr. von Humboldt die mittlern Resultate übersichtlich zusammengestellt; es ergiebt sich hiernach für verschiedene Monate die Temperatur der Meeresströmung bei Callao folgender Maßen: Monate. Jahr. Meereswärme. Beobachter. Januar, Anfang 1825 22°,5 Dirckinck. Februar, Ende 1823 17,7 Duperrey. März, Anfang 1823 18,6 Duperrey. -- Ende 1825 20,2 Dirckinck. Mai, Anfang 1831 18,3 Meyen. Juni, Ende 1825 18,7 Dirckinck. August, Anfang 1825 17,1 Dirckinck. Septbr., Ende 1802 (16,0) Humboldt. Novbr., Anfang 1802 15,5 Humboldt. December, Ende 1802 20,8 Humboldt. Mittel 18°,5 "Die drei fehlenden Monate April, Juli und Oktober würden, wenn man sie zufügen könnte, wahrscheinlich die eben gefundene mittlere Temperatur des Meeres bei Callao wenig verändern, da sie zwischen Monate fallen, die wir kennen. Da Luft- und Meeres-Wärme in Wechselwirkung stehen, so wäre es interessant, die Mitteltemperaturen der Atmosphäre in den einzelnen Monaten für Callao oder Lima mit Genauigkeit zu kennen; denn die Angaben der Luft-Temperatur in dem Moment, wo die Wärme des Meeres beobachtet wird, sind wenig belehrend. Die große Wassermasse empfängt nur sehr langsam den Einfluß der Atmosphäre, und in seiner Meeresströmung, deren Schnelligkeit von Winden und vielen sehr fernen, uns unbekannten Ursachen modificirt wird, ist schwer zu unterscheiden, was von dem jedesmaligen Temperatur-Wechsel der veränderten Schnelligkeit des Oceanischen Stromes, was der Jahreszeit, der mittlern Wärme eines letztverflossenen Monats zugehört." Zur Bestimmung der mittlern Luftwärme von Lima benützt Hr. von Humboldt die täglichen Beobachtungen, welche Don Hippolito Unanne in den beiden Jahren 1799 und 1800 angestellt hat, deren Resultate er aber nur als annähernde Werthe betrachtet, denn "die Beobachtungen sind leider! in der Mittagsstunde" und in einem "wohl gelüfteten Zimmer, nicht in freier Luft gemacht. Ich habe, sagt Hr. von Humboldt, versucht, sie nach meinen eigenen, im Jahre 1802 in denselben Monaten gleichzeitig im Freien und im Zimmer gemachten Erfahrungen zu korrigiren, und finde dann für die mittlere Temperatur von Lima, ungesähr gleich den, 18 Breitengrade vom Äquator weiter abliegenden Städten Cairo und San Augustin de Florida, 22°,7; für den Tag 23°,1 bis 25°,6, für die Nacht 16°,2 bis 18°,7. Die Mittel der einzelnen Monate für Lima ergeben sich 1799 und 1800 wie folgt: Januar 25°,6 Juli 20°,3 Februar 26,6 August 19,6 März 26,7 September 19,0 April 25,2 Oktober 20,7 Mai 23,0 November 22,2 Juni 20,2 December 23,8 Mittel 22°,7. "Nach Beobachtungen von Don Mariano de Rivero war 1826 die mittlere Temperatur des Monats März 28°,5; April 27°,0; Mai 22°,0; Beobachtungen, die mit wohl berichtigten, der freien Luft, im Schatten ausgesetzten Thermometern angestellt worden sind, und von denen meine ältern Beobachtungen nur wenig abweichen. Das obige Resultat für die mittlere Jahreswärme stimmt (zufällig) sehr genau mit dem von Caldcleugh überein; dieser Reisende findet 22°,5. Dagegen geben zweijährige Beobachtungen, welche Stevenson liefert, und welche im jährlichen Mittel 21° darbieten, eine noch niedrigere Temperatur." Über den Verlauf der meteorologischen Erscheinungen an der Küste von Peru innerhalb eines Jahres theilt Hr. von Humboldt in dem mehrerwähnten Manuscripte Folgendes mit: -- "Die größte Wärme tritt gewöhnlich Ende Februar ein. Die Kälte, wenn man mittlere Monats- Temperaturen von 191/2° bis 20° mit diesem Namen belegen kann, beginnt im Mai und dauert bis Mitte September, von welcher an die Wärme wieder steigt. Im November beginnt man wieder die Sterne zu sehen, die bis April sichtbar bleiben. Denn das ganze flache westliche Peru, oder wie die Ingas in ihrer offiziellen Administrations-Sprache sagten, das ganze Cuntisuyu hat nur zwei Jahreszeiten, eine warme, verhältnißmäßig heitere (Oktober bis Mai, mittlere Wärme 21°,2 bis 27°), und eine kalte (Ende Mai bis Mitte September, mittlere Wärme 201/2° bis 21°), in der Sonne und Gestirne verschleiert sind. Die Zeit der stationären Nebel, Garua, dauert von Ende April und Anfang Mai bis November. Die dunstförmigen Niederschläge nehmen also die kalte Jahreszeit ein. In dieser Epoche erscheint die Sonnenscheibe wochenlang, als wenn man sie durch ein gelbroth gefärbtes Blendglas sähe. Leider aber treten diese Verhüllungen der Himmelsdecke auch in den warmen Monaten December, Januar und Februar, auch einzeln ein, und Don Jorge Juan und La Condamine nennen daher mit Recht Lima den Märtyrer-Ort der Astronomen. Die Stadt Lima ist nur den S. und W. Winden geöffnet, aber in Norden und Osten längs des obern Laufs des Rimac und des Valle de Lurigancho ist sie durch einen Halbkreis von Hügeln vor Winden geschützt. Die Ingebornen glauben daher, daß die Nebel in Lima haüsiger und dauernder als an der freien Meeresküste im Callao sind. Der herrschende Wind in Cuntisuyu ist Süd und Südost, der bisweilen mit Nordwest abwechselt. Diese Unterbrechung tritt am haüfigsten zwischen der Frühlings- und Herbst-Nachtgleiche ein, also in der kalten Jahreszeit, unerachtet in der südlichen Hemisphäre dieser Nordwind vom Äquator her weht. Man bemerkt, daß, wenn (was jedoch selten) der N.W., der den Bewohnern Kopfweh giebt, schon Morgens zwischen 9 h und 11 h weht, er augenblicklich zwar die Nebel verscheücht, daß diese aber bald darauf viel dicker werden, besonders bei wiederkehrendem S.W. Die Dunstniederschläge sind also wol Folgen kontrastirender Winde. Garua, kältere Jahreszeit, Wechsel von S. und N. Winden fallen also, wie die obere Tabelle der Temperaturen der Meeresströmung zeigt, mit der grössern Kälte dieser zusammen. In den Monaten der Garua (Mai bis Oktober) ist die Temperatur des Meeres im Callao 17°,5, die der Luft in Lima 20°,5 (also Luft wärmer als Wasser 3°). In der heiteren, wärmeren Jahreszeit (November bis April) ist die Meeresströmung 19°,2 und die mittlere Temperatur der Luft in Lima 25° (also Luft wärmer als Wasser 5°,8). Die Atmosphäre, vom Nebel entblößt, nimmt also durch Sonnenwirkung und Wärmestrahlung des Bodens in der heißen Jahreszeit um 41/2° zu, während daß die Meeresströmung nur 1°,7 Wärme verliert. Diese Verhältnisse beweisen hinlänglich, daß es nicht die geschwächte Insolation ist, welche dem Meere seine niedrige Temperatur giebt, denn zu jeder Jahreszeit ist die Luft hier wärmer als das Wasser. Bei heiterer Atmosphäre muß allerdings die Sonnenwärme die Kälte der Meeresströmung etwas vermindern, um so mehr, da die erwärmten Theile des Wassers auf der Oberfläche bleiben, und die mittlere Temperatur von 19°,6, welche man vom November bis April im Hafen bemerkt (einzelne Monate geben dann sogar 221/2°), ist gewiß gleichzeitig Folge der langsamern Strömung und der Insolation. Auch südlich von Lima erkennt man in Hrn. von Dirckinck's Beobachtungen diese Zunahme der Temperatur, wenn man den August (einen sehr kalten Monat) mit dem wärmeren December und Februar vergleicht. Im August wurde das Meer längs der Peruanischen Küste zwischen 13° und 17° Breite (Long. 78° bis 79°) 16° bis 171/2° gefunden; im December war es 201/2° bis 221/2°; Anfang Februar 221/2° bis 241/2°. Im Hafen Callao selbst steigt Ende Januar bisweilen selbst die Meereswärme so, daß der spanische Seekapitain Quevedo, 1803, sie nahe an der Insel San Lorenzo 25°,5 fand, noch 3° mehr, als Hr. von Dirckinck im Anfang Januar 1825. Obgleich auf Sandbänken die erkalteten Wasser haüfig dicke Nebel erregen, wie ich selbst erfahren, so ist der Unterschied der Kälte der Meeresströmung bei Lima in der verhüllten und heitern Jahreszeit doch wol viel zu gering, um die Garua als Folge der Strömung zu betrachten. Über den eigentlichen Ursprung oder vielmehr Anfangspunkt der Bewegung der kalten Wasser längs des Littorals von Peru hat Hr. Duperrey ganz neüe Ansichten aufgestellt. Durch Vergleichung der Strom- Beobachtungen vieler mit Kronometern ausgerüsteten Reisenden hat dieser erfahrene Seeoffizier zu erweisen gesucht, daß zwischen den Meridianen des Süd-Kaps von Neü-Zeeland und der Insel Pitcairn eine Wassermasse in einer Breite von mehr als 60 Längengraden sich als "Drift" von schmelzendem Eise und herrschenden S.S.W. Winden getrieben vom Süd- Pole her, erst gegen N.N.O., dann gegen N.O., endlich gegen O.N.O. bewegt, zwischen Concepcion und Valparaiso an die Küste von Chili anprallt und sich dort eben so theilt, als es an der Brasilischen Küste bei Kap St. Augustin der Äquinoctial-Strom des Atlantischen Meeres thut, welcher nordwestlich gegen die Mündung des Orinoco und südwestlich gegen die Mündung des La Plata fließt. Nach Hrn. Duperrey geht der bei Valparaiso getheilte Südpolar-Strom, den Küsten folgend, südlich gegen Chiloe, den Archipelagus de los Chonos, Kap Pilar und Kap Hoorn, nördlich gegen Arica, Callao und Payta bis Cabo Blanco. Diese Ansicht umfaßt einen ungeheüern Raum der Meeresfläche, versetzt in eine Ferne von 1300 geographischen Meilen den Ursprung des Peruanischen Küstenstromes und steigert ein Phänomen der südlichen Hemisphäre, das mich so lange beschäftigt hat, zu der Größe, in welcher Rennell's Forschungen uns den Golf- oder Florida-Strom der nördlichen Hemisphäre zeigen, wenn sie ihn bis zur Nadelbank beim Vorgebirge der guten Hoffnung aufwärts verfolgen." (A. von Humboldt's Handschrift. Memoir über Meeresströme.) Nach den Erfahrungen von Flinders spaltet sich am Kap Leeuwin die Strömung in zwei Stromgänge, von denen der eine nördlich längs der Westküste von Neüholland und der andere östlich längs der Südküste dieser kontinentalen Insel fließt. Im Mai und December fand er zwischen dem genannten Kap und dem König Georgs-Sund eine Geschwindigkeit von 27 m täglich; sie nahm aber weiter östlich bis auf 16 und 13 m ab. In der Mitte des Indischen Meeres, bei den Tschagos-Inseln, laufen die Strömungen von der Mitte Mai bis zum Oktober, zu welcher Zeit der Südost-Passat hier in seiner Kraft weht, beständig nach N.W. mit einer Geschwindigkeit von 15 m in 24 h . Im November werden sie schwächer und folgen dem Luftstrom, der von jetzt an veränderlich wird; zuweilen laufen sie alsdann nach Osten, in welcher Richtung, im Monat December, eine Geschwindigkeit von 30 m innerhalb vierundzwanzig Stunden beobachtet worden ist. Die Runde um die Erde auf ihrem flüssigen, oceanischen Element ist vollendet! Vom Südrande Afrika's ausgehend sind wir dahin zurückgekehrt; wir haben die Strombewegungen des Meeres in allen seinen Theilen, nach allen ihren Gesichtspunkten, kennen gelernt und gefunden, daß die Stromgänge des Atlantischen Oceans und der längs der Westküste von Südamerika fließende Strom kalten Wassers, Dank sei es den Forschungen James Rennell's und A. von Humboldt's, aus dem Dunkel, welches sie früher umhüllte, mit einer Bestimmtheit hervortreten, welche wenig zu wünschen übrig läßt. "So bieten die oceanischen Flüsse," -- heißt es am Schluß von Hrn. von Humboldt's Denkschrift, -- "indem sie die Temperatur einer Zone in die andere tragen, die alte Verbreitung der Menschen-Racen und den Handelsverkehr der gesitteten Völker bald befördern, bald stören, von ruhenden Wasserschichten uferartig umgeben, aber diese Ufer nach dem Wechsel der Jahreszeiten erweiternd oder verlassend, der physischen Erdbeschreibung einen neüen und unermeßlich reichen Stoff der Untersuchung dar. Die manchfaltigsten Ursachen, einzeln wirkend oder sich gegenseitig modificirend, beherrschen dies rastlose Treiben (nach Gleichgewicht-Streben) der flüssigen Oberfläche unseres Planeten. Die Meeresströmungen werden belebt durch anhaltend wehende Winde, Verschiedenheiten der specifischen Schwere der mehr oder minder erwärmten oder salzigen Theile des Wassers, Veränderung des Barometer-Drucks, durch Anhaüfung der Wasser im Meerbusen (wie in dem Mexikanischen) oder Störung des Niveaus, durch starke Verdunstung (wie im Mittelmeere), endlich durch periodisches Schmelzen des Polar-Eises, welches die Existenz manchfaltig durchschnittener großer Polar-Inseln begünstigt. Die Richtung der Strömungen wird durch die Konfiguration der Küsten, durch die Rotation der Erde, wenn die Wassertheile im Fortschreiten gegen den Äquator oder gegen die Pole nur allmälig die jedem Breitengrade zugehörige Rotations-Geschwindigkeit annehmen, durch Winde und Gegenströmungen manchfach modificirt. Es ist das Geschäft des Physikers, die numerischen Elemente dieser Verhältnisse (die primitiven Ursachen der Bewegung und ihrer Störungen) nach dem freilich unerreichbaren Vorbilde der astronomischen Wissenschaften, zu bestimmen und ununterbrochen zu berichtigen, damit wenigstens einiges von den ewigen Gesetzen erkannt werde, welche die klimatischen Veränderungen der Feste von den Strömungen der flüssigen Umhüllung unseres Planeten, dem Ocean und dem Luftmeer, abhängig machen." (Manuscript, S. 99--101.)