Wenn auch nicht durch unmittelbare Meſſungen erwieſen, ſo iſt es doch durch die Unterſuchungen A. von Humboldt’s ſehr wahrſcheinlich geworden, daß in dem nordatlantiſchen Ocean, zwiſchen den Parallelen von 20° und 45°, ein weit geſtrecktes Seehochland liege, deſſen Meeresſpiegel bei den Seefahrern ſeit Entdeckung der Neüen Welt unter dem Namen des „Mar de Sargaſſo“ bekannt iſt. „Es iſt gegenwärtig“ — beginnt Hr. v. Humboldt die Unterſuchung, welche ich mit ſeiner Erlaubniß hier wörtlich benutzen darf, — „eine allgemein verbreitete Meinung unter den Seefahrern, daß im Normal- Zuſtande des Impulſes, die mehr iſolirten weſtlichen Azoren Corvo und Flores in dem Golfſtrome , Pico und Fayal aber an dem öſtlichen Saume deſſelben liegen, da der Strom von Nantucket bis zum Long. 32° W. faſt ununterbrochen von W. nach O. fließt, dann plötzlich, aus noch unergründeten Urſachen, gegen S. umſetzt und ſich unter Lat. 35°, im Meridian von Pico, verliert. Dieſer Strom warmen Waſſers, der ſeinen früheſten Impuls einer Strömung in der ſüdlichen Hemiſphäre, den von Madagaskar aus über die Nadelbank und um das Vorgebirge der guten Hoffnung wirbelnden Waſſern, und einem Stoß gegen die vorſpringende braſiliſche Küſte beim Kap St. Roque verdankt, nimmt erſt von der Spitze von Florida bis zur Bank von Neüfundland eine nordöſtliche, von da bis gegen die weſtlichſten Azoren eine öſtliche und zuletzt eine ſüdliche Richtung an.“ Obwol bisher noch nicht von den Strömungen des Meeres die Rede geweſen iſt, ſo kann eine allgemeine Kenntniß derſelben füglicher Weiſe wol vorausgeſetzt werden. — B. „Betrachtet man dieſe Gegend, zwiſchen Long. 40½° und 42½° W. ſüdlich vom 45ſten Parallel, gleichſam als den Ausfluß, die Mündung, des Golfſtroms, ſo wird dadurch ſcheinbar die Meinung begünſtigt, als ſei die dort befindliche Anhaüfung von See-Tang, eine lange und ſchmale Fucus-Zone, welche ſich von N. gegen S., von dem Parallel von Corvo bis zu dem Parallel der Capverdiſchen Inſeln hinzieht, ein Auswurf oder eine Anſchwemmung des oceaniſchen Fluſſes warmen Waſſers. Man glaubt nach dieſer Anſicht, der Golf-Strom ſammele erſt (wirbelnd) in dem Mexikaniſchen Meerbuſen, dann in der Bahama-Straße, den See- Tang während ſeines Laufs und deponire denſelben da, wo er als Strom verſchwinde. Es iſt nach meiner eigenen Erfahrung keineswegs zu laügnen, daß beſonders an ſeinen Rändern faſt in ſeiner ganzen Länge das Flußbette des Golfſtroms, ſo weit ich es auf vier Seefahrten (von der Küſte von Caracas nach dem Kap S. Antonio der Inſel Cuba, von Vera Cruz längs der Küſten von Louiſiana nach der Havana, von dieſem Hafen durch die Bahama-Straße nach Philadelphia, und von da über den ſüdlichen Theil der Bank von Neüfundland bis in den Meridian der Outer- oder Falſe-Bank) in mehr als 5600 Seemeilen Länge beſchifft habe , mit zahlloſen, der Richtung des Stroms parallelen Streifen von Fucus natans gefüllt iſt; aber wenn auch jener Anſicht über das allmälige Zuſammenſchwemmen des See-Tangs und über die Entſtehung der weit ausgedehnten Fucus-Bank weſtlich von den Azoren, der auch Rennell (bedingungsweiſe) beitritt, keine phyſiologiſch-botaniſchen Gründe direkt entgegenſtehen, ſo iſt doch nicht einzuſehen, warum nicht auch nahe Untiefen zu jener Anhaüfung mit beitragen ſollten. Der größte Theil Tangs ſüdweſtlich von den Azoren iſt friſch und in voller Vegetation, als wäre er eben erſt den Felſen entriſſen, und das Senkblei iſt ſo ſelten in jenen Tangreichen Regionen ausgeworfen worden, daß man wohl vermuthen kann, die zwei Inſelgruppen der Azoren ſeien nicht die einzigen vulkaniſchen Hebungen, welche dort der Meeresboden erfahren. Eine Gegend nördlich vom 40ſten Parallel und N.W. von Corvo ſcheint mir beſonders für den Zuwachs zu zeügen, den die Tangmenge auch aus nahen Untiefen erhält. In dieſer Gegend befindet ſich zwiſchen Lat. 40° und 46° W. das nördliche Ende der großen Azoriſchen Fucus-Bank. Die Richtung des Tang-Streifen iſt dort von S.W. nach N.O. und er durchſetzt dammartig und bleibend die ſüdoſtwärts fließenden ſtark bewegten Waſſer des Golfſtroms, wie man auf Rennell’s Karten deütlich ſehen kann.“ Nach der Temperatur des Meerwaſſers zu urtheilen, verließ ich den Golfſtrom in der Nacht vom 15. zum 16. Juli 1804 zwiſchen Lat. 43° 24′, Long. 48° 4′: Meer 21°,0, Luft 22°,7, um 7 h Abends. Der nördlichſte Rand des Golfſtroms war durch Eismaſſen, die ſich kurz vorher in dieſen Gegenden gezeigt, und durch eine Strömung von N. her (von Falſe-Bank) erkältet. Lat. 43° 21′, Long. 46° 0′: Meer 18°,8, Luft 22°,7, um 4 h Abends. Noch ſchwamm viel Fucus natans umher. Ht. „Ich habe ehemals ſelbſt, nicht auf eigene Erfahrung, ſondern auf die Zeügniſſe von Turner und Lamouroux geſtützt, die Meinung für die wahrſcheinlichere gehalten, es können die Fucusarten keine neüen Zweige treiben, wenn ſie von der Wurzel getrennt umherſchwimmen. Aber die phyſiologiſche Betrachtung, daß alle Theile der Algen faſt gleichmäßig leben, und daß der Fucus natans (Sargassum natans, Lamouroux) aus dem Geſtein des Seebodens mittelſt ſeiner wurzelartigen Wulſt, die ihm nur als klauenartige Stielverlängerung zum Anheften zu dienen ſcheint, wol ſchwerlich irdiſche Nahrung ziehn, hat mich ſchon längſt in meiner früheren Meinung wankend gemacht. Allerdings mögen die Sporen der Thalaſſiophyten, in Mucus gehüllt, von der Oberfläche des Meeres durch ihre Schwere herab zu Boden fallen, und ſich dort, wie Martius und Candolle glauben, an Felſen anheften. Neben dieſer Art der Fortpflanzung und Vermehrung iſt aber eine andere wahrſcheinlich und auf Analogie der Süßwaſſer-Algen gegründet. Meyen vermuthet, daß der See-Tang freiſchwimmend vegetirt und ſich in neüe blattartige Lappen ausdehnt, eine Vermuthung, die ſchon Theüberg ausgeſprochen, ohne ſie phyſiologiſch zu begründen. Bei den Baucherien und bei Polysperma glomerata hat der ſcharfſichtige Meyen gezeigt, daß zwei Fortpflanzungen Statt finden durch die Sporen der eigentlichen Früchte und durch die, welche im Innern der Schlaüche ſelbſt vorhanden ſind. Viele dieſer Algen tragen nie Früchte, ſondern die Entwickelung neüer Individuen beruht auf der Aſtbildung. „Bei keinem einzigen Exemplare der Tauſende von Fucus natans (identiſch mit Sargassum vulgare und S. bacciſerum, Agardh), die ich im Sargaſſo-Meer ſammelte, heißt es in dem Bericht der Reiſe um die Erde auf dem Preüßiſchen Schiffe Prinzeſſin Louiſe, habe ich Früchte gefunden, während die Pflanzen, welche ich an der Küſte Braſiliens erlangte, immer mit Früchten bedeckt waren. Ich glaube, daß jener ſchwimmende Tang nie feſtgeſeſſen hat. Frei im Waſſer haben ſich ſeine jungen Keime entwickelt, und Wurzeln und Blätter, aber beide von gleicher Beſchaffenheit, nach allen Seiten ausgetrieben. Bei den Süßwaſſer-Algen bedingt ſich gegenſeitig die Bildung der Frucht und der Wurzel. Die Wurzel der Tangarten iſt wie die der Conferven nur eine in Entwickelung gehemmte Frons.““ „Es iſt nicht unintereſſant zu bemerken, daß die Meinung, friſche blättertreibende Algen des Meeres müßten ihrem Geburtsort ganz nahe ſein, dem großen Entdecker Chriſtoph Colon eigenthümlich war. Wir ſind jetzt glücklich genug, die Beobachtungen dieſes geiſtreichen, die kleinſten Erſcheinungen ſcharf auffaſſenden Seefahrers faſt ſo zu leſen, wie er ſie bei dem erſten Eindruck des Geſehenen gleich niederſchrieb. Colon’s Journal der erſten Entdeckungsreiſe iſt für die ſo merkwürdige Permanenz der großen Fucuslagen weſtlich von Corvo, ich meine für die, ſeit viertehalbhundert Jahren unveränderte Örtlichkeit der großen Fucus- Wieſe (die keine contourloſe unbeſtimmte Fläche, wie man fälſchlich ſagt, ſondern einen ziemlich ſcharf begränzten von N.N.O. gegen S.S.W. gedehnten Streifen bildet) ſehr wichtig. Am 16. September 1492 zeigten ſich dem kühnen Seefahrer (Lat. 28°, Long. 35½° W.) die erſten Fucus- Maſſen in abgeſonderten Maſſen. „Das Kraut,“ ſagt Colon (er bedient ſich nie der Portugieſiſchen Benennung Sargaſſo), „war ſo grün, daß man ſchließen konnte, es ſei erſt ganz vor kurzem von dem Boden losgeriſſen; auch glaubten alle (meine Seeleüte), daß wir nahe einer Inſel wären, ich ſage einer Inſel, nicht dem Kontinente (von Aſien) der tierra firme: denn,“ ſetzt der Admiral ſonderbar apodiktiſch hinzu: „das feſte Land finde ich erſt weiter vorwärts.“ Die Fucus-Art karakteriſirt Colon ſpecifiſch durch kleine Früchte, die denen der Piſtazie gleichen. So oft er des vielen See-Tangs im Schiffsjournale erwähnt, unterſcheidet er, wie neüere Seefahrer, ob der Tang alt oder friſch iſt, oder beides zugleich. “ „Wenn man betrachtet eines Theils den geringen Abſtand der durch Colon beſchriebenen Tang-Wieſe von den Inſeln Corvo und Flores, andern Theils die Reiſen, die man lange vor Colon von den Azoren gegen N.O. unternahm (Pedro de Velasco, ein unternehmender Seemann aus Palos, ſchiffte von Flores nach Irland, volle 40 Jahre vor 1492), ſo wird es mehr als wahrſcheinlich, daß bei den haüfigen Stürmen des Azoriſchen Meeres, welche die Schiffe von ihrer beabſichtigten Fahrt abführten, das Phänomen einer lokalen Anhaüfung von See-Tang lange vor der erſten großen Entdeckungsreiſe der Spanier, dieſen und den Portugieſen bekannt ſein mußte......... Wie ſollte von 1449 bis 1492, bei dem damals regen Unternehmungsgeiſte, das Mar de Sargasso nicht befahren worden ſein? Auch ſpricht Colon in ſeinem Reiſe-Journal, als er auf der Rückkehr von der erſten Entdeckungsfahrt ſich den Azoren nahet (7. Febr. 1793), von einem See-Tang, der dieſer Region eigenthümlich und von dem vorher geſehenen verſchieden iſt.“ „Die Benennung „Mar de Sargasso,“ womit die alten Portugieſiſchen und Spaniſchen Seefahrer ſeit dem 15ten Jahrhunderte die See- Tang-reiche Meer-Region zwiſchen den Azoren und den Bermuden belegen, iſt ſehr unbeſtimmt. Rennell iſt in ſeinem großen Werke über die Atlantiſchen Meeresſtrömungen der in meiner Reiſe nach der Äquatorial- Region (1814) aufgeſtellten Meinung, daß es zwei Gruppen von zuſammengedrängtem friſchen See-Tang zwiſchen den Meridianen der Azoren und der Bahama-Inſeln gebe, beigetreten. Die erſte und größte dieſer Gruppen iſt der Längenſtreifen von Flores und Corvo, deſſen ich ſo eben erwähnt habe. Er ſchließt weder Corvo noch das um 5½ Bogenminuten weſtlicher liegende Eiland Flores ein , wie es die bewegten warmen Waſſer des Golfſtroms thun. Der öſtliche Rand der Fucus-Bank bleibt im Mittelzuſtande vom Meridian von Corvo (Long. 33° 31′ W.) entfernt bei Lat. 39½° und 41° in Weſten faſt vier Längengrade, bei Lat. 30° und 20° dagegen 7¼° und 3¾°. Rennell hat eine große Menge von Beobachtungen geſammelt, dem zufolge ich die öſtlichen und weſtlichen Gränzen der Fucus-Bank von Flores und Corvo folgender Maßen finde: Trotz dieſes Umſtandes des Nicht-Einſchließens halte ich die Benennung „Fucus-Bank von Flores und Corvo,“ inſofern ſie die Nähe dieſer Inſeln bezeichnet, für karakteriſtiſch und empfehlenswerth. — Ht. Oſtgränze Weſtgränze im Parallel Long. 37° 25′ 42° 15′ W. Lat. 20° 40 10 44 28 „ 25 40 50 44 50 „ 30 42 20 44 50 „ 35 37 15 42 20 „ 40 31 40 32 15 „ 45 „Die nordöſtlichſte Erſtreckung des Tang-Streifens ſcheint im Meridian von Fayal ſelbſt faſt 2¼° öſtlich vom Meridian von Corvo, im Parallel von 46° zu liegen. Das ſüdlichſte Ende beobachtete Kapt. Birch im Februar 1818 in Lat. 19⅔° bei Long. 39¼° W. Nach der Art, wie dieſe numeriſchen Verhältniſſe, die von den Fehlern der Ortsbeſtimmung wol nicht ganz gereinigt werden konnten, erhalten ſind, muß man die öſtlichſten und weſtlichſten Längen unter verſchiedenen Breitengraden nicht als gleichzeitige Ränder der Fucus-Bank, ſondern als die Gränzen betrachten, zwiſchen welchen die Beobachtungen bei verſchiedenen Zuſtänden des Meeres ſchwanken. Im Mittelzuſtande ſcheint demnach die Achſe des Streifens bei Lat. 20° in Long. 40° W. 30 „ „ 43 40 „ „39¾ 46 „ „31¼ zu liegen. Die Richtung der Achſe iſt von dem Parallel von Corvo nördlich ungefähr N. 42° O. Südlich von dieſem Parallel behält ſie bis zu Lat. 35° faſt dieſelbe Richtung, doch mehr S.S.W. — N.N.O.; ſüdlicher als 35° weicht bis Lat. 25° die Richtung wenig vom Meridian ab und wendet ſich ſogar bis zum Parallel von 20° wieder allmälig gegen S.O., ſo daß in Lat. 20° und 40° die Fucus-Zone faſt in denſelben Längengraden liegt. Dieſe Schilderung iſt ganz und allein nach den von Rennell geſammelten Thatſachen. Evans bemerkt, daß die größte Anhaüfung von Tang zwiſchen den Parallelkreiſen von 30° und 36° iſt. In ſüdlichern Breiten gegen 20° ſagt Rennell (und wir werden gleich ſehen, wie richtig dieſe Bemerkung iſt,) dehnt ſich der Tang weit gegen O. aus und ſcheint mehrere parallele Lager zu bilden.“ „Ich werde jetzt einige noch unbenutzte Erſahrungen anführen, um zu beweiſen, wie Strömungen und Winde jene Gränzen der Fucus-Bank von Corvo zu gewiſſen Jahreszeiten verändern. Labillardière bemerkt, daß er von Lat. 25° und Long. 31° an (alſo faſt im Meridian der Azoriſchen Inſel Fayal) gegen N.N.W. ſteüernd, in einer Strecke von mehr als 140 Myriametern (750 geogr. Meilen) das Meer mit einer unbeſchreiblich dicken Maſſe von Fucus natans bedeckt fand. Die angegebene Diſtanz würde das nördliche Ende dieſer Fucusmenge für Labillardière’s Schiff ungefähr in Lat. 36¾° und Long. 35⅛° ſetzen, in eine Gegend, wo Rennell eine abgeſonderte Tang-Inſel angiebt. Dieſe Beobachtung einer ſonderbar öſtlichen Verbreitung des Fucus natans in niederen Breiten, zwiſchen den Parallelen von 25° — 35° und 31° — 35° weſtlicher Länge findet einige Beſtätigung in dem handſchriftlichen Schiffsjournale meines Freündes, Hrn. Lichtenſtein. Auf ſeiner Rückreiſe vom Vorgebirge der guten Hoffnung fand er die erſten Maſſen Ende April 1806 unter Lat. 18° 55′ und Long. 35° 37′ W.; aber bei ſtiller See und gleichmäßig friſchem Winde aus N.O. wurden die Maſſen immer dichter zwiſchen 19½° — 22¼° Breite und 35¾° — 36¼° W. Länge, ſo daß drei Tage lang „der Ocean ſtellenweiſe wie eine Wieſe mit Fucus, in dem der Lophius und Scylläen hausten, bedeckt war.“ Nördlicher als der Parallel von 22¾° und noch bei Long. 36° verſchwand der See- Tang plötzlich, und das Meer blieb davon frei bis zur Inſel Pico. Hr. Lichtenſtein ſegelte alſo von Lat. 22¾° an diesſeits des öſtlichen Randes der Bank von Flores und Corvo, um von 36° nach 30° 48′ weſtliche Länge, unter welcher die Inſel Pico liegt, zu gelangen. Auch Bory de St. Vincent ſah faſt ununterbrochen Streifen von Fucus natans ſeit Lat. 23½° und Long. 35° bis Lat. 35°. Leider fehlt die Längenbeſtimmung für den letzten Punkt. Ich ſelbſt habe am Ende des Monats Juni 1799, auf meiner Schifffahrt von der Coruña nach Cumana, bei friſchem O.N.O. Winde zwiſchen Lat. 20° 24′ — 20° 8′ N. und Long. 27° 45′ — 28° 50′ W., alſo nordweſtlich von den Capverdiſchen Inſeln, und 8° öſtlich von dem Punkte, den Rennell für das ſüdöſtlichſte Ende der großen Fucus- Bank hält, ſehr viel ſchwimmende Tang-Gruppen beobachtet.“ Noch um einen drittel Grad ſüdlicher, als Hr. Lichtenſtein, ſah man am Bord der Prinzeß Louiſe „ein wenig Seegras treiben,“ am 29. Juni 1829 in Lat. 18° 35′ S., Long. 36° 16′ W. Dies iſt der ſüdlichſte Parallel, in welchem der Fucus natans wahrgenommen worden iſt. Weitere Beobachtungen deſſelben Schiffs und anderer Preüßiſchen Seehandlungs-Schiffe habe ich im geographiſchen Almanach für das Jahr 1837 (Stuttgart, Hoffmann’ſche Verlagsbuchhandlung) mitgetheilt. — B. „Dieſe anomalen Thatſachen, welche dem Major Rennell unbekannt geblieben, ſind mehrfacher Deütung fähig. Allerdings iſt das ſüdliche Ende des Fucus-Streifens von Corvo von den Capverdiſchen Inſeln (in O.S.O.) noch über 600 Seemeilen entfernt, und die Richtung der Strömung um dieſe Inſeln (gegen S.W. und W.S.W.) entgegnet der oft geaüßerten Vermuthung, als kämen die Tangmaſſen, die man oft, doch aber immer nur in mäßiger Menge, auf der großen Handelsſtraße von Spanien nach Trinidad und Caracas zwiſchen Lat. 19°—22°, und ſchon Long. 28°—29½° antrifft, vor den Inſeln S. Antonio und Bonaviſta. Labillardière’s Beobachtung leitet auf die Frage, ob die große Fucus- Zone von Corvo, die im Mittelzuſtande in Long. 40° und 41° liegt, durch N.W. Stürme und Strömung getrieben, zuweilen 6° bis 7° öſtlicher vortritt, oder aber ob es nicht vielmehr in den Lat. von 24° und 34° gleichzeitig mehrere vorliegende Tang-Streifen giebt, deren einer, und zwar der öſtlichſte, in der Richtung, in der Labillardière ſteüerte, durchſchnitten ward. Lichtenſtein’s Erfahrungen weichen weniger auffallend von dem Normalzuſtande ab. Otto von Kotzebue erwähnt in ſeiner Reiſebeſchreibung des Sargaſſo-Meeres nicht, aber der vortreffliche Naturforſcher dieſer Expedition, Adalbert von Chamiſſo, hat nur in ſeinem Tagebuche aufgefunden, daß der Rurick auf der Rückkehr nach Eüropa die erſten Tangmaſſen am 22. Mai in Lat. 20° und Long. 37½° W. zu durchſchneiden anfing; in Lat. 23° und Long. 38¼° (am 24. Mai 1818) wurden ſie ſehr haüfig und dick. Man verlor ſie aus dem Geſicht, als man in Lat. 35° 42′ und Long. 37½° (S.W. von Flores) gelangte. Folgende Zahlen beſtimmen genauer die Örtlichkeit der Beobachtungen nach Horner’s Angaben: 22. Mai Lat. 19° 59′ Long. 37° 30′ W. 23. 21 40 38 35 24. 23 06 39 11 25. 25 23 39 20 26. 27 39 39 30 27. Mai Lat. 30° 04′ Long. 39° 44′ W. 28. 32 37 38 55 29. 34 34 38 15 30.... 35 42 .... 37 32 „Der Rurick fand alſo die große Tang-Zone von Corvo eben da, wo Birch, Alſager, Hamilton und Livingſton ſie 1818 — 1820 geſehen hatten. Eben ſo Meyen auf der Rückreiſe von Canton im Jahre 1832. Die erſten bedeütenden Maſſen des Seegraſes erſchienen in Lat. 20° und Long. 36° 20′: die Menge nahm zu im Parallel von 24° und Long. 39½°. Das Maximum war Lat. 35° und 36° bei Long. 43¼° W. Dieſe Angaben ſtimmen vollkommen mit dem, was wir oben als den Normal- Zuſtand geſchildert haben, überein. Um ſo befremdender iſt es mir, daß Admiral Kruſenſtern, faſt mitten durch dieſe Zone hinſteüernd (Juni 1806) Lat. 27° 25′ Long. 40° 29′ W. 3034 43 30 3732 41 06 und ſo nach überaus genauen Längenbeſtimmungen des See-Tangs gar nicht erwähnt . Allerdings bleibt das Phänomen einer grünenden Oberfläche ungeſehen, wenn man auch nur wenige Meilen vom Rande des Streifens hinſegelt. Eine genaue Unterſuchung des Gegenſtandes lehrt, daß man genau unterſcheiden muß zwiſchen dem eigentlichen großen Längenſtreifen von Corvo, deſſen Hauptachſe die Meridiane von 40° und 43° durchſchneidet, und dem mit Tangbündchen mehr oder weniger dicht erfüllten Meere, das öſtlich von jenem großen Längenſtreifen zwiſchen den Parallelen von 20° und 35° ſich bis zum 32ſten Längengrade, ja bis zum Meridian von Fayal erſtreckt. Die Exiſtenz dieſer ſporadiſchen Maſſen und vorliegenden Streifen, auf welche die Schiffer treffen, die vom Vorgebirge der guten Hoffnung nach Eüropa heimkehren, beweiſen die Beobachtungen von Kruſenſt. Reiſe, II. 422 — 424. Aber aus Horners Tabelle des ſpecifiſchen Gewichts des Meerwaſſers ſieht man, daß die Nadeſchda zwiſchen Lat. 25° und 26° und Long. 39¼° W. „von Seegras, mit dem das Meer weit umher bedeckt iſt, umgeben war.“ (Bd. III., 151. 153.) Dieſe Angabe ſtimmt ziemlich mit dem überein, was wir für den Normal-Zuſtand halten. — Ht. Lichtenſtein .......... Lat. 19½° Long. 35¾° — Lat. 22¼° Long. 36¼° Bory de St. Vincent .... 23½ 35 Freycinet (Exped. der Urania) 28° 31′ 35° 55′ — 36° 01′ 35° 44′ Duperrey (Exped. d. Coquille) 29 54 32 45 — 31 35 31 07 D’Urville (Exp. de l’Aſtrolabe) 24 51 32 39 — (26 2033 39 2905 30 53 Gaudichaud (Rückreiſe v. Chili) Lat. 27¾° Long. 37¾° — Lat. 29° Long. 35½° Labillardière ......... 25 31 — 36½35½ „Die zweite und kleinere Gruppe von See-Tang liegt in S.S.W. und S.W. der Bermuden. Wie mir nach neüern Unterſuchungen ſcheint, kann man ihre Gränze im Mittelzuſtande alſo angeben: Lat. 25° — 31°, Long. 68° — 76°. Die Hauptachſe iſt ungefähr N. 60° O. gerichtet. Man durchſchneidet ſie, wenn man von den Bermuden nach dem Baxo de Plata (Caye d’Argent) im Norden der Halbinſel Samana von Haïti, ſegelt. Ein ſehr erfahrner ſpaniſcher Seemann, der mich von der Havana im Mai 1804 bei ſehr ſtürmiſcher See durch die Bahama-Straße nach Philadelphia führte, hat mich verſichert, in der kleinen Fucus-Bank im Weſten von den Lucayiſchen Inſeln zuſammenhangende Tangmaſſen von ¾ bis 1 Seemeile Länge geſehen zu haben. Bei ſchwachem Winde hinderten ſie ſehr bemerkbar den Lauf des Schiffes.“ „Um ſich ein vollſtändiges Bild von der Vertheilung dieſer geſellſchaftlich lebenden Thalaſſiophyten zu machen, muß man noch eine Meer- Zone betrachten, welche zwiſchen Lat. 25° und 31½° N. die große Bank von Flores und Corvo, den ſchmalen von N. gegen S. gerichteten Streifen, mit der kleinern, mehr inſelförmig abgerundeten, ſüdweſtlich von den Bermuden verbindet. Dieſe vermittelnde Zone iſt zu jeder Jahrszeit in der ungeheüern Erſtreckung von mehr als 1000 Seemeilen mit parallelen ſchwimmenden, aber freilich wenig angehaüften Lagen von Fucus natans in theils friſchem, theils ſehr veraltetem Zuſtande erfüllt, ſo daß ein Schiff nicht vom 44° bis zum 68° der Länge, von der großen Bank zur kleinern, gegen W. ſegeln kann, ohne nicht faſt von Stunde zu Stunde Bündeln von zerſtreütem See-Tang zu begegnen. Bisweilen erreicht in ſehr weſtlichen Längen das scattered weed den Parallel von 34½° und nähert ſich dem öſtlichen Rande des Golfſtroms.“ „Will man die Benennung „Mar de Sargaſſo“ auf dieſe ganze Gegend von Corvo bis zu den Bermuden und dem Meridiane der Lucayiſchen Inſel Eleüthera ausdehnen, ſo erhält man für einen Raum, der haüfig aber nicht gleichzeitig mit See-Tang gefüllt iſt, über 65,000 deütſche Quadratmeilen, faſt ſechs Mal ſo groß als Deütſchland.“ — [A. von Humboldt Abhandlung über Meeresſtröme (Manuſcript)]. Wir wenden uns zu den Strömungen des Großen Oceans. Das ungeheüre Becken, welches dieſe Waſſerfläche füllt, iſt bei weitem noch nicht in dem Maaße bekannt, wie das Atlantiſche Meer; indeſſen läßt eben dieſe Großartigkeit des Raumes es erwarten, daß, wie die Luftſtröme eine gewiſſe Regelmäßigkeit darbieten, ſo auch den Meeresſtrömen nicht die Manchfaltigkeit und Verſchlingung eigen ſein wird, welche in dem oceaniſchen Engthal zwiſchen den Weſtküſten der Alten und den Oſtküſten der Neüen Welt nachgewieſen worden ſind. Von den Strömungen des Stillen Meeres nimmt die längs der Küſte von Südamerika fließende unſere Aufmerkſamkeit zunächſt in Anſpruch. „Wie die Exiſtenz und allgemeine Richtung des Golf-Stroms“ — heißt es in Hrn. v. Humboldt’s oben ſchon mehrfach benütztem Manuſcript — „Jahrhunderte lang den eüropäiſchen Schiffern vor der Temperatur bekannt waren, ſo war auch in der Südſee, ſeit den früheſten Zeiten des beginnenden Verkehrs zwiſchen Chili, Lima und Guayaquil, das Daſein einer großen Meeresſtrömung von S. nach N. und N.N.W. beobachtet worden. Nur die niedrige Temperatur dieſer Meeresſtrömung und der wichtige Einfluß derſelben auf, die, fälſchlich der Nähe der ſchneebedeckten Cordilleren zugeſchriebene, Kühle der Peruaniſchen Küſten waren bei meiner Ankunft an dem Littoral der Südſee völlig unbekannt. Franklin hatte ſchon 1775 die Hoffnung geaüßert, „daß Phyſiker wol einſt im Ocean Flüſſe kalten Waſſers entdecken würden, welche Waſſer hoher Breiten den niedern zuführen, wie er gezeigt habe, daß die mexikaniſchen Golfwaſſer umgekehrt, aus niedern Breiten höheren zuſtrömend, einen Theil der empfangenen Tropen-Wärme dem Azoriſchen, ja ſelbſt dem Cantabriſchen Meere mittheilen.“ Faſt dreißig Jahre vergingen, ehe dieſe Hoffnung des großen Mannes erfüllt wurde, da zwiſchen La Condamine’s und meiner Expedition jene Weltgegenden nur in botaniſcher und aſtronomiſch-geographiſcher Hinſicht durch Ruiz und Pavon, wie durch Aleſſandro Malaspina’s Begleiter durchforſcht worden waren.“ „Wir überſtiegen zum vierten Male die hohe Andeskette im Septemder 1802, als wir, Hr. Bonpland und ich, aus dem obern Lauf des Amazonen-Stroms unfern der Catarakten von Tomependa in der Provinz Jaen de Bracameros über das Plateau von Caxamarca uns nach Lima begaben, um dort oder im Hafen Callao den erſten Merkurs-Durchgang dieſes Jahrhunderts zu beobachten. Seit 18 Monaten von den Küſten des Atlantiſchen Oceans entfernt, hatte ich eine große Sehnſucht, das Stille Meer zu ſehen und dort, in der ſüdlichen Hemiſphäre, die Beobachtungen über die Meerestemperatur fortzuſetzen, welche mich in der nördlichen ſo lebhaft beſchäftigt hatten. Auf dem majeſtätiſchen Paramo de Guamani, der von der Meeresküſte noch 32 deütſche Meilen entfernt iſt, und ungefähr 2300 t abſolute Höhe hat, wurde die Südſee mehr geahnet als geſehen. Aber auf dem beſchwerlichen Pfade von der alten Berg- und Inga-Stadt Caxamarca nach der neü-peruaniſchen Küſtenſtadt Truxillo erblickt man zum erſten Male deütlich das Südmeer von einer Höhe, die kaum 1700 t beträgt, weſtlich von dem Dorfe Guangamarca in einer räthſelhaften, auch durch ihre ungeheüre Mächtigkeit berühmt gewordenen Flözquarz-Formation. Man ſteigt auf dem Rücken der Cordilleren auf- und abwärts, lange in der Hoffnung, endlich das Meer zu erblicken, getaüſcht, bis man auf eine Felsmauer etwa 650 t über Guangamarca gelangt. Die horizontale Entfernung dieſes Punktes von der Küſte beträgt an 48 Bogenminuten oder 45600 t , wenn ich meine kronometriſchen Längenbeſtimmungen zum Grunde lege. Das Littoral, die ſandige, faſt ganz vegetationsloſe, nie von Regen getränkte niedere Zone, das peruaniſche Cuntiſuyu, erreicht man erſt jenſeits der Chorillos, bei dem Dörfchen Cascas, von Gebüſchen der blattloſen Colletia umgeben, nahe den Ruinen von Chimaca, Bauwerke, die nicht den Ingas, ſondern dem Gran Chimbo von Manſiche ihr altes Daſein verdanken.“ „Das erſte Geſchäft eines reiſenden Phyſikers, wenn er nach langer Abweſenheit in Gebirgsgegenden an die Meeresküſte gelangt, iſt die Beſtimmung der Barometerhöhe und der Temperatur des Waſſers. Ich war mit letzterer beſchäftigt in der Gegend zwiſchen Truxillo und Guaman, bei Callao de Lima und auf der Schifffahrt von Callao nach Guayaquil und Acapulco in einer Strecke des Stillen Meeres von mehr als hundert deütſchen Meilen. Zu meinem größten Erſtaunen fand ich das Meer an der Oberfläche unter Breiten, wo es außerhalb der Strömungen 26° bis 28°,5 iſt, bei Truxillo, Ende Septembers, 16°,0; bei Callao, Anfang November, 15°,5. Die Luft-Temperatur war in der erſten Epoche 17°,8, in der zweiten 22°,7, alſo (was wichtig zu bemerken iſt) 7° wärmer als der Ocean in der Strömung. Die Luft konnte alſo nicht das Meer erkältet haben, und ohne noch eine nähere Kenntniß von dem Klima von Lima oder der Epoche zu haben, in der die „Garua“ herrſcht, d. h. in der die Sonne von einer Nebelſchicht verſchleiert iſt und Monate lang eine ſcharfbegränzte rothgelbe mondartige Scheibe darbietet, faßte ich ſchon in Truxillo, bei der erſten Annäherung an die Küſte, die ſeitdem durch viele Seefahrer beſtätigte Anſicht, daß die peruaniſche Strömung eine Polar- Strömung ſei, welche, von hohen Breiten niedern zueilend, den Hauptſinuoſitäten der Küſte und N.N.W. Richtung folgt, und daß die große Temperirtheit des peruaniſchen Küſten-Klima, ich kann ſagen die empfindliche Kälte, welche man mitten in den Tropen und wenige Fuß über dem Meeresſpiegel erhaben in der ſogenannten Wüſte des Baxo-Peru erleidet, ihren Grund in der geringen Meereswärme und der gehemmten Wirkung der Sonnenſtrahlen während der Garua (drei- oder viermonatlicher Verſchleierung der Himmelsdecke) hat.“ „So oft ich im Oktober und November die Meerestemperatur um Callao prüfen konnte, war ſie zwiſchen 15°,5 und 16°,0, bei Nacht kaum 0°,4 kälter als bei Tage; nur einige Male ſank ſie auf wenige Stunden auf 15° und 14¾° herab, wenn (was in dieſem ſonſt ſo friedfertigen Theile der Südſee karakteriſtiſch iſt und von vielen Küſtenbewohnern als Folge ſubmariner vulkaniſcher Regungen betrachtet wird) bei dem heiterſten Himmel und völliger Windſtille ein ungemein hoher und hohler Wellenſchlag plötzlich an der Granitküſte zu branden beginnt. Wahrſcheinlich hatte dieſe letztere Temperatur-Erniedrigung von 14¾° dieſelbe Urſache, welche nach meinen Vorſtellungen die Waſſer über einer Sandbank erkältet. Bei der tiefen, vielleicht vulkaniſchen Aufregung des Oceans miſchen ſich untere Waſſerſchichten mit den obern, wie ſie durch Stoß anſteigend auf eine Sandbank, gleichſam auf das Plateau einer ſubmariniſchen Inſel gelangen. Auf eine ähnliche Weiſe habe ich im mexikaniſchen Meerbuſen bei Vera Cruz die Meereswärme ſinken ſehen, ehe noch der Nordſturm ſelbſt an der unwirthbaren Küſte gefühlt ward. Dies Sinken war, wie die Störung der regelmäßigen ſtündlichen Barometer- Veränderungen, ein Vorbote des Sturmes (de los Nortes), der hier nicht Waſſer höherer Breiten herbeiführt (die Stärke der ſüd-nördlichen Strömung in der Bahama-Straße macht dies unmöglich), ſondern das Meer aufwühlt und die kältern Waſſer der Untiefen zwiſchen den Tortugas und den Mündungen des Rio del Norte und des Miſſiſſippi herbeiführt. Von der ſogenannten Erhitzung des Meeres bei heftigem Wellenſchlage, welche wahrſcheinlich nach theoretiſchen Anſichten von Reibung und Leüchten die Alten annahmen, und die auch der ſonſt ſo verdienſtvolle Peron vertheidigt, habe ich in Stürmen nie etwas beobachten können. „Vom Anfang des Monats November bis zum Ende des Decembers ſah ich die Temperatur der Südſee allmälig zunehmen; ſie wuchs bis 21°,0 und die Regelmäßigkeit dieſer Zunahme wird vollkommen durch ſpätere, von meinem Freünde Duperrey im Jahre 1825 gemachte Temperatur-Verſuche erwieſen. Den 25. December 1802 ſegelte ich vom Callao nach Guayaquil, um dort ein Schiff zu ſuchen, das mich an die weſtliche Küſte von Mexiko bringen könnte. Auf dieſer ganzen Schifffahrt hatte ich Gelegenheit, die Verbreitung der kalten Meeresſtrömung, gegen N.W., und den merkwürdigen Einfluß, den dieſelbe von dem am meiſten gegen Abend vorſpringenden Theile von Südamerika zwiſchen Punta Tarinna und Cabo Blanco erleidet, zu beobachten. Die Konfiguration der Peruaniſchen Küſte bietet zwei Mal, erſt unter dem 18° und dann unter dem 5° der Breite, in dem konkaveſten und dem konvexeſten Theile ihrer Kurve, Punkte dar, welche in der weſtlichen afrikaniſchen Küſte der Konvexität des Grünen Vorgebirges und der Konkavität des Golfs von Biafra korreſpondiren. Dieſe Wendepunkte des Littorals, und zwar Wendepunkte weſtlicher Küſten, deren eine, die amerikaniſche, in der ſüdlichen, die andere, die afrikaniſche, in der nördlichen Hemiſphäre liegt, modificiren durch ihre Erdſtellung gegen den Ocean und die herrſchenden Winde gleichzeitig die Meeresſtrömungen, das Klima und den Karakter der Vegetation. In dem Neüen Welttheile iſt dieſe Einwirkung der weſtlichen Küſtenrichtung und Kontinental-Form um ſo mächtiger, als ſie hier (und nur hier allein) einer nahen hohen Bergkette, der der Andes, genau parallel laüft. Folgendes enthält Thatſachen und Meinungen, die ſich mir zuerſt darboten und wie ich ſie auf dem Meere niederſchrieb: — „„Die Strömung begünſtigt dermaßen an dieſen Küſten jede Fahrt von Süden nach Norden, daß man leicht in 4 bis 5 Tagen vom Callao nach Guayaquil, in 8 bis 9 Tagen von Valparaiſo nach dem Callao (Entfernung über 400 deütſche Meilen) ſchifft, wenn man zu dem Rückwege, gleichſam ſtromaufwärts, mehrere Wochen, ja in einzelnen Fällen Monate braucht. Auf meiner Fahrt war die Temperatur-Erhöhung der kalten Strömung, wie ich mich dem Äquator näherte, bis 4½° S. Breite, nicht ſehr bedeütend, kaum von 1°,2. Das Meer zeigte, ſo lange wir in der Strömung waren, zwiſchen 21°,0 und 22°,5. Die Beſorgniß, daß trotz der großen Tiefe des Meeres an der peruaniſchen Küſte die Nähe der Küſte ſelbſt die Temperatur des Oceans könne modificirt haben, wurde bald entfernt, da ich auf offenem Meere, 25 bis 30 deütſche Meilen von dem feſten Lande entfernt, die Waſſer auch noch 21°,0 wie zwiſchen dem Callao und der Inſel San Lorenzo fand. Die Strömung wendete ſich plötzlich bei dem Vorgebirge Cabo Blanco gegen Weſten, und wir geriethen nun in wenigen Stunden von Waſſern zu 20°,4 und 20°,6 in Waſſer von 27°, ein Unterſchied von zwölf Fahrenheit’ſchen Graden. „„Völliger Mangel von Regen und völlige Abweſenheit elektriſcher Exploſionen, oder wie die Küſtenbewohner, trotz der Garua oder nebeligen Umhüllung der Himmelsdecke, rühmend ſagen, la serenidad perpetua del Perù (die ewige Heiterkeit von Peru), längs des von Erdbeben ſo oft und ſo ſchrecklich heimgeſuchten Littoral in der langen Strecke von 25 Breitengraden von Coquimbo bis zur Höhe von Amotape oder Cerritos de la Brea. Dieſer ſonſt unbedeütende, aber als klimatiſche Gränze ſo wichtige Hügel liegt nördlich von Chira zwiſchen Punta Pariña und Cabo Blanco, ein Vorgebirge, welches ſpaniſche Küſtenfahrer ſpöttiſch el Cabo de Hornos de los Cholos nennen, weil das Meer in ſeiner Nähe gewöhnlich ſehr hohen Wellenſchlag hat und die von Guayaquil kommenden jenſeits dieſes Vorgebirges zuerſt einen ſtarken und kühlen S.W. Wind zu fühlen anfangen. Auch wir haben ſeit dem 30. December, wo wir das Cabo Blanco umſchifften, aber von S. nach N., trotz der ſonſt ſo gleichförmigen Temperatur der Seeluft, eine auſfallende klimatiſche Veränderung geſpürt. Das Fahrenheit’ſche Thermometer, deſſen ich mich bediene, ſtand in den höhern ſüdlichen Breiten den 30. Decbr. noch um Mittag beim heiterſten Himmel nur zwiſchen 70° und 74° (21°,0 und 23°,3), während, daß am 31. Decbr. ſüdlich von der Felſeninſel Mortajado es ſchon um 9 h Morgens, und dazu bei dunſtigem Himmel und verſchleierter Sonne, auf 80° (26°,7) ſtieg. Der Boden nördlich von dem Hügel von Amotape iſt kaum 100 bis 130 t höher als die ſüdliche Ebene: nichts läßt ſich unmittelbar aus den Lokalverhältniſſen dieſes klimatiſchen Gränzpunktes erklären; ſeine Wichtigkeit ſcheint allein durch die allgemeine Richtung der Cordilleren und ihr Verhältniß zu den Winden beſtimmt zu ſein. Nur der mehrjährige Aufenthalt eines Phyſikers an dieſem Gränzpunkte, einer wahren Wetterſcheide, würde uns befriedigen können über die Fragen, warum man nördlich Regengüſſe, Gewitter und eine üppige Vegetation in der Ebene (gegen Guayaquil hin) zu finden anfängt, wenn ſüdlich Regen- und Vegetationsloſigkeit, Mangel elektriſcher Exploſionen und der ſonderbare Anblick des Himmels während der Garua-Monate zwiſchen der Küſte und den Cordilleren herrſchen. Jetzt, da der Boden einmal ſüdlich vom Cerro de Amotape von aller Pflanzendecke wüſtenartig entblößt iſt, während daß nördlich, bei Guayaquil, in der feüchten Provinz de las Esmeraldas und im Choco das Littoral mit Urwäldern dicht bedeckt iſt, begreift man, wie die ſo verſchiedene Beſchaffenheit der wärmeſtrahlenden Erdoberfläche auf Bildung, Zug und Entladung der Wolken zwiſchen der Andeskette und dem Ufer der Südſee fortwährend wirken können. Aber eine ſolche Betrachtung erklärt eher das Fortbeſtehen der gegenwärtigen Verhältniſſe der Atmoſphäre, als das Beginnen eines ſolchen Zuſtandes des Himmels in Hinſicht auf Temperatur, Dürre, elektriſche Spannung, periodiſche Verdunkelung der Himmelsdecke und gehinderte Verbreitung (Wanderung) der Pflanzen. Der Bewohner des Baxo-Peru, ſüdlich von der Anhöhe Amotape, ſieht Wetterleüchten an dem fernen Abhange der Cordilleren, aber kennt das Rollen des Donners ſo wenig als der Grönländer. Wegen der lockern Bauart ſeiner Haüſer würde ihn der Regen mehr als das Erdbeben ſchrecken, wenn ein ſolches, dem Littoral ſo fremdes, bisweilen kaum zwei oder drei Mal in einem ganzen Jahrhundert ſich zeigendes Phänomen überhaupt den ſorgloſen Tropenländer beängſtigen könnte. Unter allen Zonen richtet der Menſch ſeine Bauart immer mit dem Minimum phyſiſchen Kraftaufwandes nach dem gewöhnlichen mittlern Zuſtande der über- und unterirdiſchen Meteorologie ſeiner Gegend, nach dem Maaße ſeiner unentbehrlichſten Lebensbedürfniſſe ein. Den Erdbeben trotzen die leichtgeflochtenen, mit Lehm und Gyps beworfenen, wenige Zoll dicken Wände in den Wohnungen des Baxo-Peru; ein Regenguß von einigen Stunden zerſtört aber die flachen, durch Hunde vertheidigten Dächer und das Fachwerk der Seitenwände. Große Zerſtörungen richteten Regengüſſe im Baxo-Peru in den Jahren 1701, 1720 (Januar) und vorzüglich 1728 (Februar und März) an, wo es 40 Tage lang faſt ununterbrochen in der Ebene am Fuß der Cordilleren und ſelbſt an der Küſte regnete. Der Regen war mit nahem Donner begleitet und veranlaßte Epidemien unter dem Landvolke. Auch im Jahre 1790 in dem Städtchen Lambayeque in dem nördlichen Theile der peruaniſchen Wüſte fielen mehrere Haüſer ein (freilich leicht wie Kartenhaüſer gebaut) bei einem Regenguſſe von wenigen Stunden. Solche Anomalien, die auch im ägyptiſchen Delta und in Cairo bemerkt werden, konnten einen Beobachter hauptſächlich über die wunderſame Meteorologie des Niedern Peru aufklären. Contraſte der Winde, welche Luftſchichten von verſchiedener Temperatur und von verſchiedenem Dunſtgehalt herbeiführen, ſpielen gewiß die Hauptrolle dabei. Wenigſtens iſt mir allgemein in Lima verſichert worden, daß, wenn vom April bis Mai lange Nordwinde geweht haben und der Wind plötzlich ſich in Süden umſetzt, nicht ſelten einige Regentropfen an der Küſte fallen, und in den anomalen Jahren 1701, 1720 und 1728, wo ſtarke Regengüſſe fielen, waren ſolche ſchnellen Wechſel ſehr gemein. Wie weit das dem peruaniſchen Tieflande eigenthümliche Klima auf dem nahen Ocean herrſche, darüber habe ich bisher nur widerſprechende Nachrichten einſammeln können; gewiß iſt es indeß, daß zwiſchen denſelben Parallelkreiſen in der Südſee daſſelbe Klima wie im Atlantiſchen Meere, periodiſche Regengüſſe, Blitz und Donner und nebelfreier Himmel, gefunden werden. Die früher entwickelten Anomalien beſchränken ſich alſo recht eigentlich auf das Littoral und das nahe Gebiet der kalten Meeresſtrömung. Wie in den Tropen, z. B. in den Antillen, ſelbſt in Caracas, das Fallen von Hagelkörnern Wunder erregt, wie bei uns das Fallen von Aerolithen, ſo hat ſich auch in Lima die Erinnerung an die Tage erhalten, in denen man einen Donnerſchlag hörte, wie 13. Juli 1552 acht Uhr Abends, andere 1720 und 1747 und 19. April 1803. — H—t. „„Iſt der Urſprung der letztern in der Endſpitze von Südamerika am Ausgange der Magalhaens-Straße am Kap Pilar, wo im November die Meeres-Temperatur kaum 5° bis 6° iſt, zu ſuchen? Ein erfahrener ſpaniſcher Seeoffizier, Don Joſef de Moraleda, der das Schiff kommandirte, auf dem ich die Überfahrt vom Callao nach Guayaquil machte, verſichert, daß er in dem Archipelagus der Inſeln Chonos und Huaytecas, deren Küſten er aufgenommen, die Schnelligkeit des längs des Littorals gegen N. fließenden Waſſers nur gering, auf der Oberfläche drei bis fünf Zehntheile einer engliſchen Seemeile in der Stunde wie in einem Drift-Current gefunden habe: aber ſorgfältige Verſuche bei dem Lothen hatten erwieſen, daß in einer Tiefe von 12 bis 15 Faden die Strömung in derſelben Richtung weit ſtärker ſei. Die bewegten Theile des Waſſers bewahren, zwiſchen wärmeren Schichten hinfließend, lange die Kälte hoher Breiten und bleiben, ihrer ſpecifiſchen Schwere nach, in der Tiefe. Von Valparaiſo und Coquimbo, beſonders aber von Arica nördlich bis Lima iſt die Strömung am ſchnellſten (12 bis 14, bisweilen ſelbſt 18 engliſche Seemeilen in 24 Stunden). Es geſchieht hier, was man überall bei Meeresſtrömungen bemerkt, die an eine ſich plötzlich wendende Küſte ſtoßen; das Hinderniß beſchleünigt ihren Lauf und längs der Küſte findet ſich das Maximum der Geſchwindigkeit. Dieſe Gewalt des Stroms iſt Urſache, daß Schiffe, welche zur Zeit der Garua von Quilca nach dem Callao de Lima ſegeln, mehrere Tage keine Breiten-Beobachtung erhalten, und ſich nicht nach der Geſtalt der flachen, in Nebel verhüllten Küſte orientiren können, oft zu ihrem größten Nachtheil den Hafen Callao vorbei bis Huaura und Guarmey ſegeln, wenn ſie ſich der Log-Rechnung nach noch ſüdlich vom Callao glauben. Die Nebel und Verhüllungen ſind am dickſten zwiſchen Pisco und Lima. Die Fahrt gegen den Strom von N. nach S. iſt ſo mühevoll, daß, von Paita oder Callao nach Valparaiſo oder San Carlos de Chiloe ſegelnd, die Schiffe, um die Strömung zu vermeiden, ſich mehr als 8° weſtlich vom Meridian der Inſel Juan Fernandez halten. Ja einſt verirrte ſich eine ſpaniſche Fregatte, Santa- Roſalia, auf der Überfahrt von Paita nach Valparaiſo dergeſtalt, daß ſie, wahrſcheinlich vom Äquinoctial-Strom gegen Weſten fortgeriſſen, die Oſter-Inſel (Isla de Pascua oder de San Carlos der Spanier) berührte. Nachdem die peruaniſche kalte Küſtenſtrömung ihr Maximum zwiſchen Arica, Quilca und Lima erreicht hat, nimmt ſie nordweſtlich wieder ab. Zwiſchen Lima und dem Cabo Blanco, wo ſie plötzlich die Küſte verläßt, ſich gegen W. wendet und ſich der allgemeinen Rotation oder Äquinoctial- Strömung beimiſcht, war nach meinen Beobachtungen die mittlere Geſchwindigkeit kaum 7 bis 8 engliſche Seemeilen in 24 Stunden. „„Die Lokalbeſchaffenheit der Küſte an dieſem Wendepunkt und das öſtliche Zurücktreten derſelben jenſeits der Punta Pariña und dem Cabo Blanco ſind unſtreitig Verhältniſſe, welche, außer der Entfernung einer bis zu 20°,6 erkalteten Meeresſtrömung, die größere Wärme des Littorals von Guayaquil und die ganz verſchiedene Luft-Konſtitution nördlich von dem Cerro de Amotape beſtimmen. Bei Punta de la Aguja, der darauf folgenden Punta de Nonura und in der ganzen Bucht von Sechura bis zu dem Rio Chira und den Zwillings-Hügeln der Negritos iſt die Küſte ganz niedrig. Hoch iſt das Land um Punta Pariña und Cabo Blanco, bis es ſich wieder gegen N.O. in dem Golfete de Guayaquil erniedrigt. Die mehrmals genannte Anhöhe von Amotape oder Cerritos de la Brea (Erdpech) liegt 15 engliſche Seemeilen von der Küſte entfernt, und von da an ſchließt ſich ein Rücken (Querjoch) unter dem Parallelkreis von 6° öſtlich gegen die vortretende Andeskette von Ayavaca. Durch dieſe Geſtaltung wird alles nördlich Gelegene vor den kalten S. und S.W. Winden geſchützt. Dieſer Schutz nimmt noch beträchtlich zu nördlich von Guayaquil, wo im Choco die Küſte volle 4° öſtlich vom Meridian der Punta Pariña zurücktritt und dazu das Hochland von Quito ſich ſo mächtig weſtlich vordrängt. Längs der ganzen Ebene von Chili und Peru kann die ſüdliche Polarluft ungehindert ſtrömen.““ Folgende Beobachtungen der Meeres- und Luft-Wärme entlehnt Hr. von Humboldt aus dem ungedruckten Theil ſeines Schiffs-Journals, mit Weglaſſung der Angaben des Deluc’ſchen Hygrometers, des Kyanometers und der ſpecifiſchen Schwere des Seewaſſers. Die Fahrenheit’ſchen Grade des Originals ſind hier auf die Celſius’ſche Skale reducirt worden. Meeres- und Luftwärme vom Callao de Lima nach Guayaquil. 1802. Decbr. Südliche Latitudo. Weſtlich vom Callao. Temperatur der Erlaüterungen. See. Luft. 24. 12° 3′ 0 21°,0 22°,9 Im Hafen von Callao vor der Abfahrt. 25. 11 19 0° 42′ 21,7 23,3 Nordweſtlich vom Pelado, einer der Farallons de Huaura. Friſcher S.W. 26. 9 55 1 47 20,5 22,3 Im offenen Meere, ohne Anſicht der Cordilleren. Meeresſtille. Man hört das Plätſchern einzelner Arme der Meeresſtrömung. „ 9 50 1 50 22,2 23,0 Faſt Meeresſtille. 27. 8 48 2 40 22,2 23,7 Eben ſo. 28. 7 49 3 20 22,0 24,5 Friſcher S.W. „ 7 24 3 27 22,5 22,5 Wind ſtärker. 29. 6 26 4 09 22,2 23,0 Immer noch ohne Anſicht des Landes. 30. 4 42 4 13 20,4 22,2 Zwölf engl. Seemeilen weſtlich v. Punta Parinna. Meeresgrund in 90 Faden. „ 4 32 4 14 20,6 21,0 Eilf engliſche Seemeilen im W. von Cabo Blanco. Dieſelbe Tiefe. 31. 3 35 4 05 25,4 26,8 Faſt Meeresſtille. „ 3 29 .... 26,6 26,0 Vierzehn engl. Seemeilen im S.W. von Punta de Malpaſſo. „ 3 16 .... 27,5 21,1 Vier engl. Seemeilen im S. von der Inſel el Muerto. Meeresgrund 90 b. 100 Fad. Lange bevor Hr. von Humboldt von den Verſuchen des Kapt. Duperrey Nachricht haben konnte, hatte er Gelegenheit, dem Baron Dirckinck (welcher eine Campagne der königl. franzöſiſchen Golette l’Aigrette als Volontair mitmachte) aufzutragen, eine lange Reihe von Beobachtungen über die Temperatur des Meeres anzuſtellen, und insbeſondere die kalte Temperatur der Meeresſtrömung an den peruaniſchen Küſten zum Gegenſtand ſeiner Unterſuchung zu machen. Baron Dirckinck, ein junger, talentvoller Offizier, hat dieſen Auftrag trefflich erfüllt, da er von Valparaiſo nach Arica und Quilca (16. December 1824 bis 2. Januar 1825); von Quilca nach dem Callao de Lima (3. bis 12. Januar 1825); von Chorillos bei Lima nach Quilca (6. bis 20. Febr. 1825); von Chorillos nach Panama (30. März bis 15. April); von Panama nach Guayaquil (22. April bis 11. Mai); von Chorillos nach San Carlos de Chiloe (20. Juni bis 6. Juli) und von Chorillos nach Valparaiſo (31. Juli bis 9. Auguſt 1825) ſegelte, ohne einen einzigen Tag die Beobachtungen auszuſetzen. Er fand bei Callao und Chorillos die Temperatur des Meeres und der Luft folgender Maßen: Zeitpunkt. Meereswärme. Luftwärme. Januar 12 22°,3 23°,3 März 30 20,2 21,0 Juni 20 18,7 18,2 Auguſt 9 17,1 16,5 „Da Hr. von Dirckinck — bemerkt Hr. von Humboldt in ſeiner Denkſchrift — drei und zwanzig Jahre ſpäter auf ſeinem Kurſe von Callao nach Panama einen Theil deſſelben Weges faſt unter denſelben Breiten- und Längengraden als ich beobachtet hat, ſo ſchalte ich dieſen Theil ſeiner Beobachtungen bis nördlich von dem Parallel des Cabo Blanco ein, um die geringen Unterſchiede der Jahreszeit (Ende December 1802 und April 1825) bemerklich zu machen: Meereswärme vom Callao de Lima bis zum Äquator. 1825. Südliche Breite. Länge W. vom Callao. Temperatur der Erlaüterungen. (Meereswärme nach F.) Tag. Stunde. Südſee. Luft. 30 März 1½ 6 18 .... .... .... .... .... .... 21°,6 19,5 19,6 21°,3 21,3 20,0 S. Wind; heiter. 66°,9 F. S.S.W. 31, — 0 6¼ 20 11° 40′ .... .... 0° 55′ .... .... 20,6 21,5 21,0 22,2 21,7 22,7 69°,1 F. S. 69°,7 1 April 0 1½ 6¼ 12 12 .... .... .... .... .... .... .... .... .... .... ... 21,6 22,2 21,2 22,2 ... 22,6 22,7 22,2 25,0 S.S.O. S. ¼ S.O. 70°,2 F. Meeresſtille. 2 — 0 6 12 16 21¾ 8° 33′ .... .... .... .... 2° 42′ .... .... .... .... 23,0 24,1 23,1 22,1 22,5 24,0 24,7 22,9 22,3 25,6 73°,4 F. S. heiter. S.O. ¼ S. 71°,7 F. 72,5 F. 3 — 0 6 16 20 6° 58′ .... .... .... 3° 57′ .... .... .... 21,6 21,8 22,0 22,6 23,5 22,6 21,8 22,8 70°,8 F. S.O. ¼ S. 71°,5 F. O. ¼ N.O. 4 — 0 6 20 5° 5′ .... .... 4° 16′ .... .... 22,6 22,8 24,7 24,6 23,7 24,0 72°,7 F. S.S.W.; heiter. Etwas N. vom Cabo Blanco. 5 — 0 6 12 22 2° 34′ .... .... .... 4° 14′ .... .... .... 26,2 26,6 25,0 26,1 26,2 25,0 25,2 26,3 79°,2 F. 79,8 F. S. wolkig. Bedeckt. 6 — 0 6 12 16 1° 2′ .... .... .... 4° 9′ .... .... .... 26,8 27,2 27,2 27,5 27,6 26,5 26,6 26,2 80°,3 F. 81,0 F. Bedeckt. 81°,5 F. Regen! 7 — 0 6 19½ 0° 50′ N. .... .... .... .... .... 27,7 28,1 28,5 26,2 27,3 27,5 S.W. Regen! 83°,3 F. „Der Übergang aus der kalten Meeresſtrömung in die ſtromfreie See zwiſchen dem 4. und 5. April, von 71° und 72°,7 F. zu 80° und 83° etwas nördlich vom Parallel des Cabo Blanco iſt in dieſer Tabelle ſehr bemerklich. Ich kam ungefähr in derſelben Gegend von 70° zu 80° F.“ — (A. von Humboldt’s Handſchrift.) Auf ſeiner Fahrt von Valparaiſo nach Lima in der zweiten Hälfte des Monats December 1824 fand Baron Dirckinck die Meereswärme Von Lat. 35° S. (Long. 79½°) bis Lat. 30° S. (Long. 75½°) meiſt 13°,7 bis 17°,2 Von Lat. 30° S. bis zum Wendekreis des Steinb. (Long. 75°) meiſt 16,2 „ 20,0 Vom Wendekreis bis Lat. 17° S. (Long. 74½°) .... meiſt 21,1 „ 23,7 Von Lat. 17° S. bis Lat. 13° S. (Long. 79°) .... wieder 20,6 „ 22,5 Die letzte Beſtätigung der Anſichten des Hrn. von Humboldt rührt von Hrn. Meyen her, der zu Anfang des Monats Mai 1831 im Hafen von Callao folgende Temperaturen beobachtete: Meereswärme. Luftwärme. 7½ h Morgens 18°,0 18°,0 12 Mittags 18,7 21,0 5 Nachmittags 18,3 20,6 In ſeiner Denkſchrift hat Hr. von Humboldt die mittlern Reſultate überſichtlich zuſammengeſtellt; es ergiebt ſich hiernach für verſchiedene Monate die Temperatur der Meeresſtrömung bei Callao folgender Maßen: Monate. Jahr. Meereswärme. Beobachter. Januar, Anfang 1825 22°,5 Dirckinck. Februar, Ende 1823 17,7 Duperrey. März, Anfang 1823 18,6 Duperrey. — Ende 1825 20,2 Dirckinck. Mai, Anfang 1831 18,3 Meyen. Juni, Ende 1825 18,7 Dirckinck. Auguſt, Anfang 1825 17,1 Dirckinck. Septbr., Ende 1802 (16,0) Humboldt. Novbr., Anfang 1802 15,5 Humboldt. December, Ende 1802 20,8 Humboldt. Mittel 18°,5 „Die drei fehlenden Monate April, Juli und Oktober würden, wenn man ſie zufügen könnte, wahrſcheinlich die eben gefundene mittlere Temperatur des Meeres bei Callao wenig verändern, da ſie zwiſchen Monate fallen, die wir kennen. Da Luft- und Meeres-Wärme in Wechſelwirkung ſtehen, ſo wäre es intereſſant, die Mitteltemperaturen der Atmoſphäre in den einzelnen Monaten für Callao oder Lima mit Genauigkeit zu kennen; denn die Angaben der Luft-Temperatur in dem Moment, wo die Wärme des Meeres beobachtet wird, ſind wenig belehrend. Die große Waſſermaſſe empfängt nur ſehr langſam den Einfluß der Atmoſphäre, und in ſeiner Meeresſtrömung, deren Schnelligkeit von Winden und vielen ſehr fernen, uns unbekannten Urſachen modificirt wird, iſt ſchwer zu unterſcheiden, was von dem jedesmaligen Temperatur-Wechſel der veränderten Schnelligkeit des Oceaniſchen Stromes, was der Jahreszeit, der mittlern Wärme eines letztverfloſſenen Monats zugehört.“ Zur Beſtimmung der mittlern Luftwärme von Lima benützt Hr. von Humboldt die täglichen Beobachtungen, welche Don Hippolito Unanne in den beiden Jahren 1799 und 1800 angeſtellt hat, deren Reſultate er aber nur als annähernde Werthe betrachtet, denn „die Beobachtungen ſind leider! in der Mittagsſtunde“ und in einem „wohl gelüfteten Zimmer, nicht in freier Luft gemacht. Ich habe, ſagt Hr. von Humboldt, verſucht, ſie nach meinen eigenen, im Jahre 1802 in denſelben Monaten gleichzeitig im Freien und im Zimmer gemachten Erfahrungen zu korrigiren, und finde dann für die mittlere Temperatur von Lima, ungeſähr gleich den, 18 Breitengrade vom Äquator weiter abliegenden Städten Cairo und San Auguſtin de Florida, 22°,7; für den Tag 23°,1 bis 25°,6, für die Nacht 16°,2 bis 18°,7. Die Mittel der einzelnen Monate für Lima ergeben ſich 1799 und 1800 wie folgt: Januar 25°,6 Juli 20°,3 Februar 26,6 Auguſt 19,6 März 26,7 September 19,0 April 25,2 Oktober 20,7 Mai 23,0 November 22,2 Juni 20,2 December 23,8 Mittel 22°,7. „Nach Beobachtungen von Don Mariano de Rivero war 1826 die mittlere Temperatur des Monats März 28°,5; April 27°,0; Mai 22°,0; Beobachtungen, die mit wohl berichtigten, der freien Luft, im Schatten ausgeſetzten Thermometern angeſtellt worden ſind, und von denen meine ältern Beobachtungen nur wenig abweichen. Das obige Reſultat für die mittlere Jahreswärme ſtimmt (zufällig) ſehr genau mit dem von Caldcleugh überein; dieſer Reiſende findet 22°,5. Dagegen geben zweijährige Beobachtungen, welche Stevenſon liefert, und welche im jährlichen Mittel 21° darbieten, eine noch niedrigere Temperatur.“ Über den Verlauf der meteorologiſchen Erſcheinungen an der Küſte von Peru innerhalb eines Jahres theilt Hr. von Humboldt in dem mehrerwähnten Manuſcripte Folgendes mit: — „Die größte Wärme tritt gewöhnlich Ende Februar ein. Die Kälte, wenn man mittlere Monats- Temperaturen von 19½° bis 20° mit dieſem Namen belegen kann, beginnt im Mai und dauert bis Mitte September, von welcher an die Wärme wieder ſteigt. Im November beginnt man wieder die Sterne zu ſehen, die bis April ſichtbar bleiben. Denn das ganze flache weſtliche Peru, oder wie die Ingas in ihrer offiziellen Adminiſtrations-Sprache ſagten, das ganze Cuntiſuyu hat nur zwei Jahreszeiten, eine warme, verhältnißmäßig heitere (Oktober bis Mai, mittlere Wärme 21°,2 bis 27°), und eine kalte (Ende Mai bis Mitte September, mittlere Wärme 20½° bis 21°), in der Sonne und Geſtirne verſchleiert ſind. Die Zeit der ſtationären Nebel, Garua, dauert von Ende April und Anfang Mai bis November. Die dunſtförmigen Niederſchläge nehmen alſo die kalte Jahreszeit ein. In dieſer Epoche erſcheint die Sonnenſcheibe wochenlang, als wenn man ſie durch ein gelbroth gefärbtes Blendglas ſähe. Leider aber treten dieſe Verhüllungen der Himmelsdecke auch in den warmen Monaten December, Januar und Februar, auch einzeln ein, und Don Jorge Juan und La Condamine nennen daher mit Recht Lima den Märtyrer-Ort der Aſtronomen. Die Stadt Lima iſt nur den S. und W. Winden geöffnet, aber in Norden und Oſten längs des obern Laufs des Rimac und des Valle de Lurigancho iſt ſie durch einen Halbkreis von Hügeln vor Winden geſchützt. Die Ingebornen glauben daher, daß die Nebel in Lima haüſiger und dauernder als an der freien Meeresküſte im Callao ſind. Der herrſchende Wind in Cuntiſuyu iſt Süd und Südoſt, der bisweilen mit Nordweſt abwechſelt. Dieſe Unterbrechung tritt am haüfigſten zwiſchen der Frühlings- und Herbſt-Nachtgleiche ein, alſo in der kalten Jahreszeit, unerachtet in der ſüdlichen Hemiſphäre dieſer Nordwind vom Äquator her weht. Man bemerkt, daß, wenn (was jedoch ſelten) der N.W., der den Bewohnern Kopfweh giebt, ſchon Morgens zwiſchen 9 h und 11 h weht, er augenblicklich zwar die Nebel verſcheücht, daß dieſe aber bald darauf viel dicker werden, beſonders bei wiederkehrendem S.W. Die Dunſtniederſchläge ſind alſo wol Folgen kontraſtirender Winde. Garua, kältere Jahreszeit, Wechſel von S. und N. Winden fallen alſo, wie die obere Tabelle der Temperaturen der Meeresſtrömung zeigt, mit der gröſſern Kälte dieſer zuſammen. In den Monaten der Garua (Mai bis Oktober) iſt die Temperatur des Meeres im Callao 17°,5, die der Luft in Lima 20°,5 (alſo Luft wärmer als Waſſer 3°). In der heiteren, wärmeren Jahreszeit (November bis April) iſt die Meeresſtrömung 19°,2 und die mittlere Temperatur der Luft in Lima 25° (alſo Luft wärmer als Waſſer 5°,8). Die Atmoſphäre, vom Nebel entblößt, nimmt alſo durch Sonnenwirkung und Wärmeſtrahlung des Bodens in der heißen Jahreszeit um 4½° zu, während daß die Meeresſtrömung nur 1°,7 Wärme verliert. Dieſe Verhältniſſe beweiſen hinlänglich, daß es nicht die geſchwächte Inſolation iſt, welche dem Meere ſeine niedrige Temperatur giebt, denn zu jeder Jahreszeit iſt die Luft hier wärmer als das Waſſer. Bei heiterer Atmoſphäre muß allerdings die Sonnenwärme die Kälte der Meeresſtrömung etwas vermindern, um ſo mehr, da die erwärmten Theile des Waſſers auf der Oberfläche bleiben, und die mittlere Temperatur von 19°,6, welche man vom November bis April im Hafen bemerkt (einzelne Monate geben dann ſogar 22½°), iſt gewiß gleichzeitig Folge der langſamern Strömung und der Inſolation. Auch ſüdlich von Lima erkennt man in Hrn. von Dirckinck’s Beobachtungen dieſe Zunahme der Temperatur, wenn man den Auguſt (einen ſehr kalten Monat) mit dem wärmeren December und Februar vergleicht. Im Auguſt wurde das Meer längs der Peruaniſchen Küſte zwiſchen 13° und 17° Breite (Long. 78° bis 79°) 16° bis 17½° gefunden; im December war es 20½° bis 22½°; Anfang Februar 22½° bis 24½°. Im Hafen Callao ſelbſt ſteigt Ende Januar bisweilen ſelbſt die Meereswärme ſo, daß der ſpaniſche Seekapitain Quevedo, 1803, ſie nahe an der Inſel San Lorenzo 25°,5 fand, noch 3° mehr, als Hr. von Dirckinck im Anfang Januar 1825. Obgleich auf Sandbänken die erkalteten Waſſer haüfig dicke Nebel erregen, wie ich ſelbſt erfahren, ſo iſt der Unterſchied der Kälte der Meeresſtrömung bei Lima in der verhüllten und heitern Jahreszeit doch wol viel zu gering, um die Garua als Folge der Strömung zu betrachten. Über den eigentlichen Urſprung oder vielmehr Anfangspunkt der Bewegung der kalten Waſſer längs des Littorals von Peru hat Hr. Duperrey ganz neüe Anſichten aufgeſtellt. Durch Vergleichung der Strom- Beobachtungen vieler mit Kronometern ausgerüſteten Reiſenden hat dieſer erfahrene Seeoffizier zu erweiſen geſucht, daß zwiſchen den Meridianen des Süd-Kaps von Neü-Zeeland und der Inſel Pitcairn eine Waſſermaſſe in einer Breite von mehr als 60 Längengraden ſich als „Drift“ von ſchmelzendem Eiſe und herrſchenden S.S.W. Winden getrieben vom Süd- Pole her, erſt gegen N.N.O., dann gegen N.O., endlich gegen O.N.O. bewegt, zwiſchen Concepcion und Valparaiſo an die Küſte von Chili anprallt und ſich dort eben ſo theilt, als es an der Braſiliſchen Küſte bei Kap St. Auguſtin der Äquinoctial-Strom des Atlantiſchen Meeres thut, welcher nordweſtlich gegen die Mündung des Orinoco und ſüdweſtlich gegen die Mündung des La Plata fließt. Nach Hrn. Duperrey geht der bei Valparaiſo getheilte Südpolar-Strom, den Küſten folgend, ſüdlich gegen Chiloe, den Archipelagus de los Chonos, Kap Pilar und Kap Hoorn, nördlich gegen Arica, Callao und Payta bis Cabo Blanco. Dieſe Anſicht umfaßt einen ungeheüern Raum der Meeresfläche, verſetzt in eine Ferne von 1300 geographiſchen Meilen den Urſprung des Peruaniſchen Küſtenſtromes und ſteigert ein Phänomen der ſüdlichen Hemiſphäre, das mich ſo lange beſchäftigt hat, zu der Größe, in welcher Rennell’s Forſchungen uns den Golf- oder Florida-Strom der nördlichen Hemiſphäre zeigen, wenn ſie ihn bis zur Nadelbank beim Vorgebirge der guten Hoffnung aufwärts verfolgen.“ (A. von Humboldt’s Handſchrift. Memoir über Meeresſtröme.) Nach den Erfahrungen von Flinders ſpaltet ſich am Kap Leeuwin die Strömung in zwei Stromgänge, von denen der eine nördlich längs der Weſtküſte von Neüholland und der andere öſtlich längs der Südküſte dieſer kontinentalen Inſel fließt. Im Mai und December fand er zwiſchen dem genannten Kap und dem König Georgs-Sund eine Geſchwindigkeit von 27 m täglich; ſie nahm aber weiter öſtlich bis auf 16 und 13 m ab. In der Mitte des Indiſchen Meeres, bei den Tſchagos-Inſeln, laufen die Strömungen von der Mitte Mai bis zum Oktober, zu welcher Zeit der Südoſt-Paſſat hier in ſeiner Kraft weht, beſtändig nach N.W. mit einer Geſchwindigkeit von 15 m in 24 h . Im November werden ſie ſchwächer und folgen dem Luftſtrom, der von jetzt an veränderlich wird; zuweilen laufen ſie alsdann nach Oſten, in welcher Richtung, im Monat December, eine Geſchwindigkeit von 30 m innerhalb vierundzwanzig Stunden beobachtet worden iſt. Die Runde um die Erde auf ihrem flüſſigen, oceaniſchen Element iſt vollendet! Vom Südrande Afrika’s ausgehend ſind wir dahin zurückgekehrt; wir haben die Strombewegungen des Meeres in allen ſeinen Theilen, nach allen ihren Geſichtspunkten, kennen gelernt und gefunden, daß die Stromgänge des Atlantiſchen Oceans und der längs der Weſtküſte von Südamerika fließende Strom kalten Waſſers, Dank ſei es den Forſchungen James Rennell’s und A. von Humboldt’s, aus dem Dunkel, welches ſie früher umhüllte, mit einer Beſtimmtheit hervortreten, welche wenig zu wünſchen übrig läßt. „So bieten die oceaniſchen Flüſſe,“ — heißt es am Schluß von Hrn. von Humboldt’s Denkſchrift, — „indem ſie die Temperatur einer Zone in die andere tragen, die alte Verbreitung der Menſchen-Racen und den Handelsverkehr der geſitteten Völker bald befördern, bald ſtören, von ruhenden Waſſerſchichten uferartig umgeben, aber dieſe Ufer nach dem Wechſel der Jahreszeiten erweiternd oder verlaſſend, der phyſiſchen Erdbeſchreibung einen neüen und unermeßlich reichen Stoff der Unterſuchung dar. Die manchfaltigſten Urſachen, einzeln wirkend oder ſich gegenſeitig modificirend, beherrſchen dies raſtloſe Treiben (nach Gleichgewicht-Streben) der flüſſigen Oberfläche unſeres Planeten. Die Meeresſtrömungen werden belebt durch anhaltend wehende Winde, Verſchiedenheiten der ſpecifiſchen Schwere der mehr oder minder erwärmten oder ſalzigen Theile des Waſſers, Veränderung des Barometer-Drucks, durch Anhaüfung der Waſſer im Meerbuſen (wie in dem Mexikaniſchen) oder Störung des Niveaus, durch ſtarke Verdunſtung (wie im Mittelmeere), endlich durch periodiſches Schmelzen des Polar-Eiſes, welches die Exiſtenz manchfaltig durchſchnittener großer Polar-Inſeln begünſtigt. Die Richtung der Strömungen wird durch die Konfiguration der Küſten, durch die Rotation der Erde, wenn die Waſſertheile im Fortſchreiten gegen den Äquator oder gegen die Pole nur allmälig die jedem Breitengrade zugehörige Rotations-Geſchwindigkeit annehmen, durch Winde und Gegenſtrömungen manchfach modificirt. Es iſt das Geſchäft des Phyſikers, die numeriſchen Elemente dieſer Verhältniſſe (die primitiven Urſachen der Bewegung und ihrer Störungen) nach dem freilich unerreichbaren Vorbilde der aſtronomiſchen Wiſſenſchaften, zu beſtimmen und ununterbrochen zu berichtigen, damit wenigſtens einiges von den ewigen Geſetzen erkannt werde, welche die klimatiſchen Veränderungen der Feſte von den Strömungen der flüſſigen Umhüllung unſeres Planeten, dem Ocean und dem Luftmeer, abhängig machen.“ (Manuſcript, S. 99—101.)