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Alexander von Humboldt: „Ueber die Bergketten und Vulcane von Inner-Asien und über einen neuen vulcanischen Ausbruch in der Andes-Kette“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1830-Ueber_die_Bergketten-01> [abgerufen am 05.02.2023].

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https://humboldt.unibe.ch/text/1830-Ueber_die_Bergketten-01
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Titel Ueber die Bergketten und Vulcane von Inner-Asien und über einen neuen vulcanischen Ausbruch in der Andes-Kette
Jahr 1830
Ort Leipzig
Nachweis
in: Annalen der Physik und Chemie 18:1 [= 94:1] (1830), S. 1–18; 18:3 [= 94:3] (1830), S. 319–354, Karte.
Entsprechungen in Buchwerken
Alexander von Humboldt, Fragmente einer Geologie und Klimatologie Asiens. Aus dem Französischen mit Anmerkungen, einer Karte und einer Tabelle vermehrt von Julius Löwenberg, Berlin 1832, S. 12-77.

Alexander von Humboldt, Fragmens de géologie et de climatologie asiatiques, 2 Bände, Paris: Gide / A. Pihan Delaforest / Delaunay 1831, Band 1, S. 12–162.
Sprache Deutsch
Schriftart Antiqua
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: V.2
Dateiname: 1830-Ueber_die_Bergketten-01
Statistiken
Seitenanzahl: 55
Zeichenanzahl: 108262

Weitere Fassungen
Ueber die Bergketten und Vulcane von Inner-Asien und über einen neuen vulcanischen Ausbruch in der Andes-Kette (Leipzig, 1830, Deutsch)
Heights of Table Lands (Edinburgh, 1830, Englisch)
Mémoire sur les chaines des montagnes et sur les volcans de l’Asie intérieure, et sur une nouvelle éruption volcanique dans la chaine des Andes (Paris, 1830, Französisch)
Recherches sur les Systèmes de montagnes et les Volcans de l’intérieur de l’Asie (Extrait) (Paris, 1830, Französisch)
Sur les chaînes et les volcans de l’intérieur de l’Asie, et sur une nouvelle éruption dans les Andes (Paris, 1830, Französisch)
Sur les Volcans de l’Asie centrale (Paris, 1830, Französisch)
О горныхъ кряжахъ и вулканахъ внутренней Азiи, и о новомъ вулканиическомъ изверженiи в Андахъ. А. ф. Гумбольдта. (Перев. Д. Соколова.) [O gornych krjažach i vulkanach vnutrennej Azii, i o novom vulkaničeskom izverženii v Andach. A. f. Gumbol’dta. (Perev. D. Sokolova.)] (Sankt Petersburg, 1830, Russisch)
Aus Humboldts neuester Reise (München, 1831, Deutsch)
On the chains of mountains and volcanos of Central Asia (London, 1831, Englisch)
On the Mountain-chains and Volcanoes of Central Asia, with a Map of Chains of Mountains and Volcanoes of Central Asia (Edinburgh, 1831, Englisch)
О горныхъ системахъ Средней Азiи. (Изъ новѣйшаго сочиненiя Г-на Гумбольдта.) [O gornych sistemach Srednej Azii. (Iz novějšago sočinenija G-na Gumbolʹdta.)] (Sankt Petersburg, 1831, Russisch)
О горныхъ системахъ Средней Азiи. (Изъ новѣйшаго сочиненiя Барона Гумбольдта.) [O gornych sistemach Srednej Azii. (Iz novějšago sočinenija Barona Gumbolʹdta.)] (Moskau, 1831, Russisch)
Fisica del Globo. Considerazioni sui vulcani (Mailand, 1833, Italienisch)
|1|

Ueber die Bergketten und Vulcane von Inner-Asien und über einen neuen vulcanischenAusbruch in der Andes-Kette;von Alexander von Humboldt. (Aus einem Schreiben an den Herausgeber.)


Vulcane, welche von einem fortdauernden Verkehr zwi-schen dem flüssigen (geschmolzenen) Innern der Erdeund der, die starre oxydirte Oberfläche umhüllenden At-mosphäre zeugen, sind, in ihrer Verbindung mit Erzeu-gung von Steinsalzbänken, mit Salsen (kleinen Ausbruch-Kegeln, welche Schlamm, Naphtha, irrespirable Gasar-ten, bisweilen selbst, aber nur auf kurze Zeit, Flammen,Dämpfe und Blöcke ausstoßen), mit heißen Quellen,Erdbeben und Erhebungen von Gebirgsmassen ein sowichtiger und großartiger Gegenstand der Naturbetrach-tung, daß sie nicht bloß den Geognosten, sondern denPhysiker, im allgemeinsten Sinne des Worts, interes-siren. Diese Rücksicht auf ein rein physikalisches In-teresse hat Sie bewogen, die Leser der Annalen mitden geistreichen Ideen über die Verbreitung von Central-und Reihen-Vulcanen bekannt zu machen *), welche
*) Jahrgang 1827, Heft 5. 6. 7. 8.
|2| Leopold von Buch in seinem großen Werke überdie Canarischen Inseln so glücklich entwickelt hat. Wasich Ihnen heute über vulcanische Erscheinungen in gro-ßer Entfernung vom Meere vorlege, ist allerdings vonweit geringerer Wichtigkeit; es sind Local-Phänomenevon Central-Asien und dem Innern von Südamerika, überdie ich Gelegenheit gehabt habe, einige bisher nicht be-kannte Nachrichten einzusammeln. Wir wissen noch sowenig von dem geheimnißvollen Verkehr, in dem bren-nende Vulcane mit der Meeresnähe stehen, daß Alles,was sich auf die unerwartete Lage eines Vulcans im In-nern der Continente bezieht, selbst Local-Phänomeneneine höhere Bedeutsamkeit giebt.
Bei der Sommer-Reise, die ich im letztverflossenenJahre mit meinen Freunden, den HH. Ehrenberg und Gustav Rose, in dem nördlichen Asien bis jenseits des Obi zu machen Gelegenheit hatte, bin ich, ungefähr,sieben Wochen lang an der Gränze der chinesischen Dzungarei (zwischen den Festungen Ust-Kamenogorsk,Buchtarminsk, und dem chinesischen Vorposten Cho-nimailächu *) nördlich vom Dzaisang-See) an der Ko-saken-Linie der Kirgisen-Steppe **) und am CaspischenMeere gewesen. In den wichtigen Tauschörtern Semi-polatinsk, Petropawlowski, Troitzkaja, Orenburg und Astrachan habe ich mich überall bemüht, von den viel-reisenden Tartaren (im russischen Sinne des Worts, woTartaren nicht mongolische, sondern türkische Stämmegenannt werden), Bukharen und Taschkendern Nach-richten über die nahgelegenen Theile von Inner-Asieneinzuziehen. Reisen nach Thurfan (Turpan), Akhsu,Khoten, Jerkand und Kaschmir ***) gehören zu den
*) Nach der dortigen mongolischen Aussprache; richtiger wahr-scheinlich Haini-Mailahou. Der Kirgisische Name des chinesi-schen Vorpostens am Irtysch ist Koschtubä. **) Eigentlich Steppe der Khozak oder Kaizâk. ***) Ich besitze mehrere Itinerarien nach diesen entfernten Punk-
|3| seltneren; aber Kaschgar, das Land zwischen dem Altaiund dem nördlichen Abhange des Himmels-Gebirges (Thian-schan, Mussur oder Bokda Oola), wo Tschugultschak,Korgos und der chinesische Verbannungsort Gouldja oder Kura, 5 Werste vom Ili-Flusse, liegen, das Khanat von Kokan, Bokhara, Taschkend und Schersawes (Schähar-Sebs), südlich von Samarkand, werden häufig besucht.In Orenburg, wo jährlich Karawanen von mehreren tau-send Kamelen ankommen, und wo der Tauschhof dieverschiedenartigsten Nationen versammelt, hat ein wissen-schaftlich gebildeter Mann, der Ingenieur-Oberst v. Gens, Director der asiatischen Schule und der Commission fürGränzstreitigkeiten mit den Kirgisen der Kleinen Horde,seit zwanzig Jahren mit kritischer Umsicht eine Masse derwichtigsten Materialien über die Geographie von Inner-Asien eingesammelt. In den vielen Itinerarien, welcheHr. v. Gens mir mittheilte, fand ich folgende Bemerkung:»Als wir (auf dem Wege von Semipolatinsk nach Jer-kand) an den See Alakull oder Aladingis, etwas nord-östlich vom großen See Balkhasch *), in den der Ilä (Ili) einmündet, gelangten, sahen wir einen sehr hohenBerg, der ehemals Feuer ausgeworfen hat. Noch gegenwär-tig erregt dieser Berg, der sich als eine Insel in dem Seeerhebt, heftige Stürme, welche den Karawanen beschwer-
ten, die einen nicht unwichtigen Beitrag zu dem Wenigen liefernwerden, was uns die, von den HH. Wolkow und Senkowski im Journal asiatique und in Baron Meyendorff’s Reise be-kannt gemachten Itinerarien gelehrt haben.*) D’Anville nennt diesen See, dem die Pansner’sche Karte\( \frac{3}{4} \) Länge giebt, Palcati-Nor. Ich habe ihn an den Irtisch-Ufern von asiatischen Kaufleuten vorzugsweise Tenghiz nennenhören; weil das Wort Tenghiz oder Denghiz bei türkischredenden Stämmen im Allgemeinen Meer bedeutet, so Ak-tenghiz, das weiße Meer (Voyage à Astrakhan du Cte. Jean Po-tocki, 1829, T. I. p. 240.); oder Thengiz, das caspische Meer,in welches die Wolga fließt (Klaproth’s Mém. relat, à l’Asie,T. I. p. 108.); oder Ala-Denghiz, das bunte Meer.
|4| lich fallen: deshalb opfert man diesem ehemaligen Feuer-Berge im Vorbeireisen einige Schaafe.«
Diese Nachricht aus dem Munde eines reisenden Tar-taren im Anfange unseres Jahrhunderts gesammelt (vielleichtvon Fayfulla Sseyfullin, der seit dem December vor. J.wieder in Semipolatinsk ist, und mehrmals in Kasch-gar und Jerkand war?) erregte um so mehr Interesse,als sie mich an die brennenden Vulcane von Mittelasienerinnerte, deren Existenz wir aus den gelehrten Untersu-chungen chinesischer Schriften von Abel Remusat und Klaproth kennen, und deren Lage, fern vom Meere,so viel Aufsehen machte. Kurz vor meiner Abreise vonPetersburg erhielt ich durch die thätig zuvorkommendeGefälligkeit des Kaiserlichen Polizei-Meisters zu Semi-polatinsk, Hrn. von Klostermann, folgende bei Buk-haren und Taschkentern eingesammelte Nachrichten. »Reiseroute von Semipolatinsk nach Kuldscha (Guldja)25 Tage, über die Gebirge Alschan und Kondegatay inder Kirgisensteppe Mittlerer Horde, die Ufer des Sees Savandekull, das Gebirge Tarbagatay in der Dzungarei, und den Fluß Emyl, bei dessen Ueberfahrt sich der Wegmit dem, der von Tschugultschak nach der Provinz Ili führt, vereinigt. Vom Fluß Emyl bis zum See Alakull rei-set man 60 Werste. Der See wird von den Tartaren als455 Werste (104\( \frac{3}{4} \) W. =1 ° von 15 geograph. Meilen) von Semipolatinsk entfernt gerechnet. Er liegt rechts vomWege, ist 50 Werste breit, und erstreckt sich 100 W. vonOsten gegen Westen (gewiß eine übertriebene Angabe!).Mitten in dem See Alakull befindet sich eine sehr hoheBergspitze, welche Araltube genannt wird. Von da biszur chinesischen Wache zwischen dem kleineren See Ja-nalaschkull und dem Flusse Buratara, an dessen UferKalmücken wohnen, sind 55 Werste.« Wenn man die beiden Itinerarien von Orenburg und Semipolatinsk mit einander vergleicht, so bleibt es kei-nem Zweifel unterworfen, daß der Berg, welcher der Tra- |5| dition der Eingebornen nach (also in historischen Zeiten)Feuer gespien hat, die Kegel-Insel Aral-tube ist *). Dadas Wichtigste in dieser Nachricht die geographische Lageder Kegel-Insel selbst und ihr Positions-Verhältniß zudenen, von Hrn. Klaproth und Hrn. Abel-Remusat, nicht in Reiseberichten, sondern in sehr alten chinesischenWerken erkannten Vulcanen von Inner-Asien (nördlichund südlich vom Himmels-Gebirge) betrifft, so erlaubenSie mir wohl einige geographische Erläuterungen hinzuzufü-gen. Diese Erläuterungen scheinen mir um so nothwendi-ger, als die bisher erschienenen Karten noch immer die ge-genseitige Lage der Bergketten und Seen in der Dzunga-rei und dem Uighuren-Lande Bisch-Balik zwischen demTarbagatai, dem Ili-Flusse und dem großen Thianschan (Himmels-Gebirge), nördlich von Aksu, so unvollkommendarstellen. Bis Klaproth’s vortreffliche Karten von Cen-tral-Asien, als Fortsetzung und Vervollkommnung desAtlas von d’Anville erschienen seyn werden, rathe ich,den Blick ja nicht auf Arrowsmith’s, für Darstellungder Bergsysteme so gefährlichen, Karten, sondern auf Berthe (1829) und Brué, vorzüglich aber auf Klap-roth’s kleine Karten in der Asia polyglotta, den Ta-bleaux historiques de l’Asie (1826) und der sehr vorzüg-lichen Skizze (Asie centrale) in den Mémoires relatifsà l’Asie, T. II. p. 362., zu werfen. Der mittlere und innere Theil von Asien, welcherweder einen ungeheuren Gebirgsknoten, noch ein unun-
*) Der Name bedeutet im kirgisisch-türkischen Dialekte Insel-Hügel, von tube Hügel und Aral Insel. Mongolisch würde man sagen Aral-dobo. So heißt auch Aral-Noor mongolisch-kalmückisch, Insel-See, und die Inselgruppe bei Jenotaïewsk in der Wolga heißtkalmückisch Tabun-Aral, die fünf Inseln. Im Chalcha-Mon-golischen Dialekte ist dybe, dem türkischen tübä ähnlich (stattdes rein-mongolischen oola) Berg, Hügel. Man sehe die kirgi-sischen und mongolischen Wortverzeichnisse in Klaproth’s Mém. rel. à l’Asie, T. III. p. 350. 355. Id. Asia polyglotta, p. 276. u. Atlas, p. xxx. Voyage du Cte. Potocki, T. I. p. 33.
|6| terbrochenes Tafelland bildet, wird von Osten gegen We-sten durch vier große Gebirgssysteme durchschnitten, wel-che mannigfaltig auf die Bewegungen der Völker einge-wirkt haben, durch den Altai, der westlich in das Kirgi-sen-Gebirge abfällt, das Himmels-Gebirge, der Kuenlun und die Himalaya-Kette. Zwischen dem Altai und demHimmels-Gebirge liegen die Dzungarei und das Bassin desIli-Flusses; zwischen dem Himmels-Gebirge und dem Kuen-lun die sogenannte Kleine, eigentlich hohe Bukharei (Kasch-gar, Jarkend und Khoten oder Yuthian, die großen Wü-sten (Gobi, Schamo), Thurfan, Khamil (Hami) und Tan-gut (nämlich das eigentliche nördliche Tangeu der Chi-nesen, welches nicht mongolisch mit Tübet oder Sifan zuverwechseln ist); zwischen dem Kuenlun und den Hima-laya-Ketten liegen das östliche und westliche Tübet (Lassaund Ladak). Will man sehr einfach die drei Hochebe-nen zwischen dem Altai, Himmels-Gebirge, Kuenlun undHimalaya durch die Lage von drei Alpen-Seen, bezeich-nen, so können die großen Seen Balkhasch, Lop undTengri (Terkiri-Noor nach d’Anville) dazu dienen,welche den Hochebenen der Dzungarei, denen von Tan-gut und Tübet entsprechen.
I. Bergsystem des Altai, die Quellen des Irtyschund Jenisei (Kem) umgebend; östlicher Tangnu; Sayans-kisches Gebirge zwischen dem See Kossogol (Kusukull)und dem kleinen Binnen-Meere Baikal, das hohe Kenteiund das Daurische Gebirge: endlich nordöstlich sich an-schließend an Jablonnoi Chrebet (das sogenannte Apfel-gebirge), an Khingkan Tugurik und das Aldanische Ge-birge nach dem Okhotskischen Meerbusen hin. Mittleregeographische Breite in der ostwestlichen Erstreckung 50°bis 51° \( \frac{1}{2} \). Ueber den nordöstlichen Theil dieses Berg-systems zwischen dem Baikal, Jakutsk und Okhotsk ha-ben wir bald befriedigende geographische Aufschlüsse voneinem talentvollen und unbeschreiblich thätigen Reisen-den, Hrn. Dr. Erman, zu erwarten. Der Altai selbst |7| nimmt allerdings kaum sieben Längengrade ein, aber wirgeben der nördlichsten Umwallung der großen Massenerhe-bung von Inner-Asien, die den Raum zwischen 28° und 51°ausfüllt, den Namen Bergsystem des Altai, weil einfach ge-bildete Namen sich leichter dem Gedächtnisse einprägen, undder Altai, wegen seines Metallreichthums (er liefert gegen-wärtig jährlich an 70,000 Mark Cölln. Silber und 1900Mark Gold) den Europäern am meisten bekannt ist. Der Altai, türkisch und mongolisch das Goldgebirge (Altain oola) *) ist kein Randgebirge wie die Himalaya-Ketten,die das Hochland von Tübet begränzen, und also nurgegen das Indische Tiefland schnell abfallen. Die flacheGegend um den Dzaysang-See und noch mehr die Step-pen um den See Balkhasch sind gewiß nicht 300 Toi-sen über dem Meeresspiegel erhaben. Ich vermeide in dieser Darstellung absichtlich (inUebereinstimmung mit den Nachrichten, die ich in demwestlichen und südlichen Altai, in den Bergstädten Smeï-nogorsk, Ridderski und Syrianowski eingezogen) den Na-men des Kleinen Altai. Bezeichnet man mit diesem Na-men, wie gewöhnlich von Geographen, keinesweges abervon den asiatischen und russischen Anwohnern geschieht **),den mächtigen Gebirgsstock zwischen dem Narym-Flusse,den Quellen der Buchtorma, der Tschuja, dem Telezzi-schen-See, der Bija, dem Schlangenberge und dem Irtyschoberhalb Ust-Kamenogorsk, also das russisch-sibirischeGebiet zwischen 79° \( \frac{3}{4} \) und 86° östlicher Länge von Pa-ris und den Parallelen von 49° \( \frac{1}{4} \) und 52° \( \frac{1}{2} \); so ist die-ser Kleine Altai, an dessen südwestlichem Rande (im so-genannten Kolywan-Woskrescenskischen Vorgebirge) dieAusbrüche von Granit, Porphyr, trachytischen Gesteinenund edlen Metallen sich zeigen, dem Umfange und der
*) Mit der mongolischen Genitivform ïn. Klaproth’s Mém. rel.à l’Asie, T. II. p. 382.**) Ledebour’s Reise, T. I. S. 271. und T. II. S. 114.
|8| absoluten Höhe nach wahrscheinlich beträchtlicher als den Großen Altai, dessen Lage und Existenz als eine eigne Kettevon Schneebergen fast gleich problematisch sind. Arrow-smith und, seinem willkührlich gewählten Typus folgend,mehrere neue Geographen nennen Großer Altai eine imagi-näre Fortsetzung des Himmels-Gebirges, das sie in Ostenvon dem Weintrauben-Lande Khamil (Hami) und derMantschuren-Stadt Barkul *) gegen die östlichsten Quellendes Jenisei und das Gebirges Tangnu nordöstlich verlän-gern. Die Richtung der Wasserscheide zwischen den Zu-flüssen des Orkhon und des Steppen-Sees Aral-Noor **), jadie unglückliche Gewohnheit, hohe Ketten zu zeichnen über-all wo Wassersysteme sich trennen, haben diesen Irrthumveranlaßt. Will man auf unsern Karten von Inner-Asienden Namen eines Großen Altai beibehalten, so muß manihn einem hohen Gebirgszuge in ganz entgegengesetzterRichtung ***), von Nord-West gegen Süd-Ost, zwischendem rechten Ufer des Obern Irtysch und dem Jeke-Aral-Noor (dem Großen Insel-See), bei Gobdokotho, geben.Hier, also südlich von dem Narym und der Buchtorma, dieden russischen sogenannten Kleinen Altai begränzen, istder Ursitz türkischer Stämme, der Ort, wo Dizabul, derGroß-Khan der Thu-khiu, am Ende des sechsten Jahr-hunderts einen byzantinischen Gesandten empfing †). Die-ser Goldberg ††) der Türken (Kinschan der Chinesen
*) Tschin-si-fou.**) Bei Gobdo-Khoto, unweit des Buddha-Tempels Tschoung-ngan-szu.***) Parallel der Kette des Changai (Khangai) zwischen dem Jeke-Aral-Noor der Dzungarei und dem Schneegebirge Tangnou, insüdöstlicher Richtung gegen die ehemalige Mongolen-Stadt KaraKhorum hin. Klaproth’s Asia polyglotta, p. 146.†) Id. Tabl. histor. p. 117. — Id. Mém. T. II. p. 388.††) Es ist wohl unentschieden, ob der alt-türkische oder chine-sische Name Goldberg für den Altai, südlich vom Narym-Flüß-chen und der jetzigen russischen Gränze, seinen Ursprung dengoldhaltigen Trümmern, welche die Kalmücken noch jetzt in den
|9| in derselben Bedeutung) führte auch die alten Namen Ek-tag und Ektel, beide wahrscheinlich desselben Ur-sprungs. Noch gegenwärtig soll weiter südlich, unter 46°Breite, fast im Meridiane von Pidjan und Thurfan, ein ho-her Gipfel den mongolischen Namen Alta ïn niro (Gipfeldes Altai) führen. Vereinigt sich dieser Große Altai nocheinige Grade südöstlicher mit dem Gebirge Naiman-Oola,so finden wir hier ein Querjoch, das in der Richtungvon Nordwest gegen Südost den russischen Altai mit dem Himmels-Gebirge, nördlich von Barkoul und Hami, ver-bindet. Es ist hier nicht der Ort zu entwickeln, wie indem Altai dasselbe, in unserer Hemisphäre so weit ver-breitete System nordwestlicher Richtung, sich in den Ge-steinschichten *), in dem Zuge der Alginskischen Alpen,der hohen Tschuja-Steppe, der Kette des Ijíctu (demCulminationspunkte **) des russischen Altai) und in den
Flußthälern, die in den Oberen Irtysch einmünden, verdankt,oder ob der Goldreichthum des nördlicheren sogenannten KleinenAltai an seinem südwestlichen Rande zwischen Sirianowski unddem Schlangenberge (ein Goldreichthum, der in den oberen Teu-fen der Silbergänge am beträchtlichsten war), dem sogenannten Großen Altai seinen Goldruf gegeben haben. Der Zusammenhangder beiden Gebirgsmassen konnte auch den rohesten Völkern nichtentgehen. Der Kleine Altai setzt bei Ust-Kamenogorsk über denIrtysch. Auf diesem Flusse haben wir gleichsam eine Gebirgs-spalte zwischen Buchtorminsk und Ust-Kamenogorsk befahren, inwelcher der Erguß des Granits über den Thonschiefer so lange sicht-bar ist. Die Eingebornen haben Hrn. Dr. Meyer berichtet, daß„die Narym-Berge südöstlich durch den Kurtschum, Dolenkaraund Saratau mit dem Großen Altai zusammenhängen.“ Als ichin der Mitte des August-Monats in dem Kosacken-Vorposten Krasnojarskoi Azimuthe der umliegenden Berge nahm, sah ichdeutlich in Südost hinter dem Zwillingsberge Zulutschoko denmit ewigem Schnee bedeckten Tagtau, im Gebiete der chinesi-schen Mongolei, also in der Richtung des Großen Altai. *) Siehe Ledebour’s, Meyer’s und Bunge’s interessante Reisedurch das Altai-Gebirge, T. I. S. 422.**) Dieser Punkt, dessen Kenntniß wir den kühnen Gebirgswande-rungen des Hrn. Dr. v. Bunge verdanken, ist wahrscheinlich
|10| Spalten der engen Flußthäler (des Tschulyschman, der Tschuja, Katunja und des oberen Tscharysch), ja indem ganzen Laufe des Irtysch, von Krasnojarskoi (Kras-naja Jarki) bis Tobolsk, offenbaret.
Zwischen den Meridianen von Ust-Kamenogorsk und Semipolatinsk verlängert sich das Bergsystem des Altai durch eine Kette von Hügeln und niedrigen Bergen, inden Parallelen von 49° und 50°, von Osten gegen We-sten 160 geograph. Meilen tief in die Kirgisen-SteppeMittlerer Horde. Diese, freilich der Breite und Erhebungnach sehr unbedeutende Verlängerung erregt ein eignesgeognostisches Interesse. Es existirt nicht eine zusam-menhängende Khirgisen-Kette, welche den Ural und Altaiverbindet, wie die Karten sie unter dem unbestimmtenNamen Algydin Zano oder gar Algydin Schamo dar-stellen. Isolirte Hügel von fünf oder sechshundert FußHöhe, Gruppen kleiner Berge, die sich (wie der Semi-tau bei Semipolatinsk) tausend oder zwölfhundert Fußüber der Graßflur plötzlich erheben, täuschen den anMessungen nicht gewöhnten Reisenden; aber es ist immereine merkwürdige Erscheinung, daß, die Wasserscheidebildend zwischen den südlichen Steppen-Flüssen des Sa-rasu und Kara-Turgay, und den nördlichen Zuflüssen *) des Irtysch, jene Gruppen von Hügeln und kleinen Ber-gen auf einer Spalte hervorgetrieben worden sind, die
höher als der Pic Nethou (1787 Toisen), der höchste Punkt derPyrenäen. Der altaische Ijictu (Gottesberg) oder Alastu (eben-falls auf kalmückisch, Kahler Berg) liegt am linken Ufer derTschuja, und wird von den colossalen Katunja-Säulen durchden Fluß Argut getrennt. Die höchste barometrisch gemessene(doch nicht durch correspondirende Beobachtungen berechnete)Station des russischen Altai ist bisher eine Quelle des KleinenKoksun-Gebirges, 1615 Toisen.*) Eigentlich gelangen nur wenige, z. B. die Tschaganka, der Tunduk und Ischim bis zum Irtysch; die andern nördlich laufen-den Wässer (Ulenta, Große Nura) verlieren sich in Steppen-seen, eben so als südlich der Tschui und Sarasu nicht den Sihoun (Syr Daria) erreichen.
|11| bis zum Meridiane von Swerinagolowski die große Er-streckung von sechszehn Längengraden in einer und der-selben Richtung befolgt, und daß auf dieser Spalte die-selben gneißlosen geschichteten, aber keinesweges flasri-gen Granite, dieselben Thon- und Grauwackenschieferin Berührung mit (augithaltigen?) Grünsteinen, Porphyreund Jaspislager, dichte und körnig gewordene Uebergangs-kalksteine, ja selbst ein Theil der metallischen Substanzenerschienen sind, welche im Kleinen Altai, von dem dieSpalte ausgeht, gefunden werden. Unter diesen Metallennenne ich hier nur, 1) einen halben Grad östlich vom Me-ridiane von Omsk, den silberhaltigen Bleiglanz von Kur-gantasch, den Malachit und das Rothkupfererz mit Diop-tas (Aschirit) bei dem Steppen-Berge Altyn-tube (Gold-Hügel); 2) westlich vom Meridiane von Petropablowski,aber in demselben Breiten-Parallele *) mit dem kleinenErzgebirge Altyn-tubé, die silberhaltigen Bleierze an denQuellen des Kara Turgay (eigentlicher des KantschaBulgane Turgay), welche im Jahre 1814, von Troizkaus, der Gegenstand der großen Steppen-Expedition **)
*) Die Manuskript-Karten, deren Studium ich der freundschaftli-chen Gewogenheit des ehemaligen General-Gouverneurs von Si-birien, Hrn. v. Speranski, verdanke, geben für die neue rus-sische Ansiedelung Karkarali, östlich von dem oben genanntenkleinen Erzgebirge, 49° 10′ Breite. Der Dioptas, welcher dieseGegend berühmt gemacht, und auch am westlichen Abhange desUrals entdeckt worden ist, hat seinen, in Rußland gebräuchli-chen Namen, Aschirit, nicht von einem Kosacken, sondern voneinem Eingebornen aus Taschkent, Aschirka. Die erste ausführ-lichere geognostische Untersuchung der Kirgisen-Steppen zwischen Semipolatinsk, Karkarali und Altyn-tubé verdanken wir Hrn.Dr. Meyer. **) In Begleitung der Bergofficiere Menschenin (des jetzigenOber-Hüttenverwalters, den auch die Regierung zu unserer Reisenach dem Altai und Ural bestimmt hatte), Porozow und Herr-mann. Dieselbe Gegend der Bleigrube wurde auch von den Expe-ditionen von Nabokow und von Schangin (1816), wie von Ar-tiuchow und Tafajew (1821) untersucht. Der letztere, jetzt
|12| des Oberst-Lieutenants Feofilatjew und des Ingenieur-Officiers Hrn. v. Gens gewesen sind. Man erkennt inder Richtung der Wasserscheidungslinie zwischen dem Altai und Ural, unter dem 49sten und 50sten Breiten-grade, ein Bestreben der Natur, gleichsam einen Versuchunterirdischer Kräfte eine Gebirgskette hervorzuheben, unddiese Verhältnisse erinnern lebhaft an die Erhebungslinien(seuils, arrêtes de partage, lignes de faîtes), welcheich, in dem Neuen Continente, die Andes mit der SierraParime und dem brasilianischen Gebirge verbindend, undunter 2° bis 3° nördlicher, wie unter 16° bis 18° süd-licher Breite, die Steppen (Llanos) durchstreichend, er-kannt habe *).
Aber die unzusammenhängende Reihe von niedrigenBergen und Hügeln krystallisirten Gesteins, in welchersich das Bergsystem des Altai gegen Westen verlängert,erreicht nicht das südliche Ende des Urals (einer wiedie Andeskette von Norden nach Süden langgedehntenMauer mit Metallausbrüchen gegen Osten); sie endet plötz-lich im Meridiane von Swerinagolofski, wo die Geographendie Alghinischen Berge (ein, allen Kirghisen um Troitzk und Orenburg gänzlich unbekannter Name!) hinsetzen.Hier fängt eine merkwürdige Region von Seen an, unddie Unterbrechung dauert bis zu dem Meridiane von Miask, wo der südliche Ural aus der Mugodjarischen Kette die
Ingenieur-Capitain in Orenburg, hat eine Reihe von Circumme-ridian-Höhen der Sonne bei der Bleigrube (Br. 49° 12′) mitSextanten beobachtet, die, von neuem berechnet, ich an einemandern Orte bekannt machen werde. Es ist bis jetzt der einzigePunkt, der in der ganzen Kirgisen-Steppe (zwischen dem Irtysch,der Kosaken-Linie des Tobol und dem Parallel der Mündung desSihoun) auf einem Flächenraum von 24,000 geograph. Quadrat-meilen, mehr als zwei Mal so groß als Deutschland, astrono-misch bestimmt ist.*) S. das Tableau géognostique de l’Amerique meridionale inmeiner Voyage aux Régions équinox. (große Quart-Ausgabe) T. III. p. 190. 240.
|13| Hügelmasse Boukanbli-Tau östlich in die Kirgisen-Steppe(unter 49° Breite) sendet *). Diese Region von kleinenSeen (Gruppe des Balek Kul, Br. 51° \( \frac{1}{2} \); Gruppe des Kum-Kul, Br. 49° \( \frac{3}{4} \)) deutet, nach des Obersten vonGens scharfsinniger Vermuthung, auf eine alte Wasser-verbindung mit dem See Aksakal, in den der Turgay und Kamischloi Irghiz einmünden, und dem Aral-See. Esist eine Furche, die man nordöstlich über Omsk zwi-schen dem Ischim und Irtysch durch die seenreiche Steppeder Barabintzen **), und dann nördlich über den Ob bei Surgut, durch das Land der Ostiaken von Berosof, nachden sumpfigen Küsten des Eismeers verfolgen kann.Die alten Nachrichten, welche die Chinesen von einemgroßen bitteren Meere im Innern von Sibirien, welchesder Untere Jenisei durchfloß, aufbewahren, deuten viel-leicht auf Reste eines alten Abflusses des Aral-Sees unddes Caspischen Meeres gegen Nordost. Die Austrocknungder Baraba-Steppe, die ich auf dem Wege von To-bolsk nach Barnaul gesehen, nimmt in ihrer Cultur be-trächtlich zu, und die Vermuthungen, welche Hr. Klap-roth über das bittere Binnen-Meer der Chinesen geäu-ßert ***), werden durch geognostische Local-Beobachtun-gen immer mehr bewährt. Wie durch eine glücklicheAhnung über den vormaligen Zustand der Erdoberfläche,wo Wasserzufluß und Verdampfung noch in anderemVerhältnisse standen, nennen chinesische Geographen †) auch südlich vom Himmels-Gebirge die salzige Ebene umdie Oasis von Hami, das trockne Meer (Han-hai).

*) Manuskript-Karten der zwei Expeditionen des Obersten Berg (von 1823 und 1825) nach der Kirgisen-Steppe und dem westli-chen Ufer des Aral-Sees, im Depôt des Kaiserl. Generalstabes.**) Zwischen Tara und Kainsk. ***) Asia polygl. p. 232. — Tabl. hist. p. 175.†) Id. Mém. T. II. p. 342., im Auszuge aus 150 Bänden, der,auf Befehl von Kanghi herausgegebenen chinesischen Encyclo-pädie.
|14| II. Bergsystem des Himmels-Gebirges *) (chinesisch: Thianschan; alt-türkisch: Tengri-thag, inderselben Bedeutung); mittlere Breite 42°. Der Culmi-nationspunkt des Himmels-Gebirges ist vielleicht die drei-gipflige, mit ewigem Schnee bedeckte, durch herrlicheKräuter weit berufene Gebirgsmasse Bokdo-Oola (mon-golisch-kalmückisch, der heilige Berg), von der bei Pallas die ganze Kette den Namen Bogdo erhielt. Wir habenoben gesehen, wie dieser Name aus Unwissenheit aufeinen Theil des Großen Altai (auf eine imaginäreKette, die von SW. gegen NO. streichen soll, von Hamigegen die Quellen des Jenisei) in Arrowsmith’s Welt-karte **) übergetragen worden ist. Vom Bogdo-Oola ***),auch Chatun Bokda (der majestätische Berg der Köni-gin) genannt, zieht sich das Himmels-Gebirge östlichnach Barkoul, wo im Norden von Hami es plötzlichabfällt und sich in die, von SW. nach NO., von der
*) Auch Siueschan (Schnee-Gebirge), Peschan (Weiße Berge)der Chinesen. Ich vermeide gern, in der allgemeinen Bezeich-nung der großen Ketten von Inner-Asien, diese unbestimmtenNamen, wenn man sie mit andern vertauschen kann. Unsere Schweizer-Alpen und der Himalaya erinnern freilich auch anden chinesischen Peschan und den tartarischen Mussur und Muz-tagh (Schnee- eigentlich Eis-Berge); aber wer würde es wa-gen, so weltberühmten Ketten ihren Namen zu rauben. Mussart von Pallas ist ein verstümmelter Name vom Mussur, und wirdauf neueren Karten willkührlich bald dem Himmels-Gebirge, bald dem dritten Bergsysteme, dem des Kuenlun, zwischen La-dak und Khoten, gegeben.**) In der Karte von Asien, die hauptsächlich aus Sprachunkennt-niß von den wundersamsten Irrthümern wimmelt, ist außer demnordöstlich laufenden Bogdo-Gebirge (welches nun zum Gro-ßen Altai wird) noch eine kleine südöstlich streichende Kette,Altai alin topa angegeben. Diese Worte sind aus d’Anville’s Atlas de la Chine, Pl. I., abgeschrieben, wo pleonastisch Altaialin toubé steht. (Alin, mandschurisch Berg; tübä, wie oben amDioptas-Berge Altyn Tube, Hügel.)***) Nordnordwestlich von Thurfan.
|15| chinesischen Stadt Kuatscheou gegen die Quellen des Argun,streichende hohe Wüste (das große Gobi oder Schamo)verflächt. Das Gebirge Nomchun nordwestlich von denkleinen Steppen-Seen Sogok und Sobo, deutet vielleicht,seiner Lage nach, auf eine schmale Erhebung (arrête, Spurvon Bergkette) in der Wüste; denn nach einer Unter-brechung, die wenigstens 10 Längengrade beträgt, erscheintnur wenig südlicher, als das Himmels-Gebirge, und, wiemir scheint, als Fortsetzung desselben Bergsystems, ander großen Beugung des Gelben Flusses (Huangho), dieebenfalls von W. nach O. laufende Kette, der Schnee-gipfel Gadjar oder Inschan *).
Kehren wir zu der Gegend von Thurfan und der Bogdo-Oola zurück, und folgen der westlichen Verlänge-rung des zweiten Bergsystems, so sehen wir dasselbeerst zwischen Gouldja (Ili), dem chinesischen Sibirien(Verbannungsorte) und Kutsche, dann zwischen dem gro-ßen See Temurtu **) (Eisenwasser-See) und Aksu sichnördlich von Kaschgar gegen Samarkand hin erstrecken.Das Land zwischen dem ersten und zweiten Gebirgs-
*) Br. 41°—42°, also nördlich vom Lande Ordos. Der Inschanhängt 4° westlich von Peking mit dem Schneegebirge Tahang, undim Norden von Peking mit den Großen Weißen-Bergen (TschangPeschan) zusammen, die sich gegen den nördlichen Theil derHalbinsel Corea hinziehen. Kl. Asia polygl. p. 205. Id. Mém.T. I. p. 455.**) Derselbe See, welcher kalmückisch-mongolisch Temurtu heißt,führt kirgisisch-türkisch den Namen Tuz-kul (Salzsee) und Issi-kul (warmer See). Die Itinerarien von Semipolatinsk, die ichbesitze, nennen den See ausschließlich Isse-kul (der chinesischeName Je hai bedeutet dasselbe, Kl. Mém. T. II. p. 358. 416.),und geben ihm 180 Werste Länge und 50 Werste Breite, eineAngabe, die vielleicht nicht um \( \frac{1}{6} \) zu groß ist. Die Reisendenkamen zweimal an das östliche Ufer dieses merkwürdigenSees, einmal auf dem Wege vom Fluß Ili (Ilä) nach Usch Tur-pan, westlich von Aksum, und ein anderes Mal von der Ueber-fahrt über den Tschui im Lande der Stein- oder Schwarzen Kir-gisen nach dem Narün-Flusse und Kaschgar.
|16| Systeme, dem Altai und Himmels-Gebirge ist gegen Osten,doch erst jenseits des Meridians von Peking, durch einehohe von SSW. gegen NNO. laufende Bergrippe, Khing-khan-Oola geschlossen: gegen Westen aber gegen denTchoui, Sarasu und den Unteren Sihoun hin, ist das schnellabfallende Thal völlig offen. Es findet sich dort kein Quer-joch, es sey denn, daß man den Höhenzug, der sich westlichvom Dzaisang-See, durch den Targabatai nach dem nord-östlichen Ende des Alatau *), zwischen den Seen Balkhaschund Alaktugul, und dann über den Ili-Fluß östlich vom Te-murtu-Noor (zwischen 44° und 49° Br.) von N. gegen S. ausdehnt, als eine mehrfach unterbrochene Vormauer gegen dieeigentliche Kirgisen-Steppe betrachten wollte. Ganz andersverhält es sich mit dem Theile von Inner-Asien, dervon dem zweiten und dritten Bergsysteme (dem Himmels-
*) Ein Name, der zu vielen orographischen Verwechselungen An-laß gegeben hat. Die Kirgisen (hauptsächlich die der GroßenHorde) nennen Ala-tagh (Alatau, scheckige Berge) einen Hö-henzug, der sich vom Obern Sihoun (Syr-Deria oder Jaxartes)bei Tonkat unter 43\( \frac{1}{2} \) und 45° Breite gegen die Seen Balkhaschund Temurtu von Westen gegen Osten verlängert. Der Namerührt von den schwarzen Streifen und Flecken her, die an stei-len Felswänden zwischen den Schneelagen hervorblicken (Meyen-dorff, Voy. à Bokhara, p. 96. 786.). Der westliche Theil des Alatau steigt mit der großen Beugung des Sihoun gegen NW.und hängt mit dem Karatau (schwarzen Berge) bei Taraz oderTurkestam zusammen. Hier (Br. 45° 17′ fast im Meridian von Pe-tropablowski) finden sich, wie ich in Orenburg erfahren, heiße Quellen in der tiegerreichen Gegend von Sussae. Aus den Iti-nerarien von Semipolatinsk nach Ili und Kaschgar ersieht man,daß die Eingebornen auch die Berge südlich vom Targabataizwischen den Seen Alakul, Balkhasch und Temurtu mit demNamen Alatau bezeichnen. Ist aus demselben Namen die Ge-wohnheit einiger Geographen entstanden, das ganze zweite Berg-system (das Himmels-Gebirge) Alak oder Alaktau zu nennen?Mit Alatau oder Ala-tagh ist nicht Ulugh-tagh, der großeBerg (nach einigen Karten: Uluk-tagh, Ulutau, Olutagh) zuverwechseln, dessen Lage in der Kirgisen-Steppe bisher ebenso unbestimmt, als die der Alghinischen Berge (Hügel?) ist.
|17|Gebirge und Kuenlun) begrenzt ist. Dieser ist im We-sten auf das Deutlichste durch ein von Süden nach Nor-den streichendes Querjoch, den Bolor- oder Belur-tagh *) (Berge des nahen Landes Bolor) geschlossen. Esscheidet die Kleine Bucharei von der Großen; Kaschka-rien von Badakschan und dem Oberen Djihoun (Amu-Deria). Sein südlicher Theil, dem Bergsysteme des Kuen-lun sich anschließend, macht (nach chinesischer Bezeich-nung) einen Theil des Thsunlings aus; gegen Norden ver-bindet er sich mit der Kette, welche nordwestlich vonKaschgar hinzieht, und der Paß von Kaschgar (nachdem Berichte des Herrn Nazarov, der 1813 bis Kho-kan gelangte: Kaschgar-divani oder davan) genannt wird.Zwischen Khokan, Derwazeh und Hissar, also zwischenden noch unbekannten Quellen des Sihoun und Amu-Deriaerhebt sich das Himmels-Gebirge noch einmal ehe eswestlich in die Niederung des Khanats von Bokhara ab-fällt, zu einem mächtigen Gebirgsstock, in dem mehrereMassen (Salomons-Thron, Thakt Suleiman, der Terek-Gipfel u. a.) selbst im Sommer mit Schnee bedeckt blei-ben. Weiter gegen Osten, auf dem Wege vom westli-
*) Uighurisch heißt das Querjoch, nach Klaproth, Boulyttagh, das Wolkengebirge, wegen des in dieser Breite allerdings son-derbaren ununterbrochenen 3 Monate lang Regens. Bakui, in Manuscr. de la Bibl. Royale, T. II. p. 472. Von dem Ge-birge Bolor (Polulo der japanischen Karten) sollen die Berg-krystalle, die dort von besonderer Schönheit sind, den Namen Belur im Persischen und Türkischen führen. In der letzternSprache würde Belouth Tagh ein Eichen-Gebirge bezeichnen.Westlich von dem Querjoch Belur liegt die Station Pamir, fastim Parallel von Kaschgar, also ungefähr in 39\( \frac{1}{2} \) Breite; nachdieser hat Marco-Polo eine Hochebene genannt, aus welcherneuere Geographen südlicher bald eine Gebirgskette, bald eineeigene Provinz machen. Dem Physiker bleibt diese Gegendmerkwürdig, weil hier der berühmte venetianische Reisende dieerste, von mir so oft auf größeren Höhen in der Neuen Weltwiederholte Beobachtung über das schwierige Anschüren und Zu-sammenhalten der Flamme anstellte.
|18| chen Ufer des Sees Temurtu nach Kaschgar, scheint mirdie Kette des Himmels-Gebirges weniger hoch. Wenig-stens wird in dem Reisejournal von Semipolatinsk nachKaschgar, das ich herausgeben werde, keines Schnees ge-dacht. Der Weg geht östlich vom See Balkhasch, undwestlich vom Issikul (Temurtu) über den Narün (Narim),der dem Sihoun zufließt. In einer Entfernung von 105Wersten südlich vom Narün wird »der ziemlich hohe 15Werste breite Berg Rowatt mit einer großen Steinhöhle,zwischen dem Flüßchen Attbascha und dem kleinen SeeTfchaterkull,« überstiegen. Das ist der Culminationspunkt,ehe man an die chinesische Wache (südlich vom Step-pen-Flüßchen Aksau) nach dem Dorfe Artüsch und nachKaschgar, am Flusse Ara Tümen (»mit 15,000 Häusernund 80,000 Einwohnern, doch kleiner als Samarkand«) ge-langt. Der sogenannte Kaschgar-davan scheint keineununterbrochene Mauer zu bilden, sondern an mehrerenPunkten einen offenen Paß. Schon der Oberst Gens hatmir seine Verwunderung darüber geäußert, daß die vie-len Reiserouten der Bukharen, die er gesammelt hat, keinehohe Gebirgskette zwischen Khokan und Kaschgar andeu-ten. Große Schneeberge scheinen erst wiederum östlichvom Meridian von Aksu zu beginnen; denn dieselben Iti-nerarien geben auf dem Wege von Kura am Fluß Ili nachAksu, fast auf der Hälfte des Weges, zwischen der hei-ßen Quelle Araschan nördlich von der chinesischen WacheChandscheylao und dem Vorposten Tamga Tasch, »dieimmerwährend mit Schnee bedeckten Eisberge Dsche-parle« an.
(Schluß im dritten Heft.)
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Ueber die Bergketten und Vulcane von Inner-Asien und über einen neuen vulcanischenAusbruch in der Andes-Kette;von Alexander von Humboldt. (Schluß.)


Die ostwestliche Richtung des Himmelsgebirges oder Muz-tagh (wie die Commentatoren von Sultan Baber’sTagebüchern dieses Gebirge vorzugsweise nennen) verdientnoch eine Betrachtung in Hinsicht auf ihre westlichste Ver-längerung. Da wo der Bolor- oder Belur-tagh *) sich fast
*) Das Querjoch Belur, Bolor, Belut oder Bulyt ist so schroff undunwegsam, daß es nur zwei Pässe darbietet, die von den älte-sten Zeiten her von Heereszügen und Caravanen betreten wor-den sind, einen südlichen zwischen Badakschan und Schitral und einen nördlichen, östlich von Usch, an den Quellen des Sihoun. Der letztere Paß (Duan von Akisik) liegt nördlichvom Schaarkreuze des Himmelsgebirges und Belur-tagh, da wodieser (um mich wieder eines Ausdrucks der Gangtheorie in An-wendung auf spaltenartige Entstehung der Gebirgsketten zu be-dienen) übersetzt. Man kann nämlich ein kleines, von S. nach N. streichendes Gebirge (Br. 40° \( \frac{3}{4} \)—42° \( \frac{1}{4} \)), welches den nördli-chen Abfall des Himmelsgebirges oder, wie es hier heißt, der Asferah-Kette mit dem Ming Bulak oder Ala-tagh verbindet,
|320| in rechtem Winkel anschaaret, ja vielleicht selbst (wieein übersetzendes Trumm) das große Bergsystem des Muz-tagh durchschneidet, setzt das letztere in ununterbro-chener ostwestlicher Richtung unter dem Namen Asferah-tagh südlich von Sihoun gegen Khodjend und Uratippa (in Ferghana), also gegen Westen fort. Diese Asferah-Bergkette, mit ewigem Schnee bedeckt, auch fälschlich Pamerkette genannt *), scheidet die Quellen des Sihoun (Jaxartes) von denen des Amu (Oxus) **); sie wen-det sich, ungefähr im Meridiane von Khodjend, nach Süd-westen, und heißt in dieser Richtung bis gegen Samar-kand das Weiße (Schnee-) Gebirge (Ak-tagh oder Al-Botom). Weiter gegen Westen an den reizenden
als Fortsetzung des Belur betrachten (Memoirs of Sultan Ba-ber 1826, p. xxviii.). Die Unwegsamkeit der Gegend zwischen Badakschan, Karatigin und dem Südabfall des Himmelsgebirgesmacht allein begreiflich, daß die Caravanen von Samarkand (Br.39° 40′) und Taschkend, um nach Kaschgar (Br. 39° 25′) zugelangen, nahe bei Almaligh (Gouldja, Br. 42° 49′) am Ili-Flusse vorbeiziehen, wie Erskine behauptet (a. a. O. p. xxxii.). Soll-ten Gouldja, der Verbannungsort der chinesischen Großen, undder See Temurtu nicht westlicher, oder sollte Kaschgar nichtöstlicher liegen, als die Missionäre es annehmen? Uebrigens bestä-tigt Erskine, nach Aussage eines Usbeken, die oben geäußerteMeinung von der Niedrigkeit der Berge, oder vielmehr der Pässezwischen Taschkend und Gouldja, wie zwischen Gouldja oderdem Ili-Fluß und Kaschgar (a. a. O. p. xxxix. lxvii.).*) Waddington a. a. p. lxvii. **) Die letzteren liegen am Culminationspunkte des Querjochs Be-lur-tagh, am westlichen Abhange des Puschtikar (Erskine und Waddington in den Memoirs of Baber, p. xxvii. xxix.xxxiv. lxvii.). Das Thal des oberen Sihoun ist gegen Nordenvon dem Ming-Bulak-tagh (so heißt ein Theil des Alak- oder Ala-tagh, nördlich vom Marghinan und Kokan) begränzt. Liegtder Paß von Kaschgar (Kaschgar Dawan des Hrn. Nazarow),wie in Meyendorff’s und Lapie’s Karte angegeben ist, imMeridiane von Kokan, so fällt er in die Asferah-Kette. Mirist aber wahrscheinlicher, daß er identisch ist mit dem Paß von Akizik , dessen ich in der vorletzten Note erwähnte.
|321| und fruchtbaren Ufern des Kohik beginnt die große Nie-derung der Kleinen Bukharei, das Tiefland des Mawe-ralnaher, welches, ein Sitz hoher Cultur und städtischenReichthums, periodisch dem Angriff der Anwohner vonIran, Kandahar und der Hohen Mongolei ausgesetzt ge-wesen ist; aber jenseits des Caspischen Meeres, in fastgleicher Breite und gleicher Richtung mit dem Himmels-gebirge, erscheint der Caucasus mit seinen Porphyren undTrachyten. Man ist geneigt diesen eben so, als eine Fort-setzung der gangartigen Spalte zu betrachten, auf der inOsten das Himmelsgebirge hervorstieg, als man ebenfallsin Westen des Bergknotens von Azerbidjan und Arme-nien, im Taurus, eine Fortwirkung der Spalte des Hima-laya und Hindukush erkennt. So schließen sich ingeognostischem Sinne die getrennten Gebirgsglieder West-Asiens (wie sie Ritter in seiner meisterhaften Darstel-lung nennt) *) an die Gebirgsformen des Orients an.
III. Bergsystem des Kuenlun oder Kulkun, oderTartasch Daban zwischen Khotan (Ilitschi) **), wo in-dische Civilisation und der Buddhadienst ein halbes Jahr-tausend älter als in Tübet sind, und Ladak, zwischen demBergknoten Kokonor und dem östlichen Tübet und der chi-nesischen Provinz Katschi. Dieß Gebirgssystem beginnt imWesten mit dem Thsungling (Zungling), dem Blauen oder Zwiebel-Gebirge, über welches Hr. Abel Remusat in sei-ner merkwürdigen Geschichte von Khotan so viel Licht ver-breitet hat ***), und das (wie schon oben bemerkt) sich an
*) Erdkunde (1818), Th. II. S. 81. 704.**) Die Position von Khotan ist sehr fehlerhaft auf allen Karten.Breite, nach den astronomischen Beobachtungen der Missionäre Felix de Arocha, Espinha und Hallerstein, 37° 0′. Länge35° 52′ westlich von Peking; also 78° 15′ östlich von Paris (Klap-roth, Mém. T. II. p. 283.). Diese Lage bestimmt die mittlereRichtung des Kuenlun. ***) Histoire de la ville de Khotan, tirée des Annales de la Chinep. viii. etc. 237. Klaproth a. a. O. p. 295. und 415.
|322| das Querjoch Bolor anschließt, ja selbst nach chinesischenDocumenten den südlichsten Theil desselben bildet. DieserWinkel der Erde, zwischen Klein-Tübet und dem Rubin-,Lazulit- und Kalait- *) reichen Badakschan, ist sehr un-bekannt, und nach neueren Nachrichten scheint der sichgegen Herat hinwendende, das Plateau von Khorasan nördlich begränzende Hindu Kho **) mehr eine westlicheFortsetzung des Thsunglings und des ganzen Bergsy-stems des Kuenlun als, wie man gewöhnlich annimmt,eine Fortsetzung des Himalayas zu seyn. Vom Thsung-ling zieht sich der Kuenlun oder Kulkun, von Westengegen Osten, nach den Quellen des Huangho (GelbenFlusses) hin, mit Schneegipfeln in die chinesische Pro-vinz Schensi eindringend. Fast im Meridiane dieser Quel-len erhebt sich der große Bergknoten des Sees Khouk-hou-Noor, ein Bergknoten der sich im Norden an dieebenfalls von Westen nach Osten streichende Schneekette Nanschan oder Kilianschan anlehnt ***) . Zwischen dem Nanschan und dem Himmelsgebirge, gegen Hami hin,bilden die Ketten von Tangut den Rand der von Süd-west nach Nordosten hinziehenden hohen Wüste (Gobi,Schamo). Breite der mittleren Richtung des Kuenlun 35° \( \frac{1}{2} \).
IV. Bergsystem des Himalaya, die hohenTafelländer Kaschmir (Sirinagur), Nepal und Butan von Tübet trennend, sich westlich im Jawahir zu 4026Toisen, östlich im Dhawalagiri †) vielleicht zu 4390 Toi-
*) Türkis nicht organischen (animalischen) Ursprungs.**) Hindu-Kusch. Ueber dessen Pässe S. Baber Memoirs, p. 139.***) Die östlichste Verlängerung der Schneekette Kilianschan heißt Alaschan. †) Humboldt, sur quelques phénomènes geologiques qu’offre laCordillere de Quito et la partie occidentale de l’Himalaya inden Ann. des sciences nat. Mars 1825. Dhawalagiri, der indi-sche Mont-blanc, von dhawala, im Sanskritischen weiß, und giri der Berg. Hr. Prof. Bopp vermuthet, daß in Jawahir, dieEndung hir statt giri stehe. Jawa, oder vielmehr, nach unserer
|323| sen absoluter Höhe erhebend, dem größeren Theile nachvon NW. gegen SO. gerichtet, und also dem Kuenlun keinesweges parallel, und ihm im Meridiane von Attok und Djellalabad so genähert, daß, zwischen Cabul, Kasch-mir, Ladak und Badakschan, das Himalaya-Gebirge mit dem Hindu-Kho und Thsungling eine zusammen-hängende Gebirgsmasse zu bilden scheint. Auch ist derRaum zwischen dem Himalaya und dem Kuenlun mehrdurch Nebenketten und isolirte Bergmassen verengt, alses nördlich die Hochebenen sind zwischen dem ersten,zweiten und dritten Bergsysteme. Man kann daher Tü-bet und Katschi, ihrer geognostischen Construction nach,nicht eigentlich mit den hohen Längenthälern *) zwischender östlichen und westlichen Andes-Kette, z. B. mit demPlateau vergleichen, welches den See Titicaca einschließt,dessen Wasserspiegel, ein sehr genauer Beobachter, Hr.
deutschen Schreibart, dschawa, bedeutet Schnelligkeit. Zur Ver-gleichung der beiden asiatischen Colosse erinnere ich, daß, un-ter den Gipfeln der amerikanischen Andes-Kette, der von Hrn. Pentland gemessene Nevado von Sorata 3948, der Chimbo-razo nach meiner Messung 3350 Toisen hoch ist. Vergl. Arago im Annuaire du Bureau des Longitud. 1830, p. 231., und meine Abhandlung über das südliche Peru in der Hertha, 1829 Jan.S. 14.*) In den Andes habe ich die mittlere Höhe des Längenthals zwi-schen der östlichen und westlichen Cordillere, vom Gebirgskno-ten los Robles bei Popayan bis zu dem Gebirgsknoten von Pasco, also von 2° 20′ nördlicher bis 10°\( \frac{1}{2} \) südlicher Breite nahean 1500 Toisen gefunden (Voyage aux Régions équinox. T. III.p. 207.). Das Plateau oder vielmehr das Längenthal von Tia-huanaco am See Titicaca, dem Ursitze der peruanischen Cultur,ist höher als der Pic von Teneriffa; doch kann man nach mei-nen Erfahrungen nicht im Allgemeinen behaupten, daß die ab-solute Höhe, zu welcher der Boden der Längenthäler durch un-terirdische Kräfte aufgetrieben erscheint, mit der absoluten Höheder angränzenden Ketten wachse. Auch das Aufsteigen isolirterKetten aus den Ebenen ist sehr verschiedenartig, je nachdem amFuß der Kette die Ebene angeschwollen, theilweise mit erho-ben ist, oder ihr altes Niveau behalten hat.
|324| Pentland, 1986 Toisen über dem Meere gefunden hat.Doch muß man sich auch nicht zwischen dem Kuenlun und dem Himalaya, so wenig wie in dem übrigen Inner-Asien, die Erhebung des Tafellandes als überall gleichvorstellen. Die milden Winter und der Weinbau *) indem Klostergarten um Hlassa, unter 29° 40′ Breite, be-zeugen (nach den vom Archimandriten Hyazinth be-kannt gemachten Nachrichten) die Existenz tief eingefurch-ter Thäler und kesselförmiger Senkungen **). Zwei mäch-tige Ströme, der Indus und der Dzangbu (Tsampu, der, nach Klaproth’s Untersuchungen, vom Flußsystemdes Brahmaputra gänzlich getrennt, der Irawaddi desBirmanen-Reiches wird) bezeichnen eine nordwestliche undeine südöstliche Abdachung der tübetanischen Hochebene,deren Axe fast im Meridian des colossalen Jawahir, derbeiden heiligen Seen (Manassarowara und Rawana Hrada)und des Gebirgsstocks Caylasa (Caylas, chinesisch Oneuta, tübetanisch Gang dir ri, der Schneefarbige Berg) liegt. Vondiesem Gebirgsstock ziehen sich in nordwestlicher Rich-tung, also nördlich von Ladak gegen den Thsungling hin, die Kette Kara-Korrum Padischach; gegen Ostendie Schnee-Ketten Hor (Chor) und Dzang. Von denletzteren beiden schließt eine, der Hor, mit ihrem nord-westlichen Ende, an den Kuenlun an; gegen Osten läuftsie dem See Tengri Noor (Götter-See) zu. Die andere
*) Die Cultur von Pflanzen, deren vegetatives Leben fast nur aufden Sommer eingeschränkt ist, und die blattlos in Winterschlafversinken, könnte durch den Einfluß, welchen weitausgedehnteTafelländer auf die Wärmestrahlung ausüben, erklärt werden, nichtaber die geringe Strenge der Winter, wenn man Höhen von1800 bis 2000 Toisen annimmt, 6° nördlich von der Tropen-Zone.**) Ich erinnere an die enge, aber reizende Bergkluft von Gualla-bamba, in welche ich oft von der Stadt Quito aus, in wenigenStunden, herabstieg (eine senkrechte Tiefe von 500 Toisen!), umein unfreundliches kaltes Klima mit der Tropen-Wärme unddem Anblick von blühenden Orangen, Palmen und Bananen zuvertauschen.
|325| südliche Kette (Dzang) begränzt das lange Ufer des Thsampu-Thals, und läuft von Westen gegen Osten dem hohen Kentaisse zu, der zwischen Hlassa und demSee Tengri Noor (fälschlich Terkiri genannt) mit demBerge Nomchun Ubaschi endigt *). Gegen das rechteUfer oder den südlichen Rand des Thsampu-Thales sendet das Himalaya-Gebirge, zwischen den Meridianenvon Gorka, Katmandu und Hlassa, viele schneebedeckteZweige nach Norden aus. Unter diesen soll, westlichvom See Yamruck Yumdso (den unsere Karten gewöhn-lich Palte **) nennen, und der, wegen einer ihn fast ganzausfüllenden Insel, wie ein schmaler Wasserring erscheint),der Yarla schamboi gangri (tübetanisch, nach Klap-roth, der Schneeberg im Lande des, durch sich selbstbestehenden Gottes) der höchste seyn.
Folgen wir nach den chinesischen Urkunden, welcheder ebengenannte Gelehrte gesammelt ***), dem Bergsystemdes Himalaya, jenseits des englisch-ostindischen Gebiets,gegen Osten, so sehen wir es »Assam nördlich begrän-zen; dem Brahmaputra seine Quellen geben; durch dennördlichen Theil von Awa bis in die chinesische Provinz Yunnan vordringen; dort, westlich vom Yungtschang, spitzige Schneegipfel zeigen; die Provinz Yunnan vonWesten nach Osten durchstreichen; allmälig abfallen;südlich vom Blauen Flusse, in den Provinzen Koeitscheu und Kuangsi, sich wieder zur ewigen Schneegränze er-heben; weiter östlich Hunan und Kiangsi im Süden be-gränzen; sich dann plötzlich, auf der Gränze der Provin-zen Kiangsi und Fukian, nordöstlich wenden; und mit
*) Klaproth, Mém. T. III. p. 291.**) Wahrscheinlich aus Mißverständniß von der etwas nördlich ge-legenen Stadt Peiti (d’Anville, Atlas de la Chine, Boutan).***) Ich besitze zwei Seiten eines Manuscripts: Uebersicht der ho-hen Mittelasiatischen Gebirgs-Ketten, welche Hr. Prof. Klap-roth mir vor meiner sibirischen Reise, im J. 1828, gütigst zumeinem Gebrauche mitgetheilt hat.
|326| einigen Schneegipfeln dem Ocean nahe treten.» Dort fin-det man als Prolongation derselben Kette eine Insel, de-ren Gipfel fast den ganzen Sommer hindurch mit Schneebedeckt ist, was auf eine Höhe von wenigstens 1900 Toi-sen schließen läßt. So kann man das Bergsystem desHimalaya, zusammenhängend als Kette, vom ChinesischenOceane an, über die Hindu-Kho, durch Kandahar und Kho-rasan bis jenseits des Caspischen Meeres nach Azerbidjan durch 73 Längengraden (in der halben Ausdehnung der An-des-Kette) verfolgen. Das westlichste vulcanische, aber im Demavend ebenfalls schneebedeckte Ende verliert denCharakter einer eigentlichen Kette in dem Armenischen Bergknoten, der mit dem hohen Saganlu, Bingheul und Kaschmir Dagh des Paschaliks Erzerum zusammenhängt.Mittlere Richtung des ganzen Bergsystems des HimalayaN. 55° W.
Dieß sind die Hauptzüge eines geognostischen Ge-mäldes von Inner-Asien, welche ich mir nach vielen, seiteiner langen Reihe von Jahren gesammelten, Materialienentworfen habe *). Was wir von diesen Materialienneueren europäischen Reisenden verdanken, ist im Ver-hältniß des ungeheuren Raumes, den die Altai-Kette unddas Himalaya-Gebirge, die Querjöcher Bolor und Khing-khan einschließen, von sehr geringer Bedeutung. Diewichtigsten und umfassendsten Nachrichten hat in neue-rer Zeit die vervollkommnete Kenntniß der chinesischen,mandschurischen und mongolischen Literatur geliefert. Jeallgemeiner die Cultur der asiatischen Sprachen wird, destomehr wird man auch, bei dem Studium der geognostischenConstitution von Mittel-Asien, den Werth dieser so langvernachlässigten Quellen erkennen lernen. Bis zur Epoche,wo Hr. Klaproth über ein solches Studium durch eine
*) Frühere Versuche habe ich in zwei Mémoires sur les Mon-tagnes de l’Inde et la limite inférieure des neiges perpétuellesen Asie geliefert. S. Annales de Chimie et de Physique, T. III.p. 297. etc. T. XIV. p. 5.
|327| eigne Schrift ein neues Licht verbreiten wird, kann die obengelieferte Darstellung von vier ostwestlichen Bergsystemen,zu der jener Gelehrte selbst einen großen Theil der Mate-rialien dargeboten hat, nicht ganz ohne Nutzen seyn. Umdas Charakteristische in den Unebenheiten der Erdoberflä-che, das Gesetzmäßige in der localen Vertheilung der Ge-birgsmassen und Niederungen aufzufinden, wird man oftdurch die Analogie anderer Continente am Sichersten gelei-tet. Sind einmal die großen Formen, die herrschendenRichtungen der Ketten ergründet, so schließt sich an diese,wie an einfache Grundzüge eines Naturbildes, alles Ver-einzelte in den Erscheinungen, alles Abnorme, einen an-dern Typus, ein anderes Entstehungs-Alter Verkündigendean. Dieselbe Methode, die ich in dem geognostischenGemälde von Südamerika befolgte, habe ich gesucht, aufdie Begränzung großer Massen in Mittel-Asien anzu-wenden.
Werfen wir noch einen letzten Blick auf die vierBergsysteme, welche das Asiatische Festland von Ostengegen Westen durchstreichen, so sehen wir, daß die süd-lichen, der Länge nach, am meisten ausgedehnt und entwik-kelt sind. Der Altai reicht mit einem hohem Rücken west-lich kaum bis 78°, das Himmels-Gebirge (die Kette, anderen Fuß Hami, Aksu und Kaschgar liegen) wenigstensbis 69° \( \frac{3}{4} \), wenn man nämlich Kaschgar, mit den Mis-sionären, in 71° 37′ östlicher Länge vom Pariser Meridiansetzt *). Das dritte und vierte System sind im großen Berg-knoten von Badakschan, Klein-Tübet und Kaschgar gleichsam verschmolzen. Jenseits des Meridians von 69°und 70° ist nur eine Kette, die des Hindu-Kho, wel-
*) Die astronomische Geographie von Inner-Asien liegt noch dergestaltim Argen, (weil man nicht die Elemente der Beobachtungen, son-dern nur die Resultate kennt), daß z. B. Taschkend nach Wad-dington’s Karte zu Sultan Baber’s Feldzügen 2° östlich vomMeridiane von Samarkand, in der Karte zu Baron Meyendorff’sReise nach Bokhara, im Meridiane von Samarkand selbst liegt.
|328| che gegen Herat abfällt, sich aber südlich von Asterabad gegen den vulcanischen Schneegipfel Demavend wiedermächtig erhebt. Das Plateau von Iran, das in seinergroßen Ausdehnung von Teheran nach Schiraz eine mitt-lere Höhe von 650 Toisen zu haben scheint *), strecktgegen Indien und Tübet gleichsam zwei Arme aus, die Himalaya- und Kuenlun-Kette, und bildet eine Bifur-cation der Spalte, auf der die Gebirgsmassen emporge-stiegen sind. Der Kuenlun kann also wie ein anschaaren-des Trumm des Himalaya betrachtet werden. Der Zwischen-raum (Tübet und Katschi) ist durch viele Klüfte in man-nigfaltiger Richtung zerrissen. Diese Analogie mit dengemeinsten Erscheinungen der Gangbildung (schwärmen-den Trümmern und Stockwerken) offenbart sich am deut-lichsten, wie ich an einem andern Orte entwickelt, in demlangen und schmalen Zuge der Cordilleren des NeuenContinents.

*) Noch immer fehlen, in diesem neuerlichst von Europäern sooft und mit so vieler Leichtigkeit bereisten Lande, Barometer-messungen. Die Fraser’schen Bestimmungen des Siedpunkts(Fraser, Narrat. of a Journey to Khorasan 1825 Appendix,p. 135.) geben für Teheran nach Mayer’s Formel 627 Toisen,für Isfahan 688 T., für Schiraz 692 T. Biot’s Formel machtdie Höhen nur einige wenige Toisen niedriger. Die Resultate, wel-che die Tafel in der Hertha, 1829, Febr. S. 172. darbietet, gründet sich(nach Dr. Knorre) auf die irrige Voraussetzung, daß die Veränderungder Expansivkraft der Veränderung der Temperatur des Siedpunktsdurchaus proportional bleibe. Um die Höhe des Tafellandes vonPersien mit andern vergleichen zu können, die nicht Längenthä-ler zwischen zwei Bergketten bilden, setze ich folgende Höhenhinzu: Inneres von Rußland um Moskau 76 Toisen (nicht 145Toisen, wie man lange behauptet hat); Ebenen der Lombardei80 T.; Plateau von Schwaben 150 T.; von Auvergne 174 T.; derSchweiz 220 T.; von Bayern 260 T.; von Spanien 350 T. DerBoden eines Längenthales, das z. B. in der Andes-Kette oft bis1500 oder 2000 Toisen Höhe über dem Meere liegt, ist Folgeder Erhebung einer ganzen Bergkette. Eigentliche Tafelländervon Spanien und Baiern haben sich wahrscheinlich bei Erhe-bung der ganzen Continental-Masse gehoben. Beide Epochensind geognostisch sehr verschieden.
|329| Die in dem Bergknoten zwischen Kaschmir und Fy-zabad zusammenschaarenden Bergsysteme des Kuenlunund Himalaya kann man westlich bis jenseits des Caspi-schen Meeres, in 45° Länge *), verfolgen. So begrän-zen die Himalaya-Kette gegen Süden: der Bolor, Aktag,Minkbulak und Alatau (zwischen Badakschan, Samar-kand und Turkestan); gegen Osten: der Caucasus unddas Plateau von Azerbidjan; gegen Westen die großeNiederung (Erdsenkung), deren tiefster Kessel die Bin-nenwasser des Caspischen Meeres und Aral-Sees **) einnehmen, und in welchem ein beträchtlicher Theil destrocknen Landes (wahrscheinlich über 10000 geograph.Quadratmeilen) zwischen der Kuma, dem Don, der Wolga, dem Jaik, dem Obtschei Syrt, dem See Aksakal, dem untern Sihun und dem Khanat von Khiwa (an denUfern des Amu-Deria), tief unter der Oberfläche desOceans liegen. Die Existenz dieser wunderbaren Erd-senkung ist der Gegenstand mühevoller barometrischerStations-Nivellirungen zwischen dem Schwarzen und dem Caspischen Meere durch die HH. v. Parrot und Engel-hardt; zwischen Orenburg und Guriew am Ausfluß des Jaik durch die HH. v. Helmersen und Hoffmann gewor-den. Das Tiefland ist mit Tertiär-Formationen gefüllt, ausdenen Melaphyre und schlackenartige Trümmer-Gesteinehervorragen; sie bietet dem Geognosten, durch Gestaltungdes Bodens, eine bisher einzige Erscheinung auf unseremPlaneten dar. Im Süden von Baku und in dem Balcha-nischen Meerbusen wird diese Gestaltung durch vulkani-
*) Immer im Osten des Pariser Meridians gerechnet.**) Durch ein barometrisches Stations-Nivellement, welches, beisehr strenger Winterkälte, während der Expedition des Obri-sten Berg vom Caspischen Meere bis zum westlichen Ufer desAral-Sees bei dem Golf Mertwuy Kultuk durch die Schiffscapi-taine Duhamel und Anjou ausgeführt wurde, fand sich derWasserspiegel des Aral 117 englische Fuß höher, als der Spie-gel des Caspischen Meeres.
|330| sche Kräfte vielfach verändert. Die Kaiserliche Acade-mie der Wissenschaften zu St. Petersburg hat vor Kur-zem meinem Wunsche Gehör gegeben, an dem zugängli-cheren nordöstlichen Saume dieses Kessels, an der Wolgazwischen Kamyschin und Saratow, an dem Jaik, zwi-schen dem Obtschei Syrt (bei Orenburg) und Uralsk, an der Emba und jenseits der Mugodjarischen Hügel-kette (in der sich der Ural südlich verlängert) gegen denSee Aksakal und den Sarasu hin, in der Steppe, durchein fortgesetztes barometrisches Stations-Nivellement, dieLage einer geodetischen Linie zu bestimmen *), welchealle Punkte verbindet, die in dem Niveau der Fläche desOceans liegen. Des muthmaßlichen alten nordöstlichenZusammenhanges dieser großen westasiatischen Erdsen-kung mit dem Ausfluß des Ob und dem Eismeere, mit-telst einer Furche durch die Sandwüste Kara-Kum unddie vielen Insel-Gruppen der Kirgisen- und Barabinzen-Steppe habe ich bereits oben erwähnt. Ihre Entstehungscheint mir älter als die des Uralgebirges, dessen südli-che Fortsetzung man in ununterbrochener Richtung vomPlateau von Guberlinsk bis zum Ust-Urt (zwischen demAral-See und dem Caspischen Meere) verfolgen kann.Sollte eine, der Höhe nach hier so unbedeutende Kette nichtgänzlich verschwunden seyn, wenn die große Uralspaltesich nicht später als die Erdsenkung selbst gebildet hätte.Die Epoche der westasiatischen Erdsenkung fällt daherwohl eher mit der Erhebung des Hochlandes von Iran, mit der des Hochlandes von Central-Asien auf dem der Himalaya, der Kuenlun, Thianschan und alle älteren ostwestlich gerichteten Bergsysteme ruhen, vielleicht auchmit der Erhebung des Caucasus und des Gebirgsknotensvon Armenien und Erzerum zusammen. In keinem an-dern Theile der Welt (selbst das südliche Afrika nicht
*) Ligne de sonde. Es ist bereits dieser Arbeit in der Redeerwähnt, welche ich in der außerordentlichen öffentlichen Sitzungder Petersburger Academie, am 16. Nov. 1829 gehalten habe.
|331| ausgenommen) ist eine Erdmasse von solcher Ausdehnungund Höhe aufgetrieben worden, als in Inner-Asien. Die Hauptaxe dieser Anschwellung, welche wahrscheinlichdem Ausbruche von Ketten auf ostwestlichen Spalten vor-herging, ist von SW. gegen NO. gerichtet, vom Gebirgs-knoten zwischen Kaschmir, Badakschan und dem Tsung-ling (wie vom Caylasa und den heiligen Seen *), in Tü-bet) gegen die Schneegipfel des Inschan und Khingkhan hin **). Die Erhebung einer solchen Masse konnte allein
*) Die Seen Manasa und Rawan Rhad. Manasa, auf Sanscrit, Geist; Mânasarô-wara, wie der östlichste der beiden Seenebenfalls genannt wird, heißt wörtlich: Ehren-Seen-Trefflich-ster. Der westliche See wird Râwanahrada, oder Rawana-See genannt, nach dem bekannten Heros aus dem Râmajana. (Bopp.)**) Diese Richtung der Erhebungsaxe von SW. gegen NO. zeigtsich auch jenseits des 55sten Breitengrades in dem Contra-ste zwischen dem Tieflande des westlichen Sibiriens und demmit Gebirgsketten gefüllten östlichen Sibirien, zwischen demMeridiane von Irkutzk, dem Eismeer und dem Okhotskischen Meerbusen. Herr Dr. Erman hat im Aldanischen Gebirgebei Allachjuna, Gipfel von 5000 Fuß Höhe gefunden (Berg-haus, Annalen, T. I. S. 599.). Nördlich vom Kuenlun (derNordtübetanischen Kette) und westlich vom Meridiane vonPeking sind die, zugleich der Höhe und Ausdehnung nach, wich-tigsten Theile der Anschwellung des Bodens: 1) Im Osten desBergknotens von Kukhunor, der Raum zwischen Turfan, Tangut, der großen Beugung des Gelben Flusses, dem Gardjan (Klapr. Tabl. hist. p. 97.) und der Kingkhan-Kette, ein Raum, der diegroße Wüste (Gobi) umschließt; 2) das Hochland zwischenden Schneebergen Khangai und Tangnu, zwischen den Quellendes Jenisei, der Selenga und des Amur; 3) im Westen dasGebiet am oberen Laufe des Oxus (Amur) und Jaxartes (Sihun)zwischen Fyzabad, Balkh, Samarkand und dem Alatau (bei Turkestan), westlich vom Bolor (Belut-tagh). Die Erhebungdieses Querjochs hat in dem Boden des großen Längenthals von Thianschan Narlu, zwischen dem zweiten und dritten ostwestli-chen Bergsysteme (zwischen dem Himmelsgebirge und dem Kuen-lun) eine Contre-pente (Abdachung von Westen gegen Osten)verursacht, während daß im Dzungarischen Längenthale (Thian-
|332| schon Ursach einer Erdsenkung werden, von der gegen-wärtig vielleicht nicht über die Hälfte mit Wasser gefülltist, und die, seit ihrer Entstehung, sich durch unterirdischeKräfte so mannigfaltig modificirt hat, daß nach den, durchProfessor Eichwald gesammelten Traditionen der Tar-taren das Abscharonsche Vorgebirge, bei Baku, einstmit dem gegenüberliegenden östlichen Truchmenen-Ufer des Caspischen Meeres durch einen Isthmus zusammen-hing. Die großen Seen, welche sich am Fuße des euro-päischen Alpengebirges gebildet haben, sind eine der Cas-pischen Niederung analoge Erscheinung, und in Senkungdes Bodens wohl gleichen Ursprungs. Wir werden baldsehen, daß hauptsächlich in dem Umkreise dieser Niede-rung, also da, wo der Widerstand geringer war, sich diefrischen Spuren vulcanischer Wirkungen zeigen.
Die Lage des Berges (Aral-Tübe), der ehemalsFeuer ausgeworfen hat, und dessen Existenz ich aus denItinerarien des Obristen Gens habe kennen gelernt, ge-winnt an Interesse, wenn man sie mit der Lage der zweiVulkane Peschan und Hotscheu, am nördlichen und süd-lichen Abhange des Himmelsgebirges, der Solfatara von Urumtzi und der heißen, Salmiak-Dämpfe ausstoßenden,Klüfte unfern dem See Darlai vergleicht. Diese letzte-ren Punkte haben wir durch die Untersuchungen von Klaproth und Abel Remusat seit mehr als 6 Jahrenkennen gelernt. Der Vulcan (Br. 42° 25′ oder 42° 35′) zwischen Korgos, nahe am Ili-Fluß, und Kutsche, gehört der Kettedes Thianschan oder Himmelsgebirges an; wahrscheinlichist er am nördlichen Abhange der Kette, 3° östlich vomSee Issikul oder Temurtu, ausgebrochen. Er wird vonchinesischen Schriftstellern Peschan, der weiße Berg, auch Hoschan, und Agie (der Feuerberg) genannt *).
schan Pelu), zwischen dem Himmelsgebirge und dem Altai, eineallgemeine Abdachung von Osten nach Westen herrscht.*) Klaproth a. a. O. p. 110. Id. Mém. rel. à l’Asie, T. II.
|333| Ob der Name Peschan ausdrückt, daß sein Gipfel indie ewige Schneelinie reicht (was die Höhe des Bergeswenigstens im Minimum bestimmen würde), oder ob ernur die fernleuchtende Farbe eines mit auswitternden Sal-zen, Bimstein und vulcanischer Asche bedeckten Bergesbezeichnet, ist ungewiß. Ein chinesischer Bericht ausdem 7ten Jahrhundert sagt: »Zweihundert Li (das heißt15 geogr. Meilen) gegen Norden von der Stadt Khueithsu (dem jetzigen Kutsche) Br. 41° 37′ L. 80° 35′, nach denastronomischen Bestimmungen der Missionare im Eleuten-Lande) erhebt sich der Peschan, welcher ununterbro-chen Feuer und Rauch ausstößt. Von daher kommtder Salmiak: auf einer Seite des Feuerberges (Hoschan) brennen alle Steine, schmelzen, und fließen einige Zeh-ner von Li weit. Die geschmolzene Masse erhärtet beimErkalten. Die Anwohner gebrauchen sie als Heilmittelin Krankheiten *). Man findet auch Schwefel.« Herr Klaproth bemerkt, daß der Berg jetzt Khalar heißt,und daß nach dem Berichte der Bukharen, welche Sal-miak (chinesisch: nao-scha; persisch: nuschader) nachSibirien bringen, der Berg südlich von Korgos so reichan diesem Salze ist, daß die Landeseinwohner oft demKaiser von China ihren Tribut in Salmiak bezahlen. In
p. 358. Abel Remusat, Journ. asiat. T. V. p. 45. Id. Descr.de Khoten, T. II. p. 9. Die Nachrichten von Klaproth sinddie vollständigsten, und vorzüglich aus der Geschichte der Dyna-stie der Ming entlehnt. Hr. Abel Remusat hat mehr aus der ja-panischen Uebersetzung der großen chinesischen Encyclopädie ge-schöpft. Die Wurzel Ag, die man in Aghie wieder findet, soll,nach Klaproth, im Hindostanischen Feuer bedeuten. Südlichvon Peschan um Khotan, welches schon zu Thianschan-Narlu gehört, wurde allerdings, selbst vor unserer Zeitrechnung, Sanscrit,oder eine dem Sanscrit sehr verwandte Sprache, gesprochen, aberim Sanscrit selbst würde ein Feuerberg Agni-giri heißen. Aghie ist, nach Hrn. Bopp, kein Sanscrit-Wort.*) Wohl nicht die Lava, sondern die auf der Lava auswitterndenSalzrinden.
|334| einer neuen, in Peking 1777 erschienenen Beschreibungvon Central-Asien wird gesagt: »Die Provinz Kutsche bringt Kupfer, Salpeter, Schwefel und Salmiak hervor.Der letztere kommt von einem Salmiak-Berge, nördlichvon der Stadt Kutsche, der voller Höhlen und Klüfteist. Im Frühjahr, im Sommer und im Herbste sind dieseOeffnungen voll Feuer, so daß bei Nacht der ganze Bergwie durch Tausende von Lampen erleuchtet scheint.Niemand kann sich dann demselben nähern. Nur imWinter, wenn der viele Schnee das Feuer gedämpft hat,gehen die Eingebornen an die Arbeit, und zwar ganznackt, um den Salmiak zu sammeln. Das Salz findetsich in den Höhlen in Form von Stalactiten, und ist da-her schwer abzulösen.« Der ältere, im Handel bekannte,Name, Tartarisches Salz, für Salmiak, hätte längst dieAufmerksamkeit auf die vulcanischen Phänomene von In-ner-Asien leiten können.
Cordier, in seinem Briefe an Abel-Remusat, sur l’existence de deux Volcans brûlans dans la Tar-tarie centrale, nennt den Peschan eine Solfatara, ähnlichder von Puzzol *). In dem Zustande, in welchem ihndas eben genannte chinesische Werk beschreibt, mag erwohl nur den Namen eines ausgebrannten Vulcans ver-dienen, obgleich Feuer-Erscheinungen den von mir gese-henen Solfataren (Puzzol, die Crater des Pic von Te-neriffa, des Rucu-Pichincha und des Vulcans von Jo-rullo) fehlen; aber ältere Berichte chinesischer Geschicht-schreiber (welche die Heereszüge des Hiungnu im er-sten Jahrhundert unserer Zeitrechnung erzählen) sprechenvon geschmolzenen Steinmassen, die meilenweit fließen; Ausbrüche von Lavaströmen sind hier nicht zu verken-nen. Der Salmiak-Berg zwischen Kutsche und Korgos war also einst ein thätiger Vulcan im engsten Sinne desWorts, ein Vulcan, der Ströme von Lava ergoß, im
*) Journ. asiat. T. V. (1824) p. 44—50.
|335| eigentlichen Centrum von Asien, am nächsten einem Meere:gegen Westen dem Caspischen in 300 geogr. Meilen *);gegen Norden dem Eismeer in 375 Meilen; gegen Ostendem Stillen Meere in 405 Meilen; gegen Süden dem Indi-schen Ocean in 330 Meilen Entfernung. Es ist hiernicht der Ort, die Art der Einwirkung der Meeres-Näheauf die vulcanischen Processe zu discutiren; wir machenhier nur auf die geographische Lage der Vulcane vonInner-Asien und ihre gegenseitige Beziehung aufmerksam.Die Entfernung des Peschan von irgend einem großenMeere ist zwischen drei und vier hundert geographischenMeilen! Bei meiner Rückkehr aus Mexico haben be-rühmte Geognosten ihr Erstaunen darüber geäußert, vondem vulcanischen Ausbruch in der Ebene des Xorullo und dem noch thätigen Vulcan von Popocatepetl zu hö-ren, und doch ist der erstere nur 22, und der zweitenur 32 geogr. Meilen vom Meere entfernt. Der rau-chende Kegelberg Gebel Koldagi in Kordofan, von dem Rüppel in Dongola hörte, liegt 112 geogr. Meilen vom Rothen Meere entfernt **), und dieß ist doch nur derdritte Theil der Entfernung des Peschan (der seit 1700Jahren Lavaströme ausstieß) vom Indischen Ocean. Wirwerden am Schlusse dieser Abhandlung der neueren Erup-tion des Pic von Tolima, in der Andes-Kette von Neu-Granada, erwähnen, der Eruption eines Reihen-Vulcans,welcher der dem Meere ferneren Andes-Kette, (der Cen-tral-Kette östlich vom Cauca), nicht der westlichen Kette,welche das Platin- und Goldreiche Choco, (den columbi-
*) Die Entfernung des Peschan vom Aral-See ist 225 geogr.Meilen, wenn man nach Hrn. Lemm’s (des Astronomen derletzten Berg’schen Expedition) Beobachtung von Mondsternen,das westliche Ufer des Aral-Sees (in Br. 45° 38′ 30″) zu 56° 8′ 59″Länge setzt. Dieß ist die einzige genaue astronomische Beob-achtung, die je am Aral-See gemacht worden ist. Die Positiondes Vulcans von Peschan ist auf Aksu bezogen, und letztere Stadtwird mit den Missionaren in 76° 47′ Länge angenommen.**) Malte-Brun, Annal. des Voyages, 1824, Nov. p. 282.
|336| schen Ural) begränzt, zugehört. Die Behauptung, daßdie Andes keine thätigen Vulcane darbieten, wo sie sichvom Meere zurückziehen, ist keinesweges begründet. Dasostwestliche Gebirgssystem von Caracas, die Kette desLittorals von Venezuela, wird durch gewaltige Erdbebenerschüttert, hat aber eben so wenig Oeffnungen, die mitdem Innern der Erde in permanenter Verbindung stehenund Lava ergießen, als die Himalaya-Kette, die vomBengalischen Meerbusen nicht viel über 100 geogr. Mei-len entfernt ist, oder die Gates, die man fast eine Lit-toral-Kette nennen darf. Wo Trachyte bei Erhebungder Bergketten nicht haben durchdringen können, da feh-len die Klüfte; da sind die Wege nicht eröffnet, durchwelche die unterirdischen Mächte permanent an der Ober-fläche thätig werden können. Das merkwürdige Verhält-niß noch thätiger Vulcane zur Meeresnähe, welches imAllgemeinen nicht geläugnet werden kann, scheint sich nichtsowohl auf chemische Einwirkung des Wassers zu gründen,als auf Configuration der Erdrinde, auf den Mangel vonWiderstand, welchen in der Nähe der Meeres-Beckendie gehobenen Continental-Massen den elastischen Flüs-sigkeiten und dem Hervordringen des Geschmolzenen imInnern des Planeten entgegenstellen. Wo durch alte Revo-lutionen eine Zerklüftung der Erdrinde, fern vom Meere,begründet worden ist, können sich ächt vulcanische Er-scheinungen offenbaren, wie im alten Lande der Eleuten undsüdlich vom Himmelsgebirge bei Turfan. Meeres-Ferneist bei thätigen Vulcanen wohl nur darum seltner, weilda, wo der Abfall der Continental-Massen in ein tiefesMeeres-Becken fehlt, ein seltner Zusammenfluß von Um-ständen dazu gehört, um eine permanente Verbindungzwischen dem Innern und der Atmosphäre zu erlauben,um Oeffnungen zu bilden, die wie intermittirende Ther-mal-Quellen, (statt Wasser) Gas und flüssige Erdoxyde(Laven) periodisch ergießen.
Auch östlich vom Peschan (dem eleutischen Mont-Blanc) ist der ganze nördliche Abfall des Himmelsgebir- |337| ges voll vulcanischer Erscheinungen. »Man kennt dortLaven und Bimstein, ja große Solfataren, die man bren-nende Orte nennt. Die Solfatara von Urumtzi hat 5 geo-graphische Meilen im Umfange; sie bedeckt sich im Win-ter nie mit Schnee, und ist wie mit seiner Asche gefüllt.Wirft man in diesen Kessel einen Stein, so erheben sichFlammen und langdauernder schwarzer Rauch. Vögelwagen nicht über solche brennende Orte hinweg zu flie-gen.« Westlich vom Vulcan Peschan, in einer Entfer-nung von 45 geograph. Meilen, liegt ein See *), vonziemlich beträchtlichem Umfange, und dessen chinesische,kirgisische und kalmückische Benennungen warmes, sal-ziges und eisenhaltiges Wasser andeuten. Uebersteigen wir die vulcanische Kette des Himmels-gebirges, so finden wir vom See Issikul, dessen so oftin den Itinerarien, die ich gesammelt, erwähnt wird, undvom Feuerberge Peschan gegen OSO, den Vulcan vonTurfan, den man auch den Vulcan von Ho-tscheu (d. h.den Vulcan der Feuerstadt) nennen kann, denn er liegtdieser Stadt am nächsten **). Dieses Feuerberges hatHr. Abel Remusat in seinem Werke über Khoten undin seinem Briefe an Cordier umständlich gedacht ***).Es wird keiner geschmolzenen Steinmassen (Lavaströme)
*) Er ist, nach Pansner’s Karten von Inner-Asien, 17 bis 18geogr. Meilen lang, und 6 bis 7 breit; er heißt kalmückisch Te-murtu (der eisenhaltige); kirgisisch Tuzkul oder chinesisch Yan-hai (der salzige); chinesisch Jchai, oder türkisch Issikul (derwarme). Klaproth, Mém. T. II. p. 358. 416., T. III. p. 299.;Hr. Abel Remusat hält den Balkasch für den warmen See der Chinesen (Journ. asiatiq. T. V. p. 45. note 2.).**) Die jetzt zerstörte Stadt Ho-tscheu lag 1\( \frac{1}{2} \) geogr. Meilen östlichvon Turfan. ***) L. c. p. 46. Id. Descr. de Khoten, p. 10—91. Abel Re-musat nennt den Vulcan Peschan (nördlich von Kutsche) Vul-can von Bisch-balik. Denn zur Zeit der Hiungnu hieß dasganze Land zwischen dem nördlichen Abfall des Himmelsgebir-ges und der kleinen Bergkette Tarbagatai Bischbalik.
|338| wie beim Peschan erwähnt, aber »eines unterbrochenausströmenden Rauchs, der bei Nacht, wie eine Fackel,röthlich leuchtet. Man holt den Salmiak von diesem Feuer-berge nur mit Schuhen die dicke hölzerne Sohlen haben;lederne würden schnell bei Berührung des Bodens verbren-nen.« Der Salmiak im Vulcane von Hotscheu wird nichtbloß als Beschlag und Rinde, wie er sich aus den auf-steigenden Dämpfen niederschlägt, gesammelt: die chine-sischen Documente reden auch von einer »grünlichen Flüs-sigkeit, die man in Höhlungen sammelt, und aus der durchSieden und Verdampfung das Salz nao-scha (Salmiak)in der Form kleiner Zuckerhüte von großer Weiße undReinheit abgeschieden wird.«
Die eben genannten beiden Vulcane, der Peschan und der Vulcan von Hotscheu oder Turfan, liegen fastin ostwestlicher Richtung 105 geogr. Meilen von einan-der entfernt. Kaum 30 Meilen westlich vom Meridianedes Hotscheu, am Fuße der colossalen Bogdo-Oola er-scheint die große Solfatara von Urumtzi. Von da noch45 Meilen weiter in NW., in einer Ebene nahe am Flusse Khobok, der sich in den kleinen See Darlai ergießt, er-hebt sich ein Hügel, »dessen Gesteinklüfte sehr heiß sind,doch ohne Rauch (sichtbare Dämpfe) auszustoßen. Indiesen Gesteinklüften sublimirt sich der Salmiak zu sofester Rinde, daß man, um sie zu sammeln, das Gesteinselbst abschlagen muß.« Dieß sind die bisher bekannten vier Orte Peschan,Ho-tscheu, Urumtzi und Khobok, welche die unwider-sprechlichsten vulcanischen Erscheinungen im Innern vonAsien darbieten, ungefähr 75—80 geogr. Meilen südlichvon dem Punkte der chinesischen Dzungarei, wo ichmich im Anfang des vorigen Jahres befand. Wirft maneinen Blick auf die Karte, die ich entworfen (Taf. III.dieses Hefts), so sieht man, daß der kegelförmige Insel-berg (Aral-tube) im See Alakul, der noch in historischenZeiten Feuer ausgeworfen hat, und dessen die in Semi- |339| polatinsk gesammelten Itinerarien erwähnen, in dasselbe vulcanische Gebiet von Bischbalik fällt. Dieser Insel-berg liegt westlich von den Salmiakhöhlen von Khobok, nördlich von dem Peschan, der noch leuchtet und einstLava ausstieß; von beiden Punkten ungefähr gleich weit(45 Meilen) entfernt. Vom See Alakul bis zum Dzay-zang-See, wo die Russischen Cosacken von der Irtisch-Linie das Recht der Fischerei auf chinesischem Territo-rium, durch Connivenz der Mandarinen, ausüben, sindnoch 38 Meilen. Der Tarbagatai, an dessen Fuß diechinesisch-mongolische Stadt Tschugutschak liegt, und zudem vor drei Jahren Ledebour’s Begleiter, der thätigeund gelehrte Dr. Meyer, vergebens seine naturhistori-schen Untersuchungen auszudehnen strebte, zieht sich süd-westlich vom Dzayzang-See gegen den Alakull hin *).
*) Ich will keinen Zweifel über die Existenz der zwei nahen Seen Alakull und Alaktugul äußern; aber sonderbar ist es immer,daß die viel gereisten Tartaren und Mongolen, welche man inSemipolatinsk befragen konnte, nur den Alakull kennen, undvorgeben, der Alaktugul sey aus Namensverwechslung entstan-den. Pansner in der russischen Karte von Inner-Asien, dienördlich vom Ili-Fluß alles Vertrauen verdient, läßt den Ala-kul, (eigentlich wohl Ala-ghul, bunter See), durch 5 Kanäle mitdem Alaktugul zusammenhängen. Vielleicht ist der Isthmus einMoorboden und daraus die Sage von der Existenz eines einzigenSees entstanden. Der Professor Kasimbek (ein geborner Per-ser) in Kasan behauptet, tughul sey eine tartarisch-türkischeNegation, und Alatugul bedeute der nicht bunte See, wie Ala-taughul der See mit dem bunten Berge. Vielleicht bezeich-nen Alakul und Alataugul nur See in der Nähe des Alatau, ei-nes Gebirges, dessen Erstreckung von Turkestan nach der Dzun-garei wir oben entwickelt haben. In der kleinen Karte, wel-che die Englischen Missionare vom Caucasus herausgegeben ha-ben, fehlt der Alakull, und man findet auf derselben bloß eineGruppe von drei Seen, Balkasch, Alaktugul und Kurghi. DieMeinung, daß die Nähe großer Seen bei den Meeresfernen Vul-canen Inner-Asiens wie der Ocean selbst wirke, ist übrigensungegründet. Der Vulcan von Turfan ist von ganz unbeträchtli-chen Lachen umgeben, und (wie bereits oben bemerkt) der See
|340| So lernen wir also in Inner-Asien, drei- bis vierhun-dert geogr. Meilen von den Meeres-Küsten entfernt, einvulcanisches Gebiet von mehr als 2500 Quadratmeilenkennen. Es füllt die halbe Breite des Längenthals zwi-schen dem ersten und zweiten Bergsysteme aus. DerHauptsitz der vulcanischen Wirkung scheint das Himmels-gebirge selbst zu seyn. Vielleicht ist der dreigipflige Co-loß Bogdo-Oola ein Trachytberg, wie der Chimborazo. Gegen Norden, gegen den Tarbagatai, und den See Darlai hin, werden die Wirkungen schwächer; doch ha-ben wir, Herr Rose und ich, auch schon im südwestli-chen Abfall des Altai, an einem glockenförmigen Hügelbei Ridderski, und nahe am Dorfe Bulatschicha weißeTrachyte gefunden.
Von dem Himmelsgebirge gehen mächtige Erdstößezu beiden Seiten, südlich und nördlich, aus. Die Stadt Aksu ist im Anfange des vorigen Jahrhunderts durch sol-che Erschütterungen völlig zerstört worden. Hr. Profess. Eversmann in Casan, dessen wiederholte Reisen unsdas Tiefland der Bukharei aufgeschlossen, hörte von sei-nem tartarischen Bedienten, welcher genau die Gegendzwischen den Seen Balkasch und Alakull kannte, daßErdbeben auch um diese Seen sehr häufig wären. Imöstlichen Sibirien, nördlich vom Parallel des 50sten Gra-des, scheint das Centrum des Erschütterungs-Kreises Ir-kutzk und das tiefe Becken des Baikal-Sees zu seyn,wo auf dem Wege nach Kiachta, besonders an der Djida und dem Tschikoi Basalt mit Olivin und zelligemMandelstein, mit Chabasie und Apophyllit vorkommen *).
Temurtu oder Issikul, der nicht zweimal so groß als der Gen-fer See ist, liegt noch volle 25 geogr. Meilen vom Vulcane Pe-schan entfernt.*) Dr. Heß, Adjunct der kaiserl. Academie zu St. Petersburg, dervon 1826 bis 1828 sich am Baikal und südöstlich vom Baikal aufhielt, macht uns Hoffnung zu einer geognostischen Beschrei-bung eines Theils des von ihm bereisten merkwürdigen Landes.
|341| Als im Februar des Jahres 1829 Irkutzk durch heftigeErdstöße litt, erfolgten im April auch Erschütterungenin Ridderski, die man heftig in der Grube spürte. Die-ser Punkt des Altai ist aber die äußerste Gränze desErschütterungs-Kreises; weiter gegen Westen in der Si-birischen Ebene, zwischen dem Altai und dem Ural, wiein der langen Kette des Urals selbst, sind bisher keineErdstöße gefühlt worden. Der Vulcan Peschan, der Araltube (westlich von den Salmiakhöhlen von Khobok), Ridderski und der metallreiche Theil des Kleinen Altailiegen meist in einer Richtung, die wenig von der desMeridians abweicht. Sollte vielleicht der Altai auch mitin den Erschütterungs-Kreis des Himmelsgebirges fallen,und sollten die Erdstöße des Altai, statt bloß von Osten(vom Baikal-Becken), auch von Süden, von dem vul-canischen Gebiete von Bischbalik kommen? Es ist indem Neuen Continente an mehreren Punkten sehr klar,daß Erschütterungs-Kreise sich schneiden, d. h. daß eineund dieselbe Gegend periodisch von zwei verschiedenenSeiten her Erdstöße empfängt.
Das vulcanische Gebiet von Bischbalik liegt im Ostender großen Erdsenkung der alten Welt. BukharischeReisende erzählen in Orenburg, daß bei Sussac im Ka-ratau, der mit dem Alatau gleichsam ein Vorgebirge(nördlich von der Stadt Taraz oder Turkestan) am Randeder Einsenkung bildet, heiße Quellen ausbrechen. Ge-gen Süden und Westen des innern Beckens finden wirzwei noch thätige Vulcane, den Demavend (von Tehe-ran aus sichtbar) und den Seiban Dagh, am See Wan, der mit glasigen Laven, wie der Gipfel des Ararat *) bedeckt ist. Die Trachyte, Porphyre und heißen Quel-
Er hat bei Werchni Udinsk Granit mehrmals mit Conglomeratwechseln gesehen. S. seine vor Kurzem erschienene Vorlesung,vom 16. Nov. 1829.*) Die Höhe des Ararat ist nach Parrot 2700 Toisen, die des Elbrusz, nach Kupffer, 2560 T. über dem Ocean.
|342| len des Caucasus sind bekannt. Auf beiden Seiten desIsthmus, zwischen dem Caspischen und Schwarzen Meerebrechen Naphta-Quellen und Koth-Vulcane (Salsen) aus.Der Koth-Vulcan auf Taman, dessen letzte Feuer-Aus-würfe von 1794 Pallas, Parrot und Engelhardt nachtartartischen Zeugnissen beschrieben haben, ist nach Hrn. Eichwald’s sehr treffender Bemerkung »ein Gegenstückzu Baku und der ganzen Abscheron’schen Halbinsel.«Die Ausbrüche zeigen sich da, wo die vulcanischen Kräfteden geringsten Widerstand finden. Am 27. November1827 erfolgte unter schrecklichem Krachen und Erdbebenbei dem Dorfe Gokmali (in der Provinz Baku), dreiMeilen vom westlichen Ufer des Caspischen Meeres, eineFeuer-Eruption mit Steinauswürfen begleitet. Eine Flä-che, die 200 Faden lang und 150 Faden breit war, brannte27 Stunden lang ununterbrochen, und erhob sich überdas Niveau der umliegenden Gegend. Nachdem die Flam-men erloschen waren, brachen Wassersäulen aus, die nochjetzt (gleichsam wie artesische Brunnen) fließen *). Ichfreue mich, hier bemerken zu können, daß Eichwald’s Periplus des Caspischen Meeres, welcher bald erscheinenwird, überaus wichtige physikalische und geognostische Be-obachtungen enthält namentlich über den Zusammenhangder Feuer-Ausbrüche mit Entstehung von Naphta-Quellenund Steinsalz-Flötzen, über weit geschleuderte Kalkstein-Blöcke, über noch fortdauernde Hebung und Senkungdes Caspischen Meeresbodens, über den Durchbruch derschwarzen, zum Theil schlackenartigen, granathaltigen Por-phyre (Melaphyre) **) durch Granit, röthlichen Quarz-
*) Biene des Nordens, 1828, No 12.**) Ich erinnere an die lebendige Beschreibung der Melaphyre bei Friedrichroda im Thüringer Wald-Gebirge in v. Buch Geo-gnostischen Brief. S. 205. Auch die Kuppe des metallreichenKegels von Potosi ist ein Porphyr mit Granaten, wie ich auchin den Trachyten von Itzmiguitzan im Mexicanischen Plateauund in den schlackenartigen schwarzen Trachyten vom Yana-Urcu, am Fuße des Chimborasso, Granaten gefunden habe.
|343| porphyr, sehr schwarzen Syenit und Kalkstein, im Kras-nowodskischen Gebirge am Balchanischen Meerbusen,nördlich von dem alten Ausflusse des Oxus (Amu-Deria).So lernen wir verstehen durch die geognostische Schilde-rung der Ostküste des Caspischen Meeres (wo die Insel Tschebekan Naphta-Quellen, wie Baku und wie die Inselnzwischen Baku und Salian) darbietet, welche krystallini-schen Felsarten unter den Flötzgebirgen der, in fortdauern-dem Entzündungs-Processe begriffenen, Halbinsel Absche-ron versteckt liegen, und sich nicht haben bis zu Tage emporheben können. Die Porphyre des Caucasus, von WNW.in OSO. streichend (dieser Lage und Richtung habe ichschon oben wegen des muthmaßlichen Zusammenhangsmit der Spalte des Himmelsgebirges erwähnt) zeigen sichwieder, alles durchbrechend, fast mitten in der großenSenkung der Alten Welt, östlich vom Caspischen Meere,in den Krasnowodkischen und Kurreh-Gebirgen. NeuereErfahrungen und die Tradition der Tartaren lehren, daßwo jetzt Naphta-Quellen fließen, ihrem Ergießen Feuer-Ausbrüche vorhergingen. Viele Salzseen an beiden gegen-überstehenden Ufern des Caspischen Meeres haben einehohe Temperatur, und Steinsalzstöcke in der Nähe vonNaphtha-Quellen, mit Erdpech durchzogen, bilden sich(wie Hr. Dr. Eichwald sehr scharfsinnig sagt) »durchplötzliche vulcanische Wirkungen (wie am Vesuv *), in den Cordilleren von Südamerika und in Azerbidjan), oder gleich-sam unter unseren Augen durch langsame Erhitzungspro-zesse.« Auf den Zusammenhang der vulcanischen Kräftemit den, so viele und verschiedenartige Flötzformationen
*) Annales du Musée 5me année, No. 12. p. 436. Bei einemAusbruche des Vulcans im J. 1805 habe ich (mit Hrn. Gay-Lussac) kleine Gangtrümmer von Steinsalz in der frisch erkal-teten Lava gefunden. Auch in der Nähe des vulcanischen Him-melsgebirges, nördlich von Aksu, zwischen der Wache TurpaGad und dem Gebirge Arbad, geben meine Tartarischen Itine-rarien Steinsalz an.
|344| durchdringenden, anhydrischen Steinsalzmassen hat Leop. v. Buch längst aufmerksam gemacht.
Alle diese Erscheinungen geben einer Beobachtung, dieich an den Ufern der Südsee bei Huaura (zwischen Lima und Santa) zu machen Gelegenheit hatte *) einige Wichtig-keit. Trachyt-Porphyre, dem Phonolith sehr ähnlich, ragendort als Felsgruppen aus den ungeheuren Steinsalzmassen,die (wie in den Afrikanischen Wüsten und in der Kirgisen-Steppe bei Iletzki Satschita) zu Tage steinbruchartig be-arbeitet werden, hervor. Als stete Folge vulcanischer Er-scheinungen begleiten auch Metallbildungen die Entste-hung des Steinsalzes, freilich im Ganzen nur sparsam,aber mannigfaltig z. B. Schwefel und Kupferkies, Spath-Eisenstein und Bleiglanz, letzterer in beträchtlichen Mas-sen und etwas silberhaltig, in Süd-Amerika, in der perua-nischen Provinz Chachapoyas am westlichen Abhange derCordilleren, da wo die Flüsse Pilluana und Guallaga eine Meile lang ein Steinsalzflötz durchbrechen. SolcheBetrachtungen schließen nicht die Annahme einer andernEntstehung von Salzbänken, durch gewöhnliche Verdün-stung in die Atmosphäre, wie in den großen gesättig-ten Salzseen zwischen dem Jaik und der Wolga (inder Inneren Steppe) aus. Wir haben oben gesehen, daß Erschütterungs-Kreise,deren Mittelpunkte der Baikal-See oder die Vulcane desHimmelsgebirges sind, sich in das westliche Sibirien nurbis zum westlichen Abfall des Altai erstrecken und denIrtysch oder den Meridian von Semipolatinsk nicht über-schreiten. Im Ural-Gürtel fühlt man keine Erdstöße, dortfehlen auch olivinhaltige Basalte, eigentliche Trachyteund heiße Mineral-Quellen, trotz des vielen Metallreich-thums der Gebirgsarten **). Der Erschütterungs-Kreis,
*) Humb. Essai geognost. p. 251.**) Dagegen hat der südliche Abhang des Kleinen Altai eine heißeQuelle in der Nähe des Dorfes Fykalka, 40 Werste von derQuelle der Katunja (Ledebour, T. II. S. 521.).
|345| der Azerbidjan, die Halbinsel Abscheron oder den Cauca-sus umgiebt, erstreckt sich oft bis Kislar und Astrakhan.
So der Rand der großen Erdsenkung im Westen.Richten wir unsern Blick vom Caucasischen Isthmus ge-gen N. und NW., so gelangen wir in das Gebiet dergroßen Flötz- und Tertiär-Gebilde, die das südliche Ruß-land und Polen füllen. Auch hier deuten Pyroxen-Ge-steine, den rothen Sandstein von Jekaterinoslaw durch-brechend *), Erdpech und mit Schwefelwasserstoffgas ge-schwängerte Quellen darauf hin, daß unter den Sediment-Gebilden andere Massen versteckt liegen. Bedeutsam ist eswohl auch, daß in dem Serpentin- und GrünsteinreichenUralgürtel, dem Scheidegebirge von Europa und Asien,gegen das südliche Ende hin, bei Grasnuschinskaja, einewahre Mandelstein-Formation erscheint. Die Craterlän-der des Mondes **) erinnern an die Erdsenkung des west-lichen Asiens. Ein so großes Phänomen kann nur durcheine große mächtig wirkende Ursach im Innern der Erdebegründet worden seyn. Dieselbe Ursach, durch plötzlichesAufblähen und Senken die Erdrinde gestaltend, hat wahr-scheinlich auch durch allmälig fortgesetzte Seitenwirkun-gen die Klüfte des Ural und Altai mit Metallen gefüllt.Der Goldreichthum an den Wänden der Gangklüfte istvielleicht durch atmosphärische Einwirkungen ***), oderdurch Mangel an Druck, den die erhitzen Dämpfe erlitten,in den oberen Teufen (im Ausgehenden) größer gewesen,
*) Nach den schönen Sammlungen des Ober-Berghauptmanns vonKowalewski. **) Man muß Berge, wie Conon und Aratus, von Craterländernwie Mare Crisium, Hipparch und Archimedes, unterscheiden, dieweit größer als Böhmen sind.***) Ueber einen solchen Einfluß der Nähe der Atmosphäre auf Ver-edlung der metallreichen Lagerstätte von Guanaxuato, welcheim Anfange dieses Jahrhunderts jährlich über eine halbe MillionMark Silber darbot, S. meinen Essai polit. sur la Nouvelle-Espagne (2. ed.) T. III. p. 195.
|346| so daß die Zerstörung der obersten Gesteinschichten undGangmassen den Trümmer-Lagen (sogenannten Goldallu-vionen) mehr Metall verleihen konnte, als der jetzige Gang-bergbau ahnen läßt. Die Gold-, Platin-, Kupfer- und Zinno-berhaltigen Trümmerlagen sind auf den Höhen des Urals mitdenselben fossilen Knochen großer Landthiere der Vor-welt gemengt, welche man im Tieflande von Sibirien, anden Ufern des Irtysch und Tobol findet. Wie dieseVermengung der Rhinoceros-Knochen der Ebene auf dieEpochen der Hebung der Uralkette und der Zertrüm-merung der Gangmassen deute, kann nicht der Gegen-stand dieser Abhandlung seyn. Wir begnügen uns hiernur, in Hinsicht auf die trefflichen Ideen, welche Herr Élie de Beaumont über das relative Alter und denParallelismus gleichzeitiger Gebirgssysteme neuerdings ent-wickelt hat, zu bemerken: daß auch in Inner-Asien dievier großen ostwestlichen Ketten einen ganz andern Ur-sprung, als die nordsüdlichen oder N. 30° W. — S.30° O. gerichteten andeuten. Der Uralgürtel, der Bo-lor (Belur) Tagh *), die Malabarischen Gates und der
*) Auch westlich vom Belur-Tagh, in der Fortsetzung des Him-melsgebirges, d. h. im Ak-Tagh oder Botom, der durch die Asferah-Kette mit dem eigentlichen Himmelsgebirge zusammen-hängt, und sich von Khojend südwestlich gegen Samarkand hin-zieht, beschreibt der Araber Ibn el Wardi Berge mit Namen Tim, die bei Tage rauchen, bei Nacht leuchten, Salmiak und zadj (wahrscheinlich Alaun) liefern. In der Nähe sind Gold-und Silber-Gruben. S. Operis cosmographici Ibn el Wardi Caput primum, ex cod. Upsal ed. Andreas Hylander (Lond.1823, p. 352.). Von Lava-Ausbrüchen, wie am Peschan, isthier freilich keine Rede, doch zweifle ich, daß diese Erscheinun-gen der Provinz Uratippa bloß brennenden Steinkohlenflötzen (wieim Forez bei St. Etienne, wo auch Salmiak gesammelt wird)zugehören. Der leuchtende Berg Tim erinnert mehr an dieAusbrüche längs dem östlichen Ufer des Caspischen Meeres, z. B.an den rauchenden Berg Abitsche, nahe am Golf von Man-gischlak, „wo gebranntes schlackenartiges Gestein den Craterumgiebt.“ Journ. de la soc. asiatique, 1824, No. 23. p. 295.
|347| Kingkhan sind wahrscheinlich neuer als die Himalaya-Kette und das Himmelsgebirge. Nicht immer sind ungleich-zeitige Systeme räumlich von einander getrennt, wie inDeutschland und dem größeren Theile des Neuen Con-tinents. Oft sind Bergketten (Erhebungsaxen) von ganzverschiedener Richtung und ganz verschiedenem Alter vonder Natur zusammengedrängt, Schriftzügen einer Denk-tafel ähnlich, die, sich mannigfach durchschneidend, zuverschiedenen Zeiten eingegraben wurden und in sich selbstdie Spuren ihres Alters tragen. So sieht man im südli-chen Frankreich Ketten und wellenförmige Erhebungengemengt, von denen einige den Pyrenäen, andere denwestlichen Alpen parallel sind *). Dieselbe Mannigfaltig-keit der geognostischen Phänomene zeigt sich in dem Hoch-lande von Inner-Asien, wo einzelne Theile durch rost-förmige Vertheilung der Bergsysteme, wie umwallt undgeschlossen, erscheinen.

Indem ich Ihnen in dieser Abhandlung, die Sie Ihrenschätzbaren Annalen einverleiben wollen, Nachricht übereinen bisher unbekannten Vulcan des Alten Continents, den Inselberg, Araltube des Sees Alakull, mittheile, fügeich noch einige Worte über einen neu entstandenen odervielmehr nach längerer Ruhe wieder erwachten (von neuemthätig gewordenen) Vulcan der Andes-Kette im NeuenContinente hinzu. Als ich diesen Vulcan, der einen hohen mit ewigem Schnee bedeckten abgestumpften Kegel bildet, in derEbene von Caravajal, bei Ibague zeichnete und trigono-
Auch Ritter hat, wie gewöhnlich, mit Umsicht und Fleiß, Allesgesammelt, was sich auf die Salmiakdampf-aushauchenden Land-strecken (Oschruschna und Botom) in Uratippa und Turkestan bezieht. (Erdkunde, T. II. S. 560.)*) Élie de Beaumont, Recherches sur les révolutions de la sur-face du globe, 1830, p. 29. 282.
|348| metrisch maß *), ahnete ich nicht, daß selbst ich nochseine Wiederbelebung erleben sollte. Ich glaubte damals,er sey nur in vorhistorischen Zeiten entflammt gewesen, undwürde eben so wenig als die Trachythügel der Auvergnewiederum thätig werden.
Nördlich von dem großen Gebirgsknoten der Quel-len des Magdalenen-Stroms, unter 1° 50′ N. Br., thei-len sich die Andes in drei Zweige, von denen der west-lichere, dem Meere am meisten genäherte (Cordilleradel Choco), an seinem westlichen Abfall Trümmer-La-gen von Gold und Platin enthält; der mittlere (Cordil-lera de Quindiu) die Thäler des Cauca und Magdale-nen-Stromes trennt; der östlichste (Cordillera de SumaPaz y de Merida) zwischen dem Tafellande von Bogota und den Zuflüssen des Meta und Orinoco sich in nord-östlicher Richtung hinzieht **). Von diesen drei mächti-gen Zweigen ist der mittlere bis zum Parallel von 5° \( \frac{1}{2} \) der höchste, und allein mit ewigem Schnee bedeckt. Wodiese Central-Kette gegen den Bergknoten von Antioquia hin an Höhe abnimmt, da fängt die östliche Cordillere(die von Bogota) an, sich bis zur Schneegränze zu er-heben, wie in dem Paramo de Chita und der SierraNevada de Merida. Diese Alternanz der Höhen, dieseBeziehung zwischen den Zweigen eines Stammes deutet
*) Den 22. Sept. 1801. Der Form des Pic von Tolima gleichtunter allen Trachyt-Bergen der Andes-Kette und der Mexicani-schen Gebirge, die ich gesehen, bloß die Form des Cotopaxi. Ich habe beide abgebildet in: Vues de Cordilières et Monumensdes Peuples indigènes de l’Amérique, Pl. III und IX. **) S. mein Tableau géognostique de l’Amérique méridionale im Voy. aux Régions équinox. T. III. p. 203. 204. 207. DieseVerzweigung und Gliederung eines ungeheuren Bergsystems, desausgedehntesten der Welt, habe ich in einer noch nicht heraus-gegebenen Karte dargestellt: Esquisse hypsométrique des Noeudsdes Montagnes et des Ramifications des Andes depuis le Capde Horn jusqu’à l’Isthme de Panama et à la Chaîne littoralede Venezuela, eine Karte, deren Stich seit 1827 vollendet ist.
|349| vielleicht auf die Wirkung unterirdischer Kräfte, elasti-scher Flüssigkeiten hin, die durch zwei Spalten (Neben-trümmer) gewirkt haben, sey es bloß den Boden hebendoder trachytische Feuerberge erzeugend, wo der Wider-stand am geringsten war.
Die schneebedeckten Paramos von Tolima, Ruiz und Herveo (Erve) bieten von Santa Fe de Bogota aus, und noch mehr in den zwei Capellen, die in 1688und 1650 Toisen Höhe *) an einer Felswand über derStadt hängen, bei dem Auf- und Untergang der Sonne,ein herrliches Schauspiel dar. Ihr Anblick erinnert andie Ansicht der Schweizer Alpen-Kette, welche man vonden Höhen des Jura genießt. Leider! ist die Freudemeist von sehr kurzer Dauer, und bei Bestimmung vonHöhenwinkeln und Azimuthen wurde ich oft getäuscht,da die Schneeberge, die in einer Entfernung von 22 geogr.Meilen von der Cordillera oriental durch den Magda-lenen-Strom getrennt sind, von Wolkenschichten früherbedeckt waren, als ich mit Aufstellung der Instrumentefertig werden konnte. Neben der abgestumpften Pyra-mide von Tolima **) erscheinen erst eine Gruppe klei-ner Kegel (Paramo de Ruiz) und dann noch nördlicher,wieder bis in die Schneelinie reichend, der lang gedehnteRücken der Mesa de Herveo. Bisher war der Vulcanvon Purace bei Popayan (Br. 2° 19′) der letzte thätigeVulcan, den man von Süden nach Norden in der süd-amerikanischen Andes-Kette kannte, und zur Zeit mei-ner Reise zeigte selbst dieser Trachytberg, dem alten ob-sidianreichen Vulcan von Sotara gegenüber (in NO.) kei-
*) Nuestra Seora de la Guadelupe und N. S. de Monserrate. Die Höhe der Capellen sind über dem Meere gerechnet. (Bo-gota 1365 Toisen. Diese meine Messung ist durch die neuerevon Boussingault genau bestätigt worden.)**) Tolima, nach meinen Beobachtungen Br. 4° 46′, L. 77° 56′ (Par.Merid.), wenn ich Santa Fe de Bogota 76° 34′ 8″ finde (Humb. Rec. d’Observ. astron. T. II. p. 250—261.).
|350| nen eigentlichen Krater, sondern nur kleine Oeffnungen,in denen mit Schwefelwasserstoff geschwängerte Wasser,unter fürchterlichem Getöse, Dämpfe ausstießen *). Fol-gen wir von der Gruppe der Vulcane von Popayan (Purace und Sotara) der Central-Kette gegen Norden,so finden wir, der Reihe nach, in der Richtung N. 20° O.,die Schneegipfel und Paramos von Guanacas, Huila,Baraguan und Quindiu. Der letztgenannte Paramo (Br. 4° 35′) ist als Paß berühmt, um vom Magdalenen-Thale in das Cauca-Thal, von Ibague nach Carthago zu gelangen. Nordnordöstlich von diesem Paß erhebtsich die Gruppe der Paramos von Tolima und Ruiz, eine Gruppe, durch welche, in SW von der Stadt Honda,also 42 geogr. Meilen von dem Vulcan von Popayan, (fast auf halbem Wege zwischen Popayan und dem Golfvon Darien, am Anfange des Isthmus von Panama), dasvulcanische Feuer neuerlich wiederum eine Communicationmit der Atmosphäre gefunden hat. Im J. 1826, zu einer Zeit,wo Bogota, Honda und die Provinz Antioquia von furcht-baren Erdbeben heimgesucht wurden, sah ein vortreffli-cher Beobachter, Boussingault’s Reisebegleiter, der Dr. Roulin, von Santana aus **), den Pic von Tolima alleTage rauchen. »Die Eingebornen, schreibt dieser Gelehrte
*) Purace und Sotara stehen dem Gebirgsknoten von Los Robles, von dem die oben bezeichnete Tripartition der Kette ausgeht (s.meine Karte des Magdalenen-Stromes, Atlas geogr. Pl. 24.) sehrnahe; doch gehören sie im eigentlichen Sinne des Worts so gut,als die Paramos de Ruiz und Tolima der Central-Kette an.Auch fern am östlichen Abhange der östlichen Cordillera, ge-gen den Rio Fragua hin (Br. 1° 45′), im Südosten des Vul-cans Purace, hat das unterirdische Feuer in einer Ebene, durcheinen Hügel, einen Ausweg gefunden, den die Missionare von Rio Caqueta (wenn sie von Timana aus ihre Missionen besu-chen) rauchen sehen.**) Eine Silbergrube, südlich von Mariquita, am östlichen Abhangder Central-Kette.
|351| in einem Briefe vom 4. Mai 1829 an die Pariser Aca-demie der Wissenschaften *), haben diesen Rauch erstseit dem großen Erdbeben von 1826 bemerkt. Diesesist also gleichsam das Signal der Entflammung oder viel-mehr des Erscheinens vulcanischer Wirkungen an derOberfläche der Erde gewesen.« Vielleicht kann man dieGruppe der beiden Paramos de Tolima und Ruiz alsden Mittelpunkt des Erschütterungskreises betrachten, indessen Gebiete, westlich die Vega de Supia, östlich Honda und selbst die ferne Hauptstadt von Columbien(Santa Fe de Bogota) gelegen sind. Aber Honda (somannigfaltig und wechselnd sind die unterirdischen Ver-bindungen längs der alten Spalte, auf der die Andes-Kette hervortrat) leidet bisweilen auch bei den Ausbrü-chen des 102 geogr. Meilen südlicher gelegenen Coto-paxi **), und der Vulcan von Pasto hat seine Rauch-säule in derselben Stunde verloren ***), als 75 geogr.Meilen südlicher das fürchterlichste Erdbeben neuererJahrhunderte Riobamba zerstörte. Ich habe trigonome-trisch die Pyramide von Tolima über 2865 Toisen hochgefunden; der Berg ist also höher als die Mexicanischen Nevados, und vielleicht der höchste Gipfel des NeuenContinents der nördlichen Hemisphäre, so wie der So-rata, Illimani, und Chimborazo die höchsten Gipfel inder südlichen Hemisphäre sind.
Hr. Roulin hat (und diese Thatsache ist sehr merk-würdig) in einer inedirten Historia de la Conquista deNueva Grenada, welche 1623 abgefaßt wurde, gefun-den, daß »am 12. März 1595 der Paramo de Tolima eine große Eruption hatte. Sie kündigte sich durch schreck-liche Detonationen an. Aller Schnee des Berges schmolz,wie dieß so oft vor den Eruptionen, die den Kegel durch-
*) Annal. de Chimie et de Physique, 1829 Dec. p. 415.**) S. mein Voyage aux Rég. équinox. T. II. p. 15.***) Am 4. Febr. 1797.
|352| glühen, am Cotopaxi geschieht. Zwei Flüßchen, welche amAbhange des Tolima entspringen, schwollen furchtbar an,wurden (durch Einsturz von Felsmassen?) in ihrem Laufegehemmt, brachen dann plötzlich durch, und verursachteneine große Ueberschwemmung, indem sie Bimsteine undBlöcke von ungeheurer Größe mit sich fortrissen. DieWasser waren verpestet (mit schädlichen Gasarten oderwie im Rio Vinaigre, bei Popayan, mit Schwefel- undSalzsäure angeschwängert?), so daß man lange keine le-bendigen Fische darin fand.« Ich mache, fügt Hr. Rou-lin hinzu, darum auf die Existenz dieser Vulcane beson-ders aufmerksam, weil er wenigstens 40 Lieues von derKüste entfernt und also unter allen thätigen Vulcanender Meerfernste ist. Der letzteren Behauptung kann ichnicht ganz beipflichten. Der Cotopaxi und der Popo-catepetl (um nur amerikanische Vulcane zu nennen) sindweiter von den Küsten entfernt. Zwar ist der Punkt desLittorals von Choco, welcher im Parallel von Tolima liegt,zwischen dem Vorgebirge Charambira und Corrientes nichtmit befriedigender Genauigkeit in der Länge bestimmt, dochkann man, nach vielen Combinationen, annehmen, daß dienächste Küste ungefähr 79° 42′ liegt, also ist der Unter-schied der Meridiane, der hier zugleich die Meeresnähedes Vulcans vom Tolima ausdrückt: 1° 46′ *). Kaumein Paar Meilen nördlich vom Pic von Tolima erhebt sichder Paramo de Ruiz. Mein Freund, Hr. Boussin-gault, schreibt mir unter dem 18. Juni 1829 aus Mar-mato **) bei seiner Rückkunft aus dem Choco, wo erdie Platin-Alluvionen untersucht und mir wichtige Ver-
*) Nach Untersuchungen, die ich zu meiner bereits gestochenen,aber unedirten Carte hydrographique du Choco depuis les\( \frac{1}{2} \) jusqu’aux\( \frac{3}{4} \) de latitude angestellt habe. Ich setze vorläufigNovita in 79° 4′ westlicher Länge, weil ich zu Carthago 78° 26′,39gefunden habe.**) In der Provinz Antioquia, Br. 5° 27′ südlich von der Vega deSupia, am östlichen Abfall der westlichen Andes-Kette.
|353| gleichungen mit dem Ural verschafft hat: »Sagen Sie Hrn. Arago, er solle dreist den Paramo de Ruiz unter dieZahl der brennenden (noch thätigen) Vulcane setzen, dieer jährlich in dem Annuaire du Bureau des Longitudes aufführt. Dieser Vulcan raucht immerfort, und in demAugenblick, wo ich diese Zeilen schreibe, unterscheideich deutlichst die Rauchsäule.« Der Paramo de Ruiz, wieman auf meiner Karte des Magdalenen-Stroms sehen kann,liegt kaum 2 Meilen vom Paramo de Tolima entfernt.Hat Hr. Boussingault Ruiz für Tolima geschrieben,oder hat er von Marmato aus die nahe stehenden Gipfelverwechselt?
Die Central-Kette der Andes ist, so weit ich sieverfolgte, zwischen dem Bergknoten von Los Robles unddem Paß von Quindiu mit Granit, Gneis und Glimmer-schiefer bedeckt, durchwelche Trachyt-Massen in den ho-hen Paramos durchgebrochen sind. Salzquellen, Gypsund natürlicher Schwefel liegen mitten in diesen krystalli-nischen Gebilden. Im Paß von Quindiu, nahe beim Mo-ral (1062 Toisen über dem Meere) fand ich in derQuebrada del Azufral im Glimmerschiefer offene Klüfte,in denen sich natürlicher Schwefel sublimirt hat, und ausdenen im October 1801 ein so warmes Gasgemenge aus-strömte, daß in der Kluft das Thermometer auf 38°,2Reaum. stand. Gebückt fühlte ich Kopfschwere undSchwindel. Die Temperatur der Atmosphäre war damals16°,5; die des kleinen Bachs, der, mit geschwefeltemWasserstoff geschwängert, von dem Pic von Tolima her-abstürzt, 23°,3. Hr. Boussingault hat sich im Früh-jahr 1827 zwei Tage im Azufral aufgehalten. »Sie wer-den mit Interesse erfahren, schrieb er mir aus Ibague,daß in den 26 Jahren, seitdem Sie diese offenen Spal-ten untersuchten, die unterirdische Wärme auffallend ab-genommen hat. In den Spalten steht jetzt das Thermo-meter nur 15°,2 R., während es in freier Luft im Schat-ten 18°,6 zeigte. Also hat sich die Wärme der ausströ- |354| menden Gasarten um fast 23° R. vermindert.« Manhätte vermuthen können, daß die Wiederentzündung desPic von Tolima den entgegengesetzten Effect in der Que-brada del Azufral hervorbringen und also die Tempera-tur eher erhöhen, als vermindern würde. Vielleicht aberhaben die Erdstöße, welche dem Ausbruch des Vulcansvorhergingen, die früheren Verbindungen mit den Klüftendes Azufral abgeschnitten. Am Vesuv sind solche Verän-derungen in der Temperatur einer und derselben Spaltewie in der chemischen Natur der ausgehauchten Dämpfekurz vor und nach einem Ausbruche sehr gewöhnlich. — Boussingault hat das Gasgemenge, welches den Spal-ten des Glimmerschiefers von Quindiu entströmt, mit vie-ler Genauigkeit analysirt, und darin gefunden:
Kohlensäure 94
Atmosphärische Luft 5
Schwefelwasserstoff 1
100.
Ein solches Gemenge deutet auf das was unter dem so-genannten krystallinischen Urgesteine vorgeht und erklärthinlänglich den Schwindel, den wir, Hr. Boussingault,Bonpland und ich, in der Mina del Azufral empfanden. Die beigefügte Karte der Bergketten und Vulcane vonInner-Asien ist ein bloßer roher Entwurf, der das Verständ-niß der Abhandlung erleichtern soll. Als Grundlage habengedient, so viel es der beschränkte Raum erlaubte: Klap-roth und Berthe, Asie (1829); Klaproth, kleine Carte de l’Asie centrale, im 2ten Bande der Mémoiresrelatifs à l’Asie; Pansner, Russische Karte von Inner-Asien; Meyendorff’s Reisekarte durch die Bucharei; Waddington’s Karte zu den Memoirs von Sultan-Ba-ber; Meyer’s Skizze eines Theils der Kirgisensteppe in Ledebour’s Reise nach dem Altai; endlich einige in Si-birien gesammelte Manuscripte, Karten und Itinerarien.Die Position der Vulcane von Inner-Asien, welche sorg-fältig eingetragen sind, wie die Angaben einiger Höhen über (+) und unter (—) dem Niveau des Oceans, ge-ben vielleicht meinem ersten Entwurfe einer Karte derasiatischen Bergketten einiges Interesse, und unterschei-den es von den edirten Arbeiten.
|355| II. Beobachtungen der Inclination der Magnetnadel, gemacht auf einer Reise nach dem Ural, dem Altai unddem Caspischen Meer von Alexander von Humboldt.
Nördl. Breite. Oestl. Längevon Paris. Inclination. Beobach-tungstag.1829. Bemerkungen.
Mittel aus2 Nadeln(Alte Theil.) Nadel A. Nadel B.
1. Berlin ....... 52° 31′ 13″ 11° 3′ 30″ 68° 30′,7 9. April Mit Hrn. Encke.
2. Königsberg ..... 54 42 50 18 9 40 69 25,8 69° 25′,2 69° 26′,3 17. ‒ Mit Hrn. Bessel.
3. Sandkrug, gegenüber Memel 55 42 13 18 47 30 69 39,8 69 40,4 69 39,3 20. ‒ Auf der Nehrung.
4. Petersburg ..... 59 56 31 27 59 30 71 6,7 71 3,4 71 10,0 6. Dec. Auf d. Apotheker-Insel, mit Hrn. Kupf-fer.
5. Moskau ...... 55 45 13 35 17 0 68 56,7 68 57,5 68 56,0 6. Nov. Sokolnikowa Pole.
6. Kasan ....... 55 47 51 46 47 30 68 26,7 10. Mai Mit Hrn. Simonoff.
7. Ekaterinenburg .... 56 50 13 58 14 15 69 9,75 69 9,8 69 9,7 15. Juli Die Beob. 7. 8. 9. 10., am asiat. Ab-hang des Urals.
8. Beresowsk ..... 56 54 58 24 15 69 13,2 20. Juni
9. Nijney Tagilsk .... 57 55 57 56 15 69 29,8 30. ‒ Die berühmte Gold- und Platingrubedes Hrn. Demidoff.
10. Nijney Turinsk .... 58 41 57 55 15 70 58,7 70 57,5 70 59,9 2. Juli
11. Tobolsk ...... 58 11 43 65 45 70 55,6 70 58 70 53,3 23. ‒
12. Barnaul ...... 53 19 81 50 68 9,8 68 8,8 68 10,8 4. Aug. Die Länge vielleicht noch östlicher.
13. Smeinogorsk ..... 51 8 80 25 66 5,5 66 5,9 66 55,1 8. ‒ Die berühmte Grube am Schlangenbergim Altai.
14. Ust-Kamenogorsk ... 49 56 79 55 64 47,6 64 48,0 64 47,2 20. ‒
15. Omsk ....... 54 57 71 13 68 54,2 68 56,3 68 52,2 27. ‒
16. Petropawlowsk .... 54 52 66 48 68 18,4 68 18,2 68 18,6 30. ‒
17. Troitzk ...... 54 5 59 13 67 14,2 67 14,6 67 13,7 3. Sept.
18. Miask ....... 54 58 57 44 67 40,2 67 41,5 67 39,0 6. ‒
19. Slatoust ...... 55 8 57 28 67 43,2 67 42,9 67 43,6 9. ‒
20. Kyschtim ...... 55 37 57 58 68 45,9 68 44,4 68 47,5 12. ‒
21. Orenburg ...... 51 46 52 46 15 64 40,7 64 41,5 64 39,9 25. ‒
22. Uralsk ....... 51 11 49 2 64 19,3 64 18,5 64 20,2 28. ‒
23. Saratow ...... 51 31 43 44 64 40,9 64 39,1 64 42,7 4. Oct.
24. Sarepta ...... 48 30 41 59 62 15,9 62 16,6 62 15,2 9. ‒
25. Astrakhan ..... 46 21 45 45 59 58,3 59 59,7 59 57 20. ‒
26. Insel Birutschicassa im Cas-pischen Meer ..... 45 44 45 18 59 21,4 59 21,6 59 21,2 15. ‒
27. Woronesch ..... 51 39 36 54 65 12,0 65 9,2 65 14,9 29. ‒ Beobacht. sehr schwierig, wegen hefti-gen Windes, der das Zelt umzuwer-fen drohte.

Abbildungen