Digitale Ausgabe

Download
TEI-XML (Ansicht)
Text (Ansicht)
Text normalisiert (Ansicht)
Ansicht
Textgröße
Originalzeilenfall ein/aus
Zeichen original/normiert
Zitierempfehlung

Alexander von Humboldt: „Über den Ursprung von Amerika“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1828-The_supposed_recent-2-neu> [abgerufen am 22.06.2024].

URL und Versionierung
Permalink:
https://humboldt.unibe.ch/text/1828-The_supposed_recent-2-neu
Die Versionsgeschichte zu diesem Text finden Sie auf github.
Titel Über den Ursprung von Amerika
Jahr 1829
Ort Berlin
Nachweis
in: Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz 57 (10. April 1829), S. 294–295.
Postumer Nachdruck
Alexander von Humboldt, Ueber die künftigen Verhältnisse von Europa und Amerika. Politische und historographische Schriften zur Neuen Welt, herausgegeben von Oliver Lubrich, Hannover: Wehrhahn 2010, S. 79–81.
Sprache Deutsch
Typografischer Befund Fraktur (Umlaute mit superscript-e); Spaltensatz.
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: IV.90
Dateiname: 1828-The_supposed_recent-2-neu
Statistiken
Seitenanzahl: 2
Spaltenanzahl: 4
Zeichenanzahl: 4059

Weitere Fassungen
The supposed recent Origin of America refuted (Edinburgh, 1828, Englisch)
Über den Ursprung von Amerika (Berlin, 1829, Deutsch)
|294| |Spaltenumbruch| |Spaltenumbruch|

Ueber den Urſprung von Amerika. Von Alex. von Humboldt.

Ein geiſtreicher Naturforſcher, Smith Barton, hatſehr richtig bemerkt, er koͤnne die Hypotheſe, daßein großer Theil Amerika’s in ſpaͤterer Zeit als dasuͤbrige Feſtland aus dem Gewaͤſſer ſich erhoben habe,nur als eine thoͤrigte Idee, auf keine natuͤrliche Arterweislich, anſehen. Hoͤren wir uͤber dieſen GegenſtandAlex. von Humboldt: Schriftſteller, die ſich mit Recht Ruhm erworben,haben wiederholentlich behauptet, daß Amerika in jedemSinne des Wortes ein neues Feſtland ſey. Jener Reich-thum der Vegetation, die Menge der Fluͤſſe, jene gro-ßen Vulkane, die ſtets in Bewegung ſind, ſagen ſie,zeigen an, daß die unaufhoͤrlich zitternde und nichtvoͤllig trockene Erde ſich weniger von dem urſpruͤng-lichen chaotiſchen Zuſtande entfernt habe, als dies inder alten Welt der Fall iſt. Lange vor meiner Reiſeerſchienen mir ſolche Ideen als unphiloſophiſch undden allgemein anerkannten Geſetzen der Phyſik wider- |295| |Spaltenumbruch| ſprechend. Dieſe Bilder von Jugend und Unordnungſowohl, als von Trockenheit und progreſſivem Verluſtder Kraft in der Erde, ſo wie ſie aͤlter wird, konntennur bei denjenigen entſtehen, die es ſich zum Vergnuͤ-gen machen, zwiſchen den beiden Hemiſphaͤren Ge-genſaͤtze aufzufinden und ſich von der Einrichtungunſeres Planeten keinen Geſammt-Ueberblick zu ver-ſchaffen wußten. Wird man ſagen, der ſuͤdliche TheilItaliens ſey ein neueres Land als die Lombardei, weilderſelbe beſtaͤndig von Erdbeben und feuerſpeienden Ber-gen erſchuͤttert wird? Außerdem ſind unſere gegenwaͤr-tigen Vulkane und Erdbeben doch nur unbedeutendeErſcheinungen in Vergleich mit denjenigen Revolutio-nen der Natur, die von Geologen angenommen werdenzur Zeit des Schmelzens und Abkuͤhlens der Maſſen,welche die Berge gebildet haben, als die Erde noch imZuſtande des Chaos war. Es muͤſſen verſchiedene Ur-ſachen die Wirkungen der Naturkraͤfte in den mannig-faltigen Climaten veraͤndern. In der neuen Welt duͤrf-ten vielleicht die Vulkane, etwa vier und funfzig ander Zahl, laͤnger gebrannt haben, weil die Kette ho-her Gebirge, in denen ſie ſich befinden, naͤher an demMeere liegt, und weil dieſer Umſtand und der beſtaͤndigeSchnee, welcher ſie bedeckt, das unterirdiſche Feuer zumodificiren ſcheinen; es ſind dieſe Umſtaͤnde bis jetztnur noch zu wenig der Aufmerkſamkeit gewuͤrdigt wor-den. Erdbeben und Feuer-Ausbruͤche treiben daſelbſtperiodiſch ihr Spiel. — Vulkane ruhen Menſchen-Alterhindurch, ehe ſie wieder in Brand gerathen. Die Mei-nung, daß in den aͤltern Himmelsſtrichen ein gewiſſerFriede in der Natur herrſchen muͤſſe, gruͤndet ſich bloßauf ein Spiel unſerer Einbildung. Eine Seite unſe-res Planeten kann durchaus nicht aͤlter als die andereſeyn. Die durch Vulkane entſtandenen Eilande, z. B.die Azoriſchen Inſeln, oder ſolche, die ſich nach und nachdurch Molusken gebildet haben, wie viele Inſeln im ſtillen Meere, ſind im Allgemeinen juͤnger, als die Gra-nitmaſſen der Central-Kette Europa’s. Ein Land vongeringem Umfange kann durch Ueberſchwemmungen,welche ſich uͤber einen Theil des Landes verbreiten,lange Zeit mit Waſſer bedeckt bleiben, und ſo einenSee bilden; nachdem das Waſſer abgetrocknet war,duͤrfte der Name neu gebildeten Landes demjenigenTheile, der nach und nach zur Vegetation geeignet wird,wohl bildlich beigelegt worden ſeyn; aber eine Um-gebung von Waſſer, wie ſie ſich der Geolog zur Zeitder Bildung der Sekundair-Gebirge denkt, kann, inUebereinſtimmung mit den Geſetzen der Hydroſtatik, nurals in allen Theilen der Welt und in allen Climatenzugleich exiſtirend gedacht werden. Das Meer konntenicht auf den großen Ebenen des Orinoko und des Amazonen-Fluſſes zuruͤckbleiben, ohne zur ſelben Zeitdie Gegenden um das Baltiſche Meer zu verwuͤſten. |Spaltenumbruch| Die Verkettung und die Einerleiheit der Sekundair-ſchicht bei Carracas, in Thuͤringen, und in Nieder-Egypten zeigen, wie ich in meinem geologiſchen Ge-maͤlde von Suͤd-Amerika dargethan, daß dieſe große Wir-kung der Natur zur ſelben Zeit auf der ganzen Erdeſtatt gefunden habe.