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Titel Neueste Beschlüsse der mexiko’schen Regierung über einen Handelsweg in der Landenge von Goazacoalco und Tehuantepec
Jahr 1827
Ort Stuttgart; Tübingen
Nachweis
in: Hertha, Zeitschrift für Erd-, Völker- und Staatenkunde 9 (1827), S. 5–28.
Postumer Nachdruck
„El Ystmo de Tehuantepeque“, in: Briefwechsel Alexander von Humboldt’s mit Heinrich Berghaus aus den Jahren 1825 bis 1858, 3 Bände, Leipzig: Hermann Costenoble 1863, Band 1, S. 79–82.

Alexander von Humboldt, Ueber die künftigen Verhältnisse von Europa und Amerika. Politische und historographische Schriften zur Neuen Welt, herausgegeben von Oliver Lubrich, Hannover: Wehrhahn 2010, S. 76–78.
Sprache Deutsch
Schriftart Fraktur
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: IV.80
Dateiname: 1827-Neueste_Beschluesse_d-1
Statistiken
Seitenanzahl: 24
Zeichenanzahl: 49985
Bilddigitalisate

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Neueſte Beſchluͤſſedermexiko’ſchen Regierunguͤbereinen Handelswegin der Landenge von Goazacoalco und Tehuantepec, mitgetheiltvon Alexander von Humboldt.


In mehren meiner Schriften habe ich zu entwickeln geſucht,daß bevor man auf irgend einem Punkte zu der Eroͤffnung einesKanals zwiſchen der Suͤdſee und dem atlantiſchen Ozean ſchreitet,die ganze Zahl der Landengen aufgenommen, nivellirt und phy-ſikaliſch unterſucht werden muͤßte, welche bisher, als zu einer ſol-chen Verbindung geeignet, vorgeſchlagen worden ſind. Dieſe An-ſicht der Dinge iſt in den amerika’ſchen Tropenlaͤndern jetzt herr-ſchend und jeder Freiſtaat bemuͤht ſich innerhalb ſeines Gebietesdie Mittel anzuwenden, welche ihm zunaͤchſt zu Gebote ſtehen,um ſich die erwuͤnſchten Notizen zu verſchaffen. Freilich waͤrees ſicherer, wenn erfahrene, in dem Kanalbau praktiſch unterrich-tete Maͤnner die Lokalſchwierigkeiten ſelbſt pruͤfen koͤnnten; aberehe eine ſolche vergleichende Pruͤfung durch dieſelben Individuen,die vom Ausfluß des Rio Atrato bis zu dem des Rio Goaza-coalco (oder Huaſacualco) ſchifften, zu Stande kommt, iſt esſchon von dem hoͤchſten Intereſſe fuͤr die europa’ſche handelnde Welt, |6| recht ſchnell von dem unterrichtet zu werden, was von dem der-maligen Zuſtande der Landeskultur hat ergruͤndet werden koͤnnen. Die Verengerung der mexiko’ſchen Halbinſel zwiſchen der Boca de Goazacoalco und dem Hafen Tehuantepec hatte bereitsdie Einbildungskraft des Hernan Cortes lebhaft beſchaͤftigt. Dergroße Mann nennt dieſe Verengerung in ſeinen Briefen an Kai-ſer Karl V. „das Geheimniß der Landenge“ (el segreto delIsthmo). In meinem Essai politique sur le Royaume de la NouvelleEspagne ſind dem Publikum die erſten ausfuͤhrlichen Nachrichtenuͤber die divortia aquarum zwiſchen den Fluͤſſen Chimalapa und Goazacoalco aus Berichten des Ingenieurs Cramer mitgetheilt wor-den, die ich in dem Archiv des Vicekoͤnigthums (archivo del Vir-eynato) von Mexiko aufgefunden hatte. Nach den, an den Vi-cekoͤnig, Conde de Revillagigedo, gerichteten Itinerarien, in denenleider! oft die Ausdruͤcke „rechtes und linkes Ufer, Einmuͤndungan der Oſt- oder Weſt-Seite“ ſehr unbeſtimmt gebraucht werden,habe ich ſelbſt gewagt, eine kleine Karte des Iſthmus zuſammen-zutragen. Durch dieſe Bemuͤhungen und oͤffentlichen Mittheilun-gen iſt die Aufmerkſamkeit des aufgeklaͤrten Theils der mexiko’-ſchen Nation von neuem auf die Projekte des Grafen Revillagi-gedo geheftet worden. Mein Freund, Don Lucas Alaman, nach-mals Miniſter der auswaͤrtigen Angelegenheiten in Mexiko, ver-anlaßte vor der Erklaͤrung der mexiko’ſchen Unabhaͤngigkeit einDekret der ſpaniſchen Cortes uͤber Eroͤffnung einer Flußverbin-dung in dem Iſthmus von Tehuantepec und Goazacoalco. Spaͤ-terhin ließ ſich das neue Gobierno der Vereinigten Staaten vonMexiko uͤber den zu eroͤffnenden Kanal einen weitlaͤuftigen Be-richt von einem, des Landes ſehr kundigen Manne, Don TadeoOrtiz abſtatten, und da dieſer Bericht, den ich beſitze und derzum Theil in den mexiko’ſchen Tageblaͤttern abgedruckt iſt, zuunbeſtimmt ſchien, ſo wurde auf Befehl des Praͤſidenten derKonfoͤderation, Guadalupe Vittoria, eine Kommiſſion ernannt, anderen Spitze der General Orbégoſo ſtand. Die Reſultate derneuen Unterſuchung ſind mir ſo eben von Mexiko aus offiziellund im Manuſcript zugeſandt worden. Ich glaube, daß es denLeſern der Hertha angenehm ſein wird, die Ueberſetzung des letz-ten Berichts ( Resultado del reconocimiento hecho del ystmoda Tehuantepec en 1825 per order del Supremo Govierno ) |7| hier vollſtaͤndig und ungeaͤndert zu finden. Die Beſorgniſſe,welche ich ſeit vielen Jahren geaͤußert habe, ſind beſtaͤtigt wor-den. Zwei ſeichte Fluͤſſe, und eine ſechshundert Fuß hohe Ge-birgserhebung haben das Govierno von der Eroͤffnung eines ozeaniſchen Kanals (von einer Tiefe von wenigſtens 12—14 pariſer Fuß, Seeſchiffen fahrbar, die von Europa nach Sina gehen) zuruͤckgeſchreckt. Man ſchreibt mir aus Mexiko unter dem8ten Julius 1826: „Aus dem intereſſanten Berichte des GeneralsOrbegoſo werden Sie erſehen haben, daß der Kongreß auf eineeigentliche Flußverbindung mittelſt eines Kanals im Iſthmus von Tehuantepec fuͤr jetzt Verzicht thut. Don Tadeo Ortiz, deſſen fruͤhereArbeiten Ihnen das mexiko’ſche Miniſterium nach Paris geſandt hat, iſtvor 8 Tagen abgereiſet, um einen Weg von 20 Leguas Laͤnge zu bauen,welcher den Rio Goazacoalco in ſeinem oberen Laufe mit denLagunen vereinigen ſoll, welche oͤſtlich von Tehuantepec liegen.Derſelbe Ingenieur iſt beauftraget, am Ausfluß des Goazacoalco Wohnhaͤuſer, Magazine und ein dogana (Zollgebaͤude) zu errich-ten. Er verſichert, daß alles im Monat Oktober 1826 fertig ſeinwird, und daß man dann den Hafen Goazacoalco dem ganzeneuropa’ſchen Handel eroͤffnen kann. Der hieſige franzoͤſiſche Agent,Herr Alexandre Martin, hat die Sonden des neuen Hafens undder barra von Goazacoalco bereits an ſein Gouvernement geſandt.Ich hoffe mir bald die Karten und das graphiſche Profil desIſthmus von Tehuantepec zu ſchaffen und wenn man mir erlaubt,die Zeichnungen zu kopiren, ſo werde ich Ihnen dies alles baldzuſenden. Jeder iſt hier uͤberzeugt, daß die neue Handelsſtraßevon boca de Goazacoalco nach Tehuantepec fuͤr den Waaren-Transport nach der Suͤdſee und fuͤr den Wohlſtand der weſtlichenLaͤnder in Centro-Amerika (Goatemala) und den Vereinigten me-xiko’ſchen Staaten von großer Wichtigkeit iſt. Unſer Landnimmt an Induſtrie, innerem Verkehr und Bevoͤlkerung mehr zu,als man gemeinſam in Europa glaubt, wo man nur mit demtranſitoriſchen Sinken der Bergwerks-Aktien und mit der momen-tanen Finanz-Verwirrung einiger amerika’ſchen Regierungen be-ſchaͤftigt iſt.“

Alexander v. Humboldt.


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Offizieller Bericht uͤber die im Jahr 1825 auf Be-fehl der Vereinigten Freiſtaaten von Mexiko an-geſtellte Unterſuchung der Landenge von Te-huantepec.

Allgemein anerkannt ſind die Vortheile, welche aus dem we-nigſt koſtenſpieligen Transport von Konſumtions- und Ausfuhrar-tikel durch Waſſerverbindungen, und wo dieſe nicht moͤglich ſind,in der Anlegung von Heerſtraßen fuͤr die Wohlfahrt der Staatenerwachſen. In dieſer Hinſicht nun iſt die Landenge von Tehuantepec unbezweifelt einer der bequemſten und vortheilhafteſten Punkte,welche das unermeßliche Gebiet der Republik darbietet. Ihre ge-ringe Ausdehnung vom 16° 10′ bis zum 18° 6′ noͤrdlicher Breite,welche kaum 51 Meilen (zu 5000 varas) in gerader Richtungbetraͤgt; der Fluß Goazacoalco, welcher, ſelbſt in ſeinem gegen-waͤrtigen natuͤrlichen Zuſtande, groͤßten Theils ſchiffbar iſt undmehr als zwei Drittheile der Landenge in einem faſt geraden Laufedurchfließt; die geringe Erhoͤhung der Sierra Madre oder Cor-dillera, welches ſie in ihrer Laͤnge durchſchneidet und die da, wodas Gebirge am zugaͤnglichſten iſt, ungefaͤhr 300 varas betraͤgt;endlich die Lagunen, oͤſtlich von Tehuantepec, welche mit demMeere in Verbindung ſtehend, noch um ſechs Meilen die Breiteder Landenge abkuͤrzen: alles dieſes vermindert in einem ſolchenGrade die vorhandenen Schwierigkeiten, daß, obgleich meinerMeinung nach, die Hinderniſſe, welche ſich einer ununterbrochenenVerbindung zu Waſſer zwiſchen beiden Meeren entgegenſtellen,ungluͤcklicher Weiſe, faſt unuͤberwindlich ſind; *) es dennoch im-mer ſehr leicht moͤglich ſein wird, eine Verbindung, und zwarauf kurzem Wege, theils zu Waſſer und theils zu Lande, zu be-werkſtelligen, eine Verbindung, welche die Transportkoſten ineinem nicht zu berechnenden Maaße vermindern, durch ihr Daſeinjenen fruchtbaren Erdſtrich bereichern und einen ausgedehnten Han-del befoͤrdern wird. Durch einen ſchnellen und lebhaften Umlaufder Waaren und der Produkte koͤnnen beide Halbkugeln mit ein-ander verbunden werden, und den einheimiſchen Erzeugniſſen un-
*) por disgracia casi insuperables.
|9| ſerer Kuͤſtenlaͤnder wird ſich an beiden Meeren ein, fuͤr den groͤß-ten Theil der Nation und fuͤr die angraͤnzenden Staaten vortheil-hafter Ausweg eroͤffnen.
Um beſtimmte Data zu erhalten, welche dazu dienen koͤnn-ten, eine Grundlage fuͤr die Arbeiten feſt zu ſetzen, welche derBeſchaffenheit der Landenge am angemeſſenſten ſind, beſchloß Se.Excellenz, der Herr Praͤſident der Foͤderation, Don GuadalupeVictoria, eine Kommiſſion zu ernennen, an deren Spitze er michzu ſtellen geruhte. Genannte Kommiſſion hat gegenwaͤrtig dieEhre, Sr. Excellenz nachſtehenden Bericht, welcher das Ergebnißihrer Nachforſchungen enthaͤlt, abzuſtatten. Dieſer Bericht wirdnothwendiger Weiſe die Spuren der Hinderniſſe an ſich tragen,mit welchen die Kommiſſion in ihren Arbeiten zu kaͤmpfen gehabthat. Mangel an Kenntniſſen, von meiner Seite, die Schwierig-keit, faͤhige Mitarbeiter zu finden, die Unzulaͤnglichkeit der vor-handenen Inſtrumente, endlich der wenig guͤnſtige Zeitpunkt, wodie Unterſuchung unternommen wurde, da die Regenzeit bereitsbegonnen hatte: Alles dies hat Hinderniſſe erzeugt, welche dieganze Nachſicht der Regierung fuͤr die Unvollkommenheiten einerArbeit in Anſpruch nehmen, die vielleicht den Wuͤnſchen derſelbenuͤber einen ſo wichtigen und viel umfaſſenden Plan nicht ganzentſprechen wird; obgleich, meiner Anſicht nach, die weſentlich-ſten Fragen uͤber die Verbindung beider gegenuͤberſtehenden Meere,durch die Landenge, die ſie von einander trennt, beantwortet wor-den ſind. Der wichtigſte Gegenſtand unſerer Unterſuchungen war der Fluß Goazacoalco, welcher ſich unter dem 18° 6′ 49″ noͤrdlicherBreite und dem 4° 44′ oͤſtlicher Laͤnge von Mexiko in den mexi-ko’ſchen Meerbuſen *) ergießt. Obgleich die dammartige Un-tiefe (barra) an ſeinem Ausfluſſe nur 14 Fuß tiefes Waſſerhat, ſo kann er doch hier tiefer ausgegraben werden, und baldtrifft man hinreichenden Grund (fondo) fuͤr jede Art von Fahr-zeugen an, und zwar bis auf einige Meilen von der Muͤndung ( boca de Goazacoalco ) landeinwaͤrts. Ebbe und Flut ſind un-betraͤchtlich am Eingang; aber der Kanal, welcher von ſeinem
*) Golfo di Mejico.
|10| tiefſten Theile gebildet wird, iſt ſich fortwaͤhrend gleich; ein Um-ſtand, welcher das Unternehmen, ihn tiefer auszubaggern und fuͤrdie gewoͤhnlichen Kauffartheiſchiffe zugaͤnglich zu machen, ſehr er-leichtert.
Der Fluß Goazacoalco entſpringt oͤſtlich von Santa MariaChimalapa, in der Gegend der Gebirgskette, welche die Graͤnzezwiſchen den Staaten von Tabasco, Las Chiapas und Oajaca bildet. Da dieſer Landſtrich gaͤnzlich unbewohnt und mit undurch-dringlichen Waͤldern bedeckt iſt, ſo kann man den Ort, wo ſeineQuelle ſich befindet, nicht mit Beſtimmtheit angeben. Drei Meilen uͤber Santa Maria Chimalapa gegen NO.laͤuft dieſer Fluß uͤber eine Flaͤche hin, die ſich 190 varas uͤberdie Spiegelflaͤche des Meeres erhebt. Seine Richtung iſt dortfaſt genau von Oſten nach Weſten. Dort vereinigen ſich mitihm, auf ſeinem rechten Ufer, die Fluͤſſe Pina und Chimalpilla,in geringer Entfernung einer von dem andern. Unmittelbar nachdieſer Vereinigung fließt er, in einer Entfernung von ungefaͤhreiner halben Meile, bei letztgenanntem Orte vorbei, welcher un-ter 16° 52′ 31″ noͤrdlicher Breite, und 4° 29′ oͤſtlicher Laͤngevom Meridian von Mexiko liegt. Santa Maria ſelbſt iſt 340 varas uͤber dem Meeresſpiegelerhaben; und zwiſchen dieſem Ort und dem Zuſammenfluß deroben genannten Fluͤſſe erheben ſich die Berge, ſo daß der Weg ineiner Hoͤhe von 40 varas uͤber die Stadt und von ungefaͤhr 190 varas uͤber den Fluß dahin laͤuft. In dieſen Gebirgsketten (Sierras) trifft man die Fichten (los Pinos) an, welche die ſpaniſche Regierung vor Zeiten fuͤr dieWerften der Havana faͤllen ließ; ein Umſtand, welcher dem mehr-mals genannten Fluß (dem Goazacoalco) in dieſer Gegend denNamen Rio del Corte (d. h. Fluß des Baumfaͤllens) verſchaffthat; ein Name, den er noch gegenwaͤrtig fuͤhrt. Die Fichtenwachſen von der Hoͤhe der Berge bis zu dem Ufer des Fluſſes. *)
*) Dieſer Umſtand iſt ſehr merkwuͤrdig fuͤr die Pflanzengeographie, underklaͤrt, warum Pinus occidentalis in der Isla de Pinos faſt an derMeereskuͤſte waͤchſt. Zwiſchen Veracruz und Perote, wie auch zwiſchen Mexiko und Acapulco ſahe ich die Fichten nicht ſo tief herabſteigen.Ich habe dieſen Gegenſtand in meinem, eben in Paris erſchienenen, Essai politique sur l’Ile de Cuba umſtaͤndlicher behandelt. H — t.
|11| Etwas unterwaͤrts von S. Maria nimmt der Fluß Goaza-coalco, auf ſeinem linken Ufer, zwei andere Fluͤſſe auf; naͤmlichzuerſt den Rio del milagro (Wunderfluß) und bald darauf denIscuilapa, welcher nordoͤſtlich von San Miguel Chimalapa vonder Sierra Madre herabfließen. Hier nimmt der Fluß ploͤtzlich eine nordweſtliche Richtung;zugleich vermindert ſich die Hoͤhe der Huͤgel, zwiſchen welchen ereingeſchloſſen (encajonado) dahinfließt. Noͤrdlich von hier, unge-faͤhr zehn Meilen von dem Gute (Hacienda) la Chibela, welchesunter dem 16° 43′ noͤrdlicher Breite und dem 4° 16′ der Laͤnge,oͤſtlich von Mexiko, liegt, nimmt der Goazacoalco einen Flußauf, welchen Don Tadeo Ortiz Rio Ataman *) genannt hat undwelcher aus den beiden vereinigten Fluͤſſen, Guelagueza und Mal-tengo beſteht; von dieſen wird der erſte durch die Baͤche im Nor-den von San Miguel Chimalapa gebildet, welche ſelbſt im Ruͤ-cken der Hacienda de Tarifa entſpringen und ſich bald alle inden Fluß Almoloya ergießen, welcher ſuͤdoͤſtlich von der Haciendade la Chivela vom Hauptgebirge ausfließt. Der Malatengo undder Cituni, welchen er vor Petapa aufnimmt, fließen von dem-ſelben Gebirge, und, weſtlich von dem zunaͤchſt genannten Orte,herab. Sechs Meilen weiter unten ergießt ſich der Sarabia in den Goazacoalco, an deſſen linkem Ufer; erſterer koͤmmt, in einerſuͤdweſtlichen Richtung, vom oͤſtlichen Theil des Gebirges, Sierrade los Mijes genannt, her, und fließt weſtlich von Guichicori vor-bei. Von hier aus nimmt der Hauptfluß (der Goazacoalco), ab-gerechnet von ſeinen langen und haͤufigen Kruͤmmungen, eine Zeitlang eine noͤrdliche Richtung; er wendet ſich aber bald wiedernach Weſten, um, ungefaͤhr ſechs Meilen weiter, und zwar im-mer an ſeinem linken Ufer, den Fluß Jurumuapa aufzunehmen,welcher auch den Namen Arroyo de la Puerta (Bach der Pforte)fuͤhrt; letzter hat dieſelbe Richtung, als der Goazacoalco. Inder Regenzeit dient der Jurumuapa dazu, daß auf demſelben bis
*) Zum Andenken an Don Lucar Ataman, der zur Zeit der Expedi-tionen des Don Tadeo Ortiz Miniſter der auswaͤrtigen Angelegenhei-ten in Mexiko war. H — t.
|12| in die Naͤhe von Guichicori Boote oder kleine Fahrzeuge gelan-gen, mit welchen heutigen Tages die Stadt Tehuantepec ihrenſehr geringfuͤgigen Handel vermittelſt des Fluſſes Goazacoalco treibt.
In der trockenen Jahreszeit ſchiffen die Boote (las canoas) den Hauptfluß hinauf bis zu dem Sitio de Malpaſſo, am Zu-ſammenfluß mit dem Sarabia, von wo die Entfernung bis Gui-chiori groͤßer iſt, als von la Puerta, wo ſie ſich in der Regen-zeit hinbegeben. Hier fließt der Goazacoalco von Neuem nachNorden, bis er ſich mit dem ziemlich waſſerreichen Fluß Rio delos Mijes vereinigt, der ſich auf ſeinem linken Ufer in ihn er-gießt, ungefaͤhr ſechs Meilen unterwaͤrts von Jurumuapa. Letz-ter kommt von den hohen Gebirgen herab, die denſelben Namenfuͤhren und einen Zweig der Cordillera oder der Sierra Madre ausmachen; er fließt in einer faſt geraden Richtung von Weſtennach Oſten. Vielleicht iſt es eben ſo ſehr der Gewalt, mit derder Rio de los Mijes einſtroͤmt, als der aͤußern Beſchaffenheitoder Geſtalt des Erdreichs zuzuſchreiben, daß der Goazacoalco nach Nordoſten fließt, und, mit geringer Abweichung, dieſe Rich-tung bis zu ſeinem Einfluß in das Meer beibehaͤlt. Ungefaͤhr ſechs Meilen unterhalb der Einmuͤndung des Riode los Mijes ergießt ſich der Chalchijalpa in den Goazacoalco,und zwar an deſſen rechtem Ufer; er ſcheint von Oſt-Suͤd-Oſtenzu kommen; ſein Lauf iſt aber nicht bekannt. Zehn Meilen tiefer trennt ſich vom Hauptfluß, auf deſſenlinker Seite, in dem Sitio de la Horqueta, ein Arm, welcherſich weiter hin wieder mit ihm vereinigt und die Inſel Tacami-chapa bildet. In dieſen Arm des Goazacoalco ergießt ſich der Manſapa, welcher wahrſcheinlich von Suͤdweſten herkommt, ausder Gegend ſuͤdlich von Acayucan. Drei oder vier Meilen weiter unten, und zwar auf dem rech-ten Ufer trifft man zuerſt die Muͤndung des Cuachapa, welcherin derſelben Richtung, als der Chalchijalpa fließt; unmittelbardarauf folgt der Eſtero de Tlacojalpam, welcher durch ein Dorfdieſes Namens fließt. Bis zu dieſem Punkte iſt der Eſtero ſelbſtfuͤr Fahrzeuge, welche Goletas genannt werden, ſchiffbar; er ver-engt ſich bis in die Naͤhe von Taltipa, ſechs Meilen oͤſtlich von Acayucau. |13| In einer geringen Entfernung von der Muͤndung dieſes Eſtero oder Lagune, welche mit kleinen Eilanden, von betraͤchtlichemUmfang, bedeckt iſt, befindet ſich der Paſo de la Fabrica, vonwo aus der Fluß, in faſt gerader Richtung, von Weſten nachOſten fließt. Sein Bette wird hier breit, tief und majeſtaͤtiſch.Eine Meile tiefer nimmt er an ſeinem rechten Ufer den Uſpanapa auf, welcher von Suͤdoſten kommt. Noch eine Meile weiter ergießt ſich in den Goazacoalco derFluß San Antonio, welcher in derſelben Richtung, als der vor-hergehende, bei den Ortſchaften Ishuatan und Muluapan vorbei-fließt. Endlich drei Meilen weiter und ungefaͤhr eine Meile vonſeinem Ausfluß, trennt ſich von dem Goazacoalco, auf ſeiner lin-ken Seite, der ſchiffbare Fluß las Calzadas, welcher, von Weſtenherfließend, eine Inſel bildet und ſich bei dem Sitio de la Ba-rilla in das Meer ergießt. Ein Arm dieſes Fluſſes fließt nahebei Acayuacan, dem Hauptorte dieſes Departements, vorbei. Die Ufer des herrlichen Fluſſes Goazacoalco ſind niedrig, undwaͤhrend der Regenzeit, im groͤßten Theile ſeines Laufes uͤber-ſchwemmt. Sie ſind mit ſtarken Baͤumen beſetzt von den koſtbar-ſten Holzarten der Aequinoctialgegenden, welche leicht zu verfah-ren waͤren, und gegenwaͤrtig durchaus keinen Werth haben, weilniemand da iſt, ſie zu faͤllen und zu verfloͤßen. Hohe Palmenerheben ihre Gipfel uͤber dieſe Laubbaͤume, und dichte Straͤucheund unzaͤhlige Kraͤuter bedecken den Boden und verbergen dieStaͤmme der Baͤume. Nirgends kann dem Auge der Anblick ei-nes undurchdringlicheren Waldes dargeboten werden, welcher, gleicheinem gruͤnen Damme, ſich der Gewalt des Fluſſes entgegenzu-ſtellen ſcheint, indem er ſeinen Lauf bei jeder Kruͤmmung abkuͤrzt,und die Schnelligkeit ſeines Stromes vermindert. Von Zeit zu Zeit erheben ſich Huͤgel, welche nach der Verei-nigung des Goazacoalco mit dem Rio de los Mijes haͤufiger undhoͤher werden und ſich endlich mit dem Bergruͤcken der Cordilleraoder Sierra Madre, auf deſſen noͤrdlichem Abhange vereinigen.Dieſer Bergruͤcken faͤngt eigentlich bei dem Paſo del Sarabia an.Von hier an fließt der Strom zwiſchen Bergen von Thonſchiefereingeſchloſſen. Im gegenwaͤrtigen Zuſtand des Fluſſes, wenn einmal dieSchwierigkeit der Sandbank (barra) an ſeiner Muͤndung uͤberſtie- |14| gen iſt, kann ſein breites und reines Bett mit Fahrzeugen vonallen Laſten bis zur Lagune Tlajocalpan beſchifft werden, welcheſieben bis acht Meilen von ſeiner Muͤndung entfernt iſt. Vondieſer Gegend an nimmt die Tiefe an manchen Stellen ab, ob-gleich ſie noch da, wo ſie am geringſten iſt, 15 Fuß Waſſeruͤberſteigt, dergeſtalt, daß der Fluß fuͤr kleinere Fahrzeuge nochbis zu dem Sitio de Miſtan grande ſchiffbar bleibt. Dort fan-gen die Untiefen an, welche wahrſcheinlich von Baͤnken oder La-gen eines feſten Letten herruͤhren, die der Fluß nicht hat aushoͤh-len koͤnnen; indem er bei ſeinem Anſchwellen, die eignen Uferangreifend, ſein Bett erweitert und ſeine Schnelligkeit verminderthat. Die Anhaͤufung von Kies und Sand iſt leider! ſo groß,daß gegen das Ende der trockenen Jahreszeit das Waſſer wenigerals einen Fuß Tiefe hat. Dieſe und aͤhnliche Schwierigkeiten, welche urſpruͤnglich un-bedeutend ſind, koͤnnte man beſiegen, entweder indem man dasBett des Fluſſes mehr einengte oder mehr aushoͤhlte, und ſo dieWaſſermaſſe mehr concentrirte; obgleich man von hier an nurauf eine Schiffahrt in langen und flachen Fahrzeugen, welche ſichbeſonders fuͤr Fluͤſſe eignen, rechnen koͤnnte. Wenn man uͤber die drei erſten Untiefen hinweg iſt, ſonimmt von dem Ort, welcher den Namen Piedra blanca fuͤhrt,die Anzahl der ſeichten Stellen dergeſtalt zu, daß bis zum Zu-ſammenfluß mit dem Sarabia, wir im Monat Mai mehr alsein und zwanzig zaͤhlten; alle mit ſo wenig Waſſer, daß dieBoote, bei einem blos fußtiefen Waſſer, beſtaͤndig anſtießen unduͤber den Kies gezogen werden mußten, um wieder flott gemachtzu werden. Dieſe zahlreichen Hinderniſſe und die, welche aus den Stroͤ-mungen und Wirbeln (raudales) entſtehen, unter welchen derFluß in treppenartiger Abſchuͤſſigkeit eine Art Kaskade bildet, ſodaß man bisweilen in einem Zwiſchenraum von drei bis vier varas Laͤnge, einen Gefaͤllunterſchied von einer vara findet, machenfuͤr den ganzen Raum, welcher zwiſchen la Piedra blanca unddem oberſten Theil des Fluſſes liegt, an einem ſeiner Ufer, wahr-ſcheinlich am oͤſtlichen oder rechten, die Grabung eines Kanalsnothwendig, welcher noch den Vortheil gewaͤhren wuͤrde, die |15| Schifffahrt um mehre Meilen abzukuͤrzen, da er eine gerade Rich-tung erhalten wuͤrde. An manchen Stellen wuͤrden die meiſten dieſer Schwierigkei-ten verſchwinden, blos wenn man das Bett des Fluſſes tieferaushoͤhlte, eine Arbeit, welche ich nicht fuͤr ſehr ſchwierig halte,weil dem Anſchein nach, und, wie die Ufer es auch andeuten,die Baͤnke, welche dazwiſchen liegen, blos aus lockerer Thonerdebeſtehen; uͤbrigens wuͤrde man die groͤßten dieſer Schwierigkeiten,welche ſich der Ausfuͤhrung des angedeuteten Planes widerſetzenkoͤnnten, leicht durch Anlegung von Schleuſen beſiegen koͤnnen.Zwei jener Sandbaͤnke, die ſtaͤrkſten und ausgebildeteſten, wuͤrdenſolcher Schleuſen ganz beſonders beduͤrfen; die eine davon liegt ineiner geringen Entfernung von der Verbindung mit dem Sarabia,die andere zwiſchen dieſer und dem Zuſammenfluß mit dem RioAlaman. Auf jeden Fall iſt es, meiner Anſicht nach, leicht und vor-theilhaft, den Goazacoalco bis zu ſeiner Verbindung mit dem zu-letzt genannten dieſer beiden Fluͤſſe ſchiffbar zu machen. Das ganze Erdreich, welches ſich vom Zuſammenfluß des Sarabia mit dem Goazacoalco bis zum Meere hin erſtreckt, iſtein angeſpuͤlter Letten und zum Theil ein Sandboden; dieſes auf-geſchwemmte Gebirge, aus der Zerſetzung von Thonſchiefer undGranit-Huͤgeln entſtanden, von welchen die Baͤche herkommen,die den Hauptſtrom bilden. Vom Sarabia bis in die Naͤhe von Santa Maria Chimalapa, bietet der Abhang der Sierra Madre eine Schieferlage dar, welche durch faſt alle die Verſchiedenheitenhindurchgeht, die dieſer Steinart eigen ſind; eine Schieferlage, (Pizarra) welche ich von Guichicori bis San Miguel de Chima-lapa und vom Sarabia bis zur Suͤdſee beobachtet habe, in einemRaum von 20 Meilen von Oſten nach Weſten, und von 30 Mei-len von Norden nach Suͤden. Bisweilen iſt der ThonſchieferFloͤtz-Formation von dichtem Kalkſtein (caliza ſecundaria) bedeckt. In der Umgegend von Santa Maria Chimalapa zeigt ſich der Granit, welcher wahrſcheinlich unter dem Schieferhervorkommt, unbedeckt, und letztere Steinart iſt die einzige,welche man gegen Weſten hin findet. Blos zwei Mal habe icheinen harten, blaͤulichen Thon-Porphyr, mit ſchoͤnen Kryſtallenvon Feldſpath und Hornblende geſehen, und zwar zuerſt in dem klei- |16| nen Bergpaß Ladevi, ſuͤdlich vom Hauptgebirge und dann in derGegend von Petapa. Von eigentlichen vulkaniſchen Produkten iſtmir nichts zu Geſicht gekommen. Die Sierra Madre, welche vonden Graͤnzen der Staaten Puebla und Veracruz herkommend, denStaat Oajaca von Nordweſten nach Suͤdoſten durchzieht, wen-det ſich, bei ſeiner Annaͤherung an die Landenge, nach Oſten, in-dem es ſich der Suͤdſee betraͤchtlich naͤhert. Zwiſchen den Hacien-das de la Chibela und der Venta de Chiapa wendet ſich dasGebirge nach Nordoſten, weicht aber bald wieder nach Oſten ab,gegen Santa Maria Chimalapa, von wo aus es dieſe Richtungbehaͤlt und dann die Graͤnze zwiſchen der Republik Mexiko undder von Mittelamerika *) bildet. Bei ihrem Eintritt in die Landenge nimmt dieſe Gebirgsketteſo betraͤchtlich an Hoͤhe ab, daß bereits ſuͤdlich von Petapa, beimEngpaß (portillo) Guievichia ſie eine Stelle darbietet, die nichtmehr als 650 varas abſoluter Hoͤhe hat; in dem zweiten portillo aber, welcher dicht neben und im Suͤden von Chibela liegt, hatdas Gebirge nicht mehr als dreihundert varas Hoͤhe und 460 indem, welcher ſich noͤrdlich von San Miguel Chimalapa befindet.Von hier aus faͤhrt es fort ſich zu erheben bis zu dem Berge la Gioreta, zwiſchen den Staaten von Chiapa und Guatemala.Dieſer Berg iſt einer der hoͤchſten in der Cordillera dieſer Ge-gend. Der noͤrdliche Abfall der Cordillera erſtreckt ſich ungefaͤhrfuͤnfzehn Meilen in die Landenge hinein und, abgerechnet von dentiefen Thaͤlern und haͤufigen Anhoͤhen, die das Land durchſchnei-den, iſt dieſer ganze Abfall ſehr ſanft. Ganz anders verhaͤlt ſichdie mittaͤgliche Seite der Cordillera, welche in kaum drei MeilenLaͤnge mit einem jaͤhen Abſchuß von 300 varas nach der ausge-dehnten Ebene fuͤhrt, die, oͤſtlich von Tehuantepec, ſich in La-gunen endigt. Dieſe Lagunen nehmen die Form einer ausgedehn-ten Bai an, welche mit dem großen Suͤdozean in Verbindungſteht. Das ganze flache Land iſt mit aufgeſchwemmten Erdſchich-ten bedeckt, ein Erzeugniß des aufgeloͤſten Thonſchiefers, worausdie zunaͤchſt liegenden Berge beſtehen; die felſige Maſſe dieſer
*) America central, das ehemalige Koͤnigreich Guatemala.
|17| Berge wird ſelbſt von Zeit zu Zeit in der Mitte der Ebene ſicht-bar, ja ſie erſtreckt ſich bis zu den Lagunen und bis an die Kuͤ-ſte, wo ſie Inſeln und Vorgebirge bildet.
Von der Cordillera bis zu den Lagunen nimmt die Ebeneeinen Raum von ungefaͤhr ſechs Meilen ein. Diejenige von die-ſen Lagunen, welche am meiſten landeinwaͤrts iſt, hat ungefaͤhrvier Meilen in der Breite und von ihrer Muͤndung, Barra deSanta Tereſa genannt, bis zur Muͤndung von beiden *) in denOzean, was man dort Boca-barra nennt, ſind ungefaͤhr dreiMeilen. Dieſe zweite Bai oder aͤußere Lagune erſtreckt ſich wie ein estero nach Weſten bis zu einer Entfernung von neun Meilen,unter dem Namen Tilema; und nach Oſten bis zur Barra deTonala, in einer Strecke von ungefaͤhr dreißig Meilen. Beide haben nur wenig Grund; denn in der Mitte der aͤu-ßeren iſt nur ſo viel Waſſer, als noͤthig iſt, um Boote zu tra-gen, die ſechzehn kaſtiliſche Fuß Laͤnge haben. Die Untiefe,welche ſich bei ihrer Verbindung mit dem Meere befindet, oderdie ſogenannte Boca barra, konnte nicht mit dem Senkblei un-terſucht werden, weil es unmoͤglich iſt, mit den elenden Booten,deren ſich die dortigen Einwohner bedienen, bis zu ihr zu gelan-gen. Mehre Umſtaͤnde laſſen mich indeſſen ſchließen, daßdas Waſſer ſich, in ſeiner mittleren Hoͤhe, nicht uͤber ſechs Fußerhebt: welche Hoͤhe die Fluth nicht viel mehr, als um eine Vara vermehren kann. Die Boca barra liegt unter 16° 13′ noͤrdl. Breite, und un-ter 4° 22′ oͤſtl. Laͤnge von Mexiko. Die Gewaͤſſer, welche von derNordſeite der Cordillera in der Landenge herabfließen, vereinigenſich nach und nach, um den Fluß zu bilden oder anzuſchwellen.Die aber, welche auf der Suͤdſeite entſtehen, bilden eine MengeBaͤche, welche die Richtung nach der inneren Lagune nehmen, inwelche ſie ſich ergießen. Sie verdienen kaum den Namen vonFluͤſſen; doch nennt man ſie Rio de Chicapa, und Rio de Juchi-tan. Obgleich ſie aus der Verbindung von mehren Baͤchen ent-ſtehen, ſo trocknen ſie doch in der duͤrren Jahreszeit aus, da ihre
*) Dieſe Stelle iſt undeutlich im ſpaniſchen Original. H — t.
|18| geringe Waſſermaſſe von dem Schieferboden, durch welchen ſiefließen, bevor ſie in die Ebene gelangen, aufgezehrt wird. Der Chicapa verſchwindet regelmaͤßig im Monat Maͤrz, in einer Ent-fernung von ungefaͤhr zwei Meilen vor der Venta, die ſeinen Na-men fuͤhrt, und in deren Naͤhe er vorbeifließt, um zu der Lagunezu gelangen, in welche er ſich ergießt. Die anderen Baͤche endennoch fruͤher. Die Quellen, welche mehr nach Oſten liegen, bil-den den Fluß Oſtuta, der ſich in die Lagune ergießt, welche ſichbis Tonalá erſtreckt; waͤhrend die nach Weſten den Tehuantepec anſchwellen. Beide Fluͤſſe ſind aber zu ſehr von dem Goazacoalco und von den zugaͤnglichſten Punkten der Sierra entfernt, um beider gewuͤnſchten Verbindung nuͤtzlich ſein zu koͤnnen.
Der Fluß Chicapa, der groͤßte nach dem Oſtuta, entſtehteinige Meilen oͤſtlich von San Miguel Chimalapa, in einer wuͤ-ſten Gegend. Die Naͤhe des Baches, welcher dicht bei San Mi-guel vorbeifließt und den, wie ich glaube, Don Tadeo Ortiz, Muncia genannt hat; zu denen, welche noͤrdlich von demſelbenOrte nach NW. fließen, um ſpaͤter den Rio Alaman zu bilden:(von dem erſteren zu den letzteren wird nicht mehr als eine halbeMeile gerechnet) die maͤßige Hoͤhe der Sierra Madre und andereLokalverhaͤltniſſe, ſcheinen allerdings die Anlage eines Kanals zubeguͤnſtigen. Aber die geringe Waſſermaſſe, welche dieſe verſchie-denen Baͤche darbieten, erlauben auf keine Weiſe auf eine perma-nente Verbindung zu rechnen. In dem groͤßten Theile des Jah-res koͤnnte man nicht einmal auf ein Waſſer-Profil (Querdurch-ſchnitt) von neun Quadratfuß rechnen. Dazu kommt, daß der Chicapa, wie wir geſehen haben, ein Drittheil des Jahres, dreiMeilen hinter San Miguel, ganz austrocknet. Dies ſind indeßnicht die einzigen Schwierigkeiten; der dortige Schieferboden bie-tet noch andere dar, weil er die Waſſer durch ſeine unzaͤhligenKluͤfte entſchluͤpfen laͤßt, ſo daß es noͤthig waͤre, faſt den ganzenKanal inwendig auszumauern. Endlich muͤßte letzterer noch miteiner Unzahl von Schleußen verſehen ſein, da von San Miguel bis zur Ebene de la Venta, d. h. in einem Zwiſchenraum vonblos drei kleinen Meilen ſich ein Gefaͤll-Unterſchied von mehr als70 Varas findet. Ein faſt gleicher Unterſchied zeigt ſich vom An-fang der Ebene bis zu den Lagunen, in einer Entfernung, welchenur das Doppelte der erſten betraͤgt. Um wie viel San Miguel |19| hoͤher als die Baͤche an der entgegengeſetzten Seite der Sierra liegt, iſt nicht einmal bekannt. Aehnliche Schwierigkeiten bietenſich dar in der Gegend von la Chivela und Petapa. Dort ſinddie Gewaͤſſer noch geringer: die Baͤche liegen weniger nahe aneinander und bei Petapa iſt das Gebirge weit hoͤher als gegenSuͤden. Eben ſo wenig ſind Gegenden vorhanden, welche ſich dazueigneten, große Waſſerbehaͤlter zu bilden, die zur Anlegung desKanals und ſeiner Verſorgung mit Waſſer dienen koͤnnten. Indem hoͤchſten Theile der Cordillera ſind die Thaͤler ſehr abſchuͤſſig,eng und mit einer weiten Oeffnung; dabei iſt der Boden vonSchiefer, welcher das Waſſer durchſchluͤpfen laͤßt, dergeſtalt, daßman weder Lagunen noch ſtehende Waſſer antrifft. Der Fluß Goazacoalco allein koͤnnte zu jeder Jahreszeit hin-reichendes Waſſer hergeben, um dieſes in einen Kanal zu leiten,welcher gleich bei ſeinem Anfange in zwei Arme getheilt, in ent-gegengeſetzter Richtung nach beiden Meeren hinlaufen wuͤrde.Seine Hoͤhe in der Umgegend von Santa Maria Chimalapa, iſtſo wenig von der von San Miguel verſchieden, daß ſo viel manauch eine Barometer-Meſſung eines Irrthums zeihen moͤchte, mandennoch hoffen darf, nicht fern und gegen Oſten von Santa Ma-ria eine Stelle aufzufinden, welche einen Theil der Gewaͤſſer des Goazacoalco aufnehmen koͤnnte. Aber die acht bis neun Meilen,welche die Entfernung zwiſchen Santa Maria und San Miguel ausmachen, erſtrecken ſich uͤber ein Erdreich, welches von dreiThaͤlern durchſchnitten wird, die faſt parallel mit der Cordillera laufen. Das erſte derſelben, durch welches der Rio del Milagro fließt, iſt eine halbe Meile von Santa Maria entfernt und dieSchlucht, durch welche der Weg fuͤhrt, iſt um 27 Varas niedri-ger, als San Miguel. Dieſes Thal wird vom Yscuilapa durchein Gebirge getrennt, welches zweihundert Varas hoͤher und an-derthalb Meilen breit iſt. Ein zweites Thal iſt das, durch wel-ches die beiden Fluͤſſe Yscuilapa und Yscuilapilla fließen; beidevereinigen ſich kurz vor ihrem Einfluß in den Goazacoalco. Ys-cuilapa wird durch einen Gebirgs-Ruͤcken von dem Goazacoalco getrennt. Die Hoͤhe dieſes Thales auf dem Wege nach SantaMaria ſcheint nach der Anzeige des Barometers um 29 Varas groͤßer als die von San Miguel zu ſein, und vom Fluß Yscui- |20| lapa an gerechnet, erhebt ſich das Erdreich allmaͤhlig bis zu denBergen, welche noͤrdlich von San Miguel den Ruͤcken der Cor-dillera bilden. Dieſes Thal kann eine halbe Meile in der Breitehaben, das Erdreich erhebt ſich wenig hinter jenen Fluͤſſen; esbildet in der Folge das dritte Thal, durch welches verſchiedeneBaͤche laufen, die ſich zuletzt mit dem Rio Alaman vereinigen.Dieſes dritte Thal iſt ungefaͤhr zwei Meilen breit und liegt hun-dert Varas hoͤher als San Miguel. Aus allem dieſem folgt, daß wenn die Maͤchtigkeit undBreite des Granit-Gebirges, welches zwiſchen dem Goazacoalco und dem Rio del Milagro und zwiſchen dieſem und dem Yscui-lapa liegt, kein unuͤberwindliches Hinderniß darbieten, man glau-ben kann, daß die Waſſer des erſten dieſer Fluͤſſe nach San Mi-guel zu leiten ſind, und daß dabei keine andern Schwierigkeitenzu beſeitigen ſein wuͤrden, als die, welche der Schieferboden unddie Ungleichheiten der Hoͤhe in der Umgegend des letztgenanntenOrtes darbieten koͤnnten. Das Unternehmen ſtellt ſich demun-geachtet als etwas Gigantiſches dar; und dabei bleibt es proble-matiſch, ob der zu erreichende Nutzen ein Erſatz fuͤr die zu ma-chenden Koſten waͤre. Nachdem ich die großen Schwierigkeiten dargeſtellt habe,welche ſich der Anlage eines ſchiffbaren Kanals mitten durch dieLandenge entgegenſetzen, bleibt mir noch uͤbrig, die Moͤglichkeitanzudeuten, einen Fahrweg (camino de ruedas) anzulegen, durchwelchen der Goazacoalco mit den Lagunen an der Suͤdkuͤſte inVerbindung geſetzt wuͤrde. Die Anlegung eines ſolchen Wegesmeiner Anſicht nach, wuͤrde nicht ſchwer, und die Benutzung deſ-ſelben leicht und bequem ſein. Man muͤßte zu dieſem Behuf den Goazacoalco bis zu ſeinem Zuſammenfluß mit dem Rio Alaman ſchiffbar machen: von dieſem Punkt an koͤnnte man einen Weganlegen, der die Kruͤmmungen durchſchneidend, welche dort dieBerge, mittler Hoͤhe, in der Naͤhe des Fluſſes bilden, laͤngs demoͤſtlichen Ufer des Alaman, Guelagueſa und Almoloyo bis nach la Chibela hinlaufen wuͤrde, ohne daß es noͤthig waͤre, an einemanderen Orte eine bedeutende Bruͤcke anzulegen, als in dem Paſodel Hiachuelo, welcher von den Viehweiden (potreros) der Ha-cienda de Tarifa abwaͤrts laͤuft. Beſagter Weg wuͤrde dabei uͤberein Erdreich fuͤhren, welches bei jedem Schritt ebener und gleicher |21| wird, bis es endlich, in der Naͤhe von la Chibela, in eine wirk-liche Ebene ausgeht. Vom Zuſammenfluß dieſer beiden Fluͤſſe biszu der obengenannten Hacienda iſt eine Strecke von ungefaͤhr zehnMeilen. Bald nachdem man die Hacienda verlaſſen hat, trifft manohne vorher merklich aufwaͤrts geſtiegen zu ſein, den hoͤchſtenRand (cresta) der Cordillera an; und ſogleich geht man auchwieder abwaͤrts an den Kruͤmmungen, welche die Gebirgskettebildet und in einer Ausdehnung von vier Meilen, worauf manin die Ebene gelangt. Die Geſtalt, welche hier die Arme anneh-men, die ſich von dem Hauptgebirge trennen, gewaͤhrt die groͤßteLeichtigkeit, dem Wege bis auf die Ebene hin einen ſanften undgleichfoͤrmigen Abhang zu geben, indem man, auf’s Hoͤchſte,250 varas auf einer Weite von vier Meilen zu vertheilen haͤtte.Man trifft in dieſem Gebirge fuͤnf Baͤche an, welche eben ſo vielVertiefungen bilden; ſie ſind aber wenig betraͤchtlich, ſelbſt in derRegenzeit, und wahrſcheinlich ſind ſie den groͤßten Theil des Jah-res hindurch, mit Ausnahme vielleicht des einen oder des andernvon ihnen, ganz und gar trocken. Endlich folgt eine Ebene von ſechs Meilen auf einem, groͤß-tentheils ſandigen und hier und da, aber nur in der Regenzeit,ſchlammigen Boden. Dieſer wuͤrde es geſtatten, den Weg in ge-rader Linie bis zu den Ufern der inneren Lagunen zu fuͤhren undbis zu einer Art Molo (muelle). Hier koͤnnten flache Fahrzeugedie Verbindung mit dem Flecken San Dioniſio, an der aͤußerenLagune fortſetzen. Dieſer Hafen iſt faͤhig, Fahrzeuge aufzuneh-men, die zur Befahrung jener Kuͤſten dienen. Vielleicht waͤre es wenig koſtſpielig, jenſeits der Barra deSanta Tereſa, einen Hafen fuͤr Schiffe von zwanzig und mehr FußTiefe auszugraben und der vorzuͤglichſten Untiefe (barra) mehrGrund zu geben; oder auch einen Kanal durch die Erdenge zuziehen, welche ſich im Weſten derſelben befindet, noch nicht eineViertelmeile breit und nur einige Fuß hoch iſt. Die Unterhal-tung dieſes Kanals koͤnnte vielleicht etwas koſtſpielig ſein, weilder Triebſand, welchen die Stroͤme der Sierra Madre, nament-lich der Chicapa und Tuchitan, in jene Lagunen einfuͤhren, durcheine ſtarke Stroͤmung, die gegen die der Barra de Santa Tereſa ſchlaͤgt, nach dem Meere hingetrieben wird. Dieſer Sand iſt es, |22| der jenen Boden aufgeworfen und zwei Landzungen gebildet hat,naͤmlich die, welche die innere Lagune von dem Eſtero de Tile-ma, und die, welche letztere von dem Ozean ſcheidet. Noch findet ſich weiter gegen Weſten ein kleiner Hafen, dichtneben der Muͤndung des Fluſſes Tehuantepec (welchen ich wegender Ueberſchwemmung des letzteren und wegen Mangels an Fahr-zeugen, nicht habe unterſuchen koͤnnen). Sollte dieſer Hafen geeig-neter ſein, groͤßere Fahrzeuge aufzunehmen, dann wuͤrde es ſehrleicht werden, einen Durchgang von der inneren Lagune bis nach Tilema zu eroͤffnen, theils durch die, aus Sand beſtehende Land-zunge, welche dazwiſchen liegt, theils durch einen Kanal von ge-ringer Ausdehnung, bis zu der Muͤndung des Tehuantepec, ſuͤd-lich von den Gebirgen Huilotepec. In dieſem kleinen Hafen wares, wo Cortes die erſten Fahrzeuge ausruͤſtete, durch welche dieKuͤſten der Suͤdſee unterſucht wurden. Auf einigen alten Kartenfuͤhrt er den Namen Barra de la Ventoſa; eine Benennung, diegegenwaͤrtig im Lande ganz unbekannt iſt. Auf anderen ſpaͤterenKarten findet man ihn gar nicht, welches von dem Umſtand her-ruͤhrt, daß der Fluß Tehuantepec in verſchiedenen Zeiten ſeineMuͤndung geaͤndert hat. Ehemals ergoß er ſich in die Lagunevon Tilema, unterhalb Huilotepec. Vor achtzehn Jahren hatte erſeine letzte Muͤndung verlaſſen und floß unmittelbar in dasMeer; aber kurz vor dem Anfang des gegenwaͤrtigen Jahres iſter wieder auf demſelben Wege nach Tilema zuruͤckgekehrt. Diesallein beweiſt ſeine Armuth an Waſſer außer der Regenzeit. Diehaͤufigen Regenguͤſſe, welche dieſes Jahr in jenen Gegenden, woſie ſonſt in der Regel ſparſam fallen, Statt gefunden haben, ver-hinderten mich, am Ufer der inneren Lagune denjenigen Punkt zuunterſuchen, welcher ſich am meiſten dazu eignet, daß der neueWeg auf ihn ſtoße. Dieſer Punkt muß zwiſchen den Muͤndun-gen des Tuchitan und des Chicapa liegen. Die Hoffnung, das Projekt, welches wir gegenwaͤrtig ent-wickelt haben ausgefuͤhrt zu ſehen, koͤnnte uns zum Theil uͤberdie Schwierigkeiten troͤſten, welche ſich der Ziehung eines ſchiffba-ren Kanals queer durch die Landenge widerſetzten. Nach dieſemProjekte koͤnnte man den Goazacoalco ungefaͤhr vierzig Meilenaufwaͤrts ſchiffen, man wuͤrde hierauf auf einen Weg gelangen,welche man in eine Eiſenbahn (iron-road) verwandeln koͤnnte, |23| wie es anfaͤngt in Europa Sitte zu werden. Dieſer Weg wuͤrdenicht laͤnger als zwei und zwanzig kleine Meilen und vielleichtnoch kuͤrzer ſein, wenn er eine gerade Linie bildet. Zu Waſſerwuͤrde man dann bis zu dem Ankerplatz der groͤßeren Schiffe ge-langen. Man kann hoffen, daß auf dieſe Art die Produkte Eu-ropa’s und Aſia’s, in Folge der geringeren Transportkoſten, ingroͤßerer Menge durch unſere Kuͤſten eingefuͤhrt werden, ſo wieanderer Seits die Ausfuhr der Erzeugniſſe der Kuͤſtenlaͤnder der Suͤdſee durch die Ruͤckſendungen erleichtert werden wuͤrde. Derfruchtbare Boden der Landenge von Tehuantepec, welche DonTadeo Ortiz ſo gut beſchrieben hat, bliebe dann nicht laͤnger aufdie Erzeugung einer geringen Anzahl von Artikeln beſchraͤnkt. DieBevoͤlkerung wuͤrde zunehmen bei vermehrter Leichtigkeit der Sub-ſiſtenz. Ein von der Natur ſo beguͤnſtigter Erdſtrich koͤnnte ſichbald, zum Vortheil der ganzen Nation, zu dem Grade vonWohlſtand erheben, der ihm durch ſo viele beguͤnſtigende Verhaͤlt-niſſe beſtimmt iſt. Hier iſt der Ort, die Bemerkung zu machen, daß obgleichdie noͤrdliche Kuͤſte der Landenge, meiner Anſicht nach, eben ſoſehr als die ganze uͤbrige Kuͤſte des mexiko’ſchen Meerbuſens,den endemiſchen Krankheiten, welche im Sommer und im Herbſtunter den Einwohnern herrſchen, ſo wie den anſteckenden Epi-demien ausgeſetzt ſind, welche der Zuſammenfluß von Frem-den, die an das Klima nicht gewoͤhnt ſind, hervorbringt; derobere Theil des Fluſſes Goazacoalco, vom Zuſammenfluß mitdem Sarabia an, ferner Guichicori, Petapa und las Chimalapas,am Fuß des Hauptgebirges, ſo wie die Ebenen und Ufer derSuͤdſee, in einer großen Ausdehnung dieſer Kuͤſte, das ganzeJahr hindurch uͤberaus geſund und von den gewoͤhnlichen Krank-heiten, die auf beiden Kuͤſten herrſchen, befreit ſind. Die Erhoͤ-hung der Flaͤche, auf welcher die eben genannten Oerter liegen,und die mindere Feuchtigkeit in Tehuantepec und auf der benach-barten Kuͤſte, ſelbſt waͤhrend der Regenzeit, moͤgen die Hauptur-ſachen dieſes geſunden Zuſtandes ſein. Der Zuſammenfluß vonFremden wird vielleicht in der Folge das gelbe Fieber der Nord-kuͤſte auch dieſer Gegend zufuͤhren: aber dieſelbe wird vor denandern Kuͤſtenlaͤndern immer den Vortheil genießen, daß ſie vonden eigentlichen endemiſchen Krankheiten frei iſt, welchen ſelbſt |24| im Lande geborne und an das Klima gewoͤhnte Perſonen unter-worfen ſind. Es bleibt blos noch uͤbrig, etwas uͤber die Mittelhinzuzufuͤgen, durch welche die vom Praͤſidenten der Konfoͤderation ernannte Kommiſſion zu den Reſultaten gelangt iſt, welche hierentwickelt worden ſind. Die aſtronomiſchen Beobachtungen, obgleich ich ſie nur mitHuͤlfe eines Sextanten und eines kuͤnſtlichen Horizonts, ſowie eines achromatiſchen Teleskops von 46 Zoll Laͤnge, (englaͤn-diſchen Maaßes) gemacht habe, wuͤrden dennoch mit einiger Zuver-ſicht die Lage aller Punkte, die wir beſucht, angeben, wenn dieJahreszeit mich beguͤnſtigt haͤtte. Da aber unſere Ankunft am Goazacoalco mit der regnichtenJahreszeit zuſammentraf, ſo erlaubte dieſe, ſo wie der Nebel, wel-cher vor ihrem Eintritt den Horizont verſchloß und die Menge Schnee *),welcher einige Tage vorher fiel, nur wenige Beobachtungen zu ma-chen. Mehre Mal zwar ſah man die Sonne um Mittag am hel-len Himmel; aber ihre Hoͤhe war ſo betraͤchtlich, daß ſie mit demSextanten und dem kuͤnſtlichen Horizont nicht erreicht werden konnte.Ich konnte daher nur an den Kuͤſten die Breite beobachten. Demungeachtet hat man die Breite folgender Punkte beſtimmt:
Noͤrdliche Breite.
Die Muͤndung des Goazacoalco vermittelſt zweierBeobachtungen der Sonne, welche aber nichtganz zuverlaͤſſig ſind, wegen der Wolken . 18° 6′ 49″
Paſo del Sarabia durch Kulmination von y, e und z des großen Baͤren, aus dem eben ange-fuͤhrten Grunde nicht ganz zuverlaͤſſig . 17 11 46
Petapa durch den Mond und Antares (3 Beobach-tungen) ....... 16 49 30
San Miguel Chimalapa durch β und α des Cen-tauren (4 Beobachtungen) .... 16 42 42
Santa Maria Chimalapa durch dieſelben Sterne.(3 Beobachtungen) ..... 16 52 31
Venta de Chicapa (Hacienda) durch β des Cen-tauren ....... 16 35 15

*) Nieve? Sonderbar in der Breite und in weniger als 400 MètresHoͤhe uͤber dem Meere. H — t.
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Noͤrdliche Breite.
Tuchitan durch α deſſelben .... 16° 22′ 53″
Chihuitan durch Antares .... 16 33 54
Tehuantepec durch den Mond, α und β des Cen-tauren, Antares, des Skorpions, α des Schwansund α der Leier (10 Beobachtungen) .. 16 20 10
San Mateo del Mar durch den Mond .. 16 12 49
Santa Maria del Mar durch denſelben .. 16 13 43
An der Suͤdkuͤſte folgender2 Ortſchaften (Pueblos) San Mateo durch dieSonne in 2 Beobach-tungen .. 16 10 49
Santa Maria ebenſo 16 11 47
Den 15ten Junius gelang es, eine Emerſion des zweitenSatelliten des Jupiter zu beobachten; eine Sekundenuhr von Bar-rand, welche am vorhergehenden Morgen und nachfolgenden Tagedurch Sonnenhoͤhen berichtigt worden war, gab an, daß dieſeEmerſioni um 8 U. 7′ 56″,1: Statt gefunden habe; welches 6 U. 29′48″9 weſtlicher Laͤnge von Paris giebt und im Bogen 97° 29′13″5 oder 0 U. 15′ 53″1 oͤſtlich von Mexiko und im Bogen3° 58′ 16″,5 oͤſtlich vom ſelben Meridian. Der Mangel an einem Kronometer erlaubte nicht, durchVergleichung mit dieſer Laͤnge, die der anderen Punkte zu dedu-ziren; ſo wie anderer Seits, das Wetter und die AnnaͤherungJupiters an die Sonne keine ferneren Verfinſterungen ſeiner Sa-telliten beobachten ließ. Auch fand keine Sternbedeckung Statt. In den Landkarten, welche angefertigt worden ſind, iſt manfuͤr die Muͤndung des Goazacoalco der Laͤngenmeſſung auf der arrowſmithſchen Karte von 1810 gefolgt. Fuͤr den Paſo de Sarabia iſt die Laͤnge angenommen worden,welche aus den, auf dem Fluſſe ſelbſt mit dem Kompaß aufgenom-menen Richtungen hervorgegangen iſt. Fuͤr die uͤbrigen Punktehat man die geſchaͤtzten Fernen durch beobachtete Breiten ver-beſſert. Was den geognoſtiſchen Theil der Beobachtungen betrifft,da er mir ganz allein uͤbertragen ward und meine Kenntniſſedarin ziemlich unvollkommen ſind, ſo konnten nur die vorzuͤglich-ſten karakteriſtiſchen Zuͤge des Landes aufgefaßt und Proben von |26| deſſen Mineralien geſammelt werden, Beobachtungen dieſer Artfindet man in dieſem Bericht ſelbſt eingeſtreut. Den botaniſchen Theil der Kommiſſion hatte ein Mitgliedder Kommiſſion, der Lizentiat Don Ementerio (vielleicht Eleuterio)Pineda uͤbernommen. Er beſchaͤftigte ſich unermuͤdet mit dieſemZweig, und der Regierung ſind mehre Pakete Pflanzen und Saͤ-mereien und Holzproben uͤberliefert worden. Ich begnuͤge mich,hier blos zu ſagen, daß wir in der Naͤhe von San Miguel Chi-malapa, wie auch an den Ufern des Goazacoalco, bei SantaMaria Chimalapa und noch andern Stellen, Fichten und Eichen250 Varas uͤber dem Meeresſpiegel angetroffen haben. Wir ha-ben auch Eichen, faſt in derſelben Hoͤhe, zwiſchen Taltipa und Chinameſa, bis zu dem unteren Theil deſſelben Fluſſes, ange-troffen. Der uͤbrige Theil der Naturgeſchichte wuͤrde einen Mann er-fordert haben, der ſich ausſchließlich mit demſelben beſchaͤftigthaͤtte; eine ſolche Einrichtung zu treffen, war mir aber nichtmoͤglich. Ich ſelbſt, immerwaͤhrend mit anderen Gegenſtaͤndenbeſchaͤftigt, bin verhindert worden, das Geringſte fuͤr dieſen Zweigder Wiſſenſchaften zu thun. Unſere mit dem Barometer angeſtellten Beobachtungen ver-dienen nur mittelmaͤßiges Vertrauen. Es iſt zu vermuthen, daßin den einzigen Barometer, welcher im Beſitz der Kommiſſionwar und den ich ſelbſt verfertigt hatte, waͤhrend der Reiſe einekleine Quantitaͤt Luft eingedrungen ſei, ein Umſtand, welcher aufdie Hoͤhenbeſtimmung der Oerter, in Beziehung auf den Waſſer-ſpiegel des Meeres Einfluß ausuͤben konnte, aber einen weit ge-ringeren auf dieſelbe Beſtimmung der Oerter, in ihrer relativenBeziehung auf einander, beſonders was die hoͤchſten unter ihnenbetrifft. Doch iſt hierbei zu bemerken, daß bei der ſpaͤteren Be-rechnung der Beobachtungen man Sorge getragen hat, die baro-metriſchen Anzeigen durch Beobachtungen zu verbeſſern, welcheman ſpaͤterhin zu Tehuantepec angeſtellt hat, bevor und nachdemman die Roͤhre des Inſtruments durch Auskochen des Queckſilbersgaͤnzlich von Luft gereinigt hatte. Ein fuͤr uns ſehr empfindlicher Unfall war es, daß bei un-ſerer Abreiſe von Tehuantepec zu einer neuen Exkurſion, das neu |27| ausgekochte Barometer zerbrach: wodurch wir fuͤr den uͤbrigenTheil der ganzen Reiſe dieſes Huͤlfsmittels beraubt blieben. (Hier folgen die barometriſchen Hoͤhen, welche vor dieſemUnfall beobachtet wurden.)
Hoͤhe uͤber dem Meere.
Mètres. Varas.
Zuſammenfluß des Sarabia mit dem Rio Goa-zacoalco ...... 45,0 . 53,8
Ufer des Rio Sarabia am Wege von Guichicovi 79,4 . 95,0
Guichicovi Pueblo ..... 264,8 . 316,8
Petapa Pueblo ..... 228,7 . 273,5
Hacienda de la Chivela .... 240,8 . 288,1
Hacienda de Tarifa ...., 263,6 . 315,3
Hoͤchſter Punkt des Weges von Tarifa nach SanMiguel ...... 357,6 . 427,7
San Miguel Chimalapa Pueblo .. 172,8 . 206,7
Bach Mimesma, in der Naͤhe von San Miguel 156,9 . 187,7
Piedra del Lagarto ..... 172,8 . 206,7
Schlucht, gebildet durch einen trocknen Bach 151,2 . 180,8
Abſatz (Rellano) auf der Mitte der Cueſta blanca 219,1 . 262,1
Ende der Cueſta blanca .... 275,1 . 329,0
Mitte des folgenden Aufſteigens .. 348,8 . 417,2
Kleine Hoͤhe (Alturita) in der Naͤhe des Wegesvor dem Portillo de San Miguel .. 398,8 . 477,0
Portillo de San Miguel, die hoͤchſte Stelle desWeges uͤber die Cordillera dieſer Gegend 392,9 . 470,0
Ein Abſatz in der Naͤhe eines andern Portillo 354,6 . 424,1
Arollo Zapatzcape ..... 309,7 . 370,4
Ein kleiner, faſt trockner, Bach .. 315,1 . 377,0
Die darauf folgende Anhoͤhe ... 366,9 . 438,9
Ein anderer kleiner Bach mit wenig Waſſer 353,1 . 422,4
Andere Anhoͤhe, die einen Abſatz bildet . 405,9 . 485,7
Anderer Bach ...... 371,3 . 444,1
Ein anderer Bach, kurz vor dem Kloſter ( Cofradia ) 384,3 . 459,8
Rancho de la Cofradia .... 401,6 . 480,7
Bach de la Cofradia .... 384,1 . 459,5
Cerro pelado (Kahler Bergruͤcken) .. 615,3 . 736,1
|28|
Hoͤhe uͤber dem Meere.
Mètres. Varas.
Erſter Bach im Wege von Santa Maria Chi-malapa ...... 324,7 . 388,5
Anderer Bach, durch welchen man fuͤnf Mal muß 250,3 . 299,5
Rio Yscuilapa ..... 196,5 . 235,1
Rancho del Chocolate .... 357,2 . 427,4
Rio del Milagro ..... 149,5 . 178,8
Santa Maria Chimalapa .... 285.8 . 341,8
Hoͤchſter Punkt des Weges zwiſchen Santa Maria und dem Rio Goazacoalco ... 321,8 . 385,0
Rio Goazacoalco, wo er den Namen Rio delCorte annimmt ..... 160,1 . 191,5
Llano de la Venta de Chicapa beim Austritt derBerge, welche von San Miguel herſtreichen 111,6 . 133,5
Hacienda de la Venta de Chicapa .. 54,6 . 65,3
Tuchitan ....... 30,5 . 36,4
Tehuantepec ...... 36,0 . 43,3