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Alexander von Humboldt: „Ueber den neuesten Zustand des Freistaats von Centro-Amerika oder Guatemala“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1826-Ueber_den_neuesten-1> [abgerufen am 05.02.2023].

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Permalink:
https://humboldt.unibe.ch/text/1826-Ueber_den_neuesten-1
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Titel Ueber den neuesten Zustand des Freistaats von Centro-Amerika oder Guatemala
Jahr 1826
Ort Stuttgart; Tübingen
Nachweis
in: Hertha, Zeitschrift für Erd-, Völker- und Staatenkunde 6:2 (1826), S. 131–161.
Postumer Nachdruck
Alexander von Humboldt, Ueber die künftigen Verhältnisse von Europa und Amerika. Politische und historographische Schriften zur Neuen Welt, herausgegeben von Oliver Lubrich, Hannover: Wehrhahn 2010, S. 43–75.
Sprache Deutsch
Schriftart Fraktur
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: IV.68
Dateiname: 1826-Ueber_den_neuesten-1
Statistiken
Seitenanzahl: 31
Zeichenanzahl: 63476
Bilddigitalisate

Weitere Fassungen
Ueber den neuesten Zustand des Freistaats von Centro-Amerika oder Guatemala (Stuttgart; Tübingen, 1826, Deutsch)
Over den tegenwoordigen Toestand van den vrijen Staat Centro-Amerika of Guatemala (Amsterdam, 1826, Niederländisch)
On the Volcanos of Guatemala (London, 1827, Englisch)
Gegenwärtiger Zustand der Republik Centro-Amerika oder Guatemala (Aarau, 1827, Deutsch)
État présent de la République de Centro America ou Guatemala. D’aprês des documens manuscrits (Paris, 1827, Französisch)
Нынѣшнее состоянiе Республики Центро-Американской или Гватемальской [Nyněšnee sostojanie Respubliki Centro-Amerikanskoj ili Gvatemal’skoj] (Sankt Petersburg, 1828, Russisch)
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Ueberden neueſten Zuſtanddes Freiſtaats von Centro-Amerika oder Guatemala. Aus Korrespondenz-Nachrichten vonAlexander von Humboldt.


Unter den ſieben konfoͤderirten Freiſtaaten, Mexiko, Guate-mala, Colombia, Unter-Peru, Chili, Ober-Peru *) und La Plata,welche ſich in dem ehemaligen ſpaniſchen Amerika zwiſchen 37°48′noͤrdlicher Breite und 41°43′ ſuͤdlicher Breite gebildet haben, liegtdie Republik Guatemala ziemlich in der Mitte. Die Einwohnerdieſes Gebirgslandes haben im September 1821 zuerſt angefangen,fuͤr Unabhaͤngigkeit und Freiheit zu ſtreiten. Fremden Einmiſchun-gen nachgebend, wurden ſie gezwungen, ſich mit Mexiko zu ver-binden, aber am 21ſten Januar 1823 hoͤrte dieſe Abhaͤngigkeitauf, und Guatemala, ſeine Unabhaͤngigkeit feierlichſt erklaͤrend,trat nun als ein eigener abgeſonderter Bundes-Staat auf. DerName des Landes iſt mehrmals veraͤndert worden. In dem Edikte,welches der vollziehende Rath am 25ſten Januar 1824 uͤber An-ſiedelung der Fremden gab, werden die verbuͤndeten Provinzen
*) Republica de Bolivar oder Alto-Peru , die ehemaligen Provincias de leSierra (Charcas, Potoſi, La Paz, Cochabamba, Moxos und Choquitos)von La Plata oder Buenos-Ayres getrennt.
|132| Provincias unidas del Centro de America *) genannt; in derKonſtitution ſelbſt aber, die am 22ſten November von dem Volkeangenommen ward, iſt die jetzige Benennung, Republica federalde Centro America dekretirt. Man waͤhlte dieſen Namen, umder Eiferſucht der einzelnen Theile (der Staaten von Salvador, Honduras und Nicaragua) gegen den Staat von Guatemala ent-gegen zu arbeiten. Von keinem Theil des ſpaniſchen Amerika’s ſind bisher weniger Nachrichten zu uns gekommen, als von Gua-temala. Das einzige ſtatiſtiſche Werk von Domingo Juarros (Compendio de la historia de la ciudad de Guatemala) iſt in2 Baͤnden von 1809 bis 1818 erſchienen, und nur im Auszugein das Englaͤndiſche uͤberſetzt. Der Verfaſſer iſt leider mehr mit dembeſchaͤftigt geweſen, was ſich auf das geiſtliche Regiment des Lan-des bezieht, doch giebt er auch uͤber Lage der Berge, Lauf derFluͤſſe, Sitten der Einwohner und Spuren ihrer fruͤheſten Kul-tur manche Nachrichten, die von den Geographen und Hiſtorikernunbenutzt geblieben ſind. Das Werk iſt von keiner Landkarte be-gleitet, und die, welche man der englaͤndiſchen Ueberſetzung beigefuͤgthat, ſteht der von Brué (der Kopie meiner Karte von Neuſpanienangehaͤngt) weit nach. Zur genauern Kenntniß der Kuͤſten ſindzwei ſpaniſche Seekarten, welche das deposito hidrografico zuMadrid in den Jahren 1803 und 1822 herausgegeben hat, uͤber-aus brauchbar. **) Auf meine ſchriftliche Anfrage, ob von demInnern des Landes nicht in den Archiven oder ſonſt irgendwo eingeographiſcher Entwurf aufzufinden waͤre, iſt mir von Guatemala aus zur Antwort gegeben worden, es ſei nichts aufzufinden, undich habe blos einen kleinen, ſehr ſeltenen, im Lande ſelbſt i. J. 1800 inKupfer geſtochenen Plan der Hochebene zwiſchen Neuguatemala und
*) Das Wort iſt nicht ſprachrichtig geformt. Dem Geiſt der ſpaniſchenSprache nach haͤtte man America central beibehalten ſollen: aber manwollte eine Benennung fuͤr die Bewohner des Landes haben, die ſich Centro-Americanos nennen. Auch hat man ſich in ſpaniſch-amerikani-ſchen Zeitungen gewoͤhnt, die Buͤrger der Vereinigten Nordamerikani-ſchen Staaten (ſprachwidrig) Los Nort-Americanos zu nennen.**) Carta esférica del Mar de las Antillas y de las Costas de Tierrafirme desde la isla de Trinidad hasta el Golfo de Honduras. 1805. Carta esfer. desde el Golfo dulce en la Costa Rica hasta en la NuevaGalicia. 1822.
|133| dem See von Atitlan erhalten. Von dieſer Karte, *) welche ein Alcalde Mayor der Provinz Suchiltepeque hat aufnehmen laſſen,um den von ihm eroͤffneten neuen Weg zwiſchen der Hauptſtadtund der Bruͤcke auf dem Rio de Nagualate darzuſtellen, und vondem Plane des projektirten Kanals von Nicaragua, welchen An-tonio de la Cerda 1822 gezeichnet und den ich mir vor Kurzemverſchafft, werde ich ſpaͤterhin ſelbſt Gebrauch machen. Bei demauflebenden Gemeingeiſt in Guatemala darf man hoffen, daß derKongreß bald Anſtalten treffen wird, durch aſtronomiſche Huͤlfs-mittel, welch die kuͤrzeſten von allen ſind, die Geographie des In-nern aufzuklaͤren. Bei dem voͤlligen Mangel ſtatiſtiſcher Nachrich-ten darf man ſich nicht wundern, daß die kleinen Aufſaͤtze, durchwelche man neuerlichſt die Neugierde des englaͤndiſchen und franzoͤſiſchenPublikums hat befriedigen wollen, ebenſo unbeſtimmt als gehaltlosſind. Das Reiſejournal des Doctor Lavagnino von Omoa nach Zacapa **) iſt das einzige, welches weniger Tadel verdient, obes gleich keine Anſichten uͤber das Ganze des neuen Freiſtaats ent-haͤlt. Ich hoffe, den Leſern der Hertha werden die hier zuſammen-gedraͤngten Notizen, welche ich aus meiner Korrespondenz mitHerrn Joſe del Valle, der eine große Stelle im Ausſchuß der exe-kutiven Gewalt lange bekleidet hat, und aus mehren in Guate-mala in dem letzt verfloſſenen Jahre erſchienenen Zeitſchriften ***) entlehnt, gefaͤllig ſein. Ich habe ſelbſt keinen Theil des Gebiets von Centro-Amerika betreten, aber durch meine ununterbrochenen Verbin-dungen mit Perſonen, die an der Spitze der mexikaniſchen Regie-rung ſtehn, habe ich Gelegenheit gehabt, aus dem Munde vielerEingebornen, die England und Frankreich beſucht haben, die ein-geſammelten Nachrichten zu berichtigen.
Die ehemalige Capitania general von Guatemala enthaͤlt
*) Bosquejo hodometrico del espacio que media entre losestremos de la Prov. de Suchiltepeque y la Capital de Guate-mala. 1800. Dieſe kleine Karte iſt wichtig wegen der Lage der Waſſer- und Feuer-Vulkane!**) New Monthly Mag. No. 8. et Revue brit. 1825. p. 325. ***) El Redactor General de Guatemala Fol., dem pariſer Moniteur und Sol de Mexico nachgebildet; El Indicador de Guate-mala. in 4to.
|134| nach meinen Schaͤtzungen 16740 Quadrat-Seemeilen *) (20 aufeinen Grad). Bis zu dem erſten Volksaufſtande, vom 15tenSeptember 1821, rechnete man zu dieſem Lande die Provinzen Chiapa, Guatemala, **) Vera Paz oder Tezulutlan, Honduras, Nicaragua und Coſta-Rica. Die Seekuͤſten, welche zu dieſer Ca-pitania general gehoͤrten, erſtreckten ſich, laͤngs des ſtillen Ozeans von der Barra de Tonatà (Breite 16°7′) oͤſtlich von Tehuantepec bis zu dem Kap Burica oder Boruca (Breite 8°5′) oͤſtlich von Golfo Dulce de Coſta-Rica. Von dieſem Punkte an laͤuft dieGraͤnze: erſt gegen Norden, laͤngs der kolumbiſchen Provinz Ve-ragua gegen das Kap Careta hin (Breite 9°35′), etwas oͤſtlichvon dem ſchoͤnen Hafen Bocca del Toro; dann gegen Nord-Nord-Weſt, der Kuͤſte folgend bis an den Fluß Blewfield oder Nueva Segovia (Breite 11°54′), in dem Lande der Mosquitos-Indianer; dann gegen Nord-Weſt in einer Laͤnge von 40 Meilenam Ufer des Fluſſes von Nueva Segovia und endlich gegen Nor-den bis an das Kap Camaron (Breite 16°3′) zwiſchen dem KapGracias à Dios und dem Hafen von Truxillo. Von dem KapCamaron bis an den Rio Sibun (Breite 17°12′) bildet die Kuͤſtevon Honduras, zuerſt gegen Weſten und dann gegen Norden ge-richtet, die Graͤnze. Im Innern des Landes folgt letztere demLauf des Rio Sibun gegen Oſten, durchſetzt den Rio Sumaſinta,welcher ſich in die Laguna de Terminos einmuͤndet, verlaͤngert ſichgegen den Rio de Tabasco oder Grixalva bis an das Gebirge, aufdem die indiſche Stadt Chiapa gebaut iſt, und wendet ſich gegenSuͤd-Weſt, um von Neuem die Kuͤſte des ſtillen Meeres bei der Barra de Tonnatà zu erreichen. In dieſem Umfange war diealte Capitania general von Guatemala etwas groͤßer als Spanien und etwas kleiner als Frankreich. Als Folge der politiſchen Raͤn-ke, welche der ephemere Kaiſer von Mexiko, Iturbide, und ſeine
*) In Guatemala ſelbſt wird dieſe Angabe fuͤr die richtigere gehal-ten. Redactor (1825) p. 1. **) Der Name Guatemala iſt nach einigen Etymologen verunſtaltet vondem Worte Guautemali (fauler oder hohler Baum), weil Alvarado’s mexikaniſche Bundesgenoſſen bei der Reſidenz der Koͤnige von Nachi-quelas einen ſolchen Baumſtamm fanden; nach andern Etymologen vondem tzendaliſchen Worte Uhatezmalha, Berg, welcher Waſſer ſpeit, Volcan de agua.
|135| Anhaͤnger in Guatemala trieben, ſchlug ſich die Provinz Chiapa (ehemals in aztequiſchen Zeiten vieler heiligen Staͤdte und Wall-fahrtsorte wegen das goͤttliche Land, Teo-Chiapa genannt)zu der neuen mexikaniſchen Republik, ſo daß gegenwaͤrtig der Foͤ-derativ-Staat von Centro-Amerika nur einen Flaͤchen-Inhalt von15,400 Quadrat-Seemeilen *) hat.
Viele Bewohner von Guatemala ſchmeicheln ſich der Hoff-nung, daß die ehemalige Provinz Chiapa durch alte Gewohnheitund Erinnerungen gefeſſelt, ſich wieder mit Mittel-Amerika vereinigenund von Mexiko trennen werde, um die alte Landesgraͤnze bis an denStaat Oaxaka zu verſetzen. Dagegen macht die mexikaniſche Re-publik, nach meinen letzten Briefen, Anſpruͤche auf die ProvinzSoconusco, welche des trefflichen Kakao’s wegen beruͤhmt iſt.Solche Graͤnzſtreitigkeiten ſind in Foͤderativſtaaten, die der Kon-greß von Panama durch die innigſten Freundſchaftsbande zuſam-menhaͤlt, von weniger politiſcher Wichtigkeit, als man gemeinhinin Europa glaubt. Soconusco hat bis zu der letzten Haͤlfte des18ten Jahrhunderts zur Intendanz Chiapa gehoͤrt, deren Haupt-ſtadt nicht, wie auf vielen Karten ſteht, das Dorf Chiapa de losIndios, ſondern die Stadt Ciudad Real (einſt auch Villa Real, Villa Vicioſa oder Villa de S. Kriſtoval de los Llanos genannt)iſt. Der Hauptort der Provinz Soconusco heißt Santo-DomingoEscuintla, und muß nicht mit la Concepcion de Escuintla, der Hauptſtadtdes Departements de Escuintla, verwechſelt werden. Soconusco war,als die Revolution von Guatemala ausbrach, ein eigenes Govier-no, die Anſpruͤche der Mexikaner gruͤnden ſich auf den Umſtand,daß Soconusco von 1524 bis 1553 zur Audiencia de Mexiko ge-hoͤrte. In dem letztgenannten Jahre wurde es zu Guatemala geſchlagen. Als Chiapa, nach Iturbide’s Sturz, mit der mexikaniſchenRepublik verbunden blieb, trennte ſich Soconusco und erklaͤrte ſichfuͤr den Foͤderativ-Staat von Centro-Amerika. Aus den Wahlre-giſtern vom Monat September 1825 kann man ſchließen, daßdieſe fruchtbare Provinz jetzt dem Eſtado von Guatemala einver-leibt iſt. **)
*) 8624 geographiſche Quadratmeilen, (und nicht 15498 geogr. Quadrat-meilen, wie in Haſſel’s Stat. Umriß. S. 78. geſagt wird.**) El Indicador n. 47. p. 189. n. 52. p. 210.
|136| Ueber die Bevoͤlkerung von Guatemala herrſcht noch eingroßes Dunkel, und was in einer vortrefflichen vaterlaͤndiſchenZeitſchrift: El Redactor, general im Julius 1825 daruͤber entwi-ckelt wird, hat die vorige Ungewißheit um nichts vermindert. Hierwie uͤberall in dem ſpaniſchen Amerika, ſind gute Volkszaͤhlungenoder vielmehr Volksſchaͤtzungen nur durch Mitwirkung der Geiſt-lichkeit zu erhalten. Der Capitain general von Guatemala, Don Matias de Galves, fand 1778 durch Leitung der weltlichen Be-hoͤrden 797,214 Seelen. Dieſe Zaͤhlung *) iſt mir von Herrn DelBarrio, ehemaligen Deputirten von Guatemala bei den ſpaniſchenCortes, ſchriftlich mitgetheilt worden. Wenn man aber mit die-ſem Reſultat die partiellen Liſten der Geiſtlichkeit in den vier Biß-thuͤmern von Guatemala, Léon de Nicaragua, Chiapa oder Ciu-dad Real und Comayagua oder Honduras vergleicht, ſo erkenntman, mit Herrn Juarros, daß die Schaͤtzung von 1778 wenig-ſtens um ein Drittheil zu gering iſt. In dem Bißthum Comaya-gua fand die Geiſtlichkeit ſtatt 88,145, die Zahl 93,501. Indem Bißthum Chiapa ergaben ſich 99,000 ſtatt 62,200. Waͤh-rend meines Aufenthaltes in Mexiko ſchaͤtzte man die Bevoͤlkerungder Capitania general von Guatemala (in welcher die Zahl vonkupferfarbigen Eingebornen uͤberaus groß iſt) auf 1,200,000; ge-genwaͤrtig nach Briefen von dem Monat September 1825 glaubtman die neue Republik enthalte ſelbſt ohne Chiapa 2 oder 2\( \frac{1}{2} \) Mil-lionen. Nach dem Wunſche, mich in ſtatiſtiſchen Unterſuchungenimmer an den niedrigſten Graͤnz-Zahlen (nombres limites) zu hal-ten; bin ich in den allgemeinen Schaͤtzungen der Bevoͤlkerung von Amerika, welche der dritte Theil meines Reiſeberichts enthaͤlt, bei1,600,000 ſtehen geblieben. **) Nimmt man aber auch nur \( \frac{1}{5} \)
*) Eine andere Abſchrift dieſer Zaͤhlung, der Juarros ( Compendio T. I.p. 91.) gefolgt iſt, giebt 805,339 Einw., wovon (1778) im Arzobispadode Guatemala 540,503; (1791) im Obispado de Honduras 93,501;(1796) im Obispado de Chiapa 99,000. T. I. p. 96 — 104.**) Bevoͤlkerung fuͤr das Jahr 1823:
  • I. Kontinental-Amerika noͤrdlich vom Iſthmus .. 19,955,000.
    • Kanada und Batavia ... 550,000
    • Vereinigte Staaten .... 10,525,000
    • Mexiko und Guatemala ... 9,400,000
    • Veragua und Panama.... 80,000
    • Unabhaͤngige Eingeborne ... 400,000
|137| fuͤr die Omiſſionen in der Zaͤhlung von 1778 an, ſo wird in demZuwachs, der beſonders in den indiſchen Doͤrfern ſo groß iſt,uͤberaus wahrſcheinlich, daß gegenwaͤrtig (1826) die Bevoͤlkerungvon Centro-Amerika zwiſchen 1,800,000 und 2,000,000 ſei. DieZahl der kupferfarbenen Eingebornen betraͤgt wenigſtens ⅗ desGanzen, und Hrn. Poinſett’s Angabe *), 1,291,000 fuͤr die Zahlaller Menſchenraçen im Freiſtaate von Guatemala im Jahr 1823,iſt gewiß zu niedrig. Wenn man wegen der alten Laͤnderverbin-dung und wegen Aehnlichkeit der Abſtammung der Eingeborenen derbeiden Foͤderativſtaaten, Mexiko und Centro-Amerika, als eine Maſſebetrachtet, ſo findet man jetzt in ihren faſt 9 Millionen Menſchen,alſo bei dem erſten Aufkeimen der politiſchen Freiheit und Unab-haͤngigkeit ſchon zwei Mal ſo viel als die vereinigten Staaten vonNordamerika, vierzehn Jahre nach dem erſten Ausbruch ihres Revo-lutionskrieges, zaͤhlten.
Mittel-Amerika oder Guatemala iſt, wie Mexiko, einGebirgsland zu nennen, doch erſtrecken ſich warme Ebenen vombetraͤchtlichen Umfange in den Provinzen Vera-Paz, Honduras und Poyais gegen den atlantiſchen Ozean. Nachdem die Andes-Kette, zwiſchen der Muͤndung des Atrato, den Quellen des kleinen
  • II. Inſular-Amerika ....... 2.826,000
    • Haiti ....... 820,000
    • Antillen der Briten .... 777,000
    • Cuba und Portorico .... 925,000
    • Antillen der Franzoſen .... 219,000
    • Antillen holl. daͤn. ..... 85,000
  • III. Kontinental-Amerika ſuͤdlich von Iſthmus .. 12,161,000
    • Colombia (ohne Ver. und Panama) . 2,705,000
    • Peru ....... 1,400,000
    • Chili ....... 1,100,000
    • La Plata ....... 2,300,000
    • Die drei Guianen ..... 236,000
    • Braſilien ...... 4,000,000
    • Unabhaͤngige Eingeborne .... 420,000

    • 34,942,000
( Voy. aux regions équin. T. III. p. 72.)
*) Notes en Mexico. Phil. 1824. p. 245. Ich glaube, die Bevoͤlkerungbeſtehe jetzt aus ⅗ Indianern, \( \frac{2}{5} \) Meſtizen und \( \frac{1}{5} \) Weißen.
|138| Fluſſes Napipi und dem Golf von Cupica, zu niedrigen, wenigehundert Fuß hohen Huͤgeln herabgeſunken iſt, erhebt ſie ſich vonNeuem in der Landenge von Panama zu 600 Fuß Hoͤhe, undwird allmaͤhlig breiter in den Cordillèren von Veragua und Sala-manca. Wenn es gegruͤndet iſt, daß die Berge, welche an dernordweſtlichen Graͤnze des Freiſtaates von Colombia unter demNamen Silla de Veragua und Caſtillo del Choco (etwa in dem Meridian der Boca del Toro und der Laguna Chiriqui) in einerEntfernung von 36 Seemeilen *) ſichtbar ſind, ſo muͤſſen ihreGipfel, nach den gewoͤhnlichſten Geſetzen der Stralenbrechung be-rechnet, die Hoͤhe von 1400 T. erreichen. Seitdem die Andes-Kette in Mittel-Amerika eintritt, bleibt ſie ſtets den Kuͤſten desſtillen Meeres nah, und von dem Golfe von Nicoya an bis gegen Soconusco hin, zwiſchen 9° \( \frac{1}{2} \) und 16° Breite faͤngt die langevon Reihe Vulkanen an, die gewoͤhnlich iſolirt ſtehen, von denenaber auch einige mit den Voralpen zuſammenhaͤngen.
Folgende Anſicht habe ich mir von den geognoſtiſchen Verhaͤltniſ-ſen dieſes Landes verſchafft. Die Vulkan-Reihe von Mittel-Amerika hat ſich (Br. 11° —16°) zwiſchen den Urgebirgen von Veragua und Oaxaca erhoben.Durch Gneuß-Glimmerſchiefer von Veragua haͤngen ſie mit derweſtlichen Kette von Neu-Grenada; durch Granit-Gneuß von Oaxada haͤngen ſie mit dem mexiko’ſchen Landruͤcken zuſammen,eine Verbindung, welche nicht die Vulkan-Reihe ſelbſt (meiſt iſolirtſtehende Kegelberge), ſondern das umherliegende mitgehobene Ge-birgsland bewaͤhrt. Erlaͤuternde Nachrichten uͤber die Lage derFeuerberge von Guatemala habe ich auf dem Meere, waͤhrend derSchifffahrt von Lima nach Acapulco, aus ſpaniſchen Manuſkript-Karten von John Morabda und andern Seefahrern geſammelt.Die meiſten derſelben ſind von Bauza mit der ihm eigenen Ge-nauigkeit in der Carta esferica del Mar de las Antillas (1805) und in der Carta esf. desde el Golfo Dulce hasta San Blas (1822) eingetragen, doch bemerkt Leopold von Buch ſehr richtigin ſeinem klaſſiſchen Werke uͤber die kanariſchen Inſeln (1825S. 406—409), daß William Furnel, Dampier’s Oberſteuermann,bereits einen großen Theil deſſen, was wir bis jetzt uͤber dieſe
*) Purdy, Colombian Navigator p. 134.
|139| Vulkane wiſſen, bekannt gemacht hat. Ich verfolge die Reihevon SO. nach NW., wie ſie Arago im Annuaire du Bureaudes Longitudes 1824, nach den von mir mitgetheilten Ma-terialien aufgefuͤhrt hat. Ueberall, wo meine Nachrichten mitden Karten, und wo dieſe unter ſich im Widerſpruch ſind,gebe ich dieſe Abweichungen genau an, damit kuͤnftige Reiſende dieſegeographiſche Zweifel erſt loͤſen moͤgen. Viele Vulkane fuͤhrenmehre Namen zugleich, die den Bergen eigenthuͤmlichen, ſind nach Ver-ſchiedenheit der indiſchen Idiome verſchieden, und von Namennahe gelegener Orte entlehnt. So heißen in Neu-Spanien der Popocatepetl und Jztacci hunté, bald Volcanes de Puebla, bald Volcanes de Mexico, und zwei Berge koͤnnen aus Mißver-ſtaͤndniß in ſechs verwandelt werden. Eine andere Quelle desIrrthums iſt, daß in Amerika der Name Volcan nicht blosBergen beigelegt wird, deren Ausbruͤche uͤber alle hiſtoriſche Zeitenhinausreichen, ſondern auch Trachyt-Maſſen, die gewiß nie geſpienhaben, die nicht durch permanente Oeffnungen mit dem Innernder Erde zuſammenhaͤngen. Am ſuͤdlichſten ſteht der Volcan deBarua (Br. 8° 50′), im Innern des Landes ſieben Seemeilen in NO. von Golfo dulce; in englaͤndiſchen Karten wird er Volcande Varu genannt, und, wie ich glaube, mit Unrecht, weit oͤſtlicher(unter 84° 52′ weſtl. par. Laͤnge und 8° 25° Breite) in dieProvinz Veragua verlegt. Dieſem Volcan de Barua folgt der Volcan de Papagayo (Br. 10° 10′), nicht auf dem Vorgebirgevon Santa Catalina, ſondern 5 Seemeilen noͤrdlicher, kaum4000 Toiſen von der Kuͤſte entfernt.
Vom Volcan de Papagayo oͤſtlich liegen drei alte feuerſpeiendeBerge, dem ſuͤdlichen Ufer des Sees von Nicaragua nahe: der Volcan de Oroſi zwiſchen Rio Zabales und Rio Terluga, der Volcan de Tenorio und der Volcan del Rincon de la Vieja,(der letzte in Br. 10° 57′ und nur 1° 35′ weſtlich von demAusfluß des Rio San Juan in das antilliſche Meer). Die Exi-ſtenz des großen Krater-Sees von Nicaragua ſcheint mit dieſerſonderbar oͤſtlichen Lage des Volcan de la Vieja in Cauſal-Ver-bindung zu ſtehen. Noͤrdlich von der Stadt Nicaragua auf der Landzunge zwi-ſchen dem See und der Meereskuͤſte zwiſchen 10° 30′ und 12°30′ Breite herrſcht noch einige Ungewißheit in der Synonimie der |140| Vulkane. Juarros, der Hiſtoriograph von Guatemala, und Antoniode la Cerda, der Alcalde de la Ciudad de Granada, deſſen Ma-nuſkript-Karte ich beſitze, fuͤhren blos auf: 1. den Volcan Mom-bacho auf einem Vorgebirge wenige Seemeilen ſuͤdoͤſtlich von der Stadt Granada; 2. den Volcan de Sapaloca in dem See vonNicaragua *), dem V. de Mombacho gegenuͤber; 3. den Volcande Maſaya zwiſchen Ciudad de Granada und Ciudad de Leon,nahe bei dem kleinen See Maſaya weſtlich von dem Rio Tepetapa,welcher die Laguna de Leon oder Managua mit der Laguna deNicaragua verbindet; 4. den Volcan de Momotombo, an demnoͤrdlichen Ende der Laguna de Leon etwas oͤſtlich von der Ciudadde Leon. In dieſer Nomenklatur fehlt der Volcan de Granada aller ſpaniſchen Seekarten, von dem Funnel und Dampier ſagen,daß er die Geſtalt eines Bienenkorbes hat. Aus einer Stelle in Gomara (Historia de las Indias fel 112) zu ſchließen, ſind V.de Maſaya und V. de Granada ſynonim. Die Karte des Depo-ſito Hydrografico fuͤhrt auf: 1. Volcan de Bombacho, wahrſchein-lich der Mombacho des Alcalde de Granada; 2. V. de Granada,weſtlich von der Ciudad de Granada; V. de Leon, offenbar derLage nach der beruͤhmte Volkan de Maſaya 20′ ſuͤdlich von der Ciudad de Leon. Ich wiederhole, daß, meiner Vermuthung nach,der Kegel, welchen die ſpaniſchen Karten Volcan de Granada nennen, entweder der Volcan Bombacho oder der Volcan Maſaya ſei; denn beide liegen in der Naͤhe (ſuͤdlich und oͤſtlich) der Ciudadde Granada. Der Volcan Maſaya, dem Dorfe Nindiri naͤhergelegen, als dem Dorfe Maſaya, wo in den erſten Zeiten derConquiſta der thaͤtigſte aller Feuerberge von Guatemala. „Die„Spanier, ſagt Juarros, **) nannten ihn die Hoͤlle, el Infierno de„Masaya. Sein Krater hatte nur 20 bis 30 Schritt im Durch-„meſſer, aber in dieſer Oeffnung ſah man die geſchmolzene Lava„wie Waſſer ſieden und thurmhohe (!) Wellen ſchlagen; die Klar-
*) Nach der Karte des Alcalde de Granada liegt der Volcan de la Islade Sopaloca, noͤrdlich von de Inſel Ometope; Juarros dagegen ( T.I. p. 51) ſagt ausdruͤcklich: der Vulkan, in dem See, erhebe ſich einKegel auf einer bewohnten Inſel, welche die Indier Ometep nennen.(T. I. S. 50.)**) Th. I. S. 53.
|141| „heit verbreitete ſich weit umher, wie das ſchreckliche Getoͤſe. In„25 Meilen Entfernung ſah man das Feuer des Maſaya.“ Der-ſelbe Volcan war im 16ten Jahrhundert ein ſonderbarer Gegen-ſtand moͤnchiſchen Golddurſtes. Der Dominikaner Blas de Iena ließ ſich (ſo erzaͤhlt Gomara) *) an einer Kette von 140 BrazasLaͤnge, mit einem eiſernen Loͤffel bewaffnet, in den Krater herab.Mit dem Loͤffel wollte er das geſchmolzene Gold (die fluͤſſige Lava!)ſchoͤpfen. Der Loͤffel ſchmolz und der Moͤnch konnte ſich mitMuͤhe retten. Die Nebenumſtaͤnde dieſer Geſchichte ſind gewißerdichtet, aber es iſt mehr als wahrſcheinlich, daß Iena ſich inden Krater wagte, und daß ſeine geſcheiterte Unternehmung denDechan (Dean) des geiſtlichen Kapitels von Leon dazu verleitete,ſich von dem Koͤnige die Erlaubniß ausfertigen zu laſſen, „den Volcan von Maſaya zu eroͤffnen und das Gold zu ſammeln,welches dieſer Berg in ſeinem Innern verberge.“ Nahe bei dem Maſaya nennt Juarros noch einen andern Volcan, den von Nindiri oder Nidiri, der 1775 einen großen Ausbruch hatte, inwelchem ein Lavaſtrom (vio de fuego) in die Laguna de Leon oder Managua floß und viele Fiſche toͤdtete. Nach der Lage desDorfes Nindiri zu urtheilen, war dieſe Erſcheinung ein Seiten-Ausbruch des Maſaya. In Teneriffa habe ich auch oft von dem Volcan de Chahorra als von einem Berge ſprechen hoͤren, der vondem Pic verſchieden ſei! Es iſt in allen vulkaniſchen Laͤndernſehr gewoͤhnlich, eigentliche Vulkane und Seitenausbruͤche zu ver-wechſeln. Wenn man von dem Volcan de Maſaya laͤngs der Laguna de Tiscapa uͤber Nagaroti nach der Stadt Leon reiſet, ſoſieht man ſich oͤſtlich von dieſer Stadt, am noͤrdlichen Ende der Laguna de Leon oder de Managua, den hohen Volcan de Momo-tombo erheben; weiterhin zwiſchen Br. 12° 20′ und 13° 15, oderzwiſchen der Stadt Leon und dem Meerbuſen von Amapala oder Fonſeca, folgen die vier Volcane von Felica, del Viejo **) Giletepe
*) Fol. 112.**) Dampier Voy. T. I. p. 119. nennt ihn „auf 20 Seemeilen ſicht-bar“, welches ihm ohne Refraction nur 498 Toiſen Hoͤhe geben wird;rechnet man 6 Meilen mehr, die der Volcan im Innern des Landesliegt, ſo wird die Hoͤhe uͤber 840 Toiſen. Der General Laravia nenntnoch in ſeiner Statiſtik von Nicaragua zwiſchen den Vulkanen von Telica und Momotombo den Volcan de Aſoſosca.
|142| und Guanacaure. Der Volcan de Telica iſt noch thaͤtig wie Mombacho und Momotombo: auch haben Perſonen, die vorigesJahr den Hafen Rialejo beſuchten, den Volcan del Viejo ſtarkrauchen ſehen. Der V. de Giletepe wird auf ſpaniſchen Manu-ſkriptkarten auch V. de Coſiguina, von Herrn von Buch richtigvermuthet, von der nahe gelegenen Punta de Coſiguina, genannt.
Weſtlich von dem Meerbuſen Amapala erheben ſich wie aufderſelben Kluft die nun O. 80° W. ſtreicht zwiſchen 13° 15′ und13° 50′ noͤrdlicher Breite: die Vulkane von San Miguel Boſot-lan (Uſulutan?), Tecapa, San Vincente oder Sacatecoluca, SanSalvador, Iſalco, Apaneca oder Zonzonate, Pacaya, Volcan deAgua, zwei Volcanes de Fuego oder de Guatemala, Acatenango, Toliman, Atitlan, Tajumulco, Sunil, *) Suchiltepegues, Sopotit-lan, las Hamilpas (eigentlich zwei nahe ſtehende Vulkane dieſesNamens) und Soconusco **). Unter dieſen 20 Feuerbergen ſinddie von San Miguel, San Vincente, Iſalco, San Salvador, Pacaya, Volcan de Fuego de Guatemala, Atitlan und der Volcande Sapotitlan von jeher die thaͤtigſten geweſen. Der Volcan deIſalco hatte große Ausbruͤche im April 1798 und von 1805 bis1807, wo man oft Flammen aufſteigen ſah. Er iſt beſondersreich an Ammonium. Der Volcan de Pacaya liegt drei Meilen entfernt von demDorfe Amatitan und alſo oͤſtlich von dem Volcan de Agua. Eriſt nicht ſo iſolirt wie dieſer, ſondern verlaͤngert ſich in einenmaͤchtigen Ruͤcken mit drei weit ſichtbaren Gipfeln. Lavaſtroͤme
*) Der Volcan Sunil, ſuͤdlich von Queſalterargo, iſt von dem VolcanPacaya nicht 25 Seemeilen entfernt. Ob Acaterargo, Toliman und Sunil wirklich je Ausbruͤche gehabt oder ob ſie im Lande blos ihrerKegelform wegen Vulkane genannt werden, wie ſo manche Trachyt-Glockenberge in Suͤdamerika, kann ich nicht entſcheiden. Die Lage dieſerBerge kenne ich aus der topographiſchen Karte der umliegenden Ge-gend von Guatemala, die der Alcalde mayor Don Joſe Roſſi y Rubi 1800 ſtechen ließ. Keine Karte zeigte dagegen die Lage des Volcan deTajumulco bei Texutla in der Quezaltinango, der oft ſpeit, und ausdem ſich Alvarado’s Armee mit Schwefel zur Pulverfabrikationverſah.**) Giebt es einen von den eben genannten verſchiedenen Vulkanen, denſpaniſche Manuſkriptkarte Volcan de Sacatepeques nennen?
|143| (welche die Einwohner hier wie in Mexiko das wuͤſte Land (mal pays) nennen), Bimmſtein, Schlacken und Sand haben dieumliegende Gegend veroͤdet. Am Ende des ſechszehnten Jahrhun-derts (ſo ſchreibt der Croniſta Fuentes Tom. I. liv. 9. cap. 9.)warf der Pacaya Tag und Nacht hindurch nicht blos Rauch,ſondern Flammen aus. Die groͤßten und beruͤhmteſten Ausbruͤchedes Volcan de Pacaya waren die von 1565, 1651, 1664, 1668,1671, 1677 und vom 11ten Juli 1775. Der letzte Ausbruchkam nicht von der Spitze ſelbſt, ſondern von einem der tieferliegenden drei Nebengipfel. —
Der Volcan de Fuego, oder wie man ihn auch nennt, Volcan de Guatemala iſt 5 Meilen weſtlich von dem Waſſer-Vulkan und 2 Meilen ſuͤdweſtlich von der Stadt Antigua Gua-temala gelegen. Er ſtoͤßt bisweilen noch Flammen und Rauchaus. Seine groͤßten Ausbruͤche ſeit Ankunft der Spanier ſinddie von 1581, 1586, 1623, 1705, 1710, 1717, 1732, 1737 ge-weſen. Er bildet einen ſchoͤnen Kegel, der aber nahe bei demGipfel durch mehre Schlackenhuͤgel (Reſte von Seitenausbruͤchen)verunſtaltet iſt. Die Reihefolge, in welcher ſuͤdlich von der Lagunade Atitlan, zwiſchen Nueva Guatemala und Zapotitlan die aus-gebrannten Vulkane zeigen, ſcheint mir in geognoſtiſcher Hinſichtſehr merkwuͤrdig. Sie ſind wie auf zwei Spalten von O. gegen W. gerichtet, gleichſam verſchoben, *) ſo daß die weſtlichere Reihevier Leguas noͤrdlicher liegt. Auf der oͤſtlicheren Spalte ſindemporgeſchoben die Vulkane von Pacaya, der Waſſer-Vulkan, diezwei Vulkane von Fuego und der Volcan de Acatenango; auf derweſtlicheren Spalte, dem See von Atitlan naͤher, liegen die Vul-kane von Toliman, Atitlan und Sunil, nebſt mehren iſolirtenBergen, deren Namen mir unbekannt ſind. Der Waſſer-Vulkan ( Volcan de Agua ) iſt unter den 21theils erloſchenen, theils noch brennenden Vulkane von Mittel-Amerika einer der hoͤchſten und der beruͤhmteſte. Er liegt 20Seemeilen oͤſtlich von der großen Laguna de Atitlan zwiſchen der Antigua Guatemala und den volkreichen Doͤrfern Mixco Amatitan
*) Dies Phenomen eines verſchobenen Ganges zeigt auch die primitiveKette der Pyrenaͤen zwiſchen Tentenade und Port d’Espot. ( Char-pentier Const. geogn. des Pyrennées. p. 10.)
|144| und San Chriſtobal. Da bisher noch kein einziger Berg der Andes-Kette von Guatemala gemeſſen worden iſt, ſo kann ichblos auf dieſe Hoͤhe aus dem Umſtande ſchließen, daß der Bergoft mehre Monate lang mit Reif, Eis und vielleicht ſelbſt mitSchnee bedeckt bleibt. Bei einer ſo ſuͤdlichen Breite kann dieſeHoͤhe nicht unter 1750 T. und nicht uͤber 2400 T. ſein. Berge,welche dieſe letztere Zahl uͤberſteigen, ſind ſchon wirkliche Nevados, das heißt mit ewigem Schnee bedeckt. Der Kapitaͤn Baſil Hall ſchaͤtzt die beiden Vulkane von Guatemala nach einer freilich ziem-lich unſichern Meſſung in 40 Seemeilen Entfernung zu 2293 und2330 Toiſen. Der Pater Remeſal ( Hist. de la Provincia deSan Vincente, lib. 4. cap. 5.), der nach alter Sitte mitZahlen ſpielt, behauptet, daß im Jahr 1615 der ſogenannte Waſ-ſer-Vulkan noch 3 Meilen (leguas) hoch war, obgleich er bei demWaſſerausbruch am 11ten September 1541, als Almolonga, oder Ciudad Vieja, zerſtoͤrt wurde, ſeinen Gipfel (coronilla), der aucheine Meile hoch war, verloren habe! Die geognoſtiſchen Verhaͤlt-niſſe dieſes Waſſerausbruches ſind voͤllig unbekannt. Juarros giebtan, daß weder gebrannte Steine noch Spuren vulkaniſcher Erup-tionen an des Berges Abhang jetzt zu bemerken waͤren; vielleichtaber ſind Aſche und Lava durch die Vegetation bedeckt; vielleichtwaren nicht blos unterirdiſche Hoͤhlen Jahrhunderte lang miteinſinterndem Regenwaſſer gefuͤllt, ſondern ein Krater-See auf demGipfel ſelbſt vorhanden. In der Provinz Quito hat man mirerzaͤhlt, daß der laͤngſt ausgebrannte Vulkan von Imbaburu bei Villa de Ibarra von Zeit zu Zeit (wahrſcheinlich nach Erdſtoͤßen)Waſſer, Schlamm und Fiſche ausſtoße. So viel iſt gewiß, daßder Volcan de Agua, der zwiſchen dem Volcan de Pacaya und dem Volcan de Fuego liegt, die Form eines abgeſtumpften Kegels hat.Die Abhaͤnge dieſes großen Gebirgsſtockes, dem man einen Umfangvon 18 Leguas zuſchreibt, ſind auf \( \frac{2}{3} \) wie ein Garten bebaut;weiter aufwaͤrts folgen herrliche Waldungen und auf dem Gipfelfindet man noch jetzt eine elliptiſche Vertiefung, deren großer Durch-meſſer von N. nach S. gerichtet, 400 par. Fuß Laͤnge hat. Dasiſt Zweifels ohne ein Krater (caldera), und Juarros, ob er gleichalle Spuren der Feuerwirkung am Waſſer-Vulkane laͤugnenwill, beſchreibt ſelbſt ( Tom. II. p. 351.) dieſen Krater eben ſo, |145| wie ihn mir mehre unterrichtete Ingeborene von Guatemala be-ſchrieben haben.
Noͤrdlich von der Gruppe der Vulkane, welche zwiſchen dem Pacaya und Sunil, am weſtlichen Ende des Sees von Atitlan zuſammengedraͤngt ſind, ſcheint die Waͤrme ſtroͤmende Kluft von Mittel-Amerika ſich allmaͤhlig zu ſchließen. Der Volcan de Soco-nusco, deſſen Juarros nicht einmal erwaͤhnt (nach Bauza’s Karte unter 15° 59′ Br. und 95° 41′ par. Laͤnge), begraͤnzte die Reihevulkaniſcher Ausbruͤche an dem weſtlichen Rande des Granit-Gneis-Gebirges von Oaxaca; am Ufer des Suͤdmeeres erſcheintkein Feuerberg in 220 Seemeilen Entfernung bis zum Volcan deColima. Nachdem ich, in dieſen Blaͤttern, zwiſchen der Parallelevon 8° 50′ bis 16° in einer Richtung von SO. nach NW. fuͤnfund dreißig Kegelberge genannt habe, die man im Lande fuͤrVulkane haͤlt, und von denen fuͤnfzehn unbezweifelt noch innerhalbdes letztverfloſſenen Jahrhunderts Rauch oder Flammen ausgeſtoßen,darf ich wohl die Behauptung wiederholen, daß nirgends auf demErdboden, ſelbſt Chili, den indiſchen Archipelagus und die Aleuten nicht ausgeſchloſſen, eine ſo bleibende Kommunikation durch Kluͤftezwiſchen dem Innern des Erdkoͤrpers und dem Luftkreiſe gefundenwird. Kuͤnftige Reiſende werden geognoſtiſch erforſchen, was unterden 35 ſogenannten Volcanes de Centro-America kraterloſeTrachyt-Kegel und wahre, offene Feuerberge ſind. Der neue Foͤderativ-Staat *) von Centro-Amerika beſtehtgegenwaͤrtig aus fuͤnf Republiken (Estados), von denen jede durchzwei Kammern regiert wird. Aus den Verhandlungen der konſti-tuirenden Verſammlungen im Jahr 1824 ſieht man, wie ſchwer esgeweſen iſt, nach Volkszaͤhlungen, deren die meiſten von 1776 und1778, einige von 1775, noch andere 1813 waren, uͤber die reſpek-tive Zahl der Repraͤſentanten eine Beſtimmung zu faſſen. Nachvielem Streit wurde feſtgeſetzt, daß jeder Staat eine Stimme fuͤr15000 Seelen haben ſolle, und daß demnach Guatemala mit So-conusco 36, San Salvador 18, Honduras 11, Nicaragua 13und Coſta Rica 4 Stimmen bei der eleccion de las sopremasautoridades federales haben ſollten. Dieſe Vertheilung ſetzt voraus:
*) Praͤſident der Konfoͤderation iſt gegenwaͤrtig Manuel Joſe de Arce,Vice-Praͤſident Mariano Beltranena.
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  • im Estado de Guatemala 540,000 Einw.
    • de S. Salvador 270,000 —
    • de Honduras 165,000 —
    • de Nicaragua 195,000 —
    • de Costa Rica 60,000 —
    • 1,230,000 —
Die dermalige abſolute Bevoͤlkerung der Foͤderation iſt gewißum \( \frac{1}{3} \) ſtaͤrker. Die geſetzgebende Macht hatte blos den Zweck, dierelative Bevoͤlkerung zu ergruͤnden.
  • I. Estado de Guatemala *)
    • 13 Partidos oder Departementos.
      • 1) Sacatepequez mit Hauptſtadt der Estado; Anti-gua Guatemala **); Chinauta, Palencia, Amatitlan, Ciudad-vieja, Mixco.
      • 2) Chimaltenango mit Hauptſtadt (pueblo cabecera)des Partido; Chimaltenango; ferner Comalapan, Aca-tenango, Tepan etc.
      • 3) Solola, pueblo cabecera: Solola; ferner San PedroLaguna, Chichicastenango, Potulul, Quiché, Atit-lan etc.
      • 4) Totonicapan, p. cab. Totonicapan, ferner Me-mostenango, Sta. Maria Chiquimula etc.
      • 5) Gueguetenango, p. cab. Gueguetenango, ferner San Pedro Soloma, Chiautla, Cuilco, Nevare etc.
      • 6) Quesaltenango, p. c. Quesaltenango, ferner Ostun-calco, San Marcos, Texutla, Yxtaguacan, Sunil etc.
      • 7) Suchitepequez, p. c. Mazatenango; ferner Cuin-tenango, Retalkuleu, Samaiaque etc.
      • 8) Escuuintla, p. c. Escuintla; ferner: Chipilapa, Chi-quimulilla, Cusumalguapa, Mozagua, Sucualpa etc.
      • 9) Chiquimula, p. c. Chiquimula; ferner: Quesalte-neque, Esquipulas, Jutiapa, Xilotepeque etc.
      • 10) San Agustin, p. c. San Agustin: ferner: Za-capa, Gualan, Acasaguastlan, Jalapa, Mataques-cuintla etc.
      • 13) Varapaz, p. cab. Ciudad de Coban, ferner, SanPedro, Cajaven, Languin etc.
      • 12) Salama, p. c. Chicay; ferner: Ravinal, Cubulco, Chol, Tucuru etc.
      • 14) Peten, p. c. Remedios, ferner: San Andres, SanJose, Santo Torribis etc.
  • II. Estado del Salvador.
    • 4 Partidos.
      • 1) San Salvador mit der Hauptſtadt des Staates SanSalvador; ferner: Olocuilta, Chalatenango, Metapam, Teotepeque etc.
      • 2) Sensonate, mit pueblo cabecera des partido: Sonso-nate; ferner: Villa de Santa Anna, Villa de Aguacha-pan, Dolores-Isalco, Asuncion-Isalco, Ataco, Texiste-tepeque etc.
      • 3) San Miguel, p. cab. San Miguel, ferner: Gotera, San Alexo, Usulutan, Tecapa, Chinameca, Ereguai-quin, Sesore, Anamoros etc.
      • 4) San Vicente, p. c. San Vicente; ferner: Aparte-peque, Sensuntepeque, Nonualco, Titiguapa, Ostu-ma etc.
  • III. Estado de Honduras.
    • 12 Partidos.
      • 1) Comayagua mit Hauptſtadt des Staats: Ciudadde Comayagua, ferner: Lejamani, Cururu, China-cle etc.
      • 2) Tegucigalpa p. c. Togucigalpa; ferner: Ojojana, Alugaren etc.
      • 3) Choluteca, p. cab. Choluteca; ferner: Texiguat, San Marcos etc.
      • 4) Nacaome p. cab. Nacaome, ferner: Pespire Aguan-queterique etc.
      • 5) Cantarranas, p. c. Cantarranas; ferner: Gusca-ran, Cedros, Orica etc.
      • 6) Juticalpe, p. c. Julicalpa: ferner: Catacemas etc.
      • 7) Gracias, p. c. Ciudad de Gracias, ferner: Intibu-ca, Gualcha etc.
      • 8) Los Llanos, p. c. Ciudad de los Llanos; ferner: Que-salica Ocotepeque, Guarita etc.
      • 9) Santa Barbara; p. c. Santa Barbara; San PedroQuimistan, Omoa etc.
      • 10) Truxillo p. c. Truxillo, Olanchito etc.
      • 11) Yoro, p. c. Yoro, ferner: Sulaco etc.
      • 12) Segovia, p. c. Somoto; ferner: Ocotal, Mozonte, Ticaro, Palucaguina, Pueblo nuevo, Esteti etc.
  • IV. Estado de Nicaragua.
    • 8 Partidos.
      • 1) Leon, mit der Hauptſtadt des Staats Leon; ferner Nagarote, Sauce, Somotillo etc.
      • 2) Granada p. c. Ciudad de Granada, ferner: Teurte-pit, Labizisca, Camoapa, Boaco etc.
      • 3) Managua, p. c. Managua; ferner: Tipilapa, Ma-teare, S. Pedro Metapa etc.
      • 4) Realesco, p. c. Villa de Realesco; ferner: Chinan-degar, Chichigalpa etc.
      • 5) Subtiaba, p. c. Subtiaba, ferner Telica, Quezel-guaque etc.
      • 6) Masaya, p. c. Masaya; ferner: Guinotepet, Diria, Niquinonio, Nandaime, Nindiri etc.
      • 7) Nicaragua, p. c. Villa de Nicaragua; ferner: Potosi, Nicoya, Guanacaste etc.
      • 8) Matagalpa, p. c. Matagalpa, ferner: Sebaco, Mui-mui, Guinotepe etc.
  • V. Estado de Costa--Rica *).
    • 8 Partidos.
      *) Redactor General de Guatemala. Jun. 12 de 1825 n. 1. p. 4.
      |149|
      • 1) San Josè mit Hauptſtadt des Staates: Ciudad deSan Josè; ferner: Curridaba, Aserri etc.
      • 2) Cartago, p. c. Ciudad de Cartago, *) ferner: Que-ricot, Tobosi Cot etc.
      • 3) Ujarras, p. c. Ujarras; ferner: Orosi, Tucurique etc.
      • 4) Iscan, p. c. Iscan, ferner: Pacaca.
      • 5) Alajuela, p. c. Alajuela.
      • 6) Eredia, p. c. Eredia; Barba etc.
      • 7) Bagasu, p. c. Bagasu; Espaésa, Cañas etc.
      • 8) Boruca, p. c. Boruca; Terraba etc.
Die Hauptſtadt des ganzen Foͤderativ-Staates, Neuguate-mala, genießt eines milden, uͤberaus anmuthigen Klima’s, wel-ches man mit dem Klima von Caracas und Popayan vergleichenkann. Der mittlere Barometer-Stand in dieſer ſchoͤnen Stadt iſtleider noch unbekannt, aber nach der Temperatur zu urtheilen,muß die Hoͤhe uͤber dem Meeres-Spiegel gewiß 600 Toiſen uͤber-ſteigen. **) Der ehemalige Praͤſident des Regierungs-Ausſchuſſes, Joſedel Valle, ſchreibt mir: „von der Natur iſt mein Vaterland„mehr noch als Mexiko beguͤnſtigt. Statt daß jenes Land faſt„uͤberall auf der Hochebene, wie Alt-Spanien von der Duͤrre„leidet, ſo iſt unſer Centro-Amerika von vielen herrlichen, leicht„ſchiffbar zu machenden Stroͤmen durchwaͤſſert. Die Pflanzen-„decke, mit der der Boden geſchmuͤckt iſt, ſcheint mir eines uͤppi-„geren Wuchſes als in Mexiko. Haͤtten Sie mein Vaterland be-„ſuchen koͤnnen, oder thun Sie es einſt noch, ſo werden Sie hier„uͤber die Erſtreckung der temperirten Zone (was wir tierras tem-pladas nennen) erſtaunen: aber dieſe Ebenen mittlerer Hoͤhe bil-„den weniger ein Ganzes und ſind oͤfterer durch Thaͤler durch-„ſchnitten. Wir beſitzen Haͤfen an beiden Meeren, und ſoll-„ten dieſe Meere durch einen Kanal bei Nicaragua (uͤber den Sie„wahrſcheinlich ſchon viele Dokumente beſitzen) einſt verbunden„werden, ſo muß unſer Freiſtaat, in der Mitte von Amerika ge-„legen, den Handel der Antillen an den Handel von Sina und
*) Das Klima von Kartago iſt kaͤlter als das von Nueva Guatemala;wahrſcheinlich liegt die Stadt hoͤher uͤber dem Meeresſpiegel.**) Musa mit eßbaren Fruͤchten waͤchſt nicht um Nueva Guatemala, deſ-ſen Hoͤhe vielleicht zwiſchen die Hoͤhen von Xalapa und Puebla faͤllt.
|150| „den indiſchen Archipelagus knuͤpfend, dazu gelangen, eine wich-„tige Stelle in der Reihe der Nationen einzunehmen. Leider ſind„wir bis jetzt ganz in der Schattenſeite unſers Planeten geblie-„ben und wenn ich einen Blick auf die Karten werfe, die zu uns„aus Europa heruͤberkommen, ſo finden wir mit Muͤhe in dem„verzerrten Bilde des Landes, die Bergketten und Fluͤſſe und die„Namen unſerer volkreichſten Staͤdte. Als ich im Jahr 1823 die„Hauptſtadt Mexiko verließ, hoffte ich Ihren laͤngſt geaͤußerten„Wunſch, daß doch endlich einmal die Gebirge von Oaxaka undGuatemala gemeſſen werden moͤchten, durch eigene Bemuͤhungen„zu erfuͤllen. Ich hatte mich mit einem guten Barometer und„Thermometern verſehen. Leider zerbrach das Barometer ſchon inVenta ſalata, und es blieb mir nur uͤbrig, nach der Methode,„welche ihr gelehrter Freund Caldas mit Ihnen in Suͤdamerika „oft angewandt hat, durch Beſtimmung des Suͤd-Punktes, die„Hoͤhen annaͤhernd zu beſtimmen. Dieſe Temperatur-Beobachtun-„gen hoffe ich Ihnen bald zu ſenden.“
Ein Theil des Landes von Mittel-Amerika, beſonders in derProvinz Queſaltenango, welche jetzt ein Departemento des Staatsvon Guatemala bildet, giebt von Waitzen und von allen andernCerealien die reichſten Aernten. Ja im Departemento de Solola und in einem Theil des jetzt zu Mexiko geſchlagenen Staats von Chiapa, ſind bewohnte Gebirgs Ebenen, ſo hoch, daß man ſiebisweilen ſtundenlang mit Reif (escarcha) bedeckt ſieht. Da die Hauptſtadt von Mittel-Amerika nicht zwei Mal,wie man gewoͤhnlich glaubt, ſondern vier Mal ihren Sitz veraͤn-dert hat, und da ſtets in den alten Wohnplaͤtzen eine gewiſſeVolksmenge zuruͤckgeblieben iſt; ſo ſind durch dieſe Veraͤnderungender Aehnlichkeit der Namen wegen, viele geographiſche Verwirrun-gen entſtanden. Nachdem Pedro de Alvarado *) den 14ten Mai 1524 nacheiner großen Schlacht Herr des Landes geworden war, waͤhlte erendlich den Ort, welchen die Eingebornen Tyacuaba, die Mexika-ner aber in aztequiſcher Sprache Almolonga (Waſſerſtrom) nann-
*) Die aͤlteſte Stadt in der Republik von Centro-Amerika iſt Kartago im Staat von Coſta-Rica. In den Archiven von Kartago werden nochDokumente von 1520 aufbewahrt.
|151| ten, und gruͤndete dort (Nov. 1527) nahe an dem Waſſer-Vulkan die Hauptſtadt, welche damals Santiago de los Caballeros deGuatemala hieß, jetzt aber Ciudad Vieja genannt wird. Waſſer,welche von dem Vulkan am 11ten September 1541 herabſtroͤm-ten, Baͤume und Felſen mit ſich fortreißend, richteten ſo viel Un-heil an, daß die Hauptſtadt eine Meile nordoͤſtlicher verlegt wur-de. Ein Theil der Einwohner blieb in dem alten Sitze bis 1776,wo ihre Zahl ſich ſehr verminderte, weil nahe bei der Nueva Gua-temala ſich ebenfalls unter dem Namen Ciudad Vieja eine kleineOrtſchaft bildete. Gegenwaͤrtig ſind in Almolonga noch 2500 In-dier uͤbrig geblieben, welche ſich ruͤhmen, von den Huͤlfstruppender ſpaniſchen Sieger, den Mexikanern und Tlaxkalteken abzuſtam-men. Sie ſind, wie die Ingebornen von Cholula und Tlaxcala,wegen ihres Ahnenſtolzes beruͤhmt. —
Die zweite Hauptſtadt (der Zeitfolge nach gerechnet) wirdjetzt Antigua Guatemala genannt, ſie iſt Hauptſtadt, nicht derKonfoͤderation, ſondern des Staates von Guatemala, und liegtin einer herrlichen, uͤberaus bewohnten Ebene, Valle de Panchoy.Leider iſt dieſe Ebene von ſchrecklichen Erdbeben heimgeſucht, derenvon 1565 bis 1773, zehn furchtbare gezaͤhlt wurden. Das letzteErdbeben vom Jahr 1773 zerſtoͤrte einen großen Theil der Stadtund die Mehrzahl der Einwohner, theils aus eigenem Beſchluß,theils einem ſtrengen koͤniglichen Befehle (vom 21ſten Juli 1775)folgend, gruͤndete, neun Meilen weiter gegen Nord-Weſten (alſovon dem ſogenannten Waſſer-Vulkan weiter abſtehend) die dritteoder jetzige Konfoͤderations-Hauptſtadt unter dem Namen la NuevaGuatemala de la Aſuncion de Nueſtra Seora. Sieben bis acht-tauſend Einwohner blieben in der Antigua Guatemala, welche 1799zu einer Villa erklaͤrt wurde, zuruͤck. Die Gruͤndung der NuevaGuatemala in dem Theile des Thals von Mixco, welches Llanode la Virgen genannt wird, kam erſt 1776 zu Stande. Die Ge-beine des beruͤhmten Conquiſtador, Pedro de Alvarado, blieben inder Antigua Guatemala. Die fuͤr den Handel wichtigſten Produkte des Ackerbaues von Guatemala ſind Indigo, Kochenille, Kakao und Tabak. Der In-digo aus dem Staate von San Salvador wird fuͤr den ſchoͤnſtender Welt gehalten. Er wird meiſt durch freie Haͤnde gebaut; denndie Zahl der Neger-Sklaven iſt gluͤcklicherweiſe von jeher ſehr |152| gering geweſen. Seit der Erklaͤrung der Independenz ſind alleSklaven in Freiheit geſetzt worden; der Staat verſprach den Ei-genthuͤmern den Kaufpreis zu erſetzen, aber die reichern Buͤrgerſind edel und uneigennuͤtzig genug geweſen, dieſen Erſatz nicht an-zunehmen. Folgende Tabelle, die im verfloſſenen Jahre in einerZeitung von Guatemala ( Redactor general vom 13ten Juli 1825, p. 21) bekannt gemacht worden iſt, giebt genau die Ausfuhr desIndigo’s von 1794 bis 1802 an. *) Das Schwanken der Zah-len ruͤhrt nicht ganz von der ungleichen Kultur her, ſondern iſtzum Theil Folge des geſtoͤrten Handels-Verkehrs geweſen. Langehat die immer zunehmende Einfuhr des Indigo’s aus Oſtindien derExportation von San Salvador geſchadet. Sie war zwiſchen1815 und 1820 jaͤhrlich nicht 3000 tercios oder 450,000 Pfund.Jetzt aber, da die Indigo-Preiſe wieder im Steigen ſind, ſchreibtmir ein ſehr gebildeter und erfahrner Kaufmann von Guatemala,Herr Garcia de Granados, daß die Indigo-Kultur in ſeinem Va-terlande in dem ſchoͤnſten Flor iſt. Man rechnet die jaͤhrliche Aus-fuhr zu 1,800,000 Pfunden ſpaniſches Gewichts; denn man fuͤhrtuͤber 12,000 tercios, (jedes zu 150 Pfunden oder 6 arrobas), undein Pfund Indigo koſtet gegenwaͤrtig im Durchſchnitt 9 reales deplata oder 1\( \frac{1}{8} \) Piaſter, ſo daß die Indigo-Ausfuhr an 2,025,000Piaſter betraͤgt. In einem neuerlichſt erſchienenen Aufſatze, **) den man Herrn Joſe del Valle zuſchreibt, wird, mit dem Schleich-handel, die Indigo-Ausfuhr jetzt gar zu 3 Millionen Piaſter ange-ſchlagen. Die Pflege des Kochenille-Inſektes iſt ganz neu in dem Frei-ſtaate von Guatemala. Erſt ſeit 1812 hat man angefangen Nopal-
*) Ausfuhr des Indigo’s (anil) von Guatemala:
  • 1794 _ _ 592,262 Pfund _ _ 641,393 Piaſter.
  • 1795 _ _ 1.108,789 — _ _ 1.066,786 —
  • 1796 _ _ 1.184,201 — _ _ 1.369,881 —
  • 1797 _ _ 159,665 — _ _ 211,650 —
  • 1798 _ _ 151,317 — _ _ 141,859 —
  • 1799 _ _ 533,637 — _ _ 469,592 —
  • 1800 _ _ 450,606 — _ _ 398,096 —
  • 1801 _ _ 331,897 — _ _ 332,063 —
  • 1802 _ _ 1.479,641 — _ _ 1.921,356 —
**) Ocios de los Españoles emigrados 1826. p. 2.
|153| Pflanzungen in der ſchoͤnen temperirten Ebene um die Stadt Anti-gua Guatemala anzulegen, und die kleinen Thiere aus der mexika-niſchen Provinz Oaxaka heruͤberzubringen. Das Klima dieſes Hoch-landes iſt dem neuen Zweige der Induſtrie uͤberaus guͤnſtig gewe-ſen. Die Nopal-Pflanzungen nahmen ſeit 1822 mit ſolcherSchnelligkeit zu, daß im Jahre 1824 bereits 50 tercios (zu 150Pfunden), im Jahr 1825 gar 600 tercios geaͤrntet wurden.Man hofft bald bis 300,000 Pfund zu erlangen. Ein Pfund wirdzu 3 Piaſter verkauft, ſo daß die Ausfuhr der Kochenille von Gua-temala, welche noch 1812 ganz unbekannt war, jetzt ſchon 400,000Piaſter betraͤgt. In einem Jahr hat man zwei Aernten und in derRegenzeit braucht man hier nicht mit der jungen Inſekten-Brut diebeſchwerlichen Reiſen vorzunehmen, die ich in meinem Werke uͤber Neu-Spanien beſchrieben habe. Oaxaka aͤrntete in den letzten Jah-ren 4000 zurrones oder 800,000 Pfund Kochenille.
Der Kakao von Soconusco, Suchiltepeque und Gualan (bei Omoa) hat den Vorzug vor allen Sorten, welche man kennt, ſelbſtvor den von Esmuraldes in der Provinz Quito und vor dem von Uritucu und Capiriqual in Venezuela. Aber der treffliche Kakao von Soconusco wird faſt allein in Guatemala verzehrt. Er iſt kein eigent-licher Handelsartikel und nur kleine Quantitaͤten davon wurden (wievon der China-Rinde in Loxa) an den ſpaniſchen Hof geſandt. — Der Tabak von Guatemala ſteht an Vortrefflichkeit dem In-digo, der Kochenille und dem Kakao nicht nach. Die beruͤhmteſtenArten von Tabak ſind die, welche um Iztepeque (im Staat vonSan Salvador) und bei Copan, im Staat von Honduras (unfern Omoa) gebaut werden. Rothe Farbe-Hoͤlzer, Palo bresil und bre-silette ſind ebenfalls wichtige Handels-Artikel in dem Staate von Nicaragua. Tannen-Waͤlder ſchmuͤcken die Hoͤhen von Guatemala und die Mexiko’s; gegen Oſten zu ſteigen ſie ſogar an den Meerbuſenvon Izaval bis in die Ebene herab, eine ſonderbare Erſcheinungder Tropen-Vegetation, die ſich in dem ſuͤdlichen Theile der InſelCuba und auf niedrigen Huͤgeln der Isla de Pinot wiederfindet.Dieſe Tannen (wahrſcheinlich Pinus occidentalis) geben im Frei-ſtaat von Guatemala viel Theer und Pech, (brea und alquitran)zwei Produkte, welche aus dem Hafen von Sonzonate, durch dasſtille Meer, zum Schiffbau nach Guayaquil ausgefuͤhrt werden. Das Land iſt wegen ſeiner Lage zwiſchen zwei Meeren, wegen |154| ſeiner geringen Breite und ſeiner vielen, leicht ſchiffbar zu machen-den Stroͤme und ſchoͤnen Haͤfen vortrefflich zum Handel gelegen.Der eigentliche Sitz der Kultur (und dieſer wenig beachtete Umſtandiſt in politiſcher Hinſicht uͤberaus wichtig) liegt dem ſtillen Ozean naͤher, und iſt daher wie Quito, Peru und Chili mehr zur Ver-bindung mit dem oͤſtlichen Aſien als mit dem alten Kontinentgeeignet. Dieſer weſtliche Sitz groͤßerer Landes-Kultur wird indeßwegen des langen Berg-Ruͤckens, der ſich quer durch das Landvon Suͤd-Oſten gegen Nord-Weſten hinzieht und die columbi-ſchen Andes von Veragua mit den mexikaniſchen Andes von Chiapa und Oaxaca verbindet, fuͤr die Ausfuhr inlaͤndiſcher Produkte unddie Einfuhr europa’ſcher Waaren etwas unbequem. GluͤcklicherWeiſe dringen Meerbuſen und Stroͤme tief gegen den oͤſtlichenAbfall ein, und da der Bergruͤcken haͤufig durch Querthaͤler ge-trennt iſt, ſo wird es dem neuen Gouvernement leicht ſein, denVerkehr zwiſchen den weſtlichen und oͤſtlichen Provinzen durch Stra-ßenbau herzuſtellen. Die fuͤr den Handel einſt wichtig werdendenStroͤme ſind der Motagua und Polachic in dem Staate von Gua-temala; der Ulua, Lean und Chamelecon in dem Staate Hondu-ras, der Lempa und Rio de la Paz in dem Staate von SanSalvador. Die beruͤhmteſten Haͤfen ſind an der oͤſtlichen Kuͤſte: Omoa, Truxillo, San Juan del Norte und Matina oder Moin:an der Weſtkuͤſte Michatoya wo Pedro Alvarado ſeine Schiffebaute, Iztapa, Sonſonate, Realexo Nicoya, Puerto de la Cule-bra *) und Conchagua. Leider ſind die beiden der Hauptſtadtam naͤchſten liegenden Haͤfen, Iztapa und Michatoya, jezt ſehrverſandet und durch Barren verſperrt. Der Handel von Guatemala oder vielmehr die Einfuhr euro-paiſcher Produkte durch die oͤſtliche Kuͤſte geſchieht auf zwei We-gen; entweder werden die Waaren von Omoa nach San Felipe,wo der Rio Iſaval ſich in die Lagune einmuͤndet, gefuͤhrt; dannuͤber die Lagune nach Gualan geſchifft und von da zu Lande nach Acaſaguartlan und Nueva Guatemala. Dies iſt der alte Weg,den man auch den der Lagune oder des Golfo dulce nennt. Derneuere Weg geht von dem Hafen von Omoa nach der Muͤndung
*) Kleinere Haͤfen des Staates von Nicaragua ſind: el Conejo, SanJuan del Sur, Brito, Tamarindo und Eſtero Real.
|155| des Rio Motagua oder Gualan, dann dieſen Fluß aufwaͤrts, jenachdem es die Tiefe erlaubt, bis zu dem Dorfe Gualan, oderbis Acaſaguaſtlan. Bisher werden beide Wege fuͤr Ein- und Aus-fuhr der Waaren benutzt. Man hat den Plan, auf dem Rio deMotagua Dampfboote anzulegen, aber des Fluſſes ſehr kundigeMaͤnner halten die Ausfuͤhrung wegen oft eintretender Duͤrre ſehrſchwierig. Vielleicht waͤre neben dem alten, ſich kruͤmmenden,allzubreiten und darum oft waſſerleeren Bette ein ſchmalerer kuͤnſt-licher Kanal anzulegen.
Die Maͤnner, welche an der Spitze der Republik Guatemala ſtehen, kennen die Vortheile und die politiſche Wichtigkeit einerMerresverbindung in ihrem Lande. Der Iſthmus von Nicaragua liegt zwiſchen dem von Panama und Guaſacualco. In dem erſtenglaubt man jetzt ziemlich allgemein, daß der Rio Chagres bei Cru-ces nur durch eine Eiſenbahn (rail-way) verbunden werden kann.Die Schwierigkeiten zwiſchen dem Rio Guaſacualco und dem RioChimalapa hat (zufolge der neueſten Briefe, welche ich von demStaatsminiſter Lucas Alaman erhalten) der Oberſt Obregoſo durchBarometer-Meſſungen groͤßer gefunden als man in Mexiko glaubte.Alle Augen der handelnden Welt ſind alſo mit Recht auf denſchiffbar zu machenden Rio San Juan, auf den See von Nica-ragua, der 88 ſpaniſche Fuß Tiefe hat, und auf die Landenge,zwiſchen der Stadt Nicaragua, und dem Puerto de San Juandel Sur gerichtet. Der Boden des Sees Nicaragua iſt noch 46ſpaniſche Fuß uͤber der Oberflaͤche des ſtillen Meeres erhaben, wie ichvor kurzem erſt durch ein mir von dem großen Geographen Don FelipeBauza mitgetheiltes Dokument, durch ein Nivellement des IngenieursGaliſteo um 1781 in Erfahrung gebracht habe. Keine hohe Berg-kette hindert den ozeaniſchen Kanal zwiſchen den Kakao-Pflanzun-gen von Nicaragua. Aber die Dokumente, welche ich uͤber dieſenGegenſtand beſitze, werde ich beſſer im Zuſammenhange mit ande-ren Projekten in einer andern Abhandlung zuſammenſtellen. Manſchaͤtzt in dem gegenwaͤrtigen Zuſtande der Unkultur von Mittel-Amerika die ganze Einfuhr (den Werth europa’ſcher Beduͤrfniſſe)auf 1,800,000 Piaſter, von denen fuͤr 700,000 Piaſter Waarendurch die weſtlichen am Ufer der Suͤd-See gelegenen Haͤfenkommen. Die Mineralreichthuͤmer des neuen Foͤderativ-Staates von |156| Centro-Amerika ſind bisher noch wenig bekannt. In dem nahenmerikaniſchen Staate von Oaxaka brechen gediegen Gold und ſil-berreiche Fahl-Erze in Gneiß- und Granit-Gebirgen auf Gaͤngenein. Dieſe uranfaͤnglichen Gebirge ſetzen Zweifels ohne gegen S. in die Staaten von Chiapa und Guatemala uͤber. Vielleicht ſinddie vulkaniſchen Trachyt-Kegel aus dem Granitgebirge ſelbſt, dasſich von dieſen Kegeln oͤſtlich hinzieht, ausgebrochen; vielleicht aberauch (ſo ſcheint es mir), nach einigen Angaben in neueren Brie-fen, iſt der Reichthum edeler Metalle hier, wie in einem Theilevon Mexiko (z. B. Real del Monte und Villalpando), in Gruͤn-ſtein und Syenit-Porphyren enthalten; dies alles werden die Rei-ſenden, welche jetzt das Land durchſtreichen, um fuͤr Rechnung eng-laͤndiſcher Handelshaͤuſer Kontrakte mit den Beſitzern alter Bergwerkezu ſchließen, bald aufklaͤren. Bis zum Jahre 1787 praͤgte die meiſtmuͤßig ſtehende Muͤnze von Guatemala jaͤhrlich kaum 200,000Piaſter; jetzt iſt die Gold- und Silber-Ausbeute ſchon 600,000Piaſter und ſie bleibt im Steigen. Beſonders hat der Reichthuman gediegenem Gold (theils in Waͤſchen oder Seifwerken, theilsauf Gaͤngen) in dem Staate von Coſta Rica betraͤchtlich ſeit 1822zugenommen. Man verſichert, daß bei Gelegenheit eines großen Erdbe-bens, an dem der Volkan von Carthago Theil gehabt habenmag, durch Niederſtuͤrzen ganzer Felsſchichten viele reiche Erz-mittel entdeckt worden ſind. Im Staate von Honduras ſind diealten Gold- und Silberbergwerke ein Corpus in dem Diſtrikte Choluteca und von Tegucigalpa und Mecualizo in dem Di-ſtrikte von Comayagua noch immer ſehr ergiebig. Die Grube Tabancos, nahe bei dem ſchoͤnen Meerbuſen von Conchagua hatneuerlichſt von England aus eine Feuermaſchine erhalten, welcheum ſo mehr Aufmerkſamkeit verdient, als ſie an die Kuͤſte der Suͤdſee durch den Rio San Juan und den See von Nicaragua gekommen iſt. Man hat ſie naͤmlich an dem weſtlichen Ufer desSees nahe bei dem Vulkan Mombacho ausgeladen und ſo durchdie Stadt Granada dem Bergwerke zugefuͤhrt. Ueber den Staat von Nicaragua haben wir neuerlichſt durchden Gouverneur des Landes, den General Miguel Gonzalez Sara- |157| via, intereſſante ſtatiſtiſche Nachrichten erhalten. *) Eine Volks-zaͤhlung vom Jahr 1813, die freilich ſehr unvollkommen war, gabein Reſultat 149,750 Inwohnern. Im Jahr 1824 ſchien dieſeZahl bis 174,200 geſtiegen zu ſein. Der groͤßte Theil davon iſtin einer Zone zuſammengedraͤngt, die ſich von dem Viejo bis Nicaragua erſtreckt. In den einzelnen Staͤdten zaͤhlt man: in Leon 32,000; in Granada 10,200; in Nicaragua, oder wie man dieStadt ſonſt nennt, Villa de la Puriſima Concepcion de Rivas 13,000 und wenn man das nahe Dorf San Jorge und andereVorſtaͤdte mitrechnet, 22,000; Maſaya mit ſehr lebhaftem Handel10,000; Managua 9500; Subtiaba 5200, meiſt Indier; Chinan-dega, nahe bei dem ſchoͤnen Hafen von Realejo, 5400 Inwohner.Der Hafen Realego iſt durch den Zuſammenfluß von vielen kleinenGewaͤſſern gebildet und, gegen das ſtille Meer hin, durch die zweiInſeln Carton und Caſtannon vor Wellenſchlag und Sturm ge-ſchuͤtzt. Der Weg von Realejo bis Leon iſt 15 Leguas lang, iſtvollkommen eben und fahrbar. Auf dem kleinen Huͤgel Cerillo deSan Pedro bei der Stadt Leon iſt das Meer ſichtbar und da daſ-ſelbe kaum 2 Leguas entfernt iſt, ſo hoͤrt man auf dem Huͤgelbisweilen ſelbſt das Toben der Wellen. Das Klima in dieſenGegenden iſt ſehr heiß und vom September bis zum Novembermeiſt fieberhaft, beſonders in Leon, Realejo und bei dem ganzunbewohnten Rio San Juan. Kuͤhlere Gegenden finden ſich blosin den Diſtrikten von Nueva Segovia und Matagalpa. Derbetraͤchtlichen Hoͤhe wegen wird das Dorf Xinotega ſelbſt kaltgenannt, und der Diſtrikt von Maſaya gehoͤrt zur Tierra templada.Unter der alten ſpaniſchen Botmaͤßigkeit, am Ende des vorigenJahrhunderts, wurde die Ausfuhr der Produkte der Provinz Nica-ragua auf 570,000 Piaſter geſchaͤtzt, von denen der Kakao220,000 P., der Indigo 160,000 P., Faͤrbeholz (Brasilete)3000 P., Theer und Pech 10000 P., Perlen 5000 Piaſter betrugen.Zwei große Seen, von denen der eine ein Mittelmeer bildet, ebeneStraßen, welche uͤberall von Honduras bis zu dem Golf vonAmalaca fuͤr Frachtwagen fahrbar ſind, geben dem Staate von
*) Bosquejo politico y estadistico de Nicaragua formado por el Generalde Brigada Dn. Miguel Gonzalez de Saravia en el año de 1823 im-preso en Guatemala en 1824.
|158| Nicaragua *) große Leichtigkeit zum inneren Handelsverkehr. DieHauptrichtung zu Ein- und Ausfuhr der Waaren iſt jetzt von der Stadt Granada uͤber den See von Nicaragua bis zur kleinenFeſtung von San Carlos, ſechs Tagereiſen, und von da den RioSan Juan herab bis zum antilliſchen Meere, vier Tagereiſen.Der Ruͤckweg ſtromaufwaͤrts dauert 12 Tage. Die oͤffentlichenEinkuͤnfte der beiden Provinzen Nicaragua und Coſta Rica warennach Abzug von 30000 Piaſtern Hebungskoſten, nach einem Durch-ſchnittsjahr von 1815 bis 1819, an 146,000 Piaſter, die abernoch nicht zu der Unterhaltung des Militaͤrs, der kleinen Feſtungs-werke und anderer Staatsausgaben hinreichten.
In Hinſicht auf Ackerbau und Kultur der Kolonialproduktehat in dieſen letzten Jahren der Staat von Honduras vorzuͤglichdie Aufmerkſamkeit der Fremden auf ſich gezogen. Dort ladendie Ufer des Rio Ulua zum Anbau von Zuckerrohr und Kaffeeein. Reiſende, welche die ſchoͤnſten Fluren der Inſel Cuba unddieſen Theil des Staats von Honduras kennen, ſind der Meinung,daß der letztere in ſeinen waſſerreichen Gefilden und ſeinem Reich-thum an Rindvieh viele Kolonialprodukte wohlfeiler wird liefernkoͤnnen als die Antillen. Zwei betraͤchtliche Stroͤme, der RioComayagua und Rio Chamelecon bilden durch ihre Vereinigungbei dem Dorfe Santiago (32 Leguas noͤrdlich von der Stadt Valladolid oder Comayagua) den Fluß Ulua. Dieſer durchlaͤufteine fruchtbare Ebene von 40 Meilen Laͤnge und ſeine Waſſer-menge iſt ſo betraͤchtlich, daß Fahrzeuge von 70—100 Tonnen,welche eigends zu dieſer Schifffahrt gebaut ſind, bis zu dem Dorfe Santiago aufwaͤrts ſchiffen koͤnnen. Unter allen Ueberbleibſeln der Kunſt und fruͤheren Kulturamerikaniſcher Urvoͤlker verdienen ohne Zweifel die von Guatemala und dem nahe gelegenen mexikaniſchen Staate von Merida denVorzug. Sie haben einen eigenen Karakter, der ſie von allem,was ich von der aztekiſchen Bildhauerei bekannt gemacht habe,
*) Es giebt noch keinen Landweg von Carthagena oder von Choco ausnach Panama; aber Kuriere gehen zu Lande von Nicaragua uͤber Carthago und die Miſſiones de Talamanca nach Panama. Von Nueva Guatemala fuͤhrt der Landweg uͤber die Ginetta oder, umdieſen hohen Bergpaß zu vermeiden, uͤber el Chilillo.
|159| im Styl und richtigen Verhaͤltniß der menſchlichen Geſtalt, weſent-lich unterſcheidet. Es wuͤrde gegen den Zweck dieſer Blaͤtter ſein,dieſe Ueberbleibſel, oder die alte Mythe des guatemaliſchen Wodan (den man mit dem aſiaſchen Odin zu verwechſeln verſucht hat)hier kritiſch zu unterſuchen. Ich begnuͤge mich zu nennen:
  • 1) Die Ruinen der alten Ciudad del Palenque oder Culhuacan in dem Staate von Chiapa, an dem Fluß Micol, nord-weſtlich von dem indiſchen Dorfe Santo Domingo Palen-que in der ehemals ſogenannten Provincia Tzendales. Unter der Regierung Koͤnigs Karls des Dritten wurde von Madrid aus dem Artillerie-Kapitaͤn Antonio del Rio imJahr 1786 der Befehl ertheilt, dieſe Ruinen, welche mehreMeilen im Umfang haben, zu unterſuchen und abzubilden.Ein Theil ſeiner Arbeit iſt gluͤcklicherweiſe nach Englandgebracht und dort unter dem Titel: Description ofthe ruins of an Ancient City discoverednear Palenque in the Ringdom of Guate-mala by Captain Ant. del Rio with notesby Doctor Paul Felix Cabrera. (Lond. 1822.) bekannt gemacht worden. Ein Basrelief, auf welchem einKind einem Kreuze geweiht wird, die ſonderbaren Koͤpfemit großer Naſe und zuruͤckgeworfener Stirn, die caligulae nach roͤmiſcher Art zur Fußbekleidung, die auffallendeAehnlichkeit mit indiſchen Gottheiten, welche mit unterge-ſchlagenen Beinen ſitzen, und die etwas ſteifen, aber inrichtigen Verhaͤltniſſen gezeichneten Figuren *) muͤſſen jedem,der ſich mit der Urgeſchichte der Menſchheit beſchaͤftigt, einlebhaftes Intereſſe einfloͤßen. Vor wenigen Tagen hat Hr. Latour Allard (aus Neu-Orleans) eine neue Sammlungvon Zeichnungen der Ruinen des Palenque aus Mexiko
    *) Ein ſehr merkwuͤrdiges Fragment dieſer Art habe ich ſelbſt zuerſtunter dem Namen Relief trouvé à Oaxaca abgebildet in Vues desCordilleres et Monumens des Peuples indigenes de l’Amerique. Tom. I.p. 151. (Pl. XI. der ed. in Folio.) Am Schluß des Werkes (Tom. II.p. 392.) iſt bemerkt, daß das Fragment den Alterthuͤmern von Gua-temala zugehoͤrt.
    |160| nach Paris gebracht. Dieſe Zeichnungen ſind die Fruͤchteder Reiſe des Hauptmanns Dupe, eines mexikaniſchenAlterthumsforſchers, mit dem ich mehre intereſſante Exkur-ſionen gemacht. Ich beſitze ſelbſt eine Zeichnung von derAnbetung eines heiligen Kreuzes aus dem Palenque,von denen, die in dem englaͤndiſchen Werke abgebildet ſind,ganz verſchieden.
  • 2) Die Ruinen eines mit Bildſaͤulen gezierten Tempels von Copan und die mit Saͤulen gezierte Hoͤhle von Tibulca in dem Staate von Honduras. Die Figuren ſollen einigeAehnlichkeit mit europa’ſcher Kleidung haben, ob es gleichganz unwahrſcheinlich iſt, daß ſie nach der Ankunft derSpanier in Stein gehauen worden ſind. —
  • 3) Die Ruinen der Inſel Peten, mitten in der Laguna vonItza, auf der Graͤnze zwiſchen Verapaz, Chiapa und Yu-catan. Dieſe Inſel iſt von den Spaniern befeſtigt worden,und war ein alter Wohnſitz der ſehr gebildeten Nation Itzaix.
  • 4) Die Ruinen der Stadt Utatlan, gegenwaͤrtig Santa Cruzdel Quiche genannt. Dieſe Ruinen bezeugen die wunder-bare Groͤße der guatemaliſchen Bauwerke, die man nurmit denen von Mexiko und Cuzco vergleichen kann. Dereine Pallaſt der Koͤnige von Quiche war 728 geometriſcheSchritte lang und 376 ſolcher Schritte breit.
  • 5) Die Ruinen der alten Feſtungen Tepanguatemala, Mixco, Paraxquin, Socoleo, Uſpantlan, Chalchitan u. ſ. w.
Das ſind die Nachrichten, welche ich uͤber den Freiſtaat von Centro-Amerika bisher habe ſammeln koͤnnen. Das Land, mitden herrlichſten Naturerzeugniſſen ausgeſtattet, iſt dem europa’ſchenHandel faſt noch uneroͤffnet. Seine Ingebornen, die ſogenanntenkupferfarbnen Indier, ſind arbeitſamer und gebildeter als inirgend einem andern Theile des ſpaniſchen Amerika’s, ſelbſt Cuzco und Michoacan nicht ausgeſchloſſen. Die politiſche Freiheit iſtohne alle innere Erſchuͤtterung erlangt worden, da kaum einigehundert regulaͤre Truppen im Lande waren. Die kleinen Graͤnz-ſtreitigkeiten mit Mexiko wegen Chiapa und mit Colombia wegender Mosquitokuͤſte koͤnnen leicht beigelegt werden. Nationalrivali- |161| taͤt und boͤſen Erinnerungen an die Uebel, welche Iturbide’s Par-tei in Guatemala angeſtellt haben, machen den Foͤderal-Kongreßgeneigter fuͤr die colombiſchen als fuͤr die mexikaniſchen Nachbaren.Das hoͤchſte Staatsintereſſe iſt, den ſchoͤn bebauten weſtlichen Theildes Landes mit der oͤſtlichen Kuͤſte durch Erleichterung der Fluß-und Kanal-Schifffahrt in naͤhere Verbindung zu ſetzen.