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Titel Ueber die Gestalt und das Klima des Hochlandes in der iberischen Halbinsel. (Auszug eines Schreibens an Herrn Professor Berghaus)
Jahr 1825
Ort Stuttgart; Tübingen
Nachweis
in: Hertha, Zeitschrift für Erd-, Völker- und Staatenkunde 4:1 (1825), S. 5–23, Tafel.
Postumer Nachdruck
Briefwechsel Alexander von Humboldt’s mit Heinrich Berghaus aus den Jahren 1825 bis 1858, 3 Bände, Leipzig: Hermann Costenoble 1863, Band 1, S. 18–48.
Sprache Deutsch
Schriftart Fraktur
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: IV.57
Dateiname: 1825-Ueber_die_Gestalt-1
Statistiken
Seitenanzahl: 19
Spaltenanzahl: 2
Zeichenanzahl: 34621
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Weitere Fassungen
Ueber die Gestalt und das Klima des Hochlandes in der iberischen Halbinsel. (Auszug eines Schreibens an Herrn Professor Berghaus) (Stuttgart; Tübingen, 1825, Deutsch)
Sur la forme et le climat du plateau de la presqu’île ibérique. (Hertha; 1re ann., vol. 4, cah. I, p. 5) (Paris, 1826, Französisch)
Forme et climat du plateau de la presqu’île Ibérique (Paris, 1827, Französisch)
|5|

Ueberdie Geſtalt und das Klimades Hochlandes in der iberiſchen Halbinſel, vonA. v. Humboldt. (Auszug eines Schreibens an Herrn Profeſſor Berghaus.)


An dem weſtlichſten Ende von Europa, auf drei Seitenvom Meere umfloſſen, erhebt ſich die Hochebene von Spa-nien, ein wahres Tafel-Land *), faſt ununterbrochenzwei tauſend zwei hundert pariſer Fuß hoch, und 4200 geo-
*) Hochland dem Flachland entgegengeſetzt ( Ritters Erd-kunde-Theil 1. §. 2. Erlaͤut. 2.) deutet eben ſo gut auf Ge-birgs-Stoͤcke und Ketten, als auf Hochebenen [hautes plaines].Um eine Erhabenheit von großem Umfange zu bezeichnen, inder, wie in Spanien und Mexiko, Gebirge aus weit ausgedehn-ten zuſammenhaͤngenden Hochebenen emporſteigen, waͤre viel-leicht das Wort Tafel-Land dem englaͤndiſchen table-land nachzubilden. Wir ſind laͤngſt gewoͤhnt, an der Suͤdſpitze von Afrika einen Berg nach ſeiner Form den Tafelberg zu nen-nen, und der franzoͤſiſche Ausdruck plateau iſt nach dem Ge-nius unſerer Sprache wohl am beſten durch Hochebene (imKleinen, z. B. die Hochebene von Bogota) und Tafel-Land (im Großen, z. B. die Tafel-Laͤnder von Neuſpanien und Tuͤb-bet) zu uͤberſetzen; die Finnen nennen ein plateau Maan-Selka, gleichſam den Ruͤcken der Erde. Malte Brun Ann. d. Géographie T. 19. p. 257.)
|6| graphiſche Geviertmeilen einnehmend. Eine ſolche geogno-ſtiſche Erſcheinung iſt in unſerm Welttheile uͤberaus ſelten:denn wenn auch im ſuͤdlichen Deutſchlande die baieriſchen und ſchwaͤbiſchen Hochebenen 1560 und 900 Fuß erreichen,ſo bilden jene deutſchen Laͤnder doch kein geſchloſſenes Ganze,und ſind theilweiſe durch breite Niederungen und Stromge-biete *) ausgefurcht.
Als ich im Jahre 1799 Spanien durchreiſte, um dorteine Gelegenheit zu ſuchen, mich nach der afrikaniſchen Kuͤſtezu begeben, und ſo die franzoͤſiſche Expedition in Aegypten zu erreichen, machte ich einen Verſuch, die ganze Halbinſel inder Richtung von Suͤdoſt nach Nordweſt von den Kuͤſtendes Mittelmeeres bei Valenzia bis nach den Kuͤſten des at-lantiſchen Ozeans in Galizien barometriſch zu nivelliren. La Lande ( Mem. de Paris 1776. pag. 148) hatte freilichſchon im Jahr 1776 aus einigen Barometer-Berechnungendes beruͤhmten Reiſenden und Mathematikers Don JorgeJuan geſchloſſen, daß Madrid 294 Toiſen uͤber der Meeres-flaͤche erhaben ſei; aber die Geographen hatten damals nochkeine Kenntniß von dem Zuſammenhange aller Hoch-ebenen in dem Jnnern der iberiſchen Halbinſel. Meine erſten Beobachtungen uͤber die Hoͤhen-Unterſchiede derGegend um Madrid wurden von Cavanilles in das erſteStuͤck der Annales de historia natural. Tom. I. pag. 86 eingeſchaltet, aber mit einigen ziemlich ungenauen Meſſungenunſers Landsmannes Thalacker (eines ſonſt wohl unterrich-teten Mineralogen) vermengt. Das Profil, welches dieſeHoͤhenunterſchiede angab, iſt in Labordés Werk uͤber Spanien ( Itin. descriptif de l’Espagne 1808. Tom. I.pag. CXIV. ) wiederholt, und von mir ſelbſt durch einigeBemerkungen, die ſich auf das Klima beziehen, erlaͤutertworden. Viele Jahre lang hielt ich das Manuſkript, wel-ches meine Originalbeobachtungen enthaͤlt, fuͤr verloren, und
*) K. F. Vollrath Hoffmann, Erden-Staatenkundevom Lande der Deutſchen, Thl. I. pag. 10.
|7| erſt bei meiner letzten Reiſe nach Deutſchland iſt es wiederin meine Haͤnde gekommen. Die Barometerhoͤhen dieſes Ma-nuſkripts aufs Neue berechnet und kombinirt, habe ich indem Profil der ſpaniſchen Halbinſel benutzt, welches zuerſtauf der großen Karte von Donnet und Malo ( Mapa Civily Militar de España y Portugal. Paris 1823.)und nachmals mit einigen Veraͤnderungen, in dem fuͤnftenHefte meines Reiſeberichtes ( Atlas geogr. et phys.du nouveau Continent Pl. III. ) erſchien. Seit die-ſer Bekanntmachung habe ich ununterbrochen fortgefahrendurch Korrespondenz alle Notizen einzuſammeln, welche aufdie Hoͤhenverhaͤltniſſe, und das Klima der ſpaniſchen Halb-inſel Bezug haben. Dieſe Notizen, welche nicht ohne Jn-tereſſe fuͤr das geognoſtiſche und meteorologiſche Studiumſind, werden einſt in Jhren Haͤnden, unter Jhrer Bear-beitung fuͤr die Entwerfung einer phyſikaliſchen Karte vonSpanien dienen. Moͤchten ſie ſich angereitzt fuͤhlen, unsfuͤr den weſtlichſten Theil von Europa eine ſo treffliche Ar-beit zu liefern, als wir von Jhnen uͤber die Unebenheitenvon Frankreich beſitzen. Es bedarf kaum einer Erinnerung,daß alle Nachrichten, welche ich in dieſem Berichte zuſam-mendraͤnge, (außer den Vergleichungen mit den Zahlen inAntillons zweiter Auflage der ſpaniſchen Geographie) bisherungedruckt ſind.
Mein Barometer war ein Gefaͤßbarometer nach derKonſtruktion von Ramsden, wie deren ſich Leopold vonBuch, Parrot, Oeynhauſen, Dechen und andere trefflicheBeobachter bedient haben, und wie ich es noch jetzt ſolchenReiſenden empfehle, die nicht Muße haben, ein fortinſchesBarometer mit Fußgeſtell zu gebrauchen. VergleichendeBarometerhoͤhen erhielt ich zum Theil in Valenzia durchHerrn Valenzuela, zum Theil in Madrid durch die Guͤte vonHerrn Chaix. Die Reſultate, welche ich fuͤr die richtigſtenhalte, ſind aus dieſen Vergleichungen kombinirt. Eine ſolcheArbeit iſt der Natur des Barometers nach (deſſen ſenkrechteStellung nicht immer genau genug erreicht wird) und wegen |8| Entfernung der korrespondirenden Hoͤhen, nicht mit den Ar-beiten Rammond’s und anderer neuen Reiſenden zu verglei-chen; ſie kann aber dazu dienen, eine vorlaͤufige Anſichtvon dem Hoͤhenunterſchiede in einer Laͤnge von 110 geogra-phiſchen Meilen zu geben. Ueberall, wo ich uͤbernachtet,habe ich ſorgfaͤltigſt Morgens und Abends beobachtet, und(nach Parrot’s Vorſchrift) einen Punkt auf den andern be-zogen. Am wichtigſten war mir die Hoͤhe von Madrid alseinen Zentralpunkt durch Vergleichung vieler, von einanderunabhaͤngigen, Angaben zu eroͤrtern, um alsdann in beiden Kaſtilien und bis Aſtorga hin die Ortſchaften unter unduͤber dem Horizont von Madrid zu berechnen. Madrid, nach Don Jorge Juan, wie ſchon oben geſagt,294 Toiſen, doch ohne Berichtigung der Temperatur. Beimeiner Ankunft in Madrid erhielt ich durch eigene Beobach-tung 343 Toiſen fuͤr das fehlerfreieſte Reſultat. Die fol-gende Zuſammenſtellung wird zeigen, daß dieſe Angabe nochjetzt der Wahrheit am naͤchſten iſt. Herr Bauza *) fand imJahre 1805 die mittlere Barometerhoͤhe 30 Zoll 6,4 Linien(Maß von Burgos) bei 15° des hunderttheiligen Thermo-meters: demnach wenn man das Meer zu 338,2 Linien und15° Temperatur annimmt, nach La Place 628 Mètres oder322,3 Toiſen. Antillon **) nimmt als mittlere Barometer-hoͤhe 30 Zoll 4 Linien (Maß von Burgos), alſo Hoͤhe 804Varas oder 672 Mètres oder 344 Toiſen. Vor wenigenWochen bin ich durch die Guͤte meines Freundes des beruͤhm-
*) Wenn Herr Oltmanns ein geringeres Reſultat aus Bauza’s aͤlterer Beſtimmung gezogen hat, ſo entſtand dies aus der An-nahme einer geringeren Barometerhoͤhe an der Meeresflaͤche.( Humboldts Observ. astron. T. I. p. 18. Relat. hist. T. I. p. 46 et 48 ) Eine Linie des ſpaniſchen Fußes von Bur-gos iſt genau 1\( \frac{933}{1000} \) Millimètres.**) Geografia de España p. LIII. In Cotte Memoi-res de Meteorologie. T. II. p. 412. wird der mittlereBarometerſtand von Madrid ſehr irrig zu 25 Zoll 11 Linienpariſer Maß angegeben.
|9| ten Geographen Don Felipe Bauza (der als Verbanntergegenwaͤrtig in London lebt) in den Stand geſetzt worden,die Barometerhoͤhen von Madrid monatsweiſe wenigſtens fuͤrein Jahr zu erhalten. Folgende mittlere Staͤnde ſind imJahr 1820 mit einem trefflichen Barometer von Troughton in dem Hauſe des Deposito hydrografico von Herrn Bauza beobachtet worden. Die Zahlen ſind nicht Mittel aus demhoͤchſten und niedrigſten Stande jedes Tages, ſondern Mittelaus 4 Beobachtungen (9 Uhr Morgens, 12 Uhr Mittags,2 Uhr Nachmittags und 12 Uhr Nachts), die Staͤnde ſindalle auf den Gefrierpunkt reduzirt.
|Spaltenumbruch|
  • Januar27,834
  • Februar27,833
  • Maͤrtz27,633
  • April27,617
  • Mai27,726
  • Junius27,807
|Spaltenumbruch|
  • Julius27,736
  • Auguſt27,742
  • September27,829
  • Oktober27,705
  • November27,665
  • Dezember27,791
Der mittlere Barometerſtand des Jahrs 1820 wardemnach auf dem Nullpunkt der Temperatur reduzirt,27,743 engl. Zoll oder 0 m , 70465, woraus ſich mit einermittleren Temperatur der Luft von 15° des hunderttheiligenThermometers, und bei der vorerwaͤhnten Angabe des Ba-rometerſtandes der Meere (338,2 par. Linien) *) die Hoͤhevon Madrid zu 651 Mètres oder 334 Toiſen er-giebt. Herr Bauza ſchreibt mir (Mai 1825): „Das Reſul-„tat Jhres Profils der ſpaniſchen Halbinſel ſtimmt bis auf„5 Toiſen mit dem uͤberein, welches ich aus meinen meteo-„rologiſchen Beobachtungen (von 1817—1823) ziehe, naͤm-„lich 335,2 Toiſen. Dieſe letztere Zahl, glaube ich, wird„kaum noch in der Folge eine Veraͤnderung erleiden. Als„ich in Bilbao mein englaͤndiſches Barometer mit dem,„welches Herr Ferrer beſaß, verglich, und in verſchiedenen„Tagen meine Staͤnde in Madrid mit den ſeinigen an der
*) Genau 762,92 Millimètres oder auf Null reduzirt: 760,86.
|10|kantabriſchen Meereskuͤſte kombinirte, ſo erhielten wir als„Mittelzahl 336,76 Toiſen (die einzelnen Angaben variirten„von 314 bis 347 Toiſen). Jch hoffe Jhnen in der Folge„noch korrespondirende Beobachtungen von Madrid undKadix liefern zu koͤnnen, da das Barometer von Trough-„ton, deſſen ich mich auf dem Deposito hidrografico be-„diente, mit dem Barometer von Haux in Kadir auf das„Genaueſte verglichen worden iſt.“ Mein Profil war vieleMonate fruͤher in Kupfer geſtochen, ehe ich dieſe beſtaͤtigen-den Angaben erhielt, die mir daher Freude und Beruhigunggewaͤhren. Nachdem ich auf dieſe Weiſe mich der Hoͤhe von Madrid uͤber der Meeresflaͤche vergewiſſert glaubte, indemich ſie zu 340 Toiſen annahm, ſo bin ich zu der Beſtim-mung der uͤbrigen Hoͤhen zwiſchen Valenzia und Madrid fortgeſchritten. Hier der Auszug meines Tagebuchs.
I. Zwiſchen Valenzia und Madrid. Nahe um Valenzia Aecker, wie Gartenland, bebauet.Weiter gegen Suͤden ein nackter Kalkfelſen, ſcheinbar dieſelbeFormation, welche ich bei Taragona, Oropeſa und in LaMancha erkannte und die beim Col de Ballaguer von Nagel-fluh bedeckt iſt. Alcudia, ein Dorf in der reitzendſten Lage,umher als Zierde eines Wallfahrtsorts, (im Freien) Schinusmolle, ein Baum aus der Hochebene am Guito Alginetta,65 Toiſen uͤber dem Meer. Man naͤhert ſich der Bergkette, welche in dieſem ſuͤdli-chen Theile des Koͤnigreichs Valenzia von Oſten gegen We-ſten ſtreicht. Rio de Xucar; dann Sierra de S. Anna 73 Toiſen, Kalkſtein mit einer Letten-Formation bedeckt undin dieſer das ausgehende eines maͤchtigen Gipsfloͤtzes.Dieſer Gips (unregelmaͤßig ſtreichend hor. 9,5 und 48° ge-gen Mittag fallend) koͤrnig-blaͤttrig mit Thon gemengt,ganz dem aͤhnlich, der bei Villa Rubia und in LaMancha Steinſalz enthaͤlt. Der hoͤchſte Gipfel der Sierrade S. Anna (immer uͤber dem Meere berechnet) 78 Toiſen. Der Weg ſteigt ſanft gegen die innere Hochebene von |11| Spanien. Das Gipsfloͤtz ſonderbar verwittert, beſonders da,wo es an den Kalkſtein anliegt, oder vielleicht denſelbendurchbricht. Ein kultivirtes Thal zwiſchen zwei zackichtenwaldbedeckten Kalkketten. Eine halbe Meile (Legua) vordem 53ſten Meilenſtein iſt die Ebene ſchon 116 Toiſen uͤberder Meeresflaͤche erhaben. Die Huͤgelkette neben dem Wegzieht ſich von SSW. nach NND. Venta de Moxente *), ein einzeln ſtehendes Wirths-haus, 165 Toiſen, bei dem 51ſten Meilenſtein eine ſonder-bare Zerruͤttung der Kalkſteinfloͤtze. Vier Einſchnitte, in de-nen man deutlich die herabgefallenen Felsmaſſen erkennt;dann ein ſteiler Berg, Puerto de Almanſa, 373 Toiſen.Hier gelangt man eigentlich auf das Tafel-Land (pla-teau), welches faſt ununterbrochen ſich von La Mancha durch Neu- und Alt-Kaſtilien bis in das Koͤnigreich Leon fortzieht. Die Ebene erſcheint wie ein alter Seeboden. Jn dieſer Ebene uͤberſteigt man das kleine Gebirge ElBonete (474 Toiſen). Auf dem Kalkſtein wieder einekleine Sandſtein-Formation mit Quarz-Geſchieben, Grodenvon braunem Eiſenſtein und kieſelartige Cemente von derNagelfluh-Formation der Kuͤſte wahrſcheinlich ſehr ver-ſchieden. Man ſteigt hinab von El Bonete gegen die Ventadel Rincon 458 Toiſen. Kornreiche baumloſe Ebenen der Provinz La Mancha, Albacete 341 Toiſen. Laroda 360 Toiſen. Minaya 374 Toiſen. Hier wird die Kalkſtein-Formation ſehr poroͤsfaſt blaſig dem Jurakalk, zwiſchen Streitberg und Muggen-dorf in Franken, aͤhnlich. Probencio 354 Toiſen. Pedernoſo 359 Toiſen.Viele muſchlige Hornſteingeſchiebe in Chalcedon uͤbergehend,oft traubig, ſtaͤnglich und nierfoͤrmig auf der Dammerde
*) Neben der Stadt Almanſa, ein iſolirter kaum 80 Fuß hoherKalkfelſen von den Ruinen eines alten Schloſſes malerisch be-deckt. —
|12| zerſtreut, wahrſcheinlich aus der Kalkſtein-Formation, ein Vor-kommen, den Vallecas bei Madrid analog. Um Toboſo,deſſen Name Cervantes ſo weit und ruhmvoll verbreitet hat,liegt auf dem Kalkſtein abermals eine Sandſtein-Formationmeiſt feinkoͤrnig aus runden Quarzkoͤrnern zuſammengeſetzt,aber hier und da mit grobkoͤrnigen Nagelfluhſchichten ab-wechſelnd. Dieſer Sandſtein ſcheint nicht weit verbreitet zuſein, und wegen Naͤhe des Granits von Toledo nehmen diegroßen Quarzgeſchiebe gegen Ocaña hin betraͤchtlich zu. DieSchichten ſtreichen hier, wie der Kalkſtein, in der ganzenHochebene hor. 8 — 10 und fallen, mit 8 und 9, bald ge-gen Norden, bald gegen Suͤden.
Quintanar del Orden 351 Toiſen. Umher kuͤnſt-liche Salpeterpflanzungen, koniſche Lettenhaufen, die ſich,wenn die Luft ſehr elektriſch iſt, nach ſtarkem Gewitter hier(wie in Cuyavien in Ungarn) mit Salpeter bedecken. Pul-vermuͤhlen vier Meilen davon bei Alcazard de St. Juan,wo die ſtaͤrkſte Salpeterproduktion iſt. El Coral de Al-maguer 360 Toiſen. Ocaña eine huͤbſche Stadt, 395 Toiſen. Die gleicheHoͤhe (zwiſchen 360 und 380 Toiſen), in der die ganzeFlaͤche ſich hinzieht, iſt hier, wie in Frankreich, ſehr auffal-lend. Jn dieſem letzteren Lande habe ich oft bemerkt, z. B.bei Barometer-Meſſungen zwiſchen Paris und Metz, oderzwiſchen Paris und Straßburg, daß ſelbſt da, wo die Flaͤchedurch Schluchten oder kleine Huͤgelketten unterbrochen iſt,ihre Hebung auf 50 oder 60 Meilen Laͤnge, als Flaͤche,immer daſſelbe Maximum erreicht. Setzt ein ſolchesPhaͤnomen eine Gleichheit innerer hebender Kraͤfte voraus? Eine halbe Stunde hinter Ocaña tritt man in dasweite Tajo-Thal, von einem ungeheuern Strom, von demnur einige Tropfen uͤbrig ſind, einſt ausgefurcht. Jn demThale ſelbſt feſſeln das Auge, kleine kaum 20 Toiſen hoheKalkhuͤgel, die ſich prallig inſel- und feſtungsfoͤrmig erheben,und auf allen Seiten geſtuͤrzte Schichten darbieten. Aran-juez mit ſeinen herrlichen Gaͤrten (in der heißen Jahreszeit |13| ein ſtaubiger und ungeſunder Aufenthalt) 258 Toiſen.Alle Huͤgel umher blaͤttriger Gips mit Thon durchzogen,oft 50 Lachter maͤchtig durch Kalkſteinſchichten getrennt.Viele Hoͤhlungen (Schlotten) in dem Gipſe. Das Fallender gewundenen Schichten ſcheint auch hier auf die gewalt-ſamen Hebungen hinzudeuten, deren Cauſal-Verbindung mitandern geognoſtiſchen Erſcheinungen Friedrich Hoffmann und Leopold von Buch entwickelt haben. Jn dem Thale grob-und feinkoͤrnige, oft kalkartige, Nagelfluh auf dem Kalkſteinaufgeſetzt. Dieſe merkwuͤrdige Gipsformation von Aranjuez enthaͤlt Steinſalz bei Villarubio in einem Thale, das ichvon Madrid aus beſucht habe. Das Steinſalz iſt unreinerals das von Mingranilla unfern Cabriel in La Mancha und als das von Cardona in Katalonien. Die beiden Huͤ-gelketten, welche das Thal des Tajo einſchließen, habe ichbarometriſch gemeſſen, und genau von gleicher Hoͤhe gefunden. Val de Moro mit ſchoͤnen Oelbaͤumen umgeben,317 Toiſen. Madrid zum Theil (im Retiro) auf Gips gebaut,welcher wie aller Letten umher, etwas kochſalzhaltig iſt;340 Toiſen. Jch habe in dieſem Auszuge meines Reiſe-journals alle ſyſtematiſch-geognoſtiſche Benennungen von Jura- und Muſchelkalk und buntem Sandſteine ganz ver-mieden, da jene Zeilen zu einer Zeit niedergeſchrieben wur-den, in der man noch irrig glaubte, daß alles Steinſalz (eine Formation, welche neuerlichſt eine ſo ſtarke Bewegungvon unten nach oben erlitten hat) im Zechſteine liege. II. Zwiſchen Madrid und La Corua. Escorial das Kloſter, nach meiner Beobachtung und derBarometerformel von La Place, genau 201 Toiſen uͤber Madrid, alſo 541 Toiſen uͤber dem Meere *). Der in
*) Die mittlere Hoͤhe des Barometers an der Meeresflaͤche un-ter verſchiedenen Breiten-Graden, bei ſo verſchiedentlich herr-ſchenden Winden, iſt ein noch immer nicht hinlaͤnglich erſchoͤpf-
|14| Rußland neulichſt verſtorbene Hydrauliker Betancourt fand(wie Antillon berichtet) 511 Toiſen. Wir wiſſen nicht,welchen Barometerſtand Betancourt an dem Meere voraus-ſetzte, oder ob er (wie wahrſcheinlicher) uͤber Madrid maß,und eine Hoͤhe der Hauptſtadt annahm, welche ſich von derWahrheit betraͤchtlich entfernt. Sie werden weiter unten
ter Gegenſtand. Auf den Gefrierpunkt reduzirt hielt Shuck-burg die mittlere Barometerhoͤhe an den europaͤiſchen Kuͤſtenfuͤr 761,18 Millimètres. Oriani fuͤr die adriatiſchen Meeres-kuͤſten (immer auf den Nullpunkt reduzirt) 761,12. Durchneunjaͤhrige Beobachtungen auf der pariſer Sternwarte findetArago fuͤr die Meereskuͤſte der Normandie 760,85. Bouſſin-gault und Rivero, deren zwei fortinſche Barometer, auf dasGenaueſte, mit dem der pariſer Sternwarte verglichen waren,und welche bei ihrer Ankunft in Suͤdamerika, denſelben kleinenUnterſchied zwiſchen den beiden Jnſtrumenten fanden, welchenwir hier in Paris bemerkt hatten, erhielten nach 12taͤgigenBeobachtungen fuͤr die Meereskuͤſte von La Guayra 760,17.Demnach ſchiene (wie ich ſchon ſonſt vermuthete) der aufſtei-gende Luftſtrom doch, unter den Tropen, den mittleren Baro-meterſtand um etwas zu erniedrigen. Aber wir beduͤrfen (daſelbſt in La Guayra zu verſchiedenen Jahreszeiten der mittleretaͤgliche Barometerſtand um ein ganzes Millimeter variirt) andem tropiſchen Meeresſtrande das Reſultat von Beobachtungenwenigſtens eines ganzen Jahres. Jch habe verſucht dieſe Er-ſcheinungen naͤher zu entwickeln und Relat. hist. T. III.p. 313. Trigonometriſche, doch noch nicht ganz vollſtaͤndige,Operationen der franzoͤſiſchen Jngenieurs, welche Duͤnkirchen,den Thurm von Cordovan bei Bordeaux, und die Kuͤſte des mittellaͤndiſchen Meeres durch Diſtanzen verbunden, haben beieinigen ausgezeichneten Gelehrten neuerdings die ſonderbareVermuthung erregt, als ſei das rothe Meer ungleicher als deruͤbrige Ozean, der Spiegel des Mittelmeeres aber betraͤchtlichniedriger. Ein ſehr geſchickter Mathematiker, Herr Cerancez,ehemaliger Konſul in Bagdad, hatte ſchon vor 15 Jahren ausGruͤnden der Verdampfung eine aͤhnliche Hypotheſe. Das fran-zoͤſiſche Gouvernement hat neue Meſſungen angeordnet, durchwelche am Fuß der Pyrenaͤen das Niveau des Ozeans mit demdes Mittelmeeres unmittelbar verglichen werden wird.
|15| ſehen, daß Herr Bauza (faſt wie ich) fuͤr das Escorial563 Toiſen findet.
Guadarrama 500 Toiſen, immer wie um Escorialgrobkoͤrniger Granit in großen Bloͤcken aufgethuͤrmt und faſtSchichten bildend, oft mit eingeſprengter Hornblende unddoch nicht eigentlicher Syenit. — Puerto de Guadarrama oder der Leon, der beruͤhmte Loͤwenpaß, eine Hoͤhe, die mir viel Zweifel erregt hat.Meine Meſſung bei ſehr heiterm und beſtaͤndigem Wettergab 463 Toiſen uͤber Madrid oder 803 Toiſen uͤber demMeere. Betancourt fand, ich weiß nicht nach welcher For-mel, 1698 ſpaniſche Varas oder 729 Toiſen, eine Differenzvon vollen 74 Toiſen. Jch bin aus Vorſicht in meinem Profile bei 766 Toi-ſen ſtehen geblieben, und empfehle den Loͤwenpaß kuͤnftigenReiſenden, ob ich gleich nicht zweifle, daß Betancourt’s Re-ſultat zu klein iſt. Wenn man von dieſer Granitkette diebeide Kaſtilien mauerartig trennt, gegen NW. herabſteigt,ſo findet man an dem Abfall Villacaſtin (572 Toiſen). St.Chidrian (474 Toiſen) und Ataquines (388 Toiſen). Vondieſem letztern Orte an zieht ſich eine weite faſt ununterbro-chene Ebene 30 Meilen lang bis gegen Aſtorga hin.
  • Medina del Campo 330 Toiſen.
  • Tordeſillas 331 Toiſen.
  • Venta de Almaraz 386 Toiſen.
Villalpando 320 Toiſen, hier eine Sandſtein-Formationauf einem weißen Kalkſtein aufliegend, der durch Farbe undflachmuſchligen oft ebenen Bruch dem Jura-Kalkſtein aͤhnlichſieht. Bei Lonora erſcheint ſchon wieder Gneus, ſtreichend hor. 4,3 und fallend und 60° gegen SW.
  • Benavente 330 Toiſen.
  • La Bañeza 364 Toiſen.
Aſtorga 397 Toiſen, ſo die Abendbeobachtung; die desfolgenden Morgens giebt 416 Toiſen. Puerto Manzanal 567 Toiſen. Ein 5 Meilen langes |16| Gebirge mit romantiſchen Schluchten, aus Grauwacke unduͤberaus feinkoͤrnigem Grauwacken-Schiefer beſtehend, ſtrei-chend hor. 3—4, fallend mit 70° gegen NW. Jn dieſerUebergangs-Formation liegen eingewachſene Kugeln, die in-nigſt mit Hornblende gemengt ſind, im Uebergangs-Gruͤnſtein. Von Puerto del Manzanal ſteigt man uͤber Bembibre (313 Toiſen) in das enge Thal von Villafranca herab. Jndem Thale ſteht Thonſchiefer zu Tage an (hor. 8—9, baldgegen NO., bald gegen NW. fallend) hinter Travatelos inGlimmerſchiefer uͤbergehend. Dort wird das Streichen wie-der, wie man es in dieſem Theile von Spanien faſt allge-mein bemerkte, hor. 3—4. Viel Eiſenglanz auf Kluͤftenund Quarzlager. — Villafranca 217 Toiſen. Venta del Pagador de Caſtro 480 Toiſen. Dieſe Ventaliegt auf dem ſuͤdlichen Abhange eines Glimmerſchiefer-Gebirges, deſſen hoͤchſter Gipfel, den ich uͤberſtieg, 580 ToiſenHoͤhe erreichte. Hier iſt ein Punkt, an dem man aufsNeue erkennt, wie ſchwer oft zwiſchen uranfaͤnglichen undUebergangs-Geſteinen eine Graͤnze zu ziehen iſt. DieſerGlimmerſchiefer, den man fuͤr uranfaͤnglich haͤtte haltenkoͤnnen, enthaͤlt ſeigere Lager von blauem Kalkſtein, meiſtvon dichtem Bruche, ſelten ins Koͤrnige uͤbergehend mitSpuren von Trilobiten. Los Nogales 225 Toiſen. Etwas ſuͤdlich von dieſemOrt iſt das Kalkgebirge uͤberaus druſig, und wie kriſtalliſirt,vielleicht ein Dolomit-Geſtein, bald darauf wieder Glimmer-ſchiefer, doch mit ſehr veraͤndertem Streichen hor. 11—12.Keine Spur von Granaten, aber bei Sobrado (277 Toiſen)viel Schwefelkies-Wuͤrfel. Zwiſchen Sobrado und Lugo (209 Toiſen) durchbrichtden Glimmerſchiefer großkoͤrniger Granit, in welchem ichungeheuere Kugeln mit ſchalig abgeſonderten Stuͤcken beob-achtete. Der Granit der Kugeln iſt nur feinkoͤrniger alsdie einſchließende Maſſe, dieſer aber ſonſt ganz aͤhnlich. Die-ſes geognoſtiſche Phaͤnomen erinnerte mich lebhaft an ein |17| ganz aͤhnliches zwiſchen Seiffen und Wunſiedel am Fichtel-gebirge. Von hier an gegen die nordweſtliche Graͤnze desGranits hin erſcheinen erſt Gneus, dann Glimmerſchieferund bald bei Lugo (209 Toiſen) und Vamonde (180 Toi-ſen) Gneus mit Glimmerſchiefer abwechſelnd; alle ſtreichendmit großer Regelmaͤßigkeit, wie der Gebirgszug ſelbſt, vonSW. nach NO. Guiteritz 212 Toiſen. Der ganze Abfall gegen Betanzos und La Coruña iſt wieder ein wahres Granit-Plateau mitzweierlei, tombakbraunen und ſilberweißen Glimmer. Hierund da iſt der koͤrnige Granit (gar nicht in Gneus uͤber-gehend) deutlichſt geſchichtet, ſtreichend hor 2; nur in dentiefſten Thaͤlern erſcheint etwas Glimmerſchiefer. Der Zinn-gehalt des galiziſchen Granits ſpricht auch fuͤr ſeine Neuheit.Vorſtehendes barometriſche Nivellement, welches meinemReiſejournale entlehnt iſt, umfaßt den ununterbrochenen Hoͤ-henzug von dem ſuͤdlichſten Theile des Koͤnigreichs Valenzia,bis an die noͤrdlichſte Kuͤſte von Galizien. Um uns nochmehr von der Geſtalt der polyedriſchen Hochebene von Spa-nien zu vergewiſſern, fuͤge ich noch folgende Hoͤhen hinzu,welche außerhalb jener nivellirten Linie liegen. Dieſe Re-ſultate ſind aus Briefen von Herrn Bauza entlehnt. III. Zwiſchen Bilbao und Madrid.
  • Bilbao 11\( \frac{1}{2} \) Toiſen uͤber dem Meere.
  • Poſada (Wirthshaus) ob Zornoſa 34\( \frac{1}{2} \) Toiſen.
  • Poſada de Durango 65\( \frac{1}{2} \) Toiſen.
  • Vergara 110\( \frac{1}{2} \) Toiſen.
  • Mondragon 110 Toiſen.
  • Uribarry-Gamboa 280 Toiſen.
  • Vitoria 278 Toiſen.
  • Miranda del Ebro 236 Toiſen (wichtig wegen des Ge-faͤlles des Ebro.)
  • Santa Maria de Cubo 353\( \frac{1}{3} \) Toiſen.
  • Quintana palla 478 Toiſen.
  • Burgoſ 449 Toiſen.
|18|
  • Lerma 444 Toiſen.
  • Honrubia 541 Toiſen.
  • Fresmillo bei der Quelle 556 Toiſen.
  • Venta de Juanilla 606 Toiſen.
  • Somoſierra, auf dem hoͤchſten Punkt der großen Land-ſtraße 772\( \frac{8}{10} \) Toiſen.
  • Buitrago 521 Toiſen.
  • Madrid 340 Toiſen.
Dieſe im Jahr 1817 mit groͤßter Sorgfalt von Herrn Bauza gemeſſenen Hoͤhen ſind von dem beruͤhmten PilotenDon Joh. Joaquin de Ferrer berechnet, und gruͤnden ſichauf Gegenbeobachtungen, die in Bilbao mit wohlvergli-chenen Barometern angeſtellt wurden. IV. Zwiſchen San Jldefonzo und Escorial und Mondalindo. Jm Jahr 1822 (ſchreibt mir Herr Bauza aus London)machte ich eine geognoſtiſche Exkurſion in das Granit-Ge-birge nord- und nordweſtlich von Madrid. Jch bedientemich zu meinen Hoͤhenmeſſungen zweier ſehr genauer Baro-meter von Carry, die ich mit dem von Troughton (welchesin Madrid zu korrespondirenden Beobachtungen beſtimmtwar) verglichen hatte. Nachdem ich einige Tage in LaGranja oder S. Jldefonzo und in Escorial verweilt hatte,erſtieg ich am 14ten Auguſt die Peñalara mit einem mei-ner Barometer; das andere blieb in La Granja zu Gegen-beobachtungen. Das Wetter war ſo heiter und beſtaͤndigals ich es wuͤnſchen konnte. Jch fand: nach neuntaͤgigen Beobachtungen den Palaſt von S.Jldefonzo uͤber Madrid 301,41 Toiſen, nach achttaͤgigenBeobachtungen im Escorial (Wirthshaus de las Animas)228,53 Toiſen, nach zweitaͤgigen Beobachtungen Miraflorisde la Sierra oder Porquerizas 282,42 Toiſen uͤber Madrid; Peñalara uͤber Madrid 951,29 Toiſen, derſelbe Punkt ergabſich uͤber dem mittellaͤndiſchen Meere durch korrespondirendeBeobachtungen zu derſelben Stunde in Kadix mit wohlver- |19| glichenen Barometern angeſtellt 1286,49 Toiſen; ſo daß ſich Madrid auch nach dieſer Kombination zu 335 Toiſen Hoͤheergiebt. Ferner fand Herr Bauza
  • 7 Picos uͤber Madrid: 793 Toiſen.
  • San Benito — — 515 Toiſen.
  • Mondalindo — — 597 Toiſen.
alſo uͤber dem Meere: Pallaſt von La Granja oder S. Jl-defonzo 641 Toiſen; Escorial 568 Toiſen; Miraflores dela Sierra 622 Toiſen; Pealara 1286 Toiſen; 7 Picos1133 Toiſen; San Benito 855 Toiſen; Mondalindo 937 Toiſen. Man erſieht aus dieſen Beſtimmungen, daß das Granit-gebirge, welches beide Kaſtilien trennt, in ſeinen kulminiren-den Punkten die betraͤchtliche Hoͤhe 6800 bis 7700 pariſerFuß erreicht, und daß der Ruͤcken des Gebirges in den Paͤſſen des Loͤwen bei Escorial und von Somoſierra ſichvon den kulminirenden Punkten faſt wie 1 : 1,7 verhalte.Dieſes Verhaͤltniß iſt, wie ich an einem andern Orte geſagt,in den Alpen wie 1 : 2; in den Ardennen wie 1 : 1,8; am Kaukaſus wie 1 : 2; in Himalaya wie 1 : 1,8. DieKette der Guadarrama in Somoſierra bleibt ſpaͤt im Som-mer mit Schnee bedeckt, ein Umſtand, der, von Madrid ausgeſehen, den Gebirgen ein imponirendes Anſehen gewaͤhrt. La Granja (6846 Fuß) iſt gewiß der hoͤchſte Pallaſt in Europa. Thalacker’s aͤlteſte Meſſung (593 Toiſen) war um47 Toiſen zu klein. Die Hoͤhe des Escorial, welche Herrn Bauza’s genaueMeſſungen zu 568 Toiſen angeben, floͤßen mir fuͤr meine Beſtimmungen des Guadarrama mehr Vertrauen ein. Jchfand vom Jahre 1799 gegen 550 Toiſen. Nach den Gegen-beobachtungen von Kadix findet Herr Bauza auch nur 563Toiſen. So weit die noch ungedruckten Hoͤhenbeſtimmungenvon Bauza, Ferrer und mir. Jetzt noch einige Worte uͤberdie von Antillon geſammelten Reſultate: Nachdem ich dieſeletzteren einer genaueren kritiſchen Pruͤfung unterworfen habe,bin ich fuͤr den Hoͤhenzug durch ganz Spanien (von NO. |20| gegen SW. oder von den Pyrenaͤen bis zu den Schneeber-gen von Grenada) bei folgenden Zahlen ſtehen geblieben: — Pik Nethou, der hoͤchſte Gipfel der Pyrenaͤen, 1787Toiſen. Von dem ſuͤdlichen Abhang der Pyrenaͤen ſteigtman uͤber Huesca (kaum 240 Toiſen) in das Ebro-Thal gegen Zaragoza herab, vom Miranda del Ebro bis Zaragoza hat der Fluß wenigſtens 1000 Fuß Gefaͤlle. Von dem Ebro-Thale erhebt ſich das Land uͤber Calatayud gegen Al-colea hin. Das Gebirge Bubeda oder Sierra Miniſtra er-reicht bei den Quellen der Tajuña und Xala uͤber 630 Toi-ſen Hoͤhe. Die folgenden Hoͤhen ſind in ſpaniſchen Varasvon Antillon ſelbſt berechnet. Nach Ciscar iſt 1 Toiſe =2\( \frac{33}{100} \) Vara. Guadalaxara 850 Varas. Alcala de Henarez 840 Varas. Toledo 675 Varas oder 289 Toiſen. Da Aranjuez nach mir 260 Toiſen (nach Antillon (S. 226.) 621Varas oder 267 Toiſen) hoch iſt, ſo muß (wegen des Ge-faͤlles des Tajo) die Hoͤhe von Toledo etwas geringer ſein.Vielleicht bezieht ſich Antillons Beſtimmung von Toledo aufein hochgelegenes Kloſter. Tembleque 740 Varas, Villaharta 710 Varas, Man-zanares 723 Varas, Valdepeñas 773 Varas, Almurabiel 880 Varas. Hier der Paß durch die Sierra Morena. La Carolina 657 Varas; die Kolonie, welche von demungluͤcklichen Opfer der Jnquiſition Olavidez mit deutſchenAnſiedlern geſtiftet worden iſt. Guaroman noͤrdlich von Baylen 378 Varas. Dies iſtder Abfall der Sierra Morena gegen das Thal des Guadal-quivir hin. Waſſer des Guadalquivir bei Mengibar 203 Varas.Von da ſteigt man uͤber Jaen auf die Hochebene der Stadt Granada 815 Varas. Der hoͤchſte Gipfel der Sierra Nevada iſt der Mulahacen 4254 Varas oder 1826 Toiſen, alſo hoͤherals alle Gipfel der Pyrenaͤen. Wegen Naͤhe des Meeres undKuͤhle des Sommers ſcheint die Graͤnze des ewigen Schneesin der Sierra Nevada de Granada bis 1418 Toiſen herab zuſinken. Noch fuͤge ich hinzu als ſporadiſche Punkte, die genau |21| gemeſſen ſind, Segovia 1011 Varas; Murcia 163 Varas; Cordoba 282 Varas *). Die betraͤchtliche Hoͤhe des Bodens in der iberiſchenHalbinſel modifizirt das Klima durch duͤrre und winterlicheKaͤlte auf eine ſonderbare Weiſe. Mein Wunſch, genaueBeobachtungen der Temperatur von Madrid zu erhalten, iſtneuerlichſt endlich befriedigt worden. Jch beſitze durch dieGuͤte des Herrn Bauza die Abſchrift eines ſehr ausfuͤhrlichenmeteorologiſchen Journals vom J. 1820, das Maximumund Minimum jedes Tages in Graden des hunderttheiligenThermometers angebend. Jch habe aus demſelben die mittleremonatliche Waͤrme berechnet, und ich ſtelle dieſe Reſultatemit jenen von Karlsruhe, Paris, Marſeille und Palermo zuſammen. Mittlere Temperatur in Graden des hundert-theiligen Thermometers.
Monate. Karls-ruhe Br. 49°1′Hoͤhe 66 t. Paris B. 48°50′Hoͤhe 34 t. Marſeille B. 43°18′Hoͤhe 12 t. Madrid B. 40°25′H. 340 t. Palermo Br. 38°7′Hoͤhe 8 t.
Januar 0,°2 1,°9 7,°1 6,°8 11,°3
Februar 2,5 4,6 9,1 6,9 11,0
Maͤrtz 5,2 5,7 9,3 8,9 12,4
April 10,3 7,3 13,3 14,8 14,8
Mai 15,8 15,6 18,0 19,3 18,1
Juni 17,4 16,6 18,6 22,6 21,9
Juli 18,9 18,6 20,0 25,6 24,5
Auguſt 18,7 18,0 21,4 24,5 24,7
September 14,0 14,8 20,5 21,1 22,6
Oktober 10,2 10,7 15,6 13,8 19,5
November 5,2 7,0 10,8 8,7 15,7
Dezember 1,9 3,4 8,7 5,9 11,6
Mittlere Waͤrmedes Jahres. 9,°8 10,°3 14,°4 14,°9 17,°4

*) Auch in Portugal ſind neuerlichſt (1824) an hundert Hoͤhenvon unſerm Landsmann S. v. Eſchwege barometriſch gemeſſenworden ( S. Hertha 3ter Bd. S. 237 u. f.). Dieſer gelehrteMineraloge, dem wir die erſte genaue Kenntniß der braſiliani-ſchen Gebirge verdanken, hat mir ſeine Reſultate aus Portugal
|22| Die karlsruher Beobachtungen ſind Mittel aus den Jah-ren 1800 und 1819 von Herrn Boͤckmann berechnet; die pa-riſer Beobachtungen ſind fuͤr Dezember, Januar, Februar, fuͤrJunius, Julius und Auguſt Mittel der Jahre 1806 — 1820,welche mir Herr de Laplace *) mitgetheilt; die uͤbrigen Mo-nate ſind 5jaͤhrige Beobachtungen von Bouvard berechnet. Marſeille nach Gambart; Madrid **) nach Bauza; Pa-lermo nach Seini und Marabitti. Der kaͤlteſte Monat iſtin dem drei Breiten-Graden ſuͤdlicher gelegenen Plateau vonSpanien 2,° 7 kaͤlter als in Marſeille, und dagegen iſt derMonat Julius wegen Waͤrmeſtralung der baumloſen Hochebenenfaſt um 6° waͤrmer. Wenn der Einfluß der Hoͤhe von Ka-ſtilien auf die mittlere jaͤhrliche Waͤrme geringer iſt, als manauf den erſten Anblick vermuthen ſollte, ſo liegt der Grunddieſer Erſcheinung in der erhoͤhten Temperatur des Sommer-monats. An dem Abhange eines Gebirges oder in den freienLuftkreiſen iſt die Abnahme der mittleren jaͤhrlichen Waͤrme
im Manuſkripte mitgetheilt, die am angefuͤhrten Orte in derHertha ſchon erſchienen ſind.Viele Nachrichten uͤber die immer noch ſehr unſichere Hoͤheder großen portugaliſchen Gebirge hat Hr. Balbi in ſeinem Essai Statistique sur le Portugal T I. 68. 98 zuſammengetra-gen. Waͤre es gegruͤndet, daß die Serra Gaviarra in die ewigeSchneegraͤnze reicht, ſo muß ſie ihrer geographiſchen Breitenach eine Hoͤhe von 1400 bis 1600 Toiſen erreichen.*) Dieſer große Geometer hat jene Mittel von 5 zu 5 Tagen be-rechnen laſſen, um zu ergruͤnden, daß in Paris das Minimumder Temperatur in 14 Jahren zwiſchen den 19ten und 24ſtenJanuar eingetroffen iſt; das Maximum zwiſchen den 25ſtenund 30ſten Julius. S. uͤber dieſen Gegenſtand Prof. Brandes vortreffliche Schrift: Unterſuchung uͤber den mittlernGang der Waͤrme 1820. S. 11. **) Aeltere weniger zuverlaͤſſige Beobachtungen geben mir fuͤr dasJahr 1793 fuͤr die erſten 9 Monate (Jan. bis Sept.) die mitt-lere Waͤrme von Madrid 3,°8 Reaum.; 5,°4; 7,°4; 9,°2;12,°2; 18,°1; 20,°6; 22,°2; 15,°2. Nach dieſen Reſul-taten war der heißeſte Sommermonat 27,°7 des hunderttheili-gen Thermometers; Bauza fand 1820 genau 25,°6.
|23| ſchneller als auf weitausgedehnten Hochebenen. Ohne dieſeWirkung der Waͤrmeſtralung wuͤrde das Platean von Thibet in ewigem Schnee vergraben liegen. Fuͤr Lisboa habe ichHrn. Franzini’s Beobachtungen von 1784 und 1785 und1816 — 1818 in Rechnung genommen und folgende ver-gleichende Reſultate erhalten.
Jahreszeiten. Lisboa lat. 38°43′Hoͤhe 36 t. Madrid lat. 40°25Hoͤhe 340 t. Rom lat. 41°53Hoͤhe 12 t.
Winter 11,°7 6,°5 7,°7
Fruͤhjahr 15,5 14,3 14,3
Sommer 21,9 24,3 24,0
Herbſt 16,9 14,5 17,1
Mittlere Waͤrme desJahres 16,°5 14,°9 15,°8
Der heißeſte Monat 22,5 25,6 25,0
Der kaͤlteſte Monat 11,0 5,9 5,7
Differenz beider Mo-nate 11,5 19,7 19,3
Das Klima von Madrid iſt dem des noͤrdlicheren, demMeere und den Apenninen gleich nahen, Rom’s ſehr aͤhnlich.Waͤhrend die iberiſchen, uͤber 2000 Fuß hohen Ebenen desinneren Landes ein wahres Kontinental-Klima von 15° mitt-lerer Waͤrme *) haben, im rauhen Winter und heißen Som-mer herrſcht an den Kuͤſten, in den herrlichen mit Pomeran-zen und Dattel-Palmen geſchmuͤckten Erdſtrich, welcher dieHochebenen umzingelt, eine mittlere Waͤrme von 17°. Citrusgedeiht in wichtiger Kultur unbeſchuͤtzt im Freien nur erſtda, wo dieſe mittlere Waͤrme des Jahres von 16°—17°und eine Temperatur des Winters uͤber 9° oder 10° herrſchen. Paris, den 6ten Sept. 1825.


*) Immer wenn nicht das entgegengeſetzte beſtimmt ausgedruͤcktiſt, in Graden des hunderttheiligen Thermometers.

Abbildungen