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Alexander von Humboldt: „Ueber die Milch des Kuhbaums und die Milch der Pflanzen überhaupt“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1818-Sur_le_Lait-17> [abgerufen am 28.05.2024].

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Permalink:
https://humboldt.unibe.ch/text/1818-Sur_le_Lait-17
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Titel Ueber die Milch des Kuhbaums und die Milch der Pflanzen überhaupt
Jahr 1818
Ort Jena
Nachweis
in: Isis, Osiris, Anubis oder Encyklopädische Zeitung 3 (1818), Sp. [473–474].
Sprache Deutsch
Typografischer Befund Fraktur (Umlaute mit superscript-e); Spaltensatz; Antiqua für Fremdsprachiges; Auszeichnung: Sperrung.
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: III.56
Dateiname: 1818-Sur_le_Lait-17
Statistiken
Seitenanzahl: 1
Spaltenanzahl: 2
Zeichenanzahl: 5006

Weitere Fassungen
Sur le Lait de l’arbre de la Vache et le Lait des végétaux en général (Paris, 1818, Französisch)
On the Milk extracted from the Cow Tree (l’ Arbre de la Vache), and on Vegetable Milk in general (London, 1818, Englisch)
Der Kuhbaum und die Pflanzenmilch (Stuttgart; Tübingen, 1818, Deutsch)
Sur le Lait de l’arbre de la Vache (Paris, 1818, Französisch)
On the Milk of the Cow Tree, and on Vegetable Milk in general (Sherborne, 1818, Englisch)
[Sur le Lait de l’arbre de la Vache et le Lait des végétaux en général] (London, 1818, Englisch)
Cow Tree (Edinburgh, 1818, Englisch)
On the Milk of the Cow-Tree, and on Vegetable Milk in general (London, 1818, Englisch)
[Sur le Lait de l’arbre de la Vache et le Lait des végétaux en général] (Edinburgh, 1818, Englisch)
Drzewo krowie i mléko roślinne (Lwiw, 1818, Polnisch)
Cow tree (Boston, Massachusetts, 1818, Englisch)
Cow tree (Baltimore, Maryland, 1818, Englisch)
Cow-tree (London, 1818, Englisch)
On the Milk of the Cow Tree, and on vegetable Milk in General (London, 1818, Englisch)
Notions sur le Lait de l’Arbre de la Vache et le Lait des végétaux en général (Montpellier, 1818, Französisch)
Sul latte dell’ albero della Vacca e in generale sul latte dei vegetabili (Pavia, 1818, Italienisch)
Ueber die Milch des Kuhbaums und die Milch der Pflanzen überhaupt (Jena, 1818, Deutsch)
Cow-tree (New York City, New York, 1819, Englisch)
The milk tree (New York City, New York, 1819, Englisch)
Cow-tree (Natchez, Mississippi, 1819, Englisch)
On the Cow Tree of the Caraccas, and on the Milk of Vegetables in general (London, 1819, Englisch)
The cow-tree (London, 1819, Englisch)
The Cow-tree (London, 1819, Englisch)
The cow-tree (Kendal, 1819, Englisch)
Cow-tree (London, 1819, Englisch)
Cow tree (Newcastle-upon-Tyne, 1819, Englisch)
The cow-tree (London, 1819, Englisch)
The Cow Tree (Providence, Rhode Island, 1819, Englisch)
The cow tree (Stockbridge, Massachusetts, 1819, Englisch)
The cow tree (New York City, New York, 1819, Englisch)
The cow tree (Hallowell, Maine, 1819, Englisch)
The cow tree (Alexandria, Virginia, 1819, Englisch)
The cow tree (Albany, New York, 1819, Englisch)
The cow tree (New York City, New York, 1819, Englisch)
De koe-boom en de planten-melk. (Uit het Hoogduitsch)’ (Amsterdam, 1819, Niederländisch)
Ueber die Milch des Kuhbaums und die Pflanzenmilch überhaupt (Nürnberg, 1819, Deutsch)
The Cow-Tree (London, 1820, Englisch)
Milk Tree in South America (London, 1821, Englisch)
The cow tree (Trenton, New Jersey, 1824, Englisch)
The cow tree (York, 1825, Englisch)
The Cow Tree (London, 1826, Englisch)
Arbol de leche (London, 1827, Spanisch)
[Sur le Lait de l’arbre de la Vache et le Lait des végétaux en général] (Buffalo, New York, 1827, Englisch)
Description of the milk tree in South America (London, 1829, Englisch)
Vegetable substances – the cow tree (New York City, New York, 1832, Englisch)
[Sur le Lait de l’arbre de la Vache et le Lait des végétaux en général] (Wien, 1833, Deutsch)
Der Milchbaum (Wien, 1833, Deutsch)
Der Kuhbaum (Wien, 1834, Deutsch)
[Sur le Lait de l’arbre de la Vache et le Lait des végétaux en général] (London, 1834, Englisch)
The cow-tree of South America (London, 1834, Englisch)
[Sur le Lait de l’arbre de la Vache et le Lait des végétaux en général] (Castlebar, 1834, Englisch)
[Sur le Lait de l’arbre de la Vache et le Lait des végétaux en général] (Durham, 1834, Englisch)
The cow-tree of South America (London, 1834, Englisch)
[Sur le Lait de l’arbre de la Vache et le Lait des végétaux en général] (Manchester, 1834, Englisch)
The Cow-Tree (London, 1834, Englisch)
Cow tree (Boston, Massachusetts, 1834, Englisch)
[Sur le Lait de l’arbre de la Vache et le Lait des végétaux en général] (New York City, New York, 1834, Englisch)
The Cow-Tree of South America (Merthyr Tydfil, 1835, Englisch)
Der Kuh- oder Milchbaum (München, 1838, Deutsch)
The cow tree (Philadelphia, Pennsylvania, 1840, Englisch)
The Palo de Vacca (Belfast, 1841, Englisch)
The Cow Tree (Bolton, 1850, Englisch)
Arbol de leche (Mexico, 1852, Spanisch)
Milk, Bread, and Butter Trees! (Northampton, 1852, Englisch)
Milk, bread, and butter trees (Wells, 1852, Englisch)
Milk, bread, and butter trees (Cirencester, 1852, Englisch)
Milk, bread, and butter trees (Sligo, 1852, Englisch)
The Cow Tree (London, 1852, Englisch)
The palo de vaca or cow-tree (Enniskillen, 1853, Englisch)
The Cow Tree (Haverfordwest, 1853, Englisch)
The Cow Tree (Greensburg, Indiana, 1853, Englisch)
The cow tree (Loudon, Tennessee, 1854, Englisch)
Milk, bread and butter trees. (Philadelphia, Pennsylvania, 1856, Englisch)
Milk and butter trees (London, 1856, Englisch)
The Cow Tree (Salisbury, North Carolina, 1857, Englisch)
|Seitenumbruch| |449|

Ueber die Milch des Kuhbaumsund die Milch der Pflanzen uͤberhauptvon de Humboldt.

Wir hoͤrten in den Thaͤlern von Aragua ſeit meh-rern Wochen von einem Baume reden, deſſen Saft einenaͤhrende Milch ſey, den die Neger haͤufig traͤnken, undder Kuhbaum (palo de vaca) genannt wurde; daalle Milchſaͤfte der Pflanzen ſcharf, bitter und mehroder weniger giftig ſind; ſo kam uns das ſonderbarvor; wir wurden aber von der Richtigkeit waͤhrend un-ſeres Aufenthaltes zu Barbula in der Provinz Carac-cas durch eigene Verſuche uͤberzeugt. Dieſer ſchoͤneBaum ſieht wie der Caimitier (Chryſophyllum Cai-nito) aus, und ſcheint zur Familie der Sapoten zugehoͤren. Blaͤtter laͤnglich, ſpitzig, lederig, abwechſelnd,10 Zoll lang, Seitenadern parallel, unten vorſprin-gend. Blumen nicht geſehen, Frucht etwas fleiſchig,enthaͤlt 1 bisweilen 2 Nuͤſſe. Eingeſchnitten gibt derStamm eine klebrige, dickliche, angenehm balſamartigriechende Milch ohne alle Schaͤrfe. Man gab ſie uns inFruͤchten von Tutumo oder in Calebaſſen, und wirtranken Abends und Morgens viel ohne Schaden. DieEinwohner tunken Brod von Mais oder Manioc hin-ein, Aropa und Caſſave, wovon ſie fett werden. Ander Luft bekommt der Saft eine gelbliche, faͤdige Hautwie Kaͤs, und faſt wie Katſchuk, fault aber nachher wieGallert. Der Quark oder Zieger heißt da Kaͤs undwird in 5 bis 6 Tagen ſauer. Der Baum ſcheint den Strand-Cordilleren eigenzu ſeyn, beſonders von Barbula bis an den See von Maracaybo. Es gibt auch einige Staͤmme beym Dorf San Mateo, und nach Bredmeyer, welcher die ſchoͤ-nen Gewaͤchshaͤuſer von Schoͤnbrunn und Wien ſo be-reichert hat, auch in dem Thal von Caucagua, dreyTagreiſen oͤſtlich von Caraccas, wo ihn die Einwoh-ner Milchbaum (Arbol de leche) nennen. Lang ehe die Chemiker im Bluͤhtenſtaub, im Laub-firniß und im weißen Zwetſchen- und Traubenthau dasBischen Wachs entdeckt haben, machten die Einwohnervon der Anden Quindiu Kerzen aus der dicken Wachs-ſchicht, welche den Stamm einer Palme uͤberzieht. Vorwenig Jahren entdeckte man in Europa den Kaͤsſtoff in der Mandelmilch; in dem Kuͤſtengebuͤrge von Vene-zuela genießt man ſeit Jahrhunderten die Milch und |450| deren Kaͤs von einem Baum. Das Staͤrkemehl unſrerGetraidkoͤrner findet ſich in einem ſcharfen und manch-mal giftigen Saft in der Wurzel von Arum, Taccapinnatifida und Jatropha Manihot. Die Wilden wiſ-ſen dieſe Staͤrke zu reinigen. In den Pflanzenmilchenſind ſehr nahrhafte Theile, wie Eyweiß, Kaͤsſtoff, Zu-cker mit Katſchuck, aͤtzenden und giftigen Stoffen ver-bunden, wie die Morphine, die Blauſaͤure. Jene inden Mohngewaͤchſen, Katſchuck in Hevea und Caſtilloa; im Papayabaum und Kuhbaum iſt Eiweiß und Kaͤs-ſtoff. Die Milchpflanzen gehoͤren vorzuͤglich drey Fami-lien an, den Euphorbiaceen, Urticeen, Apocyneen, vondenen am meiſten Gattungen in den Niedrigungen derheißen Zone wachſen, und man daher ſchließen darf,daß eine ſehr hohe Temperatur zur Ausarbeitung derMilchſaͤfte, zur Bildung des Katſchuks des Eyweißesund des Kaͤsſtoffes beytraͤgt. Obſchon die Sippen Eu-phorbia und Aſclepias im allgemeinen aͤtzende Stoffeliefern, gibt es doch auch einige Gattungen mit mildenund unſchuldigen Saͤften, wie Tabayba dulce (Euph.balſamifera) der canariſchen Inſeln und Aſclep. lacti-fera von Ceylon, wo man nach Burrmann die Milchgenießt, und ſie mit Gemuͤße kocht wie thieriſche Milch.Vielleicht nimmt man ſie aber nur von jungen Pflan-zen, in denen der ſcharfe Stoff noch nicht entwickelt iſt;ſo ißt man in verſchiedenen Laͤndern die erſten Sproſſenvon Apocyneen. Der Milchſaft von Cactus mammil-laris iſt auch mild. Man kann die Milchſaͤfte, welcheſich in den Pflanzen bewegen, mit den Milchen verglei-chen, welche man aus den Fruͤchten der Mandel- undPalmbaͤume macht. Ich habe in den Thaͤlern von Ara-gua den Saft der Carica papaya unterſucht, den ſeit-dem Vauquelin zerlegt, und auch das Eyweiß und denKaͤsſtoff gefunden hat. Doch hatte ſein Saft ſchon ge-gohren. Je juͤnger die Frucht, je mehr gibt ſie Milch;mit dem Reifen nimmt ſie ab, und wird waͤßriger.Gerinnt mit Saͤuren; das Geronnene ſcheint aus Kat-ſchuck, Eyweiß und Kaͤsſtoff zu beſtehen. So kann manauch aus der Milch der Euphorbien, Veilchen undder Hevea (Katſchukbaum) das Katſchuck faͤllen. Die-ſes bildet ſich uͤbrigens noch ſchneller an der Luft. ZurBildung der Butter iſt bekanntlich Sauerſtoffgas nichterforderlich. Im ſpaniſchen America macht man diewaſſerdichten Maͤntel, indem man eine Schicht Milch vonder Hevea zwiſchen Zeug und Futter bringt. DieFrucht des Brodbaums iſt nicht mehr Brod, als es dieBananen vor ihrer Reife ſind, oder die knolligen ſtaͤr-kehaltigen Wurzeln von Manioc, Dioscorea, Convolv.Batatas und den Kartoffeln. Die Milch des Kuhbaumsdagegen enthaͤlt ſchon die kaͤſige Materie geformt wiethieriſche Milch, das Katſchuck iſt vielleicht als die But-ter der Pflanzenmilch zu betrachten. In der Pflanzen-milch findet man Kaͤsſtoff und Katſchuk beyſammen wiein der Thiermilch Kaͤs und Butter.