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Alexander von Humboldt: „Zur geographischen Botanik“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1809-Geografia_de_las-5-neu> [abgerufen am 23.07.2024].

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Permalink:
https://humboldt.unibe.ch/text/1809-Geografia_de_las-5-neu
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Titel Zur geographischen Botanik
Jahr 1847
Ort Zürich
Nachweis
in: Karl Mager, Lesebuch zur Encyklopädie enthaltend 250 Abhandlungen und Bruchstücke aus 174 Schriften von 129 Autoren über Gegenstände aus allen Gebieten der Wissenschaft, Zürich: Meyer und Zeller 1847, S. 127–130.
Sprache Deutsch
Typografischer Befund Antiqua; Spaltensatz; Auszeichnung: Kursivierung; Fußnoten mit Ziffern.
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: II.72
Dateiname: 1809-Geografia_de_las-5-neu
Statistiken
Seitenanzahl: 4
Spaltenanzahl: 8
Zeichenanzahl: 15851

Weitere Fassungen
Geografía de las Plantas (Bogotá, 1809, Spanisch)
[Geografía de las Plantas] (Frankfurt am Main, 1809, Deutsch)
Ideen zu einer Geographie der Pflanzen (Wien, 1811, Deutsch)
Die Pflanzenwelt der Tropenländer (Brünn, 1819, Deutsch)
Zur geographischen Botanik (Zürich, 1847, Deutsch)
Geografia de las plantas. Prospecto (Paris, 1849, Spanisch)
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Zur geographischen Botanik. (A. v. Humboldt, Ideen zu einer Geographie der Pflanzen, 1807.)

Die Geographie der Pflanzen untersucht, obman unter den zahllosen Gewächsen der Erde ge-wisse Urformen entdecken, und ob man die spe-cifische Verschiedenheit als Wirkung der Ausar-tung und als Abweichung von einem Prototypusbetrachten kann. Sie löset das wichtige und oftbestrittene Problem, ob es Pflanzen gibt, die allenKlimaten, allen Höhen und allen Erdstrichen ei-gen sind. Wenn ich es wagen dürfte, allgemeineFolgerungen aus dem zu ziehen, was ich selbstin einem geringen Theile beider Hemisphären be-obachtet; so sollte ich vermuthen, daß einigekryptogamische Pflanzen die einzigen sind, welchedie Natur überall hervorbringt. Dicranum scopa- |Spaltenumbruch| rium, Polytrichum commune, Verrucaria sanguinea und Verrucaria limitata Scopoli wachsen unter al-len Breiten, in Europa wie unter dem Aequator,auf dem Rücken hoher Gebirge, wie an denMeeresküsten, überall, wo sie Schatten und Feuch-tigkeit finden. Am Ufer des Madalenenflusses zwischen Hondaund der Aegyptiaca, in einer Ebene, wo dasThermometer ununterbrochen 25 bis 28 Gradezeigt, am Fuße der Ochroma und des großblättri-gen Macrocnemum, haben wir Moosdecken gefun-den, so dicht gewebt und von so frischem Grün, alsman sie nur in schwedischen oder norddeutschenWäldern beobachtet. Wenn andere Reisende be- |128||Spaltenumbruch|haupten, daß Laubmoose und alle Kryptogamenüberhaupt in der heißen Zone selten sind, soliegt der Grund dieser Behauptung darin, daßsie nicht tief genug ins Innere der Wälder ein-drangen, sondern nur dürre Küsten oder cultivirteInseln besuchten. Von den Flechten finden sichsogar viele derselben Art unter allen Graden derBreiten in der Nord- und Südzone. Sie scheinenfast unabhängig vom Einflusse des Klimas, wiedie Gebirgsarten, auf denen sie wachsen, undvon denen kaum eine irgend einem Theile derErde ausschließlich zugehört. Unter den phanerogamischen Pflanzen kenneich keine, deren Organe biegsam genug sind, umsich allen Zonen und allen Höhen des Standortsanzueignen. Mit Unrecht hat man drei Gewäch-sen, der Alsine media, der Fragaria vesca unddem Solanum nigrum, den Vorzug dieser Bieg-samkeit zugeschrieben, dessen sich der Menschallein und einige Hausthiere erfreuen, die ihnumgeben. Schon die pensylvanische und canadi-sche Erdbeere ist von unserer europäischen ver-schieden. Von der letzteren glaubten wir zwar, Bonpland und ich, einige Pflanzen in Südamerika entdeckt zu haben, als wir zu Fuße über dieSchneegebirge von Quindiu aus dem Madalenen-thale in das Flußthal des Cauca kamen. Die wildeNatur dieses Theiles der Andeskette, die Einsam-keit jener Wälder von Wachspalmen, duftendemStyrax und baumartigen Parsifloren, die Unculturder angrenzenden Gegenden, alle diese Umständescheinen den Verdacht auszuschließen, als hättenVögel oder gar die Hand des Menschen zufälligden Samen dieser Erdbeeren verstreut. Fandenwir aber wirklich Fragaria vesca? Würde dieBlüthe, wenn wir sie gesehen hätten, uns nichtVerschiedenheiten zwischen der andesischen undeuropäischen Fragaria gezeigt haben, da so man-che andere Arten dieses Geschlechts durch diefeinen Nüancen von einander abweichen? Mehreredeutsche und schwedische Gewächse, welche manehemals auf den Granitklippen des Feuerlandes,der Staateninsel, und an den Küsten der magel-lanischen Meerenge beobachtet zu haben glaubte,sind, bei näherer Untersuchung des Charakters,von Decandolle, Willdenow und Desfontaines alsanaloge, aber von den europäischen verschiedeneSpecies erkannt worden. Ich darf mit Zuversicht behaupten, daß in denvier Jahren, die ich in Südamerika in beidenHemisphären herborisirt, ich nie ein einziges wildwachsendes, dem neuen Continente vor seinerEntdeckung zugehöriges europäisches Gewächsbeobachtet habe. Von vielen Pflanzen, z. B. |Spaltenumbruch| Alsine media, Solanum nigrum, Sanchus oleraceus,Apium graveolens und Portulaca oleracea darf manbloß behaupten, daß sie, wie die Völker der kau-kasischen Race, über einen beträchtlichen Theilder nördlichen Erdstriche verbreitet sind. Ob sieauch in den südlichern Ländern existiren, in wel-chen man sie bisher noch nicht entdeckt hat, isteine unzubeantwortende Frage. Naturforscher sindbisher noch so wenig in das Innere des afrikani-schen, südamerikanischen und neuholländischenContinents eingedrungen, wir dürfen uns so we-nig schmeicheln, die Flora dieser Länder voll-ständig zu kennen, während daß man in Europatäglich unbeschriebene krautartige Gewächse, indem viel besuchten Pensylvanien sogar unbeschrie-bene Bäume entdeckt, daß es vorsichtiger ist,sich über diesen Punct aller allgemeinen apodikti-schen Aussprüche zu enthalten. Der Botanikerwürde sonst leicht in den Fehler der Geognostenverfallen, von denen viele den ganzen Erdkörpernach dem Modelle der Hügel construiren, wel-che ihnen zunächst liegen. Um über das große Problem von der Wande-rung der Vegetabilien zu entscheiden, steigt dieGeographie der Pflanzung in das Innere der Erdehinab, um dort die Denkmäler der Vorzeit zubefragen, als versteintes Holz, Gewächsabdrücke,Torflagen, Steinkohlen, Flötze und Dammerde,welche die Grabstätte der ersten Vegetation un-seres Planeten sind. Betroffen findet sie südindi-sche Früchte, Palmenstämme, baumartige Farren-kräuter, Pisangblätter und den Bambus der Tro-penländer in den Erdschichten des kalten Nordensvergraben. Sie untersucht, ob diese Pflanzen heißerKlimate, wie Elephantenzähne, Tapir-, Krokodil-und Didelphis-Gerippe, die man neuerdings inEuropa entdeckt hat, zur Zeit allgemeiner Was-serbedeckungen, durch die Gewalt der Meeres-ströme vom Aequator her, in die gemäßigtenZonen angeschwemmt worden sind, oder ob nichtdiese nördlichen Klimate selbst Pisanggebüscheund Elephanten, Krokodile und baumartiges Bam-busschilf erzeugten. Die Pflanzen, welche den Thieren in Hinsichtauf Reizempfänglichkeit der Organe, und auf dieNatur reizender Potenzen so nahe verwandt sind,unterscheiden sich von den Thieren wesentlichdurch die Epoche ihrer Wanderungen. Diese,wenig beweglich in der früheren Kindheit, ver-lassen ihre Heimath erst, wenn sie herangewach-sen sind; jene, an den Boden gewurzelt nach ihrerEntwickelung, stellen ihre Reisen noch im Samen-korne, gleichsam im Ei, an, welches durch Feder-kronen, Luftbälge, Flügelansätze und elastische |129||Spaltenumbruch|Ketten (Elater oder Catenula der Morchantien) zuLuft- und Wasserreisen geschickt ist. Herbst-winde, Meeresstürme und Vögel begünstigen dieseWanderungen; aber ihr Einfluß, so groß er auchist, verschwindet gegen den, welchen der Menschauf die Verbreitung der Gewächse auf dem Erd-boden ausübt. Einige Pflanzen, welche der Gegenstand des Gar-ten- und Ackerbaues sind, haben seit den fernstenJahrhunderten das wandernde Menschengeschlechtvon einem Erdstriche zu dem andern begleitet. So folgte in Europa die Weinrebe den Grie-chen, das Korn den Römern, die Baumwolle denArabern. Im neuen Continente haben die Tul-teken, aus unbekannten nordischen Ländern überden Gilastrom einbrechend, den Mais über Mexicound die südlichen Gegenden verbreitet. Kartoffelnund Quinea findet man überall, wo die Gebirgs-bewohner des alten Condinamarka (Neu-Granada)durchgezogen sind. Die Wanderungen dieser eß-baren Pflanzen sind gewiß; aber ihr erstes ur-sprüngliches Vaterland bleibt uns ein ebenso räth-selhaftes Problem, als das Vaterland der ver-schiedenen Menschenracen, die wir schon in denfrühesten Epochen, zu welchen Völkersagen auf-steigen, fast über den ganzen Erdboden verbreitetfinden. Südlich und östlich vom caspischen Meere,am Ufer des Oxus, und in den Thälern von Kur-distan, dessen Berge mit ewigem Schnee bedecktsind, findet man ganze Büsche von Citronen-,Granat-, Birnen- und Kirschbäumen. Alle Obst-arten, welche unsere Gärten zieren, scheinendort wild zu wachsen. Ich sage scheinen, dennob dies ihr ursprüngliches Vaterland sei, oder obsie dort einst gepflegt, nachmals verwildert sind,bleibt um so ungewisser, als uralt die Cultur desMenschengeschlechts, und daher auch der Garten-bau in diesen Gegenden ist. Doch lehrt die Geschichte wenigstens, daß jenefruchtbaren Gefilde zwischen dem Euphrat undIndus, zwischen dem caspischen See und dempersischen Meerbusen Europa die kostbarsten ve-getabilischen Producte geliefert haben. Persienhat uns den Nußbaum und die Pfirsiche, Arme-nien (das heutige Haikia) die Aprikose, Klein-Asien den süßen Kirschbaum und die Kastanie;Syrien die Feige, die Granate, den Oel- undMaulbeerbaum geschenkt. Zu Cato’s Zeiten kann-ten die Römer weder süße Kirschen, noch Pfir-siche, noch Maulbeerbäume. Hesiod und Homer erwähnen schon des Oelbaums, der in Griechen-land und auf den Inseln des ägyptischen Meeres cultivirt wurde. Unter Tarquin dem Alten existirtekein Stamm desselben, weder in Italien, noch in |Spaltenumbruch|Spanien, noch in Afrika. Unter dem Consulatedes Appius Claudius war das Oel in Rom nochsehr theuer, aber zu Plinius Zeiten sehen wir denOelbaum schon nach Frankreich und Spanien ver-pflanzt. Die Weinrebe, welche wir jetzt cultiviren,scheint Europa fremd zu sein. Sie wächst wildan den Küsten des caspischen Meeres, in Arme-nien und Caramanien. Von Asien wanderte sienach Griechenland, von Griechenland nach Sici-lien. Phocäer brachten den Weinstock nach demsüdlichen Frankreich, Römer pflanzten ihn an dieUfer des Rheins und der Donau. Auch die Vitis-arten, welche man wild in Neu-Mexico und Ca-nada findet, und welche dem zuerst von Normän-nern entdeckten Theile von Amerika den NamenWineland verschafften, sind von der jetzt überPensylvanien, Mexico, Peru und Chili verbreiteten Vitis vinifera specifisch verschieden. Ein Kirschbaum mit reichen Früchten beladenschmückte den Triumph des Lucullus. Die Be-wohner Italiens sahen damals zum ersten Maledieses asiatische Product, welches der Dictatornach seinem Siege über den Mithridates aus demPontus mitbrachte. Schon ein Jahrhundert späterwaren Kirschen gemein in Frankreich, in Englandund Deutschland 1). So verändert der Mensch nach Willkür die ursprüngliche Vertheilung der Gewächse, und ver-sammelt um sich die Erzeugnisse der entlegenstenKlimate. In Ost- und West-Indien, in den Pflan-zungen der Europäer bietet ein enger Raum denKaffee aus Jemen, das Zuckerrohr aus China,den Indigo aus Afrika, und viele andere Gewächsedar, welche beiden Hemisphären zugehören: einAnblick, der um so interessanter ist, als er inder Phantasie des Beobachters das Andenken aneine wunderbare Verkettung von Begebenheitenhervorruft, welche das Menschengeschlecht überMeer und Land, durch alle Theile der Erde ge-trieben haben. Wenn aber auch der rastlose Fleiß acker-bauender Völker eine Zahl nutzbarer Pflanzenihrem vaterländischen Boden entrissen, und siegezwungen hat, alle Klimate und alle Berghöhenzu bewohnen: so ist durch diese lange Knecht-schaft ihre ursprüngliche Gestalt doch nicht merk-lich verändert worden. Die Kartoffel, welche inChili 3500 Meter (fast 11,000 Fuß) hoch überdem Meere cultivirt wird, trägt dieselbe Blüthe,als die, welche man in die Ebenen von Sibirienverpflanzt hat. Die Gerste, welche die Pferdedes Atriden nährte, war unbezweifelt dieselbe,als die, welche wir heute noch einernten. Alle |130||Spaltenumbruch|Pflanzen und Thiere, welche gegenwärtig denErdboden bewohnen, scheinen seit vielen Jahr-tausenden ihre charakteristische Form nicht ver-ändert zu haben. Der Ibis, welchen man unterSchlangen- und Insectenmumien in den ägypti-schen Katakomben findet, und dessen Alter viel-leicht selbst über das der Pyramiden hinausreicht;dieser Ibis ist identisch mit dem, welcher gegen-wärtig an dem sumpfigen Ufer des Nils fischt.Diese Uebereinstimmungen, diese Beständigkeitder Form beweisen, daß die kolossalischen Thier-gerippe und die wunderbar gestalteten Pflanzen,welche das Innere der Erde einschließt, nicht ei-ner Ausartung jetzt vorhandener Species zuzu-schreiben sind, sondern daß sie vielmehr einenZustand unseres Planeten ahnen lassen, welchervon der jetzigen Anordnung der Dinge verschie-den und zu alt ist, als daß die Sagen des viel-leicht später entstandenen Menschengeschlechtesbis zu ihm aufsteigen könnten. Indem der Ackerbau die Herrschaft fremdereingewanderter Pflanzen über die einheimischenbegründet, werden diese nach und nach auf einenengen Raum zusammengedrängt. So macht dieCultur den Anblick des europäischen Bodens ein-förmig, und diese Einförmigkeit ist den Wünschendes Landschaftmalers, wie denen des im Freienforschenden Botanikers gleich entgegen. ZumGlücke für beide ist aber dies scheinbare Uebelnur auf einen kleinen Theil der gemäßigten Zoneeingeschränkt, in welchem Volksmenge und mo-ralische Bildung der Menschen am meisten zuge-nommen haben. In der Tropenwelt ist mensch-liche Kraft zu schwach, um eine Vegetation zubesiegen, welche den Boden unserm Auge ent-zieht, und nichts unbedeckt läßt, als den Oceanund die Flüsse. Die ursprüngliche Heimath derjenigen Ge-wächse, welche das Menschengeschlecht seit sei-ner frühesten Kindheit zu begleiten scheinen, istin eben solches Dunkel vergraben, als das Vater-land der meisten Hausthiere. Wir wissen nicht,woher jene Grasarten kommen, auf deren mehl-reichem Samen hauptsächlich die Nahrung allerkaukasischen und mongolischen Völker beruht.Wir kennen nicht die Heimath der Cerealien,des Waizens, der Gerste, des Hafers und desRoggens. Diese letztere Grasart scheint nochnicht einmal von den Römern cultivirt worden zusein. Zwar suchen altgriechische Mythen den Ur-sprung des Waizens in den Fluren von Enna in |Spaltenumbruch|Sicilien; zwar haben Reisende behauptet, dieGerste in Nord-Asien, am Ufer des Samara (imasiatischen Kaptschak, im Lande Orenburg), derin die Wolga fließt, den Spelz in Persien 2) beiHamadan, und den Roggen in Kreta wildwachsendentdeckt zu haben: aber diese Thatsachen bedür-fen einer genaueren Untersuchung; es ist so leicht,einheimische Pflanzen mit fremden zu verwech-seln, die, der Pflege und Herrschaft des Menschenentflohen, verwildernd ihre alte Freiheit in denWäldern wiederfinden. Auch die Gewächse, aufwelchen der Reichthum aller Bewohner der hei-ßen Zone beruht, Pisang, Melonenbäume, Cocos-palme, Jatropha und Mais, hat man noch nirgendsursprünglich wildwachsend beobachtet. Freilichhabe ich mehrere Stämme der erstern, fern vonmenschlichen Wohnungen, mitten in den Wäldernam Cassiquiare und Tuamini gesehen: vielleichtaber hat sie doch die Hand des Menschen dahinversetzt; denn der Wilde dieser Regionen, düster,ernst und mißtrauischen Gemüths, wählt abgele-gene Schluchten, um seine kleinen Pflanzungenanzulegen, Pflanzungen, die er, wechselliebendnach kindischer Art, bald wieder verläßt und mitandern umtauscht. Die verwilderten Pisangstämmeund die Melonenbäume 3) scheinen dann bald Er-zeugnisse des Bodens, auf dem sie sich mit ein-heimischen Gewächsen zusammengesellen. Ebensowenig habe ich je erfahren können, wo im neuenContinente die Kartoffel wild wachse: diese wohl-thätige Pflanze, auf deren Cultur sich großentheilsdie Bevölkerung des unfruchtbaren nördlichen Eu-ropa gründet, hat man nirgends in uncultivirtemZustande gefunden, weder in Nordamerika, nochin der Andeskette von Neu-Granada, Quito, Peru,Chili und Chiquitos; ungeachtet die Spanier meh-reren Gebirgsebenen den täuschenden Namen Pa-ramo de las Papas geben.

1) Einige Botaniker behaupten, daß die kleineVarietät von Prunus avium in Deutschland wild sei.Von Pflaumen und Birnen haben die Römer nurdie größeren schöneren Abarten aus Syrien einge-führt.2) Auf einem Berge, vier Tagereisen von Ha-madan, fand Michaux wilden Spelz. Er vermuthete,daß Triticum hibernum und Triticum aestivum in Per-sien einst ebenfalls wildwachsend entdeckt werdenwürden.3) Ich meine Carica papaya; denn Carica posposa glaube ich oft ursprünglich wild gesehen zu haben.