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Ueber die Moya, das merkwürdigste Produkt derVulkane des neuen Welttheils, findet sich in
Klap-roths Beiträgen, IV. 289. folgende, von
Humboldt
mitgetheilte Nachricht, woraus hervorgeht, wie sehrdie Vulkane der neuen Welt in ihren Phänomenen,Wirkungen und Erzeugnissen sich von denen unter-scheiden, die wir in Europa kennen.
Der gebirgigte Theil des Königreichs Quito, einPlateau von 400 Quadratmeilen, und 8 bis 9000 FußHöhe, ist gleichsam als ein einziger Vulkan zu be-trachten, dessen einzelne Spizen mit besonderen Na-men bezeichnet werden. Was man den Vulkan von
Tungurahua, oder Cotopaxi, oder Pichinga, nennt,sind wahrscheinlich nur einzelne Oeffnungen einesund desselben ungeheuren Feuerschlundes, über wel-chem viele hundert blühende Städte und Dörfer ge-baut sind. Daher die Erschütterungen mit furchtba-rem unterirdischen Donner begleitet, welche manüberall bemerkt. Daher öffnen sich, fern von deneinzelnen Kegelbergen, die man gemeinhin als die ei-gentlichen Vulkane von Quito betrachtet, Erdspalten,welche dieselben Produkte ausspeien, die aus ihrenVulkanen selbst hervorbrechen. Diese Produkte sindin dem Erdstriche, welcher zwischen dem 4 Gradnördlicher, und dem 12 Grad südlicher Breite liegt,(vielleicht den isolirt liegenden Vulkan Sangay abge-rechnet,) gegenwärtig nicht Lava in Strömen, son-dern ausgeworfene Schlacken, Asche, Bimsstein, undeine große Menge erdiger breiartiger Massen, welche
|316| die spanischen Einwohner Koth, Lodo, die Indianer
Muya, oder Moya, nennen, und in welchen oftzahllose Fischchen, die Prennadillas, eingehüllt sind.Daher hört man bei vulkanischen Eruptionen in Quitonur immer von Ueberschwemmungen, von Einhül-len in lettigen Koth, von Vergraben werden, undnicht von eigentlichen Feuerwirkungen. Die großeHöhe der Cordilleren, und deren mächtige Schnee-decken, begründen hauptsächlich die Verschiedenheitder Amerikanischen und Europäischen Vulkane. Selbstin diesen kommt selten Lava aus den Cratern. Wiehoch müßte diese nicht in dem Königreiche Quitogehoben werden? Der
Aetna, der Vesuv, der Pic von
Teneriffa, spalten sich gewöhnlich nahe an ihremFuße, und schieben dort Lavaströme hervor. DieVulkane der Andes liegen in der Gebirsgkette, nichtisolirt im flachen Lande. Sie sind oft bis zu 9000 FußHöhe von weiten Gebirgsebenen umgeben, nur ihreSpize ist frei und isolirt. Kann nun die geschmol-zene Masse nicht ausbrechen, so müssen Erdbebendesto häufiger seyn; dieselben Materien müssen unauf-hörlich von neuem bearbeitet und zermalmet werden.Die großen Weitungen, die in allen Vulkanen ge-funden werden, füllen sich allmählig mit geschmol-zenem Schneewasser an. Es entstehen unterirdischeSeen, die, fern vom vulkanischen Feuersize zahlloseFische nähren. Bei den Erdbeben brechen diese Seenaus, mit ihnen Fische, Wasser, und jene breiartigeräthselhafte Masse Moya, die man nicht mit dem
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Carguairazo,
der dem Chimborazo am nächstenliegt, in der Nacht vom 19. Juli 1698 gänzlich zu-sammenstürzte, überschwemmte er eine Gegend von15 bis 18 Quadratmeilen umher mit breiartigem Schlam-me. Die Zahl der umgekommenen Menschen war sogroß, daß man in Tacunga und Hambeto, die Leich-name in Gräben zusammenhäufen mußte. Bei demgroßen Erdbeben vom 4. Febr. 1797, haben 40,000Menschen, theils lebendig verschüttet, theils im Was-ser und vulkanischem Koth, ihren Untergang ge-funden.
Die Moya bricht gewöhnlich auf ebenen, etwasfeuchten, grün bewachsenen Fluren aus. Ob die,welche im Jahr 1797 sich bei Riobamba in fortschrei-tenden kleinen Kegeln heraushob, chemisch von derMoya von Pelileo verschieden ist, ist nicht bekannt.Die Moya, welche das Dorf Pelileo, d. 4. Febr. 1797zerstörte, brach in 1250 Toisen Höhe, am Fuß einesTrapp-Porphyr-Felsens aus (eines graulichgrünen
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