Digitale Ausgabe

Download
TEI-XML (Ansicht)
Text (Ansicht)
Text normalisiert (Ansicht)
Ansicht
Textgröße
Originalzeilenfall ein/aus
Zeichen original/normiert
Zitierempfehlung

Alexander von Humboldt: „Schreiben Alexanders v. Humbold, an den B. Delambre, immerwährenden Sekretär des National-Instituts, Lima, vom 25 Nov. 1802“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1803-Copie_d_une-08> [abgerufen am 19.07.2024].

URL und Versionierung
Permalink:
https://humboldt.unibe.ch/text/1803-Copie_d_une-08
Die Versionsgeschichte zu diesem Text finden Sie auf github.
Titel Schreiben Alexanders v. Humbold, an den B. Delambre, immerwährenden Sekretär des National-Instituts, Lima, vom 25 Nov. 1802
Jahr 1803
Ort Ulm
Nachweis
in: Allgemeine Zeitung 243 (31. August 1803), S. 970–972; 244 (1. September 1803), S. 975–976.
Sprache Deutsch
Typografischer Befund Fraktur (Umlaute mit superscript-e); Spaltensatz; Antiqua für Fremdsprachiges; Auszeichnung: Sperrung; Tabellensatz.
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: II.17
Dateiname: 1803-Copie_d_une-08
Statistiken
Seitenanzahl: 5
Spaltenanzahl: 10
Zeichenanzahl: 21035

Weitere Fassungen
Copie d’une lettre de M. Humboldt, adressée au C. Delambre, l’un des secrétaires perpétuels de l’Institut national (datée de Lima le 25 novembre 1802) (Paris, 1803, Französisch)
Auszug aus einem Briefe des Hrn. Alexander von Humboldt an Hrn. Delambre (Weimar, 1803, Deutsch)
Letter from M. Humboldt to C. Delambres, one of the perpetual Secretaries of the National Institute (London, 1803, Englisch)
Copie d’une lettre lue à la classe des sciences physiques et mathématiques de l’Institut national. Alexandre Humboldt au citoyen Delambre, secrétaire perpétuel de l’Institut national (Paris, 1803, Französisch)
Copie d’une lettre lue à la Classe des Sciences physiques et mathématiques de l’Institut national. Alexandre Humboldt, au cit. Delambre, Secrétaire perpétuel de l’Institut national (Paris, 1803, Französisch)
Alexandre Humboldt au Citoyen Delambre, Secrétaire perpétuel de l’Institut National (London, 1803, Französisch)
Kurzer Auszug aus Hrn. Alexand. v. Humboldt’s Brief (aus Lima vom 25 Nov. 1802) an B. Delambre zu Paris (Weimar, 1803, Deutsch)
Schreiben Alexanders v. Humbold, an den B. Delambre, immerwährenden Sekretär des National-Instituts, Lima, vom 25 Nov. 1802 (Ulm, 1803, Deutsch)
Copy of a letter read in the class of physical and mathematical sciences. Alexander Humboldt to Citizen Delambre, Perpetual Secretary of the National Institute. From Lima, the 25th November, 1802 (London, 1803, Englisch)
Extrait d’une lettre d’Alexandre Humboldt au C. Delambre, secrétaire-perpétuel de l’institut national (Brüssel, 1803, Französisch)
Letter from M. Humboldt to M. Delambre, relative to his Travels in South America (London, 1803, Englisch)
Copie d’une lettre de M. Humboldt, adressée au citoyen Delambre, l’un des secrétaires perpétuels de l’Institut national (datée de Lima le 25 novembre 1802) (Paris, 1803, Französisch)
Brief van Alexander v. Humbold aan den B. Delambre, Aanhoudenden Geheimschryver van het Nat. Institut te Parys (Haarlem, 1803, Niederländisch)
Briefe des Herrn Oberbergraths von Humboldt (Berlin; Stettin, 1803, Deutsch)
Brief des Herrn von Humboldt an Delambre, beständigen Secretär des Instituts (Leipzig, 1803, Deutsch)
A letter from Baron Humboldt to a member of the National Institute at Paris (Philadelphia, Pennsylvania, 1804, Englisch)
[Copie d’une lettre de M. Humboldt, adressée au citoyen Delambre, l’un des secrétaires perpétuels de l’Institut national (datée de Lima le 25 novembre 1802)] (London, 1805, Englisch)
|970| |Spaltenumbruch| |Spaltenumbruch|

Schreiben Alexanders v. Humbold, an den B. De-lambre, immerwaͤhrenden Sekretaͤr des Natio-nal-Inſtituts, Lima, vom 25 Nov. 1802. (Aus dem Moniteur.)

Ich komme ſo eben aus dem Innern des Landes, mein ach-tungswuͤrdiger Freund, wo ich in einer groſen Ebene Verſuche |971| |Spaltenumbruch| uͤber die ſtuͤndlichen Abweichungen der Magnetnadel angeſtellt ha-be, und erfahre mit Verdruß, daß die Fregatte Aſtigarraga, die erſt in 14 Tagen nach Cadiz abſegeln ſollte, ihre Abreiſe be-ſchleunigt hat, und heute Nacht unter Segel gegangen iſt. Die-ſes war ſeit 5 Monaten die erſte Gelegenheit, die ſich uns in derEinſamkeit des Suͤdmeers nach Europa anbot, und der Mangelan Zeit verbietet mir, dem National-Inſtitut, welches mir ſoeben ſo ruͤhrende Beweiſe ſeiner Theilnahme und ſeines Wohlwol-lens gibt, wie es meine Pflicht waͤre, zu ſchreiben. Wenig Tagevor meiner Abreiſe von Quito nach Jaen und dem Amazonen-fluß empfieng ich das Schreiben vom 2 Pluvioſe Jahr 9, das mirdieſe beruͤhmte Geſellſchaft durch Sie zukommen ließ. Es blieb2 Jahre unterwegs, ehe es mich in der Kordillera der An-den traf. Ich empfieng es den Tag nach einer zweiten Wande-rung, die ich nach dem Krater des Vulkans von Pichincha machte, um einen Elektrometer von Volta dahin zu bringen, undſeinen Durchmeſſer zu meſſen. Ich fand ihn 752 Toiſen, da derdes Veſuvs nur 312 betraͤgt. Dieſes erinnert mich, daß La Con-damine und Bouguer auf dem Gipfel des Guaguapi-chincha, wo ich oft war, (und den ich als klaſſiſchen Boden liebe),ihre erſten Briefe von der ehemaligen Akademie erhielten, und ichbilde mir ein, daß der Pichincha, si magna licet componereparvis, den Phyſikern Gluͤk bringt. Wie ſoll ich Ihnen ausdruͤken, mit welchem Genuß ich dieſenBrief des Inſtituts, und die wiederholte Verſicherung Ihres An-denkens geleſen habe! Wie ſuͤß iſt die Ueberzeugung, daß man inder Erinnerung derer lebt, welche ohne Unterlaß bemuͤht ſind, dieFortſchritte des menſchlichen Geiſtes zu befoͤrdern! In den Einoͤ-den der Ebenen des Apure, in den dichten Waͤldern von Ca-ſiguian und des Oronoko’s, allenthalben waren mir Ihre Na-men gegenwaͤrtig, und indem ich die verſchiedenen Zeitpunkte mei-nes umherſchweifenden Lebens uͤberdachte, verweilte ich mit Ver-gnuͤgen bei den Jahren 6 und 7, wo ich unter Ihnen wohnteund wo Laplace, Fourcroix, Vauquelin, Hallé , Lalande, Guy-ton, Chaptal, Juſſieu, Desfontaines, Prony, und beſondersSie, großmuͤthiger, gefuͤhlvoller Mann, mich in den Ebenen von Lieurſaint mit Guͤte uͤberhaͤuften; empfangen Sie alle denZoll meiner zaͤrtlichen Ergebenheit, meines unablaͤſigen Dankes. Lange, ehe ich den von Ihnen als Sekretaͤr des Inſtituts ge-ſchriebenen Brief erhielt, ſchikte ich nacheinander drei Briefe andie Klaſſe der Phyſik und Mathematik, zwei von Santa -de Bogota, welche einen Aufſaz uͤber das Geſchlecht der Chin-kona enthielten, (das heißt, Proben von der Rinde von ſiebe-nerlei Arten, kolorirte Zeichnungen, welche dieſe Pflanzen mit derZergliederung der Blume, die in der Laͤnge der Staubfaͤden ſo ſehrvoneinander abweicht, darſtellten, und ſorgſam getroknete Gerippederſelben). Der D. Mutis, der mir tauſend Gefaͤlligkeiten er-zeigt hat, und dem zu Gefallen ich den Magdalenenfluß in 40 Ta-gen herauf ſchifte, der D. Mutis hat mir uͤber hundert praͤch-tige Zeichnungen in groß Folio geſchenkt, welche die neuen Ge-ſchlechter und Arten ſeiner Flora von Bogota, die nur in derHandſchrift vorhanden iſt, vorſtellen. Ich habe gemeint, daß dieſeSammlung, die eben ſo intereſſant fuͤr die Botanik, als merk-wuͤrdig wegen der ſchoͤnen Farbengebung iſt, ſich in keinen beſſernHaͤnden befinden koͤnnte, als in denen von Juſſieu, Lamarck |Spaltenumbruch| und Desfontaines, und habe ſie alſo als einen geringen Be-weis meiner Ergebenheit dem National-Inſtitut vorgelegt. DieſeSammlung und die Chinkonas ſind gegen den Junius dieſesJahrs nach dem indiſchen Karthagena abgegangen, und H. Mutis ſelbſt hat es auf ſich genommen, ſie nach Paris zu befoͤrdern.Ein dritter Brief an das Inſtitut gieng von Quito ab, mit einergeologiſchen Sammlung der Produkte des Pichincha, Coto-paxi und Chimboraſſo. Wie traurig iſt die Ungewißheit uͤberdie Ankunft dieſer Dinge, wie auch der ſeltenen Saͤmereien, wel-che wir ſeit drei Jahren nach dem botaniſchen Garten zu Parisabgeſchikt haben! Die wenige Muße, welche mir heute vergoͤnnt iſt, erlaubtmir nicht, Ihnen einen Abriß meiner Reiſen und Beſchaͤftigungenſeit unſrer Ruͤkkehr von Rio Negro zu geben. Sie wiſſen, daßes in der Havannah war, wo uns die falſche Nachricht von derAbreiſe des Kapitaͤn Baudin nach Buenos Ayres zu Ohrenkam. Meinem Verſprechen, zu ihm zu ſtoſſen, wo es mir moͤg-lich ſeyn wuͤrde, getreu, und uͤberzeugt, den Wiſſenſchaften nuͤz-licher zu ſeyn, wenn ich meine Bemuͤhungen mit denen der Na-turforſcher des Kapit. Baudin verbaͤnde, ſtand ich keinen Au-genblik an, den kleinen Triumph, mein eigenes Unternehmen zubeendigen, aufzuopfern, und ruͤſtete ſogleich in Batabano ein klei-nes Fahrzeug aus, um mich nach dem indiſchen Karthagena zubegeben. Stuͤrme verlaͤngerten dieſen kleinen Weg uͤber einenMonat, die Winde der Suͤdſee, wo ich den Kapit. Baudin zuſuchen meinte, waren vorbei, und ich betrat den beſchwerlichenWeg von Honda, Ibague, von den Gebuͤrgen von Quindiu,Popayan und Paſta nach Quito. Meine Geſundheit fuhr fort,auf eine wunderbare Weiſe den Abwechſelungen der Temperaturzu trozen, denen man auf dieſem Wege ausgeſezt iſt. Taͤglichſteigt man von Schneehoͤhen von 2,460 Toiſen in Thaͤler herab,wo Reaumuͤrs Thermometer nie unter 24 bis 26° ſteht. MeinBegleiter, B. Bompland, deſſen Kenntniſſe, Muth und unbe-begreifliche Thaͤtigkeit mir in den Unterſuchungen fuͤr Botanik undvergleichende Anatomie von dem groͤßten Nuzen waren, hat zweiMonate am dreitaͤgigen Fieber gelitten. Die Regenzeit uͤberfieluns auf dem gefaͤhrlichſten Theil unſers Wegs, auf dem hohenRuͤken der Paſta’s. Nach einer Reiſe von 8 Monaten kamen wirin Quito an, wo wir erfuhren, daß der Kapit. Baudin ſeinenWeg von Weſten nach Oſten auf das Vorgebuͤrge der guten Hof-nung genommen haͤtte. Der Unfaͤlle gewohnt, troͤſteten wir unsmit dem Gedanken, ſo groſe Opfer gebracht zu haben, um dasGute zu befoͤrdern. Wenn wir den Blik auf unſre getroknetePflanzen, auf unſre barometriſchen und geodeſiſchen Ausmeſſun-gen, auf unſre Zeichnungen, auf unſre Verſuche uͤber die Luftauf den Kordilleras warfen, konnten wir es uns nicht leid ſeynlaſſen, Laͤnder durchreist zu haben, deren groͤßter Theil vor unsnoch kein Naturforſcher beſuchte. Wir fuͤhlten lebhaft, daß derMenſch auf nichts rechnen ſoll, als auf das, was ſeine eigeneinnere Kraft hervorbringt. Die Provinz Quito, der hoͤchſte Punktder Welt, welcher durch die groſe Kataſtrophe des 4 Febr. 1797zerriſſen iſt, bot uns ein weites Feld fuͤr phyſiſche Beobachtungendar. Solche ungeheure Vulkane, deren Flammen auf die Hoͤhevon 1,000 Metern ſteigen, haben nie einen Tropfen fluͤſſiger Lavahervorgebracht; ſie werfen kochendes Waſſer aus, ſchwefelſaurenWaſſerſtoff, Schlamm und gekohlte Thonerde, (argile carbo- |972| |Spaltenumbruch| né?). Seit 1797 iſt dieſer ganze Welttheil in Aufruhr.Jeden Augenblik empfinden wir furchtbare Erſchuͤtterungen, undin den Ebenen von Riobomba gleicht das unterirdiſche Ge-toͤſe einem Berg, der unter unſern Fuͤſſen einſtuͤrzte. Die at-mosphaͤriſche Luft, und der durchnaͤßte Boden, (alle dieſe Vul-kane befinden ſich in einem auſgeloͤsten Porphir), ſcheinen diegroſen Triebfedern dieſer Entzuͤndung und unterirdiſchen Gaͤh-rung.... Bis jezt glaubte man in Quito, 2,470 Toiſen ſeydie aͤuſſerſte Hoͤhe, in welcher der Menſch die Duͤnne der Luft er-tragen koͤnnte. Im Monat Maͤrz 1802 brachten wir einige Mo-nate in der groſen Ebene zu, welche den Vulkan Antiſana in derHoͤhe von 2,107 Toiſen umgibt, wo den Ochſen, wenn man ſiejagt, oft Blut aus dem Maule ſtuͤrzt. Den 16 Maͤrz entdektenwir einen Weg auf dem Schnee, einen ſanften Abhang, wo wirbis zu 2,773 Toiſen aufwaͤrts ſtiegen. Die Luft enthielt 0,008Kohlenſaͤure, 0,218 Sauerſtof, und 0,774 Stikſtof. Der Ther-mometer von Reaumuͤr zeigte nur auf 15°, und es war gar nichtkalt, dennoch drang uns das Blut aus den Augen und den Lip-pen. Das Lokale erlaubte uns nicht, die Verſuche von Bordas Kompaß anderswo, als in einer Hoͤhle tiefer unten, auf 2,467Toiſen, zu machen. Die Intenſitaͤt der magnetiſchen Kraͤftewar in dieſer Hoͤhe groͤſer, als in Quito, in dem Verhaͤltniß von230 zu 218; man muß aber nicht vergeſſen, daß oft die Zahl derSchwingungen zunimmt, wenn die Inklination abnimmt, unddaß dieſe Intenſitaͤt durch die Gebuͤrgsmaſſe vermehrt wird, de-ren Porphyre auf den Magnet wuͤrken. Bei der Expedition, dieich am 23 Jun. 1802 auf dem Chimboraſſo machte, hatten wirerfahren, daß man, wenn man Geduld hat, eine noch groͤſereDuͤnne der Luft ertragen kan. Wir gelangten 500 Toiſen hoͤher,wie La Condamine, (auf den Corazon), und nahmen auf demChimboraſſo bis auf 3,031 Toiſen Inſtrumente mit. Wie derMerkur im Barometer auf 18 Zoll 11,2 Linien fiel; der Thermo-meter 1°3′ unter Null ſtand, drang uns noch das Blut aus denLippen. Unſre Indianer verlieſſen uns, wie ſie zu thun pflegten;der B. Bompland, H. Montuſon, Sohn des Marquis von Sel-valegre aus Quito, waren die einzigen, die es aushielten; wirempfanden alle ein Unbehagen, eine Schwaͤche, eine Neigungzum Erbrechen, die gewiß weit mehr dem Mangel an Sauerſtofin dieſer Region zuzuſchreiben iſt, als der Duͤnne der Luft. Einefurchtbare Erdſpalte verhinderte uns, den Gipfel des Chimboraſſoſelbſt zu erklimmen; es fehlten uns bis dorthin noch 206 Toiſen.Sie wiſſen, daß uͤber die Hoͤhe dieſes Koloſſen noch eine groſeUngewißheit herrſcht; La Condamine, der ihn ſehr von weitem maß,gab ihm ungefaͤhr 3,220 Toiſen, indeß ihn Don George Juan auf3,380 Toiſen ſchaͤzt, ohne daß dieſe Verſchiedenheit aus der ver-ſchiedenen Hoͤhe entſteht, welche dieſe Aſtronomen fuͤr die Hoͤhedes Signals von Carabouron annehmen. Ich maß in der Ebenevon Tapia eine Baſis von 1,702 Metern — (verzeihen Sie mir,daß ich bald von Toiſen, bald von Metern ſpreche, je wie es dieNatur meiner Inſtrumente mit ſich bringt; Sie begreifen leicht,daß ich alles, ehe ich meine Unternehmungen bekannt mache, aufden Meter und den centigraden Thermometer berechnen werde);— zwei geodeſiſche Operationen beſtimmten mir den Chimboraſſozu 3,267 Toiſen uͤber dem Meer, allein man muß dieſe Berech- |Spaltenumbruch| nung nach der Entfernung des Sektanten vom kuͤnſtlichen Hori-zont berichtigen. Der Vulkan Tongouragoa hat ſeit La Con-damine’s Zeit ſehr abgenommen. Statt 2,620 Toiſen finde ichihn nur noch 2,531, und ich darf glauben, daß dieſer Unterſchied,nicht aus einem Irthum in der Unterſuchung entſteht, denn beimeiner Meſſung des Cayambo, Antiſana, Cotopaxi,Iliniga weiche ich oft um keine 10 Grade von den Reſultaten La Condamine’s und Bouguer’s ab. Auch ſagen alle Einwohnerdieſer ungluͤkſeligen Gegend, daß der Tongouragoa augen-ſcheinlich geſunken ſey. Der Cotopaxi hingegen, der ſo heftigeAusbruͤche erlitt, iſt jezt noch eben ſo hoch, wie 1744, ſelbſt nochetwas hoͤher, welches aber vielleicht einem Irthum von meinerSeite zuzuſchreiben iſt. Allein der ſteinigte Gipfel des Cotopaxibeweist wuͤrklich auch, daß es ein Rauchfang iſt, der widerſteht,und ſeine Geſtalt immer beibehaͤlt. Die Beobachtungen, welchewir vom Januar bis Julius in den Anden von Quito anſtellten,gaben den Einwohnern die traurige Nachricht, daß der Kratervon Pichincha, welchen La Condamine mit Schnee angefuͤllt fand,wieder brennt, und daß der Chimboraſſo, den man fuͤr ſo friedlichund harmlos hielt, ein Vulkan war, und vielleicht es wieder wer-den kan. Wir fanden bis zu der Hoͤhe von 3,031 Toiſen ver-brannte Felſen und Bimsſteine. Wehe dem Menſchengeſchlecht,wenn das vulkaniſche Feuer — (denn man kan ſagen, daß dieganze Bergebene von Quito ein einziger Vulkan mit mehrerenGipfeln iſt) — ſich durch den Chimboraſſo Luft macht. Es iſt oftgedrukt worden, daß dieſer Berg von Granit ſey, allein man fin-det keine Spur davon. Er beſteht aus hie und da in Saͤulengebildeten Porphyr, welcher verglasten Feldſpat, Hornſteinund Olivin einſchließt. Dieſe Porphyrlage hat eine Dike von1,900 Toiſen. Ich koͤnnte bei dieſer Gelegenheit eines pola-riſirenden Porphyrs erwaͤhnen, den wir in Vaiſaco bei Paſta entdekt haben, und der gleich dem Serpentinſtein,den ich in dem Journal de Physique beſchrieb, Pole ohne An-ziehungskraft beſizt. Ich koͤnnte Ihnen andre Thatſachen in Ruͤk-ſicht des groſen Geſezes der Erdſchichten und ihrer ungeheuernDike in der Gegend der Mittagslinie mittheilen, aber das waͤrefuͤr einen Brief, der vielleicht verloren geht, zu viel; ich kommeein andermal darauf zuruͤk. Nur das will ich noch hinzufuͤgen,daß wir dem B. Cuvier auſſer den Elephantenzaͤhnen, die wir ihmvon der Berg-Ebene Santa , von einer Hoͤhe von 1,350 Toi-ſen, ſchikten, noch andre ſchoͤnere aufbewahren, theils von demfleiſchfreſſenden Elephanten, theils von einer, von der afrikani-ſchen etwas verſchiedenen, Gattung, aus dem Thale Timana,aus der Stadt Ibarra, und aus Chili. Das Daſeyn dieſes fleiſch-freſſenden Ungeheuers von dem Ohio, 50° noͤrdlicher, bis zu35° oͤſtlicher Breite, iſt alſo erwieſen. (Die Fortſezung folgt.) |975| |Spaltenumbruch| |Spaltenumbruch|

Schreiben Alexanders v. Humbold, an den B. De-lambre, immerwaͤhrenden Sekretaͤr des Natio-nal-Inſtituts, Lima, vom 25 Nov. 1802. (Aus dem Moniteur.)(Fortſezung.)

In Quito brachte ich ſehr angenehme Augenblike zu. DerPraͤſident der Audienzen, Baron v. Corundeles, hat uns mitGuͤte uͤberhaͤuft, und ſeit 3 Jahren habe ich mich nicht einen ein-zigen Tag uͤber die Agenten der ſpaniſchen Regierung zu beklagengehabt; ſie haben mich allenthalben mit einer Delikateſſe, einerAuszeichnung behandelt, die meine ewige Dankbarkeit verdient.Ich habe mich viel mit den Pyramiden und ihrer Grundlage be-ſchaͤftigt, und halte ſie, was die Ekſteine betrift, gar nicht fuͤrverruͤkt. Ein grosmuͤthiger Privatmann, ein Freund der Wiſſen-ſchaften und der Maͤnner, welche ſie befoͤrderten, wie La Conda-mine, Godin und Bouguer, der Marquis von Selvalegre inQuito, gedenkt ſie wiederherſtellen zu laſſen; doch das fuͤhrt michzu weit. Nachdem wir uͤber Aſſouay und Cuença, (wo man Stierge-fechte gab), gekommen waren, nahmen wir den Weg von Loxa,um unſre Arbeit uͤber den Cinchona zu vollenden. Von dabrachten wir einen Monat in den Provinzen Taen, Braca-moros, und in den Pongos des Amazonenfluſſes zu, deſſenUfer mit Juſſieu’s Andira und Bougainvillea geziert ſind.Es ſchien mir intereſſant, die Laͤnge von Tomependa und Chu-chunga, wo die Karte von La Condamine anfaͤngt, zu beſtimmen,und dieſe Punkte mit der Kuͤſte zu verbinden. La Condamine hatnur die Laͤnge der Muͤndung des Napo beſtimmen koͤnnen,die Zeitbeobachter kannte man noch nicht, ſo daß die Laͤngenmaſſedieſer Gegend noch viel Veraͤnderung beduͤrfen. Mein Chronome-ter von Louis Berthoud thut Wunder, wie ich mich uͤberzeuge,indem ich mich von Zeit zu Zeit durch den erſten Trabanten desJupiters orientire, und meine Verſchiedenheiten der Mittagshoͤ-hen Punkt fuͤr Punkt mit denen vergleiche, welche H. Fidalga bei ſeinen Operationen fand, als er auf Befehl des Koͤnigs tri-gonometriſche Operationen von Cumana bis Karthagena gemacht |976| |Spaltenumbruch| hat. Von dem Amazonenfluß giengen wir durch die Bergwerkevon Haalgayac, (welche jaͤhrlich eine Million Piaſter einbringen,und wo das graue, ſilberhaltige Kupfererz ſich zu 2,065 Toiſenbefindet), uͤber die Anden. Wir ſtiegen ſie bei Truxilla herab,uͤber Cascamarca, wo ich in Atahualpas Pallaſt die peruvianiſchenBoͤgen und Gewoͤlbe zeichnete. Von da durchzogen wir die Ein-oͤden an der Kuͤſte vom Suͤdmeer bis Lima, wo die Haͤlfte desJahres der Himmel mit diken Duͤnſten bedekt iſt. Ich eilte, bisdahin zu gelangen, um den 9 Nov. 1802 den Durchgang desMerkurs zu beobachten. (Hier folgen zwei Seiten aſtronomiſcherBerechnungen.) Unſre Sammlungen von Pflanzen und von Zeichnungen zurZergliederung der Geſchlechter, nach den Ideen, die mir der B. Juſſieu bei unſern Unterredungen in der naturhiſtoriſchen Geſell-ſchaft an die Hand gegeben hatte, ſind durch die Reichthuͤmer,die wir in Quito, Loxa, am Amazonenfluß, und auf den Kor-dilleras von Peru gefunden haben, ſehr vermehrt worden. Wirhaben viele Pflanzen, die Joſeph Juſſieu ſah, gefunden, zumBeiſpiel den Llogue affinis Guillajac, und andere. Wirhaben eine neue Art von Heſperis, die allerliebſt iſt, einige Collatix, verſchiedene Paſſifloras und Loranthus, als Baͤume von 60 Schuh. Beſonders ſind wir an Palmen undgrasartigen Pflanzen ſehr reich, woruͤber der B. Bompland eineausfuͤhrliche Abhandlung geſchrieben hat. Wir haben jezt 3,784ſehr vollſtaͤndige lateiniſche Beſchreibungen, und beinahe ein Drit-theil Pflanzen in den Herbarien, die wir nicht Zeit hatten, zubeſchreiben. Es gibt keine Pflanze, von der wir nicht den Felſennennen koͤnnten, wo ſie wuchs, und nach Toiſen gemeſſen, dieHoͤhe, auf welcher ſie ſich befindet, ſo daß die Geographie derPflanzen in unſern Handſchriften ſehr genaue Materialien findet.Um unſre Sache recht gut zu machen, haben der B. Bompland und ich, jeder fuͤr ſich, dieſelbe Pflanze beſchrieben; allein zweiDrittheile und mehr von den Beſchreibungen verdankt man ein-zig dem Fleiß des B. Bompland, deſſen Eifer und Ergebenheitfuͤr den Fortgang der Wiſſenſchaften nicht genug zu bewunderniſt. Juſſieu, Desfontaines und Lamark haben einen Schuͤler inihm gebildet, der ſich ſehr auszeichnen wird. Wir haben unſre Herbarien mit denen des H. Mutis vergli-chen, und viele Buͤcher in der ungeheuern Bibliothek dieſes groſenMannes zu Rathe gezogen. Wir ſind uͤberzeugt, viele neue Ge-ſchlechter und Arten zu haben. Allein es wird viel Zeit und Muͤhekoſten, um zu entſcheiden, was wuͤrklich neu iſt. Wir bringenauch eine ſchotenartige Subſtanz mit; ſie gleicht dem oſtindiſchen Tabaxir, welchen H. Mutis analyſirt hat. Sie findet ſich inden Aſtknoten einer rieſenmaͤſigen Grasart, die man mit demBambus verwechſelt, deſſen Blume aber von Schrebers Bam-buſa abweicht. Ich weiß nicht, ob der B. Fourcroix die Milchder Kuhpflanze, wie die Indier dieſen Baum nennen, erhaltenhat. Es iſt eine Milch, welche mir durch Huͤlfe der Salpeter-ſaͤure einen balſamiſch riechenden Caoutchouk gegeben hat, dieaber, ſtatt freſſend und ſchaͤdlich zu ſeyn, wie alle andre Pflan-zenmilch, nahrhaft und angenehm zu trinken iſt. Wir fandenſie auf dem Wege nach dem Oronoko in einer Pflanzung, woſie die Neger viel trinken. Ich habe auch an den B. Four-croix uͤber Guadeloupe, und an Sir Joſeph Banks uͤber die Tri-nidad, unſer Dapiſche, oder den weiſſen oxygenirten Caout- |Spaltenumbruch| chouk geſchikt, welchen ein Baum in den Waͤldern von Pimi-chin, in dem entfernteſten Winkel der Welt, bei den Quellen desRio Negro, durch ſeine Wurzeln ausſchwizt. Endlich nach dreijaͤhrigem Warten iſt uns der himmliſche Me-chanismus von Laplace im November 1802 zugekommen. Ichhabe mich mit grenzenloſem Heißhunger daruͤber her gewor-fen....... Dieſes Buch hat mich aufs neue vermocht, meine Unterſu-chungen uͤber die atmosphaͤriſche Ebbe und Fluth, woruͤber ichim Jahre 1799 zu Cumana eine Menge Beobachtungen anſtellte,wieder fortzuſezen; ich ſprach davon in meinem Brief an den B. Lalande. Godin hat etwas davon gewußt, ohne die Urſache anzu-geben. Moſely ſagt faͤlſchlich in einer Abhandlung uͤber dieKrankheiten unter den Wendezirkeln, daß der Barometer alsdanndas Maximum erreicht, wenn die Sonne in der Mittagshoͤheſteht, das iſt ſehr falſch; das Maximum findet ſtatt in der 21 undder 11 Stunde, das Minimum um 4 Uhr und 15 1∫2 Uhr. DerMond ſcheint nicht ſowohl die Epochen als die Quantitaͤt derHoͤhen zu veraͤndern. Ich beobachte jezt vorzuͤglich die Tage derOppoſition und Konjunktion, und da mein Barometer die Zwan-zigtheile einer Linie angibt, ſo zweifle ich nicht, daß der B. La-place, deſſen Genie die Ebbe und Fluth des Meers gebaͤndigthat, nicht auch die Geſeze der Ebbe und Fluth der Luft entdekenwerde, ſo bald ich ihm nur einige tauſend Beobachtungen werdevorgelegt haben. Sehen Sie ſelbſt, wie merkwuͤrdig die Erſcheinung iſt.
p. lig.
24 November 10 Uhr Morgens 27 . 5 . 75
— — — — — 12 . 45 M. . . . 5 . 45
— — — — — 2 . 0 . . . . 5 . 25
— — — — — 3 . 30 . . . . 5 . 10
— — — — — 4 . 45 . . . . 5 . 0
— — — — — 5 . 30 . . . . 5 . 10
— — — — — 7 . 0 . . . . 5 . 60
— — — — — 8 . 0 . . . . 5 . 60
— — — — — 9 . 0 . . . . 5 . 65
— — — — — 10 . 30 . . . . 5 . 65
Zugleich beobachte ich den Hygrometer und Thermometer. MeinBarometer iſt ein engliſcher. Ich gehe aber zu weit. Ich wollte meinem lieben Freund Pommard ſchreiben; die Zeit fehlt mir, er liebt mich und wirdmich entſchuldigen. Ich gehe nicht nach den Philippinen. Ich gehe uͤber Akapulko,Mexiko, Havannah, nach Europa, wo ich Sie, wie ich hoffe, imSeptember oder Oktober 1803 zu Paris umarmen werde. ImFebruar werde ich in Mexiko ſeyn, im Julius in Havannah, dennich denke an nichts als an die Manuſcripte, die ich beſize, unddem Publikum mittheilen will. O wie wuͤnſche ich in Paris zuſeyn!