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Alexander von Humboldt: „[Esquisse d’un tableau géologique de l’Amérique méridionale]“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1801-Esquisse_d_un-3-neu> [abgerufen am 15.07.2024].

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https://humboldt.unibe.ch/text/1801-Esquisse_d_un-3-neu
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Titel [Esquisse d’un tableau géologique de l’Amérique méridionale]
Jahr 1803
Ort Salzburg
Nachweis
in: Annalen der Berg- und Hüttenkunde 2 (1803), S. 22–69, Tafel.
Sprache Deutsch
Typografischer Befund Antiqua (mit lang-s); Auszeichnung: Kursivierung; Fußnoten mit Asterisken; Besonderes: Handschriftliches, Zeichnung.
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: II.8
Dateiname: 1801-Esquisse_d_un-3-neu
Statistiken
Seitenanzahl: 48
Zeichenanzahl: 71960

Weitere Fassungen
Esquisse d’un tableau géologique de l’Amérique méridionale (Paris, 1801, Französisch)
Skizze einer Geologischen Schilderung des südlichen Amerika (Weimar, 1802, Deutsch)
[Esquisse d’un tableau géologique de l’Amérique méridionale] (Salzburg, 1803, Deutsch)
Sketch of a Geological Delineation of South America (London, 1804, Englisch)
Geological Description of South America (London, 1804, Englisch)
Geognostische Skizze von Südamerika, von Alexander von Humboldt, mit erläuternden Bemerkungen des Herausgebers (Halle, 1804, Deutsch)
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  • April. S. 293 — 388. Hier fängt S. 310 bis 329 (ein vor-treflicher Aufſaz Humbold’s an; er läuft im Mai-Stüke (S.389 — 420) fort. Dennoch iſt es nur ein Auszug aus einerAbhandlung, die der V. nebſt einer geologiſchen Sammlungan die Directoren des naturhiſtoriſchen Cabinets zu Madrid aus Südamerica eingeſandt hat; Delametherie rükte ihn indas Journal de physique P. 53. (Meſsidor 9.) ein; darausüberſezten ihn die Herausgeber der geographiſchen Epheme- |23| riden und aus dieſen entlehne ich ihn wieder, faſt unver-ändert, da man nicht wohl aus einem Auszuge wieder ei-nen Auszug liefern kann, und jedermann bekennen wird,daß man überhaupt bei Humboldt’s Schriften bei ihrer Ge-drängtheit und Fülle gar zu ſchwer darankomme, auch nureine Zeile wegzulaſſen, oder ſie noch gedrängter und den-noch ohne Verluſt für die Wiſſenſchaft auszuſprechen. Al-ſo Skizze einer geologiſchen Schilderung des ſüdlichen Americavon F. A. v. Humboldt.
  • Seitdem er die beiden erſten Skizzen ſeiner geologiſchen Schil-derung des ſüdlichen America’s von Caracas und Nueva Va-lencia nach Madrid geſchikt, habe er einen Weg von 1200Meilen zurükgelegt, und auf demſelben ein Vierek zwi-ſchen Caribe, Portocabello, Pimichin und Eſmeralde beſchrie-ben, deſſen Raum über 59000 Quadratmeilen betrage; denndas Land zwiſchen dem Berge Parca, und Portocabello, und zwiſchen der nördlichen Küſte und dem Thale des ſchwar-zen Fluſſes, der ſich in den Amazonenfluß ergießt, kenne ernicht. Bei dem ungeheuren Umfange dieſes Erdſtrichs müſ-ſe er ſich begnügen, mit groben Zügen zu malen, um dasGezimmer der Erde, die Abdachung des Ländes, die Rich-tung und Neigung der Gebirgslagen, ihr relatives Alter,ihre Aehnlichkeit mit den Bildungen in Europa kenntlichzu machen. Dieſe Umſtände zu erfahren, ſey das drin-gendſte Bedürfniß der Wiſſenſchaft; man müſſe ſich in derMineralogie orientiren, wie man ſich in der Geographieorientirt; wir kennen Steine, aber keine Berge; wir habendie Materialien; aber wir kennen das Ganze nicht, von dem |24| ſie Theile ſind. Er hoffe, daß unter der Menge von Gegen-ſtänden, die ihn auf dieſer Reiſe um die Welt beſchäftigen,der Bau der Erde durch ſeine Unterſuchungen einiges Lichterhalten werde! Die müheſamen Reiſen, die er ſeit 8 Jah-ren in Europa gemacht habe, hatten keinen andern, alseben dieſen Zwek; und wenn er das Glük haben werde,nach Europa zurükzukehren, und ſeine geologiſchen Manu-ſcripte, die er in Deutſchland und Frankreich zurükgelaſſenhabe, wieder unter die Hände zu bekommen, ſo dürfe erhoffen, ſich an die Zeichnung eines Riſſes vom Gezimmerder Erde wagen zu können. Es werde ſich dann zeigen,was er ſchon lange geſagt habe, daß die Richtung und Nei-gung, das Streichen und Fallen der primitiven Erdlagen, derWinkel, den ſie mit dem Meridian des Orts, und mit derErdachſe machen, von der Richtung und dem Abfall derBerge unabhängig ſey, und daß ſie ſich nach Geſezen rich-ten; daß ſie einen allgemeinen Paralleliſmus beobachten,der nur in der Anziehung, und im Umſchwunge der Erdegegründet ſeyn könne. Man werde beſtätiget finden, was Freiesleben, v. Buch, und Gruner bewieſen haben, daß dieFolge der Flözſchichten, die man für eine Eigenthümlichkeitgewiſſer mit Fleiß durchwühlter, und genauer unterſuchterProvinzen, z. B. Thüringen und Derbyshire, hielt, allge-mein ſtatt finde, und daß eine Identität in den Schichtender Bildungen erſcheine, aus der man ſchließen müſſe,daß dieſelben Ablagerungen auf der ganzen Oberfläche derErde zu gleicher Zeit erfolgt ſeyen. Alle dieſe Ideen ſeyenvon der größten Wichtigkeit, nicht nur für den Philoſo-phen, der ſich zu allgemeinen Begriffen zu erheben ſuche, |25| ſondern auch für den Bergmann, der das, was er nichtvor Augen habe, im Geiſte vorausſehen, und ſich auf dieAnalogie richtiger Erfahrungen ſtüzen müſſe. Sie begrün-den ein neues und zuverläßiges Wiſſen; denn ſie beſchrän-ken ſich auf die Beobachtung; das Bild der Erde werde ge-zeichnet, ſo wie es ſey; wie alles ſo wurde, gehöre nichthieher. Die Geologie ſey nicht eher ein ſchwankendes undunſicheres Wiſſen geworden, als da ſich die Phantaſie derMenſchen beſonders mit der Geſchichte der Erde befaßt ha-be, zu der es an Urkunden und an verſtändlichen Denk-malen faſt gänzlich fehle. *)
  • Ehe er die Gebirgslagen beſchreibe, die er vom Aequator an bis an die Küſte der Provinz Venezuela beobachtet habe, wolleer eine allgemeine Anſicht von der Geſtalt dieſes Continentsgeben. Unglüklicher Weiſe fehle es gänzlich an frühernBeobachtungen, die dieſer Darſtellung zur Grundlage die-nen könnten. Seit einem Jahrhunderte habe man zwarmanche auffallende Bemerkungen über dieſes Land geſam-melt; aber es ſey keine einzige Idee, die eigentlich dieGeologie deſſelben betrefe. bekannt geworden. Das groſſeGenie von Condamine, der Eifer des D. Georg Jvan de Vl-loa würden uns gewiß hier nicht im Dunkel gelaſſen ha-ben; aber damals habe es faſt noch keine Mineralogie gege-ben. Alles, was man zu jener Zeit machen konnte, habeim Ausmeſſen, und Nivelliren beſtanden. Indem ſie aufder hohen Cordillere der Anden, die von N. nach S. ſtreicht,und von Zitara bis zum Cap-Pilar ſich erſtreke, beſchäf-
    *) S. meinen Vorbericht zum 5ten B. d. Jahrbücher S.XIV — XIX. d. H.
    |26| tigt waren, und die ungeheure Höhe des Gebirges bewun-derten, vergaſſen ſie, daß das ſüdliche America andere Cor-dilleren aufweiſe, die dem Aequator parallel von O. nachW. ſtreichen, und die durch ihre Höhe wenigſtens eben ſoſehr die Aufmerkſamkeit der Naturforſcher verdienen, alsdie Carpathen, der Caucaſus, die Alpen des Valais und die Pirenäen. Man beſchreibe gewöhnlich den ganzen unge-heuren Landſtrich an der weſtlichen Seite der Anden, derſich ſchräge bis an die Küſte von Guiana und Braſilien hinerſtrekt, als eine niedrige Ebene, die den Ueberſchwem-mungen der Flüſſe ausgeſezt ſey. Da nur zuweilen einige Mönche, Mißionäre des h. Franciſcus, und ſelten Soldatenüber die Cataracten hinaus bis zum Rio negro gelangen, ſobilden ſich felbſt die Bewohner der Küſte von Caracas ein,daß die ungeheuren Ebenen (Llanos de Calabozo, del Gua-rico, de Apure), die ſie ſüdlich über den Thälern Aragua ſehen, ſich ohne Unterbrechung bis zu den Pampas von Buenos-Ayres, und bis zu den Gatagoniern erſtreken; alleines ſey weit gefehlt, daß die Ausdehnung dieſer Llanos bisdahin gehe; ſie ſeyen keine ununterbrochenen Ebenen, viel-mehr daſſelbe Phänomen, was uns Canada und Yucatan, die Inſel St. Domingo, der Norden von Sierra de St. Mar-tha, die Provinz Barcelona, und das Land zwiſchen Monte- Video, und Mendoza, Neuholland, der öſtliche Theil von Un-garn, und das Hannöver’ſche zeigen. Sie ſeyen durch dieCordilleren voneinander geſchieden, und liegen eben ſo we-nig in einer Ebene, als die Wüſten (Llanos) von Africa, und die Steppen der Tartarei, die ſich ſtufenweiſe erheben,ſo wie man ſich vom Meer entferne.
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  • Wenn man von den Einbrüchen abſehe, welche die Nordſee, das mittelländiſche Meer u. ſ. w. in der alten Welt verur-ſacht haben, ſo zeige ſich die Richtung ihrer Cordillerendoch nicht ſo ſehr verſchieden von der in der neuen Welt,wie die meiſten Naturforſcher behauptet haben; man erken-ne auch da die Spuren von mehrern hohen Gebirgsketten,die von N. nach S. ſtreichen, und von denen andere von O.nach W. auslaufen. Die Granite und Glimmerſchiefer von Norwegen, von Schottland, des Walliſerlands, der Bretagne, der Provinz Galicien, von Alemtéjo, des Cap Bogador (auf Ténériſſa habe er dergleichen mit Granaten gefunden), desobern Guinea, von Congo, und vom Tafelberg, ſo wie dieuranfänglichen Gebirge von Orenburg, des Caucaſus, Libanon, von Abyſſynien und Madagascar ſcheinen urſprünglich nichtsanders als zwei groſſe dem Meridian parallele Cordillerendargeſtellt zu haben.
  • In der neuen Welt ziehe ſich dieſe Cordillere parallel dem Meri-dian, vom Cap Pilar bis in den Norden von Californien über Nutka- und Prinz-Williams-Sund hinaus gegen die Berge Aleganhy hin, welche Stewart 1792 auf ſeiner Reiſe nachden Quellen des Miſſury, dem nördlichen Theile der An-den, der von beinahe eben ſo cultivirten Indianern bewohntſey, wie die Peruaner des 15ten Jahrhunderts waren, ent-dekt habe. Von dieſer Cordillere laufen Veräſtungen vonUrgebirgen aus, welche von W. nach O. ſtreichen; die von Nordamerica kenne er nicht; es ſcheine aber, als ob in Ca-nada unterm 50° und 42° N. B. dergleichen vorhandenwären, ſo wie die in dem zerſtörten Continent des Meer- |28| buſens von Mexico unter 19° und 220 (wie die Gebirge von Cuba und St. Domingo bezeugen). Im ſüdlichen America gebe es drei Ketten von Urgebirgen, die dem Aequator pa-rallei laufen, unter 9° und 10° die Kette der Küſte; unter3° bis 7° die Kette, in der ſich die groſſen Cataractenvon Aturès (5° 39′ Br.) und Maypure (5° 12′ 50″) be-finden, die er daher die Kette der Cataracten oder von laParime nennen werde, und unter 15° und 20° ſüdl. Brei-te die Kette von Chiquitos.
  • Man könne dieſe Ketten noch jenſeits des weſtlichen Oceansim alten Continent verfolgen, und man ſehe, wie unterderſelben Breite die Urgebirge von Fernambouc, Minas, LaBahia, und Janeiro denen von Congo entſprechen; wie dieungeheure Ebene bei dem Amazonenfluſſe den Ebenen vomuntern Guinea gegenüber liege, die Cordillere der Catarac-ten dem obern Guinea, und die Llanos des Mißißippi, ſeitdem Einbruche des Meerbuſens von Mexico ein Eigenthumdes Meeres, gegenüber der Wüſte von Serah. Dieſe Anſichtwerde weniger gewagt ſcheinen, wenn man ſich den altenund neuen Continent durch die Gewalt des Waſſers von-einander geriſſen denke. Die Form der Küſten, die ein-und auswärts ſpringenden Winkel von America, Africa, und Europa bezeugen dieſe Cataſtrophe; was wir den At-lantiſchen Ocean nennen, ſey nichts, als ein Thal, vom Meereausgewühlt. Die pyramidaliſche Form aller Continentemit gegen S. gerichteter Spize, die gröſſere Verflächung derErde am Sudpol, und andere von Reinhold Forſter beobach-tete Erſcheinungen ſcheinen zu beweiſen, daß der Andrang |29| des Waſſers von S. kam. An der Küſte von Braſilien von Rio Janeiro bis Fernambouc fand es Widerſtand, und richteteſich von dem 50° N. Br. an gegen Nordoſt, wo es denGolf von Guinea, bei Leango, Benin und Minc auswühlte;durch die Gebirge von Ober-Guinea wurde es gezwungen,ſich nach Nordweſt zu richten, und zerſtörte bis zum 23°N. Br. die Küſten von Guiana, von Mexico und Florida. An der hohen Cordillere der vereinigten Staaten brach ſichdie Gewalt des Waſſers noch einmal; es lenkte zum zwei-tenmal ab gegen Nordoſt, und ſchonte weniger der weſtli-chen Küſten von Europa, als der nördlichen von America. Dieſer Canal habe ſeine geringſte Breite bei Braſilien und Grönland; er ſcheine ſich aber, der geographiſchen Geſchich-te der Thiere und Gewächſe zufolge, zu einer Zeit gebil-det zu haben, wo die organiſche Schöpfung noch gar nicht,oder nur wenig auf der Erde zur Entwiklung gekommenwar. Es würde für die Geologie ſehr wichtig ſeyn, wennauf einer auf Koſten einer Regierung unternommenen See-reiſe das Streichen und Fallen, und das Verhältniß derGebirgslagen an den ein- und auswärts gehenden Win-keln von America und Africa unterſucht würde; man wür-de hier eben die Analogie wieder finden, die man am Ca-nal von Calais, und am Sund, an den Säulen des Hercules und am Helleſpont bemerkt habe, — kleinen Einriſſen, dieeben ſo neu ſeyen, als die ſecondären Bildungen des Kalk-felſens vom Jura, von Pappenheim, la Mancha, Marſeille.Derbyshire, und Suez, die alleſammt zugleich durch einen Niederſchlag entſtanden ſeyen.
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  • Von den drei Cordilleren vom Urgebirge, welche das ſüdlicheAmerica von W. nach O. durchlaufen, ſey die nördlichſte,oder von Venezuela die höchſte, aber die ſchmälſte. Vonder groſſen Ebene von Quito ziehe ſich die wahre Ket-te der Anden durch Popayan und Choco an der Weſtſeitedes Fluſſes Atrato (oder Rio San Juan), zwiſchen demThal Tatabé der Provinzen Zitara und Biruguete, gegen den Iſthmus hin, wo ſie am Ufer des Chagre ein Bergland bilde,von nicht mehr als 2 — 300 Toiſen Höhe. Aus dieſen An-den entſtehe die Cordillere an den Küſten von Venezuela;höhere, und weniger regelmäßige Gruppen bildende Berg-reihen ziehen ſich auf der Oſtſeite des Rio atrato, unterdem Namen der Sierra de Abibé, und der Montes de Cauca durch die hohen Savannen von Jolu gegen den Magdalena-ſtrom, und die Provinz der heil. Martha. Die Cordillere der Küſte ziehe ſich ein, ſo wie ſie dem Meerbuſen von Mexi-co näher komme, am Cap von Vela, und laufe ſodann zuerſtvon SSW. gegen NNO. ſtreichend, von W. nach S. bis zudem Gebirge von Paria, oder vielmehr bis zu der Punta dela Galera auf der Inſel Trinidad. Ihre größte Höhe habeſie da, wo ſie den Namen der Sierra Nevada de S. Mar-tha (Br. 10° 2′), und der Sierra Nevada de Merida (Br.8° 30″) führt; die erſtere ſey bei 5000, die andere 5400ſpaniſche Ellen (varas) oder 2350 Toiſen hoh. Die Para-mo de la Roſa, und de Macuchi, ſo wie die Berge von Me-rida ſeyen beſtändig mit Schnee bedekt; aus ihren Seitenſprudle kochendes Waſſer, (mit Waſſerſtoffſchweſel), undin der Höhe übertreffen ſie den Pic von Teneriffa, und hal-ten es vielleicht dem genauer gemeſſenen Montblanc gleich. |31| Dieſe Coloſſen und die heilige Martha ſtehen faſt iſolirt da,von wenig hohen Gebirgen umgeben. Bis in W. von S.Fé, oder bis zur Sierra von Zuindiù ſehe man keine be-ſchneite Bergſpize, und die Sierra Nevada de Merida ſteheam Rande des Llano de Caracas, der keine 40 Toiſen überder Meeresfläche erhaben ſey. Der Montblanc, der die hohe Kette der Alpen ſchlieſſe, zeige daſſelbe Phänomen. DieHöhe der größten Berge ſey doch ſo unermeßlich kleinim Verhältniß zu der Maſſe der Erde, daß es ſcheinenmöchte, es hätten ſehr geringe örtliche Urſachen noch mehrMaterie auf jedem Puncte anhäufen müſſen. Der Theil der Küſten-Cordillere, der weſtlich des Maracaybo-Sees liege,und an die Anden ſelbſt anſchlieſſe, habe groſſe von S.nach N. ſtreichende Thäler, als das Thal der Magdalena,des Cauca, des heil. Georg, von Sinu, und Atrato. Es ſeyendieß ſehr lange, aber enge und waldige Thäler.
  • Der Theil der Cordillere hingegen, die ſich von Merida nach Trinidad ziehe, ſchlieſſe drei Thäler, von O. nach W. ge-richtet, ein, die, wie Böhmen, oder das Haslithal in der Schweiz, Zeichen tragen, daß ſie ehemals Seen waren, de-ren Waſſer verdünſtete, oder ſich einen Durchgang eröff-nete und abfloß. Dieſe 3 Thäler ſeyen geſchloſſen durchdie zwei parallelen Bergreihen, in die ſich die Küſten-Cor-dillere theile, vom Cap Vela an bis zum Cap Codera; dienördlichere Reihe ſey die Fortſezung der heil. Martha, dieſüdlichere eine Verlängerung der Sierra Nevada de Merida. Die erſte ziehe ſich durch Burburuta, Rincon del diablo, durch die Sierras de Mariara, den Berg Aguasnegras, den |32| Monte de Arila, und die Silla de Caracas zum Cap Codera; die zweite, 3 bis 4 Meilen ſüdlicher, durch Guigui, la Pal-ma, durch die hohen Bergſpizen von Guairaima, Tiara, Gui-ripa, und die Savana de Ocumare zu den Mündungen des Tuy. Dieſe zwei Reihen vereinigen ſich durch zwei Ar-me, die von N. nach S. laufen, gleichſam als Dämme,durch die jene alten Seen in ihren Gränzen gehalten wur-den. Dieſe Dämme ſeyen weſtlich die Berge von Carora, der Tonto, S. Maria, der Berg des heil. Philipps und Aroa; ſie ſcheiden die Llanos von Monai von den Thälern von Aragua. Oeſtlich ſeyen die dürren Bergſpizen de losTeques, die Coquiza, Buena Viſta und die Altos de S. Pedro, durch welche die Thäler von Aragua, oder derQuelle des Tuy (denn es ſey nur ein Thal vom Fuſſeder Coquiza, oder der Hacienda de Briſenno bis Valencia)von dem Thale de Caracas getrennt werden. Oeſtlichvom Cap Codera wurde ein groſſer Theil der Küſten-Cordillere von Venezuela zerſtört, und unter Waſſer geſeztbei der groſſen Cataſtrophe, die den Golf von Mexico bil-dete. Die Reſte davon erkenne man in den hohen Berg-ſpizen der Inſel Margaretha (dem Macanao und Valle S.Juan) und in der Cordillere des Iſthmus von Araya, diedie Glimmerſchieferberge von Maniguares, Chupazipari, den Diſtilador, Cerro-Grande, den Berg des heil. Joſeph, undvon Paria enthalte; Reſte, die er genau unterſucht habe,und in denen er durchgehends dieſelbe Gebirgsart, dieſelbeRichtung und Neigung der Gebirgslagen fand. Das Niveauder drei Teiche oder Thäler von Caracas, Aragua und Mo- |33| nai ſey über die Meeresfläche erhaben; ſie erniedrigen ſichſtufenweiſe, und die höchſte Stufe (étage) ſey die öſtlichezum Beweiſe, daß ſie zu einer andern, frühern Zeit ge-bildet wurden, als die Llanos, deren Abdachung von O.nach W. gehe, wie der ganze Continent von Südamerica. Durch wiederholte barometriſche Meſſungen fand er dieHöhe des Thales von Caracas zu 416 T., von Aragua zu212 T. über der Meeresfläche; die Llanos von Monai, dasweſtlichſte Baßin, ſcheinen kaum 80 bis 100 T. Erhöhungzu haben. Das Thal von Caracas ſey ein See, der ſicheinen Abfluß gemacht habe durch die Quebrada von Tipe,Catia, und Rio Mamon; das Baßin von Aragua ſcheine da-gegen nach und nach durch Verdünſtung ausgetroknet zuſeyn; denn noch izt ſehe man den Rükſtand des altenWaſſers (überladen von ſalzſaurer Kalkerde) in dem Seevon Valencia, der ſich von Jahr zu Jahr mehr einziehe, undſeine Untiefen als Inſeln entdeke, die man unter dem Na-men der Aparecidas kenne. Die Höhe der Küſten-Cordillere betrage gemeiniglich 6 bis 800 T.; ihre erhabenſten Spizen, Sierra Nevada de Merida, und die Silla de Caracas (auf dieer eine ſehr mühſame Reiſe mit ſeinen Inſtrumenten ge-macht habe) haben 2350 T. und 1316 T. Höhe. Nach W.hin erniedrige ſie ſich immer mehr und das Cap Codera ha-be nur 176 Toiſen. Der Macanao auf der Margarethen-In-ſel, den er trigonometriſch gemeſſen habe, habe nicht mehrals 342 T.; allein dieſe ſchnelle Erniedrigung finde nuram Urgebirge der Küſtencordillere ſtatt. An der öſtlichen |34| Küſte erheben ſich ſecondäre Anhäufungen des Kalks vom Cap Unare an zu einer beträchtlichern Höhe, als der Gneiß,und der Glimmerſchiefer; dieſe Kalkfelſen, die mit Sand-ſtein von kalkerdiger Grundmaſſe bedekt ſeyen, und dieKüſtencordillere an ihrem ſüdlichen Abhange begleiten,ſeyen ſehr niedrig an der Seite von Cura; erheben ſich aberin Maſſe gegen die öſtliche Spize des Continents hin.
  • Im Bergartin werden ſie 702 T. hoh, im Coccollard 392, im Cucurucho du Tuminiquiri (der höchſten Bergſpize der Pro-vinz Cumana) 976 T., und die Pyramide des Guacharo er-hebe ſich bis zu 820 T.; vom Cap Unare an bilden ſie eineReihe abgeſonderter Berge, in der das uranfängliche Gebirggänzlich verſchwinde; mit der Glimmerſchiefer-Cordillere(von Maniquarés und Paria) ſtehen ſie auch nur durchden Cerro de Meapire in Verbindung, der (analog den Ae-ſten von Torito und los Teques, welche die Baßins von Monai, Aragua, und Caracas abſondern) von S. nach N.ſtreiche (von Guacharo und Catouaro zum Berge Paria)und die Thäler von Cariaco (das ausgetroknete Ufer desGolf von Cariaco) von dem Thal des heil. Bonifacius, dasehemals zum Golfo Triſte gehörte, abſondere. Die Anhäu-fungen der Kalkformation am öſtlichen Theile der Küſteſcheinen dieſes Land den Erdbeben mehr ausgeſezt zu ha-ben. Der Cerro de Meapire verhinderte zur Zeit des Ein-bruchs des Meerbuſens von Cariaco und des Golfo Triſte dasWaſſer, die Landung von Araya und das Gebirge Paria ineine Inſel zu verwandeln.
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  • Der Abfall der Küſten-Cordillere von Venezuela ſey ſanfter ge-gen S. als gegen N., was beſonders auffalle, wenn manvon den Höhen von Guigue durch S. Juan, Parapara, Or-tiz, gegen die Meſa de Paja, die ſchon zu dem groſſen Lla-no de Calabozo gehöre, herabſteige. Der nördliche Abfallſey überall ſehr gähe, und man werde kaum (den Mont-blanc allein ausgenommen, über Courmayeur) einen fürchter-lichern Abgrund finden, als die ſenkrecht, 1300 Toiſen ſicherhebende Mauer der Silla de Caracas über Caravalledo; diegenaue Meſſung dieſer Felſenmauer war für die Seefahrer vongroſſer Wichtigkeit, indem ſie nun durch den Erhebungs-winkel ihre Entfernung von der Küſte finden können.
  • Die Erſcheinung eines ſanfteren Abfalls nach S. ſcheine denBeobachtungen, die man an andern Cordilleren der Erdegemacht habe, zu widerſprechen, da man behaupte, daßſie insgeſammt gegen S. und W. hin gählinger abfallen.Dieſer Widerſpruch ſey aber nur ſcheinbar, indem dernördliche Theil der Cordillere bei der groſſen Cataſtrophe,durch die der Meerbuſen von Mexico ward, durch die Ge-walt des Waſſers weggeriſſen wurde, und alſo der nördli-che Abhang ſeiner Zeit auch hier ſanfter ſeyn konnte, alsder ſüdliche.
  • Betrachte man die Geſtalt der Küſte, ſo zeige ſie ſich zimlich re-gelmäßig gezähnt. Die Vorgebirge von tres Puntas, Codera,S. Roman und Chichibacoa (weſtlich von Cabo de la Vela)bilden eine Reihe von Landſpizen, unter denen die weſtli- |36| chen mehr nach N. zu auslaufen, als die öſtlichen. ImStrich (au vent) eines jeden dieſer Vorgebirge habe ſicheine Bucht (anſe) gebildet, und man könne ſich nicht ent-halten, in dieſer ſonderbaren Bildung die Wirkung der tro-piſchen Strömung (die man auch die Strömung der Erdro-tation nennen könnte) zu ſehen; eine Wirkung, die ſichauch in der Richtung der Küſten von Cuba, S. Domingo,Portorico, Iucatan und Honduras, ſogar in der Reihe derInſeln unter dem Winde (Grenada, Orchila, Rocca, Aves,Buenayre, Curaçao, und Aruba) den Ruinen der Cordillerevom Cap Chichibacoa, die alle dem Aequator parallel ſeyen,zeige. Eben dieſes Vorgebirge Chichibacon war es auch, ſei-ner weniger beträchtlichen Höhe ungeachtet, das durch ſei-nen Widerſtand gegen die Fluth das Königreich Neugrenada geſchüzt habe, daß es nicht ſo viel Land verlor, wie dieCapitanie generale von Caracas.
  • Die zweite urſprünglichere Cordillere des ſüdlichen America, oderdie Cordillere der Cataracten des Orinoco ſey noch ſehr wenigbekannt. Auf der Reiſe, die er an den ſchwarzen Fluß ge-macht habe, bis zu den Gränzen des groſſen Bara, habe erſie auf mehr als 200 Meilen (lieues), zuerſt von N. nachS., von Cerro de Uruana bis zum Atabapo und Tuamini, ſodann von W. nach O. von den Mündungen des Ventuari bis zum Vulcan von Duida, den er unter 3° 13′ 26″ Br.,4 St. 34′ 7″ Länge weſtlich von Paris, gefunden habe, un-terſucht. Ueber dieſe Cordillere, der man auch den Namenvon Parima, oder Dorado geben könnte, ſey erſt ſeit 30 |37| Jahren, ſeit der Reiſe der Herrn Ituriaga und Solano, derUebergang möglich. Da aber alle europäiſche Niederlaſſun-gen am Orinoco und Rio negro dermal nur 400 indianiſcheFamilien enthalten, und der Weg von Esmeralde nach E-revato und Caura ſich ganz verloren habe, ſo ſtellten ſichdieſen Unterſuchungen mehr Schwierigkeiten entgegen, als Condamine auf ſeiner etwas längern Schiffahrt auf dem Ama-zonenfluße, deſſen Uſer ſeit vielen Jahrhunderten bevölkertſeyen, erfahren habe.
  • Die Cordillere der Cataracten, oder von Parima trenne ſich vonden Anden von Quito, und Popayan unter dem 3° — 6°der Breite. Sie ſtreiche von W. nach O. von Paramo deTuquillo, und S. Martin, oder den Quellen des Guaviare über Morocote, Piramena, und Matuco, und ziehe ſich durchdas Land der Indianer Guajibos, Sagi, Daguères und Poigraves nach der Richtung der groſſen Flüſſe Meta, Vichada, Zama,Guaviare, und Imirida, unter 70° weſtlicher Länge von Paris, zwiſchen den hohen Spizen von Uniama, und Cu-navami. Sie bilden die raudals von Aturès und Maypure, abſcheuliche Waſſerfälle, die den einzigen Durchgang übriglaſſen, durch den man im Innern des Landes zu dem Tha-le des Amazonenfluſſes kommen könne.
  • Von 70° der Länge erhebe ſich dieſe Cataracten-Cordillere, undbreite ſich ſo ſehr aus, daß ſie das ganze ungeheure Landzwiſchen den Flüſſen Caura, Erevato, Cavony, Paraguamu-si, Ventuari Jao, Padamo, und Manariche einnehme, und |38| ſogar nach S. gegen die Quellen von Pasimona, Cachevayneris und Cababury hinabſteige. In dieſen Gegenden habe dieCataracten-Cordillere über 120 Meilen Breite. Noch mehrgegen O. zwiſchen dem 68° und 60° weſtlicher Längevon Paris ſey ihre Fortſezung wenig bekannt. Er ſey mitden aſtronomiſchen Inſtrumenten nur bis zum Rio Guapo, der ſich dem Cerro de la Cauclilla (68°,331′ weſtlicherLänge von Paris) gegenüber in den Orinoco ergieſſe, ge-kommen. Die Indianer Catarapeni und Maquiritares, wel-che in der kleinen Mißion von Esmeralde leben, kamennoch 15 Meilen weiter gegen O. über die Berge Guanaja und Yamariquin bis zum Cauno Chiguise; aber weder Eu-ropäer, noch Indianer, mit denen Europäer geſprochen ha-ben, kennen dieſe Quelle des Orinoco, der hier Canno Pa-nagua heiſſe, und kaum noch 150 bis 200 T. breit ſey (daer im Gegentheile bei Boca de Apuré (7° 32° 20″ Br.) 4632T. in der Breite habe, wie er ſelbſt gefunden habe).Die Wildheit der Indianer Guaicas, nur 4 Fuß hoher,aber ſehr weiſſer und kriegeriſcher Menſchen, und beſon-ders die Rohheit der Guajaribos, gröſſerer Menſchenfreſſer,als die andern von ihm beſuchten Nationen, würde nur ei-ner militäriſchen Expedition erlauben, über die kleine Ca-taracte (Raudal de Guajaribos) öſtlich von Chiguire vorzu-dringen. Aber durch die bewunderungswürdige Reiſe, dieder D. Antonio Santos nakend, mit Onotho gemalt, und baldals Caribe, bald als Macacy, deren Sprachen er redete, ver-kleidet, gemacht habe, durch dieſe Reiſe vom Orinoco an(der Mündung des Rio Caronis) bis zum kleinen See Pari- |39| ma, und bis zum Amazonenfluß, habe man von der Fortſe-zung der Cataracten-Cordillere Nachricht erhalten. Unter4° — 5° Br. und 63° L. verenge ſie ſich ſehr, ſo, daß ſiekaum 60 Meilen breit ſey. Sie erhalte da den Namen Ser-rania de Quimiropaca, und Pacaraimo, und bilde eine Ket-te nicht ſehr hoher Gebirge, durch die die Waſſer zertheiltwerden. Das Waſſer des nördlichen Abfalls, der Nocapray,Paraguamuci, Benamo, und Mazuruni, fließe gegen den Orinoco, und Rio Esquibo ab; die Wäſſer des ſüdlichen Ab-hangs, der Rio Cururicana, Parima, Madari und Mao er-gießen ſich in den Amazonenfluß. Einige Grade weiternach O. dehne ſich die Cordillere von neuem in die Breiteaus, indem ſie ſüdlich gegen den Canno Pirara längs dem Mao hinabſteige. Hier ſey es, wo die Holländer dem Cerrod’Ucucuamo den prächtigen Namen des Goldberges, oder Do-rado gegeben haben, weil er aus einem ſehr glänzendenGlimmerſchieſer beſtehe, einem Foßil, das auch die kleineInſel Ypamucena im Parima-See in Ruf gebracht habe.
  • Oeſtlich von Rio Esquibe, oder jenſeits des Landes der Indianer Aturajos wende ſich die Cordillere gegen Südoſt, indem ſieſich mit den Granitgebirgen des holländiſchen und franzöſi-ſchen Guiana vereinige, welche von verbündeten Negernund Caraiben bewohnt ſeyen, und den Flüſſen Berbice, Su-rinam, Marony, Aprouague und Oyapock den Urſprung ge-ben. Die zulezt genannte Berggruppe dehne ſich ſehr aus;derſelbe Gneiß zeige ſich zu Baxo Orinoco (8° 20′ Br.)zwiſchen den Mündungen des Upata und Acquire, und un- |40| ter 2° 14′ d. Br. auf der Nordſeite des Amazonenflußes inden Bergen von Fripoupon und Maya.
  • Dieß ſey die Geſtalt der groſſen Cataracten-Cordillere, welchevon einer zahlloſen Menge unbezähmter, den Europäernwenig oder gar nicht bekannter Wilden bewohnt ſey. Erhabe bei dieſer Beſchreibung bloß ſeinen eigenen Beobach-tungen gefolgt, und die Notizen, die er von den Indianernerhielt, ſo wie die Bemerkungen des D. Antonio Santos, und einiger ſeiner Glüksgefährten, die ſie ihren Freundendictirt haben, benüzt. Die Charten, die man von dieſemTheile des feſten Landes habe, ſeyen durchaus falſch, unddie der Geſchichte das Evircoco von P. Caulin (einem ſonſtſehr verdienſtvollen Werke) beigefügte Charte zeigte ſichnach ſeinen lezten Beobachtungen über Länge und Breite,um einige Grade noch unrichtiger, als die 30 Jahre vorhervon d’Anville gegebene; auch ſeyen auf ihr alle indianiſcheNamen entſtellt, und Berge und Flüſſe gezeichnet, wo kei-ne beſtehen.
  • Die Parima-Cordillere erreicht nirgends die Höhe der SierraNevada in der Provinz Caracas, oder die Höhe von 2350Toiſen. Ihre höchſte Spize ſcheine zu ſeyn der Cerro de laEsméralda, oder der Berg Duida, den er durch trigonome-triſche Meſſung 1323 T. über der Meeresfläche erhaben ge-funden habe, faſt eben ſo hoh als der Canigou. Die Lagedieſes Bergs in einer lachenden, mit Palmen und Ananasbedekten Ebene, die ungeheure Maſſe, die er von der Sei- |41| te der Mißion, und des Rio Canucanuma und Tamatama dar-ſtelle, die Flammen, die er zu Ende der regnigten Jahres-zeit ausſtoſſe, alle dieſe Verhältniſſe geben ihm ein ebenſo maleriſches als majeſtätiſches Anſehen. Noch kein India-ner erſtieg den Gipfel des Berges, und die Klippe ſeinerSpize, ohne wochenlange Arbeit, weil die Macht der Ve-getation in dieſem Clima der Reiſe entgegenſtehe. Nachdem Duida ſeyen der Maraguaca (mehr gegen O. dem Fluß Simirimoni zu) und die hohe Cordillere vom Cunarami und Calitamini, die man zu Maypurè und S. Barbara unter demfalſchen Namen Sipapo kenne, die höchſten Spizen der Kette; ſie habe 1000-1100 T. Höhe. Die gewöhnliche Er-höhung der Cordillere überſteige indeſſen 600 T. nicht, undzuweilen ſey ſie noch geringer, indem der zwiſchen dem lin-ken Uſer des Caßiguiarè (einem Arme des Orinoco, der dem R. Negro und Amazone untereinander verbinde,) und denQuellen des Ymirida, zwiſchen den Cataracten und Pirame-na, zwiſchen Carichana und Morocote gelegene Theil zerſtörtſey, und nur noch einzelne Felſen darſtelle; die Urſachedieſer Zerſtörung ſcheine ein Durchbruch des Waſſers ausdem Baßin des Amazone gegen das Baßin von Calaboze und Baxo Orinoco, welche in der Höhe um 160 T. unterſchiedenſeyen, geweſen zu feyn.
  • Die geologiſche Charte dieſer Gegenden ſtelle ein unermeßli-ches Thal dar, welches die Llanos des R. Negro, Caßiguia-zé, und Amazone, mit denen der Provinz Caracas, Barce-lona, und Cumana vereinige; ein Thal, das gegen N. zu, |42| abfalle, und von einer groſſen Zahl einzelner Felſen, wel-che an den Ufern des Guaviare und Nuta in der Provinz Caſſemora die Richtung der alten Cordillere anzeigen, durch-ſchnitten ſey. Der öſtliche Saum dieſes Thales ſey der nie-drigſte Theil deſſelben; daher habe auch der Ueberreſt desWaſſers (der Orinoco) ſein Bette an dieſer Stelle einge-ſchnitten.
  • Dieſe Cordillere habe zwei ſehr merkwürdige Eigenſchaften; erſtlich daß, ſo wie es bei andern Gebirgen bemerkt wor-den, der ſüdliche Abhang um vieles gäher ſey, als dernördliche (die hohen Gipfel des Canavami, Jao, des Vul-cans Duida, Maraguaca liegen alle gegen S., und ſeyendorthin ſenkrecht abgeſchnitten); zweitens, dieſe Cordille-re ſcheine nicht einen Felſen aus Flözgebirge zu enthalten,folglich nichts aus dem organiſchen Reiche entlehntes. Aufſeinem Uebergange über dieß Gebirge habe er nichts be-merkt, als Granit, Gneiß, Glimmerſchiefer und Hornblende-ſchieſer; nirgends eine Bedekung von Sandſtein, oder einKalkflöz, das ſich auf der Küſten-Cordillere von Venezuela bis zu 976 T. über das Meer erhebe. Der V. fragt hier,ob wohl die Nähe des Aequators und die Rotation bei die-ſem Phänomen Einfluß gehabt habe?
  • Die dritte Kette von Urgebirgen, die Cordillere von Chïquitos, ſeyihm nur aus den Erzählungen einiger unterrichteter Per-ſonen, die ſich in Buenos Ayres aufgehalten, und die Pam-pas durchreist haben, bekannt. Sie vereinige die Anden von |43| Peru und Chili mit den Gebirgen von Braſilien und Para-guay, indem ſie ſich von la Paz, Potosi, und Tucuman, durchdie Provinzen Maxos, Chiquitos und Chaco, gegen das Gou-vernement der Minen und S. Paul in Braſilien hinziehe. Ih-re höchſten Gipfel ſcheinen zwiſchen 15 — 20° ſüdl. Br.zu ſeyn, da ſich die Ströme zwiſchen dem Amazonen- und la Plata-Strome auf dieſer Höhe theilen.
  • Zwiſchen den obigen in Hinſicht auf ihre Richtung genauer be-ſchriebenen drei Cordilleren liegen drei breite und tiefe Thä-ler, 1) das Thal zwiſchen der Südſeite der Küſtencordillerevon Venezuela, und zwiſchen der Cataracten-Cordillere, oder das Thal von Orinoco und Apuré (zwiſchen 8 — 10° Br.); 2) das Thal des Negro- und Amazonenſtroms, begränzt durchdie Parima-Gebirge, und die Cordillere von Chiquitos (zwi-ſchen 3° nördl. und 10° ſüdl. Br.); 3) das Thal der Pampas von Buenos Ayres, das ſich von S. Cruz der Sierra bis zum Cap des Vierges (von 19 — 52° ſüdl. Br.) er-ſtrekt. Das erſte und zweite Thal ſtehen gewiſſermaſſen mit-einander in Verbindung durch die Zerſtörung eines Theils der Parima-Cordillere. Er wiſſe nicht, ob dies auch der Fallmit den Pampas, und mit dem Amazonenthale ſey; es ſchei-ne jedoch nicht, wenn ſchon die Llanos von Monſo eine Artvon Canal bilden, der von Nordoſt gegen Südoſt herabſteige.Alle dieſe ungeheuren Thäler oder Ebenen ſeyen nach O.hin offen, indem ſie in eine niedrige, und ſandige Küſte aus-laufen; gegen Abend aber durch die Kette der hohen An-den geſchloſſen. Es ſeyen Buchten (Anſes), welche vonO. nach W. gehen (in der Richtung der tropiſchen Strö- |44| mungen), und ſich deſto tiefer ins Innere des Landes er-ſtreken, je breiter der Continent ſey. Die Thäler des Apu- und Orinoco ſchließen ſich durch das Gebirg, das von Pampelona nach Merida ſich erſtreke, bei 73° Länge; dasThal der Pampas bei 70° Länge; ſie fallen insgeſammt ge-gen O. ein wenig ab, und ſcheinen von einerlei Forma-tion des Flözgebirgs bedekt zu ſeyn.
  • Nach Tralles müßte man ſich in der Schweiz eigentlich weitmehr über die Tiefe der Seen wundern, als über die Höheder Berge; ungefähr daſſelbe könne man in Hinſicht aufdie Llanos von Südamerica behaupten. Man müſſe erſtau-nen, einen Continent zu ſehen, der in ſeinem Innern (undzwar mehrere hundert Meilen weit von der Küſte und inder Nähe von 3000 T. hohen Bergen) kaum 50 T. über diejezige Waſſerfläche erhaben ſey? Wenn die Fluth in die-ſen Orten ſo hoh ſtiege, wie zu S. Malo und Briſtol, wennErdbebungen den Ocean mehr in Bewegung ſezten, ſomüßte ein groſſer Theil dieſer Thäler oft unter Waſſer ge-ſezt werden. Der höchſte Llano, den er gemeſſen habe,ſey der zwiſchen den Flüſſen Ymirida, Temi, Pimichia.Caßiguiare und Guainia (Rio negro) gelegen; er habe 180T. Höhe; ſenke ſich aber gegen Aturès hin nach N. ebenſo, wie gegen den Amazone nach S. Das Thal des Ori-noco und Apuré ſey noch viel niedriger, als das von Caßi-guiaré und Calabozo in der Mitte des Llano (er habe da-ſelbſt, unter 8° 56′ 56″ Br. und 4h 40′ 39″ L. weſt-lich von Paris Beobachtungen angeſtellt). An der Stelleder Hauptſtadt von Guayana, l’Angoſtura (Br. 8° 8′ 24″. |45| L. 4h 25′ 2″), ſey es nur 33 T. und 80 Meilen weſtlichvon der Küſte kaum 8 T. über die Meeresfläche erhaben.In Europa gleichen die Ebenen der Lombardie durch ihregeringe Erhebung den Llanos am meiſten; Pavia habe nach Pini nur 34, Cremona 24 T. Höhe; die andern Ebenen von Europa ſeyen um vieles erhabener; Niederdeutſchland (Sack-ſen, Unterſchleſien) habe eine Höhe von 87 bis 120 T., dieEbenen von Baiern und Schwaben 230 bis 250. Der Abfallder Llanos von America ſey ſo ſanft, ihre Unebenheiten ſounmerklich, daß ein Nichts einen groſſen Fluß beſtimme,auf dieſer, oder jener Seite zu fließen. Der Orinoco ſchei-ne über 70° Länge gegen Portocabello hin ſich ins Meer er-gieſſen zu wollen; allein bei Cabrouta lenke er nach O. ab,ohne daß man hier, oder bei S. Fernando de Atabapo (Br.7° 55′ 8″) den geringſten Widerſtand entdekte, der ſichſeinem Laufe entgegen ſezte. In dem groſſen Thale des Rio negro und des Amazone ſey ein Landſtrich (unter 2 oder3° N. Br.) von nicht viel weniger, als 1600 Quadratmei-len, der durch die groſſen Flüſſe Atabaßo, Caßiguiare, Guai-nia *) und Orinoco begränzt werde, und ein Parallelogrammdarſtelle, in dem das Waſſer an den 4 entgegengeſeztenSeiten in entgegengeſezter Richtung flieſſe. Beim Orinoco fand er von der Einmündung des Guaviare bis zu der des Apuré in einer Diſtanz von 70 Meilen 151 T. Abfall; abernur 8 von der Hauptſtadt an bis zum Meere. La Conda-
    *) Guainia, der Name, den die Mariſitaniſchen Indianer dem Rio negro beilegen. Die Sprache dieſer Indianer ſeygegen den Aequator hin faſt eben ſo allgemein, alsdie Caraibiſche Sprache unter 10° Breite.
    |46| mine habe beim Amazonenfluße genau daſſelbe beobachtet;von der Enge von Pauxis bis Para, wo er 240 Meilendurchlaufe, ſenke er ſich um nicht mehr, als 14 Toiſen.Vielleicht lag an der Nordſeite der Küſten-Cordillere von Venezuela ein Llano, der um ſo viel niedriger war, als derLlano des Orinoco, als der Llano des Rio negro höher ſey,als der Orinoco-Llano; vielleicht blieb aus dieſem Grundejener Llano vom Waſſer des Meerbuſens bedekt.
  • Die beiden Llanos, die an den entgegengeſezten Enden von Süd-america liegen, unterſcheiden ſich ſehr auffallend von demzwiſchen ihnen in der Mitte liegenden Llano, oder dem Thale des Amazone. Dieſer ſey von ſo undurchdringlichenWäldern bedekt, daß ſich bloß Flüſſe einen Weg hindurchbahnen können, und daß faſt keine andern Thiere da lebenkönnen, als die ſich auf Bäumen aufhalten; der beſtändigeRegen unter dem Aequator begünſtige ſo ſehr die Vegetation.Ganz anders verhalte ſichs mit den Llanos des Orinoco undden Pampas, Ebenen von Kräutern bedekt, Savannen, dienur wenige zerſtreute Palmen enthalten. Dieſelbe Wärme,eben dieſer Mangel an Waſſer, ähnliche Refractionserſchei-nungen (man ſehe die Gegenſtände verkehrt in der Luftſchweben) zeigen ſich hier, wie in den Wüſten von Af-rica und Arabien. Kaum gebe es irgendwo ſo vollkommeneEbenen, Ebenen, die (meſa de Pavone, meſa de Guanipa)auf 800 Quadratmeilen keine Ungleichheit, die nur 3 bis10 Zoll hoh wäre, ſehen lieſſen. Die Ebenen von Nieder-ungarn, weſtlich von Preßburg, gleichen ihnen noch ammeiſten; denn das platte Land von la Mancha, der Cham- |47| pagne, von Weſtphalen, Brandenburg und Polen ſey Gebirg-land in Vergleichung mit den Llanos von Südamerica. Nurein langer Stillſtand des Waſſers (man erinnere ſich des Haßlithals, des ausgefloſſenen Sees von Lungern) ſcheineim Stande geweſen zu ſeyn, einen ſo horizontalen Bodenzu erzeugen. Spuren alter Städte zeigen ſich hier auch;aber ſelten ſehe man ſolche, die ſich wie Schlöſſer erheben(la piedra Guanan, L. 4h 38′ 14″, Br. 1° 59′ 48″) aufdem Llano des Caßiguiaré, und des Rio negro. Aber von S. Borja bis zu der Mündung des ſchwarzen Fluſſes ſah Condamine kein Hügelchen, und auch der Llano des Orino-co ſey ohne Inſeln. Da die Morros de S. Juan noch zu demmittäglichen Abhange der Cordillere von Venezuela gehören,ſo würde ein ungeſtümmes Waſſer alles mit ſich fortgeriſ-ſen haben, und das jezige Meer zeige auch ungeheure in-ſelnleere Räume; anſtatt der Inſeln gebe es auf den Llanosganz ununterbrochene Stellen von 2 — 300 Quadratmeilen Flächenraum, die ſich um 2 bis 5 Fuß über die Ebene er-heben, und die man meſas, oder bancos nenne, als wollteman damit ſagen, daß es Untiefen im alten See waren.Die Mitte des Orinoco-Llano ſey der ſchönſte und ebenſteTheil deſſelben. Der Boden dieſes ungeheuren Baßins er-hebe ſich, und werde ungleich am Rande; daher ſeyen dieLlanos, durch die man zwiſchen Guayana und Barcelona gehe, weniger vollkommen, und eben, als die von Calabozo und Uritucu.
  • Derſelbe merkwürdige Unterſchied, der zwiſchen der Cordillerevon Venezuela und der Cataracten-Cordillere bemerkt ward, |48| daß nämlich die leztere von Flözgebirgen ganz entblößtſey, zeige ſich auch zwiſchen dem nördlichen Llano des O-rinoco, und dem des Rio negro, und Amazone. In jenemſey das Urgebirge überall mit dichtem Kalkſtein, Gips, undSandſtein bedekt; in dieſem ſtehe überall der Granit zu Tage;je mehr man ſich dem Aequator nähere, deſto dünner wer-de die Sandſchichte, die die Erdrinde ans Urgebirg bedeke;in einem Lande, wo die Vegetation ſo ungeheuer ſtark ſey,ſehe man in der Mitte von Wäldern Räume von 40,000Quadrattoiſen bloſſen Granits, der kaum mit einigen Liche-nen bedekt ſey, und ſich nicht um 2″ über den übrigenTheil der Fläche erhebe. Ob man wohl einſt daſſelbe in Africa entdeken werde? (Denn nur in America und Africa gebe es feſtes Land unterm Aequator).
  • Was nun das Streichen und Fallen der Lagen des Urgebirgs be-treffe, ſo halte er ſich ſeit 1792 überzeugt, daß dieſesStreichen einem allgemeinen Geſeze folge, und daß (abge-ſehen von den Ungleichheiten, die durch unbedeutende ört-liche Urſachen, beſonders Erzgänge und Flöze, oder durchſehr alte Thäler hervorgebracht ſeyn könnten) der geſchich-tete grobkörnige Granit, der blättrige Granit, und vorzüg-lich der Glimmerſchiefer und Thonſchiefer in der Stunde3 4∫8 auf der Bouſſole der Bergleute ſtreichen, indem ſiemit dem Meridiane des Orts einen Winkel von 52 1∫2° ma-chen. Das Fallen der Schichten ſey gegen Nordweſt gerich-tet; d. h. ſie fallen parallel mit einem Cörper, der in die-ſer Richtung geworfen werde, oder die Oeffnung des Nei-gungswinkels (geringer als 90°), den ſie mit der Erdach- |49| ſe machen, ſtehe gegen Nordoſt. Das Streichen ſey beſtändi-ger als das Fallen, zumal bei einfachen Gebirgsarten (Thon-ſchiefer, Hornblendeſchiefer) oder bei zuſammengeſezten Ge-birgsarten mit weniger cryſtalliſirtem Korne, wie Glimmer-ſchieſer. Im Granite (man finde ihn jedoch ſehr regelmäſ-ſig geſchichtet, in der St. 3 — 4 ſtreichend, und gegen Nord-weſt fallend, auf der Schneekoppe, am Ochſenkopf, auf dem Siebengebirge und den Pyrenäen) und im Gneiß ſcheine dieAnziehung der cryſtalliſirten Gemengtheile gegen einanderoft die regelmäßige Schichtung verhindert zu haben; daherentdeke man mehr Uebereinſtimmung unter den Glimmer-und Thonſchiefern, die ihn zuerſt bei ſeinem Aufenthalteam Fichtelberg und im Thüringerwalde auf die Idee des Strei-chungsgeſezes brachten. Seitdem habe er die Winkel ande-rer Urgebirgsſchichten mit groſſer Genauigkeit in andern Thei-len von Deutſchland, in der Schweiz, Italien, im mittägli-chen Frankreich, auf den Pyrenäen, und neuerlich in Gali-cien gemeſſen. Freiesleben habe ihn bei dieſen Unterſuchun-gen unterſtüzt, und ſie ſeyen über die Gleichförmig-keit im Streichen und Fallen des Gebirgs, die ſie bei jedemSchritte auf einem der höchſten Cordilleren der Erde, den Alpen von Savoyen, des Valais, und Milanais gefunden ha-ben, erſtaunt geweſen.
  • Die Unterſuchung dieſer Erſcheinung und der Identität der Schich-ten war einer ſeiner Hauptzweke bei der Unternehmung die-ſer Reiſe nach Indien. Die Meſſungen der Winkel, die erauf der Cordillere von Venezuela und Parima gemacht habe, |50| gäben das Reſultat ſeiner Beobachtungen in Europa wieder, inder Kette der Glimmerſchiefergebirge von Cavaralleda bis zum Rio Mamon, auf der Silla de Caracas bei 1000 T. Erhöhung,auf dem Rincon del Diablo, auf dem Berge Guigue, auf denInſeln des reizenden Sees von Valencia (der faſt dieſelbeHöhe, wie der Genferſee, habe); auf der ganzen Landengevon Maniguaré, und Chupariparu, an den Hornblendeſchie-fern, die in den Straſſen der Hauptſtadt von Guayana zu Tageſtehen, ſogar in den Cataracten, und am geſchichteten Gra-nite am Fuß des Duida. — Ueberall machen die Schichteneinen Winkel von 50° mit dem Meridian (Stunde 3 — 4ſächſiſcher Bouſſole), indem ſie von Nordoſt nach Südoſtſtreichen, und fallen um 60 bis 80 gegen Nordweſt.
  • Dieſe groſſe Uebereinſtimmung in der alten Welt müſſe ernſt-hafte Betrachtungen erweken. Sie ſtelle ein groſſes geo-logiſches Factum dar. Nach ſo vielen Beobachtungen, dieer in ſo weit voneinander entlegenen Ländern gemachthabe, könne man nicht mehr glauben, daß das Streichen derSchichten der Richtung der Cordilleren folge, und daß ihrFallen ſich nach der Abdachung der Berge richte. DasProfil vieler Berge, beſonders ein Durchſchnitt der Ge-birge, von Genua durch die Bochetta und den St. Gotthard bisnach Franken in Deutſchland, die er zu ſeiner Zeit heraus-zugeben gedenke, beweiſen gerade das Gegentheil. DasStreichen und der Abfall der Cordilleren, die Form der klei-nen Unebenheiten der Erdkugel ſcheinen neuere, kleinerePhänomene zu ſeyn. Ein Strom konnte nach dieſer oderjener Richtung ein Thal auswühlen, einen Theil der Cor- |51| dillere fortreißen, und ihr ſcheinbar dieſe, oder jene Rich-tung geben. Die Schichten des Urgebirgs ſcheinen unterden heute noch zu beobachtenden Streichungs- und Fallwin-keln vor allen dieſen Umwandlungen an der Oberfläche derErde exiſtirt zu haben; ſie ſeyen dieſelben auf dem Gipfelder Alpen und in den Schichten, in die wir hinabſteigen.Wenn man 15 Meilen lang über Schichten von Thonſchieſerreiſe, welche untereinander parallel unter 70° gegen Nord-weſt geneigt ſeyen, ſo wage man es nicht mehr zu glau-ben, daß es geſtürzte Schichten ſeyen, die einſt horizontalſtanden; man müßte Berge, die einſt 15 Meilen hoh wa-ren, annehmen; und der gleichförmige Fall, den die gan-ze Maſſe gehabt haben müßte, und der Abgrund, der eineſolche Maſſe aufnähme, und die Schichten auf der Leuchtevon Genua, oder auf der Höhe von Bochetta, oder auf S.Maurice, welche genau parallel ſeyen mit den Schichtendes Fichtelbergs, von Galicien (Galice), der Silla de Cara-cas, des Robolo, auf dem Iſthmus von Araya des Caßiguiaré in der Nähe des Aequators! Man müſſe es erkennen, daßdieſe Uebereinſtimmung von einer Urſache zeuge, die ſehrfrüh und ſehr allgemein gewirkt habe; die in den erſtenAnziehungen ihren Grund haben müſſe, durch die die Ma-terie zuſammengetrieben wurde, um die Planeten-Sphäroi-de zu bilden.
  • Dieſe groſſe Urſache ſchlieſſe den Einfluß örtlicher Urſachen,durch die einzelne kleinere Theile der Materien beſtimmtwurden, ſich auf dieſe, oder jene Weife, nach den Geſe-zen der Cryſtalliſation, anzuordnen, nicht aus, Delamèthe- |52| rie habe mit Scharfſinn den Einfluß eines groſſen Berges(als eines Kerns) auf die benachbarten kleineren Gebirgegezeigt. Man müſſe nicht vergeſſen, daß alle Materien,auſſer der allgemeinen Anziehung gegen den Mittelpunct,gegen einander ſelbſt wiederum Anziehung äußern.
  • Die Rinde der Erde (denn nur von dieſer dürften wir ſprechen)müſſe das Reſultat einer unermeßlichen Wirkung von Kräf-ten, Anziehungen, Affinitäten ſeyn, die einander be-ſtimmten, ins Gleichgewicht ſezten, modificirten. Klügel glaubte (durch Berechnung) zu finden, daß an der Weſt-ſeite des Nordpols die größte Abplattung der Erde ſeynmüſſe. Ob wohl die Axe der Umdrehung ſich geändert ha-be? Wie etwa die Neigung (Fall) der Schichten auf derſüdlichen Hemiſphäre ſeyn werde? —
  • Dieſes Fallen der Schichten des Urgebirgs in der Cordillere Ve-nezuela habe einen groſſen und traurigen Einfluß auf dieFruchtbarkeit der Provinzen Caracas, Cumana und Barcelo-na ; das Waſſer, das an der Spize der Berge einſikere,flieſſe nach der Richtung der Schichten herab; daher mang-le es an Waſſer in dem ganzen groſſen Landſtriche, derauf der Südſeite dieſer Cordillere liege; daher entſpringen ſoviele Quellen, und kleine Flüſſe am nördlichen Abhange, derdurch dieſe zu groſſe Feuchtigkeit, und durch den Ueber-fluß an Bäumen (die neben den langen Nächten faſt denganzen Tag vor den Sonnenſtralen geſichert ſeyen) eben ſofruchtbar, als ungeſund werde.
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  • Die Flözgebirge fänden ſich faſt unter denſelben Verhältniſſen,wie in Europa. Die älteſten ſchienen noch die Einwirkungderſelben Urſache erfahren zu haben, welche die Schichtendes Urgebirgs beſtimmt habe, in der Stunde 3—4. zu ſtrei-chen. Sie fielen oft nach Südoſt, wie auf den Alpen von Bern, des Valais, Tirol, und Steiermark; aber der gröſſereTheil derſelben, und zumal die allerneueſten, die da, woer geweſen iſt, am häufigſten geſehen würden, befolgtenkein beſtimmtes Geſez: ihre Schichten lägen oft horizontaloder erhöhten ſich gegen den Rand der groſſen ausgetrok-neten Baßins, die man in America Llanos, in Africa Wü-ſten nenne.
  • La Condamine habe in Peru und Quito keine Verſteinerung geſe-hen; indeſſen ſey die Cordillere von Quito doch nicht, wiedie von Parima, ein ganz bloſſer Granit; denn bei Cuencæ und auf der Mittagsſeite gebe es Gips, und Flözkalk. Buf-fon befaſſe ſich ſehr mit der Frage, (Epoques de la nature),ob Südamerica Verſteinerungen enthalte? Er habe deren ei-ne ungeheure Menge in einem kalkigen Sandſteinflöze ge-funden, welches den nördlichen und ſüdlichen Abhang der Küſte Venezuela vom Gipfel des S. Bernardin, und die Al-tos de Conoma bis zum Cerro de Meapiré, oder der Landſpi-ze von Paria und der Trinitè bedeke. Daſſelbe Flöz findeſich auch auf Tabago, Guadeloupe, und S. Domingo. — Ei-ne ungeheure Menge von See- und Landconchilien (die manin Europa ſo ſelten untereinander gemengt finde), Cellula-rien, Madreporen, Corallinen, Aſtrolten finde man in die-ſem Sandſteine eingeſprengt, die Conchillengehäuſe halb zer- |54| brochen, ganze Felſen faſt bloß aus ſolchen beinahe inStaub verwandelten Reſten. Bonpland habe darin Muſchelnaus den Geſchlechten Pinna, Venus, und Oſtrea entdekt,von denen noch jezt lebendige Stüke an dieſer Küſte vorkä-men; eine für die Geologie ſehr wichtige Beobachtung. Al-les zeige davon, daß dieſes Flöz, das er nur auf 9 bis 10Meilen Entfernung von der jezigen Küſte geſehen habe,ſehr neuen Urſprungs ſey, und daß die Flüßigkeit, in deres entſtand, in groſſer Bewegung war. — Seltener und ganzanders gelagert finde man die verſteinerten Conchillen in ei-nem viel ältern Flöze von dichtem Kalkſtein; es ſeyen Ano-mien, Terebratuliten, familienweiſe bei einander gelagert, undſo, daß man ſehe, ſie haben (wie die des Mont Salève, des Heinbergs bei Göttingen, von Jena und Genf.) an derStelle gelebt, wo man ſie nun verſteinert finde; ſie ſeyennicht durch die ganze Maſſe des Kalkſteins zerſtreut, viel-mehr nur gewiſſen Schichten eigen. Man könne viele Fel-ſen durchſuchen, ohne welche zu finden; wo man ſie aberantrefe, ſeyen ſie in groſſer Menge und ſehr nahe beiſam-men, und ſie zeigen ſich beſonders in groſſen Höhen; Eigen-ſchaften, die ſie mit den Conchilien gemein haben, die manim Kalkſtein der hohen Alpen, der Schweiz und Salzburgs, (dem Zechſtein von Thüringen) finde; einem Kalkſteine,der über der Grauwake (oder ſehr altem Kalkſteine) liege.
  • Uebrigens kämen auſſer jenem neuem Sandſteinflöze mit kalk-artiger Grundmaſſe die Verſteinerungen nicht ſehr oft vor;beſonders kein einziger Belemnit, oder Ammonit, die in al-len Gebirgen von Europa ſo gemein ſeyen, Der Llano des |55| Orinoco und ſelbſt der des Rio negro ſey mit einer grobkör-nigen Breccie (Nagelfluhe) bedekt, die keine Muſcheln-Verſteinerungen enthalte, und vielleicht die andern Flöz-ſchichten mit Verſteinerungen bedeke. Dagegen enthalte die-ſe Breccie verſteinerte Holzſtämme, die man zuweilen vonder Länge 1 T. und vom Durchmeſſer von 2′ finde. Sieſcheinen einer Gattung von Malpighia anzugehören.
  • Der Sandſtein, der alle Arten verſteinerter Seethiere enthalte(aus ihm beſtehen die Steinbrüche der Punta del Barrigonbei Araya), überſteige nie die Höhe von 30 bis 40 T.; erbilde an mehrern Stellen den Boden des Meerbuſens von Mexico (Cabo blanco, Punta Araya). Im dichten Kalkſteinüber der Höhe von 800 T. keine Muſchelverſteinerungen;aber andere ziemlich neue Urkunden eines Aufenthalts desWaſſers in weit gröſſern Höhen. Kieſelgeſchiebe auf der Silla de Caracas 1130 T. hoh gefunden, bezeugen, daß dasWaſſer einſt (wie auf dem Bonhomme in Savoyen) dieſenAusſchnitt zwiſchen den beiden Pic’s, oder Pyramiden des Avila gebildet habe; eine Oeffnung, die viel älter ſey, alsdie fünſte, die man in der Küſtencordillere zähle, nämlichdes Rio Neveri, des Unare, des Tuy, Mamon und Guayguaca. In den Gebirgen der Provinz Cumana ſehr ſonderbare cirkel-runde Thäler, vielleicht ausgetroknete durch Senkungen ge-bildete Seen, z. B. das Thal von Cumaua coa und von St.Auguſtin (507 T. hoh.). Wenn man die neuerlichen Wir-kungen des Waſſers betrachte, ſo ſehe man zwei einanderganz entgegengeſezte Wirkungen; man erinnere ſich an eine |56| ſehr entfernte Epoche, wo der Einbruch des Meers den Golf von Cariaco und den Golfo Triſte gebildet, Trinidad und Margaretha vom feſten Lande abgeſondert, die Küſte von Mochima und S. Fé, wo die Inſeln de la Boracha, Picua, und Caracas einen Haufen von Ruinen darſtellen, zerriſſenhabe. Das Meer überfiel nun das Land; der Streit hieltaber nicht an; der Ocean zog ſich von neuem zurük; dieInſeln Coche und Cuagua ſeyen Untiefen, die aus dem Waſ-ſer hervorkamen; die groſſe Ebene (le Salado), auf der Cu-mana liege, gehörte zum Meerbuſen von Cariaco, eine Ebe-ne, die nur um 5 1/2 T. über das Meer erhaben ſey. DerHügel, auf dem das Schloß St. Antonio liege, war eine In-ſel in dieſem Golf, indem ein Arm des Meeres in N. des Tatoraqual durch die Charas gegen Punta delegada hingieng,wie eine Menge beinahe unveränderter Muſcheln beweiſe.Hier und zu Barcellona bemerke man, daß das Meer ſichtäglich zurükziehe; im Hafen von Barcellona habe es in 20Jahren über 900 Toiſen verloren. (Ob wohl dieſe Abnahmedes Meeres im Meerbuſen von Mexico allgemein fey, oderob es, wie im mittelländiſchen Meere, auf einemPuncte gewinne, indem es auf einem andern verliere)? Die-ſer Rükgang des Meeres därfe mit einem andern wahrhafti-gen und leicht erklärbaren Phänomen nicht verwechſelt wer-den, nämlich mit der Verminderung des ſüſſen Waſſers, desRegens und der Flüſſe in dieſem Continente. Der heutige Orinoco ſey nicht mehr der Schatten des vormaligen, viel-leicht noch vor 1000 Jahren, nach Ausſage der Spuren,die das Waſſer an beiden Ufern in der Höhe von 70 — 80 |57| T. zurükgelaſſen habe, wohin jene höhern ſchwarzenStreifen (des Graphit abſezenden Fluſſes), die man daſehe, gehören. Dieſe Spuren haben ſeit langer Zeit dieAufmerkſamkeit der Europäer erregt, welche den Bar-raguan, die Cueva de Ataruipe, den Cerro Cuma, Dami-nari, den Keri, Oco, und Ouivitari, deſſen Fuß heutzu Tage kaum vom Schaume der Cataracten vom Maypurè bedekt werde, u. a. geſehen haben. Eben dieſe Spurenerinnern die Indianer an eine groſſe Ueberſchwemmung,bei welcher ſich viele Menſchen auf Flöſſen von Agave retteten, und hernach Inſchriſten und Hieroglyphen mach-ten, mit denen man die Granite von Urnana, des Incara-mada und die Ufer des Caſſiquiarè bedekt ſehe, zu denenjedoch iezt keine lebende Nation den Schlüſſel habe.Dieſe unter den Indianern von Erovato und von Parima verbreitete Tradition zeige die groſſe Analogie der altenMythen. Man glaube die Geſchichte des Deucalion zu leſen,und Pauw würde das Andenken an dieſe Fluth nicht un-intereſſant finden.
  • Nun von den Gebirgsarten, die er in Südamerica entdekt habe.

I. Urgebirge.

  • Granit. Die ganze Cordillere von Parima, beſonders die Nach-barſchaft der Vulcane Duida und Marcielago beſtehen ausGranite, der nicht in Gneiß übergehe. In der Küſten-Cordillere ſey er faſt überall bedekt, und gemengt mitGneiß und Glimmerſchieſer; geſchichtet in 2 bis 3′ mächti-gen Schichten, ſehr regelmäſſig (in der Stunde 3 — 4.)gegen Nordweſt abſallend, zwiſchen Valencia, und Porto- |58| cabello; mit groſſen und ſchönen Feldſpatcryſtallen, (von1 1∫2″ im Durchmeſſer,) ähnlich dem großkörnigen Gra-nite der hohen Gipfel des Schneegebirgs, des Fichtlbergs, von Schottland, von Chamounix und der Guadarama, auf dem Rincon del Diablo, füdöſtlich von Portocabello; in ſehr re-gelmäſſige Priſmen geſpalten, auf der Calavera des Cerro deMariana über Cura, und auf der Silla de Caracas, ſo wieihn Karſten auf der Schneekoppe in Schleſien beobachtet habe.In Europa ſeyen das nördliche Teutſchland, die Länder ander Oſtſee (nicht die Ebenen im Mittag des Fichtelbergs, in Schwaben und Baiern) voll ungeheurer von Höhen her-abgerollter Granitgeſchiebe. In den beiden Llanos von Süd-america (des Orinoco und des Amazone) keine ſolche Maſ-ſen und auch keine andere Urgebirgs - Geſchiebe. DieGranitberge de los Mariches bei Caracas, des Torrito (zwi-ſchen Valencia und S. Carlos), und die Sierra Nevada deMerida enthalten, wie der S. Gotthard, offene, mit vielenſchönen und ſehr groſſen Bergcryſtallen ausgekleidete Spalten.
  • Gneiß und Glimmerſchiefer bedeken den Granit, beſonders auf derCordillere der Küſte von Venezuela. Der Gneiß herſche be-ſonders vom Cap Chichibocoa an bis zum Cap Codera inden Teques, der Cocuiza und dem Berge Guigue, ſo wieauf den Inſeln des Sees bei Valencia, wo (auf dem Capblanc gegenüber Guacara) im Gneiß ſchwärzlicher Quarzvorkomme, der in lydiſchen Stein, oder vielmehr in Werner’s Kieſelſchiefer übergehe. Der Macanao auf der Margaretheninſel und die ganze Cordillere auf der Landengevon Cariaco ſey nichts als Glimmerſchiefer, voll rother Gra- |59| naten, und bei Maniquarez mit wenig Cyanit. Grüne Gra-naten, eingeſprengt im Gneiß des Bergs Avila; im Gneißvon dem Steine Calamicari am Caſſiquiarè und im Granitvon las Trincheras bei Valencia runde Maſſen (3 — 4″ imDurchmeſſer) eingeſprengt, die aus einem mehr ſeinkörni-gen Granite, aus gelbem Feldſpat, viel Quarz, und beinahegar keinem Glimmer beſtehen. Ob das wohl ein ältererGranit, enthalten in einem jüngern, oder ob dieſe Maſſen,die Geſchieben ähnlich ſehen, blos eine Wirkung derAnziehung ſeyen, welche hie und da die Theilchen einan-der mehr näherte, aber zu derſelben Zeit, da das ganzeGebirg ſich bildete? Dieſe Erſcheinung (eines in den an-dern eingeſprengten Granits) bemerke man auch in Schle-ſien, zu Wünſiedl, am Fichtelberge, in Chamounix, auf dem St.Bernhard, auf dem Escurial und in Galicien. Die Natur ſey einför-mig in ihren mineraliſchen Producten, ſogar bis auf die kleinernAbweichungen einzelner Verhältniſſe. Der Glimmerſchiefergehe in Talkſchiefer über in der Cordiliere der Küſte, aufdem Berge Capaya und auf der Quebrada Jecca bei dem Valledel Tuy. In der Cordillere von Parima finde man denTalk in ſehr groſſen glänzenden Maſſen, und dies habezu dem Rufe des Dorado, oder Cerro Ucucuamo (zwiſchendem Fluſſe Esquivo und Mao auf der Inſel Pumacena) ſoviel beigetragen. Der groſſe Feuerglanz, in dem ſich zuwei-len die abgeſtuzte Piramide des groſſen Cerro Calitamini (bei dem Cunavami) beim Untergange der Sonne vonder Cataracte von Maypuré aus zeige, ſcheine gleichfallsvon einer perpendiculär abgeſchnittenen, und gegen W. ge-richteten Schicht Talkſchiefer herzurühren.
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  • Kleine Idole von Nephrit, aus Erovato, zeigen, daß es wahr-ſcheinlich im S. des Raudal de Mura Nephritfelſen im Gneißgebe, ſo wie am Fuſſe des St. Gotthard’s bei Urſern. DieſeFormation ſey bei Tapajos am Amazone oder im Lande der Tupinambaros ‒ Indianer von der Natur wiederholt worden. Le Condamine habe jene Abänderung des harten Nierenſteins,die man unter dem Namen des Amazonen-Steins kenne,entdekt.
  • Der Granit, Gneiß und Glimmerſchiefer enthalten hier (wiein Europa) untergeordnete Lager von Chloritſchiefer, imMeer bei Cap Blanc, weſtlich von Guayra; ſehr reinen undſchönen Hornblendeſchiefer in den Straſſen von Guayana, undnoch ſüdlicher in der Parimacordillere Feldſpat in Porcelanerdeverwittert in der Silla de Caracas; Quartzſchichten mit magneti-ſchem Eiſenſtein an den Quellen des Cutuché bei Caracas; körnig-blätterigen primitiven Kalkſtein, ohne Tremolit, aber mit vielSchwefelkies, und ſpatige Eiſenſtein, auf der Quebradade Topo auf dem Wege von Caracas nach Guayra (DieſerKalkſtein ſcheine in der Cordillere von Parima gänzlich zufehlen; man ſuche ihn da ſeit vielen Jahren); Zeichenſchiefer, ein kohlenartiges Eiſen, zimlich reiner Graphit, in der Quebrada de Tocume bei Chacao, in der Quebrada ſecca bei Tuy, und nördlich von der Laguna Chica; auf dem beſchwer-lichen Wege, der über die Landenge von Cariaco zum CapChiparipara führe; Gänge von Quarz, weiche goldhaltigeSchwefelkieſe und Spießglanz, gediegen Gold, Fahlerz,Kupferblau, Malachit, u. ſ. f. enthalten.
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  • Die Kupſererze von Aroa ſeyen die einzigen, die hier aus derErde gefördert werden; 60 bis 70 Sclaven fördern jährlichhöchſtens 1500 Quintal’s rafinirtes Kupfer (Der Quintalwerde zu 12 Piaſter verkauft.). Das Thal, wo dieſe Erzeausgegraben werden, (welche in einem Neſte oder einerVereinigung von Gängen zu liegen ſcheinen), ſey für dieGeſundheit weniger gefährlich, als die dem Meere nahegelegenen Thäler, wo die Indianer Gold waſchen, zu Urama, Maron und Alpagoton, wo die Luft eben ſo, wie indem fruchtbaren Thale von Cararinas (zwiſchen Nirgua unddem Rio Jaracuy) ein Gift zu ſeyn ſcheine. Aber ebendieſe höchſt ungeſunden Orte enthalten viele reiche Erz-gänge. Das Gold ſey durch die ganze Provinz zerſtreut,beſonders in den Quarzſchichten zu Baruta, Catia, Gui-gue, Quebrada del Oro beim Tuy, und beſonders auf dem Cerro deChacao und Real de Santa Barbara bei S. Juan, wo ihm Schwerſpat, der einzige in dieſem Lande, vorgekommen ſey. Alle Flüſſe derProvinz Caracas ſühren Gold. Es folge aber daraus nochnicht, daß die Provinz reiche, noch unbekannte Goldadernhabe; das Gold könne in der ganzen Granitmaſſe zerſtreutſeyn, und er kenne keine hohe Granitcordillere weder in Europa, noch in Südamerica, deren Flüſſe nicht Gold führ-ten. Der Cerro Duida von Esmeralda (im Dorado), dieQuebrada du Tigre bei Encaramada und den Cerros de A-moco, der Rèal de S. Barbara bei S. Juan, die Quebradade Catia, die Alaunerze von Chuparuparu, einige Spurenvon Eiſenerzen im Llano von S. Sebaſtian, und beſondersdas kupferreiche Aroa ſcheinen auf die Induſtrie der Berg-leute Anſpruch zu machen.
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  • Der Thonſchiefer, zimlich ſelten, bedeke den Glimmerſchieferam ſüdlichen Abhange der Cordillere von Venezuela; in derNähe des Llano, in den Quebradas de Malparo, und PiedraAzul, blauer Thonſchiefer mit Quarzadern; desgleichen aufder Landenge von Cariaco bei Chuparuparu auf dem Diſtila-dor Arroyo des Robola, ſo wie auf dem Macanao. An denvier zulezt genannten Orten im Thonſchiefer, Alaun undVitriolſchiefer, in 2 bis 3′ mächtigen Lagern, welche ſchwe-felſaure Alaunerde, oder natürlichen Alaun auswittern,mit dem die Guayqueries - Indianer einen kleinen Handeltreiben.
  • Serpentinſtein auf der Cordillere von Venezuela, über Glimmer-ſchiefer, auf der Fläche Villa de Cura 245 T. hoh, zwi-ſchen dem Cerro de Piedras Negras, und dem Rio Tucutu-nemo, hier und da olivengrün, mit Glimmer gemengt, ohneGranaten, Schillerſpat, Hornblende, aber mit Adern vonblaulichem Spekſtein.
  • Grünſtein (roche verte), uranfänglicher Trapp (eine innigeVerbindung von Hornblende und Feldſpat, zuweilen miteingeſprengtem Schwefelkies und Quarz, einerlei Gebirgs-art mit dem Paterleſtein des Fichtelbergs, oft mit Baſalt ver-wechſelt, und in Europa ſelbſt wenig bekannt) in Lagern2 T. mächtig, oder in Kugeln von 4′ bis 3 ″ im Durch-meſſer aus concentriſchen, und durch Glimmerſchiefer, oderuranſänglichen Thonſchiefer verbundenen Schichten (zumBeweiſe des groſſen Alters des Steins) zuſammengeſezt, |63| an mehrern Stellen des nördlichen und ſüdlichen Abhangsder Cordillere vom Berge Avila, im Meere bei Cap blancin einem wahren Gange, der die Schichten des Gneißesdurchſeze, aber eingeſprengt in einen neuern Granit, wel-cher den Gang zwiſchen Atimano und Carapa bei Caracas erfülle. Der Grauſtein enthalte hier rothe Granaten, die erin Europa nie in ihm geſehen habe.

II. Gebirgsarten, welche den Uebergang vom Ur-gebirge zum Flözgebirge bilden. Uebergangs-formation von Werner.

  • Dieſe Formation finde ſich beſonders im N. der Parima-Cordil-lere, gegen über von Caccara, und in groſſer Maſſe am ſüd-lichen Abhange der Venezuela-Cordillere. Zwiſchen den Llanos und Morros de S. Juan, zwiſchen der Villa de Curra und Parapara (zwiſchen 9°, 33′ und 9° 55′ Br.)ſcheine man in ein Baſaltland zu kommen, wenn man voneiner Höhe von 300 T. bis zu 63 über dem Meere herab-ſteige. Alles erinnere hier an die Berge von Bilin in Böhmen, oder von Vicenza in Italien. Der primitive Ser-pentin an den Ufern des Tucutunemo, (welcher, wie derSchleſiſche, Kupfergänge enthalte) vermenge ſich allmäligmit Feldſpat und Hornblende, und mache den Uebergang inden Trapp- oder Grünſtein. Man finde dieſen Trapp ingeſchichteten Maſſen (St. 7. abfallend mit 70° nach N.)oder in Kugeln mit concentriſchen Schichten, welche zuwei-len in einen Kalkerde haltenden Thon eingeſprengt, kegel-förmige Hügel bilden; zuweilen in einen grünen und ſehr |64| ſchweren Thonſchiefer, der aus innigſt untereinander ge-mengter Hornblende und Thonſchiefer beſtehe, dem Ue-bergangs-Thonſchiefer von Werner, eingeſprengt ſeyen. Ebendieſer Thonſchiefer mache, gegen die Quebrada de PiedrasAzules hin, den Uebergang in den primitiven Thonſchiefer (St. 3 — 4 geneigt gegen Nordweſt) über dem er liege.Der Trapp, oder Grünſtein enthalte auch blättrigen Olivin,in vierſeltigen Priſmen cryſtalliſirt, Augit mit muſchligemBruch, Leucit in Dodecaedern, und in ſeinen Gruben undLöchern die Wände mit Grünerde, der Veroneſiſchen ähn-lich, und mit einer Subſtanz ausgekleidet, die einen Perl-mutterglanz beſize, (Zeolit?). Alle dieſe eingeſprengtenFoſſilien nehmen gegen Parapara hin zu, und der Trappbilde daſelbſt einen wahren Mandelſtein. Auf dieſen Man-delſtein lege ſich ganz nahe bei dem Hügel Flores, am Ein-gange des groſſen Thals des Orinoco jener merkwürdige,und in Europa ſeltene Stein, den W. unter dem Namen Porphirſchiefer kennen lehrte. Der Hornſchiefer von Char-pentier, eine den Baſalt begleitende Gebirgsart, bilde Grup-pen von unregelmäſſigen Säulen, und beweiſe durch dieFarrenkräutereindrüke, die er im Mittelgebirge enthalte,ſeinen nicht vulcaniſchen Urſprung. Der Porphirſchieſer von Parapara ſey eine grüne Maſſe von Klingſtein, ſehr hart,mit ſcharfekigen, an den Kanten durchſcheinenden Bruch-ſtüken, gebe Feuer, und enthalte glaſigen Feldſpat, bildeindeſſen hier keine ſolche Gruppen von grotesken Geſtal-ten, wie in Böhmen und auf dem Mont Eugoneide im Ve-netianiſchen.
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III. Flózgebirge.

  • Dieſe ſecondäre Formationen, welche ſpätern Urſprungs als dieorganiſchen Geſchöpfe der Erde ſeyen, folgen in der Ord-nung ihres relativen Alters aufeinander, eben ſo, wie inden Ebenen von Europa; und wie der vortrefliche Geologe, v. Buch, in ſeiner mineralogiſchen Beſchreibung der Graf-ſchaft Glaz in Schleſien, einem kleinen Werke voll groſſerAnſichten und intereſſanter Beobachtungen, aufgezählthabe.
  • Zwei Formationen des dichten Kalkſteins; die eine mache den Ue-bergang in den kleinkörnigen, und unmerklich blättrigen Kalkſtein, (Kalkſtein der hohen Alpen ); die andere ſeydicht, ſehr homogen, mit mehr Muſchelverſteinerungen, undanalog dem Kalkſteine vom Jura, von Pappenheim, Gib-raltar, Verona, Dalmatien und Suez; — eine Formation von blättrigem Gyps, und eine andere mit kochſalzhaltigem Thonund Bergöl vermiſcht, — der Salzthon, den man in Tyrol,Steiermark, Salzburg, und in der Schweiz beſtändig in Be-gleitung des Bergſalzes finde; — Mergelſchiefer, ſchichten-weiſe im Kalkſtein der Alpen; — und zwei Sandſteinforma-tionen, deren eine älter und faſt ohne Verſteinerungen,(bald klein - bald großkörnig, (Sandſtein der Llanos), dieandere voll von Trümmern der Seethiere, ſehr neuen Ur-ſprungs, der Uebergang in den dichten Kalkſtein.
  • Der blaue Kalkſtein der Alpen mit weißen Kalkſpatadern findeſich auf dem Glimmerſchiefer aufliegend auf der Quebrada |66| Secca bei Tuy, öſtlich von der Punta Delgada auf dem Wegevon Cumana, auf dem Impoſſible (St. 3, mit 70° nach Süd-oſt), zu Bordones, auf der Inſel Trinidad und dem Berge Paria. Ob er ſich nirgends auf dem Sandſteine mit Ge-ſchieben des Urgebirgs, dem Todtenliegenden in Sachſen, fände? Dieſer Kalkſtein enthalte hier, eben ſo, wie inder Schweiz, drei untergeordnete Formationen: a) wiederholte La-gen von ſchwarzem Mergelſchiefer, (Mergelſchiefer oder Kupfer-ſchiefer von Thüringen, mit Schwefelkies und Erdpech vermiſcht)auf dem Cuchivana bei Cumanacoa. (Dieſer Thon enthalte Kohle, und abſorbire den Sauerſtoff der atmosphäriſchenLuft); b) Salzthon, gemiſcht mit Bergſalz und cryſtalliſir-tem Gips, in welchem die Salinen von Araya, Pozuelas und der Margaretheninſel ſtehen; c) ein kleinkörniger Sand-ſtein mit kalkartiger Grundmaſſe, faſt ohne Muſchelverſtei-nerungen, immer von Waſſer durchdrungen, zuweilenmit Lagen braunen Eiſenerzes, auf dem Cocollard, Tamiri-quiri. Er ſey nicht gewiß, ob der zulezt genannte Steinauf dem Kalkſteine aufliege, oder ob er nicht zuweilen vonihm bedekt werde.
  • Eben dieſer Kalkſtein diene auch einem andern noch neuern zur Unterlage. Dieſer ſey ſehr weiß, ſehr dicht, voll Höh-len, (Cueva del Guacharo, del S. Juan, Cueva del Cuchi-vano); zuweilen porös, wie der fränkiſche, und bildegroteske Felſen (Morros de S. Juan, de S. Sebaſtian.).Er enthalte Lagen von ſchwarzem Hornſtein, der in den Kieſelſchiefer, oder lidiſchen Stein übergehe (Morro de |67| Barcelona, ) und ägyptiſchen Jaspis, ſüdlich von Curataqui-che. Ueber dieſem dichten Kalkſtein liege, wie auf dem Jura, ſehr ſchöner Alabaſter, in groſſen Maſſen zu Soro im Golfo Triſte. Alle dieſe Gipſe enthalten Schweſel, ebenſo wie der Gips von Bex, und Kretzetzow, und auf den Car-pathen. Dieſe Formation des Kalkſteins mit ſchwarzem Horn-ſtein und Gips ſcheine auch im Thale des Amazone und Rionegro vorzukommen; wo ſie von la Condamine bei Cucuça zwiſchen Racam und Guayauſi, auf der Oſtſeite der Anden bemerkt wurde.
  • Dieſer Kalkſtein und Gips (lezterer im Llano von Barcelona beyCachipé) ſeyen in den Thälern des Orinoco und Amazone oftüberdekt von einem Conglomerat, oder Sandſtein mit groſ-ſen Geſchieben, in welchem Trümmer von Kalkſtein,Quarz, lidiſchem Stein, alle von einem höhern Alter alsder Sandſtein ſelbſt, vorkommen. Dieſes Conglomerat,Nagelfluhe, welches mit dem von Aranjuez, Salzburg u.ſ. f. Aehnlichkeit habe, ſey über mehr als 1800 Quadrat-meilen in den Llanos verbreitet. Es enthalte Lagen mitkleinem Korn und Spuren von braunem und rothem Eiſen-erz; Verſteinerungen habe er nie darin geſehen.
  • Noch neuer und immer den Küſten nahe gelegener ſey der Sand-ſtein, der, voll Conchylien und Corallen (ohne Spuren vonCrocodillen, in einem Lande, das deren unglüklicherWeiſe ſo viele habe), in den Kalkſtein übergehe, aber beigenauer Unterſuchung immer mit Quarzkörnern durch-mengt ſey (P. Araya, Cabo Blanco, Caſtillo S. Antonio deCumana.)
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  • Uebrigens werde dieſes Land durch die fürchterlichſten Erdbeben er-ſchüttert; ſeine hohen Gipfel (Duida) und ſeit kurzer Zeit ſo-gar ſeine Hölen (Cueva de Cuchivano,) ſpeyen Flammen; kochen-de Quellen ſprudeln hervor vom Golfo Triſte bis zu der Sierra Ne-vada de Merida (die Quellen von Triachevar 72°, 3 Reaum.heiß): auf der Küſte von Paria bei Cumacator ein Luft-vulkan, deſſen Getöſe von weitem gehört werde; Schwe-felhölen, wie auf Guadeloupe, an mehrern Orten; im Um-fange mehrerer Quadratmeilen der Boden hohl und minirt (Ti-erra Hueca de Cariaco); im J. 1766 öffnete ſich die Erde, nach-dem ſie 11 Monate lang durch Stöſſe erſchüttert ward, vonallen Seiten, um geſchwefeltes Waſſer, mit Bitumen ver-miſcht, auszuſtoſſen; in Mitte der trokenſten Ebenen inder Mera de Guanipa und du Cary, ſchlugen Flammen ausder Erde. Die Wirkungen der Vulcane in dieſer neuenWelt ſeyen ſehr verſchieden von denen in Europa. Dieungeheure Revolution von Peliléo und von Tonguragua deZuito habe die Erde nicht nur mit Laven, ſondern mit tho-nigem Schlamm, der aus den ausgeſpienen Schwefelwäſ-ſern niederfiel, bedekt. Der ſchwefelhaltige Gips, die Ein-mengung von Schwefelkies in alle Gebirgsarten, ſelbſt inGranit, der bituminöſe Salzthon, das Bergöl, oder Asphalt(brea, chapapote), welches überall auf dem Waſſeroder auf ſeinem Boden liege, die unermeßliche Menge vonRegenwaſſer, das Meer, das in die durch die Sonne er-hizte Erde dringe und ſich hier zerſeze, die Waſſerdämpfe,und die ungeheure Maſſe von Waſſerſtoffgas, das überallſich entwikle, ſcheinen am meiſten zur Hervorbringungdieſer vulcaniſchen Wirkungen beizutragen.
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  • Die Schwefelhöle von Guadeloupe, des Montmiſene, S. Chriſtophde l’ Oualiban, von S. Lucie, und Montſerat ſtehen wahr-ſcheinlich mit denen an der Küſte von Paria in Verbin-dung.

Abbildungen