Digitale Ausgabe

Download
TEI-XML (Ansicht)
Text (Ansicht)
Text normalisiert (Ansicht)
Ansicht
Textgröße
Originalzeilenfall ein/aus
Zeichen original/normiert
Abbildungen
URL und Versionierung
Permalink:
https://humboldt.unibe.ch/text/1801-Esquisse_d_un-2
Die Versionsgeschichte zu diesem Text finden Sie auf github.
Titel Skizze einer Geologischen Schilderung des südlichen Amerika
Jahr 1802
Ort Weimar
Nachweis
in: Allgemeine Geographische Ephemeriden 9:4 (April 1802), S. 310–329; 9:5 (Mai 1802), S. 389–420, Tafel.
Sprache Deutsch
Schriftart Antiqua
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: II.8
Dateiname: 1801-Esquisse_d_un-2
Statistiken
Seitenanzahl: 52
Zeichenanzahl: 77189
Bilddigitalisate

Weitere Fassungen
Esquisse d’un tableau géologique de l’Amérique méridionale (Paris, 1801, Französisch)
Skizze einer Geologischen Schilderung des südlichen Amerika (Weimar, 1802, Deutsch)
[Esquisse d’un tableau géologique de l’Amérique méridionale] (Salzburg, 1803, Deutsch)
Sketch of a Geological Delineation of South America (London, 1804, Englisch)
Geological Description of South America (London, 1804, Englisch)
Geognostische Skizze von Südamerika, von Alexander von Humboldt, mit erläuternden Bemerkungen des Herausgebers (Halle, 1804, Deutsch)
|310|

Skizze einer Geologiſchen Schilderung des ſüdli-chen Amerika, von F. A. v. Humboldt. *)

Seitdem ich die beiden erſten Skizzen meinerGeologiſchen Schilderung des ſüdlichen Amerika
*) Dieſe Skizze iſt der Auszug einer Abhandlung, dieHr. von Humboldt nebſt einer geologiſchen Samm-lung an die Direktoren des Naturhiſtoriſchen Kabi-nets zu Madrid aus Südamerika geſchickt hat. Siewurde von Hrn. v. Humboldt an Delametherie ge-ſchickt und von dieſem im Journal de Phyſique,Tom. LIII. p. 30. (Meſſidor IX) nebſt folgendemBriefe aus Cumana vom 15 Nov. 1800, eingerückt.„Ich überſchicke Ihnen, mein theurer Freund, eingeologiſches Gemälde, das Sie intereſſiren wird. Aller
|311| von Caracas und Nueva-Valencia nach Madridgeſchickt habe, legte ich einen Weg von 1200 Mei-len zurück, und beſchrieb auf demſelben ein Vier-eck, zwiſchen Caribe, Portocabello, Pimichin und Esmeralde, deſſen Raum über 59000 Quadrat-meilen beträgt, denn das Land zwiſchen dem Berg Parca und Portocabello, und zwiſchen der nörd-lichen Küſte und dem Thal des ſchwarzen Fluſſes,der ſich in den Amazonenfluß ergießt, kenne ich
Entbehrungen ungeachtet die ich in den bisher von mirdurchreiſten Ländern leiden mußte, iſt meine Exi-ſtenz köſtlich, denn alles was mich umgiebt, iſt neu,groß, und majeſtätiſch; von den Spaniern werdenwir immer ſehr gut behandelt. Mit meinem Gefähr-ten Bonpland habe ich ſchon viel gearbeitet; wirhaben mehr als 1200 neue und ſeltene Pflanzen be-ſchrieben.„Von hier werden wir in drey Tagen nach derHavanna abreiſen, von da gehen wir nach Mexico,dann zu den Philippinen, und nach Schina ....Das iſt unſer Plan.„Ich habe die Abweichung der Magnetnadel, dieman unterm Aequator für Null hielt, gefunden, mitder Bouſſole von Borda, zu St. Carlos del Rio negro,Nördl. Br. 1° 35′, oder 23° 20′ der neuen Eintheilung.Die Oscillation war 21,6 in einer Minute Zeit.„Die Temperatur im innern der Erde iſt unter 10°30′ N. B. = 14°,8 bis 15°,2 Reaum. Sie blieb ſichgleich, da die Temperatur der Luft bis 13° fiel oderbis 19° ſtieg. Die Beobachtung wurde aber 505 Toi-ſen über der Meeresfläche gemacht.„Die mittlere Temperatur des Meerwaſſers iſt ander Oberfläche = 21°. Gruß und Freundſchaft.„Ich habe Ihnen oft geſchrieben, aber ſchwer-lich werden Sie meine Briefe erhalten haben.“
|312| nicht. Bey dem ungeheuern Umfang dieſes Erd-ſtrichs muß ich mich begnügen, mit groben Zügenzu mahlen, und das Detail zu vermeiden, das Gezim-mer der Erde, die Abdachung des Landes, die Rich-tung und Neigung der Gebirgslagen, ihr relativesAlter, ihre Aehnlichkeit mit den Bildungen in Eu-ropa .... kenntlich zu machen. Dieſe Umſtändezu erfahren, iſt das dringendſte Bedürfniß der Wiſ-ſenſchaft; man muß ſich in der Mineralogie orien-tiren, wie man ſich in der Geographie orientirt:wir kennen Steine aber keine Berge; wir haben dieMaterialien, aber wir kennen das Ganze nicht, vondem ſie Theile ſind. Dürfte ich mir ſchmeicheln,daß unter der Menge von Gegenſtänden, die michauf dieſer Reiſe um die Welt beſchäftigen, der Bauder Erde durch meine Unterſuchungen einiges Lichterhalten werde! Die mühſamen Reiſen, die ichſeit 8 Jahren in Europa gemacht habe, hatten kei-nen andern als eben dieſen Zweck, und wenn ichdas Glück haben werde, nach Europa zurückzu-kehren und meine geologiſchen Manuſcripte, dieich in Teutſchland und Frankreich zurückgelaſſenhabe, wieder unter die Hände zu bekommen, ſodarf ich hoffen, mich an die Zeichnung eines Riſſesvom Gezimmer der Erde wagen zu können. Eswird ſich dann zeigen, was ich ſchon lange geſagthabe, daß die Richtung und Neigung, das Strei-chen und Fallen der primitiven Erdlagen, derWinkel, den ſie mit dem Meridian des Orts undmit der Erdachſe machen, unabhängig ſey von derRichtung und dem Abfall der Berge, und daß ſieſich nach Geſetzen richten, daß ſie einen allgemei-nen Parallelismus beobachten, der nur in der An- |313| ziehung und im Umſchwung der Erde gegründetſeyn kann. Man wird beſtätiget finden, was Freies-leben, v. Buch und Gruner beſſer als ich bewieſenhaben, daß die Aufeinanderfolge der Flöz-Schich-ten, die man für eine Eigenthümlichkeit gewiſſermit Fleiß durchwühlten und genauer unterſuchtenProvinzen, z. B. Thüringen und Derbyshire hielt, allgemein Statt finde, und daß eine Identität inden Schichten der Bildungen erſcheine, aus derman ſchließen muß, daß dieſelben Ablagerungenauf der ganzen Oberfläche der Erde zu gleicher Zeiterfolgt ſind. Alle dieſe Ideen ſind von der größtenWichtigkeit, nicht nur für den Philoſophen, derſich zu allgemeinen Begriffen zu erheben ſucht,ſondern auch für den Bergmann, der das, was ernicht vor Augen hat, im Geiſte vorausſehen, undſich auf die Analogie richtiger Erfahrungen ſtützenmuß. Sie begründen ein neues und zuverläſſigesWiſſen, denn ſie beſchränken ſich auf die Beobach-tung; das Bild der Erde wird gezeichnet, ſo wie esiſt, und wie alles ſo wurde, gehört nicht hierher.Die Geologie wurde nicht eher ein ſchwankendesund unſicheres Wiſſen, als da ſich die Phantaſie derMenſchen beſonders mit der Geſchichte der Erdebefaßte, zu der es an Urkunden und an verſtänd-lichen Denkmalen faſt gänzlich fehlt.
Ehe ich die Gebirgslagen beſchreibe, die ichvom Aequator an bis an die Küſte der Provinz Ve-nezuela beobachtet habe, werde ich eine allgemeineAnſicht von der Geſtalt dieſes Continents geben.Unglücklicherweiſe fehlt es gänzlich an frühernBeobachtungen, die dieſer Darſtellung zur Grund- |314| lage dienen könnten. Seit einem halben Jahrhun-dert hat man zwar manche auffallende Bemerkun-gen über dieſes Land geſammelt, aber keine ein-zige Idee, die eigentlich die Geologie deſſelben be-trifft, wurde bekannt. Das große Genie von Con-damine, der Eifer des D. Georg Juan de Ulloa würden uns gewiß hier nicht im Dunkel gelaſſenhaben, aber damals gab es faſt noch keine Minera-logie. Alles, was man zu dieſer Zeit machen konn-te, war — ausmeſſen und nivelliren. Indem ſieauf der hohen Cordillere der Anden, die von Nor-den nach Süden ſtreicht, und von Zitara bis zum Cap Pilar, ſich erſtreckt, beſchäftigt waren, unddie ungeheure Höhe des Gebirges bewunderten, ver-gaßen ſie, daß das ſüdliche Amerika andere Cor-dilleren aufweißt, die dem Aequator parallel vonOſten nach Weſten ſtreichen, und die durch ihreHöhe, wenigſtens eben ſo ſehr die Aufmerkſamkeitder Naturforſcher verdienen, als die Carpathen, derCaucaſus, die Alpen des Valais und die Pyrenäen.Man beſchreibt uns den ganzen ungeheuren Land-ſtrich an der öſtlichen Seite der Anden, der ſichſchräg bis an die Küſten von Guiana und Braſilien hin erſtreckt, als eine niedrige Ebene, die den Ue-berſchwemmungen der Flüſſe ausgeſetzt iſt. Da nurzuweilen einige Mönche, Miſſionäre des h. Francis-cus, und ſelten Soldaten über die Cataracten hinausbis zum Rio negro gelangen, ſo bilden ſich ſelbſtdie Bewohner der Küſte von Caracas ein, daß dieungeheuern Ebenen, (Llanos de Calabozo, delGuarico, de Apure,) die ſie ſüdlich über den Thä-lern Aragua ſehen, ſich ohne Unterbrechung bis zuden Pampas von Buenos-Ayres und bis zu den |315| Patagoniern erſtrecken; allein es iſt weit gefehlt,daß die Ausdehnung dieſer Llanos bis dahin gehe.Sie ſind keine ununterbrochenen Ebenen, vielmehrſind ſie daſſelbe Phänomen, was uns Canada und Yucatan, die Inſel St. Domingo, der Norden von Sierra de S. Martha, die Provinz Barcelona, unddas Land zwiſchen Monto-Video und Mendoza;Neuholland, der öſtliche Theil von Ungarn unddas Hannöverſche Gebiet — zeigen. Sie ſind durchdie Cordilleren von einander geſchieden, und lie-gen eben ſo wenig in Einer Ebene, als die Wüſten(Llanos) vonAfrikaund die Steppen der Tartarey,die ſich Stufenweiſe erheben, ſo wie man ſich vomMeer entfernt. Wenn man von den Einbrüchen abſieht, wel-che die Nordſee, das Mittelländiſche Meer u. ſ. w.in der alten Welt verurſacht haben, ſo zeigt ſich dieRichtung ihrer Cordilleren doch nicht ſo ſehr ver-ſchieden von der in der neuen Welt, wie die meh-reſten Naturforſcher behauptet haben; wir erken-nen auch da die Spuren von mehreren hohen Ge-bürgsketten, die von Norden nach Süden ſtreichen,und von denen andere von Oſten nach Weſten aus-laufen. Die Granite und Glimmerſchiefer von Nor-wegen, von Schottland, des Walliſerlandes, der Bretagne, der Provinz Galicien, von Alemtéjo, des Cap Bogador, (auf Ténériffa habe ich derglei-chen mit Granaten gefunden,) des obern Guinea, von Congo und vom Tafelberg; ſo wie die uran-fänglichen Gebirge von Orenburg, des Caucaſus,Libanon, von Abiſſynien und Madagaskar ſchei-nen urſprünglich nichts anders als zwey große, demMeridian parallele Cordilleren dargeſtellt zu haben. |316| In der neuen Welt zieht ſich dieſe Cordillere,parallel dem Meridian, vom Cap Pilar bis in denNorden von Californien, über Nutka- und PrinzWilliams-Sund hinaus, gegen die Berge Aleganhy hin, welche Stewart 1792 auf ſeiner Reiſe nachden Quellen des Miſſury, dem nördlichen Theil derAnden, der von beynahe eben ſo cultivirten India-nern bewohnt iſt, wie die Peruaner des 15 Jahrhun-derts waren, entdeckt hat. Von dieſer Cordillerelaufen Veräſtungen von Urgebirgen aus, welche vonWeſten nach Oſten ſtreichen; die von Nordamerikakenne ich nicht, es ſcheint aber, als wenn in Ca-nada unterm 50° u. 42° N. B. dergleichen vorhan-den wären, ſo wie in dem zerſtörten Continent desMeerbuſens von Mexico unter 19° u. 22° (wie dieGebürge von Cuba und St. Domingo bezeugen).Im ſüdlichen Amerika giebt es drey Ketten von Ur-gebürgen, die dem Aequator parallel laufen, unter9° und 10° die Kette der Küſte, unter 3° bis 7° dieKette, in der ſich die großen Katarakten von Atu-rès (5° 39′ Br.) und Maypuré (5° 12′ 50″) befin-den, die ich daher die Kette der Katarakten odervon la Parime nennen werde, und unter 15° u. 20°ſüdl. Breite die Kette von Chiquitos. Man kann dieſe Ketten noch jenſeits des weſt-lichen Oceans im alten Continent verfolgen, undman ſieht, wie unter derſelben Breite die Urgebür-ge von Fernambouc, Minas, la Bahia, und Ja-neiro denen von Congo entſprechen, wie die unge-heure Ebene beym Amazonenfluſſe den Ebenenvom untern Guinea gegen über liegt, die Cordille-re der Katarakten entgegenſtehend dem obern Gui- |317| nea, und die Llanos des Miſſiſſipi, ſeit dem Ein-bruch des Meerbuſens von Mexico ein Eigenthumdes Meeres, gegenüber der Wüſte von Serah. DieſeAnſicht wird weniger gewagt ſcheinen, wenn manſich den alten und neuen Continent durch die Ge-walt des Waſſers von einandergeriſſen denkt. DieForm der Küſten, die ein und auswärtsſpringen-den Winkel von Amerika,Afrikaund Europa be-zeugen dieſe Kataſtrophe; was wir den AtlantiſchenOcean nennen, iſt nichts als ein Thal vom Meerausgewühlt. Die pyramidaliſche Form aller Con-tinente, mit gegen Süden gerichteter Spitze, diegrößere Verflächung der Erde am Südpol, und an-dere von Reinhold Forſter beobachtete Erſchei-nungen ſcheinen zu beweiſen, daß der Andrang desWaſſers von Süden kam. An der Küſte von Braſi-lien von Rio Janeiro bis Fernambouc fand es Wider-ſtand, und richtete ſich von dem 50° N. Br. an gegenNordoſt, wo es den Golfo von Guinea, bey Loango, Benin und Minc auswühlte; durch die Gebürgevon Ober-Guinea wurde es gezwungen, ſich nachNordweſt zu richten, und zerſtörte bis zum 23° N.Br. die Küſten von Guiana, von Mexico und Flo-rida. An der hohen Cordillere der vereinigten Staa-ten brach ſich die Gewalt des Waſſers noch einmal,es lenkte zum zweytenmal ab gegen Nordoſt, undſchonte weniger der weſtlichen Küſten von Europaals der nördlichen von Amerika. Dieſer Kanal hatſeine geringſte Breite bey Braſilien und Grönland,er ſcheint ſich aber, der Geographiſchen Geſchichteder Thiere und Gewächſe zufolge, zu einer Zeitgebildet zu haben, wo die organiſche Schöpfungnoch gar nicht oder nur wenig auf der Erde zur |318| Entwicklung gekommen war. Es würde für dieGeologie ſehr wichtig ſeyn, wenn auf einer auf Ko-ſten einer Regierung unternommenen Seereiſe dasStreichen und Fallen und das Verhältniß der Ge-birgslagen an den ein- und auswärtsgehenden Win-keln von Amerika undAfrikaunterſucht würde;man würde hier eben die Analogie wieder finden,die man am Kanal von Calais, und am Sund, anden Säulen des Herkules und am Helleſpont be-merkt hat; kleinen Einriſſen, die eben ſo neu ſind,als die ſecondären Bildungen des Kalkfelſens vom Jura, von Pappenheim, la Mancha, Marſeille,Derbyſhire und Suez, die alleſammt zugleichdurch Einen Niederſchlag entſtanden ſind. Von den drey Cordilleren vom Urgebirge, wel-che das ſüdliche Amerika von Weſten nach Oſtendurchlaufen, iſt die nördlichſte oder die von Vene-zuela die höchſte, aber die ſchmälſte. Von der gro-ßen Ebene von Quito zieht ſich die wahre Ketteder Anden durch Popayan und Choco an der Weſt-ſeite des Fluſſes Atrato (oder Rio San Juan),zwiſchen dem Thal von Tatabé der Provinzen Zi-tara und Biruguete, gegen den Iſthmus hin, woſie am Ufer des Chagre ein Bergland bildet, vonnicht mehr als 2 oder 300 Toiſen Höhe. Aus die-ſen Anden entſteht die Cordillere an den Küſten von Venezuela; höhere, und weniger regelmäßige Grup-pen bildende Bergreihen ziehen ſich auf der Oſtſeitedes Rio Atrato, unter dem Namen der Sierra deAbibé und der Montes de Cauca, durch die hohen Savanen von Jolu gegen den Magdalenaſtrom unddie Provinz der heil. Martha. Die Cordillere der |319| Küſte zieht ſich ein ſo wie ſie dem Meerbuſen von Mexi-co näher kommt am Cap von Vela, und läuft ſo-dann, zuerſt von Süd-Süd-Weſt gegen Nord-Nord-Oſt ſtreichend, von Weſten nach Oſten, bis zu demGebirge von Paria, oder vielmehr bis zu der Pun-ta de la Galera auf der Inſel Trinidad. Ihre größ-te Höhe hat ſie da, wo ſie den Nahmen der SierraNevada de S. Martha (Br. 10° 2′) und der SierraNevada de Merida (Br. 8° 30″) führt; die erſtereiſt bey 5000, die andere 5400 ſpaniſche Ellen, (Va-ras) oder 2350 Toiſen hoch. Die Paramo de laRoſa und de Macuchi, ſo wie die Berge von Meri-da ſind beſtändig mit Schnee bedeckt; aus ihrenSeiten ſprudelt kochendes Waſſer (mit Waſſerſtoff-ſchwefel), und in der Höhe übertreffen ſie den Pic von Teneriffa, und halten es vielleicht dem genauergemeſſenen Montblanc gleich. Dieſe Koloſſen unddie heilige Martha ſtehen faſt iſolirt da, von wenighohen Gebirgen umgeben. Bis zu dem Weſt von S. Fé oder bis zur Sierra von Zuindiù ſieht mankeine beſchneite Bergſpitze, und die Sierra Nevadade Merida ſteht am Rande des Llano de Caracas, der keine 40 Toiſen über der Meeresfläche erhabeniſt. Der Montblanc, der die hohe Kette der Alpen ſchließt, zeigt daſſelbe Phänomen. Die Höhe dergrößten Berge iſt doch ſo unermeßlich klein imVerhältniß zu der Maſſe der Erde, daß es ſcheinenmöchte, als hätten ſehr geringe örtliche Urſachennoch mehr Materie auf jedem Punkte anhäufenmüſſen. Der Theil der Küſten Cordillere, der weſt-lich des Maracaybo-Sees liegt, und an die Anden ſelbſt anſchließt, hat große von Süden nach Nor-den ſtreichende Thäler, als das Thal der Magda- |320| lena, des Cauca, des heil. Georg, von Sinu und Atrato. Es ſind dies ſehr lange, aber enge undwaldigte Thäler. Der Theil der Cordillere hingegen, die ſich von Merida nach Trinidad zieht, ſchließt drey Thäler,von Oſten nach Weſten gerichtet, ein, die wie Böh-men oder das Haslithal in der Schweiz die Zeichentragen, daß ſie ehemals Seen waren, deren Waſſerſich verdünſtete oder einen Durchgang ſich eröffnendabfloß. Dieſe drey Thäler ſind geſchloſſen durchdie zwey parallelen Bergreihen, in die ſich die Kü-ſtencordillere theilt, vom Cap Vela an bis zum Cap Codera; die nördlichere Reihe iſt die Fort-ſetzung der heil Martha, die ſüdlichere eine Ver-längerung der Sierra Nevada de Merida. Die erſtezieht ſich durch Burburuta, Rincon del diablo, durch die Sierras de Mariara, den Berg Aguasne-gras, den Monte de Arila und die Silla de Cara-cas zum Cap Codera. Die zweyte, 3 bis 4 Meilenſüdlicher, durch Guigui, la Palma, durch die ho-hen Bergſpitzen von Guairaima, Tiara, Guiripa und die Savana de Ocumare zu den Mündungendes Tuy. Dieſe zwey Reihen vereinigen ſich durchzween Aerme, die von Norden nach Süden laufen,gleichſam als Dämme, durch die jene alten Seen inihren Gränzen gehalten wurden. Dieſe Dämme ſindweſtlich, die Berge von Carora, der Torito, S.Maria, der Berg des heil. Philipps und Aroa; ſieſcheiden die Llanos von Monai von den Thälernvon Aragna; öſtlich ſind es die dürren Bergſpitzen de los Teques, die Coquiza, Buena Viſta und die Altos de S. Pedro, durch welche die Thäler von |321| Aragua, oder der Quelle des Tuy (denn es iſt nurEin Thal von dem Fuß der Coquiza oder der Ha-cienda de Briſenno bis Valencia) von dem Thal de Caracas getrennt werden. Oeſtlich vom CapCodera wurde ein großer Theil der Küſtencordil-lere von Venezuela zerſtört und unter Waſſer ge-ſetzt bey der großen Kataſtrophe, die den Golfvon Mexico bildete. Die Reſte davon erkennt manin den hohen Bergſpitzen der Inſel Margaretha (dem Macanao und Valle S. Juan) und in derCordillere des Iſthmus von Araya, die die Glim-merſchieferberge von Maniguares, Chuparipari, den Diſtilador, Cerro-grande, den Berg des heil.Joſeph und von Paria enthält; Reſte, die ich ge-nau unterſucht habe, und in denen ich durch-gehends dieſelbe Gebirgsart, dieſelbe Richtungund Neigung der Lagen fand. Die drey Teicheoder Thäler von Caracas, Aragua und Monai ſinddadurch merkwürdig, daß ihr Niveau über dieMeeresfläche erhaben iſt; ſie erniedrigen ſich Stufen-weiſe, und die höchſte Stufe (étage) iſt die öſtli-che, zum Beweiß, daß ſie zu einer andern, frü-hern Zeit gebildet wurden, als die Llanos, derenAbdachung von Oſten nach Weſten geht, wie derganze Continent von Südamerica. Durch wieder-holte barometriſche Meſſungen fand ich die Höhedes Thales von Caracas zu 416 Toiſen, von Ara-gua zu 212 Toiſen über der Meeresfläche; die Lla-nos von Monai, das weſtlichſte Baſſin ſcheinenkaum 80 bis 100 Toiſen Erhöhung zu haben. Das Thal von Caracas iſt ein See, der ſich einen Abflußgemacht hat durch die Quebrada von Tipe, Catia und Rio Mamon; das Baſſin vom Aragua ſcheint |322| dagegen nach und nach durch Verdünſtung ausge-trocknet zu ſeyn, denn noch jetzt ſehen wir denRückſtand des alten Waſſers (überladen von ſalz-ſaurer Kalkerde) in dem See von Valencia, derſich von Jahr zu Jahr mehr einzieht, und ſeine Un-tiefen als Inſeln entdeckt, die man unter dem Na-men der Aparecidas kennt. Die Höhe der KüſtenCordillere beträgt gemeiniglich 6 bis 800 Toiſen;ihre erhabenſten Spitzen, die Sierra Nevada deMerida und die Silla de Caracas, (auf die wir ei-ne ſehr mühſame Reiſe mit unſern Inſtrumentengemacht haben,) haben 2350 Toiſen und 1316 Toi-ſen Höhe. Nach Weſten hin erniedrigt ſie ſich im-mer mehr, und das Cap Codera hat nur 176 Toi-ſen. Der Macanao auf der Margaretheninſel, denich trigonometriſch gemeſſen habe, hat nicht mehrals 342 Toiſen; allein dieſe ſchnelle Erniedrigungfindet nur am Urgebirge der Küſtencordillere Statt.An der öſtlichen Küſte erheben ſich ſecondäre An-häufungen des Kalks vom Cap Unare an zu einerbeträchtlichern Höhe als der Gneis und der Glim-merſchiefer; dieſe Kalkfelſen, die mit Sandſtein vonkalkerdiger Grundmaſſe bedeckt ſind, und die Kü-ſtencordillere an ihrem ſüdlichen Abhang begleiten,ſind ſehr niedrig an der Seite von Cura, erhebenſich aber in Maſſe gegen die öſtliche Spitze desContinents hin. Im Bergantin werden ſie 700 Toiſen hoch, im Coccollard 392, im Cucurucho du Tuminiquiri (der höchſten Bergſpitze der Provinz Cumana) 976Toiſen, und die Pyramide des Guacharo erhebtſich bis zu 820 Toiſen; vom Cap Unare an bilden |323| ſie eine Reihe abgeſonderter Berge, in der das uran-fängliche Gebirg gänzlich verſchwunden iſt, mitder Glimmerſchiefer-Cordillere (von Maniquarès und Paria) ſtehen ſie auch nur durch den Cerrode Meapire in Verbindung, der (analog den Aeſtenvon Torito und los Teques, welche die Baſſins von Monai, Aragua und Caracas abſondern) von Sü-den nach Norden ſtreicht, von Guacharo und Ca-touaro zum Berge Paria, und die Thäler von Ca-riaco (das ausgetrocknete Ufer des Golfo von Ca-riaco) von dem Thal des heil. Bonifacius, dasehemals zum Golfo Triſte gehörte, abſondert. Wirwerden in der Folge ſehen, daß die Anhäufungender Kalkformation am öſtlichen Theil der Küſtedieſes Land den Erdbeben mehr ausgeſetzt zu ha-ben ſcheinen; und daß der Cerro de Meapire (zurZeit des Einbruchs des Meerbuſens von Cariaco unddes Golfo Triſte) das Waſſer verhinderte, die Lan-dung von Araya und das Gebirge Paria in eineInſel zu verwandeln. Der Abfall der Küſtencordillere von Venezuela iſt ſanfter gegen Süden als gegen Norden, was be-ſonders auffallend iſt, wenn man von den Höhenvon Guigue durch S. Juan, Parapara, Ortiz ge-gen die Meſa de Paja, die ſchon zu dem großen Llano de Calabozo gehört, herabſteigt. Der nörd-liche Abfall iſt überall ſehr gähe, und man wirdkaum (den Montblanc allein ausgenommen, über Courmayeur) einen fürchterlichern Abgrund fin-den, als die ſenkrecht, 1300 Toiſen ſich erhebendeMauer der Silla de Caracas über Caravalledo; diegenaue Meſſung dieſer Felſenmauer war für die See- |324| fahrer von großer Wichtigkeit, indem ſie nun durchden Erhebungswinkel ihre Entfernung von der Kü-ſte finden können, ſo daß die Länge von 4 St. 37′32″ weſtl. von Paris, ihnen dienen wird, ſich zuorientiren. Die Erſcheinung eines ſanfteren Abfalls nachSüden ſcheint den Beobachtungen, die man an an-dern Cordilleren der Erde gemacht hat, zu wider-ſprechen, da man behauptet, daß ſie insgeſammtgegen Süden und Weſten hin gählinger abfallen.Dieſer Widerſpruch iſt aber nur ſcheinbar, indemder nördliche Theil der Cordillere bey der großenKataſtrophe, durch die der Meerbuſen von Mexicoward, durch die Gewalt des Waſſers weggeriſſenwurde, und alſo der nördliche Abhang ſeiner Zeitauch hier ſanfter, ſeyn konnte, als der ſüdliche. Betrachtet man die Geſtalt der Küſte, ſo zeigtſie ſich ziemlich regelmäßig gezähnt. Die Vorge-birge von tres Puntas, Codera, S. Roman und Chichibacoa (weſtlich vom Cabo de la Vela) bil-den eine Reihe von Landſpitzen, unter denen dieweſtlichen mehr nach Norden zu auslaufen, als dieöſtlichen. Im Strich (au vent) eines jeden dieſerVorgebirge hat ſich eine Bucht (anse) gebildet, undman kann ſich nicht enthalten, in dieſer ſonderba-ren Bildung die Wirkung der tropiſchen Strömung(die man auch die Strömung der Erdrotation nen-nen könnte) zu ſehen, eine Wirkung, die ſich auchin der Richtung der Küſten von Cuba, St. Domin-go, Portorico, Yucatan und Honduras, ſogar inder Reihe der Inſeln unter dem Winde (Grenada,Orchila, Rocca, Aves, Buenayre, Curaçao und |325| Aruba) den Ruinen der Cordillere vom Cap Chi-chibacoa, die alle dem Aequator parallel ſind, zeigt.Eben dieſes Vorgebirge Chichibacoa war es auch,ſeiner wenigen beträchtlichen Höhe ungeachtet, dasdurch ſeinen Widerſtand gegen die Fluth, das Kö-nigreich Neugrenada geſchützt hat, daß es nichtſo viel Land verlor, wie die Capitanie générale von Caracas. Die zweyte urſprüngliche Cordillere des ſüdli-chen Amerika, die ich die Cordillere der Ca-taracten des Orinoco genennt habe, iſt nochſehr wenig bekannt. Auf der Reiſe, die wir an denſchwarzen Fluß gemacht haben, bis zu den Grän-zen des großen Bara haben wir ſie durchreiſt aufmehr als 200 Meilen (lieues) zuerſt von Nordennach Süden, von Cerro de Uruana bis zum Ata-bapo und Tuamini, ſodann von Weſten nach Oſtenvon den Mündungen des Ventuari bis zum Vulcanvon Duida, den ich unter 3° 13′ 26″ Breite, 4 St.34′ 7″ Länge weſtlich von Paris gefunden habe.Ueber dieſe Cordillere, der man auch den Namenvon Parima oder Dorado (einen Namen, der ſoviel Unglück in Amerika und ſo viel Scherz in Eu-ropa verurſacht hat,) geben könnte, iſt erſt ſeit 30Jahren, ſeit der Reiſe der Herren Ituriaga und So-lano der Uebergang möglich; da aber alle Europäi-ſche Niederlaſſungen am Alto Orinoco und Rio Ne-gro dermalen nur 400 Indianiſche Familien enthal-ten, und der Weg von Esmeralde nach Erevato und Caura ſich ganz verloren hat, ſo ſtellten ſichunſern Unterſuchungen in einem noch ſo wenig er-oberten Lande mehr Schwierigkeiten entgegen, als |326| Condamine auf ſeiner etwas längern Schiffahrt aufdem Amazonenfluß, deſſen Ufer ſeit vielen Jahr-hunderten bevölkert ſind, erfahren hat. Die Cordillere der Cataracten odervon Parima trennt ſich von den Anden von Quito und Popayan unter dem 3°—6° der Breite. Sieſtreicht von Weſten nach Oſten von Paramo deTuquillo und S. Martin, oder den Quellen des Guaviare (dem Schauplatz der Thaten des tapfern Philipp de Urre, und dem alten Wohnplatz der Orneguas) über Morocote, Piramena und Macu-co und zieht ſich durch das Land der Indianer Gua-jibos, Sagi, Daguères und Poigraves nach derRichtung der großen Flüſſe Meta, Vichada, Za-ma, Guaviare und Ymirida, unter 70° weſtl. Län-ge von Paris, zwiſchen den hohen Spitzen von Uniama und Cunavami. Sie bilden die raudals von Aturès und Maypuré, abſcheuliche Waſſerfälle,die den einzigen Durchgang übrig laſſen, durchden man im Innern des Landes zu dem Thal desAmazonenfluſſes kommen kann. Vom 70° der Länge erhebt ſich dieſe Catarac-ten-Cordillere und breitet ſich ſo ſehr aus, daß ſiedas ganze ungeheure Land zwiſchen den Flüſſen Caura, Erevato, Cavony, Paraguamuſi, Ven-tuari, Jao, Padamo und Manariche einnimmt,und ſogar nach Süden hinabſteigt, gegen die Quel-len von Paſimona, Cachevayneris und Cababury, gegen die Wälder hin, wo die Portugieſen (in denSpaniſchen Bezirk eindringend) die beſte Sarſapa-rille (Smilax Sarſaparilla L.) die man kennt, ſam- |327| meln. In dieſen Gegenden hat die Katarakten-Cor-dillere über 120 Meilen Breite. Noch mehr gegenOſten zwiſchen dem 68° und 60° weſtlicher Längevon Paris iſt ihre Fortſetzung wenig bekannt. Ichkam mit den Aſtronomiſchen Inſtrumenten nur biszum Rio Guapo, der ſich dem Cerro de la Cau-clilla (68° 33′ weſtl. Länge von Paris) gegenüberin den Orinoco ergießt. Die Indianer Catarapeni und Maquiritares, welche in der kleinen Miſſionvon Esmeralde leben, kamen noch 15 Meilen wei-ter gegen Oſten über die Berge Guanaja und Ya-mariquin bis zum Canno Chiguire, aber weder Eu-ropäer noch Indianer, mit denen Europäer geſpro-chen haben, kennen dieſe Quelle des Orinoco, derhier Canno Paragua heißt, und kaum noch 150bis 200 Toiſen breit iſt (da er hier im Gegentheilbey Boca de Apuré, 7° 32′ 20″ Br., 4632 Toiſen inder Breite hat, wie ich ſelbſt gefunden habe.) DieWildheit der Indianer Guaicas, nur 4 Fuß hoher,aber ſehr weißer und kriegeriſcher Menſchen, undbeſonders die Rohheit der Guajaribos, größererMenſchenfreſſer, als die andern von uns beſuchtenNationen ſind, würde nur einer militäriſchen Expe-dition erlauben, über die kleine Katarakte (Raudalde Guajaribos) öſtlich von Chiguire vorzudringen.Aber durch die bewunderungswürdige Reiſe, dieder D. Antonio Santos nackend gemacht hat, mit Onotho gemahlt und bald als Caribe bald als Ma-cacy, deren Sprachen er redete, verkleidet, durchdieſe Reiſe vom Orinoco an (der Mündung des Rio Caronis) bis zum kleinen See Parima undbis zum Amazonenfluß, haben wir von der Fort-ſetzung der Cataracten-Cordillere Nachricht er- |328| halten. Unter 4°—5° Breite und 63° Länge ver-engt ſie ſich ſehr, ſo daß ſie kaum 60 Meilen breitiſt. Sie erhält hier den Namen Serrania de Quimi-ropaca und Pacaraimo, und bildet eine Kette nichtſehr hoher Gebirge, durch die die Waſſer zertheiltwerden. Das Waſſer des nördlichen Abfalls, derNocapray, Paraguamuci, Benamo und Mazurunifließen gegen den Orinoco und Rio Esquibo ab;die Waſſer des ſüdlichen Abhangs, der Rio Cururi-cana, Parime, Madari und Mao ergießen ſich inden Amazonenfluß. Einige Grade weiter nach Oſtendehnt ſich die Cordillere von neuem in die Breiteaus, indem ſie ſüdlich gegen den Canno Pirara,längs dem Mao hinabſteigt. Hier iſt es, wo dieHolländer dem Cerro d’Ucucuamo, den prächtigenNamen des Goldberges, oder Dorado gegeben ha-ben, weil er aus einem ſehr glänzenden Glimmer-ſchiefer beſteht, einem Foſſil, das auch die kleineInſel Ypamucena im Parima-See in Ruf gebracht hat. Oeſtlich von Rio Esquibo oder jenſeits desLandes der Indianer Aturajos wendet ſich die Cor-dillere gegen Südoſt, indem ſie ſich mit den Granit-gebirgen des holländiſchen und franzöſiſchen Guia-na vereinigt, welche von verbündeten Negern undCaraiben bewohnt ſind, und den Flüſſen Berbice,Surinam, Marony, Aprouague und Oyapock denUrſprung geben. Die zuletzt genannte Berggruppedehnt ſich ſehr aus; derſelbe Gneiß zeigt ſich zu Baxo Orinoco (8° 20′ Br.) zwiſchen den Mün-dungen des Upata und Acquire, und unter 2° 14′d. Br. auf der Nordſeite des Amazonenfluſſes in denBergen von Fripoupon und Maya. |329| Dies iſt die Geſtalt der großen Cataracten-Cordillere, welche von einer zahlloſen Menge un-bezähmter, den Europäern wenig oder gar nicht be-kannter Wilden bewohnt iſt. Ich muß bemerken,daß ich bey dieſer Beſchreibung blos meinen eige-nen Beobachtungen gefolgt bin, und die Notizen,die wir von den Indianern erhielten, ſo wie die Be-merkungen des D. Antonio Santos und einiger ſei-ner Glücksgefährten, die ſie ihren Freunden diktirthaben, benutzt habe. Die Charten, die man vondieſem Theil des feſten Landes hat, ſind durchausfalſch, und die der Geſchichte des Evircoco vom P. Caulin (einem ſonſt ſehr verdienſtvollen Werke)beygefügte Charte, zeigte ſich unſern letzten Beob-achtungen über Länge und Breite, um einige Gradenoch unrichtiger, als die 30 Jahre vorher von d’An-ville gegebene Charte; auch ſind auf ihr alle India-niſche Namen entſtellt, und Berge und Flüſſe ge-zeichnet, wo keine ſind: ein ſehr verzeihlicherFehler, da der Verfaſſer nie über die Waſſerfälle des Orinoco, noch vielweniger bis zum Rio Negro ge-kommen iſt. (Die Fortſetzung folgt.)
|389|

Skizze einer geologiſchen Schilderung desſüdl. Amerika, von F. A. v. Humboldt. (Beſchluß zu S. 329 des Aprilſtücks.)

Die Parima-Cordillere erreicht nirgends die Höheder Sierra Nevada in der Provinz Caracas, oder dieHöhe von 2350 Toiſen. Ihre höchſte Spitze ſcheintzu ſeyn der Cerro de la Esméralda, oder der Berg Duida, den ich durch trigonometriſche Meſſung1323 Toiſen über der Meeresfläche erhaben gefun-den habe, faſt eben ſo hoch als den Canigou. Die |390| Lage dieſes Bergs in einer lachenden, mit Palmenund Ananas bedeckten Ebene, die ungeheure Maſſe,die er darſtellt von der Seite der Miſſion und des Rio Canucanuma und Tamatama, die Flammen,die er zu Ende der regnigten Jahreszeit ausſtößt,alle dieſe Verhältniſſe geben ihm ein eben ſo mah-leriſches als majeſtätiſches Anſehen. Noch kein In-dianer erſtieg den Gipfel des Berges und die Klippeſeiner Spitze, ohne wochenlange Arbeit, weil dieMacht der Vegetation in dieſem Klima der Reiſeentgegenſteht. Nach dem Duida ſind der Mara-guaca (mehr gegen Oſten dem Fluß Simirimoni zu)und die hohe Cordillere von Cunarami und Cali-tamini, die man zu Maypuré und S. Barbara un-ter dem falſchen Nahmen Sipapo kennt, die höch-ſten Spitzen der Kette; ſie haben 1000-1100 ToiſenHöhe. Die gewöhnliche Erhöhung der Cordillereüberſteigt indeſſen 600 Toiſen nicht, und zuweileniſt ſie noch geringer, indem der zwiſchen dem lin-ken Ufer des Caßiguiaré (einem Arm des Orinoco, der den R. Negro und Amazone unter einanderverbindet) und den Quellen des Ymirida, zwiſchenden Katarakten und Piramena, zwiſchen Caricha-na und Morocote gelegene Theil zerſtört iſt, undnoch einzelne Felſen auf Einem Boden darſtellt;die Urſache dieſer Zerſtörung ſcheint ein Durch-bruch des Waſſers aus dem Baſſin des Amazone ge-gen das Baſſin von Calabozo und Baxo-Orinoco, welche in der Höhe um 160 Toiſen unterſchiedenſind, geweſen zu ſeyn. Die Geologiſche Charte dieſer Gegenden, dieich mir gemacht habe, ſtellt ein unermeßliches Thal |391| dar, welches die Llanos des R. Negro, Caßiguiaré und Amazone, mit denen der Provinz Caracas, Barcelona und Cumana vereinigt; ein Thal dasgegen Norden zu abfällt und durchſchnitten iſt voneiner großen Zahl einzelner Felſen, welche an denUfern des Guaviare und Nuta in der Provinz Cas-ſemora die Richtung der alten Cordillere anzeigen.Der öſtliche Saum dieſes Thales iſt der niedrigſteTheil deſſelben; daher hat auch der Ueberreſt desWaſſers (der Orinoco) ſein Bette an dieſer Stelleeingeſchnitten. Dieſe Cordillere hat zwey ſehr merkwürdigeEigenſchaften. Erſtlich, daß, ſo wie es bey andernGebirgen bemerkt worden iſt, der ſüdliche Abhangum vieles gäher iſt, als der nördliche — die hohenGipfel des Canavami, Jao, des Vulkans Duida,Maraguaca .... liegen alle gegen Süden, undſind dorthin ſenkrecht abgeſchnitten. Zweitens,dieſe Cordillere ſcheint nicht einen Felſen aus Flöz-gebirge zu enthalten, folglich nichts aus dem orga-niſchen Reich Entlehntes. Auf unſerem großen Ue-bergang über dies Gebirge haben wir nichts bemerkt,als Granit, Gneiß, Glimmerſchiefer und Hornblen-deſchiefer, nirgends eine Bedeckung von Sandſteinoder ein Kalkflöz, das ſich auf der Küſtencordillerevon Venezuela bis zu 976 Toiſen über das Meer er-hebt. Hat wohl die Nähe des Aequators und dieRotation bey dieſem Phänomen Einfluß gehabt? Die dritte Kette von Urgebirgen, die Cordille-re von Chiquitos iſt eine nur aus den Erzählun-gen einiger unterrichteter Perſonen, die ſich in Bue-nos-Ayres aufgehalten und die Pampas durchreiſt ha- |392| ben, bekannt. Sie vereinigt die Anden von Peru und Chili mit den Gebirgen von Braſilien und Pa-raguay, indem ſie ſich von la Paz, Potoſi und Tucuman, durch die Provinzen Maxos, Chiquitos und Chaco, gegen das Gouvernement der Minen und S. Paul in Braſilien hinzieht. Ihre höchſtenGipfel ſcheinen zwiſchen 15-20° ſüdl. Br. zu ſeyn,da ſich die Ströme zwiſchen dem Amazonen- und la Plataſtrom auf dieſer Höhe theilen. Zwiſchen den drey Cordilleren, deren Richtungwir bisher verfolgt haben, liegen drey breite undtiefe Thäler; 1. das Thal zwiſchen der Südſeite derKüſtencordillere von Venezuela und zwiſchen derCataracten-Cordillere, oder das Thal vom Orinocound Apuré (zwiſchen 8-10° Br.); 2. das Thal desNegro- und Amazonenſtroms, begränzt durch die Parimagebirge und die Cordillere von Chiquitos (zwiſchen 3° nördl. und 10° ſüdl. Breite); 3. dasThal der Pampas von Buenos-Ayres, das ſich von S. Cruz der Sierra bis zum Cap des Vierges (von19-52° ſüdl. Br.) erſtreckt. Das erſte und zweiteThal ſtehen gewiſſermaßen mit einander in Verbin-dung durch die Zerſtörung eines Theils der Parima-Cordillere. Ich weiß nicht, ob dies auch der Fallmit den Pampas und dem Amazonenthal iſt, esſcheint jedoch nicht, wenn ſchon die Llanos von Monſo eine Art von Kanal bilden, der von Nord-weſt gegen Südoſt herabſteigt. Alle dieſe ungeheu-ren Thäler oder Ebenen ſind nach Oſten hin offen,indem ſie in eine niedrige und ſandige Küſte aus-laufen; gegen Abend ſind ſie geſchloſſen durch dieKette der hohen Anden. Es ſind Buchten (Anſes), |393| welche von Oſten nach Weſten gehen (in der Rich-tung der tropiſchen Strömungen) und ſich deſto tie-fer ins Innere des Landes erſtrecken, je breiter derContinent iſt. Die Thäler des Apuré und Orinoco ſchließen ſich durch das Gebürg, das von Pampe-lona nach Merida ſich erſtreckt, bey 73° Länge, dasThal der Pampas bey 70° Länge; ſie fallen insge-ſammt gegen Oſten ein wenig ab und ſcheinen voneinerley Formation des Flözgebürgs bedeckt zu ſeyn. Tralles ſagt, daß man ſich in der Schweiz ei-gentlich weit mehr über die Tiefe der Seen wun-dern müſſe, als über die Höhe der Berge; ich wagees, ungefähr daſſelbe in Hinſicht auf die Llanos von Süd-Amerika zu behaupten. Wie muß manerſtaunen, einen Continent zu ſehen, der in ſeinemInnern (und zwar mehrere hundert Meilen weit vonder Küſte und in der Nähe von 3000 Toiſen hohenBergen) kaum 50 Toiſen über die jetzige Waſſer-fläche erhaben iſt? Wenn die Fluth an dieſen Ortenſo hoch ſtiege, wie zu S. Malo und Briſtol, wennErdbebungen den Ocean mehr in Bewegung ſetzten,ſo müßte ein großer Theil dieſer Thäler oft unterWaſſer geſetzt werden. Der höchſte Llano, denich gemeſſen habe, iſt der zwiſchen den Flüſſen Ymirida, Temi, Pimichia, Caſſiguiaré und Guai-nia (Rio Negro) gelegen; er hat 180 Toiſen Höhe;er ſenkt ſich aber gegen Aturès hin, nach Nordeneben ſo, wie gegen den Amazone nach Süden. DasThal des Orinoco und Apuré iſt noch viel niedri-ger, als das vom Caßiguiaré und Calabozo inder Mitte des Llano (ich habe daſelbſt, unter 8°56′ 56″ Breite, und 4h 40′ 39″ Länge weſtlich von |394| Paris, Beobachtungen angeſtellt.) An der Stelle derHauptſtadt von Guayana, l’Angostura (Breite 8°8′ 24″, Länge 4h 25′ 2″) iſt es nur um 33 Toiſen,und 80 Meilen weſtlich von der Küſte kaum um 8Toiſen über der Meeresfläche erhaben. In Europagleichen die Ebenen der Lombardie durch ihre ge-ringe Erhebung den Llanos am meiſten; Pavia hatnach Pini nur 34, Cremona 24 Toiſen Höhe; dieandern Ebenen von Europa ſind um vieles erhabe-ner. Niederteutſchland (Sachſen, Unterſchleſien)hat eine Höhe von 87 bis 120 Toiſen, die Ebenenvon Bayern und Schwaben 230 bis 250. Der Abfallder Llanos von Amerika iſt ſo ſanft, ihre Uneben-heiten ſind ſo unmerklich, daß ein Nichts einengroßen Fluß beſtimmt, auf dieſer oder jener Seitezu fließen. Der Orinoco ſcheint über 70° Längegegen Portocabello hin ſich ins Meer ergießen zuwollen; allein bey Cabrouta lenkt er nach Oſtenab, ohne daß man hier oder bey S. Fernando deAtabapo (Breite 7° 55′ 8″) den geringſten Wider-ſtand entdeckte, der ſich ſeinem Lauf entgegenſetzte.In dem großen Thal des Rio Negro und des Ama-zone iſt ein Landſtrich (unter 2 oder 3° N. Br.) vonnicht viel weniger als 1600 Quadratmeilen, derdurch die großen Flüſſe Atabapo, Caſſiguiaré, Guai-nia *) und Orinoco begränzt wird und ein Paralle-logramm darſtellt, in dem das Waſſer an den 4 ent-gegengeſetzten Seiten in entgegengeſetzter Richtung
*) Guainia iſt der Nahme, den die Mariſitaniſchen In-dianer dem Rio Negro beylegen. Die Sprache dieſerIndianer iſt gegen den Aequator hin faſt eben ſo all-gemein, als die Caraibiſche Sprache unter 10° Breite.
|395| fließt. Beym Orinoco fand ich von der Einmün-dung des Guaviare bis zu der Apuré in einer Di-ſtanz von 70 Meilen 151 Toiſen Abfall; aber vonder Hauptſtadt an bis zum Meere nicht mehr als 8Toiſen. La Condamine hat beym Amazonenflußgenau daſſelbe beobachtet, von der Enge von Pau-xis bis Para, wo er 240 Meilen durchläuft, ſenkteer ſich um nicht mehr als 14 Toiſen. Vielleicht lagan der Nordſeite der Küſtencordillere von Venezuela ein Llano, der um ſo viel niedriger war, als derLlano des Orinoco, als der Llano des Rio Negro höher iſt, als der Orinoco-Llano; vielleicht bliebaus dieſem Grund jener Llano vom Waſſer desMeerbuſens bedeckt.
Die beiden Llanos, die an den entgegengeſetz-ten Enden von Süd-Amerika liegen, unterſcheidenſich ſehr auffallend von dem zwiſchen ihnen in derMitte liegenden Llano, oder dem Thal des Amazo-ne. Dieſer iſt von ſo undurchdringlichen Wäldernbedeckt, daß ſich blos Flüſſe einen Weg hindurchbahnen können, und daß faſt keine andern Thiereda leben können, als die ſich auf Bäumen aufhal-ten; der beſtändige Regen unter dem Aequator be-günſtigt ſo ſehr die Vegetation. Ganz anders ver-hält ſichs mit den Llanos des Orinoco und den Pam-pas; dies ſind Ebenen von Kräutern bedeckt, Sa-vannen, die nur wenige zerſtreute Palmen enthal-ten. Dieſelbe Wärme, eben dieſer Mangel an Waſ-ſer, ähnliche Refraktionserſcheinungen (man ſiehtdie Gegenſtände verkehrt in der Luft ſchweben,)zeigen ſich hier wie in den Wüſten vonAfricaundArabien. Wo giebt es aber ſo vollkommene Ebe- |396| nen, — Ebenen, die (meſa de Pavone, meſa deGuanipa) auf 800 Quadratmeilen keine Ungleich-heit, die nur 8 bis 10 Zoll hoch wäre, ſehen ließen.Die Ebenen von Niederungarn, weſtlich von Preß-burg, gleichen ihnen noch am meiſten; denn dasplatte Land von la Mancha, der Champagne, von Weſtphalen, Brandenburg und Polen iſt Gebürg-land in Vergleichung mit den Llanos von Süd-Ame-rika. Nur ein langer Stillſtand des Waſſers (manerinnere ſich des Haßlithals, des ausgefloſſenenSees von Lungern) ſcheint im Stande geweſen zuſeyn, einen ſo horizontalen Boden zu erzeugen.Spuren alter Städte zeigen ſich hier auch, aber ſel-ten ſieht man ſolche, die ſich wie Schlöſſer erheben,(la piedra Guanan, Länge 4h 38′ 14″, Breite 1°59′ 48″) auf dem Llano des Caßiguiaré und des Rio Negro. Aber von S. Borja bis zu der Mün-dung des ſchwarzen Fluſſes ſah Condamine keinHügelchen, und auch der Llano des Orinoco iſtohne Inſeln. Da die Morros de S. Juan noch zudem mittäglichen Abhang der Cordillere von Vene-zuela gehören, ſo würde ein ungeſtümes Waſſer al-les mit ſich fortgeriſſen haben, und das jetzige Meerzeigt auch ungeheure Inſelnleere Räume; anſtatt derInſeln giebt es auf den Llanos ganz ununterbroche-ne Stellen von 2-300 Quadratmeilen Flächenraum,die ſich um 2 bis 5 Fuß über die Ebene erheben,und die man meſas oder bancos nennt, als wollteman damit ſagen, daß es Untiefen im alten See wa-ren. Auch muß ich bemerken, daß die Mitte des Orinoco Llano der ſchönſte und ebenſte Theil deſ-ſelben iſt. Der Boden dieſes ungeheuern Baſſins er-hebt ſich und wird ungleich am Rande; daher ſind |397| die Llanos, durch die man zwiſchen Guayana und Barcelona geht, weniger vollkommen und eben alsdie von Calabozo und Uritucu. Derſelbe merkwürdige Unterſchied, den wir zwi-ſchen der Cordillere von Venezuela und der Cata-racten-Cordillere darin fanden, daß die letzterevon Flözgebirgen ganz entblößt iſt, eben dieſerUnterſchied zeigt ſich auch zwiſchen dem nörd-lichen Llano des Orinoco und dem des Rio negro und Amazone. In jenem iſt das Urgebirge überallmit dichtem Kalkſtein, Gyps und Sandſtein bedeckt;in dieſem ſteht überall der Granit zu Tage. Je mehrman ſich dem Aequator nähert, deſto dünner wirddie Sandſchichte, die die Erdrinde aus Urgebirg be-deckt; in einem Lande, wo die Vegetation ſo un-geheuer ſtark iſt, ſieht man in der Mitte von Wäl-dern Räume von 40000 Quadrattoiſen bloßen Gra-nits, der kaum mit einigen Lichenen bedeckt iſtund ſich nicht um zwey Zolle über den übrigenTheil der Fläche erhebt. Wird man wohl einſtdaſſelbe inAfrikaentdecken? (denn nur in AmerikaundAfrikagiebt es feſtes Land unterm Aequator.) Wir haben nun die Richtung der Berge undThäler, oder die Form der Ungleichheiten der Erdegeſehen, werfen wir jetzt den Blick auf einen nochwichtigern und weniger unterſuchten Gegenſtand,das Streichen und Fallen der Lagen des Urgebirges,die dieſen kleinen Theil der Erde, den ich durchlau-fen habe, bilden. Ich halte mich ſeit 1792 für über-zeugt, daß dieſes Streichen des Urgebirgs einemallgemeinen Geſetze folge, und daß (abgeſehen vondenen Ungleichheiten, die durch unbedeutende ört- |398| liche Urſachen, beſonders Erzgänge und Flöze, oderdurch ſehr alte Thäler hervorgebracht ſeyn konn-ten) der geſchichtete grobkörnige Granit, der blätt-rige Granit, und vorzüglich der Glimmerſchieferund Thonſchiefer in der Stunde 3 \( \frac{4}{8} \) auf der Bouſſoleder Bergleute ſtreichen, indem ſie mit dem Meri-dian des Orts einen Winkel von 52\( \frac{1}{2} \)° machen. DasFallen der Schichten iſt gegen Nord-Weſt gerichtet,das heißt, ſie fallen parallel mit einem Körper, derin dieſer Richtung geworfen wird, oder die Oeff-nung des Neigungswinkels (geringer als 90°) denſie mit der Erdaxe machen, ſteht gegen Nord-Oſt.Das Streichen iſt beſtändiger als das Fallen, zumalbey einfachen Gebirgsarten (Thonſchiefer, Horn-blendeſchiefer) oder bey zuſammengeſetzten Ge-birgsarten mit weniger cryſtalliſirtem Korn, wie derGlimmerſchiefer iſt. Im Granit, (man findet ihnjedoch ſehr regelmäßig geſchichtet, in der St. 3-4ſtreichend, und gegen Nord-Weſt fallend auf der Schneekoppe, am Ochſenkopf, auf dem Siebenge-birge und den Pyrenäen,) und im Gneiß ſcheintdie Anziehung der cryſtalliſirten Gemengtheile gegeneinander oft die regelmäßige Schichtung verhindertzu haben; daher entdeckt man mehr Uebereinſtim-mung unter den Glimmer- und Thonſchiefern, unddieſe brachten mich zuerſt auf die Idee des Strei-chungsgeſetzes, bey meinem Aufenthalt am Fich-telberg und im Thüringer Wald. Seitdem habeich die Winkel anderer Urgebirgsſchichten mit gros-ſer Genauigkeit in andern Theilen von Teutſchland,in der Schweiz, Italien, im mittäglichen Frankreich,auf den Pyrenäen und neuerlich in Galicien gemeſ-ſen. Hr. Freiesleben, durch deſſen Arbeiten die |399| Geologie ſchon viel gewonnen hat, unterſtütztemich bey dieſen Unterſuchungen, und wir warenerſtaunt über die Gleichförmigkeit im Streichen undFallen des Gebirgs, die wir bey jedem Schritt aufeiner der höchſten Cordilleren der Erde, den Alpenvon Savoyen, des Valais und Milanais gefundenhaben. Die Unterſuchung dieſer Erſcheinung und derIdentität der Schichten war einer meiner Haupt-zwecke bey der Unternehmung dieſer Reiſe nachIndien. Die Meſſungen der Winkel, die ich bisjetzt auf der Cordillere von Venezuela und Parima gemacht habe, gaben das Reſultat meiner Beobach-tungen in Europa wieder, in der Kette der Glim-merſchiefergebirge von Cavaralleda bis zum RioMamon, auf der Silla de Caracas bey 1000 ToiſenErhöhung, auf dem Rincon del Diablo, auf demBerg Guigue, auf den Inſeln des reizenden Sees von Valencia, (der faſt dieſelbe Höhe wie der Genferſeehat,) auf der ganzen Landenge von Maniquaré und Chupariparu, an den Hornblendeſchiefern, die inden Straßen der Hauptſtadt von Guayana zu Tageſtehen, ſogar in den Katarakten und am geſchich-teten Granit am Fuß des Duida. — Ueberall ma-chen die Schichten einen Winkel von 50° mit demMeridian, (Stunde 3-4 ſächſiſcher Bouſſole,) indemſie von Nordoſt nach Südweſt ſtreichen, und fallenum 60 bis 80 gegen Nordweſt. Dieſe große Uebereinſtimmung in der alten undneuen Welt muß ernſthafte Betrachtungen erwe-cken. Sie ſtellt uns ein großes geologiſches Fak-tum dar. Nach ſo vielen Beobachtungen, die ich |400| in ſo weit von einander entlegenen Ländern gemachthabe, kann man nicht mehr glauben, daß das Strei-chen der Schichten der Richtung der Cordillerenfolge, und daß ihr Fallen ſich nach der Abdachungder Berge richte. Das Profil vieler Berge, beſon-ders ein Durchſchnitt der Gebirge, die von Genua durch die Bochetta und den S. Gotthard bis nach Franken in Teutſchland, die ich zu ſeiner Zeit her-auszugeben geſonnen bin, beweiſen gerade das Ge-gentheil. Das Streichen und der Abfall der Cordil-leren, die Form der kleinen Unebenheiten der Erd-kugel ſcheinen neuere, kleinere Phänomene zu ſeyn.Ein Strom konnte nach dieſer oder jener Richtungein Thal auswühlen, konnte einen Theil der Cor-dillere fortreißen, und ihr ſcheinbar dieſe oder jeneRichtung geben. Die Schichten des Urgebirgs ſchei-nen unter denen heute noch zu beobachtenden Strei-chungs- und Fallwinkeln vor allen dieſen Umwand-lungen an der Oberfläche der Erde exiſtirt zu haben,ſie ſind dieſelben auf dem Gipfel der Alpen und inden Schächten, in die wir hinabſteigen. Wenn man15 Meilen lang über Schichten von Thonſchieferreiſt, welche unter einander parallel unter 70° gegenNordweſt geneigt ſind, ſo wagt man es nicht mehrzu glauben, daß das geſtürzte Schichten ſeyen, dieeinſt horizontal ſtanden; man müßte Berge, dieeinſt 15 Meilen hoch waren, annehmen, und dergleichförmige Fall, den die ganze Maſſe gehabt ha-ben müßte, — und der Abgrund der eine ſolcheMaſſe aufnähme: — und man erinnere ſich an dieSchichten auf der Leuchte von Genua, oder auf derHöhe der Bochetta, oder auf S. Maurice, welchegenau parallel ſind, mit den Schichten des Fichtel- |401| bergs, von Galicien (Galice), der Silla de Cara-cas, des Robolo auf dem Iſthmus von Araya, des Caßiguiaré in der Nähe des Aequators. — Manmuß es erkennen, daß dieſe Uebereinſtimmung voneiner ſehr frühe und ſehr allgemein gewirkt haben-den Urſache zeuget, von einer Urſache, die in denerſten Anziehungen ihren Grund haben muß, durchdie die Materie zuſammengetrieben wurde, um diePlaneten-Sphäroide zu bilden. Dieſe große Urſache ſchließt den Einfluß ört-licher Urſachen, durch die einzelne kleinere Theileder Materien beſtimmt wurden, ſich auf dieſe oderjene Weiſe, nach den Geſetzen der Cryſtalliſationanzuordnen, nicht aus. Delamétherie hat mitScharfſinn hierauf aufmerkſam gemacht; er zeigteden Einfluß eines großen Berges (als eines Kerns)auf die benachbarten kleineren Gebirge. Man mußnicht vergeſſen, daß alle Materien, außer der all-gemeinen Anziehung gegen den Mittelpunkt, gegeneinander ſelbſt wiederum Anziehung äußern. Die Rinde der Erde, (denn nur von dieſer wa-gen wir es zu ſprechen,) muß das Reſultat einerunermeßlichen Wirkung von Kräften ſeyn, vonAnziehungen, Affinitäten, die einander beſtimmten,ins Gleichgewicht ſetzten, modificirten. Hr. Klügel glaubte (durch Berechnung) zu finden, daß an derWeſtſeite des Nordpols die größte Abplattung derErde ſeyn muß; ſollte wohl die Axe der Umdrehungſich geändert haben? Wie wird die Neigung (Fall)der Schichten auf der ſüdlichen Hemiſphäre ſeyn? —Wir wiſſen die Urſachen nicht; fahren wir lieberfort, die Phänomene zu erforſchen! |402| Dieſes Fallen der Schichten des Urgebirgs in derCordillere Venezuela hat einen großen und trauri-gen Einfluß auf die Fruchtbarkeit der Provinzen Caracas, Cumana und Barcelona; das Waſſer, dasſich an der Spitze der Berge infiltrirt, fließt nachder Richtung der Schichten herab, deswegen man-gelt es an Waſſer in dem ganzen großen Landſtrich,der auf der Südſeite dieſer Cordillere liegt, daherentſpringen ſo viele Quellen und kleine Flüſſe amnördlichen Abhang, der durch dieſe zu große Feuch-tigkeit, und den Ueberfluß an Bäumen (die nebenden langen Nächten faſt den ganzen Tag vor denSonnenſtralen geſichert ſind) eben ſo fruchtbar, alsungeſund wird. Die Flözgebirge, die ich bisher beobachtet ha-be, finden ſich faſt unter denſelben Verhältniſſen,wie in Europa. Die älteſten ſcheinen noch die Ein-wirkung derſelben Urſache erfahren zu haben, wel-che die Schichten des Urgebirgs beſtimmt hat, inder Stunde 3-4 (oder wie die Seeleute ſich ausdrü-cken, N. 50, O.) zu ſtreichen. Sie fallen oft nachSüdoſt, wie auf den Alpen von Bern, des Valais,Tyrol und Steiermark; aber der größere Theil der-ſelben, und zumal die allerneueſten, die da wo ichgeweſen bin, am häufigſten geſehen werden, befol-gen kein beſtimmtes Geſetz, ihre Schichten liegenoft horizontal, oder erheben ſich gegen den Randder großen ausgetrockneten Baſſins, die wir inAmerika Llanos, inAfrika Wüſten nennen. La Condamine erzählte ſeinen Freunden, daßer in Peru und Quito keine Verſteinerung geſehenhätte; indeſſen iſt die Cordillere von Quito doch |403| nicht wie die von Parima ein ganz bloßer Granit,denn bey Cuença und auf der Mittagsſeite giebt esGyps und Flözkalk. Buffon befaßt ſich ſehr mitder Frage (Epoques de la nature), ob Süd-AmerikaVerſteinerungen enthalte? Ich habe deren eine un-geheure Menge in einem kalkigen Sandſteinflöz ge-funden, welches den nördlichen und ſüdlichen Ab-hang der Küſte Venezuela, vom Gipfel des S. Ber-nardin und die Altos de Conoma, bis zum Cerrode Méapiré oder der Landſpitze von Puria und der Trinité bedeckt. Daſſelbe Flöz findet ſich auch auf Tabago, Guadeloupe und S. Domingo. — Eineungeheure Menge von See- und Landconchylien,(die man in Europa ſo ſelten unter einander ge-mengt findet,) Cellularien, Madreporen, Coralli-nen, Aſtroiten findet man in dieſem Sandſtein ein-geſprengt; die Conchyliengehäuſe ſind halbzerbro-chen: ganze Felſen beſtehen faſt blos aus ſolchenbeynahe in Staub verwandelten Reſten. Mein Rei-ſegefährte Bonpland hat darin Muſcheln aus denGeſchlechten Pinna, Venus und Oſtrea entdeckt,von denen noch jetzt lebendige Exempla an dieſerKüſte vorkommen; eine für die Geologie ſehr wich-tige Beobachtung. Alles zeugt davon, daß dieſesFlöz, das ich nur auf 9 bis 10 Meilen Entfernungvon der jetzigen Küſte geſehen habe, ſehr neuenUrſprungs iſt, und daß die Flüſſigkeit, in der esentſtand, in großer Bewegung war. — Seltenerund ganz anders gelagert findet man die verſteiner-ten Conchylien in einem viel ältern Flöz von dich-tem Kalkſtein, es ſind Anomien, Terebratuliten ...Familienweiſe bey einander gelagert, und ſo, daßman ſieht, ſie haben (wie die des Mont Salève, |404| des Heinbergs bey Göttingen, von Jena und Genf)an der Stelle gelebt, wo man ſie nun verſteinert fin-det: ſie ſind nicht durch die ganze Maſſe des Kalk-ſteins zerſtreut, ſie ſind blos gewiſſen Schichten ei-gen. Man kann viele Felſen durchſuchen, ohnewelche zu finden, wo man ſie aber antrift, ſindſie in großer Menge und ſehr nahe beyſammen undſie zeigen ſich beſonders in großen Höhen; Eigen-ſchaften, die ſie mit den Conchylien gemein haben,die man im Kalkſtein der hohen Alpen, der Schweizund Salzburgs (welcher mit dem Zechſtein von Thü-ringen identiſch iſt,) findet, einem Kalkſtein, derüber der Grauwake (oder ſehr altem Sandſtein) liegt. Uebrigens muß ich ſagen, daß, außer jenemneuen Sandſteinflöze mit kalkartiger Grundmaſſe,von dem ich vorhin geſprochen habe, die Verſtei-nerungen in dieſem nicht ſehr oft vorkommen, be-ſonders wurde ich erſtaunt, keinen einzigen Belem-niten oder Ammoniten, die in allen Gebirgen vonEuropa ſo gemein ſind, zu finden. Der Llano desOrinoco, und ſelbſt des Rio negro ſind mit einergrobkörnigen Breccie (Nagelfluhe) bedeckt, diekeine Muſcheln-Verſteinerungen enthält, und viel-leicht die andern Flözſchichten mit Verſteinerungenbedeckt. Aber dieſe Breccie enthält dagegen ver-ſteinerte Holzſtämme, die man zuweilen von derLänge einer Toiſe und vom Durchmeſſer von zweyFuß findet. Sie ſcheinen einer Gattung von Mal-pighia anzugehören. Der Sandſtein, der alle Arten verſteinerte See-thiere enthält, (aus ihm beſtehen die Steinbrücheder Punta del Barrigon bey Araya) überſteigt nie |405| die Höhe von 30 bis 40 Toiſen; er bildet an mehre-ren Stellen den Boden des Meerbuſens von Mexico (Cabo blanco, Punta Araya). Im dichten Kalk-ſtein ſah ich über der Höhe von 800 Toiſen keineMuſchelverſteinerungen; aber andere ziemlich neueUrkunden beweiſen einen Aufenthalt des Waſſers inweit gröſſern Höhen. Kieſelgeſchiebe, die auf der Silla de Caracas, 1130 Toiſen hoch gefunden wur-den, bezeugen, daß das Waſſer einſt, (wie auf dem Bonhomme in Savoyen) dieſen Ausſchnitt zwiſchenden beiden Pik’s oder Pyramiden des Avila gebildet hat, eine Oeffnung die viel älter iſt, als die fünfe,die man in der Küſtencordillere zählt, nämlich des Rio Neveri, des Unare, des Tuy, Mamon und Guayguaca. In den Gebirgen der Provinz Cumana giebt es ſehr ſonderbare zirkelrunde Thäler, welcheausgetrocknete Seen zu ſeyn ſcheinen, die vielleichtdurch Senkungen gebildet wurden; dergleichen ſinddas Thal von Cumanacoa und von S. Auguſtin, (507 Toiſen hoch,) welche durch die erquickendeKühlung, die die Reiſenden in ihnen erfahren, be-rühmt ſind. Wenn man die neuerlichen Wirkungen desWaſſers betrachtet, ſo ſieht man zwey einanderganz entgegengeſetzte Wirkungen; man erinnertſich an eine ſehr entfernte Epoche, wo der Ein-bruch des Meeres den Golf von Cariaco und den Golfo Triste gebildet, Trinidad und Margaretha vom feſten Lande abgeſondert; die Küſte von Mochi-ma und S. Fé, wo die Inſeln de la Boracha, Pi-cua und Caracas einen Haufen von Ruinen dar-ſtellen, zerriſſen hat. Das Meer überfiel nun das |406| Land; der Streit hielt aber nicht an; der Oceanzieht ſich von neuem zurück. Die Inſeln Coche und Cuagua ſind Untiefen, die aus dem Waſſerhervorkamen; die große Ebene (le Salado,) aufder Cumana liegt, gehörte zum Meerbuſen von Ca-riaco, eine Ebene, die nur um 5\( \frac{1}{2} \) Toiſen übersMeer erhaben iſt. Der Hügel, auf dem das Schloß S. Antonio liegt, war eine Inſel in dieſem Golf,indem ein Arm des Meeres im Norden des Tatora-qual durch die Charas gegen Punta delegada hingieng, wie eine Menge von beynahe unverändertenMuſcheln beweißt. Hier und zu Barcelona be-merkt man, daß das Meer ſich täglich zurückzieht,im Hafen von Barcelona hat es in 20 Jahren über900 Toiſen verloren. Iſt dieſe Abnahme des Mee-res allgemein im Meerbuſen von Mexico, oder iſtes hier wie im mittelländiſchen Meer, daß es aufeinem Punkt gewinnt, indem es auf einem andernverliert? Dieſer Rückgang des Meeres darf mit ei-nem andern wahrhaftigen und leicht erklärbarenPhänomen nicht verwechſelt werden, nämlich mitder Verminderung des ſüßen Waſſers, des Regensund der Flüſſe in dieſem Continent. Der Orinoco, wie wir ihn heut zu Tage ſehen, iſt nicht mehr derSchatten von dem, was er ehedem war, vielleichtnoch vor 1000 Jahren, nach Ausſage der Spuren,die das Waſſer an beiden Ufern, in der Höhe von70 bis 80 Toiſen zurückgelaſſen hat, wohin jenehöhern, ſchwarzen Streifen (des Graphit abſetzen-den Fluſſes), die man da ſieht, gehören. DieſeSpuren haben ſeit langer Zeit die Aufmerkſamkeitungebildeter Europäer erregt, welche den Barra-guan, die Cueva de Ataruipe (den Begräbnißort der |407| Indianer Atures, welche eine Art von Mumien mach-ten,) den Cerro Cuma, Daminari, den Keri, Oco und Ouivitari, deſſen Fuß heut zu Tage kaum vomSchaum der Cataracten von Maypuré bedeckt wird,u. a. geſehen haben. Eben dieſe Spuren erinnerndie Indianer an eine große Ueberſchwemmung, beywelcher ſich viele Menſchen auf Flößen von Agave retteten, und hernach Inſchriften und Hieroglyphenmachten, mit denen man die Granite von Urnana, des Incaramada und die Ufer des Caßiquiaré be-deckt ſieht, zu denen jedoch jetzt keine lebende Na-tion den Schlüſſel hat. Dieſe unter den Indianernam Erovato und von Parima verbreitete Traditionzeigt die große Analogie der alten Mythen. Manglaubt die Geſchichte des Deucalion zu leſen, undder Abbé Pauw würde das Andenken an dieſe Fluthnicht unintereſſant finden. Nachdem ich die allgemeinen Verhältniſſe, un-ter denen ſich die Gebirge von Süd Amerika denAugen des Geologen darſtellen, flüchtig durchlaufenhabe, ſo will ich nun die Gebirgsarten nennen, dieich bis jetzt allda entdeckt habe. Ich fange mitden älteſten an: I. Urgebirge. Granit. Die ganze Cordillere von Parima, be-ſonders die Nachbarſchaft der Vulkane Duida und Marcielago beſtehen aus einem Granit, der nicht inGneiß übergeht. In der Küſtencordillere iſt er faſtüberall bedeckt und gemengt mit Gneiß und Glim-merſchiefer. Ich ſah ihn geſchichtet in zwey bisdrey Fuß mächtigen Schichten, ſehr regelmäßig (in |408| der Stunde 3-4) gegen Nordweſt abfallend zwiſchen Valencia und Portocabello; ich fand ihn mit gros-ſen und ſchönen Feldſpathcryſtallen (von 1½ Zollim Durchmeſſer) ähnlich dem großkörnigen Granitder hohen Gipfel des Schneegebirgs, des Fichtel-bergs, von Schottland, von Chamounix und der Guadarama, auf dem Rincon del Diablo, ſüdöſt-lich von Portocabello. Er iſt hier in ſehr regel-mäßige Prismen geſpalten, und ich ſah ihn auf der Calavera du Cerro de Mariana über Cura undauf der Silla de Caracas in dieſer prismatiſchenForm, die der gelehrte Mineraloge Hr. Karsten auch auf der Schneekoppe in Schleſien beobachtethat. In Europa ſind das Nördliche Teutſchland,die Länder an der Oſtſee (nicht die Ebenen im Mit-tag des Fichtelbergs, in Schwaben und Bayern) vollungeheurer Granitgeſchiebe, die von Höhen herab-gerollt ſind. In den beiden Llanos von Süd-Ame-rika (des Orinoco und des Amazone) die wir un-terſucht haben, fanden wir keine ſolche Maſſen undauch keine andere Geſchiebe vom Urgebirg. DieGranitberge de los Mariches bey Caracas, des Tor-rito (zwiſchen Valencia und S. Carlos) und die Sierra Nevada de Merida enthalten wie der S. Gott-hard offene, mit ziemlich ſchönen und ſehr gros-ſen Bergcryſtallen ausgekleidete Spalten. Gneiß und Glimmerſchiefer bedeckt den Gra-nit, beſonders auf der Cordillere der Küſte von Ve-nezuela. Der Gneiß herrſcht beſonders vom CapChichibocoa an bis zum Cap Codera in den Teques, der Cocuiza und dem Berg Guigue, ſo wie auf denInſeln des Sees bey Valencia, wo ich (auf dem Cap |409| blanc gegenüber Guacara) im Gneiß ſchwärzlichenQuarz fand, der in lydiſchen Stein oder vielmehrin den Kieſelſchiefer von Werner übergeht. Der Macanao auf der Margaretheninſel und die ganzeCordillere auf der Landenge von Cariaco iſt nichtsals Glimmerſchiefer voll rother Granaten, und bey Maniquarez mit ein wenig Cyanit. Grüne Grana-ten ſind eingeſprengt im Gneiß des Bergs Avila. Im Gneiß von dem Stein Calamicari am Caſſiquia- und im Granit von las Trincheras bey Valen-cia, ſah ich runde Maſſen (3-4 Zoll im Durchmeſ-ſer haltend) eingeſprengt, die aus einem mehr fein-körnigen Granit, aus gelbem Feldſpath, viel Quarzund beynahe gar keinem Glimmer beſtanden. Iſtdas wohl ein älterer Granit, enthalten in einem jün-gern, oder ſind dieſe Maſſen, die Geſchieben ähn-lich ſehen, blos eine Wirkung der Anziehung, wel-che hie und da die Theilchen einander mehr näher-te, aber zu derſelben Zeit, da das ganze Gebirg ſichbildete? Dieſe Erſcheinung (eines in den anderneingeſprengten Granits) bemerkt man auch in Schle-ſien, zu Wunſiedel, am Fichtelberg, in Chamounix, auf dem S. Bernhard, auf dem Escurial und in Galicien. Die Natur iſt einförmig in ihren minera-liſchen Produkten, ſogar bis auf die kleinern Ab-weichungen einzelner Verhältniſſe. Der Glimmerſchiefer geht in Talkſchiefer überin der Cordillere der Küſte, auf dem Berg Capaya und auf der Quebrada ſecca bey dem Valle delTuy. In der Cordillere von Parima findet manden Talk in ſehr großen glänzenden Maſſen, unddies hat zu dem Ruf des Dorado oder Cerro Ucu- |410| cuamo (zwiſchen dem Fluß Esquivo und Mao, auf der Inſel Pumacena) ſo viel beygetragen. Dergroße Feuerglanz, in dem ſich zuweilen die abge-ſtutzte Pyramide des großen Cerro Calitamini (beydem Cunavami) beym Untergang der Sonne vonder Cataracte von Maypuré aus zeigt, ſcheint gleich-falls von einer perpendikulär abgeſchnittenen undgegen Weſten gerichteten Schicht Talkſchiefer her-zurühren. Kleine Idole von Nephrit, die ich von Era-vato kommen ſah, zeigen, daß es wahrſcheinlichim Süden des Raudal de Mura Nephrit-Felſen imGneiß giebt, ſo wie ich dergleichen am Fuß des S.Gotthard bey Ursern gefunden habe. Dieſe For-mation wurde bey Tapajos am Amazone, oder imLande der Tupinambaros Indianer von der Naturwiederholt. La Condamine entdeckte jene Abände-rung des harten Nierenſteins, die man unter demNahmen des Amazonenſteins kennt. Der Granit, Gneiß und Glimmerſchiefer enthal-ten hier (wie in Europa) untergeordnete Lager von Chloritſchiefer, im Meer beym Cap blanc weſt-lich von Guayra. Sehr reinen und ſchönen Horn-blendeſchiefer in den Straßen von Guayana, undnoch ſüdlicher in der Parimacordillere Feldſpath in Porzellanerde verwittert in der Silla de Caracas; Quarzſchichten mit magnetiſchem Eiſenſtein an denQuellen des Cutuché bey Caracas; körnigblättri-gen primitiven Kalkſtein, ohne Tremolith, abermit viel Schwefelkies und ſpathigem Eiſenſtein, aufder Quebrada de Topo auf dem Wege von Caracas nach Guayra. (Dieſer Kalkſtein ſcheint in der Cor- |411| dillere von Parima gänzlich zu fehlen, man ſuchtihn da ſeit vielen Jahren.) Zeichenſchiefer, einkohlenartiges Eiſen, ziemlich reinen Graphit, inder Quebrada de Tocume bey Chacao, in der Quebra-da ſecca beym Tuy und nördlich von der LagunaChica; auf dem beſchwerlichen Wege, der über dieLandenge von Cariaco zum Cap Chiparipara führtGänge von Quarz, welche goldhaltige Schwefel-kieſe und Spießglanz, gediegen Gold, Fahlerz,Kupferblau, Malachit u. ſ. f. enthalten. Die Kupfererze von Aroa ſind die einzigen, diehier aus der Erde gefördert werden; 60 bis 70 Skla-ven fördern jährlich höchſtens 1500 Quintal’s rafi-nirtes Kupfer. (Der Quintal wird zu 12 Piaſternverkauft.) Das Thal, wo dieſe Erze ausgegrabenwerden, (welche in einem Neſte oder einer Vereini-gung von Gängen zu liegen ſcheinen,) iſt für die Ge-ſundheit weniger gefährlich, als die dem Meere nahegelegenen Thäler, wo die Indianer Gold waſchen, zu Urama, Maron und Alpagoton, wo die Luft eben ſowie in dem fruchtbaren Thal von Cararinas (zwi-ſchen Nirgua und dem Rio Jaracuy) ein Gift zu ſeynſcheint. Aber eben dieſe höchſt ungeſunden Orteenthalten viel reiche Erzgänge. Das Gold iſt durchdie ganze Provinz zerſtreut, beſonders in den Quarz-ſchichten, zu Baruta, Catia, Guigue, Quebrada delOro beym Tuy und beſonders auf dem Cerro de Cha-cao und Real de Santa Barbara bey S. Juan, wo ich Schwerſpath gefunden habe, den einzigen, der mirin dieſem Lande vorkam. Alle Flüſſe der Provinz Characas führen Gold. Es folgt aber daraus nochnicht, daß die Provinz reiche, noch unbekannte |412| Goldadern hat; das Gold kann in der ganzen Gra-nitmaſſe zerſtreut ſeyn, und ich kenne keine hoheGranit-Cordillere weder in Europa noch hier, de-ren Flüſſe nicht Gold führen. Der Cerro Duida von Esméralda (im Dorado), die Quebrada du Tigre bey Encaramada und den Cerros de Amoco, der Réal deS. Barbara bey S. Juan, die Quebrada de Catia, dieAlaunerze von Chuparuparu, einige Spuren von Ei-ſenerzen im Llano von S. Sebaſtian und beſondersdas kupferreiche Aroa ſcheinen auf die Induſtrie derBergleute Anſpruch zu machen. Der Thonſchiefer iſt ziemlich ſelten, er bedecktübrigens den Glimmerſchiefer am ſüdlichen Abhangder Cordillere von Venezuela, in der Nähe des Llano, in den Quebradas de Malparo und Piedra Azul, blauerThonſchiefer mit Quarzadern, desgleichen auf derLandenge von Cariaco bey Chuparuparu, auf dem Diſtilador Arroyo du Robola, ſo wie auf dem Ma-canao. An den vier zuletzt genannten Orten findenſich im Thonſchiefer, Alaun- und Vitriolſchiefer, in2 bis 3 Fuß mächtigen Lagern, welche ſchwefelſau-re Alaunerde oder natürlichen Alaun auswittern,mit dem die Guayqueries-Indianer einen kleinenHandel treiben. Serpentinſtein findet ſich auf der Cordillerevon Venezuela, über Glimmerſchiefer auf der Flä-che der Villa de Cura, 245 Toiſen hoch, zwiſchendem Cerro de Piedras Negras und dem Rio Tucutune-mo, hier und da olivengrün, mit Glimmer gemengt,ohne Granaten, Schillerſpath, Hornblende, abermit Adern von blaulichem Spekſtein. |413| Grünſtein, (roche verte,) uranfänglicher Trapp,eine innige Verbindung von Hornblende und Feld-ſpath, zuweilen mit eingeſprengtem Schwefelkiesund Quarz (einerley Gebirgsart mit dem Paterleſteindes Fichtelbergs) oft mit Baſalt verwechſelt, und inEuropa ſelbſt wenig bekannt, findet ſich in Lagern2 Toiſen mächtig oder in Kugeln von 4 Fuß bis 3Zoll im Durchmeſſer, aus concentriſchen und durchGlimmerſchiefer oder uranfänglichen Thonſchieferverbundenen Schichten (zum Beweiſe des großenAlters des Steins) zuſammengeſetzt, an mehrernStellen des nördlichen und ſüdlichen Abhangs derCordillere vom Berg Avila, im Meer beym Capblanc — in einem wahren Gange, der die Schichtendes Gneiß durchſetzt, aber eingeſprengt in einenneuern Granit, welcher den Gang zwiſchen Anti-mano und Carapa bey Caracas erfüllt. Der Grau-ſtein enthält hier rothe Granaten, die ich in Europanie in ihm geſehen habe. Ich habe davon Probennach Madrid geſchickt, in der erſten Kiſte, die ichdem Generalcapitain von Caracas übergeben habe. II. Gebirgsarten, welche den Uebergang vom Urge-birge zum Flözgebirge bilden. Uebergangsfor-mation von Werner. Dieſe Formation findet ſich beſonders im Nor-den der Parima-Cordillere, gegenüber von Caccara, und in großer Maſſe am ſüdlichen Abhang der Ve-nezuela-Cordillere. Zwiſchen den Llanos und Mor-ros de S. Juan, zwiſchen der Villa de Cura und Para-para (zwiſchen 9° 33′ und 9° 55′ Breite) ſcheintman in ein Baſaltland zu kommen, wenn man von |414| einer Höhe von 300 Toiſ. bis zu 63 über dem Meereherabſteigt. Alles erinnert hier an die Berge von Bilin in Böhmen, oder von Vicenza in Italien. Der primitive Serpentin an den Ufern des Tucutunemo (einSerpentin, welcher wie der Schleſiſche Kupfergängeenthält,) vermengt ſich allmählig mit Feldſpath undHornblende, und macht den Uebergang in den Trapp oder Grünſtein. Man findet dieſen Trapp ingeſchichteten Maſſen (hor. 7, abfallend mit 70° nachNorden) oder in Kugeln mit concentriſchen Schich-ten, welche zuweilen in einen Kalkerde haltendenThon eingeſprengt, kegelförmige Hügel bilden, zu-weilen in einen grünen und ſehr ſchweren Thon-ſchiefer, der aus innigſt unter einander gemengterHornblende und Thonſchiefer beſteht, dem Ueber-gangsthonſchiefer von Werner eingeſprengt ſind.Eben dieſer Thonſchiefer macht gegen die Quebradade Piedras Azules hin, den Uebergang in den primi-tiven Thonſchiefer (hor. 3, 4, geneigt gegen Nord-weſt) über dem er liegt. Der Trapp oder Grün-ſtein enthält auch blättrigen Olivin, in 4 ſeitigenPrismen cryſtalliſirt, (ein Foſſil, das Hr. Freiesle-ben auf unſerer Reiſe in Böhmen entdeckte, undim Mineralogiſchen Journal von Freiberg beſchrieb), Augit mit muſchligem Bruch, Leucit in Dodecae-dern, und in ſeinen Gruben und Löchern findetman die Wände mit Grünerde, der Veroneſiſchenähnlich, und mit einer Subſtanz ausgekleidet, dieeinen Perlmutterglanz beſitzt, und die ich für Zeo-lith halte. Alle dieſe eingeſprengten Foſſilien neh-men gegen Parapara hin zu, und der Trapp bildetdaſelbſt einen wahren Mandelſtein. Auf dieſen Man-delſtein legt ſich ganz nahe bey dem Hügel Flores, |415| am Eingang in das große Thal des Orinoco, jenermerkwürdige und in Europa ſeltene Stein, den W. unter dem Nahmen Porphyrſchiefer kennen lehrte.Der Hornſchiefer von Charpentier, eine den Baſaltbegleitende Gebirgsart, bildet Gruppen von unregel-mäßigen Säulen, und beweißt durch die Farren-kräutereindrücke, die er im Mittelgebirge (wie Hr. Reuß entdeckt hat) enthält, ſeinen nicht vulkani-ſchen Urſprung. Der Porphyrſchiefer von Parapara iſt eine grüne Maſſe von Klingſtein, der ſehr hartiſt, ſcharfeckige und an den Kanten durchſcheinen-de Bruchſtücke hat, Feuer giebt und glaſigen Feld-ſpath enthält. Ich war gar nicht darauf gefaßt,dieſen Stein im ſüdlichen Amerika wieder zu fin-den; er bildet indeſſen hier keine ſolche Gruppenvon grotesken Geſtalten, wie in Böhmen und aufdem Mont Eugoneïde im Venetianiſchen, wo ichihn auch geſehen habe. III. Flözgebirge. Dieſe ſecondäre Formationen, welche ſpäternUrſprungs als die organiſchen Geſchöpfe der Erdeſind, folgen in der Ordnung ihres relativen Altersauf einander, eben ſo, wie in den Ebenen von Eu-ropa; und wie der vortreffliche Geologe Hr. vonBuch, in ſeiner mineralogiſchen Beſchreibung derGrafſchaft Glaz in Schleſien, einem kleinen Werkevoll großer Anſichten und intereſſanter Beobach-tungen, aufgezählt hat. Ich fand hier zwey Formationen des dichtenKalkſteins; die eine macht den Uebergang in denkleinkörnigen und unmerklich blättrigen Kalkſtein |416| und iſt identiſch mit dem Kalkſtein der hohen Al-pen; die andere iſt dicht, ſehr homogen, mit mehrMuſchelverſteinerungen, und analog dem Kalkſteinvom Jura, von Pappenheim, Gibraltar, Verona,Dalmatien und Suez; — eine Formation von blätt-rigem Gyps, und eine andere mit kochſalzhaltigemThon und Bergöl vermiſchte, den Salzthon, denich in Tyrol, Steyermark, Salzburg und in der Schweiz beſtändig in Begleitung des Bergſalzesfand; — Mergelſchiefer ſchichtenweiſe im Kalkſteinder Alpen; — und zwey Sandſteinformationen, deren eine älter und faſt ohne Verſteinerungen iſt,(bald klein-, bald großkörnig, Sandſtein der Lla-nos) und die andere voll von Trümmern der See-thiere, ſehr neuen Urſprungs, die den Uebergang inden dichten Kalkſtein macht. Der blaue Kalkſtein der Alpen, mit weißenKalkſpathadern findet ſich auf dem Glimmerſchieferaufliegend auf der Quebrada Secca beym Tuy, öſt-lich von der Punta Delgada auf dem Wege von Cumana, auf dem Impoſſible (hor. 3, mit 70° nachSüdoſt) zu Bordones, auf der Inſel Trinidad unddem Berg Paria. Sollte er ſich nirgends auf demSandſtein mit Geſchieben des Urgebirgs, dem Todten-liegenden in Sachſen finden? Dieſer Kalkſtein ent-hält hier, eben ſo wie in der Schweiz, drey unter-geordnete Formationen: a) wiederholte Lagen vonſchwarzem Mergelſchiefer; Mergelſchiefer oder Ku-pferſchiefer von Thüringen, mit Schwefelkies undErdpech vermiſcht, auf dem Cuchivana bey Cuma-nacoa. Dieſer Thon enthält Kohle und abſorbirtden Sauerſtoff der atmosphäriſchen Luft; b) Salz- |417| thon gemiſcht mit Bergſalz und cryſtalliſirtem Gyps,in welchem die Salinen von Araga, Pozuelas und der Margaretheninſel ſtehen; c) Ein kleinkörniger Sand-ſtein mit kalkartiger Grundmaſſe, faſt ohne Muſchel-verſteinerungen, immer von Waſſer durchdrungen,zuweilen mit Lagen braunen Eiſenerzes auf dem Cocollard, Tumiriquiri. Ich bin nicht gewiß, obder zuletzt genannte Stein auf dem Kalkſtein aufliegt,oder ob er nicht zuweilen von ihm bedeckt wird. Eben dieſer Kalkſtein dient auch einem andernnoch neuern zur Unterlage. Dieſer iſt ſehr weiß,ſehr dicht, voll Höhlen (Cueva del Guacharo, inder ſich Millionen Vögel aufhalten, unter anderneine neue Gattung Caprimulgus, von der ein hierzu Lande ſehr gebräuchliches Fett genommen wird, Cueva del S. Juan, Cueva del Cuchivano); zuwei-len porös, wie der Fränkiſche, und bildet groteskeFelſen (Morros de S. Juan, de S. Sebaſtian). Erenthält Lagen von ſchwarzem Hornſtein, der inden Kieſelſchiefer oder lydiſchen Stein übergeht(Morro de Barcelona ) und ägyptiſchen Jaſpis ſüdl.von Curataquiché. Ueber dieſem dichten Kalkſteinliegt, wie auf dem Jura, ſehr ſchöner Alabaſter, in großen Maſſen zu Soro, im Golfo Triſte. Alledieſe Gypſe enthalten Schwefel, eben ſo wie derGyps von Bex und Kretzetzow und auf den Car-pathen. Dieſe Formation des Kalkſteins mit ſchwar-zem Hornſtein und Gyps ſcheint auch im Thal des Amazone und Rio negro vorzukommen, wo ſievon la Condamine bey Cucuça zwiſchen Racam und Guayausi, auf der Oſtſeite der Anden bemerktwurde. |418| Dieſer Kalkſtein und Gyps (letzterer in Llano von Barcelona bey Cachipé) ſind in den Thälerndes Orinoco und Amazone oft überdeckt von einemConglomerat oder Sandſtein mit großen Geſchie-ben, in welchem Trümmer von Kalkſtein, Quarz,lydiſchem Stein, alle von einem höhern Alter als derSandſtein ſelbſt, vorkommen. Dieſes Conglomerat,Nagelflühe, welches mit dem von Aranjuez, Salz-burg u. ſ. f. Aehnlichkeit hat, iſt über mehr als18000 Quadratmeilen in den Llanos verbreitet. Esenthält Lagen mit kleinem Korn und Spuren vonbraunem und rothen Eiſenerz; Verſteinerungen ha-be ich nie darin geſehen. Noch neuer und immer den Küſten nahegelegeneriſt der Sandſtein, der voll Conchylien und Coralleniſt, (ohne Spuren von Krokodillen, in einem Lan-de, das deren unglücklicherweiſe ſo viele hat,) undin den Kalkſtein übergeht, aber bey genauer Unter-ſuchung immer mit Quarzkörnern durchmengt iſt. P. Araya, Cabo Blanco, Caſtillo S. Antonio deCumana. Man wird erwarten, daß ich dieſe Beſchrei-bung mit einer Aufzählung der Vulkaniſchen Pro-dukte dieſes Landes ſchließe, das durch die fürch-terlichſten Erdbeben erſchüttert wird, deſſen hoheGipfel (Duida) und ſeit kurzer Zeit ſogar Hölen(Cueva du Cuchivano) Flammen ſpeyen, wo ko-chende Quellen hervorſprudeln vom Golfo Triſte bis zu der Sierra Nevada de Merida, (die Quel-len von Triachevar fand ich 72°, 3 Réaum. heiß,)wo auf der Küſte von Paria bey Cumacator einLuftvulkan iſt, deſſen Getöſe von weitem gehört |419| wird, Schwefelhölen wie auf Guadeloupe, an meh-rern Orten, — eines Landes, wo im Umfang mehre-rer Quadratmeilen der Boden hohl und minirt iſt,(Tierra Hueca de Cariaco) wo noch im Jahr 1766die Erde, nachdem ſie 11 Monate lang durch Stößeerſchüttert war, von allen Seiten ſich öffnete, umgeſchwefeltes Waſſer mit Bitumen vermiſcht, aus-zuſtoßen, wo in der Mitte der trockenſten Ebenenin der Mera de Guanipa und du Càry, Flammenaus der Erde ſchlugen, (die Seele des Tyrannen Aguirre, nach der Volksſage). Aber die Natur ſelbſtſpricht mich von dieſer Arbeit frey. Die Wirkun-gen der Vulkane in dieſer neuen Welt ſind ſehrverſchieden von denen, die wir in Europa ſehen.Groß und traurig in ihren Folgen verändern ſie dieFelſen, die ihre Einwirkung erfahren. Die unge-heure Revolution von Peliléo und von Tonguraguade Zuito hat die Erde nicht nur mit Laven bedeckt,ſondern mit thonigem Schlamm, der aus den aus-geſpieenen Schwefelwaſſern niederfiel. Der ſchwe-felhaltige Gyps, die Einmengung von Schwefelkiesin alle Gebirgsarten, ſelbſt in Granit, der bitumi-nöſe Salzthon, das Bergöl oder Asphalt (brea, cha-papote), welches überall auf dem Waſſer ſchwimmt,oder auf ſeinem Boden liegt, die unermeßlicheMenge von Regenwaſſer, das Meer, das in diedurch die Sonne erhitzte Erde dringt, und ſich hierzerſezt, die Waſſerdämpfe und die ungeheure Maſſevon Waſſerſtoffgas, das überall ſich entwickelt, dieſeUrſachen ſcheinen am meiſten zur Hervorbringungdieſer vulkaniſchen Wirkungen beyzutragen. Die Schwefelhölen von Guadeloupe, (von de-nen wir neuerlich eine ſo intereſſante Beſchreibung |420| erhalten haben), des Montmiſère, S. Chriſtoph del’Oualiban, von S. Lucie und Montserat ſtehenwahrſcheinlich mit denen an der Küſte von Paria in Verbindung. Dieſe Vulkane ſind aber vielmehrein Gegenſtand der Phyſik als der Mineralogie; undich muß noch mehr Land beobachten, um über ei-nen ſo ſchwierigen Gegenſtand ein Urtheil zu fäl-len. Verhüte der Himmel, daß nicht Neu-Anda-luſien auch auf ſeiner öſtlichen Seite einſt eine ähn-liche Cataſtrophe erleide, wie die, die die Ebenenvon Peliléo zerſtört hat.

Abbildungen