Digitale Ausgabe

Download
TEI-XML (Ansicht)
Text (Ansicht)
Text normalisiert (Ansicht)
Ansicht
Textgröße
Originalzeilenfall ein/aus
Zeichen original/normiert
URL und Versionierung
Permalink:
https://humboldt.unibe.ch/text/1800-Lettre_du_baron-03
Die Versionsgeschichte zu diesem Text finden Sie auf github.
Titel Aus einem Briefe an Lalande
Jahr 1801
Ort Halle
Nachweis
in: Annalen der Physik 7:3 (1801), S. 335–347.
Postumer Nachdruck
Alexander von Humboldt, Briefe aus Amerika 1799–1804, herausgegeben von Ulrike Moheit, Berlin: Akademie 1993, S. 67–75.
Sprache Deutsch
Schriftart Antiqua
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: II.4
Dateiname: 1800-Lettre_du_baron-03
Statistiken
Seitenanzahl: 13
Zeichenanzahl: 16587
Bilddigitalisate

Weitere Fassungen
Lettre du baron de Humboldt (de Berlin), à Jerôme Lalande (Paris, 1800, Französisch)
Extrait d’une lettre de M. Humboldt au citoyen Lalande, renfermant des observations astronomiques, nautiques et météorologiques (Paris, 1800, Französisch)
Aus einem Briefe an Lalande (Halle, 1801, Deutsch)
Verschiedene Beobachtungen des Hrn. O. B. Raths von Humboldt (Weimar, 1801, Deutsch)
[Brief an Jérôme Lalande] (London, 1801, Englisch)
[Brief an Jérôme Lalande] (Ipswich, 1801, Englisch)
[Brief an Jérôme Lalande] (Hull, 1801, Englisch)
[Brief an Jérôme Lalande] (Chester, 1801, Englisch)
[Brief an Jérôme Lalande] (New York City, New York, 1801, Englisch)
[Brief an Jérôme Lalande] (Philadelphia, Pennsylvania, 1801, Englisch)
[Brief an Jérôme Lalande] (Boston, Massachusetts, 1801, Englisch)
[Brief an Jérôme Lalande] (Washington, District of Columbia, 1801, Englisch)
[Brief an Jérôme Lalande] (Newburyport, Massachusetts, 1801, Englisch)
[Brief an Jérôme Lalande] (Worcester, Massachusetts, 1801, Englisch)
[Brief an Jérôme Lalande] (Leominster, Massachusetts, 1801, Englisch)
[Brief an Jérôme Lalande] (Portland, Maine, 1801, Englisch)
[Brief an Jérôme Lalande] (Salem, Massachusetts, 1801, Englisch)
[Brief an Jérôme Lalande] (Staunton, Virginia, 1801, Englisch)
Extract of a letter from M. Von Humboldt to Lalande (London, 1802, Englisch)
|335|

Aus einem Briefe an Lalande. *)

Wenig Wochen nach meiner Ankunft in das ſüdliche Amerika, überſchickte ich Delambre einen Auſzug aus meinen aſtronomiſchen Beobach-tungen, weil ich hoffte, daß einige derſelben das Bureau des Longitudes intereſſiren würden. Da ichaber höre, daß die Brigg, der ich den Brief an-vertraut hatte, in dem großen Sturme, der neulichdieſe tropiſchen Gegenden verheert hat, unweit Guadeloupe untergegangen iſt, ſo glaube ich Sieaufs neue von meinen Arbeiten unterhalten zumüſſen. Nach einer Fahrt vom 17ten Praireal Jahr 7 biszum 28ſten Meſſidor, auf der Fregatte Pizarro , lang-te ich auf der Küſte von Paria an. **) Zwar gingmein Plan nach der Havanna und nach Mexiko,doch konnte ich dem Reize nicht widerſtehn, dieWunder des Oronoko und die hohen Cordilleren
*) Ausgezogen, mit Uebergehung des dem Leſer der Annalen aus den frühern Nachrichten des Herrnv. Humboldt’s ſchon vollſtändig Bekannten, ausdem Magazin Encyclopédique, Ann. 8, p. 376—391. d. H. **) Vergl. Annalen der Phyſik, IV, 443. d. H.
|336| zu ſehn, die ſich vom Hochlande von Quito nachden Flüſſen von Guarapeche und Arco ziehn. —Da ich ſo eben von einer höchſt intereſſanten Reiſeins Innere von Paria , durch die Cordilleren von Cocolar , Tumeri und Guiri , und zu den dortigennoch von keinem Naturforſcher beſuchten Kapuzi-nermiſſionen zurückkomme, wobei ich auch meineaſtronomiſchen Inſtrumente, (einen Birdſchen Qua-dranten, Ramsdenſche und Troughtonſche Sex-tanten, Fernröhre und Chronometer,) auf 3 Maul-eſeln mit mir nahm, ſo hätte ich vielleicht mehr fürAſtronomie thun können. Aber Sie wiſſen, daßAſtronomie von meinem Hauptzwecke, (Phyſik,Geologie, Eudiometrie und Phyſiologie der Thiereund der Pflanzen,) ziemlich weit abliegt, und unter10° Breite läßt ſich nicht ſo anhaltend arbeiten alsunter 49°. Ich habe lieber wenig Beobachtungen,dieſe aber mit möglichſter Genauigkeit, als vielemittelmäßige machen wollen, und ſie in meinJournal im größten Detail aufgezeichnet, damitman, ſollte ich auf meiner Reiſe ſterben, wie esſehr möglich iſt, über ihre Genauigkeit urtheilenkönne.
In den beiden Aufſätzen, die ich von Spanien aus an Delambre überſchickt habe, finden Siemeine europäiſchen Beobachtungen mit Borda’s neuem Inclinatorio. *) Ich bemerkte dort, daß aufdem feſten Lande örtliche Gründe ſtärkern Einfluß
*) Annalen der Phyſik, IV, 448 f. d. H.
|337| auf die Inclination als auf die Declination der Mag-netnadel haben, und daß zwiſchen der Lage derBeobachtungsörter und der Inclinationen keine be-ſtimmte Abhängigkeit und Correſpondenz ſtatt zufinden ſcheint. Daſſelbe finde ich in der neuen Welt,im Innern Neu-Andaluſiens beſtätigt, und werdenſicher auch Nouet’s ägyptiſche Beobachtungenerhärten. *) Zwar werden auch die Declinationenvon örtlichen Urſachen afficirt, doch, wie ich be-haupten darf, ſehr viel weniger; auf dem Meereſind ſie noch viel regelmäßiger und verändern ſichviel gleichförmiger.
Ich gebe Ihnen hier nur die Inclinations-Be-obachtungen, die bis auf 15′ zuverläſſig ſind. ZurZeit der Windſtille erhielt ich ſie auf der See nochgenauer, und dann ließen ſich auch die Schwin-gungszeiten der Nadel ſehr gut beſtimmen. Findetman bei 5 oder 6 wiederholten Zählungen ſtets die-ſelbe Zahl in einerlei Zeit, und halten ſie an, in-dem man das Inſtrument aus der Stelle bewegt, ſo,glaube ich, kann man den Reſultaten trauen. Un-geachtet Windſtillen zwiſchen den Wendekreiſennicht ſelten ſind, ſo konnte ich in 40 Tagen dochnur 10 recht genaue Beobachtungen anſtellen.
*) Vergl. Annal. der Phyſ., VI, 187, Anm. d. H.
|338|
Beobach-tungsort im Jahr 8. Breite. Länge vomerſten Me-ridian. Inclinationen Magnet.Kraft: Zahl derSchwin-gungenin 10Minu-ten.
in 100-theili-genGra-den. inalten.
Paris 48° 50′ 15″ 20° O. 77° ,15 69° 28′ 245
Nimes 43 50 12 21 59′ 72 ,65 65 23 240
Montpellier 43 36 29 21 32,5 73 ,20 65 53 245
Marſeille 42 17 49 23 3,5 72 ,40 65 10 240
Perpignan 42 41 53 20 33,5 72 ,55 65 18 248
Barcellona 41 23 8 19 52 71 ,80 64 37 245
Madrid 40 25 18 13 58 75 ,20 67 41 240
Valenzia 39 28 55 17 29 70 ,70 63 38 235
Medina delCampo 73 ,50 66 9 240
Guadarama 73 ,50 66 9 240
Ferrol 43 29 9 24,5 76 ,15 68 32 237
Auf dem atlanti-ſchenMeere zwiſchen Afrika u. Amerika. 38 52 15 3 40 75 ,18 67 40 242
37 14 10 3 30 74 ,90 67 30 242
32 15 54 2 52,5 71 ,50 64 21
25 15 — 36 W. 67 60 18 239
21 36 5 39 64 ,20 57 49 237
20 8 8 34 63 56 42 236
14 20 28 3 58 ,80 52 55 239
12 34 33 14 50 ,15 45 8 234
10 46 41 24 46 ,40 41 46 229
10 59 30 44 31,5 46 ,50 41 57 237 *)

*) Vergleicht man dieſe Angaben mit denen in den Annalen, IV, 452, ſo ſtimmen die Landbeobach-tungen in beiden Briefen völlig überein, bis aufeine unbedeutende Abweichung in der Länge Per-pignans; unter den Seebeobachtungen erkennt manaber nur zwei wieder; dagegen ſtimmen die An-gaben in den Annalen, VI, 186, völlig mit dieſenzuſammen, obſchon ſie minder vollſtändig ſind. d. H.
|339| Im Jahre 1776 war, nach Cavallo, unter einer
Breite und einer Länge die Inclination
von 24° 24′ von 18° 11′ 59° —
10° — 22 52′ 44 12′
0 — 37 38 30 3 *)
Seitdem ſich Coulomb und Caſſini nichtmehr mit Declinations-Beobachtungen abgeben,kenne ich keinen Ort der Erde, wo die Abwei-chung bis auf 10″, und nicht zehn, wo ſie bis auf1′ zuverläſſig beſtimmt würde. Welche Ungewiß-heit herrſcht nicht noch jetzt über die wahre Ab-weichung der Magnetnadel zu Paris. **) Meinezehn Meeresbeobachtungen werden dazu dienenkönnen, in der Folge zu beſtimmen, ob ſich dieInclinationen ſchnell ändern. Die Breite und Län-ge derſelben ſind ſtets in derſelben Stunde mit Ge-nauigkeit, durch Hülfe eines Ramsdenſchen von15 zu 15 Sekunden getheilten Sextanten und des Berthoudſchen Chronometers beſtimmt worden. Sieſehn aus ihnen, daß die Inclinationen von 37° Brei-te an ausnehmend ſchnell abnehmen, und daß ſievon 37 bis 48° Breite, weniger nach Oſten als nachWeſten hin zunehmen.
*) Im Jahre 1799 war, nach Nouet’s Beobachtungen,zu Alexandrien unter 31° 13′ Breite und 47° 34′öſtl. Länge, die Inclination 47° 30, die Schwin-gungszahl der Inclinationsnadel in 10 Minuten 208. Annalen der Phyſik, VI, 171 und 183. d. H. **) Die Verhandlungen darüber in einem der folgen-den Stücke der Annalen. d. H.
|340| Es ſcheint mir, als wenn in der hohen Kettevon Kalkbergen dieſer Provinz unweit des Aequa-tors kleine Erhöhungen über dem Niveau des Meeresdie Inclinationen weit ſtärker, als die viel höhernBerge in den Pyrenäen und in Alt-Kaſtilien ſtören.Zum Beweiſe führe ich Beobachtungen an vier Ortenan, die ziemlich genau in einem Bogen von Nordnach Süd, (der 24′ faßt,) liegen:
Höhe über demMeere. Inclination. Schwin-gungenin 10 Mi-nuten.
100 grad.Einthei-lung. alte.
Cumana 24 par. Fuß 44°, 20 39° 47′ 229
Zueteppe 1111,2 43 ,30 38 58 229
Impoſſibile 1470 43 ,15 38 50 233
Cumanacoa 636 43 ,20 38 53 228
Cocollar 2352 42 ,60 38 20 229
Wie man aus dem Memorandum für die LaPerouſe begleitenden Phyſiker ſieht, *) glaubte Borda, die Intenſität der magnetiſchen Kraft ſeyüberall auf der Erde dieſelbe, indem er die geringeVerſchiedenheit, die er in ihr zu Cadix, Teneriffa und Breſt gefunden hatte, der Unvollkommenheitder Bouſſole zuſchrieb. Er forderte mich auf, dieſeszu verificiren. Sie ſehn, daß die magnetiſche Kraftallerdings ſo verſchieden iſt, daß ſie zwiſchen Paris und Cumana ſich von 245 bis 229 Schwingungen in 10 Minuten verringert hat, obſchon ſie nicht mitden Inclinationen abnimmt. Dieſe Verringerungiſt zuverläſſig keiner Abnahme an Güte in der Nadel
*) Vergl. Annalen der Phyſik, VI, 319. d. H.
|341| oder ſonſtigen zufälligen Umſtänden zuzuſchreiben;denn dieſelbe Nadel machte in gleicher Zeit in Pa-ris 245, in Girona 232, in Barcellona 245, in Va-lencia 235 Schwingungen, und gab nach einer Reiſevon mehrern Monaten an demſelben Orte geradedieſelbe Schwingungszahl als vor der Abreiſe. Die-ſe iſt auf freiem Felde, in einer Stube, in einerHöhle immer dieſelbe, ſo daß die magnetiſche Kraftan einem Orte überall und lange Zeit über unver-ändert dieſelbe iſt, und eine beſtändige Kraft, gleichder Schwere, zu ſeyn ſcheint.
Ich hatte das Mißvergnügen, auf dem Meere kei-ne recht genaue Declinations-Beobachtungen anſtel-len zu können. Aller Mühe, die ich mir gegebenhabe, ungeachtet, konnte ich keinen Declinations-Kompaß, der auch nur bis auf 40′ Sicherheit gege-ben hätte, zu Kauf auftreiben. Das iſt der Grund,warum ich Ihnen nichts von den Abweichungen aufdem Meere ſage. Zuverläſſig iſt indeß der Null-punkt für die Abweichung ſchon ſehr viel weiternach Weſten fortgerückt, als auf Lambert’s Kar-te im Berliner aſtronomiſchen Jahrbuche für 1779.Eine ſehr gute Beobachtung aus dem Jahre 1775,auf einem engliſchen Schiffe aus Liverpool, ſetztdieſen Nullpunkt in 29° nördl. Breite und 66° 40′weſtl. Länge. An zwei Orten auf der Küſte Süd-Amerika’s habe ich die Abweichung mit einer Bouſ-ſole von Lenoir, in welcher die Nadel an einemFaden hing, nach Art Prony’s und des Hrn. vonZach durch Azimutal-Beſtimmung eines Signals |342| mittelſt eines Sextanten, mit aller Sorgfalt beobach-tet. Sie war im Vendemiaire, (Oktober 1799,)zu Mittag in Cumana, und zwanzig Lieues weiternach Oſten 4° 13′ 45″ öſtlich; in Caripe, (demHauptorte der Kapuziner-Miſſionen unter den Chai-mas und Caraiben,) 3° 15′ öſtlich. Während des Erdbebens zu Cumana am 4tenNovember 1799 veränderte ſich die Inclination, nichtaber die Declination der Magnetnadel. Erſtere warvor dem Stoße 44°,20 der neuen Kreistheilung;nach dem Stoße blieb ſie 43°,35. Die Schwingungs-zahl der Inclinationsnadel war indeß nach wie vordieſelbe, 229 in 10 Minuten. Dies, vereint mitandern Beobachtungen, ſcheint mir zu beweiſen,daß ſich beim Erdbeben dieſer kleine Theil der Erd-kugel, und nicht die Nadel verändert habe; dennin den Gegenden, wo man nie ein Erdbeben ſpürt,in der Urkette aus geſchichtetem Granit, war dieInclination auch nachher noch ſo groß als zuvor. Bei dem Intereſſe, welches Sie an Allem nehmen,was die Schifffahrt betrifft, werden Ihnen folgendeBemerkungen nicht unlieb ſeyn. Ich habe das, was Franklin und der Kapitän Jonathan Wil-liams über den Gebrauch des Thermometers, Un-tiefen zur See zu entdecken, in den Transact. of the American Society, Vol. 3, p. 32, behaupten, ſorg-fältig geprüft, und muß es völlig beſtätigen. Ichwar verwundert, zu ſehn, wie das Waſſer, je nach-dem die Tiefe deſſelben abnimmt, zuſehends kälterwird, und wie Untiefen und Küſten ſich dadurch |343| ankündigen. Das ſchlechteſte Weingeiſt-Thermo-meter, iſt es nur empfindlich, wird ſo, mitten inSturm und Nacht, oder wenn man ſonſt die Sondenicht ohne Schwierigkeit fallen laſſen kann, einwohlthätiges Inſtrument in der Hand ſelbſt des un-wiſſendſten Piloten. Ich kann dieſes der Aufmerk-ſamkeit des Bureau des Longitudes nicht genug em-pfehlen. Unſre ganze Mannſchaft war erſtaunt, zuſehn, wie ſchnell das Thermometer ſank, als wiruns der großen Bank näherten, die ſich von Tabago nach Granada zieht, und der öſtlich von Margarita.Dieſe Beobachtungen ſind um ſo leichter, da dasWaſſer des tiefen Meeres in einer Ausdehnung vonzwölftauſend Quadratmeilen, Tag und Nacht im-mer einerlei Temperatur hat, ſo daß das empfind-lichſte Thermometer während einer Fahrt von 4 bis6 Tagen ſeinen Stand nicht über 0,3° ändert. Inder Nähe von Untiefen war es um 2 bis 3° und mehrkälter. Dieſe bis jetzt vergeßne Bemerkung Frank-lin’s kann für die Schifffahrt einſt ſehr nützlichwerden; nicht, als wenn man das Senkblei wegwer-fen, und ſich allein auf das Thermometer verlaſſenſollte; das wäre eine Thorheit: ſondern weil dieBeobachtungen ſich ſo, leicht vervielfältigen laſſen,auch das Thermometer die Gefahr weit eher als dasSenkblei anzeigt, indem das kältere Waſſer überder Untiefe auch die Temperatur des benachbartenvermindert. *) Ich kann verſichern, daß dieſes
*) Nach des Grafen Rumford’s Lehre von der
|344| neue Mittel nicht unzuverläſſiger iſt, als das Logund andere Hülfsmittel der Nautik. Sinkt das Ther-mometer nicht, ſo darf man ſich zwar noch nichtganz ſicher vor Untiefen halten; ſinkt es aber, ſomuß man auf ſeiner Hut ſeyn. Dieſe Warnungiſt wahrlich weit ſchätzbarer, als die unſrer See-karten, wo die Untiefen meiſt höchſt fehlerhaftangegeben ſind, und ein Thermometer in einenEimer Seewaſſer zu tauchen, iſt gewiß etwas garleichtes.
Ich habe ferner häufig das ſpecifiſche Gewicht und die Temperatur des Meerwaſſers an der Ober-fläche und in gewiſſen Tiefen, mittelſt einer Dollond-ſchen Wage und mit Thermometern gemeſſen, diein Sonden ſitzen, welche mit einem Ventil verſehenſind. Da meine Inſtrumente nach den beſten Pari-ſer abgeglichen ſind, und ich meiner Länge ſicherer,als man es gewöhnlich iſt, ſeyn konnte; ſo wird die kleine Karte, in der ich die Reſultate dieſerVerſuche bekannt zu machen denke, ganz intereſ-ſant ſeyn. Unter 17° und 18° nördl. Breite giebtes im Meere zwiſchen Afrika und Weſtindien eineZone, wo, ohne daß eine außerordentliche Strö-mung ſtatt fände, das Waſſer dichter iſt, als untereiner kleinern Breite. Hier einige Verſuche überdie Temperatur des Meerwaſſers:
Nichtleitung des Waſſers für Wärme, wird dieſesſchwerlich der Fall ſeyn. d. H.
|345|
Nördl. Brei-te. Länge vomerſten Meri-diane. Temperatur
des Meerwaſ-ſers an derOberfläche. der Luft.
43° 29′ 9° 29′ O. 12° 18°
39 10 3 41,5 12 13
36 3 2 57 12 14
35 8 2 15 13 16,5
32 15 2 52,5 14,2 13, 5
30 35 3 6 15 16
28 55 2 37,5 15 17
26 51 — 47 16 15
20 8 8 33 W. 17 16
18 53 10 5 17,4 17
18 8 13 2 17,9 19
17 26 15 26 18 16
15 22 22 49 18,5 20
14 57 24 40 19 17
13 51 30 2,5 19,8 18,9
10 46 41 24 20,7 20,3
10 28 46 31 21 17 bis 27
10 29 46 35 17,8 23
(auf einerUntiefe.)
Dieſer Brief war ſchon in Cumana geſchrie-ben. Aus Mangel an ſicherer Gelegenheit mußteich ihn mit hierher, nach dieſer großen Hauptſtadtder Provinz Caraccas nehmen, die in einem an Ca-cao, Baumwolle und Kaffee reichen Thale, 400 Toi-ſen über dem Meere liegt, und ganz das europäiſcheKlima genießt. Das Thermometer fällt Nachts bis11°, und ſteigt am Tage nie über 17 bis 18°. *)
*) Auch ſeine Beobachtungen über die atmoſphäriſcheEbbe und Fluth erwähnt Herr von Humboldt indieſem Briefe aufſ neue. Ich übergehe ſie, da ſiein den Annalen der Phyſik, VI, 188, ſchon viel um-ſtändlicher mitgetheilt ſind, und hier kein neuer
|346| — — Die Gewitter, welche hier täglich aufden Durchgang der Sonne durch den Meridian zufolgen pflegen, machen correspondirende Höhen-beobachtungen ſehr mißlich und beſchwerlich, daman die Abendbeobachtungen zu oft verliert. — —Die Gewitter nach dem Erdbeben in Cumana brach-ten mich um die Immerſionen des zweiten Jupiters-trabanten am 11ten und 18ten Brumaire. Hier dievorzüglichſten Längenbeſtimmungen, mittelſt Ber-thoud’s Chronometer, aus den beobachteten Stun-denwinkeln berechnet. Auch habe ich viele Be-obachtungen von Mondsdiſtanzen, die ich aber hiernicht berechnen kann.
  • Cumana, im Schloß St. Antonio 10° 27′ 37″ Breite, und, (die Länge von Madrit zu 13° 58′ ange-nommen,) weſtliche Länge 46° 31′ —
  • Puerto Eſpana in der Inſel St. Trinidad 43 49 30″
  • Tabago, das öſtliche Vorgebirge,42 47 30
  • Macanao, der Weſttheil der Inſel St.Margarita, 46 35 30
  • Punta Araya in Neu-Andaluſien 46 35 30
  • Inſel Coche; das öſtliche Vorgebirge 46 12 —
  • Bocca de Drago, (nicht zuverläſſig,) 44 23 —
  • Cabo de tres Puntas 44 54 30
  • Caraccas, à la Trinité, 10° 31′ 4″ Breite; ſehr gut.

Umſtand, als lediglich der hinzugefügt wird, daßweder Wind, noch Gewitter, noch Erdbeben aufjene regelmäßige tägliche Variation im Barometer-ſtande den geringſten Einfluß haben, und daß,nach Verſicherung des Bürgers Richard, dieſetägliche Variation zu Surinam 2 Linien betrage. d. H.
|347| Dieſe Beobachtungen ſind um ſo intereſſanter, daalle Karten hier ſehr ſchlecht ſind, und die Ueber-einſtimmung meiner Längen von Teneriffa und Ta-bago mit den Beobachtungen Borda’s und Cha-bert’s von 2″ bis 5″ Zeit, mir die Vortrefflichkeitmeines Chronometers beweiſen. Die Schönheit der Nächte zwiſchen den Wende-kreiſen veranlaßte mich, die Lichtſtärke ſüdlicherSterne mit einander zu vergleichen, die ſich ſeit La Caille, bei mehrern im Kranich, Altar, Tu-can, und im Fuße des Centauers verändert zu ha-ben ſcheint. Ich bediene mich dabei der von Her-ſchel angegebnen Methode, und ähnlicher Dia-phragmen, wie bei den Trabanten. Hat das Lichtdes Sirius 100, und das des Procyon 88 ſolcherTheile, ſo hat deren, nach meinen Beobachtungen,das Licht des
Canopus 98 Th. α im Phönix 65 Th.
α im Centauer 96 α im Pſau 78
Acharnar 94 α im Kranich 81
α im Indianer 50 β — — 75
β — — — 47 γ — — 58
α im Tucan 70