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Alexander von Humboldt: „[Richtigstellung]“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1798-xxx_Richtigstellung-2> [abgerufen am 05.02.2023].

URL und Versionierung
Permalink:
https://humboldt.unibe.ch/text/1798-xxx_Richtigstellung-2
Die Versionsgeschichte zu diesem Text finden Sie auf github.
Titel [Richtigstellung]
Jahr 1798
Ort Gotha
Nachweis
in: Journal der Erfindungen, Theorien und Widersprüche in der Natur- und Arzneiwissenschaft 7:27 (1798), S. 156–158.
Sprache Deutsch
Schriftart Fraktur
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: I.83
Dateiname: 1798-xxx_Richtigstellung-2
Statistiken
Seitenanzahl: 3
Zeichenanzahl: 5566

Weitere Fassungen
[Richtigstellung] (Salzburg, 1798, Deutsch)
[Richtigstellung] (Gotha, 1798, Deutsch)
|156| (Aus der Salzburg. med. chir. Zeitung. 1798. No. 10.) Erklaͤrung gegen die Aufforderung im 25tenStuͤck, S. 138. des Journals der Erfindungen ꝛc. Mein Aufſatz uͤber einige neuere Galvaniſche Er-ſcheinungen, welcher in dem 100ſten Stuͤck der med.chir. Ztg. S. 381. abgedruckt iſt, enthaͤlt folgendeStelle: „Aus einer Recenſion in der Salz-burger Zeitung ſehe ich, daß das Journal derErfindungen mich beſchuldigt, ich hielte den Stickſtofffuͤr die Urſache der Reitzbarkeit“. — Dieſe Wortehaben die Hrn. Herausgeber jenes Journals zu einer Aufforderung veranlaßt, welche an den Prof. Herz und mich gerichtet iſt, und in der ſie beweiſen,„daß ich etwas Unſichtbares geſehen, und daßſie mir nie jene Behauptung aufgebuͤrdet haͤtten.“Da meine Worte ausdruͤcklich anzeigen, daß ich, alsein Reiſender, nur aus der Recenſion in der Salzbur-ger med. chir. Zeitung ſchoͤpfte, und da in dieſer ſehr ſichtbar ſteht: „ Girtanner ſucht das Principdes Lebens im Sauerſtoff, Humboldt im Azoteund Mezler im kohlenſauren Gas“ *) — ſo be-darf es wohl keiner Erlaͤuterung uͤber ein Mißver-ſtaͤndniß, welches in jener Aufforderung (St. 25. S.138 — 143.) ohnedieß auf ſechs Seiten auseinandergeſetzt iſt. Ich wuͤrde mich mit der feyerlichen Erklaͤ-rung begnuͤgen, daß ich beym Niederſchreiben meinesAufſatzes nicht ahndete, irgend Jemand durch denſel-
*) Die Hn. Herausgeber des Journals der Erfindun-gen ruͤhmen ſich, daß ſie Jedermann gern unange-taſtet laſſen, und daß ſie von aller Streitſucht ent-fernt ſeyen. Davon werden ſich nun die Leſer obi-ger Aufforderung, in der ſie drey Perſonen zugleich,Hn. v. Humboldt, den Hn. Prof. Herz, und denRecenſenten in der med. chir. Ztg. angegriffen fin-den, ſchwer uͤberzeugen koͤnnen. Der erſte hat inwenigen Zeilen ſelbſt geantwortet; von Hn. Prof.
|157| ben zu beleidigen oder einen Zwiſt zu erregen, vondem die Wiſſenſchaften keinen Gewinn ziehen werden;ich wuͤrde hier ſchließen, wenn nicht dankbare An-haͤnglichkeit an Hn. Herz mich hinzuzuſetzen noͤthig-te, daß nicht er, ſondern ich, jenen Brief uͤber den Galvaniſmus zur Einruͤckung ſandte, ja daß iches fruͤher that, als er Notiz davon haben konnte. Esiſt eine ſo gewoͤhnliche und unverfaͤngliche Art, Verſu-che und literariſche Nachrichten in Briefform einzu-kleiden, daß dieſer Schritt ſich ſelbſt rechtfertigt.Was kann aber die Hn. Herausgeber des Journals
Herz iſt kaum einzuſehen, warum auch er in denZwiſt hineingezogen wird; und Statt des Recenſen-ten, der unrichtige Behauptungen, auffallende Un-wahrheiten in die Welt gebracht haben ſoll, erlaubeman mir einige Worte. In dem 17. St. Seite139 des Journals der Erfindungen heißt es: —Wenigſtens kann man unſern Zeiten nicht den Vor-wurf der Einſeitigkeit bey den Unterſuchungen uͤberdas Princip des Lebens machen. Girtanner ſucht bekanntlich die Meinung geltend zu machen,der Sauerſtoff ſey dieß Princip. Humboldt ver-ſpricht in dem Konſpektus ſeiner Verſuche uͤber diegereitzte Muskel- und Nervenfaſer ꝛc. einen „Be-weis, daß das Azote eine unendlich (?) groͤßere Wir-kung auf die erhoͤhte Erregbarkeit der Organe habe.“Und Mezler ſucht gar zu beweiſen, kohlengeſaͤuer-tes Gas oder fixe Luft ſey das occultum vitae pa-bulum. — Der Rec. dieſes Stuͤcks des Journalsder Erfindungen in der med. chir. Ztg., der derMenge der anzuzeigenden Schriften wegen ſich kurzzu faſſen den Auftrag hat, glaubte den Sinn dieſerStelle mit den wenigen Worten getroffen zu haben: Girtanner ſucht das Princip des Lebens im Sau-erſtoff, Humboldt im Azote und Mezler im kohlen-ſauren Gas.“ — Jeder Unparteyiſche muß nun ge-ſtehen, daß, wenn auch nicht ipsissima verba der Re-cenſion in dem Journal der Erfindungen vorkom-
|158| der Erfindungen zu der Behauptung veranlaſſen, daßeben der, an welchen der Brief gerichtet iſt, ihn habeoͤffentlich bekannt gemacht? Ein Mann, wie Hr. Prof. Herz, der allgemein anerkannte literariſcheVerdienſte mit aͤcht-philoſophiſcher Beſcheiden-heit verbindet, wuͤrde den Eingang meines Briefesnicht ſelbſt ungeaͤndert haben abdrucken laſſen. Esthut mir leid, die unſchuldige Veranlaſſung gewordenzu ſeyn, daß ſein Nahme bey einer Sache genanntwird, die bloß die meinige iſt.

F. A. v. Humboldt.


men, der Zuſammenhang doch auf den Sinn jenerWorte leitet. Der Aufſatz handelt vom Princip desLebens. Des Hn. v. Humboldt’s Meinung wirdder der Hn. Girtanner und Mezler entgegengeſetzt.Wie kann dieſe Entgegenſtellung Statt finden, alsunter der Vorausſetzung, daß auch Hr. v. Humboldt, wie jene zwey andere Phyſiologen, ein Lebensprincipuͤberhaupt, und zwar ein, einem Stoffe inhaͤriren-des annehme? Rec. mußte alſo glauben, den Geiſt jenes Aufſatzes in dem Journal der Erfind. richtigin ſeiner in der med. chir. Ztg. abgedruckten Anzeige getroffen zu haben. Ob uͤbrigens Hn. v. Hum-boldt’s Nahme in der Zuſammenſtellung uͤberhauptgenannt werden koͤnne, iſt eine andere Frage, undder aͤhnlich, ob es eine Antitheſe ſey — Mezler haͤlt den Kohlenſtoff fuͤr das Princip des Lebens, und N... glaubt, Chinarinde wirke ſtaͤrker als Kohlen-ſaͤure auf die Organe? — Doch angenommen, wasgar nicht erwieſen werden kann, daß der Rec. him-melweit gefehlt habe, ſo finde ich gar nichts Belei-digendes in den Ausdruͤcken des Hn. v. Humboldt, der ohnehin ſeiner Humanitaͤt wegen ſo allgemeinbekannt und beliebt iſt, und ich bin uͤberzeugt, daßder Recenſent ſich mit demſelben uͤber dieſe Kleinig-keit leicht verſtaͤndiget und ſeine Angabe erlaͤuterthaben wuͤrde, ohne das Publikum mit unintereſſantenStreitigkeiten zu unterhalten. J. J. Hartenkeil.