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https://humboldt.unibe.ch/text/1798-xxx_Richtigstellung-1
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Titel [Richtigstellung]
Jahr 1798
Ort Salzburg
Nachweis
in: Medicinisch-chirurgische Zeitung 1:10 (5. Hornung [Februar] 1798), S. 190–192.
Sprache Deutsch
Schriftart Fraktur
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: I.83
Dateiname: 1798-xxx_Richtigstellung-1
Statistiken
Seitenanzahl: 3
Zeichenanzahl: 5497
Bilddigitalisate

Weitere Fassungen
[Richtigstellung] (Salzburg, 1798, Deutsch)
[Richtigstellung] (Gotha, 1798, Deutsch)
|190| Erklaͤrung gegen die Aufforderung im 25ten Stuͤck, S.138 des Journals der Erfindungen ꝛc. Mein Aufſatz uͤber eini-ge neuere Galvaniſche Erſcheinungen, welcher in dem 100ſtenStuͤck der med. chir. Ztg. S. 381 abgedruckt iſt, enthaͤlt fol-gende Stelle: „Aus einer Recenſion in der Salzburger Zei-tung ſehe ich, daß das Journal der Erfindungen mich beſchul-digt, ich hielte den Stickſtoff fuͤr die Urſache der Reitzbarkeit“.— Dieſe Worte haben die Hn. Herausgeber jenes Journals zu einer Aufforderung veranlaßt, welche an den Prof. Herz und mich gerichtet iſt, und in der ſie beweiſen, „daß ich etwas Unſichtbares geſehen, und daß ſie mir nie jene Behauptungaufgebuͤrdet haͤtten.“ Da meine Worte ausdruͤcklich anzeigen,daß ich, als ein Reiſender, nur aus der Recenſion in der Salz-burger med. chir. Zeitung ſchoͤpfte, und da in dieſer ſehr ſichtbarſteht: „ Girtanner ſucht das Princip des Lebens im Sauer-ſtoff, Humboldt im Azote und Mezler im kohlenſauren Gas“ *)
*) Die Hn. Herausgeber des Journals der Erfindungen ruͤhmenſich, daß ſie Jedermann gern unangetaſtet laſſen, und daßſie von aller Streitſucht entfernt ſeyen. Davon werden ſichnun die Leſer obiger Aufforderung, in der ſie drey Per-ſonen zugleich, Hn. v. Humboldt, den Hn. Prof. Herz, undden Recenſenten in der med. chir. Ztg. angegriffen finden,ſchwer uͤberzeugen koͤnnen. Der erſte hat in wenigen Zei-len ſelbſt geantwortet; von Hn. Prof. Herz iſt kaum ein-zuſehen, warum auch er in den Zwiſt hineingezogen wird;und Statt des Recenſenten, der unrichtige Behauptungen,auffallende Unwahrheiten in die Welt gebracht haben ſoll,erlaube man mir einige Worte. In dem 17. St. Seite139 des Journals der Erfindungen heißt es: — Wenig-ſtens kann man unſern Zeiten nicht den Vorwurf derEinſeitigkeit bey den Unterſuchungen uͤber das Princip des Lebens machen. Girtanner ſucht bekanntlich die Meinunggeltend zu machen, der Sauerſtoff ſey dieß Princip.
|191| — ſo bedarf es wohl keiner Erlaͤuterung uͤber ein Mißverſtaͤnd-niß, welches in jener Aufforderung (St. 25. S. 138 — 143)
Humboldt verſpricht in dem Konſpektus ſeiner Verſuche uͤberdie gereitzte Muskel- und Nervenfaſer ꝛc. einen „Beweis,daß das Azote eine unendlich (?) groͤßere Wirkung aufdie erhoͤhte Erregbarkeit der Organe habe.“ Und Mezler ſucht gar zu beweiſen, kohlengeſaͤuertes Gas oder ſixe Luftſey das occultum vitae pabulum. — Der Rec. dieſesStuͤcks des Journals der Erfindungen in der med. chir.Ztg., der der Menge der anzuzeigenden Schriften wegenſich kurz zu faſſen den Auftrag hat, glaubte den Sinn die-ſer Stelle mit den wenigen Worten getroffen zu haben: Girtanner ſucht das Princip des Lebens im Sauerſtoff, Humboldt im Azote und Mezler im kohlenſauren Gas.“— Jeder Unparteyiſche muß nun geſtehen, daß, wennauch nicht ipsissima verba der Recenſion in dem Jour-nal der Erfindungen vorkommen, der Zuſammenhang dochauf den Sinn jener Worte leitet. Der Aufſatz handeltvom Princip des Lebens. Des Hn. v. Humboldt’s Mei-nung wird der der Hn. Girtanner und Mezler entgegen-geſetzt. Wie kann dieſe Entgegenſtellung Statt finden,als unter der Vorausſetzung, daß auch Hr. v. Humboldt, wie jene zwey andere Phyſiologen, ein Lebensprincip uͤber-haupt, und zwar ein, einem Stoffe inhaͤrirendes anneh-me? Rec. mußte alſo glauben, den Geiſt jenes Aufſatzes in dem Journal der Erfind. richtig in ſeiner in der med.chir. Ztg. abgedruckten Anzeige getroffen zu haben. Obuͤbrigens Hn. v. Humboldt’s Nahme in der Zuſammen-ſtellung uͤberhaupt genannt werden koͤnne, iſt eine andereFrage, und der aͤhnlich, ob es eine Antitheſe ſey — Mez-ler haͤlt den Kohlenſtoff fuͤr das Princip des Lebens, und N...
|192| ohnedieß auf ſechs Seiten auseinander geſetzt iſt. Ich wuͤrde michmit der feyerlichen Erklaͤrung begnuͤgen, daß ich beym Niederſchrei-ben meines Aufſatzes nicht ahndete, irgend Jemand durch den-ſelben zu beleidigen oder einen Zwiſt zu erregen, von dem dieWiſſenſchaften keinen Gewinn ziehen werden; ich wuͤrde hierſchließen, wenn nicht dankbare Anhaͤnglichkeit an Hn. Herz michhinzuzuſetzen noͤthigte, daß nicht er, ſondern ich, jenen Briefuͤber den Galvaniſmus zur Einruͤckung ſandte, ja daß ich esfruͤher that, als er Notiz davon haben konnte. Es iſt eine ſo gewoͤhn-liche und unverfaͤngliche Art, Verſuche und literariſche Nach-richten in Briefform einzukleiden, daß dieſer Schritt ſich ſelbſtrechtfertigt. Was kann aber die Hn. Herausgeber des Journalsder Erfindungen zu der Behauptung veranlaſſen, daß eben der,an welchen der Brief gerichtet iſt, ihn habe oͤffentlich bekanntgemacht? Ein Mann, wie Hr. Prof. Herz, der allgemein an-erkannte literariſche Verdienſte mit aͤcht-philoſophiſcher Beſchei-denheit verbindet, wuͤrde den Eingang meines Briefes nichtſelbſt ungeaͤndert haben abdrucken laſſen. Es thut mir leid, dieunſchuldige Veranlaſſung geworden zu ſeyn, daß ſein Nahmebey einer Sache genannt wird, die bloß die meinige iſt.

F. A. v. Humboldt.



glaubt, Chinarinde wirke ſtaͤrker als Kohlenſaͤure auf dieOrgane? — Doch angenommen, was gar nicht erwieſenwerden kann, daß der Rec. himmelweit gefehlt habe, ſofinde ich gar nichts Beleidigendes in den Ausdruͤcken desHrn. v. Humboldt, der ohnehin ſeiner Humanitaͤt wegenſo allgemein bekannt und beliebt iſt, und ich bin uͤberzeugt,daß der Recenſent ſich mit demſelben uͤber dieſe Kleinig-keit leicht verſtaͤndiget und ſeine Angabe erlaͤutert habenwuͤrde, ohne das Publikum mit unintereſſanten Streitig-keiten zu unterhalten. J. J. Hartenkeil.