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Alexander von Humboldt: „Marburg, b. Bayrhoffer: Das Hessische Mineralien-Cabinet bey der Fürstl. Hessischen Universität Marburg beschrieben von J. S. Waldin, Prof. der Mathem. u. Physik. 1. St. 1791. 2. St. 1792. 3. St. 1792. 8. [Besprechung]“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1795-Marburg_b_Bayrhoffer-1> [abgerufen am 05.02.2023].

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Titel Marburg, b. Bayrhoffer: Das Hessische Mineralien-Cabinet bey der Fürstl. Hessischen Universität Marburg beschrieben von J. S. Waldin, Prof. der Mathem. u. Physik. 1. St. 1791. 2. St. 1792. 3. St. 1792. 8. [Besprechung]
Jahr 1795
Ort Jena; Leipzig
Nachweis
in: Allgemeine Literatur-Zeitung 128 (6. Mai 1795), Sp. 257–259.
Sprache Deutsch
Schriftart Antiqua
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: I.40
Dateiname: 1795-Marburg_b_Bayrhoffer-1
Statistiken
Seitenanzahl: 2
Spaltenanzahl: 3
Zeichenanzahl: 7703

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Marburg, b. Bayrhoffer: Das Heſſiſche Mineralien-Cabinet bey der Fürſtl. Heſſiſchen Univerſität Mar-burg beſchrieben — von J. S. Waldin, Prof. derMathem. u. Phyſik. 1. St. 1791. 2. St. 1792.3. St. 1792. 8.

Für einen Lehrer der Phyſik, für einen Aufſeher ei-ner geognoſtiſchen Sammlung auf der Univerſität Marburg iſt vorliegende Schrift, welche Heftweiſe ge-liefert wird, eine auffallende Erſcheinung. Jeder Schrift-ſteller ſollte doch ſo viel Achtung für das Publicum ha-ben, daß er ſich mit den Fortſchritten ſeiner Wiſſen-ſchaft bekannt machte, um zu beurtheilen, ob er etwasneues (ſey es Beobachtung oder Hypotheſe) liefern, ober es in der Reinheit der Sprache ausdrücken könne, wel-che wenigſtens von einem akademiſchen Lehrer zu foderniſt. Rec. würde ſich dieſer Rüge gern überheben, wennnicht der elenden mineralogiſchen und bergmänniſchenSchriften jetzt ſo viele erſchienen, wenn nicht durchdieſelben bey angehenden Bergleuten, (welche beque-mer Bücher leſen, als Gruben befahren,) irrige Begriffeüber die Gebirgskunde ſo ſchnell und unaufhaltſamverbreitet würden. — Hn. W’s. Idee, der Marburger Akademie eine vaterländiſche geognoſtiſche Suiten-ſammlung zu verſchaffen, iſt überaus glücklich, under hat ſich dadurch ein ausgezeichnetes Verdienſt umdie heſſiſche Gebirgskunde erworben. Möchte er dochder Verſuchung, als mineralogiſcher Schriftſteller auf-zutreten, noch widerſtanden haben! Der reg. Land-graf, Wilhelm IX, hat durch ſeine Oberrentkammer zuCaſſel allen Vorſtehern heſſiſcher Bergwerke und Sali-nen Befehl ertheilt, die Foſſilien ihrer Gegend an Hn.W. einzuſenden. Noch nützlicher wäre es, da die Ge-birgsarten in ähnlichen Fällen oft unter ſo corrumpir-ten Benennungen (Horn, Wakke, taubes Liegende,Feuerſtein) einlaufen, und jede geognoſtiſche Beſtim-mung nach einzelnen, von den Geburtſörtern entfern-ten Stücken höchſt unſicher iſt, wenn junge, mit geo-gnoſtiſchen Kenntniſſen ausgerüſtete Männer Fußreiſenanſtellten, und die Foſſilien ſelbſt einſammelten. — 1. St. Der Vf. handelt in dieſem Theile S. 15 — 32. von denFlözgebirgen und ihrem Urſprunge im Allgemeinen,von S. 32 — 92. von den heſſiſchen Flözgebirgen. Dieallgemeine Theorie der Flözgebirge, welche Hr. W.nicht Hypotheſe genannt wiſſen will, iſt die unendlichoft vorgetragene von Auflöſungen und Niederſchlägen. Siehe Lehmann, Ferber, Charpantier, Werner, Ger-hard, Voigt etc. Nach Hn. W. ſind keine großen Waſ-ſerbedeckungen nöthig, denn die Flüſſe führen den Stoff |258| der Flözgebirge ins Meer, auf deſſen Boden nach denſpecifiſchen Gewichten der Theile die Niederſchläge er-folgen. Aber ſind die Beſtandtheile vieler Flözſchich-ten nicht ſichtbar aus chemiſchen Auflöſungen präci-pitirt worden? Der Vf. dachte wohl nur an Sandſteinund Grauwakke. Auch die Eiſenſteinflöze (S. 78.) ſol-len wie der Sandſtein entſtanden, und ihre Urſtoffe vondem Flußwaſſer ins Meer getragen worden ſeyn. Werdas faſrige Gewebe des Glaskopfes aus den Flözgebir-gen des Weſterwaldes aufmerkſam betrachtet, dem iſteine ſolche mechaniſche Auflöſung des Eiſens wohlnicht wahrſcheinlich. Bey unſerer Unbekanntſchaftmit den plaſtiſchen Kräften der Natur ſollten wir dochbehutſamer mit den Erklärungen von der Entſtehungs-art der Foſſilien ſeyn. Auch Hr. W. iſt von dieſer Er-klärungsſucht angeſteckt. Er definirt 1) die Steinkoh-le, welche theils eine vom Bergöl des Meerwaſſersdurchdrungene Erde, theils (nicht etwa nach der Hy-potheſe der Vulkaniſten, durch Lava verkohltes Holz,ſondern) wirkliche Lava iſt. Denn die Vulkane wer-fen S. 40. Harz, Schwefel, Salze, Kieſe (?) Eiſentheileund Erde aus, der Auswurf iſt geſchichtet, erhärtet mitder Zeit, und wird in Steinkohlen verwandelt!! 2) Das Erdbeben, welches theils von feuerſpeyenden Ber-gen, theils von Steinkohlendämpfen, die ſich in Hölenſammeln, herrührt. Rec. läugnet gar nicht, daß Vul-kane und Steinkohlenbrände manches Erdbeben erre-gen mögen (ſ. darüber die Schriften der Herren De Luc, Beroldingen und Werner,) aber lächeln muß er dochüber die apodiktiſche Behauptung: „hieraus folgt, daß„in Ländern, die keine Steinkohlen in der Erde haben,„und von Vulkanen entfernt genug ſind, keine Erdbe-„ben geſpürt werden können.“ Auch mit den Höhlenbey den Steinkohlenflözen, deren Dach nur Schiefer-thon, Sandſtein, Grünſtein und wenig mächtiger dich-ter Kalkſtein zu ſeyn pflegt, hat es ſeine Schwierigkeit.Dazu gibt es Erdbeben, die nur die obere Erdfläche er-ſchüttern, und in mäßiger Tiefe nicht geſpürt werden;3) gar alles Feuer. S. 65. heißt es ausdrücklich undächt ariſtoteliſch: „Wir wiſſen zur Zeit noch keine an-„dere Urſache des Urſprungs des Feuers, als die innere„Bewegung in den Körpern, die ſich entzünden.“ Nochunerwarteter iſt die Unbekanntſchaft des Vf. mit derneueren Chemie, wenn er S. 19. von der Waſſerver-minderung handelt, und die Fragen auflöſt: ob Waſſervernichtet, zerſtreut, oder in Erde verwandelt werdenkönne. Von der Zerſetzung oder Auflöſung des Waſ-ſers in zwey Gasarten wird gar nichts geahndet, wohlaber der Pythagoraiſchen Verwandlung der Elementein einander erwähnt. Und doch iſt gerade die Waſſer-zerſetzung ein für die Geognoſie ſo überaus aufklären- |Seitenumbruch| |259| des Phänomen. — Die ſpecielle Beſchreibung der heſ-ſiſchen Gebirge enthält Nachrichten vom Meißner, vom Habichtswalde und den Eiſenſtözen bey Hohenkirchen und Homberg. Die Schichtungen ſind meiſt aus Can-crins Werken genommen, und die Benennung der Foſ-ſilien nicht wie man ſie von einem Aufſeher eines mi-neralogiſchen Kabinets erwarten ſollte: „das Dachge-„ſtein am Meißner iſt nicht Baſalt, ſondern eine Art„Horngeſtein“— „Lava vom Hohengraſe, die einge-„ſprengten fremden Theile werden für Kalkſpath ge-„halten.“ — „Blanker Eiſenſtein von Hohenkirchen.“ Den Beweis, daß das „reine gediegene Eiſen zwar nichts„mercurialiſches und arſenikaliſches, wohl aber Schwe-„fel enthalte.“ übergehen wir. 2. St. Syſtem der na-türlichen Urſachen der Revolutionen, welche auf derErde vorgegangen ſind. Von Geſtalt der Erde. Vonden Bergen, die „entweder Urgebirge oder entſtandene“heißen. Urgebirge von Granit, Gneiß etc. ſollen keinErz enthalten. Ganggebirge ſind frey von Verſteine-rungen, und hindern die Vegetation! Erze können inden Flözgebirgen darum ſeltner, als in den Ganggebir-gen, gediegen gefunden werden, weil das Meerwaſſeralles auflöſt. Von den brennenden und erloſchenenVulkanen. 3. St. Fortſetzung des vorigen. Vom gro-ßen platoniſchen Jahre und dem Verrücken der Erd-axe. Der Vf. ſcheint die Regelmäßigkeit der abneh-menden Schiefe der Ekliptik zu läugnen. Auf das Phä-nomen vergrabener Südproducte in der nördlichen Hemi-ſphäre läßt ſie ſich nicht anwenden. Der ganze Cyklusiſt nach Hn. la Place nur 1° 21′, und näher kommenuns die Tropen nie. — In der ſpeciellen Landesbe-ſchreibung folgt hier die Herrſchaft Schmalkalden. All-gemeine bergmänniſche Nachrichten darüber vom Hn.Amtmann Kröſchel, neu und ſehr reichhaltig, das beſteim ganzen Mineralienkabinet. Außer dem hohen Ge-birgsrücken von Porphyr am Inſelsberge (3172 Fußüber dem Meere) am großen Hermannsberge, am Rup-berge, gibt es noch eine Kette von Syenitbergen am mittlern Höhnberge. Vom Stahlberg, Mommel und Kuhberge, Berichtigungen der flüchtigen Cancrini-ſchen Compilationen. Die 14 Stahlfeuer in der Herr-ſchaft Schmalkalden liefern 4000 Centner Stahl. WennHr. Kröſchel aber ſagt, daß das Hangende des Stahl-berger Ganges (?) Glimmerſchiefer, das Liegende eiſen-ſchüſſiger Kalkſtein ſey, ſo bleibt dem Rec. hier eini-ger Zweifel übrig. Auch der Kobelt am Porphyrſchie-fer verdient genauere Unterſuchung. — Von den Gru-ben bey Biber und Riegelsdorf. Beſchluß.