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Alexander von Humboldt: „Anzeige“, in: ders., Sämtliche Schriften digital, herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, Universität Bern 2021. URL: <https://humboldt.unibe.ch/text/1792-Anzeige-1> [abgerufen am 05.02.2023].

URL und Versionierung
Permalink:
https://humboldt.unibe.ch/text/1792-Anzeige-1
Die Versionsgeschichte zu diesem Text finden Sie auf github.
Titel Anzeige
Jahr 1792
Ort Freiberg; Annaberg
Nachweis
in: Bergmännisches Journal 5:1:2 (Februar 1792), S. 184–188.
Sprache Deutsch
Schriftart Fraktur
Identifikation
Textnummer Druckausgabe: I.17
Dateiname: 1792-Anzeige-1
Statistiken
Seitenanzahl: 5
Zeichenanzahl: 4615

|184|

Anzeige.

Herr von Beroldingen erwaͤhnt in ſeineruͤberaus intereſſanten und lehrreichen Schrift uͤber die Vulkane Th. 1. S. 285. des Vor-kommens des Waſſers in den Unkler Baſalten —ein Vorkommen, das ich zuerſt in einer eigenenAbhandlung in Hrn. Crells chem. Annalen 1790St. 5. S. 414. und nachmals in meinen Miner.Beob. uͤber einige Baſalte am Rhein (doch beidemale anonymiſch) bekannt gemacht habe. Erwuͤnſcht im Namen des ſich belehren wollendenmineralogiſchen Publikums zu wiſſen, „an wen„man ſich wegen dieſer ſonderbaren, von ſo vie-„len gelehrten Naturforſchern nicht bemerkten„Erſcheinung zu halten habe.“ Da ich durch den litterariſchen Streit uͤberdie Aegyptiſchen Alterthuͤmer, welchen Herr Witte gegen die Herren Niebuhr und Ebeling |185| und gegen mich ſo lebhaft gefuͤhrt, ohnedies laͤngſtveranlaßt wurde, mich ſelbſt als den Verfaſſerder Miner. Beobachtungen oͤffentlich zu nennen,und da jener Aufforderung des Herrn von Berol-dingen alſo ſchon dadurch einigermaßen Genuͤgegeleiſtet worden iſt, ſo fuͤge ich hier nur die Nach-richt hinzu, daß Herr Werner bereits vor eini-gen Jahren ebenfalls Waſſer in den Baſaltender Pflaſterkante bei Markſuhl entdeckte, wor-uͤber wir eine intereſſante Abhandlung von dieſemberuͤhmten und vortreflichen Mineralogen zu er-warten haben. *) In dem zweiten, an wichtigen Beobachtun-gen nicht minder reichen Theile S. 306 giebtmir H. v. B. Schuld: daß ich ihm den vul-kaniſchen Staar uͤber ſeine Sublimations-hypotheſe habe ſtechen wollen. Die Worte,welche ſich in meiner Schrift auf dieſe Hypotheſebeziehen, lauten alſo: „Die Naͤhe in welcher ſich die Zweibruͤcki-„ſchen Queckſilberminen mit den Baſalten be-
*) Auch fuͤr die Erſcheinung des Schwefelkieſes imBaſalte hole ich hier noch eine Autoritaͤt nach, die ichbisher uͤberſehen habe. S. Herrn v. Charpentiers Be-obachtungen uͤber den Huthberg bei Herrnhuth in derMiner. Geographie S. 30.
|186| „fanden, zog die Aufmerkſamkeit eines gelehrten„und ſcharfſinnigen Mineralogen auf ſich. Herr„v. Beroldingen erklaͤrte die mercurialiſchen„Erze dieſer Gegend fuͤr Sublimate des vulkan.„Feuers. Ich muß geſtehen, daß ob ich gleich„ſelbſt einen großen Theil dieſes merkwuͤrdigen„Gebirges ſahe, der Augenſchein mich doch nicht„von jenen vulkaniſchen Wirkungen uͤberzeugen„konnte, weil ich den Grundſatz dieſer Hypotheſe,„die ehemalige Fluͤſſigkeit der Baſalte fuͤr noch„immer nicht hinlaͤnglich erwieſen hielt, doch bin„ich nicht unbeſcheiden genug, um dieſe Aeuße-„rung fuͤr mehr, als einen ſchwachen Zwei-„fel auszugeben.“
H. v. B. verſichert, daß ich in dieſer Stelleſelbſt geſtuͤnde, unbeſcheiden zu ſein, ja allen-falls noch unbeſcheidner ſein zu koͤnnen, daßich ihm die Meinung von der Fluͤſſigkeit der Ba-ſalte aufbuͤrde, an die er nie gedacht, ja in Hr. Crells chem. Beitraͤgen II. S. 131 ſelbſt beſtrit-ten habe u. ſ. f. Dieſe Vorwuͤrfe ſcheinen mirin einem bloßen Misverſtaͤndniſſe gegruͤndet zuſeyn, da Hr. v. B. und ich verſchiedene Ideenmit dem Worte Baſalt verknuͤpfen (wie ich auchaus Th. 1. S. 291 erſehe, wo ich Baſalt und |187| Schlacke verwechſelt haben ſoll.) Ich war ſelbſtdamals, als ich jene kleine, jugendliche Arbeitherausgab, weit davon entfernt, die verſchiedenenTheorien uͤber die Entſtehung des Baſalts miteinander zu vermengen, und ich bezog mich (S. 18meiner Miner. Beobacht.) nicht auf H. v. Be-roldingens Meinung von der Entſtehung des-jenigen Foſſils, das er ausſchließlich Ba-ſalt nennt, ſondern auf die poroͤſen Geſteinar-ten, die er (wie ich aus ſeinem Buche und ausden, mit Feuerflammen bezeichneten, Bergenauf ſeiner Petrographiſchen Karte ſchloß) fuͤrwirkliche Laven erklaͤrte, welche ich aber der Baſaltformazion beizaͤhle. Ob ich durch jenen Ausdruck „ich binnicht unbeſcheiden genug u. ſ. f.“ das Ge-ſtaͤndniß einer ſchon begangenen Unbeſcheidenheitabgelegt habe, iſt eine grammatiſche Frage, die ichgern unbeantwortet laſſe. Sonderbar indeßgenug, daß ich wegen einer Wendung getadeltwerde, durch die ich dem Vorwurfe, ich wolleden H. v. B. zurechtweiſen, oder durch die bloſeAeußerung meines Zweifels eine ganze Theoriewiderlegen, voͤllig entgehen zu koͤnnen glaubte! Ich wuͤrde dieſer kleinen Umſtaͤnde nicht ein-mal erwaͤhnen, wenn ich nicht fuͤr den großen |188| Theil des mineralogiſchen Publikums (welchermeine Schrift nicht geleſen hat) unangenehmeMisverſtaͤndniſſe zu vermeiden wuͤnſchte. Dennder Ausdruck des „Staarſtechens“ laͤßt meinerSeits ein Benehmen ahnden, deſſen ich mir unbewußt bin, und welches ich mir, nachmeinen Ideen von Sittlichkeit, nie erlau-ben werde.

F. A. v. Humboldt.